Es findet zusammen, was zusammen gehört.  #currbi

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
29.12.2018
16.01.2019
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Der Wecker klingelte und Tobi wischte über das Display, um ihn auszustellen. Gähnend setzte er sich auf und fühlte sich tatsächlich viel besser. Er stand auf und ging ins Bad. Unter der Dusche dachte er nach. Wie sollte es nun weiter gehen? Er konnte ja nicht ewig mit seiner Vogel-Strauß-Taktik weitermachen. Spätestens in zwei Tagen, wenn wieder ein HWSQ-Aufnahmeabend geplant war, musste er wieder mit Curry reden. Und am besten wäre es, wenn bis dahin die Situation geklärt wäre. Ansonsten würden sich die gemeinsamen Aufnahmen in Zukunft wohl sehr schwierig gestalten.

Beim Gedanken an Curry stolperte sein Herz mal wieder. Er dachte an den Kuss. An diesen schönen Moment, als sich ihre Lippen berührten und es ihm für ein paar Sekunden egal gewesen war, was andere darüber dachten. Dachte an Kevins blaue Augen, an seine Lächeln, die kurzen, zufälligen Berührungen. Er schloss die Augen und lehnte seinen Kopf an die kalten Fliesen.
Er vermisste Kevin. Ganz einfach.
Er wollte ihn berühren, ihn sehen, ihn riechen, ihn...schmecken. Zum ersten Mal ließ er jetzt diese Gedanken zu und schob sie nicht hastig weg.
Vielleicht brauchte er einfach ein bisschen Zeit, um sich damit vertraut zu machen? Er wollte es so sehr. Er wollte Kevin. Er wollte mit ihm zusammen sein. Doch ob Kevin ihn auch wollte? Jetzt, nachdem er ihn wie ein Stück Scheiße behandelt hatte?

Tobi stieg aus der Dusche und trocknete sich ab. Gedankenverloren zog er sich an und wurde unsanft aus seinen Grübeleien gerissen, als es an der Tür klingelte.
"Sicherlich die Post. Die Lootchest ist fällig", dachte er und drückte auf den Türöffner. Doch statt des Paketboten stand Alina vor ihm.
"Hi."
"Oh, mit dir hab ich ja gar nicht gerechnet", sagte er erstaunt und bat sie herein.
"Hast du frei?"
"Ja, morgen muss ich wieder los", antwortete sie und versuchte, durch die wuselnden Hunde in die Wohnung zu gelangen. Sie verteilte rasch ein paar Leckerlis und ging durch ins Wohnzimmer.
"Wie geht es dir?", fragte sie.
"Besser, danke. Und danke nochmal für deine Hilfe", erwiderte er lächelnd.
"Immer gern", gab sie zurück und nahm dankend das Glas Apfelschorle entgegen, das Tobi ihr reichte.

"Du, sag mal", grinste sie und ihr listiger Unterton ließ ihn nichts Gutes erahnen, "was war denn da im Stream los?"
"Wieso?", stellte er sich dumm und ging fluchtartig in den Flur, um seine Zigaretten zu suchen. Dass seine Hinhaltetaktik bei Alina nicht funktionierte, war ihm natürlich klar, aber ihm fiel so kurzfristig nichts besseres ein. Endlich hatte er die Packung umständlich aus seiner Jackentasche herausgepult und ging auf die Terrasse. Alina schnappte sich ihr Glas und ging hinterher. Er setzte sich auf die Bank und zündete sich die Zigarette an, Alina pflanzte sich ohne Umschweife  daneben und sah ihn fragend an: "Na?"

Er seufzte. "Hast du es gesehen?"
"Natürlich", grinste sie und hielt ihr Handy hoch. Eigentlich hatte er nicht hinsehen wollen, aber es war ja wie ein Verkehrsunfall: man musste hingucken, ob man wollte oder nicht.
Ein Bild. Von Barbara. Er und Curry. Der Kuss.
Stöhnend wischte er sich mit der Hand über das Gesicht.
"Fuck", entfuhr es ihm leise.
"Es gibt sogar ein schönes GIF von euch. Und der Stream ist auch..."
Bevor Alina weiter sprechen konnte, wurde sie von Tobi unwirsch unterbrochen. "Spar es dir, ja?"
Tat sie natürlich nicht.
"Hattet ihr da eine Wette laufen? Oder wie kam das zustande?", kicherte sie und nippte an ihrer Apfelschorle.
Tobi seufzte entnervt: "Nein, hatten wir nicht."

Er sog heftig an seiner Zigarette und wippte nervös mit einem Bein. Konnte diese Frau nicht einfach die Klappe halten? Doch er kannte Alina und sie würde hartnäckig weiter bohren, bis sie sicher war, dass er die Wahrheit sagte.
"Dann war das einfach so, oder wie? Ich meine, dass du und Curry euch anflirtet, ist ja normal, aber ein Kuss ist ja schon echt ´ne Nummer. Was habt ihr euch denn dabei gedacht? Das war doch bestimmt abgesprochen, oder? Ihr habt das bestimmt gemacht, damit Gronkh mal das Grinsen aus dem Gesicht fällt, was? Hat gut geklappt, muss ich ja sagen", lachte sie. Dann sah sie  Tobi an und ihr Lachen verebbte augenblicklich.

"Hey, was ist denn?", fragte sie. Er sah sie an und dann schnell wieder weg.
Großartig. Er konnte Alina nicht anlügen, die merkte das doch sofort. Er hatte ihr noch nie etwas verheimlichen können. Er biss sich auf die Lippe.

"Warum so ernst? Wollt ihr nächste Woche heiraten, oder was?"
Irgendwas in seinem Gesicht musste ihn verraten haben, denn auf einmal weiteten sich ihre Augen und sie sagte tonlos: "Nein. Nein, das kann nicht sein. Komm, verarsch mich nicht, Tobi."
Er sah sie an und holte tief Luft. "Ich verarsche dich nicht."
Er fühlte, wie er rot wurde und drückte seine Kippe im Aschenbecher aus.

"Wann? Wie?" Alina war perplex. Er war ein bisschen amüsiert, dass es sie gerade so aus den Socken haute, aber im selben Moment rang er wieder nach Worten, um zu erklären, was er nicht erklären konnte.
"Ich kann es dir nicht sagen. Ich hab das ja nicht geplant. Es ist...einfach so passiert." Hilflos zuckte er mit den Schultern und sah sie unsicher an.
"Wow. Ich meine, wow. Ich...ich weiß gar nicht, was ich sagen soll."
"Dann lass es einfach", sagte er schroff.

Himmel, das war doch alles nicht wahr! Jetzt saß er hier mit seiner Ex-Freundin und redete tatsächlich über Curry? Sowas konnte sich doch keiner ausdenken.
Ruhelos fuhr er sich durch die Haare.

Sie trank einen Schluck.
"Seid ihr denn - zusammen?"
"Nein. Ich hab´s vergeigt." In kurzen Sätzen erzählte er von dem Desaster. Am Ende musste er aufpassen, dass seine Stimme nicht brach. Er räusperte sich und bemühte sich um Kontrolle.
Sie seufzte. "Ach, Tobi."
"Ja, ich weiß. Ich bin ein Arschloch", sagte er leise.
"Nein, bist du nicht", widersprach Alina und knuffte ihn mit der Faust. Er schnaubte unwillig.
"Und, was willst du jetzt machen?"
"Ich weiß es nicht", sagte er und klang unheimlich müde dabei. "Ich weiß ja noch nicht mal, ob er...ich meine, ob er mich auch - so mag."
Eigentlich hatte er 'ob er mich auch liebt' sagen wollen, aber das kam ihm vor Alina nicht über die Lippen.

"Kann es sein, dass du dumm bist oder sowas?", zitierte sie mit Kleinmädchenstimme aus 'Forrest Gump' und Tobi antwortete automatisch: "Mama sagt, dumm ist der, der Dummes tut."
Sie lachte und er grinste kurz zu ihr hinüber. Während er nach einer weiteren Zigarette griff, fragte er: "Meinst du echt?"
"Dass du dumm bist?", neckte ihn Alina und nahm ihm die brennende Zigarette aus der Hand. Erstaunt sah er sie an: "Ich dachte, du hast aufgehört?"
"Ach, ist doch egal. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Oder so."
Er zündete sich erneut eine Zigarette an und sagte nach einer kurzen Pause: "Ich war so fucking scheiße zu ihm. Ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen soll."
Alina nickte. "Ja, das war echt keine Glanzleistung. Das war so ein richtiger Tobi."
Tobi schluckte. Sie hatte so Recht. Eine Weile rauchten sie schweigend.

Dann drückte Alina entschlossen ihre Kippe aus und stand auf. "Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit: fahr zu ihm. Rede mit ihm. Kommunikation ist alles, weißt du?"
Er seufzte. Diesen Satz hatte er schon oft von ihr zu hören bekommen. Weil er nie den Mund aufbekam. Jedenfalls nicht, wenn es wichtig war.
"Ich meine das ernst. Du musst schon aus dir herauskommen, wenn Curry dir so wichtig ist."
Sie zog ihn von der Bank hoch. "Los, geh und pack ein paar Sachen zusammen. Ich kümmere mich um die Ladies." Sie schubste ihn spielerisch in Richtung Tür und lächelte ihm ermutigend zu.