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Vergangene Zukunft

von Adrimeny
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Old Shatterhand Winnetou
01.01.2019
03.09.2020
21
64.965
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27.05.2019 3.874
 
Kathryn Janeway war gerade unterwegs zur Shuttlerampe, um sich an der Suche nach Winnetou zu beteiligen, als die Voyager plötzlich zu beben begann und von solch heftigen Erschütterungen erfasst wurde, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und sich an der nächsten Wand abstützen musste, um nicht hinzufallen. Um sie herum fielen Deckenplatten herab und Trümmerteile, die noch nicht weggeräumt worden waren rutschten über den Boden.

Was war das nun wieder, dachte sie entnervt und glaubte schon an eine Panne bei den Reparaturarbeiten, als die Aufklärung bereits durch die Lautsprecher kam.

„Wir sind unter Beschuss, Alarmstufe rot – Captain auf die Brücke!“

Kathryn ließ einmal kurz Kopf und Schultern hängen. Beschuss – das war das sichere Ende. Sie waren wehrlos und lagen hier wie auf dem Präsentierteller. Wer auch immer da schoss, konnte sie nun ein für alle Mal erledigen. Na los, mach schon! Schieß uns in Stücke! , dachte sie in einem Anfall von für sie untypischem Fatalismus.

Doch es folgten keine weiteren Schüsse und Erschütterungen.

Was hatte das nun wieder zu bedeuten. Machte sich ihr Gegner gerade einen Spaß und spielte noch ein wenig mit ihnen, bevor er sie ins Universum blies? Nun, sie würde schon auf die Brücke gehen müssen, um das herauszufinden.

„Captain auf der Brücke!“, ertönte es dienstbeflissen von Fähnrich Kim, als Janeway aus der Luke der Jeffriesröhre [8] kletterte.

„Bericht!“, befahl diese, kaum dass sie auf der Brücke stand.

„Wir wurden angegriffen. Man hat ohne Vorwarnung auf uns geschossen.“, kam es prompt von Harry Kim.

„Das habe ich wohl gemerkt, Mister Kim. Aber was können Sie mir sonst noch sagen?“

„Nicht viel – eigentlich gar nichts. Die Sensoren funktionieren noch immer kaum und haben durch den Beschuss neuerlichen Schaden genommen. Die letzte Energiesignatur [19], die ich aufzeichnen konnte, lässt darauf schließen, dass unsere Freunde zurückgekommen sind, denen wir den Zustand des Schiffes überhaupt erst zu verdanken haben.“

Janeway griff sich in einer verzweifelten Geste an die Stirn.

„Das ist genau das, was ich befürchtet habe, Harry! Haben Sie versucht, sie zu rufen?“

Harry nickte, doch sein resignierter Gesichtsausdruck sagte bereits mehr als alle Worte!

„Gleich nach dem ersten Schuss. Aber es ist wie beim letzten Mal – sie antworten nicht! Eins ist allerdings seltsam, Captain.“

„Und das wäre?“

„Sie haben danebengeschossen! Zwar nur knapp und die Erschütterungen waren daher sehr heftig. Aber ich halte es für ausgeschlossen, dass sie uns einfach nur verfehlt haben. Sie haben absichtlich danebengeschossen, obwohl sie uns in dieser Position und in der Verfassung, in der die Voyager ist, gut und gerne mit zwei Salven für immer aus dem Universum hätten schießen könnten!“

Janeway nickte.

„Das ist mir nicht entgangen und sie haben nach wenigen Schüssen wieder aufgehört und geben jetzt Ruhe! Ich habe mich auch bereits gefragt, was das wohl zu bedeuten hat. Öffnen Sie einen Kanal. Vielleicht wollen sie ja dieses Mal doch mit uns reden.“

Harry murmelte: “Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

„Das habe ich gehört, Fähnrich! Aber Sie haben ganz Recht. Solange wir noch leben, gibt es noch Hoffnung! Also bringen Sie uns mal auf Sendung!“

„Kanal offen!“

„An die Crew des unbekannten Schiffes. Hier spricht Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager. Bitte melden Sie sich!“

Die gespannte Stille auf der Brücke wurde lediglich durch das beständige Summen der laufenden Schiffssysteme und das Rauschen des offenen Kommunikationskanals begleitet.

„Janeway an unbekanntes Schiff im Orbit, bitte kommen!“

Der Captain wandte sich an Harry Kim.

„Funktioniert der Universaltranslator [18), Harry?“

Harry nickte und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als eine Stimme aus dem Lautsprecher dröhnte.

„Hier spricht das erste Aufklärungsschiff des iraluanischen Volkes. Sie befinden sich widerrechtlich in unserem Gebiet. Wenn sie dieses nicht umgehend verlassen, gehen unsere Schüsse nicht mehr daneben, sondern werden treffen. Dies ist unsere letzte Warnung!“

Janeway holte gerade Luft, um zu antworten, als Harry meldete:

„Der Kanal wurde bereits von deren Seite wieder geschlossen. Sie hören uns nicht mehr!“

„Dann rufen Sie sie erneut!“

„Keine Antwort! Sie laden ihre Waffensysteme!“

„Öffnen Sie alle Frequenzen, Harry! Wir müssen irgendwie zu ihnen durchkommen!“

„Frequenzen offen!“

„Hier ist die Voyager! Wir können Ihrer Forderung nicht nachkommen. Unser Schiff ist zu stark beschädigt! Scannen Sie es, wenn Sie mir nicht glauben und Sie werden sehen, dass ich die Wahrheit sage!“

„Wir werden gescannt, ihre Waffensysteme bleiben aber geladen!“

Janeway schloss für einen kurzen Augenblick die Augen und flehte alle bekannten und unbekannten Mächte an, dass die Fremden sie nicht angriffen. Sie mussten doch einfach einmal Glück haben.

Sie merkte erst, dass sie die Luft angehalten hatte, als sie Harrys Stimme hörte.

„Sie rufen uns!“

Kathryn atmete hörbar aus.

„Auf den Schirm!“

„Nur audio, Captain!“

„Dann eben so!“

Janeway wollte gerade anfangen zu sprechen, als ihr die Stimme aus dem Lautsprecher abermals zuvor kam.

„Wir geben ihnen die Zeit, die es braucht, bis die beiden Sonnen des Planeten drei Mal wieder den Stand erreicht haben, den sie jetzt haben. Sollten Sie danach unser Gebiet nicht verlassen haben, werden wir Sie vernichten! Wir werden hierbleiben und Sie beobachten. Offenbar sind Sie an einem Material interessiert, das auf dem Planeten zu finden ist und das Ihnen als Energielieferant dient. Wir erlauben Ihnen, dieses Material zu nehmen, doch erlauben wir nicht, dass sie sonst etwas von diesem Planeten mitnehmen. Das gilt für alles, ohne Ausnahme. Wenn Sie sich nicht daran halten, vernichten wir Sie! Versuchen Sie nicht mehr uns zu kontaktieren, wir werden nicht antworten. Wir melden uns, wenn es noch etwas zu sagen gibt. Ansonsten gilt das eben Gesagte!“

Diese Fremden machten Janeway rasend wütend, doch sie zügelte ihre Wut und sagte nichts. Anders, als B’Elanna, die zufällig auf der Brücke war, um etwas mit Harry zu besprechen und so das Gespräch mit den Fremden angehört hatte.

„Schade, dass wir ihnen nicht einfach ein Torpedo vor den Bug schießen können. Nur ein klitzekleines, damit sie wissen, was wir von ihnen und ihrem nervigen Getue halten.“

Janeway konnte gut nachvollziehen, was ihre Ingenieurin sagen wollte, doch mal davon abgesehen, dass sie überhaupt nicht in der Lage waren ein Torpedo abzufeuern, war es auch nicht ihre Art, so mit Konflikten umzugehen. Sie strebte immer eine diplomatische Lösung an. Doch musste sie vor sich selbst zugeben, dass sie in diesem Fall nur allzu gern selbst auf den Feuerknopf gedrückt hätte.

„Wie lange haben wir nach unserer Zeitrechnung noch, Harry?“

Der junge Fähnrich tippte eifrig auf seiner Konsole.

„Etwa achtzig Stunden, Captain!“

B’Elanna baute sich vor dem Captain auch.

„Captain, bevor Sie überhaupt nur darüber nachdenken, diese Frage zu stellen – Nein es ist nicht möglich die Voyager innerhalb von achtzig Stunden wieder flott zu bekommen und ich rede hier ganz bestimmt noch nicht einmal davon, sie zu diesem Zeitpunkt wieder im All zu haben. Außerdem müssen wir Chakotay noch finden. Sie wollen doch wohl nicht ohne ihn hier weg, oder?“

Janeway hob beschwichtigen ihre Hände.

„B’Elanna, beruhigen Sie sich! Ich weiß selbst, dass achtzig Stunden viel zu wenig sind und glauben Sie mir, ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um Chakotay zu finden, aber wenn die Fremden da draußen in nunmehr etwas weniger als achtzig Stunden einfach auf einen Knopf drücken und uns pulverisieren, dann sind sämtliche Diskussionen über die laufenden Reparaturen und die Suche nach Chakotay überflüssig. Wir….!“

„Heißt das, Sie wollen einfach aufgeben? Da mache ich nicht mit!“, platzte es aus der impulsiven Chefingenieurin heraus.

„Jetzt reicht es aber, Lieutenant!“, erwiderte Janeway wütend. „Das habe ich nicht gesagt und das habe ich auch nicht vor! So gut müssten Sie mich ja wohl inzwischen kennen!“

Janeway schlug mit der flachen Hand auf den Kommunikator an ihrer Brust.

„Janeway an alle Führungsoffiziere! In zehn Minuten in meinen Bereitschaftsraum!“

Janeway wartete auf ihre Offiziere, die nach und nach bereits vor Ablauf der zehn Minuten in dem Bereitschaftsraum eintrafen.

Zuverlässig wie immer – dachte sie mit einem Anflug von Stolz und doch versetzte ihr der Anblick ihres Führungsstabs einen Stich, denn ihr wichtigster Offizier, Vertrauter und Freund fehlte. Der leere Stuhl zu ihrer Rechten machte das nur allzu deutlich und auch die anderen schauten immer wieder verstohlen zu dem freien Platz, an dem sonst stets Chakotay saß.

Janeway schloss kurz die Augen und atmete tief durch, um sich zu sammeln.

„Danke für Ihr Kommen! Weiß jeder von Ihnen von dem Ultimatum, das die Fremden uns gestellt haben.“

Zustimmendes Gemurmel und Nicken kam als Antwort von den anwesenden Offizieren.

„Gut! Irgendwelche Vorschläge, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen? Ich bin für alles offen!“

„Meinen Vorschlag kennen Sie ja schon, aber den wollten sie ja nicht hören!“, grummelte B’Elanna vor sich hin, woraufhin sie sich einen Blick von Janeway einfing, der selbst die Halbklingonin einschüchterte.

Ohne den Blick von der Chefingenieurin abzuwenden, sprach Janeway weiter:

„Ich korrigiere, ich bin für alle Vorschläge offen, außer dem einen, dass wir uns vollkommen idiotisch aus allen Rohren feuernd opfern!“

Tuvok, der Sicherheitsoffizier und enge Vertraute von Janeway, hatte sich in den letzten Tagen auffallend zurückgehalten. Er wusste, er war kein Ersatz für Commander Chakotay und konnte es aufgrund seiner vulkanischen [20] Emotionslosigkeit auch gar nicht sein. Doch er würde stets unerschütterlich hinter seinem Captain stehen und sie so gut unterstützen, wie er es vermochte.

„Die Logik gebietet uns, dass wir weiterhin versuchen einen Kontakt mit den Fremden herzustellen, um ihnen unsere Lage zu erklären und um Aufschub zu bitten. Es könnte zudem helfen, wenn wir ihnen mitteilen, dass wir ein Crewmitglied vermissen.“

Wie auf Kommando blickten alle Anwesenden zu dem leeren Stuhl neben Janeway, die ihrerseits in einer unbewussten Geste ihre Hand auf die Armlehne legte.

„Halten Sie das wirklich für eine gute Idee, Tuvok? Vielleicht stecken diese Fremden ja hinter dem Verschwinden von Chakotay und…..“

„Wenn dem so ist, geben wir kein Geheimnis preis, indem wir ihnen von einem vermissten Crewmitglied erzählen. Ich rate jedoch dringend davon ab, zu erwähnen, dass es sich dabei um den ersten Offizier handelt. Das könnte ihnen in die Hände spielen, weil sie dann davon ausgehen, dass sie ein Druckmittel haben.“, erwiderte Tuvok gewohnt ruhig.

„Und damit hätten sie sogar Recht!“, sagte Janeway mehr zu sich selbst, als in die Runde.

Eine Stimme kam aus dem Lautsprecher des Kommunikationssystems.

„Brücke an Captain Janeway!“

„Ich höre!“

„Die Fremden haben sich gemeldet und wünschen Sie zu sprechen!“

Kathryn konnte sich ein Stirnrunzeln nicht verkneifen und auch die anderen Offiziere warfen sich erstaunte Blicke durch.

„Stellen Sie sie durch zum Bereitschaftsraum!“

Nachdem das Bestätigungssignal ertönte, begann Janeway!

„Captain Janeway hier. Sie wollten mit mir sprechen! Ich…!“

„Sie haben etwas, das uns gehört. Geben Sie es heraus und wir lassen Sie ziehen!“

„Aber…!“

„Der Kanal ist schon wieder geschlossen, Captain!“

Kathryn stützte ihren Kopf auf ihre Hände und massierte sich die pochende Stirn.

„Es ist doch wirklich zum Verzweifeln. Was könnten wir denn haben, was denen gehört?“

Tom rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her.

„Haben Sie etwas zu sagen, Mr. Paris?“

„Gibt es eigentlich schon Neuigkeiten von Winnetou? Hat ihn das Sicherheitsteam finden können?“

+++

Winnetou hatte geglaubt, dass er schon erkennen würde, wohin man ihn gebracht hatte, wenn er nur erst wieder aus diesem seltsamen Gebäude heraus war und den Himmel sehen konnte. Doch nun musste er einsehen, dass er sogar noch weniger wusste, wo er sich befand und noch mehr Fragen hatte, als zuvor.

Ein, von diesen seltsamen grünen Blitzen, die vom Himmel herabgeschossen waren, aufgewirbelter Stein hatte ihn an der Stirn getroffen und er war wohl kurz ohnmächtig geworden.

Als er nur kurze Zeit später erwachte, pochte sein Kopf noch mehr, als zuvor und ein Griff an seine Stirn hinterließ Blut auf seiner Hand. Der Stein hatte ihm wohl eine Platzwunde zugefügt.

Noch etwas benommen kam er wieder vom Boden hoch und sah sich um. Die seltsamen grünen Blitze kamen nicht mehr vom Himmel und die Erschütterungen hatten aufgehört, doch das Bild, was sich im bot war noch immer verstörend für ihn.

Dort stand noch immer dieses riesige, seltsame Gebilde, aus dem er geflohen war und dass ihn an nichts erinnerte, was er je zuvor gesehen hatte.

Und da waren noch immer zwei Sonnen am Himmel. Er blinzelte ein paar Mal bewusst und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, in der Hoffnung, dass die beiden Himmelskörper vielleicht nur ein Trugbild seiner Verletzung waren. Doch es änderte sich nichts.

Zwei Sonnen, die sich am Himmel genau gegenüber standen. Einem Himmel, der eine eigentümlich rote Färbung hatte, wie Winnetou erst jetzt bemerkte.

Nichts sah hier so aus, wie er es kannte. Gar nichts!

Die fremden Menschen schienen durch die Blitze und Erschütterungen mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, als nach ihm zu suchen. Zumindest sah er niemanden mehr von ihnen und so wagte er es ganz hinter dem Stein hervorzukommen und drehte sich langsam einmal um sich selbst.

Irgendwo musste er doch einen Punkt finden, der ihm einen Hinweis gab, wo er sich befand.

Und wo war Scharlih? War er doch in diesem seltsamen Gebäude gefangen, obwohl diese Fremden etwas anderes behauptet hatten oder war er noch in der Höhle der Sioux?

Er konnte es sich nicht erklären, wie das geschehen war, doch er wusste, dass er nicht mehr dort war, wo er sein sollte und er konnte nicht sagen, wie er den Weg dorthin zurück finden sollte.

Nicht weit entfernt konnte er eine Höhle in einem Felsmassiv ausmachen. Hatte Chakotay nicht davon gesprochen, dass sie ihn in einer Höhle gefunden hatten? Er war davon ausgegangen, dass es die Höhle der Sioux gewesen war, doch glaubte er jetzt, dass man ihn dort in dieser anderen Höhle gefunden hatte. Wie auch immer er dorthin gekommen war.

Dieser Ort war genauso gut, wie jeder andere, um sich auf die Suche nach Spuren und vor allem auf die Suche nach Scharlih zu machen, also schaute er sich noch einmal um, ob er von irgendjemandem beobachtet wurde und machte sich dann auf in Richtung Höhle.

Weit kam er jedoch nicht!

Er war erst wenige Schritte gegangen, als ein heftiger Schwindel und Kopfschmerz ihn in die Knie zwang.

Bilder tauchten vor seinem inneren Auge auf. Bilder von einer verheerenden Flammenwand, die alles verschlang und nichts als Tod und Zerstörung hinterließ.

Bilder von Scharlih, der von Flammen umgeben war und keinen Ausweg mehr sah.

An seiner Seite ein Mann, der Winnetou sehr bekannt vorkam: Chakotay.

Dann wurde alles schwarz…

Winnetou kam wieder zu sich, weil jemand an seiner Schulter rüttelte und seinen Namen rief.

Es war die Anführerin der Fremden, Captain Janeway. Sie kniete neben ihm und schaute ihn mit besorgtem Blick an.

„Winnetou, zum Glück sind Sie wieder wach! Sie haben mir einen gehörigen Schrecken eingejagt. Sie sollten sich nicht hier draußen aufhalten! Sind Sie bei dem Angriff verletzt worden?“

Angriff? War er angegriffen worden? Er konnte sich nicht erinnern und er vertraute der Frau noch immer nicht wirklich, daher antwortete er knapp und ausweichend:

„Winnetou geht es gut. Er weiß nun wo sein Bruder Scharlih und Chakotay sind! Dort! Wir müssen zu dieser Höhle!“

Er zeigte in Richtung des nahen Gebirges und Janeway folgte mit ihrem Blick seinem ausgestreckten Arm.

Janeway half dem Indianer beim Aufstehen und legte mit bedauerndem Blick in ihren Augen ihre Hand auf seinen Arm. Winnetou wunderte sich über diese so vertraute Geste, ließ es jedoch geschehen:

„Es tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen, Winnetou! Doch wir haben die ganze Höhle auf den Kopf gestellt. Dort ist nichts und Niemand!“

Winnetou war irritiert über die seltsame Ausdrucksweise dieser Frau. Wie konnte man eine Höhle auf den Kopf stellen? Doch er ließ sich nichts anmerken.

„Winnetou ist sich sicher! Er will selbst nachsehen!“, gab er stattdessen zurück.

Janeway war ein wenig zwiegespalten. Einerseits traute sie ihrer Mannschaft und ihren Instrumenten und sie war sich sicher, dass weder Chakotay noch dieser ominöse Charly in dieser Höhle waren, doch andererseits tat ihr Winnetou leid und sie konnte verstehen, dass er selbst nachsehen wollte. Sie würde nicht anders handeln an seiner Stelle.

Der Mann hielt sich bemerkenswert gut und aufrecht, dafür, dass ihm hier wirklich alles fremd und unwirklich vorkommen musste. Er war verletzt und gerade erst aus einer Ohnmacht erwacht und dennoch hatte er nichts von seiner befehlsgewohnten Aura eingebüßt und machte nicht zuletzt damit einen immer größeren Eindruck auf sie.

Was konnte es schaden, wenn sie ihn jetzt zu dieser verfluchten Höhle begleitete und er selbst nachsehen konnte. Wenn sie ihm das nun verweigerte, würde er nur wieder versuchen zu fliehen, um doch irgendwie selbst dorthin zu gelangen.

Doch sie musste zumindest einen Weg finden, um ihren Leuten kurz Bescheid zu geben, dass sie Winnetou gefunden hatte und was sie nun vorhatten.

Sie wollte den Kommunikator nicht vor seinen Augen aktivieren, also murmelte sie kurz:

„Ist in Ordnung, Winnetou. Ich werde Sie begleiten! Eine Augenblick bitte!“

Dann drehte sie sich weg und ging einige Schritte. Sie klopfte sich auf die Brust und das Bestätigungssignal ertönte. Fast schon im Flüsterton sagte sie:

„Ich habe unseren Gast gefunden und gehe mit ihm noch einmal in die Höhle. Janeway Ende!“

Sie wartete erst gar keine Antwort ab und hoffte einfach, dass keiner ihrer Leute etwas Unüberlegtes tat.

Winnetou hatte sehr wohl verstanden, was diese weiße Frau namens Janeway aus welchen Gründen auch immer ins Nichts gesprochen hatte. Zwar war sie ein Stück von ihm weggegangen und hatte geflüstert, doch sein Gehör war von Kindheit an darauf trainiert sich auf Geräusche zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Das hatte ihm nicht nur einmal das Leben gerettet.

Hier brachte es ihm nichts ein, außer dass er nicht verstand, warum die Frau mit sich selbst sprach.

Doch sie stand zu ihrem Wort und ging mit ihm zu dieser Höhle, die so sehr aussah, wie jene Höhle der Sioux, in der er und Scharlih gefangen gewesen waren und die so sehr mit seinem eigenen Schicksal verbunden war. Und doch sah sie auf eine Weise anderes aus, die Winnetou nicht wirklich greifen konnte.

Je näher sie dem Höhleneingang kamen umso mehr pochte es in seinem Kopf und immer wieder sah er zwei Eingänge zur Höhle. Mal lagen sie nebeneinander, mal schoben sie sich übereinander und mal sah er nur diesen einen Eingang.

Er blinzelte mehrmals und wischte sich mit der Hand über die Augen.

„Geht es Ihnen gut, Winnetou? Sollen wir lieber umkehren und Tom schaut sich Ihre Kopfwunde einmal an?“

Er schüttelte den Kopf. Keinesfalls würde er dieser Frau sagen, dass er doppelt sah und sein Kopf schmerzte. Und keinesfalls würde er jetzt umkehren.

Die Antworten auf seine Fragen mussten in dieser Höhle zu finden sein, auch wenn Janeway behauptete, dass diese leer sei.

Doch sie war leer, wie Winnetou nach einer gründlichen Durchsuchung sowohl der Haupthöhle, als auch der zahlreichen Gänge und Nebenhöhlen, gleichermaßen enttäuscht und erschöpft feststellen musste.

Und doch konnte er Scharlih hier deutlich spüren. Es war, als wäre er gleich nebenan, doch sooft er auch nachsah und noch einmal in einen der dunklen Gänge blickte. Scharlih blieb verschwunden.

Janeway drängte nun schon seit einiger Zeit darauf, diesen Ort, an dem es offenbar nichts zu finden gab, wieder zu verlassen. Doch Winnetou kam es so vor, dass er damit auch Scharlih verlassen musste und zögerte die letztlich unvermeidliche Aufgabe der Suche immer wieder heraus. Wer wollte nicht wieder zurück in dieses fremde Gebäude mit den seltsamen Lichtern und sprechenden Wänden. Dort konnte er Scharlih nicht so spüren, wie es in dieser Höhle der Falle war.

Irgendwann fiel ihm jedoch auch nichts mehr ein, was er noch vorbringen konnte, um noch einmal in einen Gang oder eine Nebenhöhle zu gehen, die sie nun schon mehrere Male abgesucht hatten und er ging mit dem Captain zurück ins Tageslicht.

Kaum hatten sie die Höhle verlassen, erfasste sie ein seltsamer bläulicher Strahl, der vom Himmel herabzukommen schien, doch dieses Mal erfolgten keine Erschütterungen oder Lärm.

Das silbern glänzende Abzeichen an Janeways Brust gab einen Ton von sich und die Frau fluchte leise vor sich hin.

„Verdammt, nicht jetzt!“

Aus dem Abzeichen kam eine Stimme.

„Verzeihung Captain, aber das sollten Sie sich anhören. Die Iraluaner wollen mit Ihnen sprechen!“

Janeway blickte Winnetou mit einem schiefen Grinsen an und drehte sich wieder etwas von ihm weg.

„Stellen Sie durch!“

„Captain Janeway! Unsere Scans haben gezeigt, dass sie bei sich haben, was uns gehört. Wir werden es nun abholen kommen. Lassen Sie es einfach dort am Eingang der Höhle zurück und begeben Sie sich allein auf ihr Schiff zurück. Wenn Sie den Anweisungen nicht Folge leisten, vernichten wir Sie!“

Janeway wandte sich mit einem Ruck zu Winnetou um und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.

Warum wollten die Fremden einen Menschen aus dem 19. Jahrhundert haben?

Winnetou hatte zwar die Worte gehört, doch ihren Sinn konnte er nicht erfassen. Doch sie schienen etwas mit ihm zu tun zu haben, so wie der Captain ihn nun ansah. Ihre Worten bestätigten dies, auch wenn er hier ebenfalls nicht ganz verstand, was sie damit meinte:

„Keine Sorge Winnetou, wir werden Sie denen nicht überlassen! Sie gehören nun zu uns und wir werden nicht zulassen, dass Ihnen etwas geschieht!“

Winnetou richtete sich auf.

„Winnetou gehört niemandem. Er ist ein freier Mann und er ist gewohnt für die Freiheit zu kämpfen!“

Janeway legte ihm eine Hand auf seinen Oberarm. Eine ungewohnte Geste, die er jedoch zuließ.

„Na dann habe ich ja wenigstens wieder einen Freiheitskämpfer an meiner Seite! Kommen Sie Winnetou, wir werden denen zeigen, was es heißt, sich mit uns anzulegen!“

+++

[8] Jefferiesröhre:  Jefferiesröhren sind Gänge und Tunnel in Raumschiffen der Sternenflotte, die als Wartungsschächte dazu dienen, unzugängliche Bereiche des Schiffes bzw. technische Einrichtungen erreichbar zu machen. Über die Jefferiesröhren kann man alle wichtigen Orte im Schiff (wie zum Beispiel die Brücke oder den Maschinenraum) erreichen. Sie werden oft benutzt, wenn die Energie ausfällt und die Turbolifte nicht mehr funktionieren. Manche Jefferiesröhren sind so groß wie normale Korridore, die meisten jedoch sind nicht höher als etwa 80 cm und etwas über einen Meter breit.

[18] Universaltranslator: Der Universalübersetzer (auch Universaltranslator) enthält Matrizen bekannter Sprachen und wandelt diese in die Sprache des Benutzers um. Ebenso wandelt er die Sprache des Benutzers in die Sprache des Gegenübers um, so dass beide Gesprächspartner trotz verschiedener Heimatsprachen miteinander kommunizieren können. Dabei werden die Originalsprachen während der Kommunikation gedämpft, so dass die Gesprächspartner und Umstehende ausschließlich die Übersetzung vernehmen. Die originalen Stimmcharakteristika bleiben bei der Übersetzung erhalten. Im 24. Jahrhundert ist er in der Lage, sogar für mehrere Personen gleichzeitig getrennte Übersetzungen in mehrere Sprachen vorzunehmen.

[19] Energiesignatur: Eine Energiesignatur ist die Abstrahlung von Energie, die zum Beispiel von Raumschiffen, deren Waffen aber auch von natürlichen Objekten ausgeht.

Die Energiesignatur eines Objektes ist von der Art der Energieversorgung abhängig und weist so direkt auf den Ursprung des Objekts hin. Jede Energietechnologie verfügt über eine charakteristische Signatur.

[20) Vulkan / Vulkanier: Vulkan ist der Heimatplanet der Vulkanier, ein Gründungsmitglied der Föderation im Jahr 2161 und ist ebenso wie die Erde eines der wichtigsten Mitglieder der Föderation. Die Vulkanier waren auch die erste nichtmenschliche Spezies, die Kontakt zu den Menschen aufnahm.

Die Vulkanier sind eine humanoid-vulkanoide Spezies vom Planeten Vulkan. Es sind Telepathen, die gelernt haben, ihre Emotionen zu unterdrücken und unter Kontrolle zu halten. Sie folgen der reinen Logik. Die Vulkanier sind eines der vier Gründungsmitglieder der Föderation.

Vulkanier sind von Natur aus eine sehr impulsive, triebgesteuerte und aggressive Spezies, jedoch werden diese Instinkte heute mit Hilfe von Meditation und strikter mentaler Disziplin unterdrückt. Der vulkanische Verhaltenskodex diktiert das Abschalten jeglicher Emotionen.
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