Names Are Just Words

von ju-on
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Light Yagami Matt Mello Shuichi Aizawa Teru Mikami Tota Matsuda
31.12.2018
16.11.2019
24
184537
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Vielen Dank an meine Beta BrokenBones für ihre tolle Arbeit^^


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December 7, 2009
8:03 p.m.

Sobald es zwanzig Uhr wurde, bepackten Light Yagami und Aizawa ihr Auto wieder mit demselben Equipment wie in der Nacht zuvor. Ohne Zweifel fuhren sie wieder in ein Hotel, um sich mit Takada zu treffen. Ich ließ Matt solange schlafen wie er konnte, für den Fall, dass er es später nicht mehr konnte, aber jetzt war es an der Zeit Kira noch näher zu kommen. Wenn ich nur herausfinden könnte, was seine Pläne für seinen Stellvertreter waren…

Ich ging zum Bett und rüttelte an Matts Schulter. Er stöhnte und drehte sich um, also zog ich solange an seinen Haaren, bis er aufwachte. Mit zugekniffenen Augen sah er schlaftrunken zu mir hoch, gähnte, als ich ihm seine Jacke zuwarf. „Was?“, murmelte er.

„Steh auf. Du musst für mich ein Auge auf dem Taskforce-Hauptquartier haben, während ich Light und Aizawa verfolge. Ich denke, sie gehen zu einem erneuten Treffen mit der NHN Frau.“

„Ok…“ Er setzte sich auf und streckte sich, kroch aus dem Bett und ließ sich in dem Stuhl beim Fenster fallen, als ich aus der Tür trat.Ich rannte die Treppen nach unten und sprang auf mein Bike und folgte ihrem Auto wieder zu demselben protzigen Hotel. Es dauerte ungefähr eine halbe Stunde, bevor Aizawa wieder alleine herauskam und den Weg zurückfuhr, den sie gekommen waren, genau wie vorher. Die Situation schien dieselbe zu sein. Nahm sich die Taskforce vorher die Zeit den Raum zu verwanzen? Warum sollten sie solche pedantischen Maßnahmen ergreifen… es sei denn… War es möglich, dass sie endlich Light verdächtigten? Nachdem Fiasko mit Mogi und Near müssten sie verrückt sein, ihn nicht zu überprüfen. Das konnte vielversprechend, aber zugleich auch störend sein. Wenn die Taskforce Kira zuerst entlarvte… sie würde mir den Sieg stehlen. Aber wenn sie es schafften, Kira in die Ecke zu drängen, könnte er vielleicht einen Fehler begehen und mir eine Gelegenheit geben.

Um einundzwanzig Uhr fuhren Takadas schwarze Autos vor, sie stieg aus einem aus und betrat das Hotel. Ihre Bodyguards warteten davor auf sie. Zwei Stunden lang kam sie nicht mehr raus, was viel länger war, als bei ihrem ersten Treffen. Sie sah euphorisch aus, als würde sie über Luft gehen. Selbst ihre Stimmung überbot die des vorherigen Treffens. Ihre schwarzen Autos fuhren davon und Light kam heraus, ging den Block entlang und rief jemanden mit seinem Handy an. Ich beobachtete ihn, bis er in ein Taxi stieg.

Ich fuhr zurück zu unserem Hotel und entdeckte Matt auf dem Stuhl beim Fenster, der an einer neuen Nudelschüssel schlürfte. Er hatte sich immer noch nicht angezogen, also lungerte er oberkörperfrei und mit nackten Füßen auf dem Stuhl herum.

„Hey“, sagte er, als ich auf ihn zukam, „Aizawa ist nicht lange nach deinem Weggehen zurückgekommen… und genau jetzt ist er wieder gegangen.“

„Er holt das Equipment aus dem Hotel“, erklärte ich und schnappte mir eine Schokoladentafel, „Light hat ein Taxi genommen. Sein Treffen mit der Frau hat heute doppelt so lange gedauerte wie das letzte… Und bevor sie angekommen ist, waren Light und Aizawa ungefähr eine halbe Stunde mit Metallkoffern drin. Ich denke, sie haben Überwachungsgeräte aufgebaut.“

„Er hat Überwachungen aufgebaut, um sich selbst auszuspionieren?“

„Ich denke, seine eigene Taskforce verdächtigt ihn endlich“, sagte ich, „Das müssen sie, wenn sie seine privaten Treffen mit einer Frau beobachten… Sie vertrauen ihm nicht, alleine mit Kiras Pressesprechern zu sein.“

„Vielleicht sind sie doch keine solchen Anfänger wie wir dachten“, überlegte Matt zwischen seinen Nudeln, „Vielleicht sind sie klug genug, um Angst vor diesem Kerl zu bekommen. Sieht so aus als würde dein Plan aufgehen.“

„Ja, genau wie ich hoffte… Lass uns hoffen, dass sie klug sind, aber nicht zu klug.“



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December 8, 2009
9:09 a.m.

Am nächsten Tag war in ihrem Hauptquartier nichts los und ich wusste, ich würde keine Informationen bekommen, wenn ich Light immer wieder zu seinen Treffen mit Takada verfolgte. Ich konnte keine Beweise in den Hotels finden, wenn es überhaupt welche gab und so früh konnte ich nicht auf die Frau zugehen. Ich saß schon wieder fest, trotz all den wertvollen Innformationen, die ich bis dato gesammelt hatte.

Ich entschied, dass wir endlich in das Apartment ziehen könnten, was ich gemietet hatte und dort alles aufbauen. Ich musste immer noch unsere Waffen und das Equipment abholen, das gestohlene Motorrad loswerden und ein neues Fahrzeug kaufen. Ich hatte auch Lebensunterhaltungskosten zu berücksichtigen. All diese kleinen Details ließen mich noch frustrierter werden, weil ich nichts unternehmen konnte. Matt tat nichts, um meine konstante Fristration zu bezwingen, da er sofort auf seiner PSP spielte, sobald er eine Hand frei hatte. Ich sagte ihm, er solle uns ein Auto besorgen, während ich ein Motorrad kaufte, denn Autos zu suchen, war eine der wenigen Aufgaben, die er mochte – was ihn für eine Weile ruhigstellte.

Ich erwarb ein schwarzes Motorrad, gebaut für hohe Geschwindigkeiten, und fuhr es zum neuen Apartment, nachdem ich aus dem Hotel ausgecheckt hatte. Ich parkte auf dem Platz hinter dem Gebäude und rief ihn an, um zu erfahren, wie weit er war. Es ging die Mailbox ran, also dachte ich mir, er war beschäftigt. Ich musste noch eine halbe Stunde warten, bevor ich ihn stotternd und tuckernd auf den Parkplatz fahren hörte. Ich schaute aus dem Fenster. Er fuhr in den verrosteten Überresten eines American Muscle Car vor. Ich knurrte mit zusammengepressten Zähnen und ging nach draußen, um ihn zu treffen, während er ausstieg und die Asche seiner Zigarette wegschnickte. Er lehnte sich gegen die Tür, als ich auf ihn zukam. Er schien ziemlich stolz auf sich zu sein, wie ein Kind, dass eine 1 in seinem Zeugnis hatte.

„Und, was sagst du?“, fragte er.

„Ich sage, das ist ein Haufen Schrott“, schnaubte ich, „Ich dachte, ich hätte dir gesagt etwas in einem guten Zustand zu holen.“

„Haufen Schrott?!“, hakte er nach und warf die Arme in die Luft, „Weißt du überhaupt was das ist?!“

„Ein altes, verrostetes Auto.“

„DAS-“, sagte er und zeigte mit einem Armschwenker auf das Auto, „ist ein 1969 Chevrolet SS Camaro!“ Er wartete auf eine ehrfürchtige Reaktion von mir, aber die kam nie. Stattdessen zog ich die Augenbrauen stärker zusammen. „Jesus, Mello“, grummelte er, „Es ist das heißeste Auto ever! Und es fährt wunderbar.“ Er öffnete die Motorhaube und winkte mich zu sich rüber. Ich spähte hinein. „Der Motor ist so gut wie neu, weil der Kerl nie damit gefahren ist, außer zu Autoshows und wieder zurück. Hat kaum Kilometer drauf und es lässt sich leicht schalten. Es sieht nur alt aus, weil der Typ es die letzten zwanzig Jahre oder so in seiner feuchten Garage stehen lassen hat. Ich habe einen tollen Deal gemacht.“

„Solange es ist nicht mitten auf der Straße kaputtgeht“, bemerkte ich, immer noch nicht sonderlich beeindruckt.

„Man, du solltest doch am besten wissen, dass man etwas nicht nach dem Aussehen beurteilen sollte“, murmelte er.

Das stimmte, aber ich mochte es nicht. „Naja, wo du jetzt ein Auto hast, müssen wir unser Gepäck abholen.“

Er knallte die Haube zu und stieß eine Rauchwolke aus. „Kann ich fahren?“

„Nein.“

„Komm schon, Melli, du weißt nicht Mal was das Auto für ein Baujahr hat.“

„Gib mir einfach die Schlüssel“, seufzte ich.

„Schön“, sagte er halb schmollend, „Du musst die Klassiker lernen, Kumpel.“

„Es interessiert mich nicht, Matt.“ Ich setzte mich auf den Fahrersitz und er ließ sich auf den Beifahrerplatz fallen. Er kurbelte das Fenster runter, damit er eine neue Zigarette anzünden konnte und ich startete das Auto. Es würgte und stöhnte, bevor es zum Leben erwachte, schwarze Rauchwolken stiegen aus dem Auspuff auf. Ich starrte über meine Sonnenbrille zu ihm herüber und er zuckte nur die Schultern. Ich schüttelte meinen Kopf, schob meine Sonnenbrille zurück und schaltete in den ersten Gang. Ich fuhr vom Parkplatz runter und fuhr zu der Firma, wo unser Gepäck hin geliefert worden war. Ich überließ Matt das Einladen der Aluminiumkoffer und Kisten, sowie unserem Gepäck in den Kofferraum und den Rücksitz und wählte dann Severs Nummer.

„Hey, Bruder.“

„Ist die Lieferung angekommen?“, fragte ich.

„Sicher. Hat etwas länger gedauert, als ich dachte aber es ist heute Morgen ganz früh angekommen. Hatte noch nicht die Gelegenheit dich anzurufen… Ich habe im Moment viel zu tun, man… Die Namen einiger meiner Männer sind ins Internet geraten und tot umgefallen, direkt vor meinen Augen! Ich musste umsiedeln und eine Pause einlegen.“

Kiras Stellvertreter war wirklich eifrig. „Das ist vermutlich das Beste. Die Sterberate der Verbrecher durch Kira ist angestiegen, aktiv zu bleiben ist also keine gute Idee.“

„Ich denke, ich werde mich eine Weile auf meiner Insel in einem Bungalow zur Ruhe setzten, verstehst du, was ich meine, Bruder?“

„Ja. Wo kann ich meine Waffen abholen?“ Er gab mir die Adresse durch, die außerhalb Tokios an einer privaten Landebahn war. Ich fuhr auf die Straße und wir fuhren davon. Zum Glück hatten wir dieses Mal keine Probleme mit den Wachen. Beide Männer vermieden es mich anzusehen und standen kerzengerade, als ich sie passierte. Ich schnappte mir die große Sporttasche voll mit unseren Waffen und dem Sprengstoff und wuchtete sie in den Fußraum der Rückbank. Ich fuhr auf die Autobahn, hielt nach einer Ausfahrt Ausschau, die uns zurück in die Stadt bringen würde, da die Sonne unterging.

Als ich rote und blaue Lichter aufblitzen sah, dachte ich einfältigerweise, dass sie nicht uns meinten, aber vergebens. Ich schaute in den Rückspiegel. Das Polizeiauto verfolgte uns definitiv, die Sirenen plärrten.

„Scheiße!“, zischte ich laut.

Matt schaute nicht von seiner PSP auf, als er fragte: „Was?“

„Bullen!“, bellte ich.

Er blickte über seine Schulter nach draußen. „Fuck.“

Widerwillig fuhr ich an den Straßenrand, versuchte mir einen Plan, der uns hierrausbrachte, zu überlegen. „Ich bin nicht zu schnell gefahren, also muss es das verdammte, auffällige Auto sein!“ Ich knurrte ihn an. „Man darf uns nicht sehen, Matt!“ Das Polizeiauto hielt direkt hinter uns an. Ich bleckte die Zähne und beobachtete, wie der Officer aus dem Fahrzeug stieg und eine Taschenlampe anmachte. „Verdammt, dann war’s das eben.“ Eilig griff ich nach hinten, zog meine Pistole aus der Sporttasche. „Ich muss ihn umbringen“, sagte ich.

„Whoa“, platze es aus Matt heraus, der seine PSP auf den Rücksitz warf und sich zu mir lehnte, „Warte, Mello.“

„Wir haben keine Zeit mehr. Er kommt.“ Zwischen meinen Beinen legte ich den Hahn der Waffe zurück und sah im Seitenspiegel, wie der Officer näher und näherkam.

Matts Hand packte plötzlich mein Handgelenk. Wild versuchte ich mich von ihm zu befreien, aber er ließ nicht los. „Lass los, Matt!“

„Du musst ihn nicht umbringen, um Himmels Willen“, protestierte er. Ernst schaute ich ihn an, konnte seine Augen in der Dunkel nicht sehen. Jedes Mal, wenn sich die Lichter der Sirenen drehten, reflektierte sich das Licht in seiner Brille.

„Was habe ich denn für eine andere Wahl? Misch dich nicht ein, Matt!“

„Würdest du mal zuhören?“, beharrte er, „Es wird nur schlimmer, wenn du einen Bullen mitten auf der Straße abknallst, Mello! Du wirst nur Aufmerksamkeit auf dich lenken und dann werden Near und Kira alarmiert sein!“

„Wenn er mich sieht-!“

„Wird er nicht“, drängte er, „Tausch Platz mit mir.“

„Was?“

„Mach es einfach. Vertrau mir.“ Eine ganze Sekunde starrte ich ihn nur an. „Du musst. Wenn er mich sieht, ist es egal. Tausch einfach Plätze und behalte den Kopf unten.“

„Du weißt besser, was du da tust“, schnaubte ich, sicherte meine Waffe wieder und verstaute sie. Ich löste meinen Sicherheitsgurt und ging auf Hände und Knie, tauschte vorne den Platz mit ihm. Als wir uns in der Mitte trafen, musste ich über seinen Schoß klettern. Ich sah ihn grinsen, als ich mich rittlings auf ihn setzten musste, um unsere Plätze zu tauschen. Ich knurrte wieder und er ließ sich auf dem Fahrersitz nieder. Er schnallte sich an. Ich tat es ihm nach, schlug den Kragen meiner Jacke hoch und lehnte mich gegen die Tür, gab mein bestes mein Gesicht zu verstecken.

Matt angelte nach einer Zigarette in seiner Hosentasche, klemmte sie sich zwischen die Lippen, zückte ein Feuerzeug und zündete sie an. Er zog daran, als der Officer unser Auto erreichte und an das Fenster klopfte. Matt blies eine wabernde Rauchwolke aus und nahm dann die Zigarette aus dem Mund, während er mit dem anderen das Fenster runterkurbelte und seinen Ellenbogen auf die Tür legte.

„Wie geht es Ihnen?“, fragte der Cop.

„Ganz gut und Ihnen?“, antwortete er in erstaunlich gutem Japanisch.

„Mir auch. Wissen Sie, warum ich Sie angehalten habe, mein Junge?“

„Ich war vielleicht etwas zu schnell“, erwiderte er gelassen.

„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich Sie bitten mal kurz aus dem Auto zu steigen.“ Er beugte sich vor, um mich anzusehen. Ich behielt mein Gesicht so gut es ging außer Sicht. „Und dein Freund auch. Bitte steigen Sie aus dem Auto.“

Scheiße! Kira hatte teilweise die Kontrolle über die Polizei. Er hat ihnen bestimmt befohlen nach nicht Japanern Ausschau zu halten, besonders wenn sie auf meine Beschreibung passten. Wenn er mich sah, waren wir am Arsch! Im dunklen Inneren des Fahrzeuges war ich nicht so besorgt, aber wenn ich aussteigen musste, wenn er mein Gesicht sah…!

„Kein Problem“, erwiderte Matt und kurbelte das Fenster wieder hoch. Er kramte seinen MP3 Player aus der Hosentasche, stöpselte ihn in die erschreckend neue Stereoanlage, bevor er den Schlüssel drehte und den Motor startete. Der Officer hämmerte gegen die Scheibe, brüllte, aber Matt klickte sich nur durch die Playlist, bis er sich für einen Song entschieden hatte und Industrial Rock plärrte aus den Lautsprechern. Er drehte die Laustärke auf, blies eine Rauchwolke aus und schaltete dann in den ersten Gang, ließ die Kupplung los und trat aufs Gas, fuhr wieder auf die Straße und raste davon.

„Was zur Hölle tust du da?“, wollte ich wissen.

„Abhauen“, antwortete er, schaltete in den zweiten und dann in den dritten Gang. Er raste durch den Verkehr, bremste, um sich zwischen Autos durchzuquetschen und wechselte wie ein Wahnsinniger und mit kaum Platz die Spuren. Er fuhr schneller und schneller, der Tachometer stieg immer weiter, während seine synthetische Musik weiterhin aus den Lautsprechern kreischte.

„Du bist wahnsinnig!“, brüllte ich und packte meinen Anschnallgurt. Bald darauf hörte ich Sirenen hinter uns. „Das bringt uns keine Aufmerksamkeit?!“, schrie ich, „Jeder verdammte Bulle in Tokio wird hinter uns her sein!“

„Sie müssen uns erst einmal kriegen“, bemerkte er mit einem Grinsen und schaltete wieder hoch, rammte seinen Fuß auf das Gaspedal und fuhr jetzt über 120 Meilen die Stunde, schoss zwischen Autos hindurch und wich nur knapp Lastwagen aus.

„Verdammte Scheiße!“, keuchte ich und drückte mich in meinen Sitz, packte fest den Türgriff, „Vergiss Kira – du wirst uns umbringen!“

„Entspann dich“, sagte er. Er schaute rüber und entdeckte ein Straßenschild. „Hier geht’s“, bemerkte er.

„Was?“, wollte ich wissen, „Was tust du da?“ Er schaltete runter, als er hart bremste, was mich nach vorne in meinen Gurt warf. Er schaltete nochmals runter, während er vor einen Sattelschlepper auf die Spur rüberzog, was den Fahrer zum Bremsen zwang und hupte. Eine Weile fuhr Matt mit gleichbleibendem Tempo, während der Cop hinter uns auftauchte und immer näherkam. „Was machst du jetzt? Er kommt näher.“

„Würdest du dich endlich Mal entspannen?“ Er blies Rauch aus. „Ich weiß was ich mache.“

„Tust du das wirklich?“

„Ich sagte du sollst mir vertrauen.“

Ein Auge behielt er auf den Rückspiegel, als der Cop neben uns fuhr und uns drängte, an den Straßenrand zu fahren. Ich starrte Matt an, wartete auf ein Wunder. Zu unserer Rechten tauchte eine Ausfahrt auf und genau als wir dran vorbeifuhren, ließ er den Motor aufheulen und riss das Lenkrad hart nach rechts, fuhr durch eine Absperrung und gab Gras, nur, um die Ausfahrt ganz knapp zu erwischen. Das Auto schlingerte über die Straße, warf uns in unseren Sitzen herum. Das Polizeiauto war von dem Sattelschlepper, der dicht hinter uns gefahren war, eingeschlossen. So konnte er das Manöver nicht nachmachen, ohne auf die Bremsen zu treten und einen riesigen Stau zu verursachen.

Matt kicherte, während er die Ausfahrtsrampe hinunterfuhr, kehrt machte und den langen Weg außenherum wieder zurückfuhr. „Das war doch eine gute Alternative zu ihm in den Kopf zu schießen, oder?“, kommentierte er, als wir über die dunklen Straßen zurück in die Stadt fuhren.

„Es war pures Glück, dass du keinen Unfall gebaut hast“, knurrte ich wütend.

„Zoll mir doch wenigsten ein bisschen Anerkennung“, bemerkte er.

„Für was?“

„Ich wusste, dass die Ausfahrt kam“, sagte er, „Das ist die letzte Ausfahrt, die wieder zurück in die Stadt führt. Der Cop muss meilenweit fahren, um einen Weg zurückzufinden und bis dahin, sind wir schon lange weg.“

„Aber jetzt kennen sie die Kennnummer und den Wagentyp“, wies ich hin, „In der Stadt stechen wir heraus wie verdammte Aussätzige!“

„Nee“, sagte er mit einem Schulterzucken und kurbelte das Fenster ein Stück runter, um die Asche seiner Zigarette wegzuschicken, „Ich kann neue Nummernschilder machen und eigentlich hatte ich von Anfang vorgehabt, das Auto zu überholen.“

Ich blinzelte zu ihm rüber. „Willst du damit sagen, du hast bis hier hin alles geplant?“

„Du klingst ziemlich geschockt“, grummelte er um seine Zigarette herum.

Ich schnaubte. Ich mochte es nicht, dass er mich mit etwas anderem als Computer hacken, überrascht hatte. Er fuhr sehr talentiert und er hatte sich einen geglückten Fluchtplan ausgedacht, als wir in der Klemme steckten und er hatte das fast sofort gemacht – als ich es nicht konnte. Sein Gehirn arbeitete wirklich auf einer anderen Wellenlenge als das meine. So in die Ecke getrieben, war mein Plan nicht weitergegangen als zu morden, aber Matt hatte die Optionen, in Anbetracht des Autos, der Straße und seinen Fahrfertigkeiten, gut überlegt. Er machte damit weiter sich zu beweisen.

„Es sieht dann besser aus, wie ein komplett anderes Auto“, schnaubte ich schließlich.

„Oh warte nur ab. Wenn ich mit dem Baby fertig bin… ist es vielleicht zu heiß.“Mit den behandschuhten Fingern rieb ich mir über die Augenlider. „Ich hätte ihn einfach umbringen sollen. Dann müsste ich jetzt nicht auf dich hören.“

Er blies ein letztes Mal den Rauch aus und warf dann den Zigarettenstummel aus dem Fenster und kurbelte es wieder hoch. Er machte die Musik ein bisschen leiser, genug, damit wir normal reden konnten. „Wie viele Menschen hast du umgebracht, Mello?“, fragte er.

Ich schaute zu ihm rüber, zog meine Brauen zusammen. „Warum?“

Er zuckte die Schultern, behielt sein Gesicht nach vorne auf die Straße gerichtet. „Ich bin nur neugierig.“

„… Meins du, für wie viele ich verantwortlich bin oder wie viele ich persönlich umgebracht habe?“

„… Persönlich, schätze ich“, sagte er nach einer Minute.

„Sechs“, antwortete ich, „Ein Mafiaverräter, der mir Informationen gab, die ich brauchte, um beizutreten, einen rivalisierenden Mob Boss, den ich aufgespürt habe, um eingeweiht zu werden, die zwei Bodyguards, die er zu der Zeit hatte, ein weiteres Mitglied der Mafia, das mir in den Weg gekommen ist und den Kerl am Flughafen.“

„Und für wie viele bist du verantwortlich?“

„Woher kommt das plötzliche Interesse daran?“

„Wenn du die verdammte Frage nicht beantworten willst, musst du es nicht“, sagte er ziemlich scharf. Plötzlich schien er sich gestört zu fühlen, noch mehr als bei der Verfolgungsjagd.

Ich dachte kurz nach. „Über vierzig“, antwortete ich, „Wenn du die Mafiamitglieder, die in der Nacht gestorben sind, als die Taskforce gekommen ist, mitzählst. Sie sind gestorben, weil Kira hinter mir her war, aber ich hatte den Sprengstoff im Voraus angebracht, hatte geplant sie umzubringen, sobald mein Plan vollendet war. Natürlich hatte ich den Tod von zahllosen Untergeben angeordnet, sowie die Mehrheit der SPK. Der letzte U.S. Präsident hat sich wegen meinem Druck auf ihn selbst umgebracht und Direktor Takimura ist von Kira ausgelöscht worden, damit ich ihn nicht benutzen konnte.“ Ich holte eine Tafel Schokolade aus meiner Tasche und wickelte sie auf. „Und dann… Yagami“, sagte ich schließlich, „Ich wollte ihn nicht umbringen, aber er hat mir keine andere Wahl gelassen und er ist gestorben. Das schließt aber nicht die Menschen ein, die ich gefoltert habe, es aber überlebt haben.“

„Wie fühlt es sich an, Mello?“, fragte er.

„Wovon redest du?“ Ich biss ein Stück meiner Schokolade ab und kaute.

„Wie fühlt es sich an, jemanden zu töten?“

Ich schnaubte. „Warum interessiert dich das?“

„Tut es einfach, ok?“

Ich biss ein weiteres Stück ab. „Es fühlt sich gut an“, antwortete ich, konnte nicht verstehen, warum ich ihm das alles sagte, „Es gibt dir das Gefühl von erhabener Macht zu wissen, dass du im Nu die Existenz einer Person mit allein deiner Hand ändern kannst. Es ist eine ganz andere Kraft, als die von Kira, der töten kann, ohne in der Nähe des Opfers zu sein, das Blut zu riechen oder den Glanz in ihren Augen zu sehen. Es gibt einen Moment der Klarheit, wenn du ein Leben in deinen Händen hältst, eine winzige Sekunde, wenn du bemerkst… du hast deinen Abstieg in die Hölle akzeptiert.“ Ich biss noch ein großes Stück ab und kaute es langsam. „Es ist fast beruhigend zu wissen, wo du hingehst, so kannst du mehr Gedanken darauf verwenden, wie du dahinkommst. Es lässt mich auf mein Ziel konzentrieren und hält mir vor Augen, dass ich hier selbst drinstecke und ich werde nicht kampflos untergehen. Ich tu was immer es braucht.“

„Das ist alles?“

„Worauf willst du denn hinaus?“, wollte ich wissen, „Bist du plötzlich weich geworden, Matt? Du wusstest, auf was du dich einlässt, als du zugestimmt hast mir zu helfen. Ich habe nie gesagt es wird ein Picknick werden.“

„Ich weiß“, sagte er, „Ich… Fuck, was auch immer. Vergiss es.“ Er drehte die Musik wieder auf und zündete eine neue Zigarette an, kurbelte das Fenster wieder runter, damit er den Rauch auspusten konnte. In der Dunkelheit starrte ich ihn an, verwirrt, bevor ich mich gegen die Tür lehnte und meine Schokolade zu Ende aß.



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December 9, 2009
12:37 p.m.

Es war ein ungewöhnlich heißer Tag für Dezember – verdammt heiß sogar – und die Sonne schien sadistisch heiß. Es war so plötzlich so heiß, dass es sich fast erstickend anfühlte und ich konnte kaum glauben, dass der Winter praktisch vor der Tür stand. Die einzige Entwicklung des Tages war, als bekanntgegeben wurde, dass Misa Amane bei der Neujahrsgesangsshow ein Comeback haben würde und das war irrelevant für meinen Fall und für mich.

Ich habe mich den ganzen Morgen versucht mit Dienstbotenaufgaben zu beschäftigen, eine ungewöhnliche Arbeit für mich, aber ich hatte Matt die Verantwortung für unser japanisches Apartment überlassen, nämlich putzen und unser Computerequipment und das Netzwerk aufbauen und solche Dinge. Da er sogar richtiges Essen mitgebracht hatte, als ich ihn zum Einkaufen gezwungen hatte, ging ich einmal für mich alleine los.

Als ich mit den ganzen Vorräten zurückkam, schälte ich mich aus meiner Lederjacke, die Haut darunter war schwitzig, und warf sie auf den nächsten Stuhl. Ich öffnete eine Tafel Schokolade, biss ein Stück ab und fragte mich in der Küche stehend, warum er nicht im Apartment war. Soweit ich das sagen konnte, waren die Computer und das Equipment aufgebaut, überall hingen Kabel und die Geräte brummten und der Fernseher plärrte, aber er war nirgends zu finden. Jede einzelne seiner Spielekonsolen war in verschiedenen Kisten gestapelt, die dazugehörigen Kabel lagen in Haufen überall verstreut. Ein Anime lief laut im TV und die Tür der Mikrowelle stand offen. Auf der Theke standen die Überreste einer Instantnudelpackung und die Plastikverpackung.

Ich seufzte gereizt, holte mein Handy raus und wählte die Kurzwahltaste eins. Fünfmal musste es klingeln, bevor er abnahm. „Unn… was?“, fragte er beinahe ärgerlich.

„Wo zum Teufel bist du? Ich habe dir einen Auftrag gegeben.“

„Was? Den habe ich schon vor Ewigkeiten erledigt, man…“ Er murmelte, was ich kaum verstand. Offenbar lenkte ihn etwas ab. „Es hat nicht lange gedauert alles aufzubauen, weißt du…?“ Plötzlich klapperte etwas Metallisches im Hintergrund.

„Ja, aber du solltest ein Auge darauf behalten. Hast du vergessen, dass wir inkognito bleiben müssen? Du kannst nicht einfach draußen rumrennen, ohne dass vorher mit mir zu besprechen!“

„Ich renn nicht draußen rum…“, murmelte er.

„Und wo bist du jetzt gerade?“ Ich wartete, aber er antwortete nicht. „Matt!“

„Huh…? Oh. Ich bin draußen auf dem Parkplatz…“

Seine Stimme verlor sich wieder und ich hörte mehr metallisches Klappern. Er sagte nichts mehr, also legte ich mit zusammengezogenen Brauen auf. Ich setzte mir wieder meine Sonnenbrille auf, bevor ich das Apartment verließ und die Treppen nach unten ging, aus dem Hintereingang raus und quer über den Hof zu dem verlassenen Parkplatz, wo unsere Fahrzeuge standen. Ich konnte mir denken, dass er, wenn er mich nicht ignorierte oder seine Videospiele spielte, an dem Auto herumschraubte. Zumindest tat er etwas, was ich aufgetragen hatte, nur nicht dann, wann ich es ihm gesagt habe.

Ich stieg über die zerklüfteten Flecken von Unkraut und aufgeplatztem Beton und sah, dass er eine einfache Aluminiumgarage aufgebaut hatte, um dort die Fahrzeuge zu verstauen. Ich ging rüber. Seine Stiefel stand unter dem jetzt roten Camaro hervor. Die schmutzig verrostete Farbe, die er hatte, war mit einem leuchtenden, auffälligen Rot, wie die Schale eines reifen Apfels, ersetzt worden. Das Chrom war glänzend poliert worden und die Motorhaube war jetzt dekoriert mit einem kunstvollen Scoop, der mit großen Nieten gehalten wurde. Das Fahrzeug sah brandneu aus. Ich hörte das Klappern eines Kreuzschlüssels im Unterboden arbeiten. Eine offene Werkzeugkiste stand neben der Autotür, einige davon ölig und einige von ihnen lagen auf Pappe verteilt. An einem Haken hing eine Lötlampe und eine Schweißermaske und ein kleiner Generator, um die elektrischen Werkzeuge zu laden, nahm ich an.

Ich seufzte erneut und trat ihm gegen die Fußsohle. Sein Bein zuckte erschrocken zurück und ich hörte einen dumpfen Schlag, bevor er rief: „Au!“

„Du bist nutzlos!“, bellte ich, war wegen ihm schon wieder genervt.

„Fuck…“, grummelte er, „Ich habe das gemacht, was du gesagt hast und dann war mir langweilig, also habe ich mich entschieden daran weiterzuarbeiten. Du hast gesagt ich soll es wie ein komplett neues Auto aussehen lassen…“

Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust, biss noch ein Stück meiner bereits schmelzenden Schokolade ab. „Ich bin mir sicher, ich sagte du sollst es unauffälliger machen und nicht auffälliger als es schon war!“

„Du willst doch einen heißen Schlitten haben, oder?“, fuhr er fort, pausierte dann und kicherte kurz. „Nun, ich schätze mit mir hast du bereits einen heißen Schlitten, was?“ Er kicherte erneut, also knurrte ich und trat ihm wieder gegen den Fuß.

„Dämlicher Esel!“, brüllte ich, „Was hast du sonst noch sinnloses hinzugefügt? Du siehst aus, als solltest du schon fertig sein.“

„Zu deiner Information, es brauchte einen Ölwechsel“, sagte er, immer noch unterm den Auto liegend zu mir, „Ich habe es letzte Nacht neu lackiert, während du über Kira nachgedacht hast. Magst du die Farbe?“

„Es wäre in schwarz besser gewesen“, bemerkte ich.

„Wusste, du würdest das sagen.“ Ich hörte mehr metallisches Geklapper. „Die letzten zwei Autos, die ich geholt hatte, waren schwarz, aber so ein Camaro sollte rot sein. Ich habe es auch gewaschen und gewachst, während du deine Tampons gekauft hast, Prinzessin.“ Dieses Mal trat ich ihm gegen das Schienbein, wo ihn seine Stiefel nicht beschützten. „Scheiße, au!“

„Ich hoffe du rauchst neben dem Benzintank!“

„Ich muss dich leider enttäuschen, aber ich bin ein bisschen zu klug dafür.“

„Zu schade. Du hast aber wohl eine Genehmigung für das Bauwerk gefälscht, oder?“

„Nein, ich bin komplett zurückgeblieben“, murmelte er sarkastisch. Ich schnaubte und wartete, tippte ungeduldig mit dem Fuß.

Ich lausche den abschließenden Bewegungen des Kreuzschlüssels und dann konnte ich das herausfließende Öl hören, was wohl in einen Eimer lief. Matt begann unter dem Auto rauszurutschen und ich trat zurück, um ihm Platz zu machen, sah, dass er auf einem dieser Rollbretter lag. Als er endlich unter dem Auto hervorkam, bemerkte ich, dass er oberkörperfrei war und verschwitzt. Überall an ihm klebte Öl, besonders an seinen Händen und der laufende Schweiß ließ die Flecken nur leuchten. Er stand auf und steckte die zwei Kreuzschlüssel in die linke hintere Hosentasche und zog ein Tuch aus der rechten, woran er seine Hände abputzte. Als er sich schließlich zu mir umdrehte, sah ich auch die schwarzen Flecken auf seinen Abs bis hoch zu seiner Brust und einige befanden sich sogar auf seinem Kinn. Im Schatten des Autos musste es kühler gewesen sein, denn gerade war seine Brille durch seine eigene Körperwärme beschlagen. Er zog sie sich runter um den Hals und schüttelte sein feuchtes, weinrotes Haar aus, bevor er sich über die Braue wischte.

„Puh, man, es ist verdammt heiß“, seufzte er, „Also, was ist los?“

Ich war geschockt, als ich bemerkte, dass seine Erscheinung mich vorübergehend sprachlos gemacht hatte. Was für eine Dummheit war das? Nur, weil wir…? Warum sollte mich das dazu zwingen zu bemerken, wie er aussah, wenn es das vorher nie getan hatte? Ich beäugte ihn kurz, realisierte was ich da tat und setzte die Härte wieder auf mein Gesicht.

„… Ich habe mir gedacht, dass wir uns auf die Frau vom NHN Nachrichtendienst konzentrieren sollten. Sie steht im direkten Kontakt mit Kiras Stellvertreter, der in Kiras Wille handelt und sie ist das leichteste Ziel. Wenn wir zu ihr kommen können, können wir vielleicht das Töten stoppen und Kira aus seinem Versteck zerren… da wir nicht direkt auf ihn zugehen können.“

„Klingt nach einem Plan“, bemerkte er, griff in das offene Fenster des Autos und holte eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug heraus. Ich sah, dass sein Shirt, die Weste und die Handschuhe auf dem Rücksitz verteilt lagen. Er zündete einen Krebsstängel an und zog daran, blies den Rauch aus. „Und wie kriegen wir sie?“ Ich holte die Karte hervor, die ich von einer Tankstelle hatte, faltete sie auf und legte sie auf die Haube des Autos. „Whoa, pass auf, Mello“, sagte er und hatte plötzlich die Energie sich schnell zu bewegen, „Ich habe es erst gewachst.“

Ich schnaubte und klatschte das Papier extra fest hin, zeigte dann auf das NHN-Gebäude. „Dort nimmt sie die Nachrichten auf“, sagte ich und zeigte dann auf eine Straße davor, „Ich habe mir überlegt, dass du in deinem Auto vorfahren und einige Rauchbomben abfeuern könntest, um ihre Bodyguards abzulenken, wenn sie rauskommt und dann fährst du diese Straße runter und da herum, um zu entkommen.“ Während ich sprach, zeigte ich alles. „Sie werden denken du wärst ein Anti-Kira Terrorist, der versucht Ärger zu machen, also werden sie dir definitiv folgen. In der Verwirrung und dem Rauch entführe ich sie, werde ihre Beschützer los und bring sie zu einem abgelegenen Ort und entlocke ihr die Informationen.“

Er schlenderte vorne um das Auto herum und lehnte sich über meine Schulter, um auf die Karte zu schauen. „Also bin ich der Köder?“ Er griff um meinen Arm und die Brust herum, kam mir absichtlich zu nahe, und zeigte mit seinen ölbeschmierten Finger auf die Straße. „Also schieße ich die Rauchbomben hier ab, wenn sie aus dem Auto steigt und ins Gebäude geht und dann gebe ich Gas und fahre da lang?“ Er hinterließ einen schwarzen Streifen auf dem billigen Papier, als er seine Hand wieder wegnahm.

Ich kräuselte meine Nase auf Grund seines Geruchs. Nicht nur stank er nach Motoröl und Schmiere, er triefte auch vor Schweiß und rauchte direkt in mein Gesicht. Ich schnappte mir die Zigarette aus seinem Mund. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du mir den Rauch nicht ins Gesicht pusten sollst?“ Ich presste das brennende Ende auf die Motorhaube und drückte sie wütend aus.

Er keuchte schmerzerfüllt. „Jesus Christ – der Lack!“, brüllte er. Er nahm die Zigarette herunter und faltete den Lappen aus seiner Hosentasche so, dass sie saubere Seite nach außen zeigte und wischte dann vorsichtig die Asche weg. „Ich muss es jetzt noch einmal nachwachsen!“, jammerte er.

Ich packte sein Kinn in meiner Hand und riss sein Gesicht wieder in meine Richtung.

„Vergiss diesen Haufen Metall für eine Sekunde und hör zu, verdammt!“

„Ok, ok, ich höre ja zu.“

„Gut. Ich weiß, dass das schwer für dich ist, aber versuch wenigstens die wesentlichen Informationen zu behalten.“ Ich riss sein Kinn nach unten, zeigte mit meiner freien Hand auf eine weitere Straße und hielt seinen Kopf fest. „Ich nehme die NHN Frau und führe einige ihrer Bodyguards hier lang, in entgegengesetzte Richtung von dir. Sobald ich im Verkehr stecke, hänge ich die Wachen ab, indem ich in diese Gasse fahre. Ich plane das Motorrad zu nehmen, sie werden Autos haben, also wird es einfacher werden sie abzuhängen. Ich muss noch herausfinden, wann die beste Zeit ist, um das zu tun… Und ich muss Vorsichtsmaßnahmen wegen Kira unternehmen…“ Ich sammelte kurz meine Gedanken. „In der Zwischenzeit werden ihre Bodyguards hinter dir her sein, da du sie angegriffen hast. Meine Verfolger werden vermutlich deine Kontaktieren, wenn sie herausfinden, dass ich sie entführt habe und dann wollen sie dich ohne Zweifel bekommen, um dich auszufragen. Du darfst dich nicht von ihnen fangen lassen, egal was kommt. Wenn Kira dich in die Finger bekommt…“

„Ich kriege das schon hin. Keine Panik.“ Ich ließ sein Kinn endlich los, hatte fast vergessen, dass ich es immer noch festgehalten hatte, aber er blieb trotzdem dicht bei mir und warf mir einen Seitenblick zu. „Ich habe ein paar Minuten, bis das Öl abgelaufen ist“, bemerkte er, „Lust auf einen kurzen Fick auf dem Rücksitz?“

Ich starrte ihn böse und mit gebleckten Zähnen an. „Bist du wahnsinnig?“

„Komm schon, es war schon immer eine Fantasie von mir in einem Camaro zu ficken…“, erklärte er, immer noch dicht an mich gepresst, „Wenigstens ein bisschen rummachen…“

„Du hast den Verstand verloren!“, brüllte ich und drückte ihn im Gesicht weg, „Du stinkst wie ein geröstetes Schwein in einem Autowrack!“

„Du meinst das macht dich nicht an?“, fragte er und fuhr mit seinen öligen Hand über meinen unteren Rücken und zog mich zu sich. Mein Arm berührte die feuchten Tropen von Schweiß auf seiner Brust. „Ich habe gesehen wie du mich vorhin angeschaut hast.“ Ich starrte ihn wütender an. „Schau mal, wir haben… wir haben‘s jetzt schon ein paar Mal miteinander gemacht, warum kannst du also nicht einfach zugeben, dass du mich gutaussehend findest?“

„Weil das Bullshit ist!“ Ich wollte mich befreien, aber er versuchte mich bei sich zu behalten. „Du siehst genauso blöd und dämlich aus wie immer! Nichts hat sich verändert!“

„Aw, komm schon, das meinst du nicht so. Ich erwische dich immer wieder beim Starren.“

Lügner! Das war unmöglich.

„Sicher, ich habe streberhaft ausgesehen, aber wir sind beide erwachsen geworden. Scheiße, du sahst aus wie ein kleines, gruseliges Farmmädchen, aber jetzt…“ Er drückte mich näher an sich, bis sich unsere Nase berührten. „Ich habe kein Problem damit zuzugeben, dass du mich anmachst. Du magst es auch, zu was ich geworden bin, das weiß ich. Also, warum sagst du es nicht einfach?“ Er bewegte sein Gesicht noch näher an meins, so nah, dass mir alleine der Rauch in seinem Atem Krebs bescheren könnte.

„Träum weiter, du Bastard! Jetzt lass mich los!“ Ich steckte mir die Schokolade zwischen die Zähne, packte sein Handgelenk, drehte ihn und trat ihm dann die Füße weg. Ich drückte seinen Oberkörper quer über die Motorhaube des Autos und er schrie vor Schmerzen auf, als sein Kinn auf das Metall traf. „Bist du fertig?“, wollte ich durch die Schokolade in meinem Mund wissen.

„… Hey, die Position macht mir nichts aus, aber mir wäre es lieber, wenn wir Plätze tauschen“, sagte er und lachte selbst in seinem erbärmlichen Zustand noch trocken auf.

Ich drückte ihn weg und stürmte davon, nachdem ich ihm noch ein letztes Mal gegen das Bein getreten hatte. „Du unverbesserlicher Hurensohn!“ Ich biss ein Stück meiner schmelzenden Schokolade ab und schrie mit vollem Mund: „Bring die Karte mit rein, wenn du fertig bist und denk nicht mal darüber nach mich anzusehen, bevor du nicht geduscht und diesen Gestank weggeschrubbt hast!“

Er richtete sich wieder von der Motorhaube auf und sein Kopf ruckte hoch. „Bis?“, fragte er überrascht nach und rieb sich über sein ohne Zweifel schmerzendes Kinn.

„Sag noch ein Wort und es wird nie sein!“, donnerte ich, durchquerte den Parkplatz, versuchte von ihm, aber auch vor dem Fakt wegzulaufen, dass ich ihm die Erlaubnis gegeben hatte, als wollte ich, dass er es tat. Absurd!

Er brauchte weniger als dreißig Minuten, bis er in das Apartment kam und duschte und ich hörte das Kreischen der Rohre durch die papierdünnen Wände. Ich lag auf meiner Seite auf dem Bett, schwitze unter meinem Leder. Die Klimaanlage funktionierte an diesem beschissenen Ort nicht und hier drin war es sogar noch heißer als draußen. Ich konnte nur schätzen, dass es über sechsundzwanzig Grad Celsius waren und damit hatte ich die schwere Luftfeuchtigkeit nicht mitgerechnet.

Mit nur einem Handtuch bekleidet, betrat er das Zimmer und streckte die Arme über den Kopf. „Man, das Öl wollte sich nicht abwaschen lassen“, sagte er, schlenderte auf das Bett zu und setzte sich neben mich. Ich schaute ihn nicht an, selbst als er sich über mich beugte und seine Hände neben meinen Schultern abstützte. „Ich rieche aber besser, oder?“ Ich ignorierte ihn mehr oder weniger, schaute in den leeren Raum. „Was geht in deinem Kopf vor, Mello?“

„Hier drin ist es drückend heiß“, sagte ich, aber in Wahrheit war ich auch von meinen Gedanken abgelenkt.

Der Plan… war er ausreichend? Ich musste Nears Züge und Kiras mögliche Gegenmaßnahmen berücksichtigen… Würde das am Ende alles umsonst sein? Könnte ich Near je wirklich schlagen? Und außerdem… obwohl ich an nichts anderes gedacht hatte… fragte ich mich… Die Sache, die Matt und ich am Laufen hatten… was war das? Ich spürte den Drang die Frage zu stellen, obwohl ich mir geschworen hatte, dass es keine Frage wert wäre. Je mehr er darauf bestand, desto mehr analysierte ich vergeblich. Was dachte ich über ihn? War er jetzt mehr, als er es vorher war? Waren die Dinge jetzt anders – anders als nur das Business? Ich wollte nicht über solche kleinlichen Belange nachdenken, wo jetzt alles auf dem Spiel stand, aber…

„Ja, sehr“, antwortete er, „Ich wette das ganze Leder hilft auch nicht unbedingt.“ Ohne ein weiteres Wort drehte er mich auf den Rücken, machte den Reißverschluss meiner Weste auf und faltete sie auseinander. Er lehnte sich nach unten, um sich über meine Brust zu küssen und zu lecken, sammelte Schweiß auf und erhöhte die Hitze unter meiner Haut. Ich zuckte wegen des angenehmen Gefühls zusammen, als er sich hoch zu meinem Hals und dem Gesicht leckte, um seinen Mund auf meinen zu drücken, mit seiner Zunge eindrang.

Ich ließ ihn, erwiderte kaum, aber nach ein paar Minuten wandte ich mich ab. „Mir ist nicht mehr danach.“ Ich atmete aus. „ ist zu heiß… Ich habe keine Energie.“ Die drückende Luftfeuchtigkeit schwächte meine ohnehin schon erschöpfte Kraft und jetzt Sex zu haben, wäre zu anstrengend. Nicht zu erwähnen, dass mein Kopf zu voll war, um mich abzulenken.

„… Wie lange hast du schon nicht mehr geschlafen, Mello?“

„Zwei… fast drei Tage…“

„Warum ruhst du dich dann nicht ein bisschen aus? Ich schaue Mal, ob ich die Klimaanlage repariert bekomme, während du schläfst.“

„Ich dachte, du wärst so versessen darauf herumzufummeln“, sagte ich leise und hob eine Augenbraue auf Grund seines Edelmutes.

„Ja, nun, das bin ich immer. Aber du sagtest eine Bedingung dafür dich ins Bett zu kriegen, wäre es zu wissen, wann ich dich nicht drängen sollte. Du machst dich kaputt, wenn du nicht ein bisschen Ruhe bekommst.“

„Nicht wirklich.“

„Komm schon, ich weiß du bist hart, aber du bist immer noch ein Mensch. Entspann dich, während du ein bisschen Freizeit hast. Wir können rumfummeln, wenn du nicht halbtot bist. Dann ist es besser für uns beide.“ Er küsste mich wieder und machte sich dann daran meine Stiefel auszuziehen. Ich zog meine Weste und die Handschuhe aus, während er sich an meinem Gürtel zu schaffen machte. „Besser?“

Er stand auf, packte das Handtuch um seine Hüfte, als er von seinem Arsch rutschte und machte es wieder fest, als er davonging. Ich seufzte, ließ meinen Kopf ins Kissen sinken, während der Schweiß meinen Hals entlanglief. In dieser Hinsicht war er plötzlich außerordentlich selbstlos. Ich dachte, er würde die Chance mich zu ficken beim ersten Anzeichnung von Zustimmung seit über einer Woche nutzen, aber seine Geduld mit mir war erstaunlich. Oder einfach nur anmaßend. Vielleicht wollte er nur beweisen, dass er die Willensstärke besaß, auszuhalten, weil er wusste wie skeptisch ich war. Vielleicht versuchte er nur ein Angeber zu sein, wie gewöhnlich.

Er kam zurück in das Zimmer, trug jetzt eine gestreifte Boxershorts und warf einen Haufen Kleider über das Fußende, ich nahm an für später zum Tragen. Eine Werkzeugkiste trug er zum Fenster rüber und öffnete sie, nahm dann einen Schraubenzieher und entfernte das Metallgehäuse der billigen Klimaanlage. Er spielte eine Weile an den Kabeln herum und ich beobachtete ihn, bis ich in den Schlaf glitt.

Es schien Stunden später zu sein, als ich von dem ratternden Lärm der Klimaanlage aufgeweckt wurde, die wieder zum Leben erwachte. Ich öffnete meine Augen und er schraubte die Abdeckung gerade wieder dran. Er legte seine Werkzeuge weg, als er fertig war und ich bemerkte, dass es nur wenige Minuten gedauert hatte.

Er drehte sich um und sah, dass ich wach war. „‘Tschuldige, Kumpel. Das war ein bisschen lauter als ich erwartet hatte. Billiger Haufen Scheiße.“

„Mach dir keine Sorgen darum.“

„Ich habe sie so hoch aufgedreht, wie es ging.“ Er kam zu mir und stütze sich mit den Händen auf die Matratze. „Was dagegen, wenn ich mich hinlege? Hier ist es bald kühl, aber das Wohnzimmer ist wie ein Ofen.“

„… Was auch immer. Mich kümmert es nicht was du machst.“

„Ok.“ Er kletterte neben mich ins Bett. Ich rollte mich herum, machte ihm Platz, indem ich mich auf die Seite legte, mit dem Rücken zu ihm. Er legte sich auf die Laken, genau wie ich, streckte seine Beine, was seine Knie laut knacken ließ. Er seufzte und sagte nichts mehr.

Als sich die Stille ausbreitete, wurde ich wieder an all die Jahre in dem Waisenhaus erinnert. Es war für uns nicht komisch fast jede Nacht ein Bett zu teilen. Bevor wir L trafen, blieben wir in separaten Räumen, aber Matt konnte die Kinder nicht ausstehen, mit denen er das Zimmer teilte und war daher immer in meinem. Weil niemand in meiner Nähe sein wollte, hatte ich ein Zimmer für mich alleine. Neben ihm zu schlafen war für mich normal geworden und doch war es jetzt nervenaufreibend. Seltsam genug, dass der Geruch von Rauch, der in seiner Haut festsaß und zu mir rüber wehte und mehr und mehr brachte er mich in einen Zustand der Ruhe, erlaubte mir wieder einzuschlafen.
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