Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
14.02.2020
18
62129
12
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„Das geht doch so alles nicht!“ Ein Hyperspanner [25] flog im hohen Bogen durch den Maschinenraum und einige Crewmitglieder duckten sich vorsichtshalber weg. Nicht nur, um dem Werkzeug aus dem Weg zu gehen, sondern vor allem in dem kläglichen Versuch, der schlechten Laune der Chefingenieurin irgendwie zu entkommen.

Diese kam gerade wutentbrannt unter einer Konsole hervorgekrochen und sah sich in dem scheinbar menschenleeren Maschinenraum um.

„Ich weiß, dass hier Leute arbeiten und je länger ihr Euch versteckt, umso schlimmer wird es. Wir müssen die Voyager wieder flottkriegen, damit wir Commander Chakotay und Captain Janeway retten können, also kriecht wieder aus euren Löchern raus und fangt endlich an zu arbeiten oder ich ziehe Euch persönlich heraus und zeige Euch, wie man ein Raumschiff repariert und das wird nur wenig erfreulich! Das verspreche ich Euch!“

Tatsächlich zeigten sich nach und nach die Techniker und gingen wieder an die Arbeit.

„Geht doch!“, murmelte B’Elanna Torres und schlug mit ihrer flachen Hand auf ihren Kommunikator.

„Torres an Kim! Harry, ich brauche Sie im Maschinenraum. JETZT!“

Die Halbklingonin und der junge Fähnrich hatten schon oft erfolgreich zusammengearbeitet und B’Elanna versprach sich auch jetzt einen genialen Einfall von dem jungen Offizier. Ihr gingen nämlich allmählich die Ideen aus. Sie war in den letzten Tagen immer wieder in Sackgassen gelandet, wenn sie versucht hatte Stromkreise zu schließen oder Alternativen für die Energieversorgung zu finden. Vielleicht brauchte sie einfach mal einen anderen Blick auf die Dinge und da war Harry genau der Richtige.

Außerdem war Kim einer der Wenigen, die ihre Launen ertrugen und sich nicht sofort aus dem Staub machten, wenn es mal lauter wurde, so wie andere es ständig taten.

„Kim hier! Ich bin auf dem Weg!“, kam dann auch prompt die Antwort.

B’Elanna seufzte und blickte sich in dem Raum, der kaum noch Ähnlichkeit mit der präzisen Anordnung ihres Maschinenraums hatte um.

„Hoffentlich hast Du eine gute Idee, Harry! Meine sind mir ausgegangen!“, murmelte sie vor sich hin, bevor sie wieder unter die Konsole der zentralen Energieversorgung kroch.

+++

„Sie haben ihn umgebracht!“, fassungslos starrte Janeway den Anführer der Iraluaner an, der in diesem Moment mindestens ebenso erschrocken wirkte, wie sie selbst. Doch dafür hatte sie nun keinen Blick. Noch immer schlugen die Überwachungsgeräte Alarm und zwei weitere Iraluaner kümmerten sich um Winnetou.

Der Alarm verstummte und für eine Weile war es gespenstisch still in dem Raum.

Janeway fixierte Xeman mit einem eisigen Blick aus ihren blauen Augen und dieser schien seine Stimme noch immer nicht wiedergefunden zu haben und hielt seinen Blick fast schon beschämt ein wenig gesenkt.

Beide erschraken ein wenig, als dann doch eine Stimme die Stille des Raums förmlich durchschnitt.

„Er lebt! Er ist nur bewusstlos. Einige der Sensoren hatten sich von der Haut gelöst – deswegen der Alarm. Aber er ist sehr schwach. Die Entnahme war schon weit vorangeschritten. Ich glaube nicht, dass er es schafft. Es ist nur noch eine Frage von wenigen Stunden.“

Nach einem langen Blick auf die reglose Gestalt des Indianers, wandte sich Janeway wieder an Xeman.

„Wie weit sind wir von dem Wüstenplaneten und der Voyager entfernt und wie schnell können wir da sein, wenn Sie ihr Schiff auf maximale Geschwindigkeit bringen?“

Der Iraluaner machte eine fast schon hilflos wirkende Geste mit seinen Händen.

„Warum wollen Sie das jetzt noch wissen, Kathryn? Sie haben ihn gehört. Ihr Freund wird sterben. Und nun ist uns gar nichts mehr geblieben. Kein Subjekt mehr und kaum verwendbares Material von ihm. Ich verspreche Ihnen, dass wir sie zu ihren Leuten zurückbringen. Sie haben uns genug Unglück gebracht. Aber wir machen es in unserem Tempo. Ich möchte…“

„Hören Sie, Xeman. Vielleicht haben Sie es ja vergessen, aber ich bin nicht freiwillig hier und Winnetou ganz sicher auch nicht. Sie haben uns angegriffen, mein Schiff nahezu vollständig zerstört und uns beide entführt. Sie haben Winnetou als lebenden Spender für Gott weiß was missbraucht und ihn an den Rand des Todes gebracht und da sagen Sie, dass ICH Ihnen Unglück gebracht habe? Sie haben wirklich Nerven! Meine sind kurz vor dem zerreißen. Das kann ich Ihnen versichern. Meine Geduld mit Ihnen ist aufgebraucht. Bringen Sie mich zu meinen Leuten und zu meinem Schiff und das so schnell es geht. Halten Sie Winnetou so lange am Leben und dann sehen wir weiter. Sind wir noch in Kommunikationsreichweite der Voyager?“

Xeman war zu überrascht, um unmittelbar auf Janeways Ausbruch reagieren zu können. Genau darauf hatte sie spekuliert.

„Wenn Ihre Leute das Kommunikationssystem schon repariert haben, sollten wir sie in etwa einer Stunde rufen können. Vorausgesetzt ich wende das Schiff und fliege zurück.“

Janeway legte ihre Hand auf Xemans Oberarm, der dies zwar mit einem leichten Stirnrunzeln quittierte, aber geschehen ließ.

„Dann wenden Sie dieses Schiff und fliegen zurück. Wenn wir eines gemeinsam haben, dann, dass wir nichts mehr zu verlieren, aber alles zu gewinnen haben.“

Xeman blickte einen Moment zu Boden, dann hob er sein Handgelenk, an dem offenbar der Kommunikator in Form eines grauen Armbands war, zu seinem Mund.

„Xeman an Brücke!“

„Brücke, Lorok hier.“, kam es aus dem kleinen grauen Armband zurück.

„Wenden Sie das Schiff und fliegen Sie zum Hancockplaneten zurück. Höchstgeschwindigkeit!“

„Entschuldigung, Regent Xeman! Ich habe den Befehl anscheinend nicht richtig verstanden. Könnten Sie ihn wohl wiederholen?“

„Lorok, ich denke, Sie haben ihn sehr gut verstanden. Also wenden Sie das Schiff und fliegen Sie zurück. Sofort und so schnell es geht!“

Xeman war wieder lauter geworden und die Adern an seinen Schläfen traten deutlich hervor.

Dann atmete er wieder durch und wandte sich zu Janeway.

„Hancockplanet? Das klingt fast schon nach einer Bezeichnung, die von der Erde stammen könnte.“

Xeman zuckte mit den Schultern.

„Der Name wurde so überliefert und wir nutzen ihn weiterhin. Der Hancockplanet war vor vielen Generationen unsere Heimat. Bis er durch eine Supernova der dritten Sonne unbewohnbar wurde und unsere Vorfahren gezwungen waren ihn zu verlassen. Nur eine Generation später fing diese furchtbare Krankheit an um sich zu greifen und unsere Reihen zu lichten und wir suchten die Ursache auf dem Hancockplaneten. Doch das Einzige, was wir dort fanden, war dieses Portal in der Höhle, das uns ein Signal gibt, wenn ein geeignetes Subjekt vorhanden ist.“

„Also können sie es bedienen und steuern. Warum haben…?“

Xeman hob eine Hand, um Janeway zu unterbrechen.

„Wir können es nicht bedienen und schon gar nicht steuern. Es sendet ein Signal aus, wenn ein Subjekt in der Höhle angekommen ist. Mehr nicht! Wir haben es untersucht, schon oft und schon seit vielen Generationen, doch wir konnten das Rätsel um dieses Portal nie lösen.“

Janeway seufzte einmal frustriert auf. Das wäre ja auch einmal einfach gewesen, aber vielleicht konnten sie und ihre Crew ja das Geheimnis dieses Portals lüften, wenn sie erst mit den Iraluanern zusammenarbeiteten. Sie mussten es einfach entschlüsseln, denn eine Weiterreise ohne Chakotay war für sie einfach nicht vorstellbar.

Und dann war da ja auch noch Winnetou. Ihn mussten sie ebenfalls wieder in seine Zeit und zu seinen Leuten zurückbringen.

Wieso wurden ihnen nur immer wieder Steine in den Weg gelegt. War die Aufgabe, eine aus ehemaligen Feinden zusammengewürfelte Crew, die 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt gestrandet ist, wieder nach Hause zu bringen, nicht schwierig genug?

Auf einmal fühlte sie sich erschöpft und unendlich müde. Mit einer fahrigen Bewegung wischte sie sich über ihre Augen.

„Ich bringe Sie jetzt zu ihrem Quartier und melde mich, sobald wir in Rufweite zu Ihrem Schiff sind.“

Janeways Blick ging auf die leblose Gestalt Winnetous. Nein, so müde sie auch war, das konnte sie jetzt nicht über sich bringen.

„Ich möchte lieber hier bei ihm bleiben, wenn ich darf. Er glaubt, ich hätte ihn betrogen und das ist…Das ist einfach nicht richtig. Er sollte einfach jetzt nicht allein sein, auch wenn er bewusstlos ist, mich gar nicht richtig kennt und vermutlich meine Anwesenheit überhaupt nicht spürt.“

+++

Seit einer gefühlten Ewigkeit arbeiteten Harry und B’Elanna nun schon ohne Unterbrechung im Maschinenraum. Es gab einige Erfolge zu verzeichnen aber leider auch immer wieder Misserfolge, die sie ein ums andere Mal zurückgeworfen hatten. Doch davon ließen sie sich nicht beirren.

„Wie wäre es, wenn wir Energie von den Replikatoren [21] ableiten?“

Harry Kim hatte die Frage eigentlich nur vor sich hingemurmelt, doch B’Elanna stieg direkt darauf ein.

„Aber die sind doch offline!“

„Eben, wir nutzen sie sowieso nicht. Doch sie sind nicht offline, weil sie beschädigt sind, zumindest nicht allzu stark, sondern um Energie zu sparen und weil ihre Reparatur als nicht so wichtig eingestuft wurde. Lebensmittel können vom hydroponischen Garten [26] bezogen werden und Vorräte haben wir ebenfalls noch an Bord, so dass wir die Replikatoren weiterhin nicht wirklich benötigen. Es dürfte nicht schwierig sein, Energie abzuleiten und dorthin zu bringen, wo wir sie im Moment dringender brauchen.“

Das Gesicht der Halbklingonin hellte sich auf der Stelle auf. Sie schlug dem jungen Fähnrich kräftig auf die Schulter.

„Sie sind ja tatsächlich zu etwas zu gebrauchen, Sternenflotte!“

Harry grinste breit. Es war schon lange her, dass B’Elanna ihn so genannt hatte. Seitdem war so viel passiert und nicht zuletzt waren sie inzwischen gute Freunde geworden.

„Sie müssen nur höflich fragen, Maquis!“, gab er gutgelaunt zurück.

„Für Höflichkeit haben wir keine Zeit! Wohin sollen wir diese Energie also ableiten. Die Kommunikation haben wir bereits wieder einigermaßen stabil. Ich denke, als nächstes sollten wir uns die Langstreckensensoren vornehmen, damit wir vielleicht noch sehen können, wohin diese Fremden Captain Janeway und unseren Gast entführt haben. Am Antrieb arbeiten meine Leute ohnehin parallel. Also los, Harry!“

Gerade, als die beiden ihre Arbeit wieder aufnehmen wollten, meldete sich das interne Kommunikationssystem.

„Brücke an Lieutenant Torres und Fähnrich Kim.“

Harry aktivierte den Kommunikator.

„Kim hier, was gibt’s?“

„Fähnrich Kim! Captain Janeway möchte mit Ihnen und Lieutenant Torres sprechen!“

B’Elanna und Harry sahen sich verwirrt an. War das diensthabende Crewmitglied auf der Brücke irgendwie verrückt geworden oder hatte er zu viel von dem noch immer in der Luft stehenden Qualm eingeatmet?

Die Halbklingonin fasste sich als Erste wieder.

„Crewman…Johnson, habe ich Recht?“

„Ja Ma’am!“, kam es zögerlich zurück.

„Das ist nun wirklich nicht die Zeit für irgendwelche seltsamen Scherze und ich kann Ihren Humor nicht teilen. Ich...“

„B’Elanna? Harry?“, kam mit einem Mal die Stimme von Captain Janeway über den Lautsprecher.

Irritiert sahen sich die beiden Angesprochenen an. Die Ingenieurin fand zuerst ihre Stimme wieder.

„Captain? Aber wie…“

„Es ist nun keine Zeit für Erklärungen. Wie weit sind Sie mit den Reparaturen? Ist der Doktor wieder Online [16]?“

„Der Doktor? Captain, wir haben uns um die Holoemitter überhaupt noch nicht gekümmert. Es...“

„Ich weiß B’Elanna! Es hatte keine Priorität und das war auch richtig so. Jetzt ist der Doktor aber wichtig. Extrem wichtig! Wir brauchen ihn und den Zugriff auf die medizinische Datenbank der Föderation. Ich werde in…“ Janeways Stimme wurde leiser. „Xeman, wann werden wir den Planeten erreichen?“ Die Antwort war über die Kommunikationsleitung nicht zu hören.

„B’Elanna, Harry. Wir werden in etwa drei Stunden wieder bei Ihnen sein. Wir haben einen akuten medizinischen Notfall und ein größeres medizinisches Problem zu lösen. Ich verlasse mich auf Sie.“

„Captain, geht es Ihnen gut?“, erkundigte sich Harry Kim besorgt.

„Mir geht es gut. Es ist Winnetou und es sind die Iraluaner, um die wir uns sorgen sollten. Also gehen Sie an die Arbeit. Ich erkläre alles später. Janeway Ende!“

+++

„Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls.“

Erst verwirrt und dann zunehmend verärgert sah sich der holografische Arzt in dem Raum um, der einmal die Krankenstation gewesen war, nun aber eher einem Trümmerfeld glich.

Überall lagen Scherben und medizinische Instrumente auf dem Boden, aus den Wänden und Deckenplatte quollen ganze Kabelstränge hervor und sämtliche Oberflächen waren rußgeschwärzt.

Seine optischen Sensoren erfassten Lieutenant Torres und Fähnrich Kim, die auch gleich Opfer eines Redeschwalls wurden.

„Wieso werde ich eigentlich immer erst aktiviert, wenn alles zu spät ist und das Schiff einem Schlachtfeld gleicht? Kann mir vielleicht einmal irgendjemand sagen, was hier…“

B’Elanna unterbrach die Torade des Doktors, bevor er sich so richtig in rage reden konnte.

„Das sind Sie ja wieder, Doktor! Gut, dann können sie sich sofort an die Arbeit machen!“

„War ich denn weg? Mir sagt ja nie jemand was. Ich werde einfach an und ausgeschaltet, wie eine altmodische Nachttischlampe. Und welche Arbeit soll ich erledigen? Mein Arbeitsplatz liegt in Trümmern, ich sehe hier keine Patienten und ich bin nicht für Aufräumarbeiten programmiert! Oder wurde ich in meiner Abwesenheit umprogrammiert?“

Harry Kim, der zusammen mit B’Elanna auf die Krankenstation gekommen war, um die Hologitter zu reparieren fing an zu grinsen.

„Wir sind alle nicht für Aufräumarbeiten programmiert, Doktor! Und doch scheinen wir in der letzten Zeit nichts anderes mehr zu machen. Ihr großer Wunsch ist es doch, mehr in die normale Crew integriert zu werden. Also - Willkommen im Club! B’Elanna wird Ihnen das Wenige berichten, das wir wissen. Ich muss zurück auf die Brücke, um die Rückkehr von Captain Janeway und der Iraluaner vorzubereiten.“

Der Doktor wandte sich zu einer ziemlich mürrisch dreinblickenden B’Elanna Torres um.

„Wer sind die Iraluaner? Haben die hier alles zerstört? Und von wo kehrt Captain Janeway zurück? Warum ist sie nicht an Bord? Und wo…?“

Die Ingenieurin hob beschwichtigend ihre Hände.

„Ich werde Ihnen eine Kurzfassung von dem geben, was wir wissen und dann machen Sie hier in der Krankenstation, was Sie am besten können und ich gehe zurück in den Maschinenraum und mache das, was ich am besten kann. Ok?“

+++

„Außenteam an Brücke. Wir haben hier ein Problem!“

Harry Kim wünschte sich nicht zum ersten Mal, dass er und B‘Elanna das Kommunikationssystem doch nicht repariert hätten. Manchmal war es einfach besser, wenn man von zusätzlichen Problemen gar nicht erst erfuhr. Zum Glück war Lieutenant Tuvok inzwischen auf die Brücke zurückgekehrt und hatte damit das Kommando übernommen, so dass er den Ruf des Außenteams nicht entgegennehmen musste.

„Hier ist Lieutenant Tuvok! Es wäre bei der Vielzahl der Probleme, die wir derzeit haben, wirklich wünschenswert, wenn Sie sich einer konkreteren Ausdrucksweise bedienen könnten. Welcher Art ist ihr Problem, Crewman?“

„Verstanden, Sir! Wir haben wie befohlen die Höhle, in der Commander Chakotay verschwunden ist, weiterhin überbewacht. Vor ein paar Minuten wurde es mit einem Mal sehr kalt, es gab ein paar Lichtblitze, die aus den Felswänden zu kommen schienen, dann beruhigte sich sehr schnell alles wieder und seitdem liegt Commander Chakotay hier zusammen mit einem Fremden, offenbar menschlich. Er trägt einen seltsamen Anzug aus einem tierischen Material. Sie sind beide bewusstlos. Was sollen wir jetzt machen? War das konkret genug? Sir?“

Harry Kim musste sich ein Lachen verkneifen. Aufgrund der schlechte Übertragungsqualität konnte er nicht sagen, wer es da gewagt hatte, so mit Lieutenant Tuvok zu reden, doch er wettete eine Tagesration, dass es nur jemand von den Maquis sein konnte und keinesfalls jemand von der Sternenflotte. Dazu hatten die Sternenflottenabsolventen ein zu hartes Training absolviert und ihnen wurde der Respekt vor einem Offizier geradezu täglich eingetrichtert.

Gerade, als Tuvok zu einer Antwort ansetzen wollte, kam ein weiterer Kommunikationsruf herein.

„Lieutenant Tuvok? Wir werden gerufen. Nur Audio. Ohne die Langstreckensensoren kann ich nur raten, vom wem wir gerufen werden, aber von der Signatur her, sieht es aus wie die Iraluaner, also wird es wohl Captain Janeway sein.“, meldete Harry Kim.

„Einen Augenblick, Fähnrich Kim! Tuvok an Außenteam!“

„Ja, Sir!“

„Bringen Sie Commander Chakotay und den Fremden auf die Krankenstation und warten Sie dort auf weitere Anweisungen!“

Tuvok nickte Harry Kim zu.

„Öffnen Sie den Kanal, Fähnrich Kim!“

„Kanal offen!“

„Hier spricht Lieutenant Tuvok vom Föderationsraumschiff Voyager. Mit…!“

„Tuvok! Ich habe mich selten so gefreut Ihre Stimme zu hören, das können Sie mir glauben! Wir können später gegenseitig über alles Bericht erstatten. Aber jetzt haben erst einmal ein paar Dinge Vorrang. Wie sieht es auf der Krankenstation aus? Ist der Doktor in Betrieb?“

Janeway sprach fast ohne Punkt und Komma, was für eine wirklich dringende Situationslage sprach.

„Captain! Ich…”

„Später, Tuvok! Ich werde mich zusammen mit Xeman, dem Anführer der Iraluaner und Winnetou unserem Gast, der mit mir zusammen…ähm..sagen wir mal… von den Iraluanern mitgenommen wurde, zurück auf die Voyager beamen [27], sobald wir in Transporterreichweite [27] sind. Geschätzte Ankunftszeit ist in einer Stunde. Der Doktor soll sich auf einen sehr geschwächten Patienten vorbereiten.“

„Captain!“, setzte sich Tuvok dann doch durch. „Commander Chakotay ist wieder da. Wir wissen noch nichts Genaues, da die Nachricht vom Außenteam nur Sekunden vor ihrem Kommunikationsruf hereinkam. Er befindet sich nun auf der Krankenstation. Mit Ihm zusammen ist ein weiterer Gast gekommen.“

„Chakotay ist wieder da?“

Die Erleichterung des Captains war selbst durch die schlechte Kommunikationsverbindung hörbar und Harry konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, während die hochgezogenen Augenbrauen von Tuvok fast im Haaransatz verschwanden.

Captain Janeway hatte sich schnell wieder gefasst und wieder den üblichen Kommandoton angeschlagen.

„Tuvok, erstatten Sie mir so schnell wie möglich Bericht über den Zustand des Commanders und des Mannes in seiner Begleitung. Janeway Ende!“

Tuvok kam gar nicht mehr dazu, den Befehl zu bestätigen. Er wandte sich kurz an Harry Kim.

„Ich gehe zur Krankenstation. Sie haben die Brücke!“

Auf der Krankenstation wurde Tuvok von einem sehr übelgelaunten Doktor begrüßt.

„Wie schön, dass es mal jemand für nötig hält, hier vorbeizukommen, um mir zu erzählen, was hier eigentlich los ist!“

Tuvok ließ sich davon nicht beirren.

„Wie geht es dem Commander und dem anderen Mann?“

„Sagen Sie es mir doch. Sie wissen mit Sicherheit mehr als ich. Ich war ja mal wieder abgeschaltet und man hat mich erst aktiviert, als es offenbar bereits zu spät war.“

„Das ist keine Antwort auf meine Frage, Doktor!“

Das Hologramm rang mit den Händen.

„Wer bin ich schon, dass ich mit einem Vulkanier diskutiere. Ich bin ja nur ein Hologramm, das nur dann aktiviert wird, wenn es mal wieder ein Leben retten soll!“

„Doktor, bitte!“

„Schon gut, schon gut! Also der Commander ist lediglich bewusstlos, hat ein paar Schrammen und Prellungen und er ist ein wenig unterkühlt. Er sollte eigentlich bald wieder aufwachen. Dann wir ihm vermutlich der Schädel brummen, aber ansonsten sollte er schon bald wieder der Alte sein. Eine Auffälligkeit in seinen Vitalwerten wird ihn aber wohl von nun ab begleiten. Er zeigt Spuren von einer massiven temporalen Anomalie, als ob er in einem völlig anderen Jahrhundert gewesen ist. Können Sie mir dazu etwas sagen, Lieutenant Tuvok?“

„Wird ihn das irgendwie beeinträchtigen?“

„Nein, aber…!“

„Dann ist es jetzt auch nicht wichtig. Was ist mit dem anderen Mann? Er sieht aus, wie ein Mensch.“

Der Doktor murmelte noch ein: “Natürlich ist es nicht wichtig, wenn ich danach frage.“, vor sich hin, wandte sich aber bereits seinem weiteren Patienten zu.

„Also, während Commander Chakotay meine herausragenden medizinischen Fähigkeiten ganz sicher nicht benötigt, haben wir es hier mit einem ganz anderen Fall zu tun. Zunächst einmal ist Ihre Beobachtung wie immer akkurat und zutreffend, Lieutenant. Es handelt sich hier um einen Menschen, männlich – um präzise zu sein. Wir reden nun einmal nicht darüber, dass mir dieser Mann vollkommen unbekannt ist, er aber dennoch hier auf meiner Krankenstation liegt und ich ihn ohne irgendwelche Vorkenntnisse behandeln soll...“

„Doktor, auf den Punkt, bitte!“

„Wie Sie wünschen! Er ist schwach, wird kontinuierlich schwächer und ich weiß nicht warum. Seine Vitalwerte sind eine einzige Katastrophe und es gibt keine Indikatoren, keinerlei Verletzungen, die diesen Zustand begründen.Er weißt noch eine viel größere temporale Anomalie auf, als unser Commander hier. Ich weiß zwar nicht wo er herkommt und was er auf meiner Krankenstation macht, aber er gehört eindeutig nicht in diese Zeit. Das ist aber nicht das, was ihn krank macht. Keine der mir zur Verfügung stehenden Daten, passt auf diese Symptome. Ich…“

In diesem Moment passierten gleich mehrere Dinge gleichzeitig. Commander Chakotay erwachte aus der Bewusstlosigkeit und versuchte sofort aufzustehen, was der Doktor verhindern wollte. Captain Janeway materialisierte zusammen mit Xeman und Winnetou, der auf einer schwebenden Krankenbahre zwischen den beiden hing. Die Überwachungsmonitore über dem fremden Mann, der mit Chakotay angekommen war, schlugen wie wild Alarm und zeigten ständig variierende Anzeigen.

Dem Doktor wurde es nun eindeutig zu viel.

„Hier herrscht eindeutig Überbevölkerung und zu viel Chaos. Lieutenant Tuvok und Sie da!“, er zeigte auf Xeman.

„Legen Sie den nächsten Patienten, der mir unbekannt ist, auf das Biobett [28] da vorne und verlassen Sie dann meine Krankenstation. Captain Janeway, kümmern Sie sich um Commander Chakotay. Er soll einfach liegen bleiben, bis ich mir ein Bild von seinem Zustand machen kann. Er hört sowieso nur auf Sie und ich könnte Sie ohnehin nicht hier herausschicken, solange der Commander hier liegt. Lieutenant Paris?“

„Paris hier!“, kam es über den Kommunikator.

„Ich brauche Sie hier auf der Krankenstation, sofort!“

Der Doktor unterbrach die Kommunikation, bevor Paris überhaupt antworten konnte.

Alle Anwesenden waren vom plötzlichen Kommandoton des Hologramms so überrascht, dass zunächst einmal gar nichts geschah.

„Was ist los? Hat man auch meine Sprachroutinen umprogrammiert, so dass mich niemand mehr versteht?“

Janeway wusste, dass es keinen Sinn machte mit dem Doktor zu diskutieren und dass sie gerade nur unnötig Zeit verloren. Sie nickte Tuvok und Xeman kurz zu, die den noch immer bewusstlosen Winnetou vorsichtig auf das Biobett legten und begab sich an die Seite von Chakotay.

Dieser sah zwar immer noch ein wenig blass und sehr verschrammt, dreckig und mitgenommen aus, aber ansonsten schien es ihm gut zu gehen.

Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und beugte sich zu ihm herab:

„Gut Sie in einem Stück wiederzuhaben, Chakotay!“

Chakotay lächelte. Er mochte es, wenn sie ihn beim Vornamen und nicht bei seinem Rang ansprach. Dann wusste er, dass er mit Kathryn sprach und nicht mit seinem Vorgesetzten Offizier.

Der innige Moment der beiden Kommandooffiziere wurde jedoch vom Doktor jäh unterbrochen:

„Wenn ich die beiden Turteltauben einmal kurz um Aufmerksamkeit bitten darf? Das hier ist seltsam.“

Janeway war sofort wieder im Kommandomodus.

„Was genau ist seltsam, Doktor?“

Der Doktor zeigte auf die beiden Monitore, die über den Biobetten von Winnetou und Old Shatterhand angebracht waren.

„Die Vitalwerte. Sie haben sich in dem Moment aneinander angeglichen, als die beiden nebeneinandergelegt wurden. Das Phänomen ist so nicht in meiner Datenbank verzeichnet. Ihre Herzen schlagen seit wenigen Augenblicken exakt im gleichen Takt!“

[16] Holo Emitter / Holo Doc: Die Voyager hat, als sie in den Deltaquadranten gezogen wurde, einen Teil ihrer Crew verloren, darunter auch den leitenden Arzt. Die Schiffe der Sternenflotte sind allerdings mit einem sogenannten MHN – Medizinisch-Holografischen-Notfallprogramm ausgestattet. Diese Hologramme können mit den Crewmitgliedern interagieren und auf eine umfangreiche medizinische Datenbank zugreifen, um Behandlungen durchführen zu können. Leider funktioniert da MHN nur, wenn auch genug Energie für die Holo-Emitter da ist, die für die Projizierung des Hologramms benötigt werden.

[21] Replikator: Der Replikator (von lat. replicare = wiederholen, wiederherstellen) ist ein Gerät zur Synthetisierung von Materie und Erzeugung von Gegenständen nach zuvor programmierten Mustern mittels Transportertechnologie.

Raumschiffe der Föderation sind im 24. Jahrhundert standardmäßig mit mehreren Replikatoren ausgestattet, da sie der Besatzung eine größere Auswahl an Speisen und Getränken anzubieten, deren Vielfalt nur durch die Programmierung des Replikators begrenzt ist. Viele Personen erkennen keinen Unterschied zwischen replizierten und frisch zubereiteten Speisen, einige wenige jedoch schon.

Replikatoren können auch benutzt werden, um Maschinenteile oder Kleidung zu replizieren.

[25] Hyperspanner: Einfaches Werkzeug, in etwa mit einem elektronischen Schraubenschlüssel zu vergleichen.

[26] Hydroponischer Garten: In einem Hydroponischen Garten werden Pflanzen in Flüssigkeit großgezogen. Die Crew der Voyager hat einen Lagerraum zu einem hydroponischen Garten umgebaut, um Nahrungsvorräte für die lange Reise ergänzen zu können.

[27] Beamen/Transporter: Beim Beamen, manchmal auch Teleportation genannt, wird ein Objekt oder eine Person mit Hilfe eines Transporters zu einem anderen Ort transferiert, ohne dass sie sich selbst dabei bewegt.

Der Standardtransporter, welcher neben der Sternenflotte auch von den meisten anderen benachbarten Völker benutzt wird, zerlegt das zu beamende Objekt in seine Atome und schickte diese einzeln durch einen Materiestrom zum Zielgebiet und rematerialisiert (fügt sie zusammen) sie dort wieder.

[28] Biobett: Ein Biobett dient zur Untersuchung der Patienten auf einer Krankenstation. Jegliche Form von medizinischer Behandlung wird in der Regel auf einem Biobett ausgeführt. Für spezielle Maßnahmen gibt es unterschiedliche Betttypen, die den jeweiligen Bedürfnissen angepasst sind.

Auf jeder Krankenstation gibt es ein primäres Biobett, welches für chirurgische Eingriffe aber auch normale Untersuchungen genutzt wird. Dazu ist es mit einem Rahmen versehen, der entweder ausfährt oder aufgesetzt wird und mit Sensoren ausgestattet ist.

Darüberhinaus gibt es weitere Biobetten auf einer Krankenstation, die für Patienten sind, die unter ständiger Beobachtung stehen müssen. Sie sind am Kopf- oder Fußende mit einem Biofunktionsmonitor ausgestattet.
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