Names Are Just Words

von ju-on
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Light Yagami Matt Mello Shuichi Aizawa Teru Mikami Tota Matsuda
31.12.2018
14.01.2020
28
225215
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December 12, 2009
11:36 a.m.


Ich wachte auf, zog mich an, ging dann ins Wohnzimmer und erwartete beinahe ihn dort schlafend auf der Couch zu finden. Er war es nicht. Er war überhaupt nicht im Apartment. Er war immer noch draußen. Egal. Ich würde mich besser konzentrieren können, wenn er nicht da war, um den Fernseher laut zu stellen oder sich den Mund vollzustopfen. Ich verbrachte den ganzen Tag damit meine Recherche zu überfliegen. Halle fungierte als Takadas Bodyguard, das könnte ein neuer Blickwinkel sein. Von jetzt an musste ich sie gut ihm Augen behalten. Wenn alles funktionierte, wäre ich näher an Kira, als Near sich zu träumen wagte.

Es war Abend, als ich wieder von meinen Notizen aufschaute. Offenbar war er noch nicht wieder zurück. Was zur Hölle tat er? Ich schaute auf mein Handy, aber er hatte nicht angerufen. Es konnte sehr gut sein, dass er etwas Dummes tat, auch wenn ich ihn ein ums andere Mal gewarnt hatte. Da Kira ganz in der Nähe war und seine Anbeter und Agenten überall in Scharen lauerten, konnte ich es mir nicht leisten, Matt länger faulenzen zu lassen.

Ich wählte seine Nummer auf der Kurzwahltaste und hörte dem Klingen zu. Das tat es fünfmal und dann ging seine Mailbox ran: ‚Pwning some noobs.‘ Ich zog die Brauen zusammen und rief nochmal an, aber auch jetzt nahm er nicht ab. Ich atmete gereizt aus und packte meine Jacke mit der Kapuze, da ich nachts nicht mit einer Sonnenbrille herumlaufen konnte, ohne verdächtig auszusehen, warf sie über und ging aus der Tür.



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December 12, 2009
10:45 p.m.


Ich ging um den Block, überlegte, wo er hingegangen sein könnte. Ich wollte nicht zu lange draußen bleiben und wie sich herausstellte, musste ich nicht allzu lange laufen. Ich war vielleicht sechs Blocks weiter, als ich das rote Muscle Car am Straßenrand geparkt stehen sah. Genervt, aber nicht überrascht sah ich, dass das Auto vor einer dreistöckigen Videospielhalle parkte.

Ich seufzte und ging rein, wurde sofort von dem schlagen, blitzen, crashen, Schüssen, Dings, Tippen und Explosionen von den Dutzenden Videospielmaschinen empfangen. Begleitet wurde das Ganze von Jubeln, Schreien, Beschwerden oder Prahlen. Auf Grund des sofort eintretenden Kopfschmerzes, biss ich die Zähne zusammen und begann mich nach ihm umzusehen. Der erste Stock war eher für Kinder, da man dort spielen konnte, um Preise zu gewinnen. Ein Mädchen stand hinter dem Tresen und bediente ein paar Kinder. Ich war mir sicher, dass Matt nicht hier unten bei den simplen Kindermaschinen war, also ging ich die Treppen hoch in den zweiten Stock, sah die Menge verteilt auf Kampf-, Baller-, Horror- und Abenteuerspielen. Ich schaute mich wieder nach ihm um, weniger wachsam nicht gesehen zu werden.

Ich ging an Person nach Person vorbei, alle drückten und rissen an ihren Joysticks und schossen mit ihren hellen, bunten Plastikpistolen. Ich dachte nicht, dass ich seine Faszination für diese Welt verstehen würde, aber ich wusste, dass es auch viele Dinge über mich gab, die er nicht verstand. Trotzdem arbeiteten wir schon so lange zusammen und wir waren als Kinder die dicksten Freunde, auch trotz unserer zahllosen Differenzen. Nach so vielen getrennten Jahren hatten wir irgendwie auch diese letzte Grenze überschritten. Aus irgendeinem Grund hatten wir diese letzte Grenze zerbrochen und aus irgendeinen Grund hatte ich ihn gelassen.

Dann traf es mich und ich versuchte es abzutun oder zu leugnen, aber es schien durchaus möglich zu sein. War er wirklich wütend darüber, dass ich letzte Nacht bei Halle war…? War seine hochtrabende Reaktion – die erste richtige Emotion, die ich je an ihm gesehen hatte – das Produkt von läppischer Eifersucht? Hatte ich wirklich geglaubt, dass er so oberflächlich war? Allerdings war er viel gewöhnlicher als ich, in dem Sinne, dass er viel… menschlicher war. Er war kalt und roboterhaft, aber er war definitiv empfänglicher für gewöhnliche Emotionen, als Near oder ich. Ich hatte immer gedacht, das wäre eine Schwäche aber es an ihm zu sehen, schien es viel eher… ergreifend.

Vielleicht ging es noch viel tiefer als bloße Eifersucht. Könnte es sein, dass er frustriert war, weil es mir an den Qualitäten fehlte, die mir fehlten, um eine Beziehung mit ihm aufzubauen und ich seine Lässigkeit als selbstverständlich betrachtete? Vielleicht hatte ich immer auf sein ruhiges Äußeres gebaut, um meine Wut auszubalancieren? Vielleicht hatte ich die Grenze seine Willensstärke unterschätzt? War dieser Vorfall der letzte Tropfen, der das Fass nach zwölf Jahren zum Überlaufen gebracht hatte? Wenn das so war, konnte es wieder geradegebogen werden? Konnte ich herausfinden, wie?

Ich entdeckte ihn in einer entfernten Ecke, im Moment drückte er auf den Knöpfen für Street Fighter 2 herum. Auf dem Kontrollpanel neben ihm stand ein extra großer Plastiktrinkbecher in abscheulich bunten Farben und ein halb leergegessener Teller mit Nachos. Er war vollkommen eingenommen und würde vermutlich nicht einmal merken, wenn eine Bombe neben ihm explodierte. Ich entschied mich für eine weniger direkte Annäherung, damit ich ihn nicht verscheuchte. Ich war es nicht gewöhnt Finesse zu brauchen, wenn es um ihn ging, nur stumpfe Befehle, aber das hatte letzte Nacht nicht besonders gut funktioniert und über allem verlangte ich Erfolg.

Ich hatte eine Idee und ging zu der Münzmaschine, um einen Schein reinzutun. Ich nahm mir die Handvoll Goldcoins und ging wieder zu ihm zurück. Zwei Coins steckte ich in die Maschine, an der er spielte und drückte den Knopf, um dem Spiel beizutreten. Ich wählte einen Spieler und nun kämpften wir gegeneinander. Er schaute nicht einmal zu mir rüber, dachte sich vermutlich, ich wäre ein Kind, das er in einer Sekunde besiegen könnte. Als er merkte, dass ich mich wacker hielt, blickte er rüber. Er sagte kein Wort, er drehte sich einfach wieder zu dem Bildschirm und machte damit weiter mich mit einer Combo nach der anderen anzugreifen. Ich drückte die Knöpfe und wackelte mit dem Joystick, kämpfte zurück, schaffte es ihn zu verletzten, aber zwangsläufig besiegte er mich.

Der Bildschirm zeigte Spieler 1 als den Gewinner und sagte mir dann, dass ich mehr Coins einwerfen sollte. Ich tat es und er schlug mich wieder. Ich hatte jetzt keine Münzen mehr und sein Charakter stand einfach in Kampfstellung dar und wartete. Matt seufzte und schaute mich schließlich an. Seine Augen konnte ich hinter seiner Brille nicht erkennen. Auch seine Weste war komplett geschlossen, sodass sie die untere Hälfte seines Gesichts verdeckte. Wenigsten versuchte er sich zu verdecken, wie ich es aufgetragen hatte. Einige Momente schauten wir uns einfach nur an. Ich war sicher, ich war kurz davor ihn zu schelten, aber er nahm sein Essen und ging weg, bevor ich es konnte.

Also war er immer noch sauer. Ich schätze, ich konnte es jetzt ein bisschen besser verstehen. Es war schwer mit mir zu wohnen und er hatte länger mit mir zusammengelebt, als es sonst jemand auf der Welt aushalten könnte. Es war einfach nur eine Frage der Zeit, bevor er es satthatte und verschwand. Jetzt wusste ich mit Sicherheit, dass ich ihn als selbstverständlich angesehen hatte, besonders, wenn man bedachte, wie bereitwillig er mir seine Hilfe gegeben hatte. Er hatte mir sein Leben anvertraut und ich war bereit es wegzuwerfen. Aber das war meine Natur und ich hatte noch nie so lange gezögert um zu überlegen. Besonders Matt. Ich war es so gewohnt, dass er jeden meiner Befehle ausführte und nie Fragen stellte, wahrlich wie ein Hund. Er war die einzig lebende Person, die mir aus dem aufrichtigen Drang es zu tun, geholfen hat. Er ist bei mir geblieben, nicht wegen meiner Drohungen, sondern aus eigenem Willen. Ich musste ihn nicht bedrohen, um einen Effekt auf ihn zu haben. Nichts hatte es, bis jetzt.

War er so sensibel in Bezug auf mich, wenn ihn sonst nichts fühlen ließ? Warum? Was bedeutete das? Was dachte ich darüber? Er sagte immer es würde ihm nichts ausmachen, Befehle wie Hund auszuführen, letzten Endes schlugen selbst Hunde aus, wenn ihr Herrchen sie betrog. Und ich realisierte jetzt, dass ich ihn in seinen Augen wirklich betrogen hatte.

Er ging zu einem Rennspiel namens Initial D und setzte sich in den Plastikschalensitz vor den Bildschirm. Seinen Fuß legte er auf dem leeren Sitz neben sich ab, stopfte sich mit einer Hand Nachos in den Mund und mit der anderen steckte er seine Münzen in den Automaten. Ich kam ihm nach, stellte mich neben ihn, während er das Spiel begann. Er schaltete und lenkte mit dem Steuer, fast wie mit einem echten Auto. Ich beobachtete, wie er durch enge Kurven driftete und das Auto überholte, welches er verfolgte, indem er auf die Bremse trat und mit den Reifen rutschte, genau wie es die Fahrer taten, denen er so gerne im Fernsehen zuschaute.

„Ich dachte, dir wäre nicht mehr nach Videospielen“, bemerkte ich, nur, um die Stille zu durchbrechen.

„… Das hat nicht lange gehalten“, erwiderte er nach einigen Momenten.

„Dachte ich mir.“ Ich beobachtete ihn noch einige Zeit. „Hör zu…“, begann ich, war aber nicht ganz sicher, was ich sagen sollte.

„Nein, Mello, du hörst zu“, sagte er, riss das Lenkrad herum und fuhr gegen die Seite eines Gebäudes. Er nahm seinen Fuß vom Gaspedal und seufzte, schüttelte seinen Kopf. „Ich sage es einfach gerade heraus, auch wenn du es hasst, wenn ich mich dir widersetzte, ok? Ich denke du machst einen verdammt großen Fehler, wenn du dieser Frau vertraust. Es sieht dir nicht ähnlich, so viel auf das Wort eines anderen zu geben. Du hast deine Pläne nie auf die Aussagen von jemanden gebaut, ohne einen Beweis. Du bist klüger als das. Ich kenne dich und weiß, dass du es nicht bemerkst, aber du benimmst dich seltsam, seit du mit ihr zusammenarbeitest. Ich verstehe es, ok, wirklich. Sie ist verdammt heiß und du hast Mädchen so ziemlich vermieden seit du sieben Jahre alt warst. Du hattest nie Geduld mit ihnen. Ich weiß nicht, wie viele Frauen du um dich herumhattest, seit du das House verlassen hast, aber ich nehme an es waren nicht viele, nicht mit deiner Art. Jeder in deiner Position würde sich auf sie einlassen, besonders wenn du bereits mit einem Fuß im Grabe stehst. Du hast vermutlich gedacht ‚Was zur Hölle, ich benutzte sie so lange ich kann.‘ Wer würde das nicht? Aber du musst ruhig bleiben und wieder zu Sinnen kommen. Ich weiß, dir ist es egal, ob du stirbst, solange du Kira mitnimmst, aber vielleicht mir nicht. Vielleicht ist es mir nicht scheißegal, ok? Mir wäre es lieber, wenn du kämpfend untergehst, als wegen so einer blöden Bitch.“

Das war erst das zweite Mal, dass er so viel sagte, ohne gezwungen zu werden. Und ich war überrascht, dass er mich nicht schalte oder er seinem Ärger Luft machte, sondern etwas sagte, was mir im Fall half. Selbst jetzt, selbst als er wutdampfend abgerauscht war, war er nicht selbstsüchtig. Ich verstand einfach nicht, wie er so sein konnte und wie wir so effektiv zusammenarbeiten konnten, wo wir doch selche Gegensätze waren. Ich war mir nicht sicher, ob es so einen Menschen gab. War das wieder etwas, was besser ungefragt blieb?

Er atmete aus und nahm seine Soda, schlürfte an dem Strohhalm. „Vergiss es“, murmelte er, sog wieder an dem Halm und legte seine Hände wieder an das Lenkrad. Er begann seinen Fahrer wieder zu korrigieren, aber ich packte das Lenkrad, riss es herum, was ihn in die Leitplanke rasen ließ. „Hey“, begann er, aber ich riss den Reißverschluss seiner Weste runter und lehnte mich vor, um ihn mit meinem Mund zum Schweigen zu bringen. Er schmeckte nach Nachoskäse und Orangensaft, zusammen mit Zigarettenrauch, was keine gute Kombination war, aber das übersah ich einfach. Als ich mich löste, starrte er mit offenem Mund zu mir hoch.

„Du hast recht“, sagte ich, das erste Mal in meinem ganzen Leben.

„Uh… Huh? Ich habe was? Ich habe recht?“

„Ja. Es gibt keinen Grund mehr sie persönlich zu treffen. Ich rufe sie wegen Updates an, weil sie mein einziger Insider ist, aber alles was sie mir sagt, muss persönlich bestätigt und gegengeprüft werden. Ich habe ihr nie vertraut, aber ich mich von ihr ablenken lassen. Ich hätte vorsichtiger sein müssen; das bin nicht ich.“

„Uh, ja, nun…“ Er stellte sein Getränk ab und schien kurz nachzudenken. „… Also hast du sie wirklich nicht gevögelt?“

„Nein, aber bestimmt nicht, weil sie es nicht versucht hätte.“

„… Schlampe“, grummelte er.

„Vielleicht, aber habe ich es zugelassen.“ Er schaute zu mir hoch, sein Ausdruck immer noch etwas schmollend. „Auf eine Weise ist sie ehrlich zu mir, aber ich weiß nicht bestimmt, wie tief es geht, also kann ich ihr nicht vertrauen. Besonders im Anbetracht wie lange sie schon mit Near zusammenarbeitet. Es ist am Besten zum jetzigen Zeitpunkt Abstand zu halten. Ich hätte nie das Ziel aus den Augen verlieren sollen. Ich bin nicht sicher, was ich mir gedacht habe, aber vielleicht weißt du es ja einmal besser als ich.“

Er schaute weg und seufzte. „Wenn du rausgegangen und jemand anderen als mich gefickt hättest, nachdem du mich die ganze Zeit eingesperrt hast… wäre ich verdammt angepisst gewesen, Mello. Ich meine, dass hier ist nur für eine begrenzte Zeit, aber… wie ich sagte, ich habe lange genug gewartet und wie die Dinge jetzt stehen, ist mir nicht nach Teilen zumute.“

„Teilen?“

„Ja. Und jetzt weiß ich auch, wie es sich anfühlt, ersetzt zu werden.“

„Ersetzt?“ Ich hatte das vorher schonmal erwähnt, als ich ihn beschuldigt hatte, mich als Ersatz für die ganzen Frauen anzusehen, die er haben könnte. War es das also? Er hatte sich genauso gefühlt? „Ich habe dich nicht ersetzt, Matt“, sagte ich ihm, „Niemand könnte in diesem Fall so teuer sein wie du.“

Er streckte seine Unterlippe nach vorne. „Wirklich?“

„Ja. Denkst du wirklich, es würde jemanden geben, der deinen Platz in dieser Mission einnehmen könnte? Du bist der einzige, bei dem ich mich darauf verlassen kann, dass du mich nicht im Stich lässt oder hintergehst. Near und Kira haben einen Vorteil und ich befinde mich auf dünnem Eis, also bist du unabdingbar für mich.“ Ich hatte ihm vorher noch nie sowas gesagt. Es war die Wahrheit, aber das war nicht der Punkt.

„… Hmm.“ Kurz wandte er den Blick ab und schaute mich wieder an. Er nahm seine Hände von dem Lenkrad und packte mich, zog mich runter auf seinen Schoß und küsste mich. So hielt er uns eine lange Zeit und obwohl ich nicht mochte, dass wir in der Öffentlichkeit miteinander intim wurden, ließ ich ihn. Ich hatte ihn immerhin zuerst geküsst, Gott weiß warum.

Als er sich löste, sah ich ihn mit zusammengezogenen Brauen an. Er lächelte, als wollte er mich ärgern. „Ich bin der bessere Küsser, oder?“

„Lass mich los“, verlangte ich.

„Was, wenn mir nicht danach ist?“

„Zu schade. Wir müssen gehen. Ich muss den Fall mit dir besprechen.“

„Komm schon, nachdem du mich das erste Mal geküsst hast, seit wir zwölf waren? Auf keinen Fall.“

„Wir waren damals nur Kinder und du hast gewettet, ich würde es nicht tun.“

„Ich weiß und es ist so verlaufen, wie ich es geplant hatte.“ Ich zog meine Brauen fester zusammen, aber er grinste. „Wir könnten auf dem Klo vorbeischauen, bevor wir gehen, könnten kurz ficken.“

Ich schnaubte vor Ekel. „In einem öffentlichen Klo?“ Ich packte ihn an den Haaren. „Wie oft habe ich dir gesagt, draußen diskret zu sein? Besonders, da wir jetzt in Kiras Heimat sind. Das muss das hundertste Mal sein.“

„Ja, ja, ich weiß… ich bin nur hergekommen, um etwas Dampf abzulassen. Ich wollte nicht zu weit weggehen, also bin ich in der Nachbarschaft geblieben.“ Aus irgendeinem Grund lächelte er. „Ich mag es, wenn du mir in die Haare fasst und ziehst.“

Ich schob ihn zurück, die Lippen vor Ekel verzogen, und stand auf und gerade als ich es tat, fühlte ich eine große Hand meine Rückseite packen. Sofort dachte ich, dass er es war, aber dann hörte ich eine selbstgefällige Stimme im Vorbeigehen auf Japanisch sagen: „Netter Arsch, Süße.“ Ich schaute mich um und sah ein Trio von Kerlen über ihre Schultern zu mir kichernd, während sie vorbeigingen.

„Was zum Teufel?“, knurrte ich und wollte gerade gehen, um sie unerbittlich zu verbessern, entschied mich aber, dass es keine gute Idee war an einem öffentlichen Ort eine Szene zu machen, wenn ich Matt gerade deswegen gewarnt hatte. Ich zischte durch zusammengedrückte Zähne und drehte mich zurück zu Matt, aber der war weg.

Alarmiert schaute ich mich um und sah ihn auf die drei Männer zugehen. „Scheiße“, war alles, was ich sagen konnte. Er würde dich nicht wirklich…? Aber er tat es bereits.

Die Kerle lachten immer noch und sie beobachteten Matt auf sie zukommen, die Hände in den Westentaschen und lachten lauter. „Seht mal, der Kleine mochte mein Kompliment nicht“, bemerkte der erste Kerl, „Was willst du machen, Fremder?“

Er bekam nicht die Chance zu lachen, da Matt ihm gegen den Kiefer schlug. Sein Kopf flog zur Seite und dann torkelte er wütend nach vorne, seine zwei Freunde folgten. Sie alle schlugen zu, aber Matt hatte erstaunliche Ausweichmanöver drauf, wich aus und blockte ab. Er landete einige Schläge, traf sie unvorbereitet mit seiner beidhändigen Fähigkeit, aber bekam einige Treffer im Gesicht ab und stolperte zurück. Einer von ihnen packte ihn von hinten, während die anderen zwei nachkamen, also lehnte sich Matt nach hinten und trat dem Kerl, der ihm am nächsten war, gegen die Brust. Dieser stolperte zurück, keuchte und hustete und Matt hämmerte seinen Stiefel gegen das Kinn des dritten, was diesen einen Zahn ausspucken ließ. Dem Kerl, der ihn festhielt, rammte er seinen Ellenbogen in die Rippen, zwang ihn endlich loszulassen, und dann drehte er sich um und schlug ihm ins Gesicht, was dem Typen die Beine einknicken ließ. Matt wandte sich wieder an die anderen zwei, trat dem, dem er die Luft aus den Lungen gepresst hatte, gegen den Kopf und knockte ihn damit aus. Der letzte, es war der, der mich angefasst und dann einen Zahn verloren hatte, schaute zu Matt hoch, während er Blut ausspuckte.

„Entspann dich, man! Hör auf! Es tut mir leid!“ Matt schlug ihm noch ein letztes Mal, was diesen an der Wand zusammensacken ließ. Als alle drei Kerle bewusstlos und blutend auf dem Boden lagen, stand er in ihrer Mitte und rollte die Schultern, als wäre er stolz auf seine Arbeit. Es hatte sich eine Menge gebildet, also zog ich meine Kapuze über den Kopf und ging zu ihm, hielt meinen Kopf unten.

Ich packte ihn am Arm, riss sein Gesicht zu mir. „Was zur Hölle ist falsch mit dir?!“, zischte ich und bemerkte, dass ihm Blut aus der Nase lief. „Du gottverdammter Idiot! Du kannst so einen Scheiß nicht in der Öffentlichkeit machen!“ Ich wischte ein bisschen des Blutes mit meinem Jackenärmel ab, damit es nicht auf den Boden tropfte, aber es lief immer weiter. Ich schnaubte und er drückte sich jetzt seinen Ärmel gegen die Nase, tränkte ihn mit Blut. Ich zog ihn durch die Menge zurück zu dem Initial D Spiel. Ich nahm sein Essen und warf die Nachos auf dem Weg nach unten weg, behielt aber das Getränk. „Du lässt überall deine verdammte DNS zurück, du Genie!“

„Ich habe zumindest aufgepasst, dass es hier keine Überwachungskameras gibt“, erwähnte er durch seine zugehaltene Nase.

„Ja, aber jetzt, wo du so eine Szene gemacht hast, werden diese perversen Bastarde die Bullen rufen und die wiederum bekommen von der Menge eine Personenbeschreibung. Sie werden eine Ahnung davon haben, wie du aussiehst und dann werden sie Nachforschungen anstellen und erfahren, dass du nicht alleine warst. Irgendwer hat vielleicht etwas an mir bemerkt, dass Kira erkennen könnte und dann weiß Kira, dass ich hier bin und er weiß auch, dass ich einen Komplizen habe. Er wird wissen, wonach er suchen muss und dann sind wir beide tot!“

„Ok, ok, ich hab’s verstanden. Es tut mir leid…“ Ich knurrte und zog ihn weiter durch die Spielhalle und aus der Tür raus. Ich kramte in seiner Westentasche, bis ich den Autoschlüssel fand und schob ihn praktisch auf den Beifahrersitz des Camaros. Ich setzte mich auf den Fahrerplatz und fuhr los, um den Block herum und einen Umweg zurück, damit keiner wusste, wo wir langfuhren. „Ich glaube ich musste noch etwas Ärger ablassen“, sagte er auf dem Weg.

„Offensichtlich.“

Wir kehrten in das Apartment zurück und er ging direkt ins Badezimmer, drückte immer noch mit seinem Ärmel auf seine Nase. Ich folgte ihm und entdeckte beim Ausziehen meiner Jacke Blutstropfen auf dem Ärmel. Ich warf sie über die Badewanne und wartete, während er seine Weste und die Handschuhe auszog, welche mit Blut, von ihm und den Kerlen, die er verprügelt hatte, bespritzt waren. Als nächstes kam seine Brille und dann machte er das Wasser im Waschbecken an, um sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen, aber seine Nase blutete noch immer stetig. Ich rollte eine Augen und nahm einen Waschlappen, tränkte ihn in kaltes Wasser und hielt ihn für ihn über seine Nase. Er hielt ihn fest und ich bemerkte, dass er auch aus einem Cut auf dem Wangenknochen blutete.

„Verdammt, du bist hoffnungslos. Wenn du es nicht vermeiden konntest selbst verprügelt zu werden, hättest du gar nicht erst einen ungleichen Kampf anfangen sollen.“ Ich drückte ihn auf den geschlossenen Toilettendeckel und tröpfelte auf einen anderen Lappen Alkohol.

„Ich habe gar nichts angefangen“, sagte er, presste sich immer noch den nassen Lappen auf die Nase, „Sie sind diejenigen, die dir an den Hintern gegrapscht haben. Und falls du dich nicht mehr daran erinnerst, ich habe ihnen in den Arsch getreten.“

Ich schnaubte, setzte mich auf den Badewannenrand und schüttete etwas Alkohol auf den frischen Lappen. Ich tupfte ihn auf den Cut an seiner Wange. Er zuckte zusammen. „Ich hätte mich leicht selbst um sie kümmern können, aber ich habe mich auf Grund der Situation zurückgehalten, was du auch hättest tun sollen.“

„Ja, ja, aber ich war bereits angepisst und sie haben es nur noch schlimmer gemacht…“

„Ich dachte, ich wäre der Aufbrausende“, sagte ich und tupfte die Wunde an seiner Wange sauber, „Und hier sitz du und bis ist den letzten achtundvierzig Stunden zwei Mal aus der Haut gefahren.“

„… Habe nie behauptet ich wäre perfekt.“

„Keiner würde das sagen.“ Ich nahm eine viereckige Wundauflage und drückte sie auf den Cut. Er nahm den Lappen von seiner Nase und es sah so aus, als hätte seine Nase endlich aufgehört zu bluten. Ich drückte sie ein bisschen.

„Au!“, stöhnte er.

„Wenigstens ist sie nicht gebrochen.“ Endlich wurde mir bewusst, dass ich ohne nachzudenken seine Verletzungen versorgt hatte. Sowas hatte ich vorher noch nie getan, nicht Mal als Kind, und jetzt hatte ich es automatisch gemacht, mein Gehirn lenkte kaum meine Bewegungen. Ich denke, er hatte es auch bemerkt, denn er schaute mich an, seine Augen wurden tiefer.

„Mello“, sagte er, als ich mich mit den Lappen erhob und sie im Waschbecken auszuwaschen. Ich beobachtete, wie sich sein Blut in orange verflüssigte und dann in dem Abfluss verschwand. Der Geruch schien plötzlich zu stark zu sein. „Mello“, sagte er erneut, „Ich habe nachgedacht…“

„Ich halte nur wenig von deinen Gedanken aus“, blaffte ich, versuchte mein eigenes Unbehagen abzuschütteln.

„Nein, ich meine, während ich draußen war… Ich hab darüber nachgedacht, dass wir vielleicht…“ Er zögerte. Ich wartete. „Vielleicht könnten wir die ganze Kira-Sache vergessen.“

Ich wrang die Lappen aus und starrte auf meine leicht beunruhigte Reflektion im Spiegel. „Wovon redest du da?“

„Wir könnten es einfach hinter uns lassen, Mello. Weißt du, ‚zur Hölle mit Kira‘ sagen und zusammen verschwinden. Ich bin nach Amerika gekommen, weil es lustig klang und ich bin nach meinen Rauben ohne einen wirklichen Plan von Stadt zu Stadt gezogen. Aber wenn wir uns zusammenschließen, können wir eine richtige Strategie entwickeln, weißt du? Wir können uns über die ganze Welt ausbreiten, alle die wir wollen, ausrauben und vollkommen unter dem Radar bleiben. So wird uns Kira niemals fangen und wir können unser Geld so ausgeben, wie wir es wollen. Vergiss diesen ganzen Bullshit und versuch mal daran zu denken, dass wir uns ein Leben aufbauen könnten, anstatt wie wir den nächsten Tag überleben können.“ Er stand auf und kam zu mir rüber. „Was denkst du?“

Ich blickte seine Reflektion im Spiegel neben der meinen an, sein ehrlicher Ausdruck, sein verletztes Gesicht, seine verblassten Sommersprossen, von denen ich mir verbat sie zu bemerken. Ich stütze mich auf den Rand des Waschbeckens, ich musste nicht nachdenken, war aber auch nicht erpicht darauf meine Gedanken auszusprechen.

„Ich kann nicht“, sagte ich.

„Ich weiß, dass es dir viel bedeutet, Kira zu stürzen, Mello, aber wie die Chancen jetzt stehen, denke ich nicht, dass es funktionieren kann, nicht mit nur uns zweien. Wir haben nicht die Kraft oder die Hilfsmittel, aber Near schon. Wenn wir verschwinden, solange wir noch können, wird Near Kira ohne Zweifel stürzen. Er bekommt so oder so, was er verdient, wenn er Kira umbringt, warum es nicht einfach jemanden anderen überlassen? Scheiß auf Kira, scheiß auf Near, sie können sich umeinander kümmern! Lass uns verdammt nochmal von hier verschwinden – aus den Augen, aus dem Sinn!“

„Ich kann nicht, Matt!“, bellte ich und drehte mich schnell um, „Du solltest wissen, dass ich nicht einfach wegwerfen kann, was ich getan habe, was ich bis jetzt geopfert habe! Ich kann das nicht zurücklassen – könnte ich nie! Solange Near hinter ihm her ist, muss ich zusehen, dass ich zuerst dort ankomme! Wenn ich Near nicht schlagen kann…, wenn ich L nicht räche… dann – dann wird mein ganzes Leben bedeutungslos gewesen sein!“

Er schaute zu mir runter, die Brauen zusammengezogen, die Flecken um seine Verletzungen begannen dunkler zu werden. „Bedeutungslos, huh?“, bemerkte er und dann schüttelte er seinen Kopf, „Ja nun, willkommen im Club, wir haben beschissene T-Shirts.“ Er seufzte tief, schien sich zu beruhigen. „… Dann lass uns wieder an die Arbeit gehen.“ Er schaute auf sein Handy.

„Matt…“

„Oh, hey“, sagte er plötzlich und drehte sich wieder zu mir, „Guck mal, wie viel Uhr wir haben.“

„Und?“ Ich war immer noch nicht sicher, was zwischen uns passiert war, aber er schien schon wieder darüber hinweg zu sein, auch wenn ich immer noch verdutzt dastand.

„Scheiße, Mello, heute ist dein Geburtstag“, sagte er, als ich es nicht merkte. Ich blinzelte und realisierte, dass es nach Mitternacht und tatsächlich der dreizehnte war. Er erinnerte sich wirklich daran? Ich war zu beschäftig gewesen, um einen Gedanken daran zu verschwenden.

„Das ist er“, grummelte ich, „Und weiter?“

„Ich weiß nicht… Happy Birthday, schätze ich.“

„Das ist nicht wichtig. Wie du sagtest, lass uns wieder an die Arbeit gehen.“

Er seufzte. „Ok, ok…“ Er kratzte sich am Kopf, drehte sich dann zum Waschbecken und machte das Wasser an, damit er sich das Blut aus der Weste und den Handschuhen waschen konnte. Ich beobachtete ihn, unsicher, unruhig, bis ich schließlich wegen seines Schweigens ging.



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December 13, 2009
12:09 p.m.


„Lass uns rausgehen oder so“, schlug Matt vor, als ich es am nächsten Nachmittag geschafft hatte, ihn von der Couch zu lösen.

„Was?“, fragte ich und beobachtete ihn, wie er auf der Suche nach Essen durch die Küche lief.

„Du weißt schon, für deinen Geburtstag. Wir können irgendwo hingehen.“

Ich rieb mir die Augen. „Ich dachte, ich hätte letzte Nacht in deinen Kopf bekommen, dass wir nicht die ganze Zeit draußen rumrennen können!“

„Wir werden ja nicht draußen sein“, protestierte er, und schaufelte sich durch den Kühlschrank, wie ein Bär vorm Winterschlaf, „Wir bleiben am Stadtrand, unter dem Radar und bleiben unter uns. Wie wahrscheinlich ist es, dass du von jemanden gesehen wirst, der mit Kira in Verbindung steht? Das hier ist Tokio – über dreißig Million Menschen leben hier.“

„Das Risiko ist zu groß. Ich muss dich erinnern, dass Kiras Stellvertreter die Shinigami-Augen hat, nicht zu erwähnen, dass ihm sein eigener Shinigami überallhin folgt.“

„Komm schon, lass uns wenigstens was zu essen holen“, beharrte er, machte den Kühlschrank zu und drehte sich mit einem hoffnungsvollen Ausdruck zu mir herum. Es kam mir vor, als ob er auch nur die eine Sache, die ich sagte, nicht ernst nahm. Das Leben war wirklich nur ein Spiel für ihn. Also dann… was war das alle letzte Nacht?

Ich schaute ihn an, seufzte und verhärtete meinen Blick. „Na schön“, blaffte ich.

Er grinste und schnappte sich frische Klamotten. Ich wartete, während er sich anzog, schaute Fernsehen, ob es etwas Neues gab. Er kam in einem grünschwarz gestreiften Shirt und einer dunklen Jeans, das Portmonee mit einer Kette am Gürtel befestigt und mit Stiefel an den Füßen wieder. „Wo willst du hingehen?“

„Du willst doch rausgehen.“

„Ja, aber es ist dein Geburtstag.“

Ich zog eine Grimasse. „Ich habe doch gesagt, dass du das vergessen sollst. Es ist nicht wichtig.“

„Warum bist du so empfindlich, wenn es um deinen Geburtstag geht, man? Du bist endlich aus dem Teenageralter raus. Die große 2-0.“

„Ich bin nicht empfindlich. Für die vorliegende Aufgabe spielt das keine Rolle. Ich wünschte, du würdest dich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.“

„Dein Geburtstag ist nicht wichtig?“

„Natürlich nicht.“

„Auch wenn es dein letzter sein könnte?“ Ich stockte und schaute ihn an. „Meiner ist erst in eineinhalb Monaten, also entspann dich. Sei froh, dass du es so weit geschafft hast.“

„Wenn es dich zum Schweigen bringt, dann gut.“

Ein weiteres Jahr älter zu werden, hatte nie einen persönlichen Wert für mich, da ich Dinge wie Alter und Größe nicht wertschätzte. Er hatte schon recht – das konnte sehr gut mein letzter Geburtstag sein. Kopf an Kopf mit Kira zu sein, könnte einen Mann dazu zwingen, sich seine Sterblichkeit wieder vor Augen zu führen, aber nicht mich. Ich schätzte, da die Lebensdauer in Beziehung zu dem Death Note sehr viel Gewicht trug, dann konnte sich die Jahre seit meiner Geburt als wichtiger erweisen, als ich es je erachtet hatte. Mein Gesicht und meine Stimme definierten mein ganzes Leben, so kurz es auch erst war, und ich riskierte Leben jeden einzelnen Tag. Also war vielleicht zwanzig zu werden ein Grund leichte Ehrfurcht, aber nicht so viel, wie Matt darauf zu bestehen schien.

„Also? Nach was ist dir?“

„Genervt.“

Er richtete sich sein zerwühltes Haar mit den Fingern. „Nach was dir zum Essen zumute ist.“

„Ist mir egal.“

Er stieß die Luft durch seine Lippen aus. „Du bist schwer zufriedenzustellen.“

„Das solltest du mittlerweile wissen.“

Er kam von hinten auf mich zu, wo ich auf dem Stuhl saß, und lehnte seine Arme auf die Rückenlehne. Er schielte zu mir runter. „Hey, wenn dir nicht nach Essen zumute ist, können wir ins Bett gehen und dort feiern.“

Ich schaute mit zusammengezogenen Augenbrauen zu ihm hoch, als mir eine wundervolle Idee kam. „Plötzlich habe ich große Lust auf Sushi.“

„Scheiße, Mello, ich hasse Sushi“, beschwerte er sich.

„Genau.“ Ich stand aus dem Stuhl auf und schnappte mir meine Lederjacke und die Sonnenbrille und zog sie an.

„Du bist grausam“, murmelte er und zog sich seine Handschuhe und die Brille an.

„Du sagtest, es wäre meine Wahl.“ Ich steckte Waffe in die innere Jackentasche. Er machte seine Weste zu und schnappte sich die Autoschlüssel, ging auf die Tür zu. „Netter Versuch“, sagte ich und streckte meine Hand zu ihm, die Innenfläche nach oben. „Schlüssel.“

Seine Schultern sackten nach unten. „Komm schon, Mello, lass mich fahren.“

„Warum sollte ich das?“

„Weil… es dein Tag ist und ich schleife dich nach draußen und ich mache dir eine Freude, also kannst du auch etwas zurücktreten und dich mal entspannen. Ich kümmere mich um alles.“

„Ich habe gesehen, wie du dich um Sachen kümmerst“, bemerkte ich und hielt meine Hand immer noch oben. Er zog die Brauen zusammen, übergab sie mir weiterhin nicht. Wir starrten einander an und gerade als ich sah, wie sich seine Schultern hoben um nachzugeben, seufzte ich und zog meine Hand zurück. „Na gut, du fährst – aber halte dich an die Geschwindigkeit. Wenn wir wieder raus gewunken werden, steckst du in großen Schwierigkeiten.“

„Ooh, große Schwierigkeiten“, sagte er, warf die Schlüssel hoch und fing sie wieder auf,

„Klingt spaßig.“ Wieder warf er sie hoch und fing sie auf.

„Klingt für dich alles wie ein dreckiger Witz?“, schnaubte ich und schob mich an ihm vorbei aus der Tür.

Er folgte mir. „Ist das eine Fangfrage?“

„Nein. Warte fünf Minuten, bis du nachkommst.“ Ich sah noch, wie er sich eine Zigarette zwischen die Lippen klemmte, bevor ich zu den Treppen ging und als er aus der Hintertür kam, rauchte er. Ich lehnte gegen die Beifahrerseite des Autos und tippte ungeduldig mit dem Fuß auf, die Arme hatte ich verschränkt.

„Versuch etwas begeisterter auszusehen“, sagte er sarkastisch und schloss die Türen auf. Ich riss meine auf und stieg ein, ließ mich auf den Ledersitz fallen und legte einen Fuß auf das Armaturenbrett. Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss und kurbelte das Fenster runter, um den Rauch austreten zu lassen. „… Wir müssen nicht gehen“, merkte er an.

„Wir gehen“, erwiderte ich hart, „Fahr.“ Er seufzte, stieß dabei den Rauch aus, und startete das Auto, schaltete in den ersten Gang. Er ließ den Motor kurz aufheulen und hinter uns flog schwarzer Rauch in die Luft. Ich schnaubte laut und er wechselte die Position seiner Zigarette mit der Zunge von einer Seite zur anderen.

„Ich werde noch ein bisschen am Motor arbeiten. Keine große Sache.“ Er ließ die Kupplung kommen und trat aufs Gas, fuhr aus der Aluminiumgarage und dem Parkplatz auf die Straße. Eine Weile fuhren wir durch die Außenbereiche Tokios, schauten uns um, wo wir halten und was essen konnten. Bald kamen wir an einer Sushibar vorbei und parkten. Die Geräusche des Fahrzeuges ließ jeden Besucher aufblicken und sobald sie das große, rote, amerikanische Auto entdeckten, starrten sie. Ich hielt meinen Kopf gesenkt und bleckte etwas die Zähne, als wir ausstiegen, er verschloss es hinter uns.

„Dieses Auto war eine schlechte Idee“, sagte ich zu ihm.

„Hey, ein ’69 Camaro ist nie eine schlechte Idee“, erwiderte er, „Leb ein bisschen, Kumpel. Du bist jetzt zwanzig, also tu so als wärst du glücklich darüber. Tu einfach so, als wären wir zwei Touristen, die ein tolles Auto gemietet haben.“Ich knurrte ihn an, aber er ignorierte es. Wir gingen zu der Tür und er blieb stehen, lehnte sich an die Wand, um seine Zigarette aufzurauchen. Sobald er das getan hatte, warf er den Stummel in den Abfalleimer vor der Tür und wir traten ein. Wir wurden angestarrt, aber jetzt nicht mehr so merklich, da wir im Restaurant waren. Eine junge Frau setzte uns in die Nähe der Fenster, aber ich schüttelte meinen Kopf und sagte ihr, dass wir einen Tisch im hinteren Teil haben wollten. Eine Sekunde sah sie verwirrt aus, ich nahm an, weil ich so gut Japanisch sprach und offensichtlich kein Asiate war. Aber sie kam dem nach und führte uns zu einem Tisch in der Nähe der Küche, weg von den Fenstern.

Sie nahm unsere Getränkebestellung auf. Ich bestellte Tee und Matt Bier. Sie brachte uns unsere Gläser. Er öffnete die ersten paar Schnallen seiner Weste, klappte den hohen Kragen von seinem Kinn weg und sah sich dann an der Bar nach etwas zu essen um. Er entschied sich für einen Berg aus Reis und jedes Essen, das kein Sushi war. Er hatte hauptsächlich Schweinefleischknödel und Steakröllchen auf seinem Teller, als wir wieder zurück zu unserem Tisch gingen. Wir nahmen unsere Essstäbchen und aßen, er, natürlich, stoppte nicht Mal, während er sich das Maul vollstopfte, um Luft zu holen. Schnell hatte er sein erstes Bier geleert und ein neues bestellt.

„Matt“, sagte ich, nachdem ich mein mit Wasabi bedecktes Sashimi gekaut und runtergeschluckt hatte.

„Huh?“, murmelte er und spuckte dabei etwas Reis aus.

„Meintest du das ernst, was du gestern Nacht gesagt hast?“ Diese plötzlichen Zwänge, an denen er beteiligt war, wurden wirklich lästig. Normalerweise war ich reserviert, aber in letzter Zeit… er zwang mich offener zu handeln und zu sprechen. Ich schätze es lag daran, weil er darauf bestand und ich mochte es nicht ihm in irgendwas nachzustehen.

Er schluckte und kratzte sich kurz am Kopf. „Als ich Happy Birthday sagte…?“

„Nein“, blaffte ich, „Darüber…“ Ich senkte die Stimme. „Kira zu vergessen.“

„Oh, das.“ Er nahm sich wieder seines Essens an, zuckte die Schultern. „Ich schätze schon, aber das ist jetzt egal.“

„Wie kann man sowas vergessen?“, beharrte ich, „Ich weiß, dich kümmert Kira nicht besonders und ich weiß, du könntest ganz arbeiten, wenn er an der Macht wäre, aber würdest du dich nicht… unvollendet fühlen?“

„Unvollendet?“

„Ja. Du weißt schon, wegen L. Dieses Kind hat ihn umgebracht, nur um ihn aus dem Weg zu haben. Er hat Ls eigene Taskforce gegen ihn benutzt und keiner von denen war schlau genug, dass zu bemerken. L war eingekesselt und seine Hände waren ihm gebunden. Er hatte nicht die Möglichkeit so zu handeln, wie er es wollte. Erinnerst du dich daran, als er uns sagte, wir sollten immer so arbeiten, wie es für uns am Besten ist und auf keinen anderen hören? Aber er konnte das nicht tun, weil er mit den Polizisten gearbeitet hatte. Er hat zum ersten Mal sein Gesicht gezeigt, sein Leben das erste Mal aufs Spiel gesetzt und am Ende wurde er betrogen. Sein Tod war eine totale Verschwendung. Ich werde nicht eher Ruhe finden, bis er gerecht wurde. Ich werde nicht eine Sekunde Ruhe finden, bis Near und Kira unter meinem Stiefel zucken, um Gnade betteln, die sie nicht bekommen werden.“

„Ja, ich weiß. Du hast recht und das ist Teils der Grund, warum ich hier bin, aber… wie ich sagte, wenn du es nicht gewesen wärst, der gefragt hat, hätte ich meinen Kopf nicht die Schlinge gesteckt. L hat gesagt, dass wir auf unsere Weise arbeiten sollen und meine Weise ist es, mich aus den Dingen rauszuhalten. Ich schätze, ich habe mich gefreut, dass du meine Hilfe brauchtest, egal für was. Ich habe nicht erwartet, dass wir wieder zusammenleben würden und es ist gar nicht schlecht. Es ist nicht dasselbe wie im House, aber ich habe mich daran gewöhnt ohne, dass mir langweilig wird. Wenn ich nur daran festhalten könnte, könnte ich Kira vergessen. Wie ich sagte… ich bin selbstsüchtig und ich schaue zuerst nach mir selbst. Ls Mörder hinterherzujagen, ist nicht mein Stil. Ich bin kein Held und ich will auch nicht wirklich ein Märtyrer sein, aber am Ende, so wie die Dinge jetzt laufen… kümmert mich das nicht.“ Er zuckte erneut die Achseln. „Wie ich sagte, es ist egal. Du kannst es nicht vergessen, also ist das so. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken.“ Er schob sich wieder Essen in den Mund.

Ich war nicht sicher, was ich erwidern sollte, also tat ich das nicht. Er trank ein weiteres Bier aus und bestellte sich dann eine Soda. Ich hatte noch nicht Mal meine erste Tasse Tee geleert. Er stand auf, um sich einen Nachschlag zu holen, obwohl er noch Nigiri und Dragon Rolls auf dem Teller hatte. Ich beobachtete ihn, wie er zur Bar ging und sich den Teller wieder füllte. Vor ihm in der Reihe stand eine junge Frau in einem Gothic Babydoll Outfit. Sie schnatterte mit ihrer Lolita Gefährtin neben sich und bemerkte Matt nicht, der sich das Essen ansah. Sie drehte sich abrupt um und krachte gegen ihn, schaffte es ihr Tablett zu retten, nicht aber ihr Portmonee. Es viel auf den Boden und der Inhalt verteilt sich.

Sie keuchte, stellte ihr Essen ab und verbeugte sich entschuldigend vor ihm. Er winkte mit der Hand ab und beugte sich zur gleichen Zeit runter wie sie und sie stießen mit den Köpfen zusammen. Beide zuckten zusammen und dann kicherte sie. Er lächelte und rieb sich den Kopf und gemeinsam sammelten sie ihre Habseligkeiten ein und steckten sie wieder ihr Spitzenportmonee, das die Form eines Sarges hatte. Sie richteten sich auf und sie verbeugte sich wieder, aber er zuckte nur wieder mit den Schultern. Ich beobachtete ungläubig, als sie anfingen sich einige Minuten zu unterhalten. Sie zeigte auf seine Augen und lächelte und ich wusste, dass sie ihm gerade ein Kompliment oder sowas machte. Er tippte sich an den Rand der Brille und schüttelte den Kopf, lächelte bei der Erwiderung. Nach einer weiteren Minute oder so, deutete er auf sein Essen und sie nickte. Sie winkte, nahm ihr eigenes Tablett und ging ihrer Freundin zu ihrem Tisch zurück.

Matt kehrte mit seinem Teller zurück und setzte sich hin, begann sich wieder den Mund vollzustopfen. Ich starrte ihn an, sendete ihm die tödlichsten Blicke, aber er brauchte trotzdem einige Minuten, bis er es bemerkte. „Was?“

„Sprichst du Englisch?“

„Huh?“ Er blinzelte.

„Gibt es die Worte ‚bedeckt halten‘ in deinem verminderten Hirn?“

„… Oh, das? Sie hat ihr Portmonee fallenlassen. Was hätte ich denn machen sollen, sie eine tollpatschige Kuh nennen und weggehen?“

„Nein, aber du hättest ein bisschen bescheidener sein können.“

„Sie hat die Unterhaltung begonnen. Ich hätte sie nicht weggeschickt und ihr den Vogel gezeigt.“

„Und hättest du dasselbe gemacht, wenn sie ein vierzigjähriger Geschäftsmann gewesen wäre?“

„… Wenn sie ein vierzigjähriger Geschäftsmann wäre, hätte sie kein Portmonee, dass sie hätte fallen lassen können.“

„Was ich damit sagen will ist, dass du deine Deckung bei Frauen nicht ständig fallen lassen kannst!“

„Hey“, bemerkte er, „das musst du gerade sagen.“ Ich presste die Zähne zusammen und starrte ihn an. „Ja, muss ich dich wirklich daran erinnern, Mr. Unauffällig? Wenigsten flirte ich mit völlig Fremden und gehe nicht fast mit Nears Schoßhund ins Bett.“

„… Fahr zur Hölle“, zischte ich, hasste es, dass er recht hatte.

Er zuckte die Schultern und aß weiter. Als wir fertig waren, bezahlte er die Rechnung am Tresen und wir gingen nach draußen. Er blieb stehen, um eine Zigarette aus seiner Tasche zu holen und steckte sie sich zwischen die Lippen. Er hatte sie gerade angezündet, als die Gothic Lolita Mädchen rauskamen. Die, mit der er gesprochen hatte, lächelte und kam sofort auf ihren Plateauschuhen zu uns geklappert.

„Nochmal hi!“, rief sie in einer sehr hohen Stimme.

„Hey“, erwiderte er. Ich lehnte mich gegen das Gebäude, versuchte nicht bemerkt zu werden.

„Oh, ich habe dich vorhin gar nicht meiner Freundin vorgestellt“, sagte sie und das andere Mädchen trat vor und verbeugte sich: „Das ist Takashiro Kasumi.“

„Hallo!“, sagte sie fröhlich.

„Freut mich“, erwiderte er.

„Hey, du hast mir deinen Namen noch gar nicht gesagt“, bemerkte das erste Mädchen.Ich zuckte zusammen, aber Matt stieß bloß Rauch aus und sagte: „Thomas Saunders.“

„Du bist also Amerikaner?“

„Ja.“

„Was machst du hier in Japan?“

„Nur Urlaub.“

„Wirklich? Aber dein Japanisch ist so gut!“

„Ja, ich lerne schnell.“

Sie kicherte und zog ein Zigarettenpäckchen aus ihrer Handtasche. Ihre Freundin tat es ihr gleich. „Können wir dein Feuerzeug ausborgen?“

„Sicher.“ Er zückte sein Feuerzeug und machte es an, zündete ihrer beider Zigaretten für sie an. Sie zogen und atmeten dann aus. Er war zur Hälfte fertig mit seiner und schaute über seine Schulter zu mir. „Naja, ich muss dann weiter. Hab‘ noch was vor.“

„Oh, hey, warum kommst du nicht mal zu unserem Club?“ Sie kramte in ihrem Portmonee herum und zog einen Flyer raus. „Wir arbeiten an der Bar. Ich spendiere dir einen Drink, weil du so nett warst.“ Er nahm das pinke Papier und überflog es, lächelte.

„Mal schauen, ob ich Zeit finde.“

„Großartig! Sag denen einfach Kurosaki Megumi schickt dich.“ Sie zwinkerte und sie und ihre Freundin winkten. „Bis bald, Tomas-san.“

„Bis dann, Ladies.“ Auch er winkte und drehte sich dann um und wir gingen zu unserem Auto. Er schloss meine Seite auf und lief dann zu seiner.

„Hey, Tomas-san“, rief Megumi. Matt schaute neugierig auf. „COOLES AUTO!“, quietschte sie. Ihre Freundin schubste sie und beide kicherten laut. Matt gluckste und salutierte mit zwei Fingern, bevor er einstieg und das Auto startete. Wir fuhren auf die Straße und ich starrte ihn den ganzen Weg über böse an.

Als er es endlich bemerkte, nahm er die Zigarette aus dem Mund. „Was? Du hast gesehen, was passiert ist. Sie sind zu mir gekommen.“

„Du bist erbärmlich“, schnaubte ich, „Wenn Kira ein attraktives, junges Mädchen wäre, wärst du schutzlos.“

Er zuckte die Schultern. „Du kannst es nicht wissen, aber da ist etwas an Mädchen, Mello.“

„Etwas?“

„Ja. Das ist etwas… beruhigendes bei einem Mädchen zu sein“, erklärte er, „Als würde es direkt zusammenpassen. Es hält nie lange, aber wenn es anfängt, ist es schön.“

„Du bist schamlos.“

„Eh.“ Er fuhr nicht da lang, wo ich es erwartet hätte.

„Wo fahren wir hin?“

„Du hast keine Schokolade mehr, richtig?“

„… Ja“, antwortete ich argwöhnisch.

„Sie haben hier diese großen Schokoladenläden“, informierte er mich, „Dachte mir, wir könnten bei einem vorbeischauen. Japaner machen tolle Schokolade, wenn sie es wollen.“

Ich seufzte. „Was auch immer, Matt.“

Wir fuhren herum, bis wir einen neuen Schokoladenladen namens ‚Kawaii Choco Neko‘ fanden, jede Art von Schokolade bedeckte die Regale im Schaufenster. Er stieß mich mit dem Ellenbogen an, als wir aus dem Auto stiegen und er machte seine Zigarette aus, bevor wir eintraten. Die kleine Klingel über der Tür läutete und sofort hüpfte ein Mädchen in Maiduniform und mit Katzenohren auf uns zu.

„Willkommen!“, rief sie, posierte wie eine Katze, „Kann ich Ihnen behilflich sein?“ Matt kicherte leise und stieß mich schon wieder mit dem Ellenbogen an, also stieß ich ihn härter zurück.

„Wir schauen uns nur um“, sagte er zu ihr, als er sich seine schmerzenden Rippen massierte.

„Ok! Sagen Sie Bescheid, wenn Sie Hilfe brauchen!“ Und dann miaute sie und sprang davon. Matt kicherte wieder, als ich ihn anknurrte, ich konnte mich nicht mehr zusammennehmen.

„Du findest das auch verdammt lustig, was?“, wollte ich ärgerlich wissen.

„Oh ja“, bemerkte er. Sobald er wieder zu Atem gekommen war, schaute er sich um. Überall standen Regale mit den verschiedensten Sorten Schokolade. Mädchen in Maidkostümen und Katzenohren gaben den Kunden kostenlose Proben. An den Wänden verteilt hingen jede Menge Werbeplakate und animierte Videos von Schokolade spielten auf den Fernsehern, begleitet von abscheulichen Gesängen. Ich war von der Atmosphäre angewidert, wurde aber von dem köstlichen Aroma des Ladens beruhigt. Ich schloss kurz meine Augen und atmete tief ein, spürte, wie sich mein Körper entspannte.

Matt entdeckte neben sich die Einkaufskörbe und nahm sich einen. Er war pink. Er grinste über seine Schulter zu mir. „Du trägst den“, zischte ich.

„Gut, gut.“ Ich stopfte meine Hände in die Taschen und folgte ihm, als er die Regale durchging. Er stoppte vor einem und zeigte darauf. „Hey, die haben deine Lieblingsmarke hier“, sagte er zu mir. Meine Lieblingsmarke war eine sehr seltene, sehr teure Zartbitterschokolade, die nur in Nordeuropa hergestellt wurde, aber sie hatten wirklich eine Reihe davon in Kisten. Er nahm vier und legte sie in den Korb. „Sonst noch was?“

Ich seufzte. „Ich weiß nicht…“

„Hey, sieh dir das an“, sagte er und ging zu einem anderen Regal, „Die Schokolade sieht aus wie Sushi.“ Da waren Plastikboxen voll mit Sushi Replikaten, bestehend aus verschiedenen Schokoladensorten und Farben. Er zuckte die Schultern und tat eine Packung davon in den Einkaufskorb. Er schaute sich weiter um, sah die Ecke mit Getränken. „Schokoladensoda“, kommentierte er und warf ein paar davon in den Korb, gefolgt von Instantkaffee mit Schokoladengeschmack. Auch tat er verschiedene Packungen von Riegeln mit den unterschiedlichsten Füllungen, wie Pfefferminz, Himbeere, Mango, Pflaume und anderen komischen Geschmacksrichtungen, rein.

„Wie viel von dem Scheiß willst du noch kaufen?“, fragte ich.

„Was? Macht es dir keinen Spaß?“ Ich starrte ihn an, schielte zu der Neko Maid, die mit Trüffeln vor meiner Nase herumwedelte, und starrte ihn dann wieder böse an. „Wenn du dir was aussuchen würdest, wäre ich vielleicht zufrieden.“

Ich stieß die Luft aus und verschränkte meine Arme vor der Brust. „Ich kann nicht fassen, dass ich dir immer wieder nachgebe“, maulte ich.

„Ich auch nicht, aber es ist schön. Ich erwarte immer, dass du mir den Kiefer brichst.“

„So nett wäre ich nicht.“ Ich schnaubte, aber er stand nur erwartungsvoll da und wartete. Ich schnappte die Trüffel von dem nervigen Mädchen neben mir und biss rein, als ich mich wegdrehte und umsah.

Er ging mir hinterher und zeigte hin und wieder mit einem amüsierten Kichern auf etwas. „Hey, schau mal, Schokoladenwasser. Ha, was zum Teufel.“ Und dann ein paar Minuten später: „Schoko-Minz Tee. Du magst doch Tee. Wie wär’s damit?“

„Schön.“ Er nahm ihn mit. Ein Mädchen, das Proben verteilte, gab ihm einen Schokololli, als wir an ihr vorbeigingen und er nahm ihn und steckte ihn sich in den Mund. Er saugte laut daran, während wir weiter stöberten. Ich wusste nicht, wie ihm das so viel Spaß machen konnte. Immerhin war ich derjenige mit der Begeisterung für Schokolade. Sein größtes Laster war Nikotin, was normal war. Wo wir grade davon sprachen, er stürmte plötzlich vor, rannte mich dabei fast um, und griff in ein Regal.

„Kumpel, Zigaretten mit Schokogeschmack?“, sagte er an dem Lolli in seinem Mund vorbei, „Niemals.“ Er schaute sich die Labels an. „Sieht deutsch aus. Episch.“ Er schnappte sich eine ganze Stange und verstaute sie. Ich schüttelte einen Kopf und rieb mir unter der Sonnenbrille die Augenlider. „Komm schon, vielleicht stört dich der Geruch nicht mehr so stark, wie im Moment, huh?“

„Du bist ein Blödmann.“

Er zuckte die Schultern und schaute in den Einkaufskorb runter. „Ich denke wir haben genug, was?“

„Das will ich meinen.“ Wenn man bedachte, dass der Korb fast überquoll.

„Ok.“ Auf dem Weg zur Kasse nahm er sich noch eine kostenlose Probe, dieses Mal ein handtellergroßes Kuchenstück, ummantelt von weißer Schokolade. Den Lolli hielt er in einer Hand, während er einen Bissen von dem Kuchen nahm und leckte sich dann die Lippen, dann reichte er mir die andere Hälfte. „Es ist lecker“, sagte er beim Kauen. Ich zögerte, bevor ich es nahm und aß. Es war köstlich, aber ich sagte nichts. „Scheiße, das hätte ich fast vergessen“, sagte er und ging zu einem Regal, das vollgestellt mit einer Süßigkeit namens Pocky war. „Ich kann doch nicht gehen, ohne das mitzunehmen… da ist Orange mit drin… Gefunden.“ Er nahm ein paar Päckchen. „Die haben auch dunkle Schokolade. Willst du was?“

„Na gut.“ Er trug den Berg aus Süßigkeiten zu der Kasse und das Mädchen klatschte in die Hände und begann eifrig alles einzuscannen.

„Oh, hey, könnte ich davon ein paar haben?“, fragte er, hielt den Lollipop in seiner Hand hoch.

„Na klar!“, sagte sie fröhlich und holte ein Päckchen für ihn hervor.

„Danke.“

„Kaufen Sie für Weihnachten ein?“

„Nein, nicht wirklich“

Ich bemerkte, dass sie mich ansah und dann wurde ihr Lächeln breiter. „Oooh, dann ist es also ein verfrühtes Valentinsgeschenk?“ Sie kicherte. „Sie sind so süß! Machen Sie hier Urlaub? Oder haben sie vielleicht Flitterwochen?“

Matt schlug sich die Hand vor den Mund, um sein Lachen zu dämpfen, während ich vor Wut kochte. Ich war versucht, das dumme Mädchen anzupöbeln, aber er packte meinen Arm und schüttelte den Kopf. „Wir sind nur Touristen“, platzte es aus Matt, während er sein Kichern unterdrückte.

„Oh, ich verstehe. Viel Spaß weiterhin“

„Den habe ich auf jeden Fall“, erzählte er ihr und ich plante, ihn zu einem blutigen Klumpen zu verprügeln, sobald wir wieder im Apartment waren.

„Oh, da Ihr Einkauf über hunderttausend Yen kostet, bekommen Sie ein Gratisgeschenk.“ Sie zeigte ihm eine große, pinkte Box, wo Kekse in Pandaform und gefüllt mit Buttertoffee drin waren.

„Cool“, bemerkte er, „Danke.“

Sie wickelte alles in glänzendes Papier ein und verstaute das dann in ein paar rosa Tüten mit Griffen dran. Matt bezahlte sie bar und sie händigte ihn die Tüten aus. Er nahm sie und da bemerkte ich, dass auf den Tüten Katzenohren waren. Ich zog eine Grimasse und wir gingen zurück zum Auto, wo er alles auf dem Rücksitz verstaute, aber nicht ohne vorher ein Päckchen seiner neuen Zigaretten herauszunehmen. Er setzte sich auf den Fahrersitz, wickelte sie auf, klopfte die Packung ein paar Mal gegen seine Handfläche, bevor er sie öffnete und dran roch.

„Pwnage“, sagte er und ich war mir zuerst nicht sicher, ob er Englisch sprach. Er holte eine raus und ich sah, dass sie vom Filter bis zur Spitze mit schwarzem Papier umwickelt war. Er steckte sie sich in den Mund und legte das Feuerzeug auf das Armaturenbrett, bevor er das Auto startete. Er fuhr auf die Straße, machte das Feuerzeug an und hielt es an das Ende seiner Zigarette, inhalierte und blies dann eine silberne Rauchwolke aus. Das Auto war sofort erfüllt von Geruch nach süßer Schokolade und Rauch. „Schmeckt verdammt gut.“

„Wenigstens riecht es nicht ganz so abscheulich“, grummelte ich. Wir erreichten eine Ampel und er drehte sich nach hinten, um an den Rücksitz zu kommen. Er kramte in den Einkaufstüten herum, bis er die Box mit meiner Schokolade fand. Er öffnete sie und gab mir eine Tafel. Ich nahm sie still an, riss das Papier weg und dann die Folie. Ich brach ein Stück ab und legte es mir auf die Zunge, bevor ich anfing zu kauen.

Die Ampel wurde grün und Matt fuhr los. „Hey, lass uns einen Film schauen“, schlug er vor.

Ich pausierte vor meinem nächsten Bissen. „Was?“

„Ein Film, du weißt schon, ein großer Bildschirm mit sich bewegenden Bildern darauf?“

„Sei nicht so frech“, blaffte ich, „Wir sollten zurückfahren.“

„Komm schon, Mello, entweder sitzen wir im Apartment rum oder wir schlagen die Zeit hier draußen tot. Du hast selbst gesagt, dass du noch nichts unternehmen kannst. Lass es bis morgen sein oder dein Hirn wird kaputtgehen wie eine überhitzte Festplatte.“

„Deine Logik ist idiotisch“, beschwerte ich mich.

„Für mich ergibt das Sinn“, murmelte er.

„Das ergibt keinen Sinn.“

Er blies Rauch zwischen seinen Lippen aus. „Da ist ein Kino“, sagte er und suchte einen Parkplatz, „Sieht so aus, als liefe da ein Anime Filmfest“, sagte er, „Lass uns gehen.“

„… Ich sagte dich bereits, dass ich nicht will.“

„Nun, ich werde gehen und ich habe die Schlüssel, also kannst du entweder hier sitzen oder im Kino“, sagte er nüchtern und stieg aus. Er hatte seit dem Spielhallenfiasko plötzlich Rückgrat. Ich schnaubte und trat meine Tür auf, schlug sie hinter mir zu und stampfte rüber zu ihm auf den Bürgersteig. Ich faltete die zerrissene Folie über die Reste meiner Schokolade und tat sie in meine Jackentasche, während wir auf das Kino zugingen. Er suchte einen Film aus und kaufte die Tickets, machte seine Zigarette auf dem Weg nach drinnen aus. Er kaufte noch ein sehr großes Getränk und dann setzten wir uns in die hinterste Reihe. Sofort legte er seine Stiefel auf dem Sitz vor sich ab und schlürfte an seinem Getränk.

„Seit wann magst du Animes?“, fragte ich als die Werbung begann.„Schon immer. Die meisten Videospiele sind Animes, die du spielst, weißt du? Die Japaner haben immer diese komplexen Stories, coole Charaktere und die besten Animationen.“

„… Du bist hier wirklich zu Hause, oder?“

„Ich schätze schon, solange ich amerikanisches Essen finde.“ Er schlürfte nicht Mal an seinem Getränk, bevor er es mir anbot. Ich kräuselte die Nase und hob die Hand, um abzulehnen. Er zuckte die Schultern und trank weiter. Als die Lichter ausgingen und jeder Platzgenommen hatte, machte er seine Weste auf, um den Kragen nach unten zu klappen und schob die Brille in seine Haare, was sie ein bisschen abstehen ließ. Ich nahm die Sonnenbrille ab und lehnte mich zurück, legte einen Stiefel auf die Armlehne am Stuhl vor mir und streckte den anderen unter dem Sitz aus. Ich holte meine Schokolade aus meiner Jacke, machte die Folie ab und biss ab.

Im Film ging es um Kinder, die riesige Roboter steuerten, welch Überraschung, und ich passte kaum auf. Matt hatte teilweise recht; wenn wir nicht hergekommen wären, hätte ich zu Hause rumgesessen und über die gleichen Dinge auf die gleiche Weise nachgedacht. Ich war nicht sicher, warum er auf Grund des Datums so penetrant versuchte, eine schöne Zeit zu machen. Vielleicht versuchte er wiedergutzumachen, dass er mich hatte sehen lassen? Ich hatte keine Ahnung. Es ergab keinen Sinn, wenn man bedachte, wie frech er weiterhin zu mir war. Seit wir angefangen haben miteinander zu schlafen, hatte sich sein Verhalten so geändert. Ich verbannte den Gedanken in den Hinterkopf. Was zum Teufel. Wenigsten wusste ich, dass er auf sich selbst aufpassen konnte. Ich hatte deswegen immerhin Schokolade bekommen.

Ich biss noch ein Stück ab und das Paar, das vor uns saß, pschte mich an. Ich hörte Matt kurz kichern und sich dann wieder seinem Getränk zuwenden. Ich fluchte und aß leiser weiter, musste keine Aufmerksamkeit auf mich oder meine Gewohnheiten lenken. Das letzte Mal, als das passiert war, hatte ich eine grausige Narbe davongetragen. Matt schlug mir leicht gegen den Arm und lehnte sich zu mir, sagte mir, dass die nächste Szene großartig sei. Ich rollte mit den Augen und schaute uninteressiert zu, leckte an meiner Süßigkeit und lehnte mein Kinn auf meine Faust. Keine zwei Minuten vergingen, als er seinen Arm auf meiner Rückenlehne ablegte und ihn dann nach unten gleiten ließ, bis er auf meiner Schulter lag. Ich hob den Kopf und starrte ihn in der Dunkelheit an.

„Du hast nicht wirklich gedacht das würde funktionieren, oder?“, höhnte ich.

„Vielleicht.“ Ich packte seine Hand und nahm sie von mir, verdrehte kräftig sein Handgelenk. „Au!“ er ruckte nach vorne, versuchte dem Schmerz von meinem Griff zu entgehen.

„Ok, ok, ich höre auf.“ Ich ließ ihn los und er schüttelte seine Hand. „Auch wenn das erst das zweite Mal heute war.“

„Ich bin nicht in der Stimmung für deine Spielchen.“

„Nicht einmal im Kino?“

„Nein. Du wolltest hierher, jetzt halt die Klappe und guck.“

„… Langweilig.“
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