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Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße

von Minou
GeschichteLiebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Till Brummer / Kummer
01.01.2019
01.03.2019
41
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08.01.2019 2.413
 
Schneller als gedacht war es Freitag und Stina und ihre Freundinnen fuhren schon früh morgens von Hamburg aus nach Chemnitz. Sie holten sich ihre Bändchen, suchten sich einen schönen Campingplatz, erkundeten das Campinggelände und schon bald öffneten die Tore zum Stausee. Das Wasser funkelte in der Sonne. Am anderen Ufer war der Kosmonautschriftzug aufgestellt. Sie sah vereinzelt Menschen umhergehen, sah, wie das Licht auf der Bühne auf seine Funktion getestet wurde, sie hörte Menschen lachen und wusste direkt, dass sie diesen Moment für den  Rest ihres Lebens in ihrem Herzen behalten würde. Der Nachmittag und nach dem Auftritt von Faber entschuldigte Stina sich bei den anderen Mädchen.
"Irgendwie sind das alles zu viele Eindrücke. Ich hab mega Kopfschmerzen. Ich leg mich mal kurz ins Zelt", erklärte sie.
"Und was ist mit Feine Sahne? Du liebst die! Wir wollten die zusammen gucken! Und der Headliner?", fragte Magda irritiert.
"Zu Feine Sahne bin ich auf jeden Fall wieder da", versicherte sie und schaute kurz verstohlen auf die Uhr. Sie hatte nicht ganz zwei Stunden bis zur Show von FSF und sie musste sich noch einen Pass holen. In einer halben Stunde war sie schon mit Till verabredet, das würde alles gewaltig knapp werden. Sie lächelte den Mädels noch einmal zu, dann verschwand sie. Als sie das Gefühl hatte, dass sie außer Sichtweite war, beschleunigte sie ihren Schritt und die letzten Meter bis zur Akkreditierung rannte sie fast.
"Hey, hat ja alles gut geklappt?", fragte Till als sie fast zehn Minuten nach der verabredeten Zeit im Freundebereich angekommen war und zog sie direkt in seine Arme, um sie zu küssen. 
"Es geht... hat gerade irgendwie eeewig gedauert mit der Gästeliste und ich musste meine Mädels belügen... ich... ich bin so froh, endlich hier zu sein", erzählte sie und küsste ihn direkt wieder. Und obwohl sie in den vergangenen Tagen quasi ununterbrochen geschriebn hatten, hatte sie das Gefühl ihn zu küssen in den vier Tagen schon unsagbar vermisst. 
"Gab's Probleme?", erkundigte er sich, nahm ihre Hand und ging mit ihr in Richtung seines Wohnwagens.
"Meine Mädels waren irgendwie... ich hab ihnen gesagt, dass ich Kopfschmerzen habe... aber... also ich glaub, die denken, dass ich bei nem Typen bin." Sie seufzte. 
Das gibt nachher so viele dumme Sprüche. Magda wird mich umbringen.
"Sollen sie doch." Till zuckte mit den Schultern.
"Naja... was glaubst du, was das für ein Theater gibt, dass ich lieber Sex mit nem Typen hab, als mit den Mädels was zu machen..."
"Scheiße... aber... ich meinte eigentlich, ob es Probleme an der Gästeliste gab", hakte er nach.
"Nee... ging. Danke, für die Gräfin auf der Gästeliste, du Pisser." Sie schlug ihm leicht mit der Faust auf die Schulter.
"HA! Ich konnts mir einfach nicht verkneifen", Till lachte kurz "haben die dazu was gesagt?"
"Ja, natürlich. Die haben gefragt, zu wem ich gehöre." Sie waren am Wohnwagen angekommen. Schnell schloss Till auf und ging mit ihr hinein.
"Ich mein wegen der Gräfin, Mann!" Wieder lachte er.
"Jaha, deswegen haben sie ja gefragt. Wer denn Connections zum Adel hätte", erklärte sie.
"Was hast du gesagt?" Belustigt schaute Till sie an.
"Graf Brummer. Sollen sie sich überlegen, wer das ist." Sie grinste ihn an und erneut lachte Till kurz. Er fand sie einfach unglaublich lustig.
"Schon verheiratet?", witzelte er.
"Erst, wenn ich das Kind bekomme..." Theatralisch seufzte sie. Till Lachen verstummte. Etwas blass um die Nase schaute er sie an.
"W-was für ein Kind?" Sie war doch nicht... sie konnte doch nicht...
"Na... unser... Kind..." Mit großen Kulleraugen sah sie ihn an.
Rache ist süß, Graf Brummer!
"Was???" Till schluckte heftig. Sie hatten auf dem Puls nicht verhütet. War sie etwa... war sie schwanger?
"Na...", sie hatte das Spielchen eigentlich noch weiter treiben wollen, musste aber doch jetzt selbst lachen "Ach Tilli... als ob!"
"Schock mich nicht so! Alter." Till ließ sich auf das Bett fallen, fühlte, wie sein Herz hart in der Brust schlug.
"Sorry... Rache für die Gräfin...  zu lustig... Übrigens, ich hab ne Spirale... keine Gummis mehr." Sie setzte sich neben ihn, schaute ihn erwartungsvoll an. 
"SEHR GEIL!" Ein breites Grinsen erschien auf seine, Gesicht.
"Das finde ich allerdings auch", stimmte sie ihm zu und kuschelte sich an ihn
"Dann können wir das ja gleich mal ausprobieren." Tills lange Finger strichen sanft über ihren Bauch.
"Auf jeden Fall, aber ich würde gern kurz noch was trinken. Ich bin so gerannt...", sagte Stina leise. Sofort sprang Till auf, holte kurz etwas aus einem Schrank, dann stand er mit Traubensaft und einem Glas wieder vor ihr. Stolz wie Oskar hielt er ihr beides hin. Sie lächelte sanft.
Wenn ich da jetzt nen Aufriss von mache, wie süß ich das finde, ist es sicher das erste und letzte Mal, dass er mir Traubensaft bringt. 
"Danke, wie lieb von dir", sagte sie darum so liebenswürdig wie möglich und er sah mit Genugtuung, wie sie sich ein Glas einschenkte und davon trank. Schnell hatte sie es wieder weggestellt.
"So, jetzt aber zum wichtigen Teil. Schließlich sehen wir uns jetzt vier Wochen nicht. Da müssen wir die ganze Zeit nutzen." Stina hatte seine Hände gegriffen und zog ihn zu sich auf das Bett.
"Vier Wochen?", fragte er sie mit aufgerissenen Augen.
"Ja...", seufzte Stina.
"Aber... das Gurten Festival. Und... VIER WOCHEN?" Theatralisch packte er ihre Schultern und schüttelte sie leicht.
"Da ist Juicy. Da bin ich auch", erklärte sie.
"Und davor? Ich überlege gerade, was als nächstes ist..." Schnell kramte er sein Handy hervor. Er konnte nicht vier Wochen ohne sie sein. Vier Wochen ohne... Sex. Denn mehr war es ja nicht. 
"In zwei Wochen ist das Gurten Festival...", stellte er fest.
"Da... kann ich nicht", sagte sie. Till stöhnte genervt.
"Warum?", fragte er leicht angepisst.
"Da... also... da hab ich Geburtstag. Und feiere bei uns." Schnell senkte sie ihren Blick, sah auf seine Hände, die unaufhörlich zärtlich über ihren Körper streichelten.
"Oh... okay. Verständlich", sah auch Till ein "Und... Lumnezia?"
"Das ist in der Schweiz. Das ist viel zu weit von Braberg aus. Und ich brauch ja immer noch ein Zimmer. Das wird dann elendig teuer...", stellte sie fest.
"Dann pennst du im Nightliner bei uns", schlug Till vor.
"Was? Das geht doch nicht!" Überrascht sah sie wieder auf, schaute in seine blaugrauen Augen.
"Klar geht das", beschloss Till und wusste sehr gut, dass das ohne die Zustimmung von mindestens zwei anderen der Jungs sowas von überhaupt nicht ging.
"Echt jetzt?" Stina konnte ein Grinsen nicht mehr verbergen.
"Mmmh...", machte Till und überlegte jetzt schon, wie genau er das Felix beibringen sollte.
"Total gerne. Wirklich." Schnell küsste Stina ihn.
"Dann sind es aber immer noch drei Wochen", stöhnte Till genervt.
"Drei Wochen sind ganz schön lang", stimmte Stina ihm zu.
"Fast so lang wie vier", stellte er fest und begann ihren Hals zu küssen.
"Fast." Ihre Hände strichen über seinen Rücken, zogen ihn zu sich.
"Viel zu lang." Till schob eine Hand unter ihr Shirt, spürte, wie sie unter seiner Berührung zusammenzuckte.
"Dann sollten wir vielleicht jetzt anfangen unsere Zeit zu nuten?" Zärtlich strich sie über seine Wange.
"Auf jedenfall, komm her!" Und damit packte er sie und küsste sie innig.


Stina hätte ewig bei Till im Wohnwagen bleiben können. Nur wusste sie, dass sie einen Riesenärger provozieren würde, wenn sie nicht spätestens zu Feine Sahne Fischfilet wieder bei den Mädels war. Till hatte den Wohnwagen als erster verlassen, um zu schauen, ob sich draußen neugierige Menschen umhertrieben, die Stina besser nicht sehen sollten. Und Tills Vermutung erwies sich als richtig. Er kam keine drei Meter weit, da lief er Felix in die Arme.
"Sag mal... hast du ein Mädchen in deinem Wohnwagen?", begrüßte ihn sein großer Bruder.
"Ähm, wieso?" Till fühlte sich ertappt. Waren sie zu laut gewesen? Hatte man sie gehört? Sie hatte sich nicht wirklich zusammengerissen, als er... schnell schüttelte er den Gedanken an das ab, was sie gerade getan hatten, um sich voll auf seinen Bruder zu konzentrieren.
"Weil du sonst eher nicht der Typ bist, der bei gutem Wetter über eine Stunde im Wohnwagen hockt. Während Bands spielen...", gab Felix zu bedenken.
"Ah... daher weht also der Wind. Ja... hab ich...", sagte er so leise, dass Felix ihn durchaus hören konnte, sonst aber keiner von denen, die in seiner Nähe waren.
"Aber... du hast doch kein Mädchen... hier aus dem Freundebereich, oder? Hast du denn aus letztem Jahr nichts gelernt?" Felix starrte ihn mit großen Augen an. Letztes Jahr hatte es heftiges Drama gegeben, wegen eines One-Night-Stands mit einer Assistentin eines anderen Künstlers.
"Hab ich nicht. Hab mir jemand auf die Liste schreiben lassen", beruhigte Till seinen großen Bruder. Der allerdings kein bisschen beruhigt zu sein schien. Fassungslos schaute er Till an.
"Till... hast du... also... hast du... ne Prostituierte da drin?", flüsterte Felix.
"FELIX, SPINNST DU?! Nein!" Till wusste nicht, ob er lachen sollte, oder über sich die Absurdität dieser Aussage ärgern sollte.
"Also... kanntest du sie vorher, wenn du sie dir hast drauf schreiben lassen?", forschte Felix weiter nach.
"Ja. Ich hab sie schon ein paar mal gesehen. Aber sie will auch nicht wirklich gesehen werden und ist deswegen im Wohnwagen", erklärte Till.
"Hast du... also... ist sie... deine Freundin?" Ein Grinsen huschte über Felix' Gesicht. Er wünschte sich so, sehr, dass sein Bruder endlich wieder eine Freundin hätte. Till wirkte oft so einsam. Und... die letzte Beziehung hatte nicht wirklich gut geendet.
"Nicht so ganz...", korrigierte Till ihn direkt.
"Sondern?"
"Freundschaft Plus..."
"Jetzt echt? Es gibt ernsthaft Mädchen die das mitmachen?", fragte Felix verwundert.
"Warum denn nicht?" Till kannte die Antwort und doch tat er so, als wäre ihm der Gedanke noch nie gekommen.
"Weil sie sich in dich verliebt und dann ist das Drama groß." Felix seufzte.
"Weil ich ja auch so ein super Typ bin", bemerkte Till abfällig.
"Was soll das denn jetzt heißen?"
"Na, ich bin doch beim besten Willen kein Material für eine Beziehung. Ich bin der größte Arsch von uns allen." Till zuckte mit den Schultern. So war es nun einmal, er hatte sich damit abgefunden.
"Mag sein..." Felix konnte ihm nicht wirklich widersprechen.
"Ja ist doch auch so", bekräftigte Felix erneut.
"Und was ist das für eine, die sich auf eine Fickbeziehung mit dem größten Arsch von Kraftklub einlässt?", witzelte Felix.
"Sag dazu nicht Fickbeziehung. Sie ist ein super nettes Mädchen. Und verdammt hübsch..." Schnell biss Till sich auf die Lippe. Er hätte noch stundenlang über Stina reden können. Nur dann würde Felix sicher denken, er wäre verliebt.
"Wo hast du sie kennen gelernt?", wollte er wissen.
"Auf dem Puls Festivals..."
"Ach, die du mit in die Ferienwohnung genommen hast?" Felix erinnerte sich, dass Till die Nacht nicht allein verbracht hatte.
"Ja", gab Till zu.
"Was ist das für eine?" Felix' Neugier war geweckt. Sein Bruder war nicht dafür bekannt, sonderlich lange Kontakt zu den Frauen aufrecht zu erhalten, mit denen er geschlafen hatte.
"Eine Nette?", antwortete Till irritiert.
"Du weißt, was ich meine. Warum war sie beim Puls? Ist sie ein Fan?" Langsam wurde Felix misstrauisch.
"Mhm."
"Dein Ernst?" Felix zog die Augenbrauen hoch. Till ließ sich eigentlich nicht mit Fans ein.
"Aber sie ist nicht wie dir anderen. Sie erzählt nichts. Oder hast du schon irgendwas gehört?", verteidigte Till sie sofort.
"Bisher noch nicht. Sie ist nicht wie die anderen, hm?" Felix versuchte sich ein Grinsen zu verbeißen. Till mochte sie. Sehr.
"Nein."
"Und du hast sie einfach so auf die Gästeliste geschrieben?", fragte Felix weiter.
"Sie hat nicht gefragt, wenn du das wissen willst", rechtfertigte Till sich. Felix schien zufrieden zu sein, zuckte kurz mit den Schultern.
"Okay."
"Ich weiß was ich tue", versuchte Till es weiter.
"Ich sag doch... okay", wiederholte Felix.
"Ich weiß, dass es aber anders ist." Bockig wie ein kleines Kind verschränkte er die Arme vor der Brust.
"Till, wenn sie dich glücklich macht... ist doch gut." 
"Tut sie..." Das Lächeln schlich sich schneller auf Tills Gesicht, als er es verhindern konnte und bevor er wieder möglichst gelassen schauen konnte, hatte Felix es schon gesehen.
"Dann ist sie bei uns herzlich willkommen." Felix klopfte seinem kleinen Bruder auf die Schulter, wollte ihm versichern, dass sein Mädchen immer einen Platz bei ihnen haben würde.
"Kann ich sie... auch... mit zu den anderen Festivals nehmen?", fragte Till unsicher.
"Wenn sie Zeit hat, schreib sie mit auf die Liste." Felix nickte zustimmend.
"Kann sie... auch im Nightliner mit?", forschte Till weiter.
"Kein Sex im Tourbus!"
"Ich weeeheeeiß!"
"Und... die Lemminge müssen das echt nicht mitbekommen. Sonst... klar", stimmte Felix zu. Wenn sie eben erst dieses Spielchen 'Wir-sind-nur-Freunde' spielen musste, bevor ihm klar würde, dass er sie mochte, dann war das eben so.
"Will ich auch gar nicht. Wir wollen das beide nicht. Reicht das ihr das wisst", erklärte Till noch einmal.
"Na dann... lern ich sie denn auch irgendwann kennen?" Felix sah seinen Bruder auffordernd an.
"Soll ich sie fragen ob sie jetzt will? Sonst... sitzt sie ja beim Lumnezia Festival schon bei uns im Bus", schlug Till vor.
"Ja, klar, gerne!"
"Dann frag ich sie kurz." Grummelnd verschwand Till wieder im Wohnwagen. Er ahnte, dass Stina nicht begeistert sein würde.
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