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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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12.10.2019 2.777
 
Die Führungscrew war sofort nachdem Harry Kim vom Verschwinden des Captains berichtet hatte im Bereitschaftsraum zusammengekommen. Zumindest diejenigen, die vom Führungsstab noch übrig waren, nachdem der Doktor außer Betrieb, Chakotay offenbar in einer anderen Zeit verschwunden und der Captain entführt worden war.

Schweigen machte sich breit und alle warteten darauf, dass einer die Initiative ergriff – einen Anfang machte sie anführte.

Der ranghöchste Offizier unter ihnen und damit nun amtierender Captain war Tuvok. Doch als Vulkanier machte er ohnehin nie viele Worte und auch er, der sonst durch kaum etwas zu erschüttern war, wirkte angesichts der aktuellen Lage seltsam ratlos, was die Unruhe bei den Anderen nur noch steigerte.

Er wusste jedoch, dass alle auf ihn blickten und darauf warteten, dass er etwas sagte – irgendetwas. Es war seine Pflicht als Offizier und als Kommandant dieses Schiffes und dieser Crew. Er war es Captain Janeway schuldig.

Also räusperte er sich kurz und registrierte nur am Rande, dass die anderen erleichtert aufatmeten, weil es endlich losging:

„Vielen Dank, dass sie alle sofort gekommen sind! Wir stehen hier vor einer ungewöhnlichen Situation, die….“

B’Elanna schnaubte fast vor Wut.

„Ungewöhnlich? Echt jetzt, Mister Tuvok? Fällt Ihnen dazu nichts anderes ein? Wie wäre es mit Katastrophe, das Ende oder wir sind vollkommen erledigt? All das passt besser als….Ungewöhnlich!“

„Lieutnant Torres, ich möchte Sie bitten, mich zunächst einmal aussprechen zu lassen. Emotionen und Wortklaubereien werden uns ganz sicher nicht weiterbringen.“, gab Tuvok gewohnt stoisch zurück.

Tom beugte sich zu B’Elanna, die neben ihm saß:

„Der hat gut reden. Der hat ja keine Emotionen!“

„Das habe ich gehört Mister Paris und das hilft genauso wenig weiter, wie emotionale Ausbrüche. Können wir jetzt wieder zur Sache kommen?“

Tuvok blickte in die Runde. Keiner sagte mehr etwas.

„Ich nehme Ihr Schweigen als Zustimmung! Wir stehen vor der Situation, dass beide Kommandooffiziere derzeit verschwunden sind und zudem das Schiff mitsamt der meisten Systeme nicht einsatzfähig ist. Das heißt, wir können weder den Iraluanern folgen, die offenbar Captain Janeway und auch unseren Gast aus der Vergangenheit mitgenommen haben. Noch haben wir die geeigneten Mittel, um die Höhle zu untersuchen, in der Commander Chakotay verschwunden ist!“

„Ich sag ja – wir sind erledigt!“, fiel ihm B’Elanna wieder ins Wort und erntete dafür einen Blick von Tuvok, der sie gleich wieder schweigen ließ.

„Die einzige logische Vorgehensweise ist, die Schiffsysteme so gut es geht zu reparieren. Nur dann können wir entweder den Iraluanern folgen oder die Zeitanomalie in der Höhle weiter untersuchen, um Commander Chakotay zu finden. Nichts anderes macht Sinn und nichts anderes würde Captain Janeway von uns erwarten. Also gehen Sie an die Arbeit und seien Sie den Männern und Frauen in ihren Abteilungen ein Vorbild. Wegtreten!“

+++

Janeway trommelte mit ihren Fäusten gegen die Scheibe.

„Winnetou! Nein! Halten Sie durch!“

Xeman griff ihr in die Arme und verdrehte diese schmerzhaft auf ihren Rücken.

„Was tun Sie da? Das Subjekt kann sie sowieso nicht hören und Sie stören den Transfer.“

Janeway konnte ihr Temperament nun nicht mehr zügeln.

„Was ICH hier tue? Was tun SIE hier, Xeman? Sie bringen Winnetou um! Was hat er Ihnen getan? Warten Sie - ich werde das für Sie beantworten. Er hat Ihnen gar nichts getan! Er kann Ihnen gar nichts getan haben! Er kommt aus einer Zeit, die weit in der Vergangenheit liegt und von einem Ort, der siebzigtausend Lichtjahre von hier entfernt ist. Was also…“

„Ich weiß sehr genau, wo das Subjekt herkommt und aus welcher Zeit er stammt!“, unterbrach der Iraluaner mit ruhiger Stimme Janeways Redeschwall. „Aber wir brauchen ihn – ICH brauche ihn!“

IHN, kein Subjekt mehr. Das fiel Janeway gleich auf. In ihren Augen ein Fortschritt, den sie zu nutzen gedachte.

„Xeman, ich weiß ich bin ihre Gefangene und habe vermutlich keinerlei Rechte. Wie Sie inzwischen aber bemerkt haben, hält mich das nicht davon ab, einzufordern was ich wissen will und Dinge anzusprechen, die ich nicht verstehe oder die ich nicht für richtig halte. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Gefahr eine falsche Entscheidung zu treffen oder das Falsche zu tun in dem Maße sinkt, in dem das Wissen um die eigentliche Sache steigt. Ich stelle für Sie keinerlei Gefahr dar. Wollen Sie mir nicht sagen, worum es hier eigentlich geht? Ich bin Wissenschaftlerin, vielleicht kann ich helfen.“

Ihre Stimme war zum Ende hin immer sanfter geworden, denn sie spürte, dass eine Veränderung in Xeman vorgegangen war. Sein Blick war weicher geworden und seine gesamte Haltung wirkte irgendwie plötzlich niedergeschlagen und ja, vielleicht sogar verzweifelt.

Er holte einmal tief Luft.

„Sie sind hartnäckig, Kathryn. Hartnäckig und mutig. Mut ist etwas, das bei unserem Volk hochgeachtet wird.“

Er stockte.

„Bei denen, die von unserem Volk noch übriggeblieben sind.“

Janeway spürte, dass sie mit einem Mal ganz nah dran war zumindest ein wenig von dem Geheimnis zu lüften, das die Iraluaner und Xeman umgab. Sie musste nun behutsam vorgehen, damit sich die Tür, die sich gerade für sie zu öffnen schien, nicht gleich wieder zufiel.

„Wie meinen Sie das, Xeman? Ich verstehe nicht ganz!“, sagte sie mit sanfter Stimme, obwohl alles in ihr danach drängte endlich Informationen zu bekommen. Zudem hielt sie immer so unauffällig wie möglich einen Blick durch das Fenster auf Winnetou und das, was dort mit ihm geschah.

Sie musste hier schnell zu einem Ergebnis kommen, sonst war der Indianer mit Sicherheit verloren.

Xeman schwieg und blickte zu irgendeinem entfernten Punkt, den nur er sah. Es verstrichen wertvolle Sekunden, die sich für Janeway wie Minuten oder gar Stunden anfühlten, dann endlich sah er sie an.

„Wir sterben.“

Nur zwei Worte, doch mit einer solchen Bestimmtheit und Traurigkeit gesprochen, dass es Janeway unwillkürlich eine Gänsehaut verursachte.

Sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte, doch verspürte gleichzeitig den Drang, irgendetwas sagen zu müssen, um den Zugang zu Xeman, den sie nun hatte nicht gleich wieder zu verlieren.

„Wer stirbt, Xeman? Und was hat das mit Winnetou und mir zu tun? Wollen Sie mir nicht einfach alles erzählen? Vielleicht kann ich helfen. Es wäre nicht das erste Mal, dass meine Crew und ich eine Lösung finden, wo andere keine mehr sehen konnten.“

Das war weit aus dem Fenster gelehnt, denn noch wusste Kathryn ja gar nicht, womit sie es zu tun hatte, doch zu ihrer Erleichterung konnte sie sehen, dass ihre Worte Wirkung zeigten, denn Xeman schien sich aus seiner Starre zu lösen.

„Glauben Sie mir Kathryn. Sie können hier nicht helfen. Niemand kann das – nicht dauerhaft. Das Subjekt…“, damit zeigte er durch das Fenster auf Winnetou. „Das Subjekt verschafft uns ein wenig Zeit und Zeit ist Hoffnung auf ein Wunder. Doch mehr ist es nicht.“

Kathryn dämmerte es, dennoch war es kaum mehr als ein Schuss ins Blaue.

„Geht es hier um eine Krankheit, Xeman. Wird ihr Volk von irgendeiner Seuche heimgesucht?“

Der Iraluaner ließ den Kopf hängen und nickte langsam.

„Ja und sie ist tödlich – für jeden. Irgendwann bricht sie bei jedem von uns aus, dann ist es zu spät. Es gibt kein Heilmittel und wir kennen die Ursache nicht. Allein die Nutzung von kompatiblen Subjekten verschafft ein wenig Zeit.“

Bei den Worten kompatibles Subjekt lief Janeway ein kalter Schauer über den Rücken. Winnetou sollte also als eine Art menschliches Ersatzteillager dienen. Ein grauenhafter und unvorstellbarer Gedanke, der sie für einen Moment zu lähmen drohte.

Unweigerlich schüttelte sie ihren Kopf. Sie musste das, was auch immer dort gerade mit Winnetou angestellt wurde stoppen, bevor es zu spät war.

„Hören Sie, Xeman! Ich möchte wirklich mehr darüber erfahren und gemeinsam finden wir bestimmt eine Lösung. Da bin ich mir sicher. Aber ein Menschenleben zu opfern, um ein anderes zu retten ist in unserer Kultur…“

„Ich weiß, was sie sagen wollen, Kathryn. Glauben Sie mir, es fällt uns nicht leicht, dies zu tun. Doch wenn die Liebsten im Sterben liegen und es keine anderen Optionen mehr gibt, dann fallen die Grenzen von Ethik und Moral. Das Wie spielt keine Rolle mehr, sondern nur noch die Chance darauf, dass sie ein wenig länger leben. Nur noch ein Jahr – einen Tag oder auch nur eine Stunde bei uns sind. Die Subjekte leiden nicht. Dafür sorgen wir und ich wünschte es gäbe eine andere Möglichkeit. Doch wir haben alle denkbaren Wege erforscht und sind immer nur mit leeren Händen zurückgekommen.“

In Janeways Kopf begann sich langsam ein Bild von dem zu formen, was hier vor sich ging – und es war kein schönes Bild.

Noch einmal sah sie verstohlen durch das Fenster zu Winnetou. Sie musste das stoppen – schnell – sonst war es für ihn zu spät.

Xemans Stimme holte sie aus ihren Gedanken.

„Er spürt nichts.“

Janeway spürte, dass sie vor lauter Hilflosigkeit wütend wurde.

„Woher wollen Sie das wissen? Haben Sie es mal selbst ausprobiert? Wohl kaum, denn sonst ständen Sie jetzt nicht vor mir!“

Sie versuchte wieder ruhiger zu klingen.

„Xeman, stoppen Sie das, was Sie auch immer dort mit Winnetou tun. Lassen Sie ihn meinetwegen sediert. Legen Sie ihn in Stasis [24], wenn Sie so eine Vorrichtung haben und lassen Sie uns an einer Lösung Ihres Problems arbeiten. Ich bin mir sicher, dass wir mit den Ressourcen der Voyager ein Heilmittel finden können. Ich….“

„Voyager? Ihr Schiff?“, Xeman lachte kurz auf. „Es ist nahezu zerstört. Es ist nicht mehr genug Technik übrig, um irgendwie zu helfen. Selbst wenn und auch das bezweifle ich, Sie vorher dazu in der Lage gewesen wären.“

Janeway konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken.

„Sie kennen meine Crew nicht, Xeman. Sie denken, ich bin stur, hartnäckig und mutig? Meine Crew ist noch viel mehr als das. Sie geben niemals auf – niemals. Wir haben gemeinsam schon Dinge überstanden, die wohl niemand sonst überstanden hätte. Situationen, die ausweglos waren und in denen jeder andere aufgegeben hätte. Ich bitte Sie. Was haben Sie schon zu verlieren? Sie sagen ja selbst, dass Sie bereits alles versucht haben. Also lassen Sie uns gemeinsam neue Wege finden.“

Sie konnte sehen, dass sie etwas bei Xeman bewirkt hatte und fühlte sich sicher genug, um eine Bedingung zu stellen.

„Aber vorher stoppen Sie dieses grausame Ausschlachten von Winnetou!“

Xeman schüttelte seinen Kopf und doch klopfte er an die Scheibe und machte ein Zeichen, woraufhin sich einer der Personen in eine Art Schleuse zu begeben schien.

„Sie geben niemals auf, oder Kathryn?“

Janeway grinste schief.

„Ich stünde hier nicht vor Ihnen, wenn „aufgeben“ auch nur in meinem Wortschatz vorkäme!“

Die Tür zu dem Labor, der Krankenstation oder was auch immer dieser Raum sein sollte, öffnete sich mit einem deutlichen Zischen und ein Mann kam heraus. Er schien ein wenig verärgert über die Störung zu sein, denn er ergriff sofort das Wort, ohne auch nur zu grüßen oder von Janeway in irgendeiner Form Notiz zu nehmen.

„Was ist geschehen? Xeman, Du weißt, dass wir in einer empfindlichen Phase der Entnahme sind. Wir…“

„Stoppt es!“, fuhr Xeman dazwischen.

„Was? Bist Du verrückt geworden, Xeman? Das Subjekt ist perfekt. So kräftig und gesund, wie es ist, wird es uns viel mehr Zeit verschaffen, als die vorherigen Exemplare.“

„Stoppt es! Habe ich gesagt! Sofort! Ich habe hier die Befehlsgewalt und niemand sonst!“

Wieder war scheinbar eine Wandlung in dem Iraluaner vorgegangen. Janeway nahm sich vor, sehr vorsichtig zu sein. Die Stimmung schien bei diesem seltsamen Fremden sehr schnell zu kippen. Gerade schien er noch niedergeschlagen und eher sanft und zugänglich für ihre Vorschläge, doch nun herrschte er seinen Untergebenen plötzlich an und brüllte diesen förmlich nieder.

Den wiederum schien das nicht weiter zu beeindrucken, woraus Janeway schloss, dass dies nicht der erste Ausbruch Xemans war. Er sagte nur:

„Zu Befehl, Regent Xeman!“, drehte sich um und ging wieder durch die Schleuse ins Labor.

Nach wenigen Augenblicken betrat er wieder das Labor und redete mit den anderen. Es gab offenbar eine kurze Diskussion über das, was getan werden sollte, doch nachdem der Mann, der draußen bei ihnen gewesen war, zu dem Fenster gezeigt hatte und Xeman noch einmal mit einer Geste deutlich gemacht hatte, was er erwartete. Fingen sie endlich an, nach und nach diese furchtbaren Schläuche aus Winnetous Armen und Oberkörper zu ziehen und die Wunden, die sie hinterließen zu reinigen und zu verbinden.

Sie konnte es von dieser Position aus nicht mit Bestimmtheit sagen, doch Kathryn ging davon aus, dass Winnetou ohne Bewusstsein war. Sie konnte nur hoffen, dass dem auch wirklich so war.

Mit einem Schaudern wandte sie sich von der grausamen Szene in dem Labor ab und sah zu Xeman, der sie erwartungsvoll anblickte.

„Nun Kathryn. Ich habe meinen Teil erfüllt, also erfüllen Sie nun ihren Teil. Eines müssen Sie aber noch wissen. Selbst wenn das Subjekt, an dem sie so sehr hängen, es schafft zu überleben, was in dem fortgeschrittenen Stadium der Entnahme, in dem es bereits war, sehr zweifelhaft ist – sie werden es nicht zurückschicken können. Das Portal funktioniert nur in eine Richtung zuverlässig und ohne Störungen und glauben sie nicht, er wäre lieber tot, als ein Leben als Fremder unter Fremden zu führen zu müssen - in einer Zeit und einer Umgebung in die er nicht gehört?“

Janeway musste sich sehr zusammennehmen, um nicht das zu sagen, was ihr eigentlich auf der Zunge brannte. Aber ein Captain der Sternenflotte musste sich immer auch in Diplomatie üben.

„Xeman, ich danke Ihnen, dass sie auf meine Vorschläge eingegangen sind. Ich denke, wir sollten einen Schritt nach dem anderen tun. Und wenn es wirklich eine Entscheidung zu treffen gibt, ob Winnetou wieder zurück in seine Zeit gehen kann oder hierbleiben muss, dann sollte es seine Entscheidung sein und nicht unsere. Kann ich zu ihm?“

„Das Subjekt wird nicht wissen, dass sie da sind, also warum sollten sie dorthin wollen?“

„Ich möchte mich davon überzeugen, wie es ihm geht. Und bitte – er heißt Winnetou und ist kein Subjekt, sondern ein Mensch, wie ich es bin und Sie ebenfalls. Zumindest nehme ich an, dass sie das sind.“

Xeman nickte!

„In Ordnung, Kathryn. Ich weiß inzwischen, dass Sie ohnehin keine Ruhe geben würden. Er wird in einen anderen Bereich der Krankenstation gebracht und dort können sie ihn sehen.“

ER und nicht das Subjekt. Janeway nahm das als gutes Zeichen und den Beginn eines Umdenkens bei dem Iraluaner.

„Ich danke Ihnen, Xeman.“

Sie sah, dass Winnetou aus dem Labor gerollt wurde und folgte Xeman anschließend durch weitere Gänge des Schiffes. Wie schon zuvor hatte sie den Eindruck, dass er sie absichtlich um mehrere Ecken herumführte, um sie zu verwirren und den wahren Standort nicht preiszugeben. Da auf diesem Schiff alles gleich auszusehen schien, war ihm das vortrefflich gelungen.

Nach einigen Minuten kamen sie zu einer Doppeltür, die sich mit einem für Janeway fast schon vertrauten Zischen öffnete, als die beiden in den Sensorbereich traten.

Hinter der Tür erwartete sie ein großer Raum, in dem fünf Betten standen, von dem derzeit nur eins belegt war.

Nur über diesem Bett waren die Monitore beleuchtet. Die anderen waren dunkel. Das Licht in dem Raum war gedimmt und Janeway musste sich erst daran gewöhnen, bevor sie Einzelheiten ausmachen konnte.

Sie ging zu dem Bett und sah auf den Patienten hinab. Fast schon wollte sie protestieren und Xeman sagen, dass dies nicht Winnetou sei und sie zu ihm gebracht werden sollte, doch ein zweiter Blick ließ sie mitten in ihrem Protest erstarren.

Es war Winnetou. Doch wie sah er nur aus? Der bronzene Ton seiner Haut, den sie schon bei ihrem ersten Treffen bewundert hatte, war einem fahlen Grau gewichen. Die Wangen waren eingefallen und die Augen lagen tief in ihren Höhlen.

Er sah aus, als wäre er tot. Sie griff nach seiner Hand, um nach dem Puls zu fühlen und erschrak ein weiteres Mal. Die Hand war eiskalt.

Sie hatte zu lange gebraucht, um Xeman zu überzeugen. Für Winnetou war es zu spät – da war sie sich ganz sicher.

Doch gerade, als sie sich wieder zu dem Iraluaner umdrehen wollte, spürte sie eine ganz leichte Bewegung.

Winnetous Hand hatte die ihre umfasst und nun öffnete er seine Augen.

Zwar hatten sie ihren Glanz verloren, doch ganz sicher nicht ihre Eindringlichkeit. Gerade, als sie ihm versichern wollte, dass nun alles gut werden würde, sagte er nur ein Wort:

„Warum?“

Ein Wort nur, fast geflüstert, aber doch mit so viel Bitterkeit und Anklage ausgesprochen, dass es Janeway fast die Tränen in die Augen trieb.

Er musste glauben, dass sie mit den Iraluanern unter einer Decke steckte, doch sie konnte ihm nichts mehr erklären, sich nicht verteidigen, denn seine Augen waren bereits wieder geschlossen und seine Hand war von ihrer abgerutscht.

Die Monitore über seinem Bett übertrafen sich in einer Kakophonie von Alarmtönen.

[24] Stasis/Stasiskammer: Die Stasiskammern sind hochentwickelte Maschinen die zur Lebenserhaltung während einer Stasis dienen. Sie verringern sowohl den Alterungsprozess als auch den Stoffwechsel praktisch auf Null. Es können somit ohne Nahrungsaufnahme oder Alterung mühelos Jahrhunderte überbrückt werden, solange keine technischen Fehlfunktionen auftreten.
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