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We Ain't Ashes

von Helia
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Andrea Beth Greene Carol Peletier Daryl Dixon Michonne Rick Grimes
30.12.2018
03.04.2021
19
59.973
20
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
30.12.2018 2.968
 



Hi!

Dieses Mal betrete ich wieder neue Gefilde. Nach den kürzlichen Ereignissen und den letzten Folgen entflammte doch glatt wieder mein kleines Caryl-Shipper-Herz und ich lasse mich auf keine Kompromisse ein. ;)
Ich erzähle die Geschichte die ihr kennt, nur etwas neu und anders, also irgendwie. Einige Ereignisse kennt ihr, andere dichte ich eigenmächtig hinzu, verändere und biege sie, wie es mir gefällt.
Das Ganze findet zu Anfang nur aus ihren Sichten statt, doch nach und nach beehren uns auch die anderen Charaktere mit einem POV.

Warnungen : Öhm, sicherlich der ein oder andere Charakter – Death, Gewalt, Verdrehter Canon und slow burn.

Es ist das erste Mal, dass ich mich hier vorwage, also sagt mir ruhig, ob überhaupt Interesse an der Geschichte besteht. ;)








Kapitel 1 - Vor der Flucht




„Wirst du heute wieder länger arbeiten?“, fragte Carol vorsichtig nach und reichte Ed seine Tasche, ohne den direkten Blickkontakt zu suchen. Eine Angewohnheit, die ihr oft Skepsis auf der Straße einbrachte, aber dafür immer weniger Wut von Ed, wenn sie ausversehen den Blick eines anderen Mannes fand.
Ed brummte nur etwas Undeutliches und Carols Schultern sackten herunter, als sie feststellte, dass sie nicht mehr Antworten bekam. Ed sprach überhaupt nur, wenn es ihm beliebte, wobei ihr etwas Entsprechendes die Rückseite seiner Hand einbrachte.
„Auf Wiedersehen, Ed“, sagte sie noch und öffnete ihm die Tür. Angst durchzuckte sie, als er sich rasch zu ihr umwandte, so heftig, dass der Windzug ein paar Flyer auf dem Beitisch an der Tür herunterwehen ließ.

Sofort machte Carol sich daran, sie aufzuheben und so Eds durchdringenden Augen zu entgehen, die sich zusammenkniffen und in eindeutigem Missfallen auf sie legten.
„Kannst es gar nicht erwarten, mich loszuwerden, was?“, knurrte er und Carol schluckte, nestelte unruhig an ihren Fingern und schüttelte mit dem Kopf.
„Nein! Das ist es nicht Ed“, widersprach sie, doch der pulsierende Schmerz an ihrer Wange zeigte ihr zu genau, dass ihre Beteuerungen abermals auf taube Ohren stießen. „Ich komm heute früher Heim.“ Seine Lippen kräuselten sich verächtlich und er musterte die sich rötende Stelle auf ihrer blassen Haut voller Abscheu.
„Sieh zu, dass du das abdeckst, ehe du deinen faulen Arsch nach draußen schiebst.“

Carol nickte und sah pflichtbewusst zu, wie er in sein Auto stieg und aus der Einfahrt hinausbog. Als sie die Tür schloss, klang der Schmerz bereits zu einem flackernden Brennen ab.
„Das war das letzte Mal, Ed“, sagt sie laut und zuckte vor ihrer eigenen Stimme zurück, die ihre verräterischen Gedanken kundtaten. Gedanken, die ihr den Gürtel einbrachten, wenn Ed Wind davon bekam.
Doch Ed würde nichts merken, bevor es zu spät war. Sie hatte sich einen derben Vorsprung verscherzt, weil sie sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte und Ed nun zusah, dass er früher zu Hause war, um sie für ihre in seinen Augen anmaßenden Handlungen zu bestrafen, aber dennoch. Sie würde es nicht mehr an jenem Tag riskieren, aber am nächsten.

Ich werde meinen Mann verlassen. Spätestens morgen.

Carol erschauerte und hoffte, dass es ihr dieses Mal glücken wurde. Ed hatte sie nie gut behandelt, doch von Tag zu Tag wurde es grässlicher und Sophia wurde zu alt, um das nicht zu bemerken und wirklichen Schaden davonzutragen.
Vor sich selbst könnte Carol leugnen, dass etwas nicht in Ordnung war. In ihrem eigenen Kopf könnte sie Eds Taten rechtfertigen und hinnehmen, doch nie wieder wollte sie nachts ihre Tochter weinen hören, nur weil sie zwangsläufig mitbekam, was Daddy ihrer Mommy antat.

Sie fröstelte und zog sich ihre biedere Jacke über, die so ziemlich alles von ihrem Körper verschluckte. Nicht, dass es dazu viel benötigte, nach den langen Jahren mit Ed, der seine Frau so schlank wie möglich halten wollte. Ohne Kurven, die andere Männer auf den Plan riefen und doch nie genug waren, um Ed zufrieden zu stellen.
„Das hört auf“, schwor Carol, dieses Mal leiser, obwohl ihre Finger zitterten und ihr Magen rebellierte, bei dem Gedanken, was Ed erst mit ihr tun würde, wenn sie ihn so hinterging.

Aber was tut er mit dir, wenn du bleibst?

Die Aussichten reichten, damit sie sich in Bewegung setzte. Es würde nicht einfach werden, denn wohin sollte sie gehen? Es gab keine Familie mehr, nachdem sie ihnen allen vor den Kopf gestoßen hatten. Ed hatte stets behauptet, sie bräuchte niemanden. Keine Freunde, denn Ed mochte ihre Freundinnen nicht. Kein Geld, denn Ed hatte ihr untersagt zu arbeiten, denn er als Mann brachte genug Geld. Kein Auto, denn das bedeutete zu viel Freiheiten.

Carol verließ das Haus und sah nicht mehr zurück. Wenn es nach ihr ging, konnte es abbrennen, oder Ed könnte die Frauen, deren Parfüm sie so manche Nacht an ihm bewundern dürfte, einfach heimbringen. Es war schon ironisch, dass er ihr verbot Parfüm aufzutragen, weil er es als billig und aufdringlich empfand, seine Mätressen jedoch so riechen mussten, als badeten sie in dem Fusel.

Sie würde nichts mitnehmen, außer ein paar von Sophias Habseligkeiten, etwas, was ihr Vertrautheit bot und sie tröstete, wenn sie irgendwo unterkamen, weit weg von ihrem Daddy.
Und den Rest würde sie beim Einkaufen besorgen. Proviant für einen unbekannten Weg. Es war genügend Geld, damit sie sich im Anschluss ein Taxi leisten könnte.
Carol hatte gespart, nach jedem von Ed bewilligten Einkauf hatte sie etwas zurückgelegt, gerade so viel, dass es Ed nicht auffiel. Carol kaufte bewusst Dinge im Angebot, damit Ed gar nicht merkte, dass sie nicht das volle Wechselgeld zurückgab. Es hatte ihr immer eine fiebrige Hoffnung verliehen, triumphalen Trotz, weil sie aufbegehrte, ohne dass ihr Mann es mitbekam.

Du bist ein lächerliches Weib.

Carol zuckte zusammen, als ihre Gedankenstimme sich gehörig nach Ed anhörte, und krallte ihre Hände fester um die kühle Stange des Einkaufswagen, in dem sie ein paar haltbare Dinge hineinlegte, die sie und Sophia essen könnten, auch über Dauer, nur so viel, dass es sie nicht behinderte und verlangsamte. Sie würde sie bis zum nächsten Tag verstecken. In ihrem Schrank, tief vergraben hinter den alten Wintermänteln, dort wo auch irgendwo der Vibrator versteckt war, den Ed nie sehen durfte. Ihr kleines bisschen Triumph.

Es war noch früh am Morgen und so waren die Schlangen an den Kassen überschaubar, aber die Kassiererin lustlos und träge. Carol fühlte einen Hauch von Panik und Verärgerung durch sich hindurchschweben. Wusste das dumme Ding denn nicht, dass sie es eilig hatte?
Die Frau war recht jung und hübsch. Sicher kannte sie Carols Probleme nicht, wo doch ein Jungspund gerade versuchte sie aus ihrer Trance zu beschwören, indem er sie bezirzte.

„Hast du das mit Jeffersons Frau gehört?“, murmelte einer der beiden Männer vor ihr, die sich wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit einen Snack besorgen wollten.
„Hmhm, schlimme Sache. Mit dem rechnen wir wohl nicht mehr diese Woche“, antwortete der Größere der beiden und Carols Aufmerksamkeit richtete sich von der Kassiererin auf die Männer. Was konnte Jeffersons Frau wohl Grässliches haben, was eine ganze Woche frei rechtfertigte?
„In der Blüte ihres Lebens und dann niedergestreckt von etwas, was am Anfang wie eine Grippe aussah, ich mein, komisch, oder?“, schwatzte der Erste wieder und strich sich durch das Haar.
„Der Chef liegt auch flach, wenn wir Glück haben…“

Carol schüttelte den Kopf über die Geschmacklosigkeit des Mannes und war froh, als die Schlange sich endlich weiterbewegte.
Allerdings legte sich ein mulmiges Gefühl über ihre Eingeweide. Dass sie ihren Plan zur Flucht überhaupt durchziehen konnte, verdankte sie dem Umstand, dass Sophia in dieser Woche nur einen halben Tag in der Schule verbrachte.
Akuter Lehrermangel durch Krankheit.

„Ma’am?“, erinnerte sie die Kassiererin und tippte ihre künstlichen Fingernägel auf das Einkaufsband. Carols erster Impuls war es, das junge Mädchen dafür zu tadeln sie Ma’am zu nennen. So alt war sie nicht, auch wenn die letzten Jahre nicht unbedingt gut zu ihr waren. Doch dann zückte sie einfach ihre Geldbörse und lächelte mild. „Richtig.“

Carol hatte einiges an Zeit verloren und stopfte ihre Einkäufe weniger säuberlich in die Plastiktüten, als sie es sonst getan hätte und hechtete aus dem Laden. Bevor Sophia und Ed Heim kamen, wollte sie die Einkäufe verstaut und einige Reiserouten herausgesucht haben, die sie am Folgetag nutzten.
In blinder Sorge etwas vergessen zu haben, verließ sie das Geschäft und stoppte abrupt, als laute Stimmen durch die Gasse polterten.

„Du spinnst wohl! Ich bring dich um!“

Reflexartig zuckte Carol zurück und spürte ihr Herz in ihrer viel zu eng gewordenen Brust rasen.
Doch es war nicht Ed, der sie ertappte und zur Rechenschaft zog, weil er von ihrer unloyalen Flucht hörte.
Es waren drei Männer. Männer, denen man schon von der Nasenspitze ansah, dass sie nichts Gutes im Schilde führten.
Zwei von ihnen ließen bereits ihre Fäuste sprechen, während ein Dritter versuchte zwischen sie zu kommen. Den Hauch eines Augenblickes war Carol neidisch, denn es gab niemanden, der versuchte, sich zwischen sie und Ed zu stellen.

„Ich weiß nicht, was du willst, die Lieferung war gut genug, du Pussy“, schnarrte der deutlich Größere der Beiden, dessen blondes Haar in der Sonne glänzte.
„Das Zeug ist unbrauchbar, du Hurensohn!“, zischte der andere zurück und setzte zu einem Schlag an, der den Größeren taumeln ließ.
Carol erstarrte, und obwohl alles in ihr schrie, sich verdammt noch mal zu beeilen, konnte sie sich nicht lösen.
„Hast du meine Mam gerade eine Hure genannt?“, knurrte der, der bis eben noch versucht hatte zu schlichten und nun selber mit zum Zerreißen angespannten Muskeln vor dem anderen stand.
„Scheiße, ja! Hast du unsere Mutter gerade beleidigt?“, warf der Blonde ein.

Sie musste an den Dreien vorbei und die Gasse war nicht besonders breit. Carol nagte an ihrer Unterlippe. Sie musste sich sputen, wenn sie es rechtzeitig schaffen wollte. Tiefatmend zog sie die Tüten etwas dichter an ihren Körper, während die drei sich weiter wüste Beleidigungen zuriefen, die in der Öffentlichkeit als verboten gelten sollten.
Wenn sie sich abseits hielt, würden die drei in ihrer Wut vielleicht nicht mal mitbekommen, dass sie an ihnen vorbeihuschte.

Carol wagte ihr Glück, und während die Stimmen der drei Männer immer lauter wurden, drückte sie ihren Körper an der maroden Häuserwand entlang. Kurz fing sie den Blick von dem auf, der seine Schlichterhaltung aufgegeben hatte, um genauso rasend wütend zu sein, wie der große Blonde. Die blauen Augen des Mannes kniffen sich etwas enger zusammen und seine Lippen waren so fest aufeinandergepresst, dass sie fast weiß wirkten.
Es lag so viel Wut in seinen Zügen, dass Carol einen Hauch zu lange dort verharrte. So lange, dass der große Blonde ausholte, um dem Kleineren einen Schlag zu versetzen, der ihn aus dem Gleichgewicht brachte.
„Nein, pass auf!“, warf der ein, dessen Blick sie noch so gerade fest im Griff hatte, doch es war zu spät. Der Mann knallte gegen sie und drückte ihre Gestalt enger an die kalte Wand.

Ein Keuchen rollte über ihre Lippen und eine der Tüten rutschte aus ihren schwitzigen Händen.
„Scheiße, man“, stöhnte der Mann, der das Unheil abwenden wollte, und wischte sich über das genervte Gesicht, während die anderen Beiden nicht mal gemerkt zu haben schienen, dass sie Carol in Mitleidenschaft gezogen hatten und weiter unflätige Bemerkungen von sich gaben.
Carol blickte wie paralysiert auf ihre am Boden verteilten Einkäufe. Lebensmittel, die sie für Sophia und die Flucht aufgetrieben hatte.

„Is‘ was passiert?“, fragte der Mann, dessen tiefe, blauen Augen, sich abermals in ihre bohrten. Seine vernarben Hände griffen bereits nach den Einkäufen am Boden und Carol wusste nicht, ob er ihr helfen, oder sie ausrauben wollte. So oder so drückte sie die letzte Tüte an ihre Brust und schreckte zurück, denn der Mann wirkte grob, laut und überaus männlich.
Ed gefiel es nicht, wenn Männer sie ansahen, ihr halfen oder sie anfassten. Es erwartete sie selten etwas Gutes, wenn sie dabei erwischt wurde. Und auch, wenn dieses Exemplar Mann rüpelig und alles andere als hilfreich wirkte, wie er alles zurück in die Tüte stopfte, dabei teilweise die Verpackungen beschädigte und einen lauten Fluch ausstieß, stieg Angst in ihr auf, was Ed mit ihr tat, wenn er es rauskriegte.
„Verfluchte Scheiße“, murrte er, als die Packung Nudeln wieder hinausfiel, zurück auf den schmutzigen Asphalt.

Carols Beine reagierten dieses Mal schneller als ihr Hirn, als sie ihre Einkäufe zurückließ und rannte, so schnell sie konnte.
„Hey? Was is‘ mit deinem Scheiß hier?“, rief ihr der Mann angesäuert hinterher, doch Carol bog so hastig um die Ecke, wie sie konnte.


###



„Geil, hast du gesehen, wie der geblutet hat? Ich dachte, dem fällt die Nase ab, verdammte Pussy“, gluckste Merle und öffnete die Tür zu seinem Trailer, abseits der Stadt.
Daryl summte träge seine Zustimmung und betrachtete missmutig die verdammte Tüte in seinen Händen. Es war ohnehin verdammt knapp gewesen und es war ein reines Wunder, dass die verstörte Lady nicht die Cops gerufen hat.
„Warum guckst du wie ‘ne verdammte Schwuchtel? Is‘ da nix Gutes drin?“ Merle deutete auf die Tüte, die er einfach achtlos auf die verklebte Anrichte stellte.

„Was hast du ihm verkauft?“, fragte Daryl ausweichend. Obwohl er die Frau nicht wirklich beklaut hatte, fühlte es sich verdammt so an, nachdem er noch immer die verdammte Tüte besaß.
Merle grinste und ließ sich auf seine marode Couch fallen. Das einzige Möbelstück, was nicht mit Müll, schmutziger Wäsche oder Drogen beladen war. „Meth“, sagte er augenrollend. „Nicht das Beste, aber für den Hurensohn reicht es.“

„Mhmmhm.“ Daryl gab sich nicht die Mühe sich umzusehen, um seinem Bruder dabei zu erwischen, wie er in dieser Bruchbude von Trailer hauste und Drogen vertickte.
„Du solltest aufhören damit“, sagte Daryl und hob angewidert eine Tüte mit weißem Pulver hoch, von dem Daryl sich nicht sicher war, ob Merle es vertickte oder konsumierte.
Merle gluckste und fischte eine Zigarette aus seiner Brusttasche. „Bist du nur hergekommen, um mich zu kritisieren wie eine kleine Hure?“
Daryl zuckte mit den Schultern. Er wäre nicht mal hergekommen, doch er hatte einen Anruf von Tray bekommen, ein Dealer, der öfter Stress mit Merle hatte und es klang alles andere als gut.
„Tray hat gesagt, du solltest ‘ne Weile den Kopf unten halten. Schlechte Zeiten.“ So oder so ähnlich. Die Leute wurden paranoid, Merle ganz vorne mit dabei.

„Wer’s Tray?“, fragte Merle und blies den Rauch heraus.
„Der Typ, dem du gerade die Nase gebrochen hast? Er sagt, das Zeug ist nicht ungefährlich, oder so. Der letzte der’s genommen hat, hat Wahnvorstellungen von Leuten, die andere Leute essen, oder sowas. Hat sich nach dem Trip das Gehirn weggeschossen.“

Merle lachte laut und verschluckte sich gleichzeitig am Rauch. Die Aussicht, dass der Tod eines armen Schluckers überhaupt nicht regte, verwunderte Daryl überhaupt nicht mehr.
Er wischte sich über das Gesicht und seine Augen fielen erneut auf die Tüte, die in etwa so fehl am Platz wirkte, wie er selbst.
„Willst du das Zeug haben?“, fragte Merle, der seinem Blick gefolgt war.
Daryl dachte an die verzweifelte Frau, deren Angst so greifbar war. „Nah, behalt’s.“
Und während er Merle betrachtete, sickerte ein widerliches Gefühl in seinen Magen. Erstrecht, wenn er an die letzten Worte dachte, die er mit Tray gewechselt hatte.


„Wenn ich du wäre, würde ich mich von Merle fernhalten“, sagte Tray und hielt sich das Tuch vor die blutende Nase, während Merle seine Knöchel mit mildem Interesse betrachtete. „Lass ihn zurück und geh Heim, weit weg von hier.“
Daryl, noch immer die Hände um die Tüte geschlungen, zuckte mit den Schultern.
„Geht nich‘.“

Und während er das aussprach, flackerten Erinnerungsfetzen durch ihn hindurch, die seine Muskeln krampfen ließen.
Sein Daddy, der ausholte, Merle, der dazwischenfuhr.

„Hab ihm viel zu verdanken. Is‘ mein Bruder.“



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„Du hast sie vergessen, hu? Du egoistische Schlampe, hast sie einfach vergessen und nun wagst du es, mir Ausreden auftischen zu wollen?“ Ed starrte grimmig auf sie nieder. Er war nicht unbedingt ein Riese, aber überragte sie doch und es glomm dieser Zug getränkt von Raserei durch sein Gesicht.
„So war es nicht. Da waren diese Männer und sie blockierten den Ausgang. Einer von ihnen stieß gegen mich-“, versuchte sie es verzweifelt, doch Ed unterbrach ihren Redeschwall mit der Rückseite seiner Hand.

Carol hatte gelernt nicht mehr aufzujaulen wie ein geprügelter Hund, sondern seine Wut hinzunehmen. Ihr Kopf sackte nach unten und ihre Schultern zogen sich schützend hoch.
„Ich habe dich um eine verfickte Sache gebeten, Carol! Eine Sache und du lässt sie dir von ein paar Kerlen wegnehmen?“, brauste er auf und seine Hand traf sie gegen die Schläfe, die bedrohlich zu wummern begann. Der Schmerz glitt durch ihren Kopf, direkt irgendwo hinter ihre Stirn und hinterließ ein abscheuliches Brummen.
„Ich habe Angst bekommen, Ed. Die Sachen sind heruntergefallen. Einer von ihnen begann sie aufzusammeln und ich hab Panik bekommen“, murmelte sie sich und biss sich kurz darauf auf die Zunge. Ed hatte sich seine Meinung gebildet und daran gab es nichts zu rütteln.

„Hat dich einer von denen angefasst?“, fragte Ed kühl und Carol dachte an den Mann mit den blauen Augen und den angespannten Muskeln. Er hatte sie nicht angefasst, war alles aber nicht zärtlich zu ihr und hat ihr doch versucht zu helfen. Mehr als Ed es je getan hätte.
Eds Blick fiel nachdenklich auf ihr Gesicht und Carol wandte die Augen zu Boden. Sie schüttelte schnell mit dem Kopf, damit er nicht auf falsche Gedanken kam.
„Das hätte dir gefallen, hm? Du Hure.“ Ed schnaubte und seine Fingernägel bohrten sich in ihre Oberarme. Sicher würde es erneut Male zurücklassen, die sie mit einer Jacke vertuschen musste. Carol biss die Zähne zusammen und blinzelte die aufkommenden Tränen weg, die langsam in ihr aufwallten.

„Aber dich wird niemand anfassen. Welcher Mann auf Erden sollte dich wollen? Es gibt hübschere Frauen als dich, Carol. Hübsche Frauen, die nicht zu dumm sind, die Einkäufe zu vergessen!“



Das ist es. Das erste Kapitel. Ich bin übrigens sehr nervös gewesen, es hochzuladen. Es gibt bereits weitere Kapitel und sollte wirklich Interesse bestehen, dann kann es bald weitergehen. Also, was denkt ihr?
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