Never one without the other

von Default
GeschichteDrama, Romanze / P18
Mercy Reaper
30.12.2018
02.06.2019
18
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Dieses Kapitel
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„Lass sie los!“, schrie eine ihm nur zu gut vertraute Stimme. Dann traf ein Schlag sein Gesicht und noch einer. Er konnte sich vor Erschöpfung kaum rühren, hielt aber den leblos wirkenden Körper der Frau in den Armen, die ihm alles auf der Welt bedeutet hatte. Noch ein Schlag, so heftig das sein Kopf zur Seite schnellte und die Maske über seinem Gesicht zerbarst. Die Einzelteile fielen zu Boden, er konnte spüren wie sein Auge anschwoll und dennoch klammerte er sich wie ein Ertrinkender an die blonde Ärztin, die bewusstlos auf seinem Schoß lag. Er hatte sie bis hier her getragen und dann? Sterne tanzten vor seinen Augen, als ihn erneut ein Hieb im Gesicht traf. Die Welt verschwamm vor seinen Augen und plötzlich war es so, als würde sich alles in einen dichten Nebelschleier hüllen. In seinen Ohren vernahm er helles Pfeifen während er versuchte sich wieder in die Realität zu schütteln.

Das Gewicht wurde ihm von seinem Körper gehoben, danach war er es den man wieder auf die Beine stellen wollte. Eine Frauenstimme drang in sein benebeltes Bewusstsein, sie war ihm bekannt, doch er konnte sie nicht wirklich einordnen. Noch einmal schüttelte er benebelt den Kopf, versuchte nach der Wand hinter ihm zu tasten, als man ihn am Kragen hielt und ihn Anschrie. Der Nebelschleier lichtete sich wieder und er blinzelte in das Gesicht seines ehemaligen besten Freundes. Ihm stand der pure Hass ins Gesicht geschrieben, während Gabriels Griff ins Leere ging und sein Schienbein ihm quälendere Schmerzen bereitete als sein deformiertes Gesicht. Er bemerkte nicht einmal mehr den Speichel, der ihm ins Gesicht flog, während man ihn weiter anschrie. Die Worte konnte er nicht ausmachen, denn in diesem Moment Schien sich auch sein Wadenbein dazu entschlossen zu haben unter der Belastung zu brechen. Es war ein Geräusch wie das zerbersten von morschem Holz auf feuchtem Waldboden. Zeitgleich hatte man seinen rechten Arm gepackt und ihm diesen versucht auf den Rücken zu drehen, doch das hatte nur die Folge dass Jack ihm aufgrund des Sturzes noch den Arm brach. Kein Ton kam ihm über die Lippen, als er auf den Boden aufschlug, die schwarze Kapuze über sein Gesicht fiel und dabei seine Welt in vollkommene Dunkelheit hüllte.

Ein leises röcheln kam aus seiner Kehle, als man ihn erneut packte und Gabriel machte sich schon innerlich darauf gefasst wieder geschlagen zu werden, als er bemerkte wie man von ihm abließ und jemand schwer neben ihm zu Boden ging. Offenbar hatte man Jack gerade das Licht ausgeknipst. Er hörte rasche Schritte auf ihn zu kommen, man rollte Jack zur Seite und zog ihm schließlich die Kapuze aus dem Gesicht. Benommen vor Schmerz wand er den Kopf und erkannte schließlich Ana. Sie hatte sich neben ihn gehockt und sprach auf ihn ein, doch die Klauen der Ohnmacht rissen ihn mit in die unendlichen Tiefen.


„Gabriel… hey… bleib wach… Gabe?“, sprach sie mit ihm und rüttelte dabei an seiner Schulter, doch der hochgewachsene Mann mit der sehr fahlen Haut rührte sich nicht. Immerhin schien er noch zu Atmen. Sie erhob sich und sah kurz über die am Boden liegenden Personen hinweg. Dichter Staub hatte sie alle eingehüllt und überall lagen Gebäudetrümmer, zerbrochenes Glas und Metallstangen. Sie standen mitten in den Überresten eines komplett zerstörten Gebäudes. Sie hatte nicht einmal ansatzweise eine Ahnung, wie Gabriel und Angela das überhaupt überlebt hatten. Vor ihren Füßen zuckte Jack gerade im Schlaf mit seinen Fingern. Sie hatte ihn nicht aufhalten können auf Gabriel einzuschlagen, so war ihr nichts anderes übrig geblieben als ihm einen ihrer Narkosepfeile zu verpassen. Sie zuckte ihren Communicator und rief um Hilfe, während sie zu Angela hinüber stapfte und sie erneut ihren Puls tastete. Ihre Atmung war normal und auch ihr Puls wies keine Auffälligkeiten auf. Dennoch hatte sie eine ordentliche Platzwunde an ihrem Haaransatz. Das Blut lief ihr über das blasse Gesicht und Ana zog mitleidig die Brauen zusammen. Ihr Blick wanderte erneut hinüber zu Gabriel, der reglos am Boden lag. „Was ist nur aus uns allen geworden?“, murmelte sie mehr zu sich selbst als zu den Bewusstlosen. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr und da hörte sie auch schon die Schritte der Sanitäter auf sie zukommen.


„Wo ist er?! Wo habt ihr ihn hingebracht?!“, rief Angela verzweifelt, kaum dass sie ihr Bewusstsein wiedererlangt hatte. Man hatte ihre Wunde versorgt und ihr ein Schmerzmittel verabreicht. In ihren Augen hätten sie letzteres vielleicht besser unterlassen sollen, denn so hatte die Blonde eindeutig viel zu viel Energie. Sie schaute von Jack zu Ana, saß vor ihnen in einem Krankenbett und trug ein Flügelhemd des Medic-Centers. Ihre Augen wanderten verbissen von dem benebelten Jack, der sich alle zwei Minuten durch die langsam dünner werdenden Haare fuhr, zu Ana. Sie saß vor ihr und wirkte mütterlicher denn je.  Ihre Hände hatte sie in ihrem Schoß liegen, ihre Augen ruhten mit klarem Blick auf der verzweifelt drein schauenden Blonden. „Sie operieren ihn gerade noch. Du kannst jetzt nicht zu ihm und es wird auch noch eine Weile dauern bis er aufwacht. Moira wird sich zunächst um ihn kümmern und dann…“, Angela schnitt ihr im scharfen Ton das Wort ab. „Moira?! Moira… du weißt von wem du da sprichst, Ana? Sie hat ihn zu dem gemacht was er ist und…“ Ana zog die Brauen zusammen und mit einem lauten klatschen, schlugen ihre Handflächen auf ihre Oberschenkel hinab. „Genug jetzt! Hör erst einmal zu!“, sagte sie mit lauter Stimme und Jack stöhnte leise über die plötzlich aufgekommene Lautstärke. Er fühlte sich als hätte er einen ganz miesen Kater und bekam auch nur am Rande mit, wie Angela aus ihrem Bett huschte und es ihr offenbar vollkommen egal war, dass man durch den komplett offenen Rücken des Hemdes ihr cremefarbenes Spitzenhöschen sehen konnte.

Ana drückte nur Jacks Gesicht zur Seite, als sie sich erhob und rief Angelas Namen, doch die Blonde ließ sich nicht aufhalten. In diesem Moment war es ihr vollkommen egal, was Ana ihr zu sagen hatte. Sie wollte zu Gabriel, ihrem Gabriel… den Mann den sie seit 3 Jahren für tot gehalten hatte. Es war nur eine Sache von Sekunden bis sie den Gang hinunter gerannt war und sich in letzter Sekunde in einen Fahrstuhl quetschte. Die Türen schlossen sich, als Ana gerade in Sicht gekommen war und auf sie zu hastete. Doch Ange drückte nur den Knopf für den 3. Stock, hämmerte mit zwei Fingern auf die Tür schließen - Taste und war schon auf den Weg nach unten. Sie kannte die Räumlichkeiten hier in und auswendig, dass sie von ihren Kollegen merkwürdige Blicke erntete als sie im Flügelhemd Zutritt zu den OPs wollte, kümmerte die Blonde in diesem Moment nicht. Barfuß lief sie den Gang ab und linste durch jedes einzelne Sichtfenster, doch ohne einen Hinweis darauf, dass Gabriel sich hier irgendwo befand.

Hatte Moira ihn etwa wegschaffen lassen? Angela zuckte vor Schreck zusammen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. „Doktor Ziegler? Alles in Ordnung mit Ihnen?“, es war eine der OP-Schwestern, welche die junge Ärztin nun mit sorgenvollen Blick betrachtete. Angela brauchte einen Augenblick lang um zu schalten und dann griff sie mit beiden Händen die Schultern der Schwester. „Gabriel Reyes… wo habt ihr ihn hingebracht?“, fragte sie gleich und die Schwester zog die Brauen zusammen. „Reyes? Der ist schon im Aufwachraum wir sind eben mit ihm fertig geworden. Er ist stabil auch wenn er nicht gerade Vital aussieht.“, erklärte sie und Angelas Gesicht hellte sich auf. „Danke, danke, danke…“, sagte sie nur und schob sich gleich an der Schwester vorbei und huschte den Gang hinunter zum Aufwachraum.

Sie starrte durch das Fenster zu ihm hinüber. Seine Herzfrequenz war normal, im Moment wurde er noch beatmet, sodass sich sein Brustkorb unnatürlich hob und senkte. Angelas Augen huschten über die Anzeigen der Monitore, nur um immer wieder sicher zu gehen, dass ihm nichts weiter fehlte. Sein Gesicht sah schrecklich aus. Und nicht nur das blaue Auge hob sich deutlich von der fahlen Haut ab. Dann bemerkte sie Moira in der Spiegelung des Fensters. Die Rothaarige hatte sich klangheimlich hinter sie gestellt und blickte an ihr vorbei durch das Fenster hindurch zu Gabriel. Oh wie sehr sie diese Frau gerade in diesem Augenblick hasste. In den Augen der Ärztin war Moira nichts heilig. Sie schien keinerlei Wertvorstellung zu besitzen, welche die blonde Ärztin in irgendeiner Hinsicht nachvollziehen konnte. Mit vor Zorn rotem Gesicht wirbelte Angela schließlich zu ihr herum. „Was hast du ihm angetan?“, knurrte sie verärgert und dennoch schwang erhebliche Trauer in ihrer Stimme mit.

Die ganze Wut über die verlorenen Jahre kochte nun in der Ärztin auf, doch Moira schien das nicht zu beeindrucken. Sie zog nahezu arrogant eine Braue hoch und hob den Zeigefinger um der Blonden Einhalt zu gewähren. „Das da…“, sie deutete durch das Fenster hinweg auf Gabriel, „Ist nichts, was ich nicht wieder Rückgängig machen werde, Herzchen. Mach dir da mal keine Sorgen sondern lass dir lieber von deinen Freunden erklären, was du in den letzten Stunden überhaupt verpasst hast. Ihm geht es gut und wenn ich mit ihm fertig bin, hast du ihn so zurück, wie du ihn vom Aussehen her kanntest.“, sprach sie und Angelas Mimik schwang von Zorn zu Verwirrung.

Sie sah zurück zu Gabriel, der nun langsam damit begann gegen die Beatmung an zu Atmen. Moira hielt ihr unterdessen OP-Kleidung hin. Gleich würde man ihn extubieren. Ihre traurigen blauen Augen lagen auf ihm und füllten sich allmählich mit Tränen. Angela wusste nicht mehr wirklich wie sie sich fühlen sollte. Es war eindeutig viel zu viel für sie. Moira seufzte kurz und stellte sich aufrecht neben die Blonde, während sie Angela die Kleidung vor die Brust drückte. „Es wäre besser wenn du dir etwas anziehst…  Was ihn betrifft, so wäre es besser, wenn er im künstlichen Koma liegt während das Serum wirkt. Schmerzlos wird es für ihn nicht werden und wir dürfen auch mit hohem Fieber rechnen. Ich denke er braucht während dieses Prozesses eine gute ärztliche Behandlung.“, sagte Moira trocken und monoton.

Angelas Augen lagen zunächst auf der Kleidung und dann auf dem Körper des Mannes um den sie sich die nächste Zeit kümmern würde. Sie nahm die Kleidung an sich und hielt sie dabei fest vor ihren Körper gepresst. Komme was wolle, noch einmal wollte sie ihn nicht gehen lassen müssen! „Er ist in besten Händen… Aber ich will ihn noch sprechen bevor es losgeht. Wenigstens einmal…“, sagte die Ärztin leise und beobachtete dann wie die Schwester ihn extubierte. Moira schwieg und Angela deutet ihr schweigen nicht als ein Nein. Sie würde es sich ohnehin nicht verbieten lassen.


Sie trat an sein Bett und sah auf ihn hinab, während er sie langsam fokussierte und sie total benebelt anlächelte. Er versuchte den rechten Arm nach ihr auszustrecken und es schien ihn zu verwirren, dass er es nicht schaffte, weil er einen Gips bis zum Oberarm trug. Ein komischer Laut kam aus seiner Kehle hervor und dann sah er sie an, wie ein Hundewelpe in Not. Sie streckte ihre Hand aus und strich ihm eine lockige Strähne aus der Stirn, bevor sie seine linke Hand in ihre nahm. „Bist du ein… Engel?“, fragte er und er hörte sich dabei an, als hätte er zwölf von zehn Lampen am Brennen. Die Schmerzmittel und die Narkose wirkten bei ihm noch ordentlich nach.

Angela lächelte ihn an, während ihr ein Kloß in den Magen hinab zu sinken schien. Offenbar erkannte er sie nicht wirklich, doch das war Angela in diesem Moment egal. Er war hier, bei ihr und es war nach so langer Zeit nicht nur ein dummer Traum. Wie lange hatte sie geglaubt dass sie ihn nie wieder sehen würde? Dass er wirklich und endgültig tot war? Und jetzt lag er hier, quicklebendig und hielt ihre Hand. Sie schüttelte den Kopf und ihr kamen die Tränen. Gabriel brauchte einen Moment um einzuordnen, was diese Emotion bedeuten musste. Seine Brauen zogen sich zusammen und er hob ganz langsam die Hand und legte sie auf ihre Wange.

„Nicht weinen… du bist so hübsch… du solltest nicht weinen.“, murmelte er und grinste dann wieder etwas verstrahlt zu ihr empor. Er ähnelte ein wenig Quasimodo mit dem zugeschwollenen Auge und Angela lachte tatsächlich kurz auf, bevor bei ihr alle Dämme zu brechen schienen und sie seine Hand in ihre nahm um sie mehrmals zu küssen. „Nicht weinen…  Du bist so… wunderschön…“, lächelte er sie etwas sehr benommen an. „Bist du Single? Wenn ja, dann…“, sie zog die Brauen in die Höhe und musste kurz lachen, nickte aber dann. „Dann…“, begann er von neuem und es schien ihm einzufallen. „Dann heirate ich dich… Aber nicht weinen… Engel weinen nicht… glaub ich…“, so ganz war er von seinen Worten im nach hinein offenbar auch nicht überzeug und Angela lächelte ihn mit verweintem Gesicht an, während sie sich an den Abend in der Bar zurück erinnerte. Ihr Herz wurde schwer wie Stein, doch seine Worte hatten in Zusammenhang mit ihrer Erinnerung an diesen Abend einen zuckersüßen Beigeschmack.

„Okay… ich höre auf zu weinen und du ruhst dich noch ein bisschen aus ja? Später wird es dir wieder besser gehen.“, schniefte sie mit heiserer Stimme und er schien sich damit zufrieden zu geben. „Okay… aber du… musst bei mir bleiben. Versprochen?“, murmelte er müde und diesig, die Zunge noch immer Lahm von den Medikamenten in seinem Blut. Er hatte offenbar wirklich gar keine Ahnung was vor sich ging. Wahrscheinlich würde er sich nicht einmal daran erinnern wenn er wieder klar war. „Versprochen.“, sagte sie und hielt seine Hand während er wieder die Augen schloss. Als sein Griff sich lockerte, sah sie auf in Richtung des Fensters und nickte schließlich ihren Kollegen draußen vor dem Fenster zu. Die Tür öffnete sich und das Team trat schließlich an das Krankenbett.

Sie hatte die Hände in ihren Schoß gelegt, während ihr einfach so die Augen zufielen. Ihr Kopf nickte nach vorne auf die Brust und schon riss sie die Augen erneut auf und schüttelte sich leicht. Diesen Vorgang durchlebte die Ärztin seit mittlerweile 30 Minuten immer und immer wieder. Ein Teufelskreislauf, wie sie feststellen musste. „Wie lange willst du denn noch wach bleiben?“, murmelte Ana, die gerade an Angelas Seite getreten war. Angela schüttelte nur leicht den Kopf und gab sonst keine Antwort. „Du bist jetzt seit 3 Tagen dauerhaft wach. Glaubst du wirklich er würde das wollen? Ihr hattet doch vor zahlreiche Diskussionen darüber…  auch wenn das schon mehr als 3 Jahre zurück liegt.“, sagte sie mit sanfter Stimme und legte Angela schließlich eine Decke über die Schultern. Die blonde Ärztin rührte sich nicht auf ihrem Stuhl und ihre Gedanken huschten zu einer, der von Ana erwähnten, zahlreichen Diskussionen.

Ganz am Anfang hatte er ihr mal einen Kaffee gebracht, doch Gabriel war schnell darin eins und eins zusammen zu zählen. Es hatte nicht lange gedauert, bis der Commander der Blackwatch Einheit herausgefunden hatte, dass Angela sich so in ihren Job hinein kniete, dass sie andere Dinge für unwichtig erachtete. Wie oft er Minuten lang auf sie eingeredet hatte und letzten Endes hatte er ihr sogar gedroht, sie ins Bett zu tragen falls sie ihre Arbeit nicht unterbrechen würde und sich eine gesunde Dosis Schlaf holte. Von dem Tag an hatte sie ihn jeden Abend in ihrem Büro zu Gast gehabt und dann kam der Tag an dem sie wirklich schon über ihren Notizen eingeschlafen war.

Er hatte sie einfach auf den Arm genommen und sie in Richtung ihres Quartiers davon getragen. Sie war erst wach geworden, als er ihre Hüfte mit ihrer ID-Karte an das Schloss drückte. Zuerst wusste sie nicht so recht wo sie war und dann war da sein Geruch, gemischt mit Schmauch, Metall und der seltsame Geruch von Rauch oder Staub. Sie hörte seine Stimme, als er sie auf ihrem Bett absetzte. Seine Worte, wie er sagte: Ich habe dir doch gesagt das ich dich notfalls bis hier her trage. Sie schmunzelte kurz bei dem Gedanken und erinnerte sich daran, wie sie ihn am Handgelenk festgehalten hatte, damit er noch ein bisschen bei ihr blieb. Wie lange sie sich damals eingeredet hatte, dass sie bloß nichts mit einem ihrer Kollegen anfing. Ihr war jeder Gedanke damals recht gewesen, der sie von ihm fern hielt und eines Tages… gab es kein fern mehr zwischen ihnen.

Die saphirblauen Augen lagen auf Gabriel, der stark schwitzend vor ihr im Krankenbett lag. Moira hatte Recht behalten, ihn plagte ein schlimmes Fieber und das war es auch, was ihr solche Sorgen machte, sie nicht schlafen ließ. Immer wieder betrachtete sie die Temperaturanzeige, deren Spitzen hin und wieder bei 40 Grad lagen. In den Fällen gab sie ihm ein Fiebersenkendes Mittel, was die Situation ein wenig entspannte. „Ich habe einfach Angst um ihn, Ana…“, murmelte Angela schließlich und wand dann den Blick von ihm ab, um die Frau an ihrer Seite anzusehen. Ihre blauen Augen hatten ihren Glanz verloren und wirkten trübe vor Müdigkeit. Die deutlichen dunklen Ringe unter ihren Augen schienen sie noch ein wenig blasser zu machen, als das sie es ohnehin schon war.

„Aber du brauchst auch etwas ruhe, es bringt nichts wenn du Fehler machst weil du übermüdet bist. Würde es dich ein wenig beruhigen, wenn ich so lange ein Auge auf ihn habe? Wenn sich etwas tut, wecke ich dich… versprochen.“, erklärte Ana und Angela seufzte einmal tief in dem Wissen, dass Ana recht hatte. Es brachte nichts wenn sie nicht schlief und die Wahrscheinlichkeit einen Fehler zu machen war eindeutig zu hoch. Sie wollte keinen Fehler machen. Nicht bei ihm! „In Ordnung… Wenn das Fieber steigt oder irgendwas passiert das bedenklich wäre…“, begann sie und Ana schenkte ihr ein Lächeln. „Dann wecke ich dich.“, brachte sie schließlich den Satz zu Ende. Angela erhob sich schließlich, doch verließ sie nicht den Raum sondern legte sich einfach in das freie Bett neben Gabriel. Sie deckte sich zu und sah noch wie Ana sich auf den Sessel nieder ließ, in dem sie eben noch gesessen hatte. Mit einem letzten Blick auf Gabriel schwanden ihr schließlich die Sinne und sie versank in einen tiefen Schlaf.
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