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Steinige Wege

von Tilara
GeschichteMystery, Familie / P16 / Gen
Loki OC (Own Character) Sif Thor
30.12.2018
28.02.2021
109
300.212
43
Alle Kapitel
357 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
30.12.2018 3.933
 
Hallo Zusammen

Wie gewünscht geht es hier nahtlos über in die Fortsetzung von

Vaterfreuden-Vaterleiden

Ich weise darauf hin, dass meine Geschichte (oder Teile davon) nicht ohne meine Erlaubnis übernommen oder veröffentlicht werden darf. Sämtliche Nicht-Marvel-Charaktere in dieser Geschichte gehören mir. Vielen Dank.

Nun wünsche ich euch viel Vergnügen bei den neuen Abteuer der Chaostruppe :-)

Liebe Grüsse
Tilara

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Leise und mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht huschte Litara durch die Geheimgänge zu ihrem Bereich zurück. Zusammen mit Arwed auf dem Dach den herrlichen Sonnenaufgang über der erwachenden Stadt zu erleben, liess ihren Tag in guter und entspannter Stimmung beginnen. Dennoch musste sie zurück, solange noch Ruhe im Palast herrschte. Auch wenn einige besonders trinkfeste Gäste noch bis in den Morgengrauen weitergefeiert hatten, schliefen bestimmt viele noch ihren Rausch aus. Sachte öffnete sie die Tür zu ihrem Schlafgemach, schlängelte sich hindurch und verschloss sorgfältig das Gemälde. Dann schwang sie herum und erstarrte vor Schreck.

„Sieh einer an, du hast auch schon hergefunden.“ Loki sass mit überschlagenen Beinen und einem offenen Buch in der der Hand auf dem Sessel bei ihrem Frisiertisch.
„Wie kannst du mich nur so erschrecken!“ Sie hielt sich die Hand vor ihre Brust.
„Wo sonst, wenn nicht hier, hat man denn die Gelegenheit, dich endlich einmal aufzufinden?“ Er liess seinen Blick über ihre grosse Schlafstelle gleiten. „In Anbetracht des unberührten Bettes, gehe ich davon aus, dass du an einem anderen Ort die Nacht verbracht hast.“
„Arwed und ich waren auf dem Dach und sind eingeschlafen“, gab sie sofort Auskunft.
„Eingeschlafen ...“, nickte er. „Aha.“
Sie mochte diese Reaktion nicht und es gefiel ihr auch nicht, dass er sie hier abgepasst hatte. „Warum bist du eigentlich schon hier?“ Wie so oft, konnte sie ihre spitze Zunge mal wieder nicht im Zaum halten, so rutschte ihr heraus: „Mutter wollte wohl noch ein wenig Ruhe?“
Er sah sie lange an und sie überlegte schon, ob sie sich besser dafür entschuldigen sollte, aber dazu liess er sie nicht mehr kommen. „Deine Respektlosigkeiten scheinen zuzunehmen.“
Sie hatte den gefährlichen Unterton bemerkt und presste ihre Lippen aufeinander. Es war nicht klug, ihn hier noch zusätzlich zu provozieren, denn sie wusste ja eigentlich, weshalb er sie aufsuchte.
„Deine Mutter wurde in die Heilschmiede gerufen, um Mel in ihrem Wutanfall zu besänftigen“, berichtete er. „Anscheinend ist die Feier nicht nur im Speisesaal ausgeufert.“
„Damit habe ich nichts zu tun!“, entgegnete sie schnell. Immerhin hatte sie mit Arwed die Heilschmiede verlassen, als die anderen gerade erst mit den hochprozentigen Getränken begonnen hatten.
„Dann warst du nicht bei Leifur?“ Er fixierte ihre Augen.
Sie liess sich nicht von ihm beirren und hielt den Blickkontakt aufrecht. „Ich bin auf jeden Fall nicht betrunken.“
„Das war nicht die Antwort auf meine Frage“, stellte er fest. „Aber ich muss gestehen, dass mich deine Enthaltsamkeit mit einem gewissen Stolz erfüllt. Anscheinend sind da doch ein paar Dinge, welche wir in deiner Erziehung wohl richtig vollbracht haben.“
Sie bemühte sich, eine weitere, nicht angebrachte Bemerkung zu unterdrücken. Dann erkundigte sie sich unsicher: „Wie geht es Irmina und Leifur?“
„Deine Schwester hat Leifur in einem anderen Raum untergebracht. Die beiden sind nüchtern, was man von Hadwin leider nicht behaupten kann. Tja ...“, liess er einen langgezogenen Seufzer von sich, „der Apfel fällt wohl nicht allzu weit vom Stamm.“
„Arwed ist auch Thors Sohn und er hat nichts von diesem Teufelszeug getrunken!“
„Teufelszeug“, nickte er andächtig. „Du bist ja gut informiert.“
Nun hatte er sie doch tatsächlich erwischt, denn wie konnte sie davon wissen, wenn sie nicht dort gewesen war, was sie allerdings zuvor zu ihrem Glück auch nicht behauptet hatte. „Wir haben Leifur besucht, weil er nicht an der Feier teilnehmen konnte. Als Hadwin mit den anderen hinzukam, sind Arwed und ich gegangen“, gestand sie nun.
„Immerhin bist du endlich mal wieder ehrlich.“ Er klappte das Buch zu und legte es langsam auf den Frisiertisch.
Litara verfolgte die Bewegung und betrachtete fassungslos all die Dinge, welche auf dem Tisch aufgereiht waren. Wut stieg in ihr hoch. „Du hast in meinen Sachen herumgewühlt?“
„Nein, nicht doch“, spielte er den Unschuldigen. „Ich wühle doch nicht in deinen Sachen herum, dann müsste ich sie ja anfassen.“ Mit einem kleinen Wink seiner rechten Hand liess er die Lade herausschieben, alle Dinge wieder hineinschweben und schön säuberlich einreihen. Danach liess er die Lade wieder schliessen.

Nun dämmerte es ihr, was er ihr damit aufzeigen wollte, und ihr Herz fing heftiger an zu schlagen.  Also wusste er bereits, dass sie die Karte mit dem Hologramm von Yggdrasil in seinen Sachen gesucht hatte.
„Dein Bruder und ich hatten gestern ein sehr interessantes Gespräch.“ Er musterte sie dabei genau.
Sie senkte ihren Kopf und stiess verärgert aus: „Dieser kleine Mistkäfer ...“
„... ist immerhin dein Bruder, also mässige dich.“
„Das war ja sehr einfach für dich, den Weg über ihn zu wählen!“
„Du warst ja nicht auffindbar. Ich hatte mich schon gewundert, wie sehr du mich gemieden hast. Selbst einem Blinden konnte dies nicht entgehen.“
„Ich bin davon ausgegangen, dass du genügend damit beschäftigt warst, Thors Feier zu retten. Was ja, wie wir gesehen haben, nicht in jedem Belange funktioniert hat“, versuchte sie das Thema zu wechseln. „Ich gehe ja kaum davon aus, dass die tanzenden Nymphen in deinem Sinne waren. Der unbekleidete Schlussakt war ... speziell.“
„Netter Versuch“, ging Loki nicht auf die Details ein. „Aber kehren wir doch zum eigentlichen Kern der Sache zurück.“
Litara atmete tief durch. „Schon gut. Ja, ich bin dir aus dem Weg gegangen. Ich wollte nicht, dass du meinetwegen wütend bist.“
„Wieso sollte ich denn wütend sein?“, fragte er und erhob sich. „Etwa weil du auf unerlaubte Weise in die Waffenkammer eingedrungen bist und einen Fluch ausgelöst hast?“ Er verschränkte seine Hände hinter dem Rücken.
Das hatte sie schon vergessen. „Ich habe mich aber nicht als dich ausgegeben, um mir den Zutritt zu verschaffen“, verteidigte sie sich.
„Nein, viel schlimmer! Du hast dich als König von Asgard ausgegeben!“, herrschte er sie nun an.
Sie bemerkte, dass er gar nicht so ruhig war, wie er sich zuvor gegeben hatte. Sie hielt es daher für besser, nichts mehr dazu zu sagen.
Loki lief langsam vor ihr hin und her. Mit ruhigerer Stimme fuhr er fort: „Was war da noch, weshalb ich wütend sein könnte ... etwa, weil du dich über meine Anweisung hinweggesetzt hast, Asgard nicht zu verlassen?“
„Ich wollte Arwed retten.“
„Stimmt, denn wir alle anderen waren ja nicht fähig genug dazu. Und es ist ja nicht so, dass du dich in Svartalfheim in Gefahr gebracht hättest!“
Darauf konnte sie nun wirklich nicht antworten, denn in diesem Punkt musste sie ihrem Vater Recht geben. Sie würde sich jedoch lieber die Zunge abbeissen, als das ihm gegenüber einzugestehen.
„Und deine Respektlosigkeit in den Gängen Svartalfheims? Dein freches Mundwerk war dir nicht genug, du hast eine Illusion deiner Mutter dort unten erscheinen lassen, nur um mich in die Irre zu führen!“
„Du hast mich doch auch mit der Illusion von Arwed getäuscht! Ich hätte dich beinahe geküsst!“
„Ich musste es tun, um an diese elenden Zwerge heranzukommen, wohingegen bei dir es aus reiner Boshaftigkeit geschehen war!“
Sie schnaubte nur verärgert.
„Dann war da noch diese unverschämte Lüge, dass ihr Narwi gefolgt seid und er rein zufälligerweise das Portal entdeckt hat. Ganz einfach so. Auf dem Hinterhof dieser Spelunke, wo sich sonst nie jemand hin verirren würde!“
Nun wich sie seinem Blick aus und erklärte kleinlaut: „Die Lüge ist mir herausgerutscht, weil du so wütend warst und ich nicht vor allen anderen von dir ...“ Sie verstummte.
Er blieb stehen und sah auf sie herab. „Ich verstehe. Dann war es also meine Schuld, dass du gelogen hast!“
„Nein“, antwortete sie schnell und beteuerte: „Das wollte ich so nicht sagen!“
„Nicht? Wie denn sonst? Es kann ja unmöglich deine Schuld sein, denn du hast ja für alles eine Ausrede!“
Das Gespräch lief nicht gut, das stellte sie fest, aber sie wusste nicht was sie dazu sagen sollte.
„Und wie lautet deine Ausrede für dein Handeln in meinem Arbeitszimmer?“ Er kam näher zu ihr und blieb vor ihr stehen.
„Nun ja, wir mussten irgendwie einen Weg nach Svartalfheim finden.“ Sie klang nun gar nicht mehr so selbstsicher, denn seine Nähe empfand sie in diesem Augenblick eher bedrohlich.
„Indem du dich an meinen Arbeitstisch zu schaffen machst?“ fuhr er sie an. „Du weisst genau, dass es euch verboten ist, ohne mein Beisein in meinem Arbeitszimmer etwas anzufassen! Aber wie ich sehe, schreckst du nicht einmal davor zurück, in meinen persönlichen Sachen herumzuwühlen! Abgesehen davon, dass eine solche Aktion sehr gefährlich enden kann, da ihr nie wisst, was ihr vorfindet und welchen Zauber ihr damit auslösen könnt. Das ist für mich ein Vertrauensbruch ohne Gleichen! Noch dazu wusstest du ganz genau, dass Narwi nichts über seine Bestimmung zum Herrscher der Portale wissen darf!“
„Ich habe ihm nichts gesagt! Bitte, das musst du mir glauben“, flehte sie nun. „Ich habe ihm nur die Karte gezeigt und sonst gar nichts! Er kennt den wahren Grund nicht, weshalb er das Hologramm aktivieren kann! Es ist doch nichts Schlimmes passiert!“
Loki sah sie nur an, drehte sich dann um und lief davon.
„Warte!“, rief sie und eilte ihm durch den Wohnraum hinterher. „Du kannst mich doch jetzt nicht einfach hier so stehen lassen!“
Er schwang zornig herum, so dass sie fast in ihn hineinrannte. „Doch, das kann ich! Und glaube mir, das ist im Moment besser für uns beide! Sonst könnte es geschehen, dass du für die nächste Zeit mit Sitzbeschwerden zu kämpfen hast!“ Damit liess er sie stehen und lief zur Tür.
„Und meine Bestrafung?“
„Such dir etwas aus“, gab er nur abfällig zur Antwort und riss die Tür auf.
„Bin ich nun hier eingesperrt?“, fragte sie völlig verunsichert.
Er lachte nur böse auf. „Wozu? Du hältst dich ja doch nicht an meine Anweisungen!“ Dann schlug er die Tür hinter sich zu.

Fassungslos stand sie da. Sie sah noch lange zur Tür, ging dann zu ihrem Sofa und musste sich setzen. Das war nun wirklich nicht gut gelaufen. Warum hatte sie sich nicht einfach entschuldigen können? Warum ihn noch zusätzlich provozieren? Dieser verdammte Stolz! Niedergeschlagen starrte sie vor sich hin auf den Boden. Sie überlegte, was sie nun tun sollte, aber ihr fiel nichts ein.  So beschloss sie, ihre Mutter aufzusuchen. Sie wusste bestimmt einen Rat. Litara sprang auf und machte sich auf den Weg in die Heilschmiede. Auf dem Gang draussen traf sie Narwi an.
„Litara, guten Morgen. Ich will gerade Kesja abholen und ...“
„Geh mir aus den Augen!“, zischte sie ihn böse an und rauschte an ihm vorbei.
Überrascht sah er ihr hinterher.





An einem anderen Ort im Palast erwachte gerade Sif. Ihr brummte der Kopf. Ein Bediensteter versuchte auf der anderen Seite des Bettes vorsichtig Thor aufzuwecken. Sif beschloss die Prozedur abzukürzen und versetzte ihrem Gatten einen Stoss. Sofort schreckte Thor auf und zog sich stöhnend ein Kissen übers Gesicht.
„Was gibt es?“, fragte Sif mit heiserer Stimme.
„Eure Hoheit, Prinz Loki, hat aufgetragen, dem König diesen Trank zu überbringen.“
Thor zog das Kissen weg und warf einen Blick auf die gläserne Flasche. „Oh, Lokis Ausnüchterungstrank. Giesst ein ...“
„Wie zuvorkommend“, stöhnte Sif und drehte ihm den Rücken zu.
„Das ist nicht als zuvorkommende Geste gedacht“, brummte Thor erschöpft. „Er will nur, dass ich schnellstens aufstehe und mich um die abreisenden Gäste kümmern kann.“
„Du meinst um die die tanzenden Nymphen?“, murmelte sie, erhielt aber keine Antwort.

Der Bedienstete reichte Thor den Becher, während sich dieser mühsam aufsetzte und den Trank entgegennahm. Er verzog angewidert das Gesicht, aber dann leerte er den Becher in einem Zug. „Reicht der Königin auch davon!“, befahl er mit geschlossenen Augen. Ihm war schwindlig und seine Schläfen pochten.
Sif wollte die Decke zurückschlagen und stellte fest, dass sie nackt im Bett lag. Sie hob kurz die Decke auf Thors Seite an.
„Ist noch alles da“, grinste er.
„Haben wir letzte Nacht etwa ...?“
„An diese nackten, tanzenden Weiber erinnerst du dich noch, aber nicht, was letzte Nacht war? Das kränkt mich nun aber.“
Sie zog die Decke wieder bis zum Hals und schloss die Augen. „Du warst bestimmt grossartig“, murmelte sie vor sich hin.
Er stand auf und watschelte in den Waschraum, während sie wieder einschlief.





Litara lief in der Heilschmiede ihrer Schwester über den Weg. „Ich hörte, du hast dich mit Leifur abgesetzt.“
„Hadwin schlug mal wieder voll über die Stränge. Diese Sauerei kannst du dir gar nicht vorstellen.“
„Wenn Mel schon Mutter holen lässt, dann muss es übel zu und her gegangen sein.“
„Der grösste Teil von Sarolfs Mageninhalt haben sie inzwischen aufgewischt.“
„Vielen Dank. Mehr will ich davon gar nicht wissen. Wie geht es Leifur?“
„Sehr viel besser“, berichtete Irmina. „Ich kann heute mit ihm an die frische Luft gehen.“
„Warst du die ganze Nacht bei ihm?“, grinste Litara.
„Ja, aber bestimmt nicht so, wie du denkst.“
„Ja, sicher ...“, nickte sie.
Irmina rollte mit den Augen. „Wenn Mel sich schon über Hadwin so aufregen konnte, hätte sie bestimmt einen Herzanfall erlitten, wenn sie Leifur auf mir oder umgekehrt angetroffen hätte.“
„Interessante Vorstellung“, überlegte sich Litara.
„Du hörst dich wieder mal wie Vater an.“
Litaras Grinsen verschwand. „Weisst du, wo ich Mutter finde?“
„In der Wäscherei vorne.“

Litara fand ihre Mutter tatsächlich am genannten Ort.
„Schon auf?“, wunderte sich Sigyn. „Heute findet doch kein Kampftraining statt, da hättest du ausschlafen können.“
„Mit Vater in meinem Schlafraum?“
Sigyn sah sie an und schickte dann die beiden Novizinnen hinaus. „Er war also bei dir?“
Litara nickte.
„Da du mich hier aufsuchst, ist das Gespräch wohl nicht gut gelaufen.“
„Wie scharfsinnig“, gab Litara sarkastisch zurück.
Sigyn stapelte einige zusammenfaltete Tücher aufeinander. „Lass mich raten. Er hat dir Vorhaltungen gemacht und du konntest deine Zunge wieder einmal nicht im Zaum halten.“
„Nun ...“ Sie stockte und atmete tief durch. „Ja.“
„Und was willst du nun von mir?“
Litara liess ihre Schultern hängen. „Einen Rat. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Er hat wütend meine Gemächer verlassen.“
„Und das wundert dich?“ Sie schob den Stapel ins Regal vor sich.
„Nicht wirklich. Vielleicht sollte ich einfach mal abwarten?“
„Abwarten? Dein Vater hat einen sehr langen Atem, wenn er beleidigt ist. Willst du dich tatsächlich darauf einlassen?“
„Nein“, murrte sie.
„Dann solltest du dich bei ihm entschuldigen.“
„Hast du keinen anderen Vorschlag?“, fragte Litara hoffnungsvoll.
Sigyn wandte sich ihr zu. „Du hast dich ihm gegenüber respektlos verhalten, du hast ihn angelogen, du hast deinen Bruder für deine persönliche Zwecke eingesetzt, du hast dich über die Anweisungen deines Vaters hinweggesetzt und dich nun auch noch uneinsichtig ihm gegenüber verhalten. Was würdest du da wohl an seiner Stelle erwarten?“
„Ja, ich weiss, das Verhalten war einer Prinzessin Asgards nicht würdig“, stöhnte sie ungehalten auf.
„Dein Verhalten war als Tochter gegenüber deinem Vater nicht würdig!“
„Schon gut, ich habe es verstanden“, gab sie sich resigniert geschlagen. „Vielleicht könntest du ...“
„Nein!“, fiel ihre Mutter ihr unbarmherzig ins Wort. „Dein Verhalten war nicht richtig und dafür wirst du schon selbst einstehen müssen!“ Sigyn wusste, wie schwer das ihrer Tochter fiel und meinte versöhnlicher: „Dein Vater hat noch in seinem Regierungsraum zu tun. Versuche es dort, dann begegnet ihr euch auf neutralem Boden.“
„Neutraler Boden? In seinem Regierungsraum?“, fragte sie empört.
„Er verhält sich dort in der Regel sachlicher als in unserem Trakt.“ Als Litara keine Anstalten machte, sich in Bewegung zu setzen, fügte sie hinzu: „Je länger du wartest, desto schlimmer ist für dich selbst.“
„Ja, ja, ich gehe schon“, maulte sie. „Danke.“
Sigyn sah ihr kopfschüttelnd nach. „Dickköpfe!“






Thor suchte Loki auf, welcher sich um die liegengebliebenen Anträge kümmerte. „Dein Trank wirkt wahre Wunder“, lobte er und erhielt nur einen missbilligenden Blick von seinem Bruder.
„Dieses Zeugs aus Midgard bringen sie besser nie mehr her.“
„Eigentlich finde ich es nicht schlecht, aber Sif ist es auch nicht gut bekommen.“
„So wie vielen anderen Gästen auch nicht.“ Geschäftig rollte Loki das Pergament zusammen und überreichte es einem Berater neben ihm. „Baugur wird mit seiner Familie heute noch hierbleiben, der Rest wird abreisen. Als König von Asgard ist es deine Aufgabe, die Gäste zu verabschieden.“
„Du meinst vor allem meine Freunde aus Midgard.“
„Wer auch immer.“
„Ihnen habe ich viel zu verdanken.“
„Du meinst, dass du dich einmal in deinem Leben als Bilgenschwein fühlen konntest?“ Loki wurde eine weitere Papierrolle gereicht.
„Wie bitte?“
Loki rollte das Papier auf seinem Schreibtisch auseinander und überflog die Zeilen. „Sie haben dich gestern auf der Bilgenschweinplatte herumgetragen. Das muss sich doch wahrhaftig gut angefühlt haben.“
Thor sah ihn erst entsetzt an, aber dann fing er an zu grinsen. „So früh am Morgen gelingt es dir noch nicht, mich hereinzulegen.“
Loki sah vorwurfsvoll auf. „Das Bild mit dir auf der Platte wird sich für immer und ewig in Sigyns Kopf eingebrannt haben.“
Thor erkannte nun, dass es keiner von Lokis Scherzen war. Peinlich berührt stand er nur da.
Die Wache kündigte die Prinzessin aus Asgard an und beide Männer sahen zur Tür.
„Ich lasse bitten!“, befahl Loki.
„Ich geh dann mal ... und kümmere mich um die Gäste.“ Thor hatte es eilig wegzukommen.
„Tu das. Und wenn möglich mit dem Benehmen, welches eines Königs würdig ist.“
Thor ging zur Tür, passierte dabei seine Nichte und warf ihr einen bedeutenden Blick zu. „Guten Morgen Litara.“
„Guten Morgen Thor“, grüsste auch Litara und lief zielstrebig zu den Stufen vor Lokis grossem Marmortisch. Dort blieb sie stehen. Sie wandte sich an den Berater: „Ich muss meinen Vater sprechen. Allein.“
Der Berater sah zu Loki und erhielt ein zustimmendes Nicken, dass er sich zurückziehen konnte.
Kurz darauf wurde die Tür geschlossen und ausser den Wachen bei der Tür waren sie nun allein.

Litara hatte sich zuvor in Gedanken zurechtgelegt, was sie sagen wollte, aber nun, da sie hier stand, wusste sie nicht, wie sie das Gespräch beginnen sollte.

„Kommst du irgendwann auch mal zur Sache?“, fragte Loki schlussendlich, aber sehr herablassend.
Litaras Augen funkelten auf. „Ich krieche hier gerade vor dir zu Kreuze und das machst du mir da oben nicht gerade leicht!“
„Hmm.“ Loki stiess sich mit dem Stuhl zurück, erhob sich, lief um den grossen Schreibtisch herum und schritt die Stufen hinab zu ihr hinunter. „Kriecht es sich so besser?“
Nun konnte sie ein Schmunzeln nicht verhindern und nickte. Damit hatte er ihr die Wut sofort wieder genommen. Er verschränkte die Arme vor der Brust und wartete.
Sie fasste sich ein Herz und begann: „Es ist viel geschehen und nicht alles davon war gut und richtig. Das bin ich mir wirklich bewusst. Manchmal muss man schnelle Entscheidungen treffen und nicht immer stimmen diese mit deinen überein. Ich habe mir Zutritt in die Waffenkammer verschafft, weil ich unbedingt mit Arwed reden wollte und weil du zuvor behauptet hast, dass Arwed mit dir über Kinder mit mir geredet hat. Nein, sag jetzt nichts!“, hielt sie abwehrend die Hände vor sich. „Ich will auf keinen Fall dir nun deswegen die Schuld zuweisen. Ich will nur erklären, wie es dazu gekommen ist.“ Ihr Vater verzog keine Miene und hörte ihr zu, so fuhr sie fort: „Du hast gesagt, dass ich deine Gestalt nicht annehmen darf, daran habe ich mich gehalten. Aber da blieb nur noch Thor übrig, was zugegebenermassen auch nicht richtig war. Ich habe nicht damit gerechnet, dass in der Kammer ein Fluch freigesetzt werden könnte und da war Arwed plötzlich weg. Ich weiss, dass du mir verboten hast, Asgard zu verlassen und ich weiss, dass du es aus Sorge um mich getan hast. Arwed bedeutet mir aber alles und ich konnte ihn nicht im Stich lassen. Da Heimdall uns nie geholfen hätte, blieb mir aber nur die Möglichkeit über die Karte der Portale. Das fiel mir alles andere als leicht. Dann war es nicht geplant, dass Narwi uns folgen würde. Als wir das bemerkt hatten, waren wir schon zu weit in den Gängen und zusammen mit Leifur war ich mir sicher, dass wir ihn beschützen können. Und die Lüge ... ich weiss nicht, was da über mich gekommen ist, aber du warst so wütend, da ging das plötzlich wie von selbst und danach kam keine Gelegenheit mehr, das richtigzustellen.“ Ihr Vater stand immer noch ruhig da und hörte zu. „Ich gebe zu, dass ich mich in den Gängen unten dir gegenüber respektlos verhalten habe. Ich war einfach so wütend, weil ihr mich derart getäuscht habt. Und ja, das mit Mutters Illusion war boshaft.“ Sie musste erst einmal Luft holen, denn der Redeschwall hatte sie Kraft gekostet. Nun kam allerdings der schwerste Teil für sie. „Ich bin hier, um dir zu sagen, dass es mir leidtut. Mein Verhalten dir gegenüber war respektlos und ich bitte dich dafür um Verzeihung.“ Erwartungsvoll schaute sie zu ihm auf.

Loki seinerseits sah sie lange an. „Gut“, nickte er. „Ich nehme deine Entschuldigung an.“ Er schritt wieder die Stufen hinauf und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
Verblüfft sah sie ihm hinterher. „Mehr sagst du nicht dazu?“
„Es wurde doch alles gesagt“, zuckte er mit den Schultern.
Verdattert sah sie ihm zu, wie er die Pergamentrolle wieder auseinanderfaltete, aber dann spürte sie die Erleichterung, welche durch ihren Körper ging. Sie verabschiedete sich und lief wie in Trance durch die Halle vor dem Regierungsraum. Sie hatte mit Widerstand und Vorwürfen gerechnet, aber ihr Vater hatte ihr einfach zugehört und die Entschuldigung angenommen. Ohne ein weiteres Wort. Sie war froh darüber, dennoch traute sie der Sache nicht.




Den ganzen Tag über verabschiedeten sich Gäste. Narwi hingegen war froh, den Tag noch mit Kesja verbringen zu dürfen. Die beiden besuchten die Ställen und Arnkatla beaufsichtigte sie in den Gärten am Teich, wo die beiden mit Feuer und Eis herumexperimentierten. Litara und Arwed sahen zusammen mit Irmina und Leifur aus der Ferne von der Terrasse her zu. Schliesslich wollte Irmina mit Leifur zurück, denn er durfte endlich wieder in seine ihm zur Verfügung gestellten Gemächer zurück. So begleitete Arwed Litara in ihren Bereich zurück, wo sie schon von ihrer Zofe erwartet wurde.
„Ich soll Euch ausrichten, dass Eure Eltern Euch sehen wollt, Hoheit“, berichtete Silja.
„Hast du etwas angestellt, wovon ich nichts weiss?“, erkundigte sich Arwed.
„Anscheinend kommt doch noch etwas“, seufzte Litara schwer. „Und ich dachte schon, für Vater sei das Ganze erledigt.“
Er strich ihr über den Arm. „Ich werde hier auf dich warten.“
„Danke.“ Es war wohl besser, sie brachte es schnell hinter sich.

Litara lief zum Bereich ihrer Eltern hinüber und klopfte an.
Sigyn warf Loki einen besorgten Blick zu und rief ihre Tochter herein. Dann legte sie das Pflanzenbuch auf das Tischchen vor dem Sofa und wies Litara den freien Sessel zu, während Loki sich erhob und zum Kamin hinüberlief. Er stützte sich auf dem Sims auf und eröffnete das Gespräch. „Wie du sicherlich bemerkt hast, ist Arnkatla immer noch hier.“
Litara runzelte die Stirn, denn sie fragte sich gerade, was Arnkatla mit allem zu tun hatte.
„Ich hatte eine sehr lange Unterredung mit ihr und sie sieht dein grosses Potential.“
Litara sah von ihrem Vater zu ihrer Mutter und verstand immer noch nicht, worauf das Gespräch hinauslaufen sollte.
Loki wandte sich vom Kaminsims ab und stützte seine Hände auf dem Sessel gegenüber von Litara auf. „Es ist an der Zeit, innerhalb deiner Ausbildung einen Schritt weiterzugehen, deshalb hat sie sich bereit erklärt, dich zu unterrichten.“
Litara sah ihn geschockt an.
„Das ist eine sehr grosse Ehre“, fuhr Loki weiter. „Du wirst in die vanischen Magiekünste eingewiesen.“
„Dann bleibt sie hier in Asgard?“, brachte Litara überrascht hervor. Als ihre Eltern einen Blick miteinander austauschten, erfasste sie das Ausmass, welches auf sie zukam. Langsam erhob sie sich. „Nein ...“



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AN

Da ich nun in meinen wohlverdienten Urlaub gehe, gibt es einen kurzen Unterbruch. In zwei Wochen geht es dann wieder weiter.

In der Zwischenzeit wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins 2019!

Liebe Grüsse, Tilara
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