Names Are Just Words

von ju-on
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Light Yagami Matt Mello Shuichi Aizawa Teru Mikami Tota Matsuda
31.12.2018
07.12.2019
25
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Dies hier ist eine Übersetzung und ich habe die Ausdrückliche Erlaubnis der Autorin singleorganicmachine

Hier geht's zum Original: Names Are Just Words


In dieser Geschichte lernen wir die Ereignisse aus Death Note aus Mellos Sicht kennen. Was er gemacht, geplant und wie er es ausgeführt hat. Lasst euch überraschen.

Ich bin echt gespannt, wie sie euch gefällt. Mir hat es großen Spaß gemacht sie zu übersetzten.

                                  Viel Spaß und allen einen guten Rutsch ins Jahr 2019!


Vielen Dank an meine Beta BrokenBones
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November 11, 2009
12:33 a.m.

Da war nichts als Schwärze, wie es schien für Stunden, meine Gedanken verloren in einem Sturm aus farbloser Leere, versinken, aufgeben. Es wäre einfach mich davontreiben zu lassen. Das Gewicht des Lebens war eine schwere Last auf meinen Schultern – war es schon immer gewesen. Zu sterben wäre, Schmerz und Kampf für immer aufzugeben. Zu sterben wäre eine Verbannung meiner Kämpfe, zusammen mit meinen Sünden. Es wäre vielleicht besser – besser für die Welt. Zu diesem Zeitpunkt schien es schwer dagegen anzukämpfen. Warum nicht einfach meinen Griff lösen und nach unten gleiten…

Aber nein – unmöglich. Es gab noch so viel zu erledigen, so viel unvollendete Aufgaben, zu viele Gründe zu leben. Ich griff nach einem Ausweg, fand ihn irgendwo in der Dunkelheit von diesem Versteck. Ich machte Fortschritte. Ich tauchte auf, irgendwo, aus einem Loch, bei dem ich mich nicht erinnern kann, reingefallen zu sein. Meine Hände suchten wild, entschlossen Materie zu finden, entschlossen dieses Loch aus Nichts zu überwinden. Ich hatte noch nie aufgegeben, hatte mich noch nie jemanden oder etwas gebeugt – und der Tod war ganz sicher keine Ausnahme. Mit einem letzten Schwung von Entschlossenheit brach ich frei.

Schmerz.

Sofort wurde ich von allen Seiten mit reißendem Schmerz, zu schrecklich um ihn zu beschreiben, empfangen. Ich war unsicher, desorientiert, verloren und in diesem Nebel fragte ich mich kurz, ob sich so die Hölle anfühlte. Ohne Zweifel wäre es da, wo ich landen würde, wenn ich sterbe. Aber nein, augenblicklich schoss eine weitere Schmerzenswelle durch mich, entzündete meine Sinne, brachte mich zurück in diese Hülle aus Fleisch und Knochen. Sofort spürte ich, wie sich meine Fäuste ballten und meine Stimme wegen den Qualen brach. Eine weitere Sekunde und meine Ohren wurden von einem Ansturm aus krachenden Geräuschen geschädigt und meine Nase kämpfte mit dem Gestank von Rauch und verbranntem Fleisch.

Meine Sicht kam als letztes zurück, hoffnungslos, aber dann fokussierte sie sich Stück für Stück und ich konnte das Blut sehen, das unter meinem Gesicht in den Boden sickerte. Ja, ich hatte ein Gesicht und Gliedmaßen und sie funktionierten. Ich war hier, jetzt, in einer materiellen Ebene, zu kaputt und verdreht, um im Himmel oder in der Hölle zu sein.

Ich lebte.

In diesem Moment realisierte ich, dass ich Schwierigkeiten mit meiner Atmung hatte und so bewegte ich mich, um meine Lungen von dem zu befreien, was sie einengte. Ich drückte mich mit meinen Händen hoch, spürte etwas Solides meine Versuche behindern. Ich schielte zur Seite und bemerkte die Behinderung um mein Gesicht. Blind riss ich daran, hörte ein Knacken und ließ die ruinierte Gasmaske, die ich benutzt hatte, um meine Identität zu verstecken, auf den Boden vor mir fallen. Das Plexiglas war halb verkohlt und gesprungen und das Gummi war zum Teil geschmolzen. Es hatte ein paar meiner Haare mit rausgerissen als ich sie entfernte, aber jetzt konnte ich leichter atmen. Allerdings war meine Sicht noch immer verschwommen.

Ich drehte mich, um hinter mich zu gucken und entdeckte ein paar Stahlträger, die mich eingekesselt hatten, so eine wahllose Barriere gegen die Betontrümmer formten. Sie waren so gefallen, dass sie mich nicht zerdrückt hatten. Meine Stimme brachte ein trockenes Kichern zustande. Glück? Nein. Keines Falls. Ich hatte diesen Raum mit Absicht gewählt, der Raum im zweiten Stock, in dem mir Yagami gefolgt war. Ich wusste dieser Raum hatte Stahlträger in den Wänden und ich wusste genau, wo ich den Sprengstoff versteckt hatte.

Ich hatte mir die Konsequenzen überlegt, hatte alles doppelt überprüft und ich wusste, wenn ich alles perfekt in dieser Situation timte, würde ich ohne großen Schaden davonkommen können. Zumindest hatte ich erwartet zu überleben. Und das hatte ich. Ich kicherte erneut, aber dieses Mal zwang der Akt Blut in meiner Kehle hochzuquellen und ich spuckte es aus, direkt in die schon bestehende Lache vor mir.

Gut. Ich war am Leben. Jetzt musste ich nur schauen, wie schlimm der Schaden war.

Ich krallte meine Finger in die Erde, teste meine Beine – sie gehorchten, waren nicht gebrochen, aber zerschrammt. Mein Knöchel fühlte sich verstaucht an. So weit so gut. Ich stieß mich mit meinen Füßen ab, zentimeterweise kroch ich unter dem Haufen der Zerstörung hervor, zwang meinen Körper unter dem erhitzen Metall hervor und auf die blutige Erde. Dort füllte ich meine Lungen, schnappte nach Luft und schmeckte schließlich das Blut in meiner Kehle. Ich kollabierte auf Grund der Anstrengung, spürte, wie mich scharfe Kanten aus Holz und Metall unter mir aufkratzten. Der gesamte Boden war mit Trümmern und Brocken aus Beton übersäht. Holzstücke dienten immer noch als Zunder, glommen orange in meiner schlechten Sicht. Zumindest konnte ich sehen und atmen und roch sie brennen. Mein Gehirn war nicht beschädigt worden. Immer noch so weit so gut.

Ich versuchte mich auf meine Knie aufzurichten, um zu sehen, ob ich es konnte. Wenn nötig würde ich mich selbst dazu zwingen. Ich schaffte es auf meine Knie und erblickte meinen linken Arm. Er war feucht von Blut und heiß vor Schmerz vom Ellenbogen bis zur Schulter. Ich versuchte ihn weiter zu inspizieren, aber ihn zu heben, verursachte einen höllischen Schmerz in meinem Hals und der Seite, der sich bis hin zu meinem Gesicht zog. Ich musste mich erneut auf meine Hände stützten, ein weiteres Mal wieder zu Atem kommen, Todesqualen überkamen mich. Wild verdrängte ich sie abermals. Na gut, ich würde kriechen, bis ich wieder laufen konnte.

Ich musste mich konzentrieren. Ich konnte es mir nicht leisten hierzubleiben. Ich wusste nicht, wie lange ich ohnmächtig gewesen war. Die japanische Polizei konnte immer noch auf dem Grundstück sein, nach mir suchend, wenn sie überlebt hatten. Es war sogar sehr wahrscheinlich, so bewaffnet und bedeckt wie sie waren. Ich durfte mich nicht von ihnen finden lassen, nicht in diesem Zustand, auf keinen Fall. Wenn sie es taten, war alles vorbei.

Ich koch über den mit Trümmern bedeckten Boden, schob verbrannte Balken und Scherben aus zerbrochenem Glas beiseite. Ich kroch weiter, bis meine Lungen wüteten und mein Kopf sich drehte und kroch doch noch weiter, ließ mich dann neben der Garage zusammenbrechen, die an der abgewandten Seite des Grundstücks war. Die Hälfte war wegen dem herabgestürzten Schutt eingebrochen, aber ich hatte mein Motorrad intuitiv in die hinterste Ecke gestellt, hinter den Fahrzeugen der anderen.

Ich zwang mich auf meine Knie und drückte den Knopf, der sie Seilwinde bediente. Die klapprige Tür glitt auf, quietschte dabei aber zu laut, weshalb ich den Vorgang unterbrach. Ich hatte sie weit genug geöffnet, dass ich durchkriechen konnte. Und genau das tat ich dann, danach ließ ich meine Muskeln erschlaffen. Die linke Hälfte meines Gesichts stach kontinuierlich vor Schmerzen, also legte ich mich mit der rechten Hälfte meines Gesichts auf den kühlen Betonboden, sammelte wieder Luft. Ich würde meine ganze Kraft brauchen, um so schnell wie möglich von hier zu verschwinden.

Meine ganze Kraft zusammennehmend, kroch ich über den Boden, schaffte es zu meinem Motorrad. Einige Male holte ich noch tief Luft und dann presste ich die Zähne zusammen, als ich mich auf meine Füße hievte. Sobald ich mein Gewicht auf meinen rechten Knöchel verlagerte, stach er fürchterlich. Also hatte ich ihn mir verstaucht. Aber das machte jetzt nichts. Einige Sekunden lehnte ich noch gegen mein Bike, versuchte den Schwindel aus meinem Kopf zu verdrängen. Da sich noch immer alles drehte, ignorierte ich es und setzte mich auf mein Bike, drehte den Schlüssel im Zündschloss und jagte den Motor hoch.

Ich schaffte es zu der kleinen Straße, die von dem Grundstück führte und fuhr so schnell wie ich mich traute. Mir war immer noch schwindelig und je mehr der Wind in mein Gesicht schlug, stach und biss, desto schlechter fühlte ich mich. Und so begann ich zu schlingern, da meine Gliedmaßen wegen der Anstrengung zitterten und meine Sicht sich verschlechterte, lauter Farbsprenkler tauchten auf. Ich hatte keine drei Meilen geschafft, aber ich musste an die Seite fahren oder ich würde stürzen und mein Gehirn über den Asphalt verteilen. So konnte ich es nicht enden lassen.

Ich wurde langsamer und verließ die Straße, rollte auf eine kleine Tankstelle. Sie war für die Nacht geschlossen, also fuhr ich nach hinten. Ich konnte nicht mehr gerade lenken, da sich mein Magen umdrehte. Das Vorderrad wackelte und ich streckte mein linkes Bein aus, um mich aufzufangen, stolperte von dem Sitz. Das Bike drehte sich nach rechts und stürzte um, der Motor erstarb und ich brach zusammen. Hart fiel ich auf Händen und Knien auf den Boden, zerrte bei dem Aufprall an meiner Brust und spürte, wie sich das Blut in meinem Mund sammelte. Ich hustete und das schüttelte meinen Körper mit noch mehr Schmerzen. Dort lag ich einige Minuten lang, nicht in der Lage mich zu bewegen. Meine Atmung war flach und meine Brust begann zu pochen. Wenn ich es nicht unter Kontrolle brachte, könnte ich zu viel Blut verlieren. Nein, verdammt! Ich konnte es mir nicht erlauben so weit zu kommen, nur um hier zu sterben! Das war einfach keine Option!

Wenn ich hierblieb, würde ich entweder bald von der Taskforce gefunden werden oder ich würde meinen Verletzungen erliegen. Ich war nicht sicher wie schlimm sie waren und ich konnte es auch nicht sagen. Weiterfahren konnte ich auch nicht, ohne einen Unfall zu bauen und alle meine näheren Mafiakollegen waren jetzt in die Luft gesprengt. Ich konnte nirgendwo hin, nirgendwo konnte ich mich sicher verstecken, mich erholen.

Außer natürlich… an einem Ort. Verdammt, aber ich hatte keine andere Wahl. Ich würde ihn schließlich doch richtig mit reinziehen müssen. Ich hatte mich so lange davon abgehalten ihn noch tiefer mit reinzuziehen. Bis jetzt hatte mein Mafiasyndikat, bei denen ich gelebt hatte, ihn nur als einen anonymen Hacker auf der anderen Seite der Telefonleitung gekannt. Er hatte so viele Aufträge für mich erledigt, inklusive der Neuprogrammierung der Rakete, dir wir benutzt hatten, um das Death Note zu transportieren, aber ich hatte ihn immer bedeckt gehalten. Während meiner Eingliederungsphase in der Mafia hatten wir uns kurz ein Apartment geteilt, aber wir hatten kaum über etwas anderes als meine Pläne gesprochen.

Seit ich ein geschätztes Mitglied, ein Berater meines Bosses war, blieb ich fast ausschließlich in unserer Basis. Alle paar Monate ging ich zurück zu dem Apartment, um Angelegenheiten zu kontrollieren, aber seit eineinhalb Jahren war ich nicht mehr dagewesen und zu Gesicht bekommen hatte ich ihn seit drei Monaten nicht mehr. Ich war so dicht dran zu sagen, dass ich seine Hilfe nicht länger benötigte. Es stünde ihm frei zu gehen.

Aber jetzt hatte sich alles geändert und ich hatte keine andere Wahl. Mein Plan war zerstört und ich würde alles nochmal überdenken müssen. Ich würde wieder von vorne anfangen müssen. Aber zuerst musste ich das hier überleben.

Ich grub mein Handy aus meiner Hosentasche aus, stöhnte schwach bei der Bewegung und drückte auf den Knopf, um seine Nummer zu wählen. Ich hielt das Handy an mein Ohr, hörte es einmal klingen, zweimal, dreimal… als er schließlich nach dem vierten Klingeln abhob, grüßte mich seine lethargische Stimme mit einem gelangweiltem: „Hey.“

„Matt“, keuchte ich.

„Was ist los?“, murmelte er träge, seine Stimme durch zusammengepresste Lippen gequetscht. Ohne Zweifel rauchte er wieder, wie er es immer zu tun schien. Wenn er keinen Auftrag für mich erledigte, spielte er Videospiele und rauchte. Natürlich qualmte er auch während der Aufträge wie ein Schlot. Selbst in der Institution hatte er sich heimlich in den Garten rausgeschlichen und hinter einem großen Baum geraucht. Gott weiß, wo er die herhatte.

Ich schweifte ab. Nicht gut. Hart biss ich mir auf die Lippe. „Matt. Ich brauche…“ Ich wollte es nicht sagen und so zögerte ich trotz der Situation. Zu überleben war jetzt gerade meine top Priorität, aber selbst dann… hang mein Stolz an mir. „Ich komme jetzt zu dir“, sagte ich schließlich.

„Ja? Warum?“ Seine Stimme hatte sich so verändert, mal abgesehen von seinem Ton. Sie war tiefer und ruhiger, aber sie war immer noch gespickt mit einem Funken Kaltschnäuzigkeit.

„Sei… einfach vorbereitet. Geh raus und kaufe… Mullbinden und Leukoplast…“

„Huh? Warum?“, fragte er, sein Tonfall stieg kaum an.

Ich bleckte die Zähne, als eine Welle von Schmerz durch mich rauschte. Ich versuchte sie zu unterdrücken, aber meiner Stimme konnte man es trotzdem anhören. „Nnn… Mach einfach das, was ich dir gesagt habe!“

„Mello?“, fragte er, „Bist du ok?“ Beinahe klang er besorgt.

„Nein“, knurrte ich, „Für was denkst du… sind die Mullbinden?“

„Fuck, man.“ Ich hörte über die Leitung etwas rascheln und klappern. „Ich bin auf dem Weg. Wann bist du hier?“

„Eine Stunde, vielleicht… Mach dich darauf gefasst, dass ich eine Weile bleibe…“

„Verstanden.“

Ich legte auf und wählte dann die Nummer von einem der Untergrundkontakte von Rodd Los, der auf Transporte spezialisiert war. Er blieb unter dem Radar, da er niemals aktiv in irgendwelchen Verbrechen mitmische. Er holte einfach Fracht an einem Ort ab und brachte sie zu einem anderen, es wurden keine Fragen gestellt und er war unmöglich aufzuspüren. Sein Name war, genau wie meiner, beinahe nicht existent. Ich sagte ihm, wo er mich finden könne und ließ dann das Handy fallen, da mein Arm schlaff wurde.

Ich starrte hoch in den Nachthimmel, das erste Mal seit langer Zeit. Sobald ich den Motor eines Autos hörte, realisierte ich, dass ich beinahe eingeschlafen war. Aufschreckend erwachte ich aus der Trance, aber die Bewegung schmerzte fürchterlich. Ich hörte das Öffnen einer Tür und den Klang von Stiefeln auf Beton. Ich versuchte den Nebel vor meiner Sicht wegzublinzeln, aber mein Kopf hämmerte wie wild. Das Gefühl abschüttelnd, setzte ich mich auf. Meine Sicht klärte sich genug, um den Transportexperten neben dem Fahrzeug warten zu sehen. Ich konnte nur seine Silhouette erkennen, die Augen waren hinter einer großen Sonnenbrille versteckt.

„Bist du M?“, fragte der Mann schroff.

„Ja“, antwortete ich, zwang mich mit fürchterlicher Anstrengung und stechender Qual auf meine Füße, „Bist du Tanis?“

„Das bin ich. Du klingst, als wärst du durch die Hölle gegangen.“

„Hab‘ ich dich nach deiner Meinung gefragt?!“, blaffte ich. Ich war arg mitgenommen und blutete, das Ausmaß meiner Verletzungen war mir unbekannt, aber trotzdem murmelte ich: „Ich kann laufen, ich kann laufen.“ Er schien mich nicht gehört zu haben und wenn doch, ließ er es mich nicht wissen. Humpelnd machte ich mich in seine Richtung auf. Er öffnete die Beifahrertür und ich ließ mich auf den Sitz sinken. Er schloss die Tür, kletterte auf den Fahrersitz und startete den Motor.

„Wohin solls gehen, M?“ Ich sagte ihm die Adresse zu dem Wohnblock, wo Matt wohnte. Er fuhr vom Parkplatz herunter und auf die Straße, trat auf das Gas und raste davon. Eine ganze Weile fuhren wir, länger als ich verfolgen konnte. Er stellte keine Fragen, schielte nicht einmal über meine Verletzungen. Gut. Genau, wie ich gehofft hatte. Rodd und unser Syndikat hatten die Dienste des Mannes mehr als einmal in Anspruch genommen und nicht einmal hatte er einen Fehler gemacht. Er hatte Nerven aus Stahl und die dazu passende Fassung, was gut für die Arbeit mit den Kriminellen war und auch für diese spezielle Situation, da ich nicht wusste, wie schlimm ich aussah.

Immer wieder driftete ich ab, wollte so gerne meine schweren Augenlider schließen und schlafen. Dabei erwischte ich mich einige Male und hob meine Hand, mit der ich kräftig gegen die Tür schlug. Er zuckte in seinem Sitz etwas zusammen und schaute zu mir rüber. „Was ist los, M?“

Ich hatte einen starken Ruf unter den Kriminellen von Amerika, mich also in diesem Zustand zu sehen, musste überraschend sein. Ich hoffte es war zu dunkel für ihn um zu sagen, in was für einer schlechten Verfassung ich mich befand. Ich hasste es so eine Schwäche irgendjemanden zu zeigen, aber ich hätte es nicht ertragen, wenn Matt persönlich aufgetaucht wäre. Wenn ich es alleine hinbekam, musste ich es tun.

„Ich muss… wach bleiben“, sagte ich angespannt, „Macht etwas Schlaues, Tanis… überrasch mich.“

„O- ok, M…“ Er schien kurz zu grübeln, bevor er das Radio anschaltete. Schlagzeug- und Gitarrenklänge plärrten aus den Lausprechern und er erhöhte die Laustärke, was in meinen Ohren stach und das Pochen in meinem Kopf noch verschlimmerte. Aber der Schmerz blieb konstant und ich war in der Lage mich wachzuhalten. Ich packte den Gurt fest in meiner Faust, während die grauenhaft laute Rockmusik weiter in meinen Ohren kreischte. „Wir sind fast da“, sagte er über die Musik zu mir.

Als er schließlich auf den Parkplatz hinter dem Wohnblock einbog, war ich alarmiert und aufmerksamer. Er stellte den Motor ab, stieg aus und kam um das Auto herum, um meine Tür zu öffnen. Er sagte nichts, während ich mich auf meine Füße quälte. Gegen das Auto gelehnt, zog ich ein Bündel Geldscheine aus meiner Hosentasche. Ich steckte es ihm entgegen und er nahm es an sich. „Das ist alles was ich dabeihabe. Nimm es und vergiss, dass du mich heute gesehen hast, Tanis…, wenn du weißt, was gut für dich ist. Vergiss nicht, wenn ich muss, werde ich dich finden.“

„Glaub mir, das weiß ich.“ Ich war froh, dass meine Drohungen, selbst in meinem jetzigen Zustand, noch genug Einfluss hatten. Trotz dem Fakt, dass ich ein Neunzehnjähriger war, der ältere, größere, durch Verbrechen gestählte Männer herumkommandierte, hatte es nicht ein einziger von ihnen als klug erachtet sich mir in den Weg zu stellen oder mir gar zu wiedersprechen. Hoffentlich würde mein Ruf nach der Sache noch intakt sein. Wenn nicht, wusste ich, wem ich die Schuld geben musste.

Tanis stieg zurück in das Auto und fuhr davon, während ich mich zu der Hintertür des Gebäudes aufmachte. Jedes Mal, wenn ich mit meinem rechten Fuß auftrat, war es, als würde ich auf Rasierklingen treten und der Schmerz schoss von dort hoch in mein Gesicht. Aber ich hatte es schon so weit geschafft und ich hatte nicht vor noch mehr Schläge auf meinen Stolz hinzunehmen. Schrittweise erklomm ich die Treppe, musste mich zu sehr darauf konzentrieren, einen Fuß vor den anderen zu setzten. Der Schmerz war siedend, so heiß, dass er sich beinahe eiskalt anfühlte.

Durch den Eisengeschmack wurde mir übel, sodass ich durch meine zusammengebissenen Zähne heftig ausatmete. Die drückende Qual verteilte sich durch meinen ganzen linken Arm und dieser Seite des Gesichts, sprenkelte mein Gesichtsfeld kontinuierlich mit Farbpunkten. Jeder Schritt fühlte sich wie hundert Meilen an und unser Apartment war gerade mal im dritten Stock.

Hatte ich jemals so intensiven Schmerz gespürt? Vielleicht hatte ich das, vor dem Waisenhaus, vor den reichlichen Versuchen der Betreuer mich zu beschützen… aber ich war mir nicht sicher. Ich sah diese schwindenden Bilder, vermutlich Erinnerungen, von einem blonden Mann, den ich gleichermaßen hasste und fürchtete und nie wirklich kannte – außer dessen Fäuste; die kannte ich gut. Wer war er?  Mein Onkel oder mein älterer Bruder oder mein Vater? Das einzige, von dem ich sicher war, war der Gestank von Alkohol in seinem Atem, seine schreiende Stimme… die meisten dieser Erinnerungen waren jetzt eine verschwommene Masse.

Nein, das war definitive der schrecklichste Schmerz, an den ich mich erinnern konnte, also war es der Schlimmste, den ich kannte. Mir war schwindelig und schlecht. Selbst ich war überrascht, dass ich es ohne Probleme hierher zurückgeschafft hatte. Ich war im zweiten Stock des Mafiaverstecks durch eine Wand geschleudert worden, bin über das Geröll gekrochen und durch die Trümmer gestampft. Irgendwie hatte ich mich auf meinem Motorrad durch Steinhaufen und Metall manövriert, mit dem Wind und dem Staub, die in meiner freien Haut gestochen hatten. Ich war so schnell gefahren, wie ich konnte, weg und weiter weg.

Es kam mir so ewig lang vor, am Rande meiner Erinnerung, wo meine Familie residierte. Wie hatte ich den ganzen Weg zu dem Apartment im Osten von Los Angeles zurückgeschafft… ? Ich konnte es nicht mehr ganz aufrufen, auch, wenn ich jetzt hier stand. Scheiße, meine Gedanken verschwanden schon wieder.

Ich schaffte es zu der Tür des Apartments, holte den Schlüssel raus. Fest biss ich mir auf die Lippe, um das Stöhnen in Schach zu halten, was mein Körper ausstoßen wollte. Er bettelte mich an mich einfach auf die Knie fallen zu lassen und zu erschlaffen, nach Matts Hilfe zu rufen, aber ich weigerte mich und stieß die Tür zu dem Sauladen auf, stieß den Atem aus, als ich ihn endlich dort auf dem schäbigen Sofa sah…
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