Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Verbunden im Geiste

OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Azura
30.12.2018
30.12.2018
1
3.021
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
30.12.2018 3.021
 
Vorwort:
Hierbei handelt es sich um ein One Shot, den ich unter Umständen später zu einer richtigen Geschichte erweitern will. Die Idee zu diesem OS stammt allerdings nicht von mir, sondern von einem Autor namens Thuiy, der auf FF.net unterwegs ist. Mit seiner Erlaubnis habe ich diese Idee also adoptiert, sozusagen. Allerdings gilt das nur für die Grundidee. Die Dialoge und die "Mechaniken" dieser Geschichte, sprich wie das zwischen den beiden im Einzelnen funktioniert, stammen von mir.

Bevor es losgeht, sei noch gesagt, dass es hier nicht nur um Azura geht. Auch Robin aus Fire Emblem Awakening kommt vor, der in meiner Version jedoch Will heißt.  Mehr... gibt es eigentlich im Moment noch nicht zu sagen, also kanns eigentlich losgehen, würde ich sagen.
Viel Spaß


Azura ließ einen müden Seufzer auf die Welt los. Sie hatte einen sehr langen Tag hinter sich und wollte nichts sehnlicher, als sich auf ihr Bett zu legen und zu schlafen. Sie traf heute Corrin, ihren "Bruder" und sie redeten eine ziemlich Weile miteinander.
Sie verstanden sich überraschend gut, so waren sie doch weder verwandt noch wurden gemeinsam aufgezogen. Es gab ihr Hoffnung für die Zukunft. Vielleicht würde sie endlich jemanden haben, den sie... Freund nennen konnte.

Azura lächelte bei dem Gedanken. Außerhalb der hoschidischen Königsfamilie hatte sie nicht wirklich etwas, was sie soziale Kontakte nennen konnte. Sie verließ das Schloss so gut wie nie und besuchte Nachbarstädte nur in der Begleitung ihrer Brüder oder Schwestern.
Sie hatte keine Getreuen, wie ihre Geschwister und daher war es ihr nicht erlaubt, das Schloss zu verlassen, aus Angst ihr könnte etwas zustoßen.

Königin Mikoto hatte mehr als einmal versucht, ihr Getreue zu vermitteln. Allerdings konnte sie nie Bindungen zu ihnen aufbauen, so wie es ihre Geschwister zu ihren Getreuen konnten. Sie wollte keine emotionslosen Leibwächter, sie wollte auch Freunde haben. Azura musste sich jedoch eingestehen, dass sie es den meisten Leuten nicht leicht machte, sich ihr zu öffnen.

Sie gähnte. Der Tag war bereits zu weit vorangeschritten, um darüber noch nachzudenken und morgen würde ein anstrengender Tag werden. Zusammen mit ihren Geschwistern und Corrin würde sie in die Stadt gehen, um der Bekanntmachung der Königin beizuwohnen, dass Corrin zurückgekehrt war. Sie wollte gut ausgeruht sein, denn dies würde bestimmt ein Tag werden, an den sie sich noch lange erinnern würde.

Es dauerte nicht lange, bis die blauhaarige Prinzessin in den Schlaf abdriftete. Sie wusste noch nicht, dass diese Nacht den Beginn von etwas einläuten würde, das gleichermaßen merkwürdig und wundervoll für die Prinzessin war.

XXX

Azura öffnete die  Augen, fand sich allerdings nicht in ihrem Raum wieder. Vielmehr sah sie nichts weiter, als eine unendlich scheinende, schwarze Leere.
"Kann mich jemand hören? Ist jemand da?" Die Dunkelheit gab ihr allerdings keine Antwort. War dies ein Traum? Aber sie fühlte sich hellwach. Aber wo war sie dann? Panik machte sich allmählich breit im Herzen der blauhaarigen Prinzessin. In dem Moment, in dem sie noch einmal ihre Stimme erheben wollte, ertönte plötzlich eine andere.

"Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Kann sie... kann sie mich hören? Hallo? Ich bin da." Die Stimme war eindeutig männlich, aber sie erkannte sie nicht.
"Ich bin hier drüben, dreh dich um." Azura wandte sich der Stimme zu, unsicher ob diese ihr freundlich oder feindlich gesinnt war.

"Hallo? Wo bin ich? Wer bist du?  Wo kommst du her?", fragte sie beinahe hysterisch. Die Angst in ihrer Stimme war unverkennbar.

Sie erkannte eine männliche Gestalt. Dieser Mann hatte weiße... nein silberblonde Haare und trug eine lilane Robe mit merkwürdigen Mustern auf den Armen, die an Augen erinnerten. An seiner Hüfte trug er ein Schwert und an seinem Gürtel war ein Buch zu sehen. Der Mann hob beide Arme in einer Abwehrhaltung.
"Beruhige dich, in Ordnung?", versuchte er, ihre Panik zu mildern.
"Zuerst einmal. Ich bin nicht hier, um dir wehzutun. Ich werde dir nichts tun, verstanden? Also atme tief ein" er machte es vor.
"Und dann langsam wieder aus."

Azura merkte, wie ihre Atmung sich etwas verlangsamte. Sie zitterte noch, aber sie wurde deutlich ruhiger. Ihre rechte Hand zu einer Faust geballt hielt sie sich an die Brust, in der Hoffnung, auch ihr Herz würde sich beruhigen. Erneut schaute sie sich um.
"Wo sind wir hier..?", fragte sie schwach.

Der Mann seufzte nur.
"Das... das weiß ich leider auch nicht. Ich fürchte, ich bin momentan genauso verloren, wie du. Aber keine Sorge, wir finden es schon heraus, in Ordnung?"

Sie war nicht wirklich zufrieden mit der Antwort, aber der Gedanke, dass dieser Mann in derselben Situation war, wie sie beruhigte sie noch etwas mehr. Sie nahm den Mann genauer unter Augenschein. Silbernes Haar... markante Gesichtszüge... er sah aus, als könnte er aus Nohr stammen. Sie wusste nicht viel über nohrische Dunkelmagie, aber konnte sie etwas, wie dies hier bewirken? War sie doch in Gefahr?

"Ich sagte doch, du sollst dich beruhigen. Ich bin nicht aus "Nohr" und ich weiß genauso viel über nohrische Dunkelmagie, wie du: So gut wie gar nichts. Ich sagte doch, ich bin nicht dein Feind.", seine verzweifelten Versuche, sie zu beruhigen schienen keine Früchte zu tragen. Im Gegenteil. Das, was er sagte, brachte ihr Herz erneut zum Rasen. Sie hatte nichts gesagt, kein Wort kam über ihre Lippen und doch wusste dieser Mann genau, was sie gedacht hatte.

"Merkwürdig... es scheint, als könnte ich deine Gedanken lesen." Der Mann schien seine Überraschung nicht vorzutäuschen, so weit sie es beurteilen konnte.
"Also gut..." der Mann überlegte hektisch. Wie konnte er ihr beweisen, dass er ihr nichts Böses wollte? Sein Name!

"Dein Name ist Will...", verkündete sie beinahe selbst überrascht.

Die gerade noch angespannten Schultern des Mannes erschlafften auf einmal.
"Scheint als könnte nicht nur ich deine Gedanken lesen, sondern du auch meine. Das bedeutet vielleicht, dass wir gerade... schläfst du gerade?", fragte der Mann auf einmal.

Azura musste ihre Gedanken sammeln, aber sie antwortete zunächst mit einem Nicken.
"Ich habe mich auf mein Bett gelegt und die Augen geschlossen. Ich war ziemlich müde und dachte, ich würde schnell einschlafen", erklärte sie leise.

Will atmete auf.
"Das bedeutet zumindest, du bist nicht tot. Das ist doch was, oder?", scherzte der Mann schwach.

Das war ein schwacher Trost.
"Was ist mit dir? Schläfst du...?", stellte sie ihre Frage zögerlich.

Will schüttelte den Kopf und presste die Lippen zusammen.
"Würde mich wundern, wenn es soetwas Simples wäre."

"Wie meinst du das?", fragte sie leicht unsicher.

"Weil ich mir fast sicher bin, dass ich tot bin."

Azura zuckte leicht unter dieser Antwort. Sie redete... mit einem Toten? Noch bevor sie etwas sagen konnte, blendete sie ein schwaches Licht.

XXX

Azura öffnete die Augen und beinahe sofort führte sie ihre Hand auf ihre Stirn. Sie richtete sich langsam auf und schaute sich um. Sie war ohne Zweifel in ihrem Zimmer. Es war dunkel, aber sie konnte Umrisse ihrer Einrichtung erkennen. Es war still, aber das war zu dieser Stunde sicher nichts Ungewöhnliches.
Ein unheimlicher Traum... dachte sie nur schwach zu sich selbst, bevor sie sich wieder hinlegte.

Ich fürchte, das war kein Traum, Prinzessin. Azura schrak auf. War sie wieder..? Nein, sie war noch immer in ihrem Zimmer und doch hörte sie die Stimme dieses Mannes.
Ihr könnt mich Will nennen, Prinzessin Will seufzte deutlich hörbar.
"Dieser Mann" klingt so befremdlich für mich. Jedenfalls sollten wir uns jetzt Gedanken darüber machen, wie wir mit dieser Situation umgehen. Ich möchte ehrlich sein, ich habe keine Ahnung, was hier vor sich geht, aber die Fakten berücksichtigt können wir derzeit nichts unternehmen. Ohne meinen Körper sind mir völlig die Hände gebunden.

Azura erinnerte sich daran, was dies- was Will sagte, kurz bevor sie erwachte. Dass er... gestorben sei.

Bitte Prinzessin. Fragt nicht. Es ist viel passiert, aber ich früchte, ich bin noch nicht bereit, darüber zu reden. Momentan ist mein Kopf vollgepackt von den verschiedensten Dingen... er machte eine längere Pause, die ihm die Prinzessin gewährte.
Ich muss erstmal ein wenig Ordnung schaffen da oben, aber ich verspreche Euch, ich werde es Euch erzählen.

Azura wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte. Und warum sprach er auf einmal so förmlich zu ihr? Er hatte sie außerdem Prinzessin genannt..

Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Nachdem Ihr verschwunden seid, vergingen etwa 10 Minuten, bis Ihr aufgewacht seid. Die Zeit habe ich genutzt, um ein, zwei Dinge über Euch zu erfahren. Ich kenne nicht Eure gesamte Lebensgeschichte, aber zumindest kenne ich Euren Namen. Ihr heißt Azura und offenbar seid Ihr eine nohrische Prinzessin, die in jungen Jahren von hoschidischen Ninjas entführt wurde. Seitdem lebt Ihr hier im hoschidischen Palast. Mehr habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber ich bin über etwas weitaus Interessanteres gestoßen.

"Du meinst doch nicht..." Azura erschrak. Das durfte nicht sein.

Sprecht es nicht aus, Prinzessin. Ihr wisst, was dann passiert. Und ich würde mir nur ungern vorstellen, was mit mir passiert, solltet Ihr entschwinden. Wir können uns in Ruhe darüber unterhalten, sobald Íhr wieder in den Schlaf abdriftet. Der Fluch hat immerhin keinerlei Auswirkungen auf Eure Gedanken, wie es mir scheint.
Es ist wirklich zu blöd. Verfügte ich über meinen Körper, könnte ich den Fluch vermutlich brechen oder zumindest eine Möglichkeit finden, ihn abzuschwächen oder vielleicht zu umgehen, so aber... er seufzte schwer.

"Kennt Ihr Euch aus mit Flüchen?", fragte Azura interessiert. Dieser Mann war überaus seltsam, aber sie fühlte keinerlei Feindseligkeit von ihm ausgehen.

Ok, Stopp! Will lachte überfordert. So vieles, worauf er eingehen wollte, dass selbst er nicht wusste, wo er anfangen sollte. Aber es tat gut, seine Anspannungen fielen endlich etwas ab, als er sich ein wenig die Seite halten musste und einfach lachen konnte.
Also erstmal...er musste sich wieder fangen. Es war schwer zu sprechen, wenn seine Stimme so amüsiert zitterte.

Azura blinzelte nur verwirrt mit den Augen, während ihr Mund leicht geöffnet war. Warum lachte er nun so? Sie hatte doch nur gefragt, ob er sich auskennt mit Flüchen.

Ja, ich kenne mich aus mit Flüchen, sagte er noch leicht kichernd.
Ich hatte Bekannte, die oft mit Flüchen herumexperimentiert haben und ich habe mir das ein oder andere von ihnen abgeschaut, aber vor allem habe ich dadurch gelernt, sie zu brechen und sie zu umgehen, um mich effektiver vor ihren Streichen zu schützen. Zugegeben, dieser Fluch ist von weit böswilligerer Natur, aber wenn man sich mit dieser Materie auskennt, dann weiß man, dass Flüche nicht zwischen gut und böse unterscheiden und dass kein Fluch undurchdringbar ist.
Aber... Prinzessin... wieder drohte seine Stimme zu wanken.
Bitte... Ihr habt keinerlei Grund, derart förmlich mit mir zu sprechen. Für Euch bin ich einfach Will, einverstanden?

Azura wusste nicht so recht, wie sie darauf antworten sollte. Ihre Augen weiteten sich ein wenig, ob dieses plötzlichen Wandels seines Verhaltens.
"In Ordnung, aber Ih- Du musst auch nicht so förmlich mit mir sprechen." Azuras Schultern sanken ein wenig ab und ihr Blick wanderte nach unten auf ihre Bettdecke. Ihre eigenen Worte wogen schwer und schienen an ihrer Miene zu zerren.

Will schwieg einen Moment.
In Ordnung, dann bist du Azura und ich bin Will, einverstanden? So ist es auch mir lieber, um ehrlich zu sein. Azura sah Wills Lächeln nicht, aber sie spürte, dass auch in ihm die Anspannung wich.
Ihre Mundwinkel hebten sich kaum merklich. Sie wagte es kaum, zu hoffen, aber vielleicht würde sie ja in Will...

Also gut, Azura. Damit möchte ich gleich zum nächsten Punkt kommen. Wir müssen unsere Gedanken voreinander verstecken können. Momentan lese ich dich wie ein offenes Buch und das ist mir unangenehm. Will konnte nicht anders, als leicht zu lachen.
Also zeige ich dir jetzt, wie du deine Gedanken vor mir verstecken kannst, in Ordnung?

"Das hört sich an, als hättest du Erfahrung damit.." merkte sie trocken an.

Nun, ich höre mich vermutlich so an, weil ich in der Tat Erfahrung mit diesem ganzen Gedankenkram habe. Aber ich erkläre es dir kurz. Das menschliche Gehirn denkt nicht nur auf einer Ebene. Vielmehr gibt es viele Schichten und gehen die Schichten tiefer, sprechen wir von unserem Unterbewusstsein. Sicher hast du dieses Wort schonmal gehört. Als Azura zustimmend nickte, setzte Will seine Erklärung fort.
Verbunden sind wir lediglich auf der obersten Ebene, wenn du also deine persönlichen Gedanken vor mir geheim halten willst, dann musst du lernen, sie auf die nächst tiefere zu verlagern. Das... zu lernen dauert eine Weile, aber es ist nicht sonderlich schwer.

"Und trotzdem warst du in der Lage, vorhin in meiner Vergangenheit zu wühlen, warum?" Ein unwohles Gefühl machte sich in ihr breit. Er konnte jederzeit alles über sie in Erfahrung bringen, keine Geheimnisse, waren sie noch so intim, waren vor ihm sicher. Es schüttelte sie bei dem Gedanken.

Ich möchte dich nicht anlügen, Azura. Wenn du schläfst, du also weder hier bei mir bist, noch wach bist in der Realität, dann bin ich durch unsere Verbindung in der Lage, durch deinen Geist zu reisen. Ja, theoretisch kannst du nichts von mir verheimlichen. Aber dasselbe gilt auch umgekehrt und glaub mir, ich bin auch nicht wild drauf, dass du absolut alles über mich erfährst. Ich weiß, dass du mir in der Richtung noch nicht vertraust, aber lass mich dir sagen, ich wollte lediglich in Erfahrung bringen, mit wem ich es zu tun habe und werde das ab jetzt nie wieder tun. Nicht weil es dir unangenehm ist, sondern weil ich es nie vorhatte. Und das ist ein Versprechen.

Worte konnten Vieles erzählen und sie konnte dieses unwohle Gefühl einfach nicht abschütteln, aber zumindest schien er aufrichtig zu sein. Es hatte keinen Sinn, noch weiter darüber zu sprechen.
"Heißt das, du schläfst auch irgendwann?", fragte sie, um das Gespräch in eine etwas andere Richtung zu lenken.

Ich gehe davon aus, ja. Auch wenn ich mir nicht sicher bin. Ich war schließlich noch nie tot..."

Er war also wirklich tot...

Nichtmal das weiß ich mit Sicherheit. Es ist zum Verrücktwerden.

Seine Stimme schien niedergeschlagen, fast verzweifelt. Sie konnte sich nur vorstellen, wie er sich fühlen musste... aber moment mal...

Richtig, wir schweifen ab. Der Grund, weswegen du nicht fühlst, was ich fühle ist der, dass ich instinktiv verhindere, dass meine Gedanken und meine Gefühle auf der obersten Bewusstseinsebene verarbeitet werden. Aus denselben Grund bist du auch nicht in der Lage, meine Gedanken zu lesen. Ich denke an eine Zahl. Welche ist es?

"Ich weiß es nicht." Sollte sie raten?

Nein, raten ist in unserem Fall sinnlos, denn es geht hierbei darum, ob du weißt, welche Zahl es ist. Wenn du es nicht weißt, haben wir unsere Antwort und die Zahl ist uninteressant.

"6!"

Falsch. Will musst leicht schmunzeln.

"12?" Diesmal war es schon eine Frage. Aber auch ihre Mundwinkel hoben sich ein wenig.

Auch nicht richtig. Soll ich es sagen?

"Nicht so schnell, einen Versuch habe ich noch", entschied sie von sich aus.

3 Versuche also, ja? Also gut, gib dein Bestes

Azura überlegte kurz und sagte dann entschlossen "17!"

Leider erneut daneben. Es war 23.765, verkündete Will stolz im Angesichts seines Sieges.

"Wie unfair, das konnte ich nicht erraten." Trotz ihrer Niederlage entwichen ihr freudige Laute, ihre Hand hatte sie sich vor ihren Mund gehalten, schließlich war es nach Mitternacht.

Jetzt bin ich dran mit raten. Los, denk dir eine Zahl.

"In Ordnung" das machte Spaß, sie konnte nicht anders, als zu lächeln. Sie legte sich wieder hin und vergrub ihren Kopf in ihrem Kissen.

14

Stille
"Willst du mir jetzt verraten, wie ich meine Gedanken vor dir verbergen kann?", ihre Mundwinkel formten sich in ein brummiges Schmollen, und ihre Stimme klang durch das Kissen leicht gedämpft, was Will einen Lacher entlockte. Aber sie brachte es nicht fertig, lange eingeschnappt zu sein. Sie hatte Spaß.

Denk dir einfach, dass ich deine Gedanken nicht lesen soll. Denk dir eine Zahl mit dem Gedanken im Kopf, dass ich sie nicht erfahren darf.

"Es kann doch unmöglich so einfach sein" Dennoch versuchte sie es. Sie schloss die Augen, um sich zu konzentrieren.

So ist es gut, genau so.

"Und? Weißt du die Zahl?", fragte sie beinahe hoffnungsvoll lächelnd nach.

Hmmm.... nein, keine Ahnung. Nicht schlecht, du hast es beim ersten Versuch hinbekommen, lobte Will sie lachend, aber Azura sagte nichts und zeigte nur ihrerseits ein Lächeln.

"Dann musst du raten", verkündete sie noch immer mit geschlossenen Augen, ein freudiges Lächeln auf den Lippen.

Also gut... Will überlegte kurz.
Hmmm... 19

Ihr entwich ein leises Kichern.
"Nein", summte sie fast schon

Hmmm... 167

Ihr erneutes Kichern verriet Will bereits, dass er erneut daneben lag.
"Einmal darfst du noch", verkündete sie freudig.

Diesmal überlegte Will länger und Azura genoss jede Sekunde dieser siegessicheren Stille.
2000 war seine letzte Antwort.

"Faaaalsch. Es war 68.302.258"

Will musste laut loslachen.
Du hast mich erwischt, fair und ehrlich mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Beim nächsten Mal nehmen wir Zahlen zwischen 1 und 100.

Beim nächsten Mal. Azuras Lippen wollten einfach nicht aus der Form fallen.

In Ordnung. Den ersten Schritt hast du getan. Das nächste Ziel ist, die Zahlen völlig automatisch vor mir zu verheimlichen. Im Moment denkst du noch aktiv daran, sie zu verheimlichen, aber es muss in Fleisch und Blut übergehen.
Will hatte nicht das Gefühl, sie würde ihm zuhören. Ihre Atmung war ruhiger geworden. Sie war eingeschlafen und Will fand sich zugleich in ihrer beider Gedankenebene wieder.

Hier war es schwarz und still, aber es war nicht unangenehm. Es herrschte eine angenehm warme Temperatur und er konnte sich sogar hinsetzen und, noch viel mehr, an einer unsichtbaren Wand anlehnen. Die Situation, in der er sich befand war merkwürdig, aber er hatte immerhin Gesellschaft. Auch Will schloss die Augen und vor sich sah er das friedlich lächelnde Gesicht der schlafenden Prinzessin mit den blauen Haaren.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast