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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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20.09.2019 2.949
 
„Old Shatterhand spricht in Rätseln. Ich kann seinen Worten nicht folgen! Er mag sich deutlicher ausdrücken!“

Aus der Stimme des alten Medizinmannes klang deutliche Ungeduld, als er mich mit diesen harschen Worten zurechtwies.

Ich zuckte die Schultern.

„Ich werde Dir alles berichten, was ich weiß, aber zunächst müssen wir machen, dass wir hier wegkommen. Du bist ja nun schon über zwei Tage hier und Du bist nicht mehr der Jüngste!“

Tatellah Satah seufzte und begann mit steifen Gliedern vom Felsen zu klettern, wobei er, wie ich deutlich erkennen konnte, das rechte Bein und den rechten Arm deutlich weniger belastete als die linke Körperhälfte.

„Du bist verletzt,“ stellte ich ohne wirkliches Bedauern fest, als er neben mir stehen blieb.

„Mein Pferd ist in ein tiefes Loch getreten, das von Eis und Schnee bedeckt war und hat mich abgeworfen. Ich prallte mit dem Kopf gegen diesen Felsen dort und war wohl eine Weile ohne Bewusstsein. Als ich erwachte hatte das Rudel Wölfe mein Packpferd umkreist und ihm schon viele Wunden zugefügt. Mein Hengst war wohl in Panik davongelaufen. Ich schaffte es die Wölfe mit lautem Schreien eine Weile zu vertreiben und rettete mich auf diesen Felsen, nachdem ich einige Kienspäne und Streichhölzer und etwas zu essen aus den Packtaschen genommen hatte.

Ich muss mir bei dem Sturz mehrere Prellungen zugezogen haben.“

Er warf einen bedauernden Blick auf die Überreste des Packpferdes.

„Es war ein braves Tier,“ sagte er abschließend.

„Wohin will mich Old Shatterhand bringen?“

„Wir haben unser Lager einen halben Tagesritt von hier aufgeschlagen. Hatatitla wird uns dorthin tragen.“

Tatellah nickte zustimmend.

„Du wirst mir hinaufhelfen müssen. Wie Du schon sagtest, ich bin alt und verletzt.“

Stumm kam ich seiner Aufforderung nach. Der Medizinmann hatte meine Worte mit stoischer Ruhe hingenommen, sowohl dass Winnetou noch lebte, aber nicht hier war, als auch die Tatsache, dass ich jetzt keine weiteren Erklärungen abgeben wollte.

Natürlich hätte ich ihm jetzt sagen können, dass sein Hengst den Weg zu uns gefunden hatte und wohlauf war, aber ich tat es nicht. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es eine Art kleinlicher Rache für all die Jahre, in denen er mich für einen Mörder hielt, dafür, dass er Winnetou seinen größten Wunsch verweigerte, mich kennenzulernen.

Ich blickte mich noch einmal nach dem Wolfsrudel um, das in einiger Entfernung mit eingeklemmten Schwänzen darauf wartete, sich wieder an dem Pferdekadaver gütlich zu tun und führte den Hengst dann im Schritt durch den tiefen Schnee den Weg zurück. Es war ein schweigsamer Ritt durch eine tiefverschneite, von schrägen Sonnenstrahlen beschienene Landschaft. Hier und da passierten wir ein kleines Wäldchen oder querten die Spur eines Rudels Damwild oder eines einsamen Wolfes. Unser Atem trieb kleine Wölkchen vor uns her und als die Sonne sich weit im Westen anschickte unterzugehen wurde es empfindlich kalt.

Während des ganzen Nachmittags hatten wir kaum ein Wort miteinander gewechselt. Tatellah Satah saß still und steif hinter mir im Sattel und ich fühlte nicht das geringste Bedürfnis ein Gespräch zu beginnen.

Da ich Hatatitla in der Kälte nicht überanstrengen wollte, kamen wir nur langsam voran und brauchten nahezu die doppelte Zeit wie am Vormittag.

Endlich erreichten wir die Talmulde, in der wir unser Lager aufgeschlagen hatten und wo Chakotay und Tahca Usthe an einem niedrigen Feuer saßen, über dem zwei magere Hasen bruzzelten.

„Mister Shatterhand,“ rief Chakotay, „endlich! Wir haben uns schon Sorgengemacht!“

„Wir mussten langsam reiten. Ich wollte meinem Hengst nicht zu viel zumuten bei der Kälte. Er musste ja zwei Männer tragen.“

Tatellah Satah näherte sich langsam dem Feuer, das nun seine Gestalt und sein Gesicht beleuchtete.

Tahca Ushte, der Medizinmann der Sioux, vergaß seine Würde und sprang mit einem Satz auf die Füße.

„Tatellah Satah, der weise Mann aus der Felsenstadt!“

Tatellah senkte zustimmend sein Haupt.

„Du hast recht geraten, mein Sohn. Ich erkenne an Deiner Tätowierung, dass Du dem Stamme der Lakota angehörst und Du ein Heiler bist. Du bist noch jung, aber Dein Name wird oft genannt an den Feuern des roten Volkes. Du bist Tahca Ushte. Tatellah Satah grüßt den jungen Medizinmann.“

Nach diesen Worten wandte er sich mit der Miene eines Königs zu Chakotay um, der Tatellah staunend anstarrte.

„Ich habe nicht erwartet einen Mann hier zu treffen, der nicht hierher zu gehören scheint.“

Sein forschender Blick glitt über Chakotay hinweg, blieb an seiner ungewöhnlichen Kleidung und dem  kleinen Kästchen an seinem Gürtel haften und wanderte weiter zu der ungewöhnlichen Frisur.

Chalotay öffnete den Mund, um zu antworten, aber der weise Mann hob gebieterisch die Hand.

„Nein, warte. Old Sahtterhand wird mir später alles erklären. Zunächst möchte ich wissen, wo Winnetou, der Häuptling der Apachen sich befindet.“

Und an mich direkt gewandt: „Du sagtest, mein Ziehsohn lebt, aber er sei anderswo. Nun? Will Old Shatterhand endlich mit mir sprechen oder will er den Rest seines Lebens mit Grollen verbringen?“

„Ich bin hungrig und mir ist kalt,“ wich ich einer direkten Antwort mürrisch aus. „Wir wollen zuerst etwas essen und dann kann sich Chakotay um Deine Verletzungen kümmern.“

Und mit einer gewissen Genugtuung fügte ich hinzu:

„Er ist ein großer Heiler, Du wirst Dich wundern!“

Tatellah Satah warf mir einen vernichtenden Blick zu:

„Ich vermag durchaus einen Heiler zu erkennen. Aber dieser Mann ist alles andere, aber kein Heiler! Old Shatterhand verwechselt da etwas.“

Hitzig antwortete ich:

„Du irrst! Dieser Mann hat mich von einer neuen und einer alten Verwundung befreit und er hat Tahca Ushte das Leben gerettet. Also ist er ein Heiler!“

Bevor Tatellah etwas erwidern konnte, schaltete sich der Sioux in gebrochenem Englisch ein.

„Old Shatterhand und der weise Mann haben beide Recht. Chakotay haben ihn und mich geheilt von schwere Verwundung. Aber Chakotay heilen nicht mit Medizin, er heilen mit Zauberstab. Chakotay kommen von da, wo nun sein Winnetou, Häuptling der Apachen, bei großer Geist in….“

Hier wurde er von einem Ruf Tatellahs unterbrochen, der mit den Blicken Hatatitla gefolgt war, der sich dem Felsen am Bachufer näherte, hinter dem Iltschi und der weiße Hengst unter der dünnen Schneedecke nach spärlichem Gras gescharrt hatten und die jetzt freudig schnaubend meinen Hengst begrüßten.

So schnell es sein verletztes Bein zuließ humpelte Tatellah Satah auf den Hengst zu, der ihm entgegenkam und seinen schönen Kopf an Tatellahs Schulter schmiegte.

„Warum hast Du mir nicht gesagt, dass ihr Adahy gefunden habt?“

Der Vorwurf in der Stimme des Alten war nicht zu überhören, aber ich zuckte nur die Schultern.

„Du hast mich nicht gefragt!“

Ich wusste selbst wie unfreundlich meine Worte waren und fügte etwas milder hinzu:

„Bitte setz Dich setz mit uns ans Feuer. Wir werden Dir berichten, was geschehen ist und wie ich meinen Blutsbruder verloren habe.“

Tatellah nickte und ließ sich mühsam auf der Erde nieder.

Chakotay hatte bisher schweigend zugehört, nun aber schaltete er sich mit ruhiger Stimme, aber sehr bestimmt ein.

„Ich glaube aber, wir sollten uns zuerst um die Wunden Tatellah Satahs kümmern. Auf eine Stunde mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Zeigen Sie mir Ihr Bein, Sir?“

Tatellah nahm die ungewohnte Anrede ohne ein Zeichen des Erstaunens wahr und folgte Chakotays Aufforderung, um sich von dem Fremden und Tahca Ushte untersuchen zu lassen.  

„Es sein eine Verletzung des großen Muskels im oberen Bein und eine Blutung unter der Haut in Gelenk an Hüfte,“ sagte Tahca Ushte schließlich.

„Du können heilen mit Zauberstab?“

Chakotay zögerte.

„Ich weiß es nicht. Das Gerät muss dringend aufgeladen werden, ich weiß nicht, ob seine Kraft noch ausreicht. Aber ich werde es versuchen, wenn Sie einwilligen, Mister Satah.“

„Du willst einen Zauberstab benutzen, mich gesund zu machen?“

„Nun ja, ein Zauberstab ist es nicht gerade. Es ist ein Dermalregenerator…..“

Hier verließ mich jetzt die Geduld.

„Chakotay, ich bitte Sie, halten Sie jetzt kein wissenschaftliches Referat über dieses Ding. Dazu ist später noch Zeit. Nehmen Sie es, um Himmels Willen, und tun Sie, was getan werden muss, damit wir endlich weiterkommen hier!“

Chakotay nickte .

„Okay, versuchen wir es!“

Ich konnte nicht genau erkennen, was Chakotay dort tat, aber anscheinend funktionierte das Gerät mit dem unaussprechlichen Namen noch einigermaßen, denn schon nach kurzer Zeit rief Tatellah Satah erstaunt, dass die Schmerzen nachließen.

Chakotay verstaute den Regenerator wieder in seinem Gürtel und Tatellah ging probeweise einige Schritte auf und ab, bevor er sich wieder zwischen Chakotay und dem Medizinmann niederließ. Ein eigentümliches Lächeln umspielte die faltigen Lippen, als er leise sagt:

„Ich sehe, Du bist doch ein großer Heiler und Du verfügst über Dinge, die aus einer anderen Welt stammen. Ich glaube, Du solltest jetzt erzählen, wie und warum Du hierhergekommen bist.“

Chakotay fuhr sich mit der Hand durch das kurzgeschnittene Haar, während er den gebratenen Hasenschenkel entgegennahm, den der Medizinmann ihm reichte.

„Meine Crew und ich befanden uns auf einer Mission, weit von der Erde entfernt, als unser Raumschiff angegriffen und schwer beschädigt wurde. Mit letzter Kraft retteten wir uns auf einen Wüstenplaneten, in der Hoffnung, dort zu finden, was wir zur Reparatur des Schiffs benötigten…..“

Obwohl ich die Geschichte Chakotays schon gehört hatte, lauschte ich seinen Worten fasziniert. Er entfaltete vor uns eine Welt voller Wunder. Da reist dieser Mann Millionen Meilen weit durch fremde Galaxien und ich hielt mich bisher für einen Weltenbummler!

Chakotay beschloss seinen Bericht mit den Worten:

„Ich fand Winnetou in einer Höhle. Wir hatten schon die Befürchtung, dass dort der Schleier zwischen den Zeiten sehr dünn war, alle Anzeichen deuteten darauf hin und ich war deshalb sehr vorsichtig.“

Ein leicht verzerrtes Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Wie man sieht, hat es nicht viel genutzt. Euer Winnetou ist da, wo ich sein sollte und ich bin hier.“

Die Erzählung hatte mich innerlich wieder aufgewühlt und der Schmerz um den verlorenen Blutsbruder packte mich mit solcher Gewalt, dass ich ein schweres Seufzen nicht unterdrücken konnte. Wieder sah ich ihn vor mir, wie er im roten Staub jenes fremden Planeten kniete, grüne Blitze um ihn zuckten und die fremde Frau, von der ich nun wusste, dass sie Kathryn hieß, sich an ihn klammerte.

Plötzlich hatte ich das bestimmte Gefühl, dass der Häuptling mich brauchte, dass er in größter Gefahr schwebte und ich unverzüglich an jenen unheimlichen Ort zurückkehren sollte, an dem er vor einigen Monaten beinahe den Tod gefunden und der ihm nun ein zweites mal zum Verhängnis geworden war.

Ohne zu überlegen, sprach ich aus, was ich fühlte und fügte hinzu:

„Winnetou braucht mich. Ich werde auf der Stelle an den Hancockberg zurückkehren. Ich weiß es, nur in dieser vermaledeiten Höhle besteht die minimale Chance den Häuptling zurückzuholen.“

Ich machte Anstalten, mich zu erheben, aber da beugte sich Tatellah Satah vor und hob abwehrend die Hand.

„Old Shatterhand mag sich noch einen Augenblick gedulden.“

„Ich wüsste nicht, aus welchem Grund ich noch hier die Zeit vertrödeln sollte. Hier können wir nichts tun, rein gar nichts. Ich weiß, dass Du nicht verstehst oder verstehen willst, was den Häuptling und mich verbindet, was ich für ihn empfinde und wie tief mich der Verlust getroffen hat. Aber immerhin weiß ich, dass Du in Winnetou so etwas wie einen Sohn siehst und deshalb muss Dir doch daran liegen, ihn wieder hierher zurückzuholen!

Du gibst mir die Schuld am Tode von Winnetous Vater und Schwester und hältst mich für einen geldgierigen Abenteurer. Mir liegt nichts an einer guten Meinung deinerseits, aber Du hast Winnetou mit Deinem Verhalten permanenten Schmerz zugefügt. Das kann ich nicht vergessen! Aber Winnetou bat mich, Dich zu suchen und um Hilfe zu bitten. Wenn Du also glaubst, dass Du mir in irgendeiner Weise bei der Suche behilflich sein kannst, dann bitte ich Dich, das zu tun.

Wenn nicht, dann halte mich wenigstens nicht auf.“

Ich hatte mich in Rage geredet, meine Angst, mein Schmerz, mein Zorn suchten dringend nach einem Ventil, aber Tatellah nahm mir den Wind aus den Segeln, indem er sagte:

„Old Shatterhand und ich sollten zu einem späteren Zeitpunkt über unsere persönlichen Probleme reden. Jetzt geht es darum, Winnetou zu finden, da sprichst Du ganz recht.“

Tatellah Satah sah nachdenklich in die Flammen des mageren Feuers und begann mit leiser, beinahe beschwörender Stimme zu sprechen.

„Auf dieser Erde leben seit vielen, vielen Jahren Menschen. Zuerst waren es nur wenige und sie lebten in Frieden miteinander. Es gab genug Platz und niemand musste dem anderen etwas wegnehmen. Aber die Menschen vermehrten sich schnell und der Platz wurde immer knapper. Da begannen sie sich untereinander zu bekriegen. Die Menschen hatten noch nicht gelernt in Zelten oder Hütten zu leben, sie wohnten in Höhlen, von denen es hier in den Bergen und sicher auf der ganzen Erde, viele gibt. Einige dieser Höhlen sind sehr tief und ragen weit in das Gestein hinein.

In der alten Königsstadt, in der ich lebe, gibt es viele solcher Höhlen. Ein alter Medizinmann hat mir davon erzählt, als ich noch beinahe ein Kind war. Später, als ich erwachsen und die Weisheiten und e der Medizin erlernt hatte, wollte ich auch endlich die Geheimnisse jener sagenumwitterten alten Stadt erkunden. Mit einigen wenigen Vertrauten erkundete ich zuerst die alten Räume. Nach einiger Zeit fanden wir einen verborgenen Zugang zu einer Kammer, die voller zusammengerollter, in Lederhüllen verpackter Schriftrollen war. Nach jahrelangem Rätseln fand ich endlich heraus, was die Zeichen auf diesem geölten Papier bedeuteten.“

Ungeduldig unterbrach ich den alten Geheimnismann.

„ich verstehe nicht, was das alles mit Winnetou zu tun hat. Es ist ja sicher interessant, was Du erzählst, aber im Moment interessieren mich diese alten Geschichten nicht!“

Tatellah Satah warf mir einen strafenden Blick zu.

„Ja, ich habe schon gehört, dass Old Shatterhand nicht sehr geduldig ist. Aber er mag noch ein wenig Geduld aufbringen. Gleich wird er wissen, warum ich soweit ausgeholt habe.

Vieles, was dort geschrieben steht, konnte ich immer noch nicht entschlüsseln, aber eines ist ganz sicher. Unter der Stadt, tief drunten im Berg, befindet sich ein weit verzweigtes Höhlensystem, das miteinander verbunden ist. Die Menschen, die vor langer Zeit in meiner Felsenstadt lebten, haben diese Höhlen benutzt, um ihren Göttern Opfer zu bringen: Menschenopfer. Zuerst habe ich es so verstanden, dass sie diese Opfer dort getötet haben, aber so war es nicht. Die Götter jener Zeit verlangten nicht nach leblosen Opfern. Sie holten die Menschen, die ihnen dargebracht wurden, lebend, das heißt, sie wurden in die Höhlen an bestimmte Stellen gebracht und von dort verschwanden sie einfach. Manchmal dauerte es Jahre, bis die Götter wieder einen Menschen zu sich holten, manchmal waren es in wenigen Tagen viele.

Einige wenige Priester des Alten Volkes, das hier lebte berichten von Visionen, von einem Blick in eine andere Welt.“

Tatellah Tatah hob den Blick von den Flammen und sah mich geradewegs an.

„Sie berichten von einer Welt, die nur aus rotem Staub und Gestein besteht. In dieser Welt herrscht der Sonnengott mit seiner Gefährtin, der Sonnengöttin.

Versteht Old Shatterhand, was sie niedergeschrieben haben?“

Ich räusperte mich, um den Kloß in meinem Hals loszuwerden.

„Sie haben den Wüstenplaneten gesehen, auf dem Winnetou sich jetzt befindet. Chakotay, was denken Sie?“

„Das denke ich auch! Aber was nutzt uns, dass wir jetzt wissen, dass es diese Zeitverschiebungen schon seit Jahrhunderten gibt?“

Tahca Ushte hatte bisher schweigend zugehört. Nun sagte er leise:

„Old Shatterhand hat Recht. Wir müssen zurück zum Hancockberg und dort versuchen, den Zugang zu jener verborgenen Welt zu finden, so gefährlich das auch sein mag.“

„Es gibt noch etwas, dass ich euch nicht verschweigen möchte. Natürlich haben immer wieder mutige und weise Männer und Frauen versucht, diesen dünnen Schleier zwischen den Welten zu durchschreiten. Hin und wieder ist es sogar gelungen, aber nur wenige fanden den Weg zurück in diese Welt.“

Jetzt barg der weise Mann einen Augenblick das Gesicht in den Händen. Als er wieder aufblickte schienen mir seine Augen seltsam feucht und seine Stimme klang erstickt und war voller Angst:

„Die, die zurückkehrten, waren nicht mehr so wie vorher. Ihr Geist war verwirrt und ihre Körper ausgezehrt. Sie lebten nicht mehr sehr lange und starben einen langsamen, qualvollen Tod.“

Mein Herz klopfte so heftig, dass ich glaubte, jeder müsse hören. Schließlich unterbrach Chakotay das Schweigen, indem er mit gepresster Stimme fragte:

„Wie sollen wir aber den Zugang finden? Und können wir ihn dann benutzen? Was ist, wenn wir hinüberkommen, aber ihr nicht mehr zurück?“

Diesmal war es Tahca Ushte, der antwortete:

„Tatellah Satah und ich werden gemeinsam versuchen, den Zugang zu öffnen. Aber Du und Old Shatterhand werdet alleine hindurchgehen.“

Und Tatellah Satah fügte hinzu:

„Wir werden versuchen ihn mit der Kraft unserer Gedanken offenzuhalten. Wenn es uns nicht gelingt, ist Winnetou der Häuptling der Apachen für immer verloren…. Und ihr mit ihm. Das sollt ihr bedenken!“

„Es gibt für mich nichts zu bedenken. Ich will und ich werde Winnetou da wieder rausholen. Er gehört hierher und nicht in jene ferne Zukunft. Wenn es euch wirklich gelingt, dieses Zeitloch zu öffnen, gehe ich hindurch, egal, was mich dort erwartet. Allerdings habe ich da so meine Zweifel. Aber eine bessere Idee habe ich auch nicht. Was meinen Sie, Chakotay?“

„Ich komme natürlich mit. Dort drüben sind die Menschen, mit denen ich arbeite, dort drüben gibt es jemanden, der mir unendlich viel bedeutet und von dem ich denke, dass er meine Hilfe braucht. Aber auch mir erscheint es nahezu unmöglich alleine mit dem Willen jene Türe zu öffnen, die der Wissenschaft bis heute verschlossen ist. Es gibt diese temporalen Anomalien überall auf den Planeten und es ist gefährlich, sich ihrer zu bedienen. Unser Captain hat es einmal so ausgedrückt: heute ist vorgestern und übermorgen in hundert Jahren und wenn man nicht aufpasst, verhindert man, dass die eigenen Urgroßeltern sich kennenlernen und dann…. existiert man plötzlich nicht mehr!“

Ein Schauer lief über meinen Rücken und eine unbestimmte Ahnung überkam mich, was diese temporalen Anomalien anrichten konnten. Aber egal, was auch immer daraus entstehen mochte, ich würde alles wagen meinen Winnetou wieder an meine Seite zu holen.
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