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Schwarzer Wolf

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
31.12.2018
14.01.2019
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31.12.2018 774
 
Einen.
Einen Toten.
Einen von insgesamt 19 Mann. Der Sergeant schüttelte den Kopf. 19 Männer hatten versucht die Bank zu überfallen und 18 davon waren so gut wie unversehrt entkommen.
„Es ist Will McCali, Sir.“ Riss ihn die tiefe Stimme seines Corporals aus den Gedanken. „Bringt ihn und unsere Toten zur Kirche.“ Der große Mann salutierte und winkte ein paar der anderen Soldaten zu sich. Einen Moment beobachtete Gary White seine Männer bei der Arbeit. Dann wandt er sich ab und lief zum Sheriffoffice.
Der Sheriff, ein mittelgroßer Mann mit kurzem, braunem Haar und einem beeindruckenden Schnauzbart, stand am Fenster und sah hinaus. „Er ist entkommen.“ Meinte Gary beim Eintreten. „Das wäre mir ja noch gar nicht aufgefallen.“ Erwiderte Clinton Baker, der sich gegenüber der Tür an die Wand lehnte. „Eine schwere Schlappe für sie, Sergeant.“ Gary biss die Zähne zusammen um sich eine wütende Erwiderung zu verkneifen. Der verdammte Detektiv hätte ja mithelfen können! „Genug.“ Sheriff Harper drehte sich zu den beiden. „Ihn einzufangen ist jetzt wichtiger als Schuldzuweisungen.“ „Und wie“ meldete sich Baker zu Wort, „sollen wir das jetzt anstellen? Hm? Spätestens jetzt weiß er, dass ein Spitzel unter seinen Leuten ist.“ „Könnte ihr Spitzel uns nicht einfach sagen wo diese Bande ihr Lager hat?“ „Das ist das fatale an dieser Situation. Er weiß es nicht. Sie haben ihn nicht eingeweiht.“ „Wieso wurde die Falle dann schon jetzt gestellt?“ meldete sich der bisher ruhig zuhörende Sheriff zu Wort. „Wir hätten warten müssen bis ihr Spion das volle Vertrauen dieser Halunken hatte.“
„Aus dem einfachen Grund.“ Der Detektiv stieß sich von der Wand ab und trat an den Tisch mitten im Raum, „Weil er kaum Möglichkeiten gefunden hat mit mir in Kontakt zu treten ohne aufzufliegen. Je länger er bei dieser Bande gelblieben wäre, desto größer wäre das Risiko geworden.“
„Bedeutet dieses wäre, das er sich bereits abgesetzt hat?“ Wenn ja bezweifelte Gary, dass sie jemals wieder eine so gute Gelegenheit bekamen den Anführer der Wölfe zu erledigen.
„Da mein Mann nicht lebensmüde ist. Ja.“ Der Sergeant schloss kurz die Augen und seufzte: „Und wie wollen sie die jetzt wie…“
„Sie kommen zurück!“ unterbrach ihn ein Ruf von draußen. Kurz verharrten die Männer. Gary war sich sicher, dass er ebenso verblüfft aussah wie seine Gesprächspartner. Fast gleichzeitig lösten sich die drei und liefen hinaus. Eine regelrechte Menschenmenge hatte sich gebildet. Mithilfe von Ellenbogen und Fäusten kämpfte sich der Sergeant einen Weg hindurch, dicht gefolgt von dem Sheriff und dem Detektiv.
Tatsächlich. Etwa eine halbe Meile von der kleinen Stadt entfernt warteten achtzehn Reiter, gegen den Himmel nur als Silhouetten erkennbar.
Also war Bakers Spitzel noch nicht abgehauen.
„Holt die Pferde.“ Befahl Gary, ohne die Reiter aus den Augen zu lassen.
Doch noch bevor seine Leute diesem Befehl nachkommen konnten, löste sich einer der Reiter von der Gruppe und kam langsam näher.
Gary hörte wie der Sheriff neben ihm scharf die Luft einzog.
Der Reiter hielt knapp außer Schussweite. Er war mittelgroß, schulterlanges, schwarzes Haar fiel unter seinem ebenfalls schwarzen Hut in leichten Locken herab. Ein kurzer, sorgfältig geschnittener Bart bedeckte Kinn und Wangen.
Er trug eine schwarze Weste, dunkle Hosen und schwarze, kniehohe Stiefel. Seine Erscheinung rundeten ein weißes Hemd und ein ebenso helles Halstuch ab.  
Die Menge murmelte und mehrfach drang der Decknamen dieses Mannes an Garys Ohr: Schwarzer Wolf, der Anführer der inzwischen hundertköpfigen Bande. Wie er in echt hieß wusste niemand.
„Ich bin unbewaffnet und gekommen um Wills Leichnam zu holen.“ Die Stimme des berühmt, berüchtigten Banditen klang ruhig, als säße er bei freundlicher Runde an einem Lagerfeuer und nicht als wären die Waffen von über dreißig Männer auf ihn gerichtet.
Einen Moment blieb es totenstill.
„Und wieso, Mister Bandit, sollten wir Sie nicht einfach festnehmen?“ meldete sich schließlich Harper.
Kurz zuckten die Mundwinkel des Outlaws. „Reicht die Ehre eines Toten nicht mehr als Begründung? Na ja, so etwas habe ich mir schon fast gedacht.
Nun, ich denke ihr wollt euren Spion lebend wiederhaben.“
Gary sah zu dem Detektiv. „Eigentlich ja.“ Flüsterte dieser. „Wartet.“ Rief der Sheriff dem Schwarzgekleideten zu dann wand er sich leise an Gary und Baker. „Was sollen wir jetzt machen?“ „Was ist wichtiger: den schwarzen Wolf hinter Gitter zu bringen oder das Leben eines Mannes?“
„Es ist wahrscheinlich, dass er noch andere Leute töten wird wenn wir ihn jetzt gehen lassen.“ Wandt Gary ein. „Aber wir können auch nicht zulassen, dass mein Mann einfach so getötet wird!“ zischte der Detektiv zurück.
Gary seufzte leise „Also bringen wir ihm die Leiche?“ Zustimmendes, wenn auch zögerliches Nicken.
„Corporal!“ „Ja, Sir?“ „Schaffen sie die Leiche des Banditen her.“
Ein triumphierendes Lächeln zog über das Gesicht des dunklen Outlaws.
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