Names Are Just Words

von ju-on
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Light Yagami Matt Mello Shuichi Aizawa Teru Mikami Tota Matsuda
31.12.2018
14.01.2020
28
225215
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Eine kleine Vorwarnung für dieses Kapitel: hier gibt es detaillierte Beschreibungen von Brandverletzungen und wie sie gesäubert werden. Wer das also nicht mag/nicht lesen will, aufpassen.
Den anderen wünsche ich viel Spaß

Vielen Dank an meine Beta BrokenBones
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November 11, 2009
1:38 a.m.

Er war über seine tragbare Spielekonsole gebeugt, in Leder gekleidete Daumen tippten auf den Knöpfen rum, die mit einer Brille bedeckten Augen waren auf den winzigen Bildschirm geheftet. Das ganze Zimmer war dunkel, abgesehen von dem stummgestellten Fernseher. Dieser Idiot! Er hatte nicht einmal aufgesehen, als ich eingetreten bin. Wie oft hatte ich ihm schon gesagt, er solle mehr auf seine Umgebung achten? Wir hatten uns seit Monaten nicht mehr gesehen und er war nicht im Geringsten auf der Hut, selbst nach meinem Anruf! Er hatte meine Ratschläge viel zu oft ignoriert und im Moment war ich nicht in der Stimmung für dieses endlose Getippe!

Mein Adrenalin schien jetzt nachzulassen und ich wurde mit den Schmerzen und der Erschöpfung alleine gelassen. Ich schluckte das Blut, das sich in meinem Mund gesammelt hatte, runter und schaffte es meine Stimme mehr harsch klingen zu lassen als schmerzverzerrt.

„Matt“, krächzte ich. Keine Antwort, nur weiteres Getippe. Ich runzelte die Stirn, was an der Haut an meiner Wange zog. Dass ließ mich zusammenzucken und ich knurrte. „Matt“, wiederholte ich, knallte die Tür zu und lehnte mich gegen sie.

„Mmm“, war alles, was ich über das infernalische Getippe hörte.

„Würdest du dein Gesicht… für eine Sekunde von diesem Ding abwenden?!“

„Mmm“, hörte ich abermals, mit einem lahmen „Lange nicht gesehen“, hintendran gehängt.

Ich schlug meine Faust gegen die gebrechliche Holztür, was diese in ihren Angeln erzittern ließ. Sofort schossen Schmerzen durch meine Muskeln. „Verdammt nochmal!“

„Entspann dich“, sagte er zu mir, „Was ist dieses Mal passiert? Hattest du keinen Spaß mit deinen Mafia Kumpeln?“ Tippen. „Ich habe das Zeug, was du wolltest. War einer von denen zu hart zu dir oder war es umgekehrt und du hast dich hinreißen lassen?“ Wie immer sprach er durch seine halbgeschlossenen Lippen, die eine Zigarette umschlossen. Silberner Rauch wirbelte in der Dunkelheit hoch zur Decke.

Ich seufzte irritiert und drückte mich von der Tür weg und versuchte nicht zu stolpern, als ich mich auf den Weg zu der dreckigen Couch machte, auf der er herumlungerte. Jede Bewegung sendete Blitze aus Schmerz durch meine Verletzungen. Ich kannte nicht einmal das volle Ausmaß der Verletzungen auf meinem Körper und ich konnte mich nicht genug konzentrieren, um es herauszufinden. Ich hatte mich noch nicht um mich kümmern können und es bestand die Gefahr, dass ich jede Sekunde einen Schock erleiden könnte. Aber ich hatte keine andere Wahl. Ein Krankenhaus stand außer Frage und so war der Einzige auf der Welt, auf den ich mich gerade verlassen konnte, Matt.

Ich hatte gerade Mal die Hälfte bis zur Couch geschafft und musste innehalten, um mich mit den Händen an dem Stuhl abzustützen, auf den ich immer saß, welcher in meiner Abwesenheit total eingestaubt war. Ich musste anhalten und wieder zu Atem kommen. Was ich machen wollte, war mir die Lunge aus dem Leib zu schreien und den Stuhl, den Tisch und seine verfluchte Spielekonsole in winzige Stücke zu zertrümmern, aber ich unterdrückte den Drang.

„Ich bräuchte etwas Hilfe“, bellte ich. Ich hasste es Schwäche, egal welcher Art, zu gestehen. Aber er war mir unter der Bedingung gefolgt, jedem meiner Befehle Folge zu leisten. Ich musste keine Bitten äußern – nur Befehle.

„Hilfe mit was?“ Seine Augen verließen nie den Bildschirm. Ich könnte schwören er hatte nicht einmal geblinzelt, allerdings war es schwer zu sagen wegen der Barriere, die seine Brille darstellte.

„Mit… den Bandagen“, zischte ich angestrengt.

Selbst als wir als Kinder im Garten des Waisenhauses herumgerannt waren, hatte ich Matt nie eine Schwäche gezeigt und ich würde jetzt auch nicht damit anfangen. Es war immer ich gewesen, der ihn gegen seinen Willen nach draußen gezwungen hatte, auch, wenn er dann nur unter einem Baum saß oder auf dem höchsten Punkt des Klettergerüsts und mit seinem Gameboy spielte, während ich herumrannte und das Kind quälte, nachdem mir der Sinn stand.

Trotzdem kannte ich meine Limits, so wenige es auch gab, aber das war eine bedeutende Situation. Rapide verlor ich an Stärke, mein Magen drehte sich, meine Haut stand in Flammen von dem betäubenden Schmerz und wenn ich wer anders wäre, wäre ich jetzt schon ohnmächtig. Ich war schon mehr als einmal nah dran gewesen. Der furchtbare Gestank von Schimmel und billigem Putz stieg in meine Nase, gemischt mit dem Geruch meines eigenen verbrannten Fleisches und verschmorten Leder, was mich wieder schwindelig werden ließ. Zumindest waren meine Sinne fast unversehrt.

„Huh?“ Zumindest hob er endlich den Blick von seinem Videospiel und schaute mich an. Dieses Mal blinzelte er hinter den Gläsern und eine schnelle Veränderung waberte über seine Züge. Sein Kiefer klappte auf, beinahe viel ihm die Zigarette zwischen seinen Lippen herunter und seine Augenbrauen schoben sich seine Stirn hoch. „Jesus, Maria und Josef“, sagte er.

„Messerscharf wie immer, Matt.“

„Scheiße, Mello, was ist passiert?“, wollte er wissen, schmiss sein Spiel einfach auf die Couch und stand auf. „Als du sagtest ‚Mullbinden‘ dachte ich nicht…“

„… Sie haben mich erwischt“, sagte ich verärgert und gepeinigt, da ich am Ende meiner Kräfte war. „Verdammte japanische Taskforce… sind eher eingedrungen, als ich es erwartet hatte! Sie hatten jemanden, der meinen Namen kannte...! Neylon wusste ihn, weil er die Augen hatte und ich dachte, vielleicht kontrolliert Kira ihn, damit er der Taskforce meinen Namen verriet… aber Yagami wusste ihn nicht, hat ihn nicht gesagt, bis er mein Gesicht gesehen hatte! Er muss… irgendwie diese Augen bekommen haben! Weißt du was das heißt? Auch, wenn es früher als erwartet war, hätte ich vorausplanen und zumindest mein Gesicht verdecken müssen! Ich hätte eine verdammte Maske tragen müssen, einen Helm – irgendetwas!“

„Scheiße, man, wovon redest du?“

„Ich habe keine Witze gemacht, als ich angerufen habe! Shinigami sind real und jeder Mensch kann einen Namen in ein Death Note von ihnen eintragen und Menschen töten – solange sie dessen Gesicht und den Namen kennen! So hat es Kira gemacht! Aber wenn du die Augen hast, brauchst du nur ein verdammtes Gesicht! Warum habe ich nicht damit gerechnet, dass ihre Seite auch die Augen hat?“

„Warte, du willst mir sagen…, dass die japanische Kira Taskforce deinen echten Namen kennt?“

„Ja, einer von ihnen… Yagami war sein Name. Er hat ihn den anderen gesagt… aber keine Sorge… er ist bestimmt schon tot… und nur er hat mein Gesicht gesehen. Du brauchst einen Namen und ein Gesicht, um zu töten… Einer von diesem Mafiaabschaum konnte ihn anschießen, bevor ich das Gebäude in die Luft gejagt habe… Aber jemand anderer auf ihrer Seite macht vielleicht den Augendeal… Wir sind nicht sicher…“

Nicht gut. Meine Gedanken begannen sich zu vermischen. Meine gewöhnliche Präzision war weg. Ich bemerkte nur halb wie außer Atem ich war.

Er kam auf mich zu, hob einen Arm, um was auch immer zu tun. Mitten in der Bewegung stoppte er. „Also sind das Verbrennungen…? Das hast du dir angetan?“

„Ich hatte keine Wahl!“, blaffte ich, „Sie hatten mich eingekesselt! Ich habe den Sprengstoff am Anfang zurechtgebastelt, um alle Beweise loszuwerden, sobald ich mit den Bastarden fertig war… und nur für den Fall, dass so etwas passierte… es war meine absolut letzte Rettung den Ort in die Luft zu jagen… Scheiße, ich hätte es nie so weit kommen lassen dürfen! Jetzt haben sie das Notizbuch wieder…! Ich habe versagt, verdammt!“

„Fuck, Mello, vergiss diesen Scheiß für eine Minute. Das sieht übel aus… Na los, lass uns dich ins Bad bringen…“

Steif ging ich in Richtung der Abscheulichkeit eines Badezimmers, das das winzige Apartment besaß. Er wartete, zögerte, hob erneut seinen Arm, als würde er mir helfen wollen, entsann sich aber eines Besseren. Gute Entscheidung. Er lief voran, seine Stiefel trommelten auf die Fliesen, sobald er da war. Das Licht anschaltend wartete er auf mich, während ich reinschlurfte, die Augen wegen der Helligkeit zusammenkniff.

Ich setzte mich auf den Klodeckel, erlaubte es mir meine rechte Schulter zu krümmen. Dasselbe konnte ich nicht mit der linken tun, denn sonst würden große Schmerzen von den Fingerspitzen bis zu meinen Augen schießen.

Er hockte sich vor mich, schob sich seine Brille auf den Kopf, um das lebhafte Grün seiner Augen zu befreien, was ich so selten sah. Ungehindert schaute er mich von oben bis unten an und schüttelte dann den Kopf.

„Verdammt, man… im Licht sieht das sogar noch schlimmer aus.“

„Halt die Fresse.“

„Nein, Mello, hör zu, das ist verdammt ernst… Sieht wie Verbrennungen zweiten Grades aus… Vielleicht sind auch manche bereits dritten Grades, denn es ist total schwarz… Mit so einer Verletzung solltest du in ein Krankenhaus…“

„Ich kann nicht in ein Krankenhaus gehen, Idiot“, sagte ich verachtend, meine Kraft schwand weiterhin kontinuierlich. Bei so offensichtlichen Gründen würde ich mich um keine ausschweifende Erklärung bemühen.

Zum Glück musste ich das nicht, denn er seufzte und sagte: „Ja, ich weiß. Ich weiß nur nicht, wie ich damit umgehen soll… Ich bin ein Hacker und kein Arzt.“

„Eine medizinische Grundausbildung war Teil des Lehrplans; jeder hat es gelernt“, erinnerte ich ihn herablassend, versuchte meinen Schwindel zu überspielen und die stetig wachsende Atemlosigkeit.

„Ich habe bei dieser langweiligen Veranstaltung nie aufgepasst. Sie haben uns auch beigebracht, wie man kocht und näht und Vogelhäuser baut… auch da habe ich nie aufgepasst.“

„Du bist nie aufmerksam genug!“, sagte ich verachtend. Ihn zu maßregeln verbesserte meine Stimmung, wenn auch nur ein bisschen.

„Jaja, das sagst du jedes Mal.“ Er schielte in mein Gesicht und ich bemerkte, wie sein Blick sich für einen Moment auf meiner linken Seite festsetzte. Die brennende Zigarette klemmte immer noch zwischen seinen Lippen, als sich sein Kiefer wieder etwas lockerte. „Scheiße…“

Ich schaute weg, bevor er es konnte. „Machst du die jetzt wohl mal aus?“, bellte ich.

Er nahm sie sich aus dem Mund und drücke sie auf dem Fliesenboden aus. „… Weißt du, ich musste nicht gucken um zu wissen, dass du das an der Tür warst“, erzählte er mir plötzlich, irgendwie wissend, was ich vorher gedacht hatte, „obwohl es schon Monate her ist… Du hattest ersten einen Schlüssel und zweitens… wer sonst knirscht so laut mit den Zähnen? Nur du, Mello.“

„Halt die Klappe“, blaffte ich, zuckte anschließend wegen dem brennenden Schmerz in meinem Gesicht zusammen. Ich musste innehalten und durchatmen. „… Hör zu, du musst nur die Wunden säubern und verbinden, ok? Ich kann sie nicht deutlich genug sehen, um es selbst du machen… und ich habe im Moment nicht die Muskelkraft dazu. Ich sage dir, was du machen musst.“

„Fuck, man, ich habe nicht annähernd genug geholt… Dafür muss ich noch ein bisschen mehr kaufen…“

Ich hätte mit den Augen gerollt, wenn ich nicht sicher wäre, dass es nicht weh tat. „Warum bin ich nicht überrascht? Dann hol es!“

„Was soll ich außer Mullbinden kaufen?“

„Du bist nutzlos! Ich habe dich angerufen, damit zu vorbereitet bist und du bist immer noch nutzlos!“

„Du hast mir nicht gesagt, dass es so schlimm ist“, argumentierte er. Er war die einzige Person, die je mit mir argumentiert hatte.

„Ich habe nicht gewusst wie schlimm es war, du Idiot!“

„Schön, ich suche es einfach online.“ Er seufzte erneut und schlurfte davon. Wenige Augenblicke später hörte ich ihn auf der Tastatur von einem seiner vielen Laptops herumtippen. Oft war er ein Blödmann – sein Wesen bestehend aus Nonchalance und das Symbol seines jungen Alters – aber es gab keinen besseren Techniker auf der Welt als ihn. Sein schlussfolgerndes Denken und seine Problemlösestrategien reichten zwar nicht an meine heran, und er war auch nicht so geschickt im logischen Denken, aber seine anderen Fähigkeiten waren so kompensierend, dass er nach mir und Near der Dritte in der Reihe war, Ls Nachfolger zu werden.

Er wusste, er könnte dem Namen nie gerecht werden, noch wollte er das, aber er war auch als Kind von L unterrichtet worden und war die einzig andere Person, von der ich die Anwesenheit in Wammys House ertragen konnte. Er war nicht so unerbittlich devot gegenüber mir, aber ich benötigte seine Skills und seinen Gehorsam. Deswegen hatte ich ihn gefragt, ob er mit mir auf diese Mission kommt.

Warum er zugestimmt hatte, wusste ich immer noch nicht mit Sicherheit.

Bald kam er zurück, entzündete eine weitere Zigarette. „Ok, ich habe es. Ich bin so schnell ich kann zurück…“

„Halt einfach die Klappe und verschwinde endlich“, knurrte ich, unterdrückte den Drang an meine Verletzungen zu fassen, da sie wieder pochten und stachen.

„Ok, ok, ich gehe. Tu mir einen Gefallen und werde nicht ohnmächtig und schlag dir den Kopf am Boden auf. Ich brauche nicht noch mehr Scheiß zum Verbinden.“ Sein Ton war nicht wütend, das war er nie. Er war zu faul um so oft sauer zu werden, wie ich es garantierte. Dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und ging.

„Warte“, rief ich, stellte mich ruckartig hin, machte einen Schritt, zuckte dann zusammen und sank anschließend erschöpft gegen den Schrank am Waschbecken. Mein Kopf drehte sich und meine Sicht verdunkelte sich. „Gott…“

„Scheiße, was?“ Er kam zurück ins Bad, die Hände ausgestreckt, bereit mich aufzufangen. „Pass auf, man. Setzt dich wieder hin.“

„Hör mir zu, ok?“ Ich war zu desorientiert, um klar zu denken, wurde verwirrt, machte Bewegungen, die ich nicht hätte machen sollen, aber verdammt, ich musste mich konzentrieren!

„Ich höre dir ja zu, beruhige dich wieder.“

Ich holte einmal sammelnd Luft, aber der Schmerz war unerträglich heiß, wie eine warme Masse, die durch meine Epidermis floss. Glühendheiße Reißzwecken und Nadeln stachen, krümmten und pfählten mich… Im nächsten Augenblick tat es überhaupt nicht mehr weh, was ein verdammt schlechtes Zeichen war. Meine abgestorbene Haut verkrustete, zog am Rest meiner Haut, was es nur schlimmer machte. Stoff und Splitter waren auch in mir eingeschlossen. Ich wusste es, denn ich konnte sie spüren.

„Bedecke dein Gesicht, wenn du rausgehst, Matt“, sagte ich streng, „Von jetzt an, wenn es auch nur für fünf Minuten oder eine halbe Sekunde ist, pass auf, dass keiner auch nur einen Blick auf dein ganzes Gesicht erhaschen kann!“

„Verstanden, man. Manchmal kann Kira mit nur einem Gesicht töten. So hat es Kira Nummer zwei getan, richtig? Das hast du mir schon mal gesagt.“ Er setzte sich die Brille wieder auf die Augen, als würde er so seinen Standpunkt klarstellen wollen.

„Das ist nicht mehr genug!“, brüllte ich und dehnte die Muskeln in meinem Gesicht zu weit. Ich biss mir auf die Zunge, um einen Schmerzenslaut zu unterdrücken, ballte meine Fäuste und schlug mit ihnen auf das Waschbecken. Ich konnte noch mehr Blut schmecken. „Scheiße!“

„Mach langsam, Mello“, sagte er an seiner Zigarette vorbei, kam mir näher, „Was ist los?“

„Sie haben mich erwischt, Matt“, knurrte ich wütend. Ich hasste es jemand anderem außer mir solche Dinge zu erklären. „Der Kerl, der mein Gesicht gesehen hat, ist tot, aber sie haben immer noch meinen Namen! Dass sie so viele Informationen haben, war nicht geplant! Ich sage dir, es gibt echte Shinigami – echte Todesgötter – und es gibt zwei tödliche Notizbücher: das, was ich hatte und das Andere, was Kira versteckt hatte, was auch bedeutet, dass es mehr als einen Shinigami auf der Welt gibt! Jetzt haben die Japaner beide Notizbücher und beide Todesgötter! Ich habe nicht erwartet, dass sie wirklich mit ihm kooperieren, aber das müssen sie wohl! Er muss Shido ausgeschaltet haben, denn er hat uns nicht gewarnt, wie er es hätte tun sollen! Es konnte keinen Spion in meinen Reihen geben, was bedeutet, dass Yagami die Shinigami-Augen gehabt haben muss!“

„Shinigami-Augen? Das hast du vorher schon mal gesagt, aber was…“ Ich merkte, dass er nicht aufnahm, was ich versuchte zu erklären.

„Ja! Hör zu, wenn du eines von diesen Notizbüchern hast, kannst du die Hälfte deiner verbleibenden Lebenszeit gegen die Shinigami-Augen tauschen. Und mit dieser Macht brauchst du nur das Gesicht einer Person zu sehen, Matt! Ihr echter Name erscheint über ihrem Kopf, sodass du ihn sehen kannst! Das ist das Geheimnis! So hat es Kira gemacht und ich habe es einen meiner Lakaien machen lassen. Kira ist bei der japanischen Taskforce, da bin ich mir jetzt sicher und diese inkompetenten Polizisten halten ihm alle Karten offen hin. Wer weiß was Kira machen könnte, was Kira den Shinigami machen lassen könnte. Er könnte überall Augen haben und wir würden es nie wissen. Nur ein Blick auf dein blödes Gesicht und er könnte dich kontrollieren, dich machen lassen, was immer er will – dich töten, indem er deinen Namen hineinkritzelt! Also bedecke einfach dein Gesicht, Matt, ok?“

Ich hielt ihm am Shirt fest und ich hatte nicht einmal bemerkt, wann ich es getan hatte. Er packte meinen gesunden Arm, der, mit dem ich sein Shirt packte. Er drückte einmal fest zu. „Ok, ok, ich kümmere mich darum, Mello. Raste nicht aus, sonst machst du dich krank.“ Er umklammerte meinen Arm ein weiteres Mal, ehe er erneut den Raum verließ. Ich hörte ihn in einem Schrank rumoren, bevor seine Stiefel davonstampften. „Ich bin bald zurück“, rief er und dann öffnete und schloss sich die Eingangstür.

Jetzt, wo er weg war, setzte ich mich wieder hin und holte tief und schmerzvoll Luft. Mein Körper wurde immer tauber, die Hitze umhüllte mich wie ein Nebel, meine Gliedmaßen wurden zu Sand, Muskeln fransten aus, die Haut wurde feucht. Ich fühlte mich, als würde ich dreihundert Pfund wiegen. Ich musste mich hinlegen, fürchtete mich aber vor dem Kontakt. Jedes Mal, wenn ich mich bewegte, kratzte das, was noch von meiner Weste übrig war, über die Wunden an Hals und Schulter. Die kleinen Splitter aus Metall, Holz und Glas trieben sich in mich. Mir war immer noch schwindelig und es wurde schlimmer, während sich die Übelkeit stärker an meinen Magen klammerte, je mehr Sekunden vergingen.

Nicht gut… War ich in einem Schock? Hatte es echt so lange gedauert, bis ich es bemerkte? Zwischen der Badewanne und der Toilette fiel ich auf meine Knie, lehnte meinen gesunden Arm über das rissige Linoleum, nicht mehr in der Lage ohne Hilfe weiterzustehen… Meine Gedanken trieben ab…

Verdammt nochmal, ich hasste alles an dieser Situation. Nach meiner ganzen vorsichtigen Durchplanung…! Ich hatte zwei Jahre damit verbracht meinen Weg in das Eliteverbrechersyndikat zu erschleichen, sie dazu gebracht mir zu vertrauen, auf mich zuhören! All die schrecklichen Dinge, die ich tun musste, um es bis zur Spitze zu schaffen und all das Geld, das wegen mir verschwendet wurde. Ich hatte es geschafft, dass diese schmierigen Arschlöcher sich jedem meiner Befehle beugten, sobald ich mit ihnen fertig war. Für eineinhalb Jahre war ich eine Respektsperson in ihren Rängen, nur der zweite zu ihrem Ehrenmann.

Mit den Ressourcen der Mafia hatte ich dieses gottverdammte Gebäude in Mitten der Wüste bauen lassen, hatte die Tochter des Polizeichefs gekidnappt und hatte selbst das Land als Geisel genommen, indem ich den Präsidenten benutzt hatte! Matt hatte sich in das Netzwerk einer fremden Regierung gehackt und die Rakete eingezogen, hatte sie transportiert bekommen und sie sogar neu programmiert…! Die ganzen Risiken, die ich auf mich genommen hatte, all die Menschen, die ich abgeschlachtet hatte, all die Arbeit, die ich verrichten musste – und am Ende war alles, mit was ich davonkam, mein Leben gewesen!

Vier Jahre, seit ich Wammys House verlassen hatte… Vier Jahre voller harter Arbeit und jetzt hatte ich weder das Notizbuch, noch Einfluss und Macht über die japanische Taskforce. Dieses Notizbuch war meine einzige Spur gewesen und jetzt gab es keinen Weg es zurückzubekommen. Die Mafiagang, derer ich mich bemächtigt hatte, war tot, niedergeschossen oder von meinen eigenen Händen in die Luft gejagt, damit von ihnen keiner reden konnte. Der frühere Präsident, dessen unwillige Kooperation ich erlangt hatte, hatte sich selbst umgebracht. Der Mann, der die Hälfte seiner verbliebenen Lebenszeit für die Shinigami-Augen eingetauscht hatte, war genauso tot wie der Rest seiner Gang… und so hatte ich praktisch keine Verbindungen mehr. Der Shinigami Shido war zusammen mit dem Notizbuch verschwunden und war jetzt mit Sicherheit im Besitz der japanischen Polizei, was bedeutet, dass die Gefahr bestand, dass es Kira wieder in die Hände fiel, wenn es das nicht bereits war. All meine Verbindungen waren gekappt. Ich würde wieder von vorne anfangen müssen!

Gott verdammt, jetzt würde Near die Nase vorn haben! Er lag bereits vorne, da er schon die Berichte vom wahren L und die Schlussfolgerungen seiner eigenen Ermittlungen hatte, sowie die Unterstützung der US-Regierung und einer gesetzlich geförderten Operation. Er hatte bundesstaatliche Beamte und Experten unter seiner Fuchtel. Alles was ich hatte, war das, was ich selbst durch Einschüchterungen, Morde und krimineller Verbindungen erreichen konnte.

Nicht zu erwähnen, dass Near noch immer das von mir einzig existente Foto besaß. Ich hätte es nie im Waisenhaus zurücklassen dürfen… aber ich hatte es getan, denn ich wusste, eines Tages würde ich eine Entschuldigung brauchen um zu ihm zu gehen. Mit so einer verzwickten Situation wie dieser, musste ich so schnell wie möglich zurückkommen, irgendwie… Ich musste herausfinden, wo er war, denn ohne Zweifel hatten seine Profis, die SPK, bereits die Berichte versteckt, nachdem sie herausfanden, dass es einen Spion unter ihnen gab.

Dieser gutbezahlte Spion war nun tot, wie die Mehrheit der SPK, alles wegen meinem Untergeben, der das Notizbuch benutzt hatte. Sehr wahrscheinlich hatte Near schon Kontakt zu dem derzeitigen L, Tota Matsuda, in Japan aufgenommen und teilte Informationen.

Er war mir in dem Rennen schon zu weit voraus! Verdammt, dieser verwöhnte, kleine undankbare…! Ich musste wieder einen Vorteil bekommen… und das so schnell wie möglich!

„Mello“, hörte ich dumpf, die Stimme nagte am Rande meines Bewusstseins. „Hey, Mello!“

Ich kannte diese Stimme. Kalt, gleichgültig, oft robotisch wie eine Maschine, aber irgendwo da drin war eine Faser seines guten Humors… Er schien nie entmutigt oder genervt. Er wurde nie frustriert mit mir, obwohl ich wusste, dass man das leicht in meiner Gegenwahrt verspürte. Ich verstand nie wie er so entspannt sein konnte. So war er schon immer gewesen, auch als wir uns das erste Mal begegnet waren und ich ihn geärgert und Dreck ins Gesicht geschleudert und ihn quer durch den Raum mit Papierkügelchen abgeworfen hatte. Nichts hatte ihn verärgert oder aufgeregt. Wegen diesen Dingen waren meine Schikanierung ziemlich schnell langweilig geworden und so hatten wir uns stattdessen angefreundet.

„Mello!“ Ich schreckte auf, realisierte kaum, dass ich noch immer über der Badewanne hing. Mein erster Impuls war es nach meiner Waffe zu greifen, aber da ich wusste, dass es nur Matt war, zwang ich mich dazu mich zu beruhigen, hatte sowieso nicht die nötige Energie. Mein Herz raste jetzt noch schneller und ich hasste es. „Du bist ohnmächtig geworden, man“, erzählte er mir. Ich setzte mich schnell auf, zu schnell, und meine Hand schnellte zu der Toilette. Ich erbrach Blut und verflüssigte Schokolade. „Scheiße.“

Ich spürte das kalte Leder seines Handschuhs über mein Augenlid streichen, als er mir einen Teil meiner Haare aus dem Gesicht strich. Mit der anderen Hand griff er mir an die Taille, um mich zu stabilisieren, versuchte sein Bestes nicht meine Wunden zu berühren. Ich wollte ihn von mir schieben, aber ich war zu sehr damit beschäftigt meinen Magen zu leeren. Ohne ein Wort zu sagen, hielt er mir die Haare aus dem Gesicht, wartete darauf, dass ich fertig wurde.

Sobald ich das war, verlor ich keine Zeit mehr und schob ihn von mir weg, verfrachtete ihn auf seinen Hintern. „Gern geschehen“, bemerkte er. Ich stöhnte, langsam setzte ich mich auf, wissend, dass mir wieder schlecht werden würde, wenn ich mich zu schnell bewegte, nachdem ich so lange gelegen hatte. Ich schlug den Klodeckel zu und spülte. „Mach langsam.“

„Das ist deine Schuld“, klagte ich ihn an.

„Oh, also nehme ich an du magst es wie eine Leiche über der beschissenen Badewanne zu hängen?“

Ich ignorierte ihn und streckte mich, um zitternd den Wasserhahn anzumachen. Schließlich riss ich mir meine ruinierten Handschuhe runter und wusch mir dann den Mund aus, würgte und spuckte aus, um den Geschmack loszuwerden. „Hast du etwas bekommen?“, fragte ich.

„Ja, also lass uns das Ding, was du Shirt nennst, loswerden und uns an die Arbeit machen.“ Er zog seine Handschuhe aus und rollte die Ärmel seines rot-schwarz gestreiften Pullis nach oben. „Setzt dich auf den Badewannenrand, ich schätze… ich gebe mein Bestes.“ Ich zog meine rostfreie 9mm Beretta aus meiner Hose und legte sie wiederstrebend zur Seite, bevor ich mich auf den Rand der Wanne setzte. Er ließ sich auf der Toilette nieder, zückte das Klappmesser, das er immer in seinem Stiefel trug. Er schob seine Brille wieder zurück auf seinen Kopf und begann zu arbeiten, schlitzte die Fasern meiner Weste an der Seite der Länge nach auf, während ich den Reißverschluss vorne öffnete.

Er arbeitete vorsichtig, schnitt und puhlte das Leder um meiner verbrannten linken Schulter, der Brust und der Rippen weg, was mich meine Finger wegen dem Schmerz in meine Oberschenkel graben ließ, entfachte so wieder die Hitze. Er wandte sich der anderen Seite zu und schlitzte das Leder am rechten Saum und am Rücken auf, puhlte die Teile Stück für Stück ab. „Das wäre so viel einfacher, wenn deine Klamotten nicht so verdammt eng wären.“

„Ich sagte nicht, dass du reden sollst“, zischte ich, „Ich habe dir gesagt du sollst arbeiten!“

Ich saß jetzt mit entblößter Brust da, meine Weste lag in Fetzten vor meinen Füßen. „Diese verdammte Hitze hat deine Klamotten mit deiner Haut verschmelzen lassen und dein Haar ist in dein Gesicht versengt. Ich kann Glas- und Metallstücke darin sehen… Es ist wirklich schlimm, Mello.“

„Denkst du nicht ich weiß das?“ Ich knurrte. „Mach einfach weiter.“

Er wusch sich seine Hände im Waschbecken und spritzte es sich in sein Gesicht, bevor er seinem Platzt wieder einnahm. Er kramte in der Plastikeinkaufstüte, die er gekauft hatte, herum und brachte eine Pinzette und eine Flasche Reinigungsalkohol zum Vorschein. Etwas davon goss er über die Instrumente und rutschte dann näher. Sofort machte er sich an die Arbeit. Zupfte das zerfetzte Leder aus meinen Wunden, arbeitete so vorsichtig er konnte. Ich behielt meine schwarzen Fingernägel in meinen Hosenbeinen vergraben und atmete durch meine Zähne.

„Entschuldige, man“, sagte er, „Um es schlimmer zu machen, das Licht hier drin ist Scheiße… Werd‘ mir bloß nicht nochmal ohnmächtig.“ Er machte weiter, zog und zerrte vorsichtig, sanft, ließ die Flocken der Kleidung zu Boden fallen. Dann machte er sich an die Schrapnellen, riss freie Stücke des Gerölls von dem Gebäude, das ich in die Luft gejagt hatte, raus. Ein kleiner Haufen aus gesplittertem Glas, Stücke von Stein und Beton und Klumpen von Metall sammelten sich im Abfallkorb.

Es mussten bestimmt dreißig Minuten gewesen sein, in denen er Schrapnellen und geschmolzenes Leder hervorzog, bevor er endlich sagte: „Fuck, ich denke das war es…“ Mit dem Ärmel wischte er sich die Schweißperlen von der Stirn und setzte sich zurück, ruhte seine Hände eine Weile aus. „Wie geht es dir?“

„Gut“, antwortete ich schroff.

Als nächstes holte er eine winzige Schere hervor. „Ich muss deine Haare ein bisschen schneiden.“

„Was auch immer, nur mach es endlich.“ Er rutschte noch näher, bis unsere Knie ineinandergriffen und er lehnte sich dicht an mein Gesicht, hob etwas von meinem Haar an und schnitt es ab. Es zog an meinen Wunden, meine Haut war um die Haare herum verbrannt und ich presste meine Zähne zusammen, um still zu bleiben.

Sobald er meine Verbrennungen von den Haaren befreit hatte, legte er die Schere weg und seufzte. „Und jetzt?“

Ich versuchte mich zu konzentrieren als meine Sicht verschwamm. „… Sag mir, wie die Verbannungen aussehen.“

„Also, sie sind irgendwie… ledrig und schwarz hier auf deiner Schulter… und ein bisschen auf deinem Arm… Der Rest ist rot und voller Blasen… Die Blasen sind… weiß und geschwollen...“

Ich versuchte sehr stark meine Atmung unter Kontrolle zu halten, aber sie wollte unregelmäßig werden. Er legte eine Hand auf meinen Oberschenkel, ich schätzte, um mich zu stützten, da ich zitterte. Schlussendlich kam ich wieder zu Atem und atmete so langsam ich konnte, schob sofort seine Hand weg. „…Ok… Zuerst… musst du kaltes Wasser darüber gießen…“ Er ließ den Hahn der Badewanne an und half mir mich halb zurück in die Wanne zu lehnen. Er holte einen Becher, füllte ihn mit dem kalten Wasser und spülte damit meine Wunden aus. Ich fletschte die Zähne und schlug den Kopf gegen die Wand, zischte laut. Ihm bedeutete ich fortzufahren und er spülte das kalte Wasser noch einige Male über meine Verbrennungen, bevor ich ihm sagte er könne aufhören.

Ich setzte mich wieder auf und er legte abermals seine Hand auf meinen Schenkel, um mich zu stabilisieren. Lernte er überhaupt dazu? Erneut schob ich seine Hand weg. „Jetzt… musst du… die Blasen aufmachen… und sie säubern… und dann…“ Ich atmete durch. „Und dann… musst du die ganze tote Haut abziehen, damit neue Haut über die Wunden wachsen kann.“

„Abziehen? Du meinst diese ganze, schwarze…?“

„Ja, alles davon oder es kann nicht heilen.“

„Und die Blasen…“

„Ja, du musst sie aufschneiden. Also macht schon.“

„… Hälst du es aus? Ich könnte nochmal rausgehen… schauen, ob ich dir ein bisschen Koks besorgen könnte.“

Meinte er das ernst? „Ich mag es nicht, wenn man mit meinem Kopf spielt! Du hast keine Ahnung was du da tust, also muss ich bei klarem Verstand bleiben! Jetzt halt verdammt nochmal deine Fresse und mach dich an die Arbeit! Ich kann damit umgehen!“ Er zögerte, starrte mich unsicher an, seine roten Brauen gekrümmt. Warum war er plötzlich so zimperlich?! „Gib mir etwas zum Draufbeißen, wenn es dir so viel ausmacht!“

Er gab mir seinen Handschuh und ich biss auf das Leder, während er den Alkohol über sein Klappmesser goss, es abwischte und über seinem Feuerzeug erhitzte. Jetzt setzte ich mich auf den Boden und packte den Rand der Badewanne, machte mich bereit.

„Bereit?“ Ich nickte und er schnitt in die erste Brandblase, befreite den grausigen Druck zusammen mit einem stechenden Schmerz. Ich knurrte durch eine Zähne und nickte, zeigte ihm an fortzufahren. Er schnitt alle Blasen auf, ließ die Flüssigkeit auslaufen und spülte sie anschließend mit dem kalten Wasser aus. Dann konnte ich wieder zu Atem kommen, aber das klappte nicht. Ich griff mir an die Brust, meine Sicht schwand, der Schweiß brach mir aus. „Mello?“ Ich rutschte runter und er packte meine heile Schulter, um mich aufrecht zu halten, mich dort zuhalten.

Ich saugte den Sauerstoff ein, drängte meinen Körper dazu sich zu beruhigen. Du bist stärker als das, verdammt! Du kannst das aushalten! Ich fasste nach seinem Ärmel, doch sobald ich wieder etwas stabiler war, drückte ich ihn weg. „Ich verstehe“, keuchte ich, „Ich… ich verfalle vielleicht in einen Schock, Matt.“

„… Was? Uh, was soll ich machen?“

„Ich habe noch Zeit… Du musst die tote Haut jetzt runternehmen und dann die Wunden mit dem Alkohol säubern. Verstehst du?“

„Ja.“ Er goss den Alkohol über die Pinzette und ich steckte mir den Handschuh zurück in den Mund, biss zu. „Ok, los geht’s.“ Er zog das erste Stück meines verkohlten Fleisches ab. Ich schnaubte durch meinen Knebel und presste die Augen fest zusammen. Er fuhr fort, riss Stück für Stück meiner geschwärzten Haut ab.

„Beeil dich… Mir wird schwindeliger… Ich übergebe mich gleich.“

Er ließ jedes Stück des krossen Fleisches in den Abfallkorb fallen, seine Augen vor Konzentration geweitet, während seine Zähne unbarmherzig auf seiner Unterlippe herumkauten. Ihm würde nicht schlecht werden, wir waren zu gut darauf vorbereitet, aber ich fand definitiv eine Art der Sorge auf seinen Zügen.

Wir waren Kindheitsfreunde, sicher, aber seit L sich entschieden hatte mich oder Near als seinen Erben auszuwählen, hatte ich Matt in dem Versuch zurückgelassen, meinem Rivalen Near immer einen Schritt voraus zu sein. Immer wetteiferten wir, obwohl Near nie auf meine Spötteleien einging. Matt wusste mehr oder weniger, dass er nur ein Backup war, für den Fall, dass ich und Near nicht erfolgreich waren. Er war nie an der Spitze der Liste, doch wusste ich, dass es ihm nichts ausmachte. Er war in den Hintergrund meiner Aufmerksamkeit gerückt… Über sechs Jahre hatten wir nicht mehr miteinander geredet, damals, seit er die Institution verlassen hatte.

Interessierte sich Matt überhaupt noch für mich, trotz dem, wie ich ihn behandelt hatte? Ich dachte er würde nur mit mir mitkommen, um Rache für L zu nehmen und um dem Raubschema zu entkommen, auf das er sich nach Verlassen des Waisenhauses eingelassen hatte. Wenn er sich zu lange mit etwas beschäftigte, wurde ihm langweilig und er suchte sich was Neues. Und er tendierte schnell dazu gelangweilt zu werden. Ich hatte eine ganze Weile nicht mehr an die alten Zeiten im Waisenhaus gedacht, hatte mich ganz meinem neuen Leben, Kira zu finden, hingegeben. Ich wollte nie wieder an die alten Zeiten zurückdenken, oder? Bessere Zeiten. Relativ friedvolle Zeiten. Zeiten, die ich nie wieder haben würde…

Matt war bis jetzt auf dieser Mission total loyal gewesen und folgsam, half mir bei allem, was ich verlangte und beschwerte sich nie, egal was die Aufgabe war. Normalerweise hätte ich ihn gehabt für die niederen Arbeiten, Aufträge oder jeden läppischen Job, an dem ich nicht interessiert war, bis ich etwas wirklich Wichtiges für ihn hatte. Ich hatte ihn nicht für viel gebraucht, aber es war zugegebenermaßen nützlich gewesen, noch ein Paar Hände zu haben, die in meiner Liga waren. Ich vertraute niemanden auf dieser Welt, mal abgesehen von Matt, L und Near. Jetzt war L tot und Near war schon immer mein Erzfeind gewesen, auch, wenn ich auf ihn zählen konnte, wenn ich mal so tief sank, um es zu wollen. Unwahrscheinlich.

War es nur wegen Ls Andenken, dass Matt mir jetzt folgte? Offensichtlich vertraute er mir, wenn er trotz des Wissens der Risiken folgte. War es, weil er zu Abwechslung etwas Neus erfahren wollte? Er riskierte sein Leben jeden Tag auf dieser Mission und ihn schien es nicht zu kümmern. War es nur einfache Erregung für ihn endlich so einer Gefahr ausgesetzt zu sein? War das ganze einfach nur das für ihn: die Suche nach dem Nervenkitzel?

Aber jetzt schien er sichtlich erschüttert zu sein… War es nur die Situation an sich? Wie er sagte, er war ein Hacker. Er war mit Maschinen sehr viel vertrauter, als er es jemals mit Menschen sein würde und ich hatte ihn nie freiwillig mit jemanden aus dem House sprechen sehen, außer mir und L… oder den hübschen Mädchen. Zusammengefasst war er ein Dieb und Einzelgänger. Es lag nicht in seiner Natur sich viel um Menschen zu kümmern. Ich war nicht sicher was ich jetzt denken sollte, während ich beobachtete, wie der Schweiß auf seine Stirn trat und herunterfloss, in seinen hellgrünen Augen stach. Er wagte es nicht in seiner Arbeit innezuhalten um sich über die Brauen zu wischen.

Ich hatte mich gut abgelenkt, aber es dauerte trotzdem eine endlose Zeit an Zupfen und Zerren, von mir in ein Delirium abdriftend, schnaubend und zusammenzuckend, bis meine Wunden offenlagen. „Fertig“, atmete er aus, sank zurück gegen die Toilette. Schließlich wischte er sich mit dem Ärmel über das Gesicht und schüttelte wieder und wieder seinen Kopf. „Meine Beine sind eingeschlafen“, sagte er und schüttelte erneut den Kopf, „Die ganze tote Haut ist weg.“

„Wie sieht es aus?“, flüsterte ich.

„Die Verbrennungen in deinem Gesicht sind nicht ganz so schlimm… Und dein Auge ist mit etwas Glück auch in Ordnung… Deine linke Augenbraue ist versengt und viele deiner Haare sind verkohlt… Der Rest der Verbrennungen auf deiner Schulter und der Brust sind jetzt rot und ein paar bluten… Auch dein Hals sieht nicht so schlimm aus.“

„Zumindest funktioniert noch alles. Das ist fürs erste gut genug.“

„… Du sagtest ich soll sie jetzt ausspülen?“

„Ja.“ Er atmete tief durch die Nase ein und stieß sie dann langsam wieder aus. Er befüllte den Becher wieder mit kaltem Wasser und spülte das Blut und andere Flüssigkeiten aus meinen offenen Wunden. Danach nahm er die Alkoholflasche auf und ich lehnte meinen Rücken über den Rand der Badewanne, stemmte meine Füße gegen den Badezimmerschrank. „Pass auf, dass du alles saubermachst oder das hier war eine Zeitverschwendung.“

„Versprich mir, dass du mir nicht die Kehle rausreißen wirst“, sagte er, als er die Flasche über mich hielt.

Ich zuckte bei dem Anblick beinahe zusammen, mein Magen verknotete sich von der schrecklichen Erwartung. „Ich mache keine Versprechungen.“ Er zuckte mit den Schultern und schüttete mir den Alkohol zuerst über die roten, offenen Wunden an meiner Schulter. Ich konnte einen zischenden Schrei wegen dem ausbrechendem Schmerz nicht unterdrücken und mein Rückgrat bog sich. „Scheiße!“ Für eine ganze Minute wurde mir schwarz vor den Augen, aber ich hörte seine Stimme jenseits von diesem farblosen Nichts meinen Namen rufen.

„Jesus, Mello… Du verpasst mir noch einen Herzinfarkt oder sowas“, murmelte er, als ich wieder zu mir kam, seine Hand lag auf meiner gesunden Schulter.

„Mach schneller.“ Ich hustete. „Beeilung!“ Er zögerte nicht mehr und das war verdammt klug von ihm, denn, wenn er noch einmal pausieren würde, würde ich wieder einen Zusammenbruch auf Grund der Schmerzen haben, anstatt nur einem verschwommenen Brand. Er tränkte meinen Arm, die Schulter, den Hals und die Rippen, Teile meines Rückens und die linke Seite meines Gesichts mit dem Alkohol, benutzte, wenn es nötig war, einen Waschlappen.

Als er fertig war, kollabierte ich, meine Lungen bebten heftig, meine Rationalität war dumpf. „Gottverdammte Scheiße…!“ Meine Sicht schwand, ließ mich erneut ohnmächtig zurück. Für einige Zeit sah ich nichts mehr von der Welt und dann erschienen makabre Farbflecken hier und da. Ich atmete so hart, dass meine Lungen wüteten und meine Haut kalt wurde. Nicht gut.

„Alles ok?“

„Das ist die bescheuertste Frage, die du mir je gestellt hast!“

Er zuckte mit den Schultern und rieb sich die Haare aus den Augen, welche sofort an ihren Platz über sie zurückfielen. Dann kratzte er sich am Kinn und der Wange. Zum ersten Mal bemerkte ich, dass er sich dringend rasieren musste. Sein Kinn war gespickt mit orange-roten Härchen, eine Nuance heller als die Haare auf seinem Kopf. Ich hatte es vorher nie bemerkt, nicht, dass es mich kümmerte. Er hatte sich wahrscheinlich nicht mit Körperhygiene beschäftigt, seit ich vor über einem Jahr zur Mafia gegangen bin. Fauler Sack.

„Zeit dich zu verbinden?“, fragte er.

„Hast du desinfizierende Salbe?“

„Ja.“ Er kramte in der Tüte herum und zog sie hervor.

„Benutzte die zuerst… dann tunke ein paar Verbände in Alkohol und umwickle es damit, dann befestigst du es… Beeilung…“

„Wenn ich hier fertig bin, brauche ich definitiv ein paar Zigaretten…“

So vorsichtig wie möglich, trotz dem Fakt, dass eine Feder mich berühren könnte und es sich trotzdem wie eine Tigerkralle anfühlen würde, träufelte er die Salbe auf mich. Er vermied es sie mit seinen Fingern einzureiben, denn ansonsten würde ich ihm vor Qualen die Kehle rausreißen. Der Alkohol und das Antiseptikum würden hoffentlich eine tödliche Infektion verhindern. Ich hatte nicht den Luxus jetzt an einem Wundbrand zu verrecken, besonders nicht, nachdem was ich getan hatte, um mit meinem Leben davonzukommen.

Er schüttete Alkohol über die Verbände und verband meine Brust und den Oberarm damit, musste mich einige Male umrunden, um meine Schulter zu bedecken. Mittendrinn begann er eine neue Rolle und umwickelte anschließend noch meinen Hals. Bei meinem Gesicht musste er improvisieren. Er schnitt Stücke aus dem Verband und befestigte sie mit Leukoplast. Den Rest wickelte er über meine Braue, über dem Haar, so gut er konnte. Mein linkes Auge würde einige Zeit lang bedeckt sein. „Ok, wie ist es? Wie fühlt es sich an?“

„Wie die Hölle“, grummelte ich, „aber es ist ok.“

Er stand auf und streckte sich. Ich hörte seine Wirbel einen nach dem anderen knacken und er gähnte widerlich. Er beugte seine Knie ein bisschen, aber das war es. Da er sich ständig über seine Videospiele beugte, war er zu sehr an die gekrümmte Position gewöhnt.

Ich war immer noch auf dem Boden gegen die Wanne gelehnt, ließ schließlich Übermüdung von meinen Muskeln besitzergreifen, während der Schmerz unter meinen Bandagen brannte. Verbrennungen dritten Grades waren fast schmerzlos, wenn du sie bekamst, aber Verbrennungen zweiten Grades… es war als stünde ich noch immer in Flammen… Meine Lungen hoben sich, aber ich bekam trotzdem nicht genug Luft. Mir war so schlecht, ich war so schwach, so armselig… Ich war so gedemütigt!

Jetzt hatte ich einen weiteren Grund Kira vor Near zu finden, zwei Gründe diesen Bastard zur Strecke zu bringen und beide waren verdammt persönlich… Verdammt!

„Hey!“ Hörte ich Matt aus der Ferne rufen. Ich war geneigt mich genervt zu fühlen, aber danach gab es keine weiteren Geräusche, also ließ ich es sein. Dann entspannte ich mich, zumindest genoss ich die Fähigkeit es zu tun. Ich rutschte weg, fiel, sank…

Ich fühlte jemanden an meiner Brust ziehen, zerren, reißen, und dann mit vollem Gewicht darauf sitzen, bevor er zu meiner Kehle griff und mir zwischen die Rippen schlug. Scheiße, warum? Lass mich schlafen…! Es war verschwunden, aber jetzt war mir wieder schlecht, als mich das Gewicht einholte und dann flog ich… Eine winzige Sekunde später war ich schwerer als ich es je gewesen war. Scheiße, was passierte hier?

Ganz plötzlich strahlte das Badezimmerlicht und ich hustete verwirrt, saugte aber immer noch Luft ein. Meine Brust stand in Flammen. Deutlich konnte ich seine Haare aus dem Augenwinkel sehen, eine Farbe, die ich nur mit weinrot beschreiben konnte mit natürlichen rotbraunen Highlights. All die dreckig gelben Farben der Badezimmerwände und der Decke waren verdreht.

„Fuck“, sagte er, „das war knapp…“ Ich realisierte, dass ich flach auf dem Boden lag und er auf allen Vieren über mich gebeugt, sein Gesicht schwebte direkt über meinem. Er atmete schwer, seine Arme jeweils auf einer Seite von mir. Seine blassen Lippen leuchteten wegen seinem Speichel. „Bist du wieder bei mir, Mello?“

Ich hustete erneut. „Was… wovon redest du da?“ Auch mein Mund war feucht und ich konnte den rauchigen Teer der Zigaretten bis hinter in meinen Rachen schmecken.

„Du bist wieder ohnmächtig geworden“, erklärte er, „und dann hast du aufgehört zu atmen! Dein Herz schlug noch, aber deine Atmung hat einfach… ausgesetzt! Du hast mich zu Tode erschreckt, aber du bist wieder zurück, richtig?“

Ich habe aufgehört zu atmen? Verdammt, mein Körper nörgelte mich einfach an schwach zu sein! Wenn nur meine Physik so anspruchsvoll wäre wie mein Geist! Ich war stärker als die meisten Männer meiner Statur, aber unglücklicherweise hatte jeder Mensch seine Grenzen. Meine Statur war nicht besonders einschüchternd und normalerweise konnte ich sie gut kompensieren. Vielleicht hatte selbst ich nicht realisiert, wie schwer ich verletzt worden war… Ich war in einen Schock gerutscht, ohne, dass ich genau sagen konnte, wann…

Es war erniedrigend, dass ich so abgebaut hatte, dass Matt mich retten musste. Ich war beinahe überrascht, dass er sich bemüht hatte mir eine Mund zu Mund Beatmung zu geben. Er hätte mich einfach dalassen können und sein sorgloses Leben weiterführen. Wie absolut erniedrigend das war!

„… Danke“, sagte ich, sah hoch in sein Gesicht, welches so dicht an meinem verweilte.

„Woah, hast du mir gerade gedankt? Bin ziemlich sicher, dass ist das erste Mal.“ Er wischte sich den Mund an seinem Hemdsärmel ab.

„Geh mir einfach aus den Augen.“

„Gut, gut. Lass uns deinen gebackenen Hintern ins Bett bringen.“ An meinem unteren Rücken half er mir hoch, setzte mich vorsichtig auf die kalten, schmutzigen Fliesen. Ich verkrampfte meine Fäuste und versuchte mich auf meine Knie zu drücken. „Hier“, sagte er, hockte sich hin, schlang meinen gesunden Arm um seinen Hals und half mir auf meine Füße.

„Du musst das nicht machen“, blaffte ich gehässig, zu gehässig, so wie sich mein Kopf drehte und meine Lungen protestierten. Deswegen stolperte ich und sackte gegen ihn und holte tief Luft. Einen Moment war mir so schwindelig, dass ich nichts mehr sah. „Ich kann gehen…“

„Kumpel, lass mich dir einfach helfen, ok? Zum Teufel nochmal.“

Ich knurrte, ließ ihn aber, lehnte mein drückendes Gewicht auf ihn als ich ging, fühlte mich immer noch zu schwer für meine eigenen Knochen. Nachdem ich all das überstanden hatte… war ich wirklich beinahe in dem Badezimmer dieses beschissenen Apartments gestorben? Es schien so widerlich armselig um wahr zu sein.

Er trat die Tür zu dem kleinen Schlafzimmer des Apartments auf und half mir rüber zu dem schäbigen Ding, was der Vermieter Bett nannte, damit ich mich draufsetzten konnte. Es war schmal und dünn und die Federn drückten, wenn man sein Gewicht darauf verlagerte, aber es fühlte sich verdammt gut an, wenn man es mit dem Badezimmerboden verglich. Vergeblich versuchte ich meine Stiefel von den Füßen zu treten, aber mit jedem Strecken meiner Muskeln wurde mir übler und so ging Matt ohne ein Wort auf die Knie und zog sie mir für mich aus. Dann hob er meine Knöchel an und legte sie auf der Matratze ab, was mich, auf Grund des Schmerzes im rechten Knöchel, fürchterlich zusammenzucken ließ.

„Hab ich dir gesagt du sollst mich anfassen?“, wollte ich mit raue Stimme wissen.

„Willst du dich hinlegen oder nicht?“, fragte er, nicht im Geringsten rachsüchtig. Er glitt mit seinen Händen, welche wohlig warm waren, unter meine Taille und die Knie und zog mich dann in eine anständige Position auf dem Bett, legte meinen Kopf auf das Kissen. Ich hatte nicht bemerkt wie stark er war. Er hatte mein Gewicht ohne Anstrengung hochgehoben.

„Du musst mir auch den Knöchel verbinden“, sagte ich. Der Schmerz von diesem war so armselig im Vergleich zu den Verbrennungen, also hatte ich über ihn hinweggesehen.

„Was, jetzt? Was hast du mit deinem Knöchel angestellt?“

„Ein Gebäude ist auf mich gestürzt, du Arschloch!“

„Oh, richtig.“

Er machte sich daran nun auch meinen Knöchel zu verbinden. Die Matratze roch verfault und war fleckig, aber das kümmerte mich nicht. Es war schön wenigsten meinen Kopf auszuruhen. Er nahm seine Hände weg und ich entspannte meine Muskeln, versuchte sie sich ausruhen zu lassen. Ich hatte vor über andere Dinge zu brüten, um mich nicht auf meine Schwäche zu konzentrieren und meine Gedanken fanden beinahe automatisch zu dem baufälligen Zustand des Apartments. Von wegen ‚voll möbliert‘. Alles, was dieses Apartment zu bieten hatte, war eine Couch und ein Stuhl-Set aus dem Steinzeitalter, dieses Feldbett, ein wackliger Tisch und ein Schrank gefüllt mit aufklappbaren Gartenstühlen.

Wir hatten in der Innenstadt ein schöneres Apartment gemietet, aus schierem Komfort und dem Platz, wo wir den Hauptkörper unseres Computerequipment verstauten. Wenn wir uns bedeckt halten wollten, blieben wir in dem Versteck im Osten. Bis jetzt hatte ich noch nicht alle meiner Vermutungen bestätigt, aber wir müssten uns sehr bald dahin begeben, damit ich Near ausfindig machen konnte.

Ganze fünf Minuten vergingen und ich bemerkte, dass er immer noch in dem Zimmer stand. „Was?“, fragte ich ihn gereizt.

„… Ich hätte mit dir gehen sollen, Mello“, sagte er.

„Wovon redest du da?“, wollte ich spöttisch wissen.

„Zu der Mafia. Ich hätte mich auch anschließen müssen.“

„Spinnst du? Ich sagte du sollst hierbleiben und ein Auge auf die Aktivitäten in der Stadt haben, während ich bei der Mafia war. Dort wärst du mir nur in die Quere gekommen.“

„Nein. Ich weiß ich bin nicht so klug wie du, aber ich hätte etwas tun können, irgendetwas, um das zu verhindern.“

Ich schloss erneut meine Augen, versuchte meinen Körper zu entspannen, trotz des andauernden Schmerzes. Warum machte er sich so viele Gedanken? Er hatte sich nie darum bemüht. „Hör zu, Matt, ich brauchte dich hier und dass du auf unsere Aktivitäten in der Stadt achtgibst. Diese Mafiabastarde haben mir schon genug Ärger bereitet, nicht zu erwähnen Kira und die japanische Taskforce… aber, wenn ich mir auch noch Sorgen machen müsste, weil du da wärst…“ Ich atmete aus, begann mich wieder aufzuregen und damit konnten meine Lungen gerade nicht umgehen.

Ich wusste nicht, was ich sagen wollte, um den Satz zu beenden und das passte mir überhaupt nicht. „Lass es einfach sein. Wenn du mitgekommen wärst, hättest du mir im Weg gestanden und wie sich die Dinge entwickelt haben… Ich wäre nicht in der Lage gewesen, uns beide zu retten. Wenn du da gewesen wärst, wärst du entweder tot oder würdest in einem Knast verrotten, bis Kira dich loswird. Es war besser, dass du hiergeblieben bist, unsichtbar.“

„… Ok, Mello, wenn du das sagst. Ich lass dich dann mal alleine.“ Er verließ den Raum, schloss die Tür hinter sich.

Der Schmerz flackerte immer noch, ließ mich am Rande des Schlafes baumeln, täuschte mich mit einem falschen Sinn von Ruhe und dann wurde es mir wieder mit zusammengepressten Kiefern und Fäusten entrissen. Ich schnaubte, biss meine Zähne wegen den Blitzen der Qual zusammen, die konstant durch mich schossen. Ich starrte hoch in die Dunkelheit, brodelte über meine Niederlage. Das einzige, was ich tun konnte, war wieder ganz von vorne anzufangen. Zumindest hatte ich unerlässliche Informationen, die ich zu meinem Vorteil nutzten konnte.

Ich wusste alles über das Notizbuch und Near nicht. Ich konnte alles von Near und der Gruppe aus Lakaien, die er führte, bekommen, was ich wollte. Alles was ich machen musste, war eines der Mitglieder ausfindig zu machen, das ich am Leben gelassen hatte, am liebsten bald. Ich kannte Near und ich wusste er würde erwarten, dass ich früher oder später das, was ich brauchte, durch Gewalt an seinem Team bekommen würde… also musste ich einen der Überlebenden in die Finger bekommen, bevor er die Sicherheit erhöhte. Matt konnte sich in ihre geschützten Informationen hacken und dann konnte ich mich entscheiden, wen ich haben wollte… sobald ich die Stärke hatte sie zu konfrontieren.
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