Names Are Just Words

von ju-on
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Light Yagami Matt Mello Shuichi Aizawa Teru Mikami Tota Matsuda
31.12.2018
07.12.2019
25
192898
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December 5,2009
6:43 p.m.

Ich war zwischen einem unnatürlich adipösen, kaukasischen Mann zu meiner rechten und zwei japanischen Geschäftsmännern zu meiner linken eingezwängt. Sie redeten am Handy über verschiedene Bestände und Deals, während der fettleibige Mann einfach Musik hörte und aß etwas. Ich behielt meine Augen konstant auf Mogi gerichtet. Er konnte nicht einmal aufstehen und sich die Beine vertreten, auf Grund Misa Amanes unaufhörlichen Versuch seine Aufmerksamkeit zu behalten. Er saß am Fenster und sie direkt neben ihm, mit einer älteren Frau am Gang. Da ich nicht so groß war und man mich über die Sitze hinweg nicht sehen konnte, würden sie mich nicht sehen, außer sie würden hierhinter kommen und gucken. Ich musste vorsichtig sein, wenn Mogi auf die Toilette ging.

Der Flug dauerte schon drei Stunden, als Matt anrief. Ich ging ran, wollte nicht reden, für den Fall, dass Mogi meine Stimme hörte und erkannte. Ich durfte kein Risiko eingehen, also murmelte ich nur: „Hm?“

„Wenn du nicht reden kannst, brumm nochmal.“

Hm.“ Er legte auf. Klug von ihm. Eine Minute später bekam ich einen Text von ihm: ‚Habe Gepäck und Equipment verschifft. Weiß nicht, was ich mit Hitze machen soll.‘ Hitze? Natürlich, unsere Waffen. Scheiße, ich hatte vergessen unsere Waffen zu überführen. Ich war zu sehr damit abgelenkt, denselben Flug wie Mogi zu bekommen, der mein Gesicht und meinen Namen kannte. Ich schrieb ihm zurück: ‚Kümmere dich jetzt nicht darum. Ich rufe zurück, sobald ich kann.‘ Er antwortete mit einem: ‚Ok.‘

Drei weitere Stunden verstrichen und ich blieb regungslos und sehr aufmerksam. Jeder um mich herum war in den Schlaf abgedriftet, hatten nach Kissen und Decken gebeten. Ich schüttelte nur meinen Kopf, als sich die Stewardess an mich wandte. Sobald ich sicher war, dass Mogi und Amane schliefen, stand ich auf und ging ins Bad, versteckte mich dort, um Matt anzurufen.

„Hey, Kumpel“, sagte er mit einem Gähnen, „Ich habe auf deinen Rückruf gewartet.“

„Du musst das Mafia Waffenkartell kontaktieren, zu denen ich Verbindungen habe, um die Waffen zu verschicken.“

„Die Mafia? Willst du mich verarschen, man?“

„Nein, will ich nicht. Hör zu, ich werde dir die Nummer vom Boss geben, der auf den Namen Donne Sever hört. Du sagst ihm, du bist ein Partner von Boss M und du sollst seine Waffen so schnell wie möglich nach Japan verschicken.“

„Was, wenn er mir nicht glaubt?“

„Ich rufe ihn zuerst an, um es zu bestätigen und dann rufe ich dich zurück. Ich werde dich bestätigen.“

„Ok, wenn du das sagst.“

„Ich rufe gleich zurück.“ Ich legte auf und wählte Severs Nummer.

„Hallo?“

„Sever, hier ist Mello.“

„Schon? Du musst dich ja in letzter Zeit in einige Engpässe bringen.“

„So sieht es aus. Hör zu, das wird das letzte Mal für eine Weile sein, dass ich meine Waffen transportieren lassen muss. In einigen Minuten ruft mein Partner diese Nummer an und arrangiert den Zustellungsort. Ich bürge für ihn, also garantiere seine Sicherheit.“

„Ich weiß nicht, Mello… Mir wäre es lieber, wenn du diese Nummer nicht weitergibst.“

„Ich gebe sie nicht weiter. Dieser Kollege ist meine rechte Hand und ich vertraue ihm mit meinem Leben.“

Das sagte ich automatisch und meinte es auch so und dieser Fakt ließ mich innehalten. War Matt wirklich so wichtig für meine Arbeit? Hätte ich in diesem Fall ohne ihn wirklich etwas erreicht? Wie viel meines Erfolges verdankte ich eigentlich ihm? Ich schüttelte meinen Kopf. Jetzt war nicht die Zeit.

„Bist du dir sicher?“, fragte Sever.

„Ja, positiv.“

„… Alles klar. Wie heißt er?“

Sofort sagte ich: „Myron. Ashton Myron.“

„Ok, Bruder. Ich lasse ihn dich vielleicht nochmal anrufen, um es zu bestätigen, sobald er hier ist. Du weißt, ich kann nichts nach außen dringen lassen oder Kira wird mich ganz sicher umbringen.“

„Ok, das ist kein Problem. Ich werde warten.“

„Alles klar, Bruder. Ich kümmere mich dann drum.“

Ich rief Matt zurück. „Es ist alles vorbereitet. Hier ist Severs Nummer…“ Ich gab sie ihm durch. „Sag ihm einfach du bist Ms Partner und musst die Waffen so schnell es geht nach Japan, vorzugsweise nach Tokio, verschiffen.“

„Verstanden.“

„Ach und übrigens, dein Name ist Myron.“

„WAS? MYRON? Was zum Henker ist das denn für ein Name?“

„Der ist mir zuerst eingefallen, ok?“

„MYRON…? Fuck.“

„Ja, Ashton Myron! Tu mir einen Gefallen und vergiss dein eigenes Pseudonym nicht.“

„Werde ich nicht. Wie wärs, wenn ich mich Ash nenne? Klingt heiß.“

Ich schnaubte. „Erledige einfach den Auftrag. Schreib mir, wenn du beim Zustellungsort bist, damit ich mich irgendwo hinbegeben kann, wo ich meine Ruhe habe.“

„Ok, Boss. Bis später.“ Ich steckte das Handy weg und kehrte leise zu meinem Platz zurück, tat mein Bestes, um die schlafenden Passagiere um mich herum nicht zu wecken. Ich saß still, schaute stur geradeaus und aß eine Tafel Schokolade, indem ich jedes abgebissene Stück in meinem Mund schmelzen ließ.

Weitere zwei Stunden voller Schnarchen und Stöhnen und leisem Geraschel vergingen, bevor mein Handy vibrierte. Ich klappte es auf und las den Text von Matt durch: ‚Am Zustellungsort. Gehe durch das Tor.‘ Ich glitt von meinem Sitz und ging in das Bad zurück, wartete nur zehn Minuten auf den Anruf.

„Hey, Boss. Ich bin hier mit Sever, aber er will eine Bestätigung.“

„Ok, gib ihm das Handy.“

Eine kurze Stille und dann: „Mello, bist du dran?“

„Ich bin’s, Sever. Du kannst ihm vertrauen.“

„Ok. Sorry, Bruder, aber man kann nie vorsichtig genug sein, wo Kira frei herumläuft.“

„Wir hören uns. Kümmere dich nur um alles für mich, damit ich mich um Kira kümmern und ihn von seinem Leid erlösen kann.“

„Das werde ich, kein Problem. Das ist die größte Rendite, die ein Mann wie ich für all die kleinen Gefallen bekommen kann und als ein Geschäftsmann kann ich dir nicht genug danken.“

„Ok. Du hast deinen Job gutgemacht, Sever. Das ist mehr, als ich von den meisten meiner anderen Kontakte sagen kann.“

„Kein Problem, Mello. Erinnere dich nur an mich, wenn du groß herauskommst, huh?“

„Das werde ich.“ Ich legte auf.

Ich seufzte. Verdammt. Meine Müdigkeit in diesem langwierigen Fall störte meine Entschlossenheit. Meine Entschlossenheit schwand nicht, nur mein Optimismus. Nichts schien sich vorwärtszubewegen. Alles schien auf einem konstant langsamen Vormarsch zu sein. Selbst jetzt, wo ich wusste, wer Kira war, hatte ich keine Chance ihn zu kriegen. Ich wollte Kira nicht nur töten – ich wollte sicherstellen, dass Near wusste, wer ihn zerdrückt hatte, damit dieser blöde Kerl zugeben musste, wer der Bessere war. Danach würde ich alle Notizbücher, die es auf der Erde noch gab, für mich behalten und sie benutzten, wie es mir passte. Sehr wahrscheinlich würde ich Kiras Regime in meine eigene Richtung lenken, es vielleicht für mich übernehmen. Ja, das wäre das ideale Ergebnis.

Im schlimmsten Fall würde ich Kira zuerst schnappen, ihn töten und dann ohne Anerkennung verschwinden. Natürlich würde ich kämpfen, damit es eben nicht so endete. Meine höchste Priorität war es Near unter meinem Stiefel zu zertreten – und das wäre bedeutungslos, wenn niemand wüsste, wer ihn zertreten hat. Near ein für alle Mal zu schlagen und unser Spiel zu gewinnen, war mein Ziel seit ich denken konnte. Meine nächste Priorität war persönliche Rache, für L und für meinen vernarbten Körper und mein geprelltes Ego. Ich wäre nie zufrieden, bis Kira für seine Sünden gegen mich bezahlt hatte, vorzugsweise durch meine Hand sterbend. Als letztes begehrte ich die Macht, die nur Kira ausüben konnte. Die Macht die Welt zu beherrschen, sie in die Form zu bringen, die ich begehrte, alles zu tun, was und wann ich wollte. Ja, die ultimative Macht wird nach meinem Ermessen genutzt. Ich würde nie wieder unterschätzt oder übergangen werden. Die Welt würde sich mir beugen, der Nummer Eins.

Aber, je länger sich dieser Fall ohne merklichen Erfolg hinzog, desto mehr stieg meine Nervosität. Obwohl meine Geduld tausendmal stärker war als Matts, kam sie noch nicht an Nears heran. Sein Genie war auf einem ganz anderen Level als meins und das war ok für mich. Ich tat was ich musste, um die Dinge auf meine Art zu erledigen. Ich konnte die Stücke nicht ruhig vor mich hinlegen, wie ein Puzzle, und warten, dass sich die Teile selbst zusammenfügten. Es war nicht mein Stil oder meine Natur. Ich musste handeln und hatte äußerliche Ergebnisse erzielt. Ich musste meine Ahnungen testen und schauen wie es weiterging. Ich habe Menschen benutzt und tyrannisiert, um das zu bekommen, was ich brauchte und interessierte mich nicht dafür, wessen Leben ich ruiniert oder dabei beendet hatte. L hatte mit beiden Qualitäten gearbeitet – die Ruhe und dem Tatendrang – und genau deswegen konnten weder Near noch ich an ihn ran reichen. Egal wie sehr jeder von uns trainierte, es war einfach nicht möglich.

Irgendwie hatte sich L, als er seinen Erben gesucht hatte, entzwei geteilt. Getrennt konnten wir ihm nie gerecht werden. Aber zusammenarbeiten stand außer Frage. Er stimmte meinen grausamen Methoden nicht zu und schaute auf mich hinab, weil ich meine Emotionen zeigte, während ich ihn für seine Arroganz verabscheute und wegen seinem kindischen Verhalten die Dinge zu vermuten, anstatt sie zu bestätigen. Wir waren Brüder, aber wir waren auch zwei Teile aus unterschiedlichen Puzzeln – wir passten einfach nicht zusammen.

Natürlich unterschied sich Matt von uns beiden. Er war nicht so schlau oder so geistesgegenwertig, aber er hatte Ls Weise der stillen Schlussfolgerung geerbt. L dachte besser in der Abgeschiedenheit nach und sprach lieber durch einen Bildschirm oder durch eine Telefonleitung mit anderen Menschen. Er zog es vor alleine zu arbeiten und so war er am effizientesten. Selten bat er um Assistenz, aber er war immer bereit seine Hände schmutzig zu machen, um den Job zu Ende zu bringen. Er war dickköpfig, ablehnend gegenüber Autoritäten und sehr privat. Auf diese Weise war Matt genau wie er. Ich hatte immer gedacht, Matt passte besser zu Ls Persönlichkeit, als zu der Brillanz und vielleicht war das Teil der Entscheidung, warum L ihn aus den anderen klugen Kindern gewählt hat. Damals, als wir L zum ersten Mal durch den Computerbildschirm kennengelernt haben, hatte Matts einzige, kaltschnäuzige, aufmüpfige Frage ihn zu Ls Favoriten befördert. Near und ich dachten fast genauso, also hielten wir unsere Münder und lauschten gespannt. Das hatte uns beide in die Auswahl gebracht. Danach hatte L mit uns drei wann immer er konnte Treffen arrangiert, um unsere Fähigkeiten weiter auszubauen, unsere Stärken und Schwächen herausgefunden und löste unser Innerstes, um denjenigen zu wählen, der seiner Erbschaft gerecht wurde.

Ich denke, nur wir vier verstanden einander wirklich gut, so sehr wie es möglich war jedenfalls. Wir alle hatten zu L aufgesehen und er hatte uns so viel Respekt und Würde entgegengebracht, wie es ein exzentrisches Wunderkind kleinen Kopien von sich geben konnte. Ich denke nicht, dass er sich wirklich je für uns interessiert hatte, im Sinne von Zuneigung, aber da war eine Verbindung, eine Verbindung, die Near und ich und Matt vorher noch nicht gekannt hatten. Wir machten uns an dieser Verbindung fest und hielten uns daran fest und als sie von Kira durchtrennt worden war, gab es nichts mehr, was mich und Matt an diesem Ort, an unsere eigene Menschlichkeit hielt. Wir waren jetzt alleine, beide auf unsere eigene Art, ohne das Vorhaben zurückzublicken. Aber Near hing immer noch an dem gottgleichen Abbild von L, das er nie erreichen könnte, und wusste, es würde den Rest seines Lebens ein Handicap sein. Wenn er der neue L dieser Welt werden würde, würde er den Rest seiner Tage in Ls Schatten verbringen. Er war zu unreif so vorzustoßen, wie er es müsste. Ich wusste, ich war zu ungestüm, um so weit voranzukommen, wie ich könnte, aber ich hatte kein Problem mit der Art meiner Arbeit.

Was Near nicht verstand, war: es gab keine exakte Kopie von L. Das Ziel war unerreichbar. Es gab einen Mann in Wammys House, der es versuchte und schrecklich scheiterte. L hatte nur mir von ihm erzählt, nicht Near oder Matt. Ich denke L hatte geahnt, dass ich der einzige von uns dreien war, der mit der Story von B, einer von Ls ersten-Generation-Genies, etwas anzufangen wusste. Für Matt wäre es nur eine Geschichte, für Near eine Fallakte, die er zu Ls Repertoire hinzufügen konnte, aber für mich… war es eine Lehre. Und so glaubte ich fest daran, dass selbst L so gedacht hatte – dass zu versuchen sich zu vervielfältigen nicht nur vergeblich, sondern auch falsch war. Ich dachte immer L würde dem System vom Wammys House aus Respekt vor denen, die ihn aufgenommen hatten, folgen und nicht aus persönlichen Präferenzen. L wusste, niemand konnte er werden – noch wollte er das. L verstand am besten das Schicksal derer in seiner Position und hatte nicht den Wunsch dieses Vermächtnis zu anderen Personen weiterzugeben. Er hatte selbst gesehen, was passieren konnte.

Ich fange an zu denken, dass L absichtlich verzögert hat seinen Nachfolger zu suchen… Er hatte den Kira-Fall angenommen und zum ersten Mal sein Gesicht gezeigt. Er war mit dem Wissen eingestiegen, dass er sehr wahrscheinlich sterben würde. Er hätte in dem Moment, in dem er sich entschieden hatten sich zu zeigen, einen Erben aussuchen müssen. Je länger ich darüber nachdachte, desto sicherer war ich, dass L die Intention hatte, seine Herrschaft ein für alle Mal zu beenden und der effektivste, wenn auch unscheinbarste Weg es zu tun, war es, dass in einer Zeit einer schrecklichen Krise zu übersehen. Mit seinem Tod hatte er die Welt ohne einen anderen L verlassen und ich war mir sicher, dass er es genauso gewollt hatte, wenn auch nur einer weiteren Seele die schwere Bürde seiner Position zu ersparen.

Natürlich war die Welt ohne L verdammt, egal ob Kira gestürzt werden würde oder nicht. Near war sich dessen nicht bewusst, aber ich war es. So entschloss ich mich seinen Fall mit einem eigenen Willen in die Korruption zu führen und danach mit eiserner Faust über das geordnete Chaos zu herrschen. Das wäre der sicherste Weg die Kontrolle über die zerfallende Gesellschaft zu behalten. Ich würde bekanntgeben, dass ich existierte, aber auch, dass ich ein komplett anderes Wesen war als Kira. Und keine würde sich mir in den Weg stellen. Ich lächelte über den Gedanken und kehrte dann zu meinem Platz zurück.Eine Stunde später schrieb mir Matt erneut, er hatte seinen Flieger bestiegen und ich sagte ihm, dass ich ihn anrufen würde, sobald ich gelandet und, wie immer, nach einem Apartment für uns gesucht hatte. Einige Male gingen Mogi oder Amane ins Bad und ich benutzte eine Zeitung, um mein Gesicht zu bedecken, wenn sie an mir vorbeiliefen. Das war viel zu nahe, unangenehm, aber wenn Mogi mich sah, würde er bis zum Landen warten, um mich in Gewahrsam zu nehmen, um keine Panik zu verursachen. Ich könnte mir einen Weg rausdenken, sie eventuell als Geiseln nehmen, um vielleicht Einfluss auf die Taskforce zu erlangen… Natürlich wollte ich das Überraschungsmoment nicht verlieren – es war der einzige Vorteil, den ich ihnen gegenüber hatte. Ich würde es vorziehen unentdeckt zu bleiben. Solange Amane sich weiterhin beschwerte und ununterbrochen redete, würde es gut gehen.



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December 6, 2009
11:40 a.m.


Als wir landeten, blieb ich solange wie möglich hinten, um Mogi und Amane genügen Zeit zum Aussteigen zu geben. Ich verließ das Flugzeug so ziemlich als Letzter, verließ sofort den Flughafen, indem ich am Gepäckband vorbeiging und nach draußen trat. Tokio war hell und belebt. Ich wusste, dass ich, da ich kaukasischer Abstammung und blond war, ziemlich hervorstach, also musste ich einen Platz finden, wo ich unentdeckt bleiben konnte. Allerdings musste ich zuerst herausfinden, wo Mogi und Amane hingingen.

Ich drückte mich gegenüber vom Ausgang des Narita Airport herum, Sonnenbrille über meinen Augen und den Jackenkragen aufgestellt, um meine untere Gesichtshälfte zu bedecken. Meine Haare waren sehr viel länger, hatten nicht mehr den bevorzugten Schnitt, und waren um einiges dunkler, glatter, wahrscheinlich wegen des Stresses und weil ich sie mir angesengt hatte. Es war mehr Gold als Blond vorher. Ich war vielleicht ein bisschen zu vorsichtig auf Grund der Angst, von Mogi entdeckt zu werden. Wenn er einer der Männer war, die in das Mafiaversteck im Osten L.A.s eingebrochen sind, dann hat er nur meine Augen gesehen, die hinter dem Fiberglas der Gasmaske versteckt waren. Vielleicht hatte er in der Dunkelheit die Länge meiner Haare gesehen, meinen Körperbau, aber nicht viel mehr. Reagierte ich über? Möglich, aber ich konnte nicht vorsichtig genug sein. Allein der Fakt, dass ich ein weißer Mann in schwarzem Leder gekleidet war, ließ mich inmitten Tokio herausstechen. Vorsicht war immer besser als Nachsicht.

Dreißig Minuten später traten Mogi und Amane heraus, er schleppte wieder ihr Gepäck, bis auf ihre Handtasche und eine weitere Tasche. Sie winkte aufgeregt ein Taxi heran und beide stiegen ein. Ich rief mir mein eigenes Taxi und sagte dem Fahrer, wo es hinging, behielt meine Augen auf Mogis Taxi, ließ es verfolgen, ohne dass es mein Fahrer mitbekam. Mit Abstand fuhren wir hinter ihnen her, bis sie anhielten und ich einen Block weiter parkte, dann ging ich die Straße zurück und beobachtete. Es war ein großes Hotel, sehr klassisch, und sie gingen gerade rein. Der Taxifahrer wartete, ich nahm an für Amane, da sie nicht bei der Taskforce wohnen würde. Das musste ihr Hauptquartier sein, aber das musste ich erst bestätigen.

Ich miete mir ein Zimmer im gegenüberliegenden Hotel und platzierte mich vorm Fenster, das das mögliche Hauptquartier zeigte. Ich wartete. Amane alleine brauchte eine Stunde, bevor sie wieder ging. Sollte ich ihr folgen? Nein, sie war nicht länger ein Ziel. Sie war nicht mehr Kiras Stellvertreter und kehrte sehr wahrscheinlich in ihr eigenes Zuhause zurück. Der zu beobachtende Ort war der hier. Natürlich musste ich eine dauerhafte Bleibe auftreiben, weiter weg und diskreter. Ich konnte damit warten, bis Matt hier angekommen war.

Ich rief ihn an und er sagte, es würde noch über zehn Stunden dauern, bis er ankommen würde. „Das Gepäck und Equipment werden ungefähr in einem Tag ankommen“, erzählte er mir über die Geräusche seiner Spielekonsole hinweg, „Ich bin auch unsere Fahrzeuge losgeworden, wir müssen uns also neues Spielzeug besorgen.“

„Alles klar. Ich habe Mogi zu einem Hotel verfolgt und er hat es seitdem nicht mehr verlassen, also werde ich es in der Annahme, dass es ihr Hauptquartier ist, weiter beobachten. Sobald du da bist, können wir uns nach einer anderen Bleibe umschauen.“

„Ok.“

„Du kannst wenigstens etwas Japanisch sprechen und lesen, oder?“

„Im Lesen bin ich etwas eingerostet, aber Japanisch ist so ziemlich die einzige Fremdsprache, bei der ich mir die Mühe gemacht habe, sie nicht zu vergessen…“

„Und warum das, du fauler Sack?“

„Willst du mich verarschen? Welthauptstadt der Videospiele, man. Nicht zu vergessen ihre Roboter- und Digitaltechnik. Mir wird diese Aufgabe ganz bestimmt gefallen.“

„Das ist nicht die Zeit für Spiele“, erinnerte ich ihn mit einem Seufzen.

„Ich weiß, aber du musst mich wenigstens einmal zu einer Sony-Show lassen, Kumpel. Da kannst du die neusten spiele spielen, bevor sie überhaupt rauskommen und das an den größten HD-Bildschirmen ever.“

„Würdest du deine Gedanken einmal in diesem Spiel lassen? Anders als deine kleinen, digitalen Fantasien, ist das hier ein Spiel um Leben oder Tod! Mein Stolz und Ls stehen auf dem Spiel! Tu zumindest so, als könntest du dich konzentrieren!“

„Ok, hab’s verstanden… Sorry.“

„Ich werde noch ein wenig die Taskforce ausspionieren, ob sie etwas unternehmen oder ihre Location ändern. Ruf mich an, wenn du ankommst.“

„Werde ich. Pass auf dich auf, ok?“

„Das tu ich.“ Ich legte auf.

Ununterbrochen beobachtete ich das Gebäude, bestellte mein Hotel Roomservice und aß das erste Mal seit Tagen ein halbwegs anständiges Essen. Ich rückte mir einen Stuhl ans Fenster und setzte mich dort hin, beobachtete die Front des Gebäudes und tat mein Bestes, mich nicht zu weit an die Vorhänge zu lehnen. Ich machte den Fernseher an, schaltete auf den NHN Nachrichtenkanal, die einzige Spur zu Kiras neuer Pressesprecherin. Um achtzehn Uhr verlas sie eine Stellungnahme und ich hörte zu, während ich weiterhin aus dem Fenster starrte.

„Guten Abend, dies ist News 6 und mein Name ist Kiyomi Takada. All die Nachrichten von Kira, die ich Ihnen in der Vergangen Tagen und auch alles, was ich Ihnen in Zukunft sagen werde, wird das Gesetzt dieser Welt…“ Diese Frau stand im direkten Kontakt mit Kiras Stellvertreter, da war ich mir relativ sicher… aber der echte Kira hatte unter den wachsamen Augen der Taskforce keine Gelegenheit dazu. Kira würde ohne Zweifel ruhelos werden, dazusitzen und nichts unternehmen zu können, nicht in der Lage mit dem Verwahrer des Notizbuchs zu kommunizieren. Bald würde er etwas versuchen, es war nur eine Frage des Wartens und Beobachtens. Diese Takada-Frau sprach weiter: „Von nun an werden nicht mehr nur Menschen bestraft, die der Gesellschaft durch Verbrechen schaden…, sondern auch begabte Menschen, die ihr Leben vergeuden, weil sie ihre Begabung und Zeit nicht zum Wohle der Gesellschaft einsetzten.“

Ich grinste. Wie tyrannisch von Kiras Stellvertreter. Das allerdings, schien etwas vorzeitig zu sein. Ich kannte Kira und ich wusste, er war akribisch und geduldig. Er zielte darauf ab, die Welt schrittweise zu seiner Verehrung zu führen, nicht sie in das Gegenteil zu verschrecken. Eine gute Strategie. Sein neuer Stellvertreter war ein bisschen voreilig… Vielleicht ein bisschen klüger für sein eigenes Wohl? Der Rest der Stellungnahme war ähnlich, nichts Interessantes, nichts, was ich nicht schon gehört hatte und so beobachtete ich einfach weiter das Hotel auf der gegenüberliegenden Seite, wartete darauf, dass etwas, irgendwas passierte.



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December 6, 2009
8:02 p.m.


An diesem Abend, um ungefähr zwanzig Uhr, verließ das Taskforce-Mitglied Aizawa das Gebäude, gefolgt von einem viel jüngeren, gut gepflegten Japaner. Er konnte nicht viel älter als zwanzig sein, mit komisch hellbraunem Haar und einem attraktiven Gesicht, das seltsam mit… Bedrohung gezeichnet war. Ich erkannte das kalte, reptilienartige Glimmen in seinen Augen, sowie ich es im Spiegel erkannte.

So wie er sich hielt, wie er geschmeidig, aber mit einem Ziel ging, wie sein Gesicht ruhig fokussiert, aber der Mund angespannt und selbst, wie er seinen Gefährten anschaute… wie ein Kind, das durch eine Lupe eine Ameise betrachtete… Ich wusste es, als würde über seinem Kopf ein Neonschild schweben, das es anzeigte und vermutlich nur, weil ich genauso war.

Dieser junge Mann ist ein Killer.

Wie ich.

Sein Abbild löste noch etwas anders in meinem Gehirn aus, etwas viel logischeres. Ich hatte ihn schon mal gesehen, irgendwo. Es war purer Menschenverstand anzunehmen, wer er war und sich an die Informationen zu erinnern, die Matt auf meinen Befehl hin für mich gehackt hatte. Ich hatte nur eine kleine Fotografie gesehen, das auf einer Anschriftenliste der Polizei und speicherte ab, was es wenig zu seinem Profil gab. Dieser Mann war Yagamis Sohn, Light. Der derzeitige L.

Kira.

Endlich bekam ich ihn zu Gesicht. Zum ersten Mal konnte ich meinem Kontrahenten ein Gesicht zuordnen. Endlich hatte ich ein Abbild für meinen Feind. Es war nur teilweise befriedigend, denn jetzt musste ich herausfinden, wo die zwei hingingen. Ich rannte die Treppen nach unten und beobachtete aus der Ferne, wie sie ein paar Metallkoffer in ein Auto packten. Light – dem ich jetzt die Ähnlichkeit zu Yagami ansah – war ziemlich gut gekleidet für eine Routinepolizeisache. Er trug einen schicken, schwarzen Anzug mit einer Seidenkrawatte und polierten Oxfords. Ich wusste nicht, ob es relevant war, aber ich orderte mir ein Taxi und folgte ihnen in einem sicheren Abstand.

Sie fuhren zu einem anderen, klassischen Hotel und beide stiegen aus, entluden ihre Geräte und betraten es. Dann war es eine Stunde lang still und dann fuhr eine Karawane aus schwarzen Autos vor und hielt vor dem Hotel. Aus dem ersten Fahrzeug stiegen einige Männer im schwarzen Anzug, schauten sich im Gebäude um und stellten sich dann an dem Eingang auf. Das erste Auto fuhr weg und das Zweite fuhr vor und wieder stiegen mehrere große Männer, als auch ein paar große Frauen, aus, gefolgt von einer zierlichen Japanerin mit Sonnenbrille und einer Designerjacke. Es war schwer es mit Sicherheit zu sagen, aber ich konnte mir denken, dass es mit so vielen Bodyguards, nur Kiyomi Takada, die Nachrichtensprecherin auf NHN, sein konnte. Kiras Pressesprecherin.

Was machte sie hier im selben Hotel wie Kira? Konnte es sein, dass sie ein Meeting hatten, um ihre nächsten Züge zu planen? Aber nein, unmöglich. Aizawa war schließlich mitgekommen. Ich musste im Hinterkopf behalten, dass Kiras Kraft gerade nicht in seiner Hand war, sondern in der eines anderen. Kiras Stellvertreter hatte diese Frau gewählt, nicht er.

War es also sicher anzunehmen, dass der wahre Kira, Light Yagami, diese Frau zu seinem Vorteil benutzen wollte? Aber wie? Er konnte nicht die Verbindungen haben, ein persönliches Treffen mit ihr auszumachen. Sie wurde zu schwer von den Kira Verehren bewacht, um von den Bullen ergriffen zu werden. Gab es… also dann einen anderen Grund? Takada war ungefähr im selben Alter wie Light… Konnte es sein, dass sie sich bereits kannten? Wieder, unmöglich, aber hier waren sie, im selben Hotel. Natürlich konnte es ein riesengroßer Zufall sein. Was, wenn sie sich auch überhaupt gar nicht sahen? Ich musste das bestätigen und zwar bald.

Aus dem Restaurant auf der gegenüberliegenden Straße, beobachtete ich den Eingang des Gebäudes. Ich bestellte Tee, behielt den Kragen meiner Jacke aufgestellt, damit die nervtötende Kellnerin keinen Blick auf meine Narbe erhaschen konnte. Ungefähr eine Stunde später verließ Takada das Hotel, ihr Gesicht seltsam, fast schon fröhlich. Was zur Hölle war da passiert? Sie und ihr Gefolge fuhren davon und rund dreißig Minuten danach verließen auch Light und Aizawa das Hotel und trugen ihr Equipment wieder zu ihrem wartenden Auto. Wenn Aizawa nicht hinsah, verzog sich das Gesicht des jungen Mannes zu einer höhnischen Fratze. Ein Killer, ohne Zweifel.

Ich kehrte zum Hotel gegenüber des NPA Hauptquartier zurück und nahm wieder meine Position im Stuhl neben dem Fenster ein. Stundenlang passierte nichts, keiner aus der Taskforce ging oder kam. Amane musste für die Nacht in ihr eigenes Gaus zurückkehrt sein…

Das Klingeln meines Handys riss mich aus dem Schlaf. Scheiße, ich war eingeschlafen?! „Fuck!“, spuckte ich, bevor ich es aufklappte und ranging. „Was?“, wollte ich wissen.

„Dir auch einen guten Morgen“, bemerkte Matt.

„Morgen?“

„Ja… Es ist schon Stunden her, seit ich mit dir geredet habe, Kumpel.“

„Scheiße!“, zischte ich.

„Was ist los?“

Ich schaute auf die Uhr und es war fünf Uhr neunundvierzig. Ich hatte fast acht Stunden geschlafen! Was für ein erbärmlicher Fehler!

„Uh… Naja, ich wollte dir nur sagen, dass wir in einer Stunde landen…“

„Gut. Ich besorge ein Motorrad und hole dich ab, dann können wir den Rest planen.“

„Verstanden.“ Er legte nicht auf. „Bist du in Ordnung?“

„Mir geht’s gut.“

„Du klingst wie Scheiße, Mello…“

„Sag meinen verdammten Namen nicht in der Öffentlichkeit über das Handy!“, bellte ich, meine kurze Sicherung entzündete sich bei seiner faulen, halbneugierigen Stimme.

„Richtig, sorry. Es ist nur, du klingst wirklich schlecht. Du solltest es langsam angehen lassen.“

„Was bist du, mein Babysitter? Komm einfach her.“

„Ich habe nicht die Macht das Flugzeug schneller fliegen zu lassen, man. Ich wünschte nur, du würdest dir mal eine Pause gönnen, bevor du dich bis zur Erschöpfung arbeitest – schon wieder.“

Die Bedeutung seiner Worte besserte meine Stimmung nicht gerade. „Soll das lustig sein?“, wollte ich wissen.

„Irgendwie“, erwiderte er, „Eigentlich hatte ich gehofft, du würdest dich etwas ausruhen, denn ich habe vor, dich stundenlang hart durchzunehmen, sobald ich lande.“

Ich ließ meine Stirn auf meine Hand senken, vergrub meine Finger in den Strähnen.

„Ich bin überhaupt nicht in der Stimmung für seinen schwanzgesteuerten Bullshit.“

„Ah, das bist du nie.“ Er seufzte. „Ich bin aber echt geil.“

„Ich hoffe die Menschen um dich herum erfreut es.“

„Sind alle am Schlafen.“ Er gähnte. „Das ist eine gute Idee.“

„Hör zu, wir sehen uns, sobald du da bist. Ruf mich dann an.“

„Ok.“ Ich legte auf und warf mein Handy erschöpft auf das Bett.



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December 7, 2009
6:17 a.m.


Nachdem ich mir einige mögliche Wohnmöglichkeiten eingeprägt hatte, klaute ich das schnellste Motorrad, was ich auf die Schnelle finden konnte, zog den Helm auf, der auf dem Sitz zurückgelassen worden war und fuhr zum Flughafen. Im Parkhaus wartete ich auf seinen Anruf und sobald er gelandet war, machte er sich träge bummelnd auf den Weg zu mir, als hätten wir alle gottverdammte Zeit dieser Welt. Als er endlich an meinem Motorrad angekommen war, war ich so frustriert, dass ich einfach nur den Kopf schüttelte, als er winkte. Er hatte schon wieder eine brennende Zigarette zwischen den Lippen.

„Hey, hast du was dagegen, wenn ich die noch rauche, bevor wir gehen?“

„Ja, habe ich. Steig auf.“

„Ok, ok.“ Er nahm noch einen letzten, tiefen Zug, schnickte die Zigarette dann weg, schwang ein Bein über den Sitz und platzierte sich hinter mir.

„Die Taskforce hat sich in ihrem Hauptquartier niedergelassen, also suche ich nach einem Platz in der Nähe, aber nicht zu nah.“

„Verstanden, Boss.“

Ich ließ Matt vor dem Hotel absteigen und fuhr zum ersten Gebäudekomplex, dass ich mir ausgesucht hatte. Ich hatte mich in einem zwei Meilen Radius umgesehen und hatte mich dieses Mal für eine alte Eigentumswohnung entschieden. Sie befand sich im zweiten Stock neben einem heruntergekommenen Hotel und einem baufälligen Waschsalon, mit einigen Grundstücken dahinter, die gut waren, um Fahrzeuge zu verstauen. Sie war außerhalb der Innenstadt, aber es reichte, um versteckt zu bleiben und doch war sie nah genug, um schnell handeln zu können, wenn etwas passierte. Der frühere Besitzer war entweder in Eile ausgezogen oder wurde rausgeworfen, wie ich annahm, da er eine Menge Sachen dagelassen hatte. Er war wohl auch eine Art Verrückter, denn der Hinterraum, der zum Hof zeigte, war gefüllt mit Kisten mit weiblichen Schaufensterpuppen darin, denen Gliedmaßen fehlten. Überall standen auch uralte Möbelstücke herum, die für uns von Nutzen sein könnten. Es war nicht so, dass Luxus meine Hauptsorge war.

„Ich habe was gefunden“, sagte ich zu Matt, als er an sein Handy ging.

„Cool“, erwiderte er, „Hier gibt es keine Aktivität, außer der in meinem Magen.“

„Spar dir deine Beschwerden für später auf“, sagte ich.

„Wann später? Du kannst nicht viel später sein als jetzt“, sagte er durch ein widerliches Gähnen. Schnell schaute ich auf die Uhr. Es war schon sieben Uhr morgens.

„Ok, ich komme zurück und übernehme, damit du etwas schlafen kannst.“

„Danke, Mello“, murmelte er, „Hey, könntest du auf dem Rückweg etwas zu Essen mitbringen?“

Ich biss die Zähne zusammen. „Ich bin nicht dein Lieferjunge.“

„Oh komm schon, ich verhungere… und es ist ja nicht so, dass ich hier weg könnte…“

Ich seufzte kurz. Er hatte recht, auch wenn ich seine Essenswünsche nicht mochte. „Na gut, ich hole dir was.“ Ich legte auf, bevor er eine irrwitzige Liste an Fastfood aufzählen konnte, das er haben wollte. Ich hielt bei einem vierundzwanzigstunden Supermarkt und kaufte ihm einige Dosen Instantnudeln und ein paar Softdrinks. Für mich holte ich mehrere Schokoladentafeln von der erstbesten Marke, die ich sah. Ich kehrte zum Hotel zurück und klopfte fünfmal und schaute zum Türspion, da er vorher kontrollieren sollte. Er ließ mich rein und ich drückte ihm die Einkaufstüte an die Brust.

„Danke“, sagte er und hielt die Tüte fest.

Er ging damit in die Küche und ich wandte mich dem Fester zu, schaute raus. Still. Bewegungslos. Genau wie ich es verlassen hatte. Ich seufzte, erinnerte mich daran, dass der Arbeitstag eines normalen Mannes nicht vor einer Stunde begann oder sogar mehr und wir wahrscheinlich die einzig wachen Seelen meilenweit waren. Ich ließ mich in einen nahegelegenen, weichen Stuhl sinken und entspannte meine Muskeln, atmete aus. Ich schaute zu dem Bett, entdeckte seine Weste, die Handschuhe, das Portmonee und eine Tasche darauf verteilt. Ein offener Laptop stand bereits auf dem Kaffeetisch und war in der Steckdose neben meinem Stuhl eingesteckt. Ich nahm meine Sonnenbrille ab und zog meine Jacke aus, dann wickelte ich meine Schokolade aus und versenkte meine Zähne darin, brach ein großes Stück ab und kaute.

Er rumorte währenddessen in der Küche herum. Er riss den Deckel der Ramenpackung ab, füllte sie mit Wasser aus dem Hahn und stellte sie in die Mikrowelle. Als nächstes öffnete er eine der gläsernen Softdrinkflaschen und trank daraus, bevor er sich neben die Mikrowelle an die Wand lehnte und ungeduldig wartete. Sobald es fertig war, nahm er die Nudeln raus und ließ sich auf der Couch vor seinem Laptop nieder. Er riss den Pappdeckel ab und Dampf stieg aus der Styroporschüssel heraus. Die Essstäbchen aus Holz, die dabei waren, brach er auseinander und stopfe sich einen Haufen der Nudeln in sein Maul.

Während er sie geräuschvoll verspeiste, hackte er mit der anderen Hand auf seinem Computer herum. Was hatte ich mir dabei gedacht, Essen zu kaufen, mit dem er so laut sein konnte? Ich musste einen Wegtritt in meiner Beurteilung gehabt haben. Er schaute mich nicht einmal an, bis die Schüssel leer war, aber das konnte ich kaum sagen, hinter seinem getönten Gläsern.

„Ist etwas, Mello?“

„Nein, ich denke nur nach“, antwortete ich mechanisch. Ich war bei den letzten Bissen meiner Schokolade angekommen.

Er trank noch etwas Wasser. „Worüber?“

„… Kennst du die neue Nachrichtensprecherin auf NHN, die als Kiras neue Pressesprecherin bekannt gegeben wurde, wo Demegawa jetzt tot ist?“

„Die heiße japanische Braut mit dem geilen Gestell, von der du mir geschrieben hast“, bestätigte er, „Was ist mit ihr?“

„Nun, kurz nach meiner Ankunft habe ich beobachtet, wie Aizawa und Yagamis Sohn, Light, in ein Hotel in der Innenstadt gegangen sind. Weniger als eine Stunde später ist die NHN Frau in dasselbe Hotel gegangen. Sie sind in einem Abstand einer Stunde zueinander wieder verschwunden.“

„Denkst du die stecken zusammen unter einer Decke?“

„Ja, ich denke das ist wahrscheinlich. Kira muss wohl versuchen seinen Stellvertreter durch diese Frau zu manipulieren. Immerhin kann er nichts unternehmen, wenn er mit der NPA zusammen ist. Ansonsten merken es seine Kollegen, was ihn in eine Zwickmühle bringen würde. Im Gegensatz zu Amane, kann er nicht mit seinem neuen Stellvertreter kommunizieren. Ich wette, er ist nervös.“ Ich riss eine weitere Tafel Schokolade auf. Sie war zu süß und nicht halb so gehaltreich wie meine bevorzugte Marke, aber sie half mir trotzdem mich zu konzentrieren.

„So, also denkt er, er könnte die Chancen ausgleichen, indem er mit der NHN Puppe in Kontakt tritt?“

„Ja, aber das bedeutet, er muss irgendeine Verbindung zu ihr haben. Wie wahrscheinlich ist es, dass er eine Fremde, noch dazu eine Prominente, einfach so anrufen und ein geheimes Treffen arrangieren kann? Es muss mehr als Polizeiarbeit sein, besonders wenn sie sich inoffiziell in einem Hotel getroffen haben.“

„Ja. Also denkt er, er kann durch Kiras Pressesprechern mit dem Kira-Junior sprechen?“

„Das denke ich. Was ich brauche ist ein Weg Kira in die Ecke zu drängen, damit ich ihn entlarven und die Ehre bekommen kann."

„Aber du hast ihn gesehen, richtig? Du bist endlich so nah herangekommen.“

„Ich weiß und das ist lästig. Ich würde ihn liebend gerne in der Gasse gegenüber aus dem Hinterhalt angreifen und ihm eine Kugel in den Kopf jagen, aber das wäre eine totale Verschwendung meiner Arbeit. Ich muss ihn mit Beweisen fangen und das, bevor es Near tut. Nachdem er für schuldig befunden wurde, dann kann ich ihn töten und alle Notizbücher, die er noch hat, für mich behalten. Dann wird Near zugeben müssen, dass ich die Nummer Eins bin und aufhören Ls Position zu hinterherzujagen.“ Ich grinste schief und brach ein Stück Schokolade ab. „Dann kann ich mit den Notizbüchern machen, was ich will.“

„Ich hoffe, ich kann den Ausdruck auf Nears Gesicht sehen“, bemerkte Matt, trank seine Soda leer und klappte dann den Laptop zu, ließ seinen ganzen Dreck einfach liegen. Er stand auf, ging zum Bett rüber, lud seinen Krempel auf das Sofa ab und trat sich die Stiefel von den Füßen. „Vielleicht kann ich es sogar aufnehmen.“ Er kicherte. „Ich wette, du hättest das gerne als ein Andenken.“ Ich beobachtete, wie er seine Brille auszog und sich das Shirt über den Kopf zog. Auch das warf er auf das Sofa und legte seine Brille und das Handy auf den Nachttisch. „Brauchst du mich noch für was, Boss?“

„Nein. Schlaf ein bisschen, sonst bist du nutzlos.“

Er schob die Bettdecke und die Laken beiseite, arrangierte die Kissen und schielte über seine Schulter zurück. „Weißt du, ich habe vielleicht noch genug Energie für einen Quickie“, sagte er, als wäre ich daran interessiert.

„Matt, ich werde es dir nicht nochmal sagen.“

„Ja, ich dachte, ich versuche es trotzdem mal.“ Er kroch in das Bett und legte sich hin.

„Weck mich, wenn du mich brauchst“, murmelte er und innerhalb weniger Minuten war er weg.
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