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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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21.08.2019 3.140
 
Janeway wusste nicht, was hier gespielt wurde und das gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie standen unter schwerem Beschuss, waren eindeutig unterlegen und die Angreifer sahen aus – nun ja, sie sahen aus wie Winnetou.

Hatte dieser seine Feinde aus der Vergangenheit mitgebracht und sie hatten ihm nun hier aufgelauert? Oder waren sie ihm durch das Zeitportal gefolgt? Aber warum hatten sie dann Strahlenwaffen? Oder waren es die Iraluaner? Aber warum sahen die dann aus wie Indianer?

Also nicht wie diejenigen von den alten Abbildungen, die sie sich angeschaut hatte, als sie in der Datenbank nach Winnetou gesucht hatte und auch nicht genau so, wie Winnetou selbst oder wie Chakotay. Doch sie waren eindeutig humanoid und die indigenen Wurzeln waren nicht zu verleugnen – ganz und gar nicht.

So sehr sie das auch verwirrte und ja, durchaus auf wissenschaftlicher Ebene auch faszinierte, blieb für weitere Überlegungen und Beobachtungen gerade keine Zeit. Sie wurden angegriffen und der Gegner, um wen auch immer es sich handelte, war in der Überzahl.

Winnetou, der vor wenigen Augenblicken noch wie weggetreten wirkte und wirre Sätze von sich gegeben hatte, schien sich wieder erholt zu haben und feuerte unentwegt auf ihre Gegner.

Wieder konnte sie nicht umhin ihn für diese Unerschütterlichkeit, die ihm zu Eigen war, zu bewundern. Er tat immer, was genau in diesem Augenblick getan werden musste. Kam er zur Ruhe stellte er jedoch genau die richtigen Fragen und gab sich mit nichts weniger, als der Wahrheit zufrieden.

Sie konnte es eigentlich noch immer nicht fassen, dass er sie tatsächlich davon überzeugen konnte zu dieser verfluchten Höhle zurückzukehren. Die Quittung dafür bekamen sie gerade.

Lange konnten sie dem Angriff ganz bestimmt nicht mehr standhalten.

+++

Kopfschmerz und Schwindel drohten Winnetou immer wieder zu überwältigen, doch er versuchte weiterhin sich und Janeway gegen den übermächtigen Gegner zu verteidigen und gab Energiestoß um Energiestoß aus der fremdartigen Waffe ab. Doch es waren einfach zu viele Feinde. Der Kampf war aussichtslos.

Er blickte kurz zu Janeway, um vielleicht sehen zu können, ob diese etwas plante oder etwas bei sich trug, das ihre Lage verbessern konnte.

Und er wollte sichergehen, dass es ihr gutging und sie nicht womöglich schon getroffen worden war.

Es war ungewohnt für ihn gewesen und war es im Grunde noch, eine Frau als Anführer zu akzeptieren, doch kam er nicht umhin ihr für ihren Mut und ihre Entschlossenheit Respekt zu zollen. Sie hatte sich ohne zu zögern für ihn eingesetzt. Sie hörte ihm zu und traf dann Entscheidungen. So wie es jeder gute Anführer tat. Und er hatte gesehen, dass ihre Untergebenen sie achteten und respektierten.

Er war nur einen Moment lang abgelenkt gewesen, weil einer dieser grünen Blitze, die aus den Waffen der Feinde kamen, Janeway gestreift hatte. Es mussten mächtige Waffen sein, denn obwohl der Blitz nur den Oberarm getroffen hatte, fiel Janeway mit einem kurzen Aufstöhnen nach hinten und blieb reglos liegen.

Dieser eine Moment reichte den Feinden, um auch auf ihn zu zielen. Er sah noch den grünen Blitz auf sich zukommen - dann wurde seine Welt schwarz.

+++

Vorsichtig und mit den schussbereiten Phasern [22] im Anschlag näherten sich die fünf Iraluaner den beiden am Boden liegenden Bewusstlosen.

Einer von ihnen kniete sich zu Winnetou und untersuchte ihn kurz.

„Hoffentlich haben wir das Subjekt nicht beschädigt und können es noch nutzen.“

„Das werden wir erst auf dem Schiff feststellen können.“

„Es wäre eine Katastrophe, wenn wir ihn nun nicht nutzen könnten. Er scheint perfekt zu sein und wir wissen nicht, wann sich das Tor wieder für uns öffnet. Was machen wir mit ihr?“, er zeigte zu Janeway.

Der Angesprochene kniete sich zu Janeway und sprach mehr zu sich selbst, als zu den anderen.

„Wir hatten schon lange kein weibliches Subjekt mehr. Wir sollten sie ebenfalls mitnehmen. Vielleicht können wir sie nutzen.“

„Sie kommt nicht aus der richtigen Zeit, sie ist bestimmt kontaminiert. Außerdem werden ihre Leute sie suchen. Sie ist die Anführerin. Wir sollten sie einfach hier liegenlassen. Entweder sie kommt zu sich und geht zu ihrem Schiff zurück und dann werden wir schon fort sein oder ihre Leute finden sie und auch dann werden wir schon fort sein. Besser wir lassen sie hier.“

Der Iraluaner, der sich Xeman nannte blickte lange auf Janeway hinab, ohne zu antworten.

„Wir nehmen sie mit. Sie ist stark und fasziniert mich. Ich will sie für mich haben!“

„Aber sie werden uns verfolgen, wenn wir ihren Anführer mitnehmen. Besser…!“

„Schluss jetzt!“ Xeman, der Anführer der Iraluaner, stand auf und richtete seine Worte an die vier anderen.

„Ich habe hier zu bestimmen und keiner von Euch. Wir nehmen sie mit! Und was die Verfolgung angeht. Ihr Schiff ist nahezu zerstört. Sie können uns gar nicht folgen. Also los! Weg hier, bevor sie anfangen ihre Leute zu vermissen.“

+++

„Fähnrich Kim an Captain Janeway – Bitte melden Sie sich!“

Hilflos fuhr sich Harry Kim mit der Hand durch seine Haare. Er versuchte nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit den Captain oder das Sicherheitsteam, das Janeway und Winnetou begleitet hatte zu erreichen – ohne Erfolg.

Er war allein auf der Brücke und hatte eine ungewöhnliche Meldung auf den Anzeigen gesehen. Es war nur ganz kurz auf dem Scanner aufgetaucht und dann wieder verschwunden. Eine seltsame Energiesignatur [19], ganz in der Nähe der Höhle.

Die Daten des Scanners waren aufgrund der großen Beschädigungen aller Schiffssysteme alles andere als zuverlässig und das in der Höhle befindliche Dilithium [11] störte die Frequenzen noch zusätzlich und trotzdem hatte Kim das Gefühl, dass dort irgendetwas nicht stimmte.

Dass weder der Captain noch das Sicherheitsteam auf seine Kommunikationsversuche reagierten, verstärkte das ungute Gefühl nur noch.

Sollte er einen der anderen Brückenoffiziere verständigen? Es war noch nicht so oft mit der alleinigen Brückenwache betraut worden. Als Fähnrich stand er im Rang der Offiziere noch ganz unten und die Voyager war sein erster Posten nach der Sternenflottenakademie [23]. Er wollte auf gar keinen Fall einen dummen Anfängerfehler machen oder irgendwie unsicher und inkompetent erscheinen, obwohl er sich genau in diesem Moment so vorkam.

Mitten in diesen Überlegungen erwachte der Kommunikator auf einmal zum Leben. Nach kurzem statischem Knistern meldete sich eine Stimme:

„Außenteam an Voyager. Wir sind überfallen worden. Der Captain und unser Gast sind verschwunden!“

Harry wollte gerade antworten, als er auf den Anzeigen sah, dass das Schiff der Iraluaner den Orbit des Planeten verließ und in den Weiten des Weltalls verschwand.

Jetzt war es wohl doch an der Zeit die anderen Offiziere zu rufen.

+++

Janeway erwachte nur langsam aus der Betäubung, die der Phaser der Iraluaner ihr zugefügt hatte. Mühsam versuchte sie ihre Augen zu öffnen und als ihr das noch nicht so recht gelingen wollte, versuchte sie ihre Erinnerungen zu klären. Was war überhaupt passiert? Doch auch hier waren ihre Gedanken noch zu vernebelt für eine klare Antwort.

Sie versuchte es mit ihren anderen Sinnen.

Ihre ganze Erfahrung und die vielen Jahre im All sagten es ihr – sie konnte es am ganzen Körper spüren. Sie war auf einem Raumschiff, das sich durchs Weltall bewegte. Wie war das möglich? Die Voyager war doch gar nicht flugfähig.

Die leichten Vibrationen des Schiffes waren ebenfalls so ganz anders, als auf der Voyager – es roch anders und die Geräusche, die nach und nach in ihr Bewusstsein drangen, waren ebenfalls fremd. Nein – dies musste ein anderes Schiff sein. Aber welches? Wo war sie? Und warum war sie hier?

Dann klärte sich nach und nach der Nebel und ihr fiel alles wieder ein – die Iraluaner. Sie und Winnetou waren angegriffen worden in dieser Höhle. Winnetou – wo war er?

Sie riss ihre Augen mit einem Ruck auf und das grelle Licht blendete sie für einen Augenblick.

Dann eine Stimme und Schritte, die auf sie zukamen.

„Du bist endlich wach. Das ist gut. Schlafend kannst Du mir nicht dienen!“

Janeway versuchte noch immer in dem grellen Licht irgendetwas zu erkennen und ihre Erinnerungen weiter zu ordnen. Dienen? Warum sollte sie jemandem dienen? Die Stimme – die Stimme kam ihr bekannt vor.

„Xeman? Xeman sind Sie das? Was soll das alles hier? Wo bin ich?“

Endlich klärte sich Janeways Blick und sie konnte den Mann sehen, der nur zwei Schritte von ihr entfernt stand und auf sie herabblickte.

Ein Mann? Ja, es war eindeutig ein Mann – oder um noch genauer zu sein - ein Mensch, der da vor ihr Stand. Er war von mittlerer Größe und muskulös, mit schwarzem, glänzendem Haar, das am Hinterkopf zusammengebunden war.

Noch mehr Erinnerungen kamen zurück. Das war es, was sie schon in der Höhle abgelenkt hatte. Sie waren von Menschen angegriffen worden. Doch wie konnte das sein – tausende Lichtjahre von der Erde entfernt, im Deltaquadranten [1] – auf einem unfruchtbaren, verlassenen Wüstenplaneten?

Ihre Gedanken wurden von dem Mann unterbrochen.

„Kathryn, Kathryn!“ sagte er kopfschüttelnd in einem tadelnden Tonfall. „Du glaubst wohl, dass Du noch immer das Kommando über irgendetwas hast. Aber ich finde Dich in Deiner Art durchaus aufregend und interessant. Du wirst mich gut unterhalten während Du mir dienst. Da bin ich mir ganz sicher!“

Die letzten Nebel der Betäubung waren inzwischen von Janeway abgefallen und sie konnte wieder klar denken und ihre Umgebung wahrnehmen.

Sie war offenbar in dem Quartier dieses Mannes, von dem sie annahm, dass es Xeman, der Anführer der Iraluaner war. Sie wusste nicht, wie sie hierhergekommen war und was der Mann von ihr wollte, doch ganz sicher würde sie ihm nicht dienen.

Möglichst unauffällig versuchte sie sich ein Bild von der Lage zu machen. Das Quartier war für ein Raumschiff recht groß, was ihre Annahme bestätigte, dass es sich um den Anführer handeln musste, der diese Räume bewohnte und der ihr gerade gegenüberstand.

Das Ganze war ihr noch immer ein Rätsel. Erst schossen diese Iraluaner die Voyager fast aus dem Universum, dann - auf diesem verfluchten Wüstenplaneten, als sie nur noch einen Schuss gebraucht hätten, um sie zu vernichten, schossen sie absichtlich daneben. Sie griffen sie in der Höhle an, hatten jedoch die Waffen ganz offensichtlich nur auf Betäubung eingestellt und nun hatten sie sie auch noch entführt. Und das alles nur, um Winnetou in die Hände zu bekommen? Wo war der überhaupt? Er war es doch, auf den sie es abgesehen hatten.

Noch einmal ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen, doch außer ihr und Xeman war hier niemand.

„Suchen Sie das Subjekt, Kathryn? Es ist nicht hier. Es wird bereits vorbereitet!“

„Vorbereitet wofür? Und Winnetou ist kein Subjekt. Winnetou ist ein Mensch, so wie ich und wie Sie allem Anschein nach auch. Er…“

„Kathryn, Sie reden einfach zu viel. Das ist ja kaum zum Aushalten und schmerzt in meinen Ohren.“

Kathryn hatte langsam die Nase voll von diesem arroganten Typen. So wie sie die Lage einschätzte, hatte sie ohnehin nichts mehr zu verlieren und sie hatte nicht die Absicht sich von Xeman oder sonst irgendjemandem einschüchtern zu lassen. So etwas hatte sie noch nie gut vertragen.

„Es schmerzt in ihren Ohren? Das ist gut, denn ich habe nicht die Absicht aufzuhören meine Fragen zu stellen. Nicht so lange ich nicht weiß, was hier los ist und was sie von mir und Winnetou wollen. Nicht so lange, bis ich wieder bei meinem Schiff und meiner Crew bin. Ich verlange…“

„Halten Sie endlich den Mund. Sie haben hier überhaupt nichts zu verlangen. Wenn Sie nicht endlich still sind, dann betäube ich Sie wieder. Zur Not hier mit!“ Xeman baute sich wütend vor Kathryn auf und hob drohend seine rechte Faust.

Kathryn hob beschwichtigend ihre Hände und sah Xeman eindringlich an, der seine Faust öffnete und den Arm langsam wieder herunterließ.

Janeway atmete erleichtert aus. Sie hatte Xeman eigentlich nicht als übermäßig gewalttätig eingeschätzt, doch sie hatte keinerlei Zweifel daran, dass er gerade wirklich kurz davor gewesen war, sie niederzuschlagen.

Nun aber war es so, als hätte sich bei ihm ein Schalter umgelegt. Er trat einige Schritte zurück, sah sie an und schien einen Moment zu brauchen, um sich wieder zu sammeln.

„Wenn ich gewusst hätte, dass Sie nicht kompatibel sind, dann hätte ich Sie nicht mitgenommen. Ich hatte gehofft…“, der Iraluaner stockte.

Janeway spürte, dass sie hier vielleicht eine Chance hatte etwas mehr über Xeman und diese ganze seltsame Situation zu erfahren, um irgendwie eine Bindung zum ihm aufzubauen.

Sie sprach extra leise und in einem sanfteren Tonfall als gewöhnlich.

„Was hatten Sie gehofft, Xeman? Womit bin ich nicht kompatibel? Kann ich Ihnen oder Ihrer Crew bei irgendetwas helfen? Vielleicht sollten wir noch einmal von vorne beginnen und Sie erklären mir, was hier los ist und warum Sie Winnetou und mich mitgenommen haben. Ich gehe doch einmal davon aus, dass Winnetou ebenfalls auf diesem Schiff ist, oder?“

Es war, als wäre Xeman noch immer sehr in Gedanken.

„Das Subjekt? Ja, das ist hier und wird bereits vorbereitet. Er ist kompatibel. Wir können ihn gebrauchen!“

Bei diesen Worten lief Kathryn ein eiskalter Schauer über den Rücken. Vorbereitet – kompatibel und gebrauchen – all das klang überhaupt nicht gut. Was hatten diese Fremden nur vor?

„Kann ich zu ihm und ihn sehen?“

„Warum? Ich dachte er wäre nur ein Fremder für Sie, Kathryn. Ihnen kann doch unmöglich so viel an diesem Subjekt liegen. Sie kennen es doch kaum!“

Diese Iraluaner waren zum Verzweifeln. Erst redeten sie gar nicht und nun drehte ihr Xeman ständig das Wort im Mund herum.

„Ich kenne Winnetou gut genug, um mir Sorgen um ihn zu machen und ich bitte Sie einfach nur darum, mich zu ihm zu führen. Sie können mich meinetwegen fesseln oder von einer bewaffneten Eskorte begleiten lassen. Das ist mir egal. Hauptsache ich kann ihn sehen.“

Xeman schüttelte seinen Kopf.

„Sie sind seltsam Kathryn und ich verstehe Sie nicht. Aber sie haben unterhaltungswert, das muss ich zugeben. Also gut, sie können das Subjekt sehen. Doch nur durch ein Fenster. Er wird nicht mehr mit Ihnen sprechen können. Er wird bereits vorbereitet und niemand darf mehr zu ihm.“

Das ungute Gefühl, das Janeway schon die ganze Zeit begleitete, weitete sich langsam aber sicher zu einem echten Grauen aus. Wozu und wofür sollte man Winnetou vorbereiten? Wieso konnte er nicht mehr sprechen und wieso durfte sie nicht zu ihm? Sie hatten im Laufe ihrer Reise viele fremde Spezies getroffen. Manche kriegerisch und brutal, manche freundlich und aufgeschlossen.

Doch diese Iraluaner waren anders. Sie verhielten sich vollkommen irrational und unberechenbar. Mal waren sie freundlich, mal verweigerten sie die Kommunikation, sie griffen ohne erkennbaren Grund an, um dann doch absichtlich daneben zu schießen. Sie hatten sie und Winnetou von diesem Planeten entführt, weil sie sich irgendetwas von ihnen erhofften, was Janeway offenbar nicht hatte – Winnetou aber anscheinend sehr wohl.

Xeman führte Janeway durch zahllose Gänge und sie bekam mehr und mehr das Gefühl, dass er sie ein ums andere Mal absichtlich im Kreis herumführte, damit sie sich den Weg nicht merken konnte.

Dann aber kamen sie merklich in einen anderen Bereich des Schiffes. Er schien besonders geschützt zu sein. Mit Türen, die sich erst öffneten, wenn Xemans sein Gesicht vor einen Scanner hielt und seine Retina gescannt wurde und vor denen zum Teil noch zusätzliche Wachen standen.

Als sie sämtliche Kontrollen passiert hatten, verstärkte sich Kathryns Unbehagen noch weiter. Das alles sah aus wie in einem Labor oder einer Versuchsanstalt. Sie ahnte, was hier passierte und hoffte doch etwas anderes.

Dann standen sie plötzlich vor einem großen Fenster, das den Blick auf eine Art Krankenstation freigab. Überall gab es Monitore, die Kurven und Statistiken anzeigten, die Kathryn nicht komplett deuten konnte. Drei Iraluaner – so vermutete Janeway jedenfalls – hielten sich in dem Raum auf. Sie waren in hellgraue Schutzanzüge gekleidet, die den ganzen Körper bedeckten und die keinerlei Abzeichen aufwiesen. Zudem trugen sie Kapuzen, Masken und Schutzbrillen, die ihre Gesichter vollständig verbargen. Sie liefen geschäftig zwischen den ganzen Stationen und Anzeigen hin und her, die den Raum mehr als ausfüllten.

Daher dauerte es einen Augenblick, bis Kathryn den Grund für diese Geschäftigkeit erkannte.

Winnetou!

Er lag auf etwas, das aussah wie ein OP-Tisch. Eine silberglänzende Platte, die auf einem verstellbaren Wagen aufgebracht war. Er war nackt und seine Blöße nur mit einem Tuch bedeckt, das die gleiche hellgraue Farbe hatte, wie die Schutzanzüge.

Offenbar war er ohne Bewusstsein, denn seine Augen waren geschlossen und er zeigte keinerlei Reaktion, obwohl er immer wieder von einer oder mehrerer der Personen in Schutzanzügen nicht gerade sanft angefasst wurde.

Immer wieder war Janeway der Blick verstellt, doch als sie Winnetou endlich ganz sehen konnte, fühlte sie Übelkeit in sich aufsteigen. Übelkeit, Wut und gleichzeitig Hilflosigkeit.

Überall an seinem Körper waren Schläuche und Kabel und sie waren ganz offensichtlich nicht nur an, sondern auch in seinem Körper. Flüssigkeiten in unterschiedlichen Farben wurden hineingeleitet und Blut  - sein Blut floss hinaus.

Entsetzen packte sie und sie sah zu Xeman, der das ganze Prozedere gelassen hinnahm.

„Ich sehe, dass die Vorbereitungen bereits abgeschlossen sind. Das Subjekt wird eine ausgezeichnete Quelle sein!“

+++

Winnetou fühlte sich schwach und unendlich müde. Er glaubte erst, dass dies an der Schussverletzung lag, denn die letzte Erinnerung stammte aus dieser Höhle, in der er Scharlih spüren konnte und daran, dass ihn einer dieser grünen Blitze getroffen hatte. Doch er spürte keinen Schmerz. Nur diese unendliche Müdigkeit und ihm war kalt. Bitterkalt.

Immer wieder spürte er Berührungen und Stiche, doch er konnte nicht nachsehen, woher oder von wem sie stammten. Seine Augen gehorchten ihm genauso wenig, wie der Rest seines Körpers.

Die Kälte war am schwersten zu ertragen und sie wurde immer unerträglicher. Es war, als würde jede Wärme seinen Körper immer schneller verlassen.

Er wollte schlafen – nur noch schlafen. Doch auch hier war sein Körper ungehorsam und ließ ihn nicht ins Vergessen gleiten.

Dann hörte er wie aus weiter Ferne dumpfe Schläge. Immer wieder – so als klopfe jemand verzweifelt an eine Tür.

Dann eine Stimme, die ihm vertraut sein sollte, aber doch fremd war und ebenfalls dumpf klang.

„Winnetou! Nein! Halten Sie durch!“

Dann war wieder Stille!



[1] Deltaquadrant:  Die Galaxie der Milchstraße ist in Quadranten unterteilt, wobei sich die Erde im Alphaquadranten befindet. Die Voyager ist durch ein Unglück im bislang unerforschten Deltaquadranten gelandet, der von der Erde aus gesehen, der am weitesten entfernte Teil der Galaxie ist.

[11] Dilithium: Dilithium ist eine kristalline Substanz, die als Energielieferant / Treibstoff für die Raumschiffe benötigt wird. Da der Abbau von Dilithiumkristallen ein höchst lukratives Geschäft ist, sorgt er häufig für Auseinandersetzungen.

[19] Energiesignatur: Eine Energiesignatur ist die Abstrahlung von Energie, die zum Beispiel von Raumschiffen, deren Waffen aber auch von natürlichen Objekten ausgeht.

Die Energiesignatur eines Objektes ist von der Art der Energieversorgung abhängig und weist so direkt auf den Ursprung des Objekts hin. Jede Energietechnologie verfügt über eine charakteristische Signatur.

[22] Phaser: Gibt es sowohl als Bewaffnung des Raumschiffs (Phaserkanone), als auch als Handfeuerwaffe in verschiedenen Ausführungen. Phaser sind Strahlenwaffen. Die hier eingesetzten Handwaffen können den Gegner sowohl betäuben, als auch töten oder sogar vollkommen desintegrieren / auflösen.

[23] Sternenflottenakademie: Die Akademie der Sternenflotte (oder kürzer Sternenflottenakademie) stellt eine der wichtigsten Einrichtungen der Sternenflotte dar, deren Hauptaufgabe darin besteht, neue Offiziere für die Sternenflotte auszubilden.

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