Death Note—Another Story

GeschichteAllgemein / P16
OC (Own Character)
31.12.2018
31.01.2019
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Mit glasigen Augen sah ich mir das Video an, was mir Sebastian entgegenhielt. Ein Mann mit schwarzen Haaren, welche am Ansatz eine blonde Färbung hatten, lag in einer Zelle.
Überall in die Wände waren Buchstaben geritzt. Einige sahen so aus, als wären sie mit Fingernägeln hineingekratzt worden.
As, Bs, zwei Bs hintereinander, Ls, und was mich am meisten fertig machte, waren die, auch manchmal mit Blut gezeichneten Ds.
Der Mann lag auf dem Boden, schien zu schlafen, trotzdem schien er unruhig zu sein. Immer wieder schmiss er seinen Kopf hin und her und formte mit seinen Lippen lautlos einen Buchstaben.
D.
Auf einmal riss er seine roten Augen auf und sah direkt in die Kamera, bevor das Video endete. Ich fröstelte.
Ich hatte Beyond Birthday so noch nie erlebt. War das Reue, was er durch meinem Namen zeigte? Nein, es war eher Unruhe, als würde er heimgesucht werden. „Wie schlimm ist es?“ fragte ich Sebastian.
„Ziemlich schlimm, er nimmt kaum Nahrung zu sich und schläft kaum. Auch lässt er niemanden mit sich reden“antwortete er. Ich sah auf meine Beine.
B war der Grund gewesen, das ich in diesem verdammten Folterstuhl saß. Er hatte mich niedergeschossen und fast getötet.
Ich fuhr mir über meine Gesichtsnarben. Wir hatten uns noch nie nahe gestanden.
Einmal hatte er mich in Ls begehbaren Kleiderschrank eingesperrt. Da L nur in sein Zimmer ging um zu schlafen, was nicht besonders oft war, war ich insgesamt 18 Stunden in diesem verdammten Schrank eingesperrt.
Seit diesem Vorfall hatte ich nicht nur Angst vor begehbaren Kleiderschränken, sondern war auch ein bisschen klaustrophobisch geworden. Unpraktisch, wenn die einzige Möglichkeit nach unten in ein Gebäude zu kommen, ein Fahrstuhl war.
Aber trotzdem konnte ich ihn nicht so leiden sehen. Ich musste etwas tun.
Ich ging in mein Inneres. Da war es wieder.
Das selbe Gefühl wie bei A. Dieses Gefühl, wenn man sich nicht komplett fühlt.
Wenn man noch etwas erledigen muss, es aber schon zu lange aufgeschoben hat. Ein zerreißendes Gefühl.
„Sebastian“, sagte ich und er schaute mich an, „ich werde mal wieder verreisen müssen.“ „Wohin?“fragte er mich, ein wenig erstaunt.
„Nach Amerika“, sagte ich und begann (mal wieder) meinen Koffer zu packen. „Was willst du denn da?“
Ich rollte mit den Augen. Sonst war er doch auch nicht auf den Kopf gefallen, also wieso musste ich alles erklären?
Aber bevor ich etwas sagen konnte, schien er schon alleine zu begreifen. Was für ein Genie, dachte ich mir.
„Du kannst da nicht hin, du siehst doch was er letztes Mal mit dir gemacht hat!“schrie er mich an und zog mein Shirt von meinem Bauch. Ein fast schon schwarzes rundes Mal, umgeben von Narben, welche durch die Brocken herrührten, war zu erkennen.
„Hör mir zu, das ist etwas komplett anderes“, sagte ich ruhig und zog mein Shirt wieder runter, „ich habe ihn noch nie so gesehen. Das ist weder B noch Beyond Birthday, das ist etwas ganz anderes für mich. Ich kann ihn nicht so sehen, verstehst du?“
Betroffen sah er auf den Boden, wollte schon für eine Antwort ansetzen, aber ich ließ ihn nicht: „Außerdem habe ich mich noch nicht mit ihm ausgesprochen und ich würde ihm gerne vergeben.“ Auf einmal fand er seine Sprache wieder: „Du willst einem Mörder vergeben, du willst Beyond Birthday vergeben?!“ fragte er mich zweifelnd.
„Nein“, sagte ich und begann meinen Koffer weiterzupacken, „ich möchte B vergeben, dass ist ein Unterschied.“ „Was soll ich tun?“ fragte er, „wir können die Ermittlungen nicht vollkommen fallen lassen.“
„Natürlich nicht“, antwortete ich, Gedanken verloren, „könntest du mir eine Stelle an der To-Oh Universität besorgen, aber bitte achte darauf, dass ich über einen Computer unterrichten darf, auf Grund körperlicher Einschränkungen?“ „Na klar“, grinste er und begleitete mich zur Tür hinaus.
Ich hatte noch einen Last-Second-Flug bekommen, meine Sorgen wurden aber selbst während des Fluges nicht gehemmt. B hatte abgemagert ausgesehen, die Kleidung schmutzig, die Handschellen hatten sich an den dünnen Handgelenken ins Fleisch geschnitten.
Das Flugzeug kam an. Ein Mann in Uniform salutierte vor mir und nahm mein Gepäck.
Mein Rollstuhl war zum Glück zusammenklappbar, weshalb die Autofahrt kein Problem war. Auch der Ausstieg war einfach, obwohl mir Sebastians Hilfe fehlte.
Ich betrachtete das Gefängnis. Es war ein Hochsicherheitsgefängnis, eines der sichersten der Welt und das sah man auch.
Hohe Geschütztürme.
Dicke Mauern mit Stacheldraht auf der Kante.
Erst nach vielem, vielem Ausweisen durfte ich hinein. Jeder hier hatte davor Stillschweigen über meine Anwesenheit gelobt, auch vor L dürften sie nichts über meinen Besuch sagen.
Langsam rollte ich die Gänge entlang. Die Gefangenen sahen mich mit großen Augen an, offenbar waren sie Besuch nicht gewöhnt, einer von ihnen fragte mich sogar ob ich ein Engel sei, aber ich vermutete dass er nicht mehr ganz klar im Kopf war.
Ich näherte mich der Zelle. Nummer 666.
Wie passend. Ihr Insasse hob langsam den Kopf.
Ich erschrak. Er sah wirklich furchtbar aus.
Seine Wangen waren eingefallen, seine Fingernägel blutig und abgenutzt, seine Füße voller Blasen. Er sah mich an, erkannte mich offenbar nicht.
„Könnten sie uns kurz alleine lassen?“ fragte ich den Beamten. Er sah kurz verunsichert aus, nickte jedoch als er das Pfefferspray an meinem Gürtel sah.
Sie konnten uns ja immer noch über Monitore beobachten. Er bog um die Ecke.
Langsam zog ich meine Kapuze ab, anschließend meine Maske. Ungläubig schaute mir B in mein Gesicht.
„D?“ hauchte er kaum merklich, seine roten Augen keine Sekunde von meinen Gesichtsnarben gerichtet, „ich- ich dachte du wärst…“ er beendete den Satz nicht und sah mir in die Augen. „L hat mir gesagt du- du wärst…“ versuchte er seinen Satz zu vervollständigen.
Ich nickte. Es war keine Reue die er empfand, es war einfach nur Erstaunen.
„Ich dachte mir es wäre das beste, wenn alle Welt dachte ich sei tot“, sagte ich und sah ihm in die Augen. War das eine Träne?
Nein.
„Wieso bist du gekommen?“ fragte er mit einer veränderten Stimmlage, sie schien mir jetzt mehr nach Beyond Birthday zu klingen, „um mich zu beschuldigen? Um mich zu befragen? Um mich zu foltern?“ Bei dem Wort „foltern“ flackerten seine Augen und ein Grinsen zeichnete sich ab.
Ich schüttelte den Kopf. Nein, dafür war ich nicht hier.
„Ich bin hier um dir zu vergeben“, sagte ich und fuhr mir durch die Haare. So oft betasten konnte ich sie nicht.
Beyond lachte. Es war ein schreckliches Lachen.
Ein Lachen eines Irren. „Mir vergeben?! Dafür das du jetzt ein armseliger Krüppel bist?“
Ich zuckte innerlich zusammen, behielt aber die Kontrolle. Eine gespaltene Persönlichkeit, dachte ich mir, das ist die einzige Erklärung.
„Nein, ich bin hier um dir zu vergeben und selber Vergebung zu erhalten“, antwortete ich nun etwas leiser, trotzdem konnte er mich hören. „Für was?“ fragte er mich forsch.
„Ich möchte dir vergeben, dass du selber deinen Verstand verloren hast. Ich möchte Beyond Birthday nicht dafür vergeben, das er B getötet hat, nein, ich möchte B vergeben, das er in einem Moment der Schwäche die Kontrolle verloren hat.“ „Schwäche?!“ rief Beyond Birthday entzürnt, „Was fällt dir ein?“
Aber ich ließ mich nicht beirren und redete weiter: „Ich möchte dass du mir vergibst, dass ich nicht für dich da war, als du Hilfe brauchtest. Als A sich getötet hat, bist du zerbrochen, nicht war? A und du wart beste Freunde .“ B schwieg.
Etwas was ich von ihm gar nicht kannte. „Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war, als aus B dem Waisenkind, Beyond Birthday der Mörder wurde. Vergib mir.“
Er sah mich an. Seine Emotionen waren nicht einzuordnen.
Bis er begann zu lachen. „Denkst du echt ich hätte dich gebraucht?! Ich habe B selbst zerbrochen, damit ich kommen konnte, nicht der Tod eines „Freundes“!“
Das Wort „Freund“ sprach er verächtlich aus, aber es konnte den kleinen Fetzen Trauer nicht verstecken. Ich atmete ruhig und sprach auch ruhig weiter: „Ich bin nicht hier um mit Beyond Birthday zu reden, ich will mit B sprechen.“
Sein Gesichtsausdruck änderte sich, das Feuer in seinen Augen schwand ein wenig, aber es war immer noch feindselig. Ich lehnte mich zurück.
Na endlich.
„Ich habe As Grab besucht, es ist sehr schön. Es liegt direkt unter dem alten Apfelbaum. A hat dir viel bedeutet, oder? Gib es zu“, sagte ich mit fester Stimme, in welcher aber auch ein beruhigender Klang lag. „Ich…“ wollte er ansetzen, aber bevor er anfangen konnte zu sprechen, durchfuhr ihn so etwas wie ein Schlag.
Er begann lauthals zu keuchen und griff sich an die Brust. Seine abgenutzten, blutigen Fingernägel bohrten sich tief in das Fleisch seines Oberkörpers.
Was war das?! „B!“ schrie ich verzweifelt.
In der Ferne hörte ich Kirchenglocken. Es war genau 12 Uhr.
Sofort kamen die Wachen angerannt, schlossen die Tür auf. Ich rollte hinein, im selben Moment brach er zusammen.
„B!“ schrie ich ihn nun noch verzweifelter an, ließ mich aus meinem Rollstuhl fallen und hievte seinen Kopf auf meinen Schoß. Seine blutroten Augen glitten unruhig im Raum umher, wie zwei bewegliche Rubine.
Gingen über die ganzen gemalten und gekratzten Buchstaben. „B…“ flüsterte ich.
Eine einsame Träne kullerte über meine Wange. Er keuchte und röchelte.
Er formte mit seinen Lippen Worte, zum Glück konnte ich Lippen lesen. Er formte die Worte:
„A… Verzeih… Mir…“
Dann richtete er seine, vom Todeskampf geprägten Augen auf mich. Ein letzter Stoß durchfuhr ihn, als er ein letztes Wort hauchte:

„…D…“

Schwer und schmerzvoll, merkte ich seinen letzten Atemzug gegen meinem Bauch. Seine Augen, sonst immer ruhelos und rot, veränderten sich, richteten sich auf ein fernes Ziel und auch das sonst immer so intensive Rot veränderte sich.
Es verblasste, bis seine Iris komplett haselnussbraun wurde. Langsam schloßen sich seine Augen.
Für immer.
In meinen Armen hielt ich den immer noch warmen Körper und schwor mir erneut, voller Wut und Trauer, Kira zu finden und zu bestrafen.
Beyond Birthday, Mörder und Peiniger vieler Menschen, war tot und mit ihm auch B, mein Freund.
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