Naharak von Kahira

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Afriten Dschinn Kobolde Mariden OC (Own Character)
30.12.2018
19.01.2019
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Es war eine laue Winternacht in der großen Stadt. Stille hatte den von Rosmarin und Weihrauch geschwängerten Raum erfüllt, der in unstetes, dumpfes Kerzenlicht getaucht war, das schaurige Schatten an die Wände warf. Die Möbel und Stühle waren fein säuberlich aufgeräumt, nichts verriet etwas über die Persönlichkeit des Mannes, der in der Mitte eines kleineren Pentagrammes am Boden stand und leise Formeln in seinen Bart murmelte. Ein offenes Buch lag in einem Ständer vor ihm, aus dem er vorlas, auch wenn er die Worte eigentlich auswendig kannte, da es nicht das erste Mal war, dass er so etwas tat.
»Appare! Mane! Ausculta! Se dede! Pare! Redi!« Die lateinischen Worte hatten einen eindeutigen arabischen Akzent, als der Mann sie aussprach, dennoch kamen sie ihm erstaunlich sicher und gekonnt über die Lippen. Seine Stimme war tief, aber nicht rau. Es war die Stimme eines Mannes, der es gewohnt war, Befehle zu erteilen. Sein graumeliertes Haar war ordentlich nach hinten gekämmt, und die weite Robe, die er trug, konnte nur von seinem Status zeugen. Die Ränder seines Gewandes waren mit Goldfäden gesäumt, und an den dünnen Fingern trug er einen Siegelring aus Elektrum.
Schließlich beendete er seine Rezitationen mit einem einzigen Wort: »Naharak, Naharak, Naharak!« Dreimal wiederholte er das Wort, bevor er andächtig verharrte und darauf wartete, dass etwas geschah.
Doch es passierte nichts.
Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sein Ritual keinen Effekt zeigte. Dennoch wartete er, und wartete. Minuten vergingen, die der Mann an seinen Herzschlägen genauestens abzählte. Es war so still in dem Raum, dass man das Geräusch beinahe akkustisch hören konnte.
Dann plötzlich setzte ein leichtes Erdbeben ein. Lampen und Kerzen fingen an zu vibrieren. Das Licht begann zu flackern und wurde noch unsteter. Obwohl die Fenster des Raumes verschlossen und mit Vorhängen abgedichtet waren, kam ein Luftzug auf.
Jetzt wusste der Mann, dass er die halbe Nacht nicht umsonst damit verbracht hatte, kunstvolle Runen und alte Schriftzeichen auf den Steinboden zu malen und sich den Mund mit antiken Formeln trocken geredet hatte. Jetzt wusste er, dass das, weswegen er heute hier war, wirklich existierte. Jetzt konnte er seinen Plan endlich vollenden.