Das Ursprungsblut

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
28.12.2018
25.08.2019
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Ja, ich weiß, es ist nicht mehr Wochenende ^^' Aber ich hoffe, ihr habt die 3 Tage mehr überstanden. Und bevor ich euch bis zum nächsten Wochenende warten lasse, dachte ich, dass ich euch heute noch das neue Kapitel zur Verfügung stelle.

Wieder ist es etwas länger geworden. Irgendwie sind die aktuellen Kapitel nicht kurz zuhalten o.O Da kann ich machen was ich will...

Aber ich muss gestehen, dass ich dieses Kapitel tatsächlich richtig mag :D Einfach, weil sich die Beziehung der beiden weiter entwickelt und ich den Gedanken an die enge Bindung der Beiden so toll finde <3 Ich bin ja gespannt, ob wie ihr es findet ;)

Und nun noch einen schönen Abend und ganz viel Spaß ^^

Eure Nina <3<3<3

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Kapitel 12: Komplett

Als Harry an diesem Abend ins Bett ging, war er guter Dinge. Er war überzeugt, dass Severus schon bald auf ihn zukommen würde. Immerhin war er ein rational denkender Mann. Und auch er musste doch spüren, dass sich etwas zwischen ihnen veränderte und sie sich nicht dagegen wehren konnten.

Leider war das eine Sache, die den Helden noch immer wurmte. Auch wenn er sich damit abgefunden hatte, dass er sich nicht wehren konnte, so tat ihm Severus doch leid. Harry hatte ihn immerhin, wenn auch unabsichtlich, mit rein gezogen in seine verquere Welt voller Ungerechtigkeit. Er glaubte zwar nicht, dass Severus aktuell eine Partnerin oder gar einen Partner hatte. Und auch sonst war der Gedanke an seinen Professor und jemanden an seiner Seite irgendwie abwegig. Aber wer wusste schon, wie Severus privat war? Immerhin kannten sie sich bisher nur aus der Schule. Vielleicht war er ja jemand, der die große Liebe suchte? Oder vielleicht gab es zumindest jemanden, den der Professor mochte, aber wegen dem Krieg hatte er sich immer zurückgehalten?

Der Stich bei diesen Gedanken, der Harry durch die Brust fuhr, schmerzte gewaltig. Er wollte nicht, dass Severus jemand anderen liebte, als ihn! Das würde er einfach nicht ertragen. Und doch… Was wäre wenn? Wenn er jemals mit Severus zusammen käme, würde er Harry nicht vorhalten, dass er sein Leben nicht hatte selbst bestimmen können? Und Harry würde er verstehen können. Er könnte Severus nicht einmal widersprechen, denn immerhin war er Schuld, dass Severus sich niemanden selbst aussuchen konnte.

Seine gute Stimmung verblasste immer mehr, je länger Harry hier im Dunkeln seines Schlafsaals lag und nachdachte.

Verdammt, dachte der Held. Das konnte doch wahrlich nicht sein. Noch vor drei Wochen hätte er nie gedacht, mal so über seinen Professor zu denken und nun versetzten ihn seine Gedanken in ein absolutes Tief der Gefühle. Es war doch wirklich erstaunlich, wie schnell sich alles verändert hatte. Bevor dieser ganze Vampirmist los ging, hatte er nicht mal daran gedacht, dass Severus als Partner in Frage käme. Mal abgesehen von irgendeinem anderen Mann. Vor dem großen Kampf hatte er immer noch gehofft, wieder mit Ginny zusammen zu kommen und mit ihr glücklich und alt zu werden. Und nun das! Er sollte sich endlich zusammenreißen und davon nicht so runterziehen lassen. Es war ja nicht so, als ob Harry etwas ändern könnte, selbst wenn er es denn wollte. Und so musste er sich damit abfinden und das beste daraus machen. Und das hieß, sich mit Severus zu arrangieren und ihm eine bestmögliche Zukunft bieten. Denn wenn sie beide sich schon nicht wehren konnten, dann sollten sie das beste daraus machen.
Und bevor Severus Harry irgendwelche Vorwürfe machte, würde der Held ihm beweisen, dass er die beste Wahl an seiner Seite war. Harry wusste zwar noch nicht wie, aber er würde es schaffen, da war er sich sicher.

Sein Lächeln kehrte auf sein Gesicht zurück. Oh ja, er würde Severus glücklich machen. In jeder Hinsicht.

Überraschende Bilder breiteten sich in seinem Kopf aus. Er sah Severus vor sich knien und zu ihm hinaufblicken. Auf seinem Gesicht ein glückliches Lächeln. Gleichzeitig war sein Blick glasig und voller verlangen und Lust. Harrys Blick glitt weiter und blieb an der blutigen Wunde an dessen Hals hängen. Er konnte deutlich die Abdrücke seiner Zähne sehen und keuchte erregt auf.

Blitzartig riss Harry seine geschlossenen Augen auf und setzte sich zitternd im Bett auf. Erregung flutete seinen gesamten Körper. Und der Durst nach Severus Blut war so allgegenwärtig wie noch nie. Er spürte seine Zähne wachsen und egal wie sehr er versuchte sich zu beruhigen, sie verschwanden einfach nicht mehr. Angst kam in ihm hoch. Was geschah hier gerade? Bisher hatte er sich doch immer schnell wieder unter Kontrolle bekommen. Er musste zu Dumbledore. Vielleicht konnte er ihm helfen. Leise, um seine Freunde nicht zu wecken, stand Harry auf ohne Licht zu machen. Hier kamen ihm seine neuen Augen gerade recht.

Er verzichtete auf seinen Tarnumhang und schlich durch den Gemeinschaftraum und hinaus auf den Gang. Leise, fast lautlos, bewegte er sich fort. Er wich Filch geschickt aus und fand sich schon bald vor den Wasserspeiern von Dumbledores Büro. Hoffentlich war dieser noch wach.

Er wisperte das Passwort und sofort wurde ihm der Weg frei gegeben. Harry eilte die Wendeltreppe empor und klopft zögerlich. Sein inneres hatte sich noch immer nicht beruhigt. Und auch seine Zähne waren noch immer vorhanden und gierten nach Severus Blut. Leider war auch immer noch der Durst vorhanden. Und Harrys Verzweiflung wuchs weiterhin an. Das konnte einfach nicht mehr normal sein. Egal, wie viel er bisher über Severus nachgedacht hatte. Noch nie hatte er so extrem regiert.

„Herein!“, vernahm Harry die erlösende Antwort auf sein Klopfen. Sofort trat er ein und erblickte überrascht, aber erfreut Remus, der vor Dumbledores Schreibtisch mit einer Tasse Tee saß und sich mit dem Direktor unterhielt. Erstaunt sahen ihn beide an.
„Harry! Solltest du nicht im Bett liegen?“ Dumbledores Augenbraue hob sich amüsiert und in seinen Augen blitzte es. Auch Remus sah ihn gespielt vorwurfsvoll an. Beide wussten, dass Harry sich nicht unbedingt an Regeln hielt und so wirklich etwas dagegen hatten sie bei ihm schon lange nicht mehr. Verlegen sah der Held ihnen entgegen, wurde dann jedoch direkt wieder ernster.
„Es tut mir leid für die späte Störung. Aber ich brauche Hilfe.“ Damit öffnete er seinen Mund und zeigte den beiden Männern seine noch immer vorhandenen Zähne.

Neugierig winkte Dumbledore in heran, trat um den Schreibtisch und besah sie sich genau. „Seit wann sind sie da?“, fragte er nachdenklich. Harry musste überlegen. „Seit circa 25 Minuten.“
„Was ist passiert, dass sie hervorkamen?“ Der Held wurde etwas rot um die Nase. „Ich habe an Severus gedacht.“
Remus im Hintergrund grinste ihn schelmisch an. „Ich frage mich, was du gedacht hast.“

Harry sah ihn empört an. „Nicht so! Zumindest nicht direkt.“, meinte er kleinlaut und die beiden anderen Lachten leise. „Setz dich doch, Harry. Und dann erzählst du uns, was genau los ist und warum du hier bist.“ Dumbledore beschwor noch einen weiteren Stuhl und bat ihn Harry an, der sich dankbar setzte. Bevor er jedoch erzählen konnte reichte ihm Remus einen warmen Tee. Erleichtert atmete er den Duft nach Früchten ein und entspannte sich endlich etwas. Er schloss kurz die Augen, um noch etwas mehr zu entspannen, nur um sie direkt wieder aufzureißen und zitternd einzuatmen. Erneut war ein Bild von Severus vor seinen Augen erschienen. Dieses Mal hatte er nackt vor ihm im Bett gelegen und sich genüsslich geräkelt. Auf seiner weißen Haut hatte Harry dessen Blut erkennen können, das nur darauf wartete abgeleckt zu werden. Und erneut erfasste ihn der Durst. Er keuchte auf und begann zu zittern vor Verlangen.

Das war nun definitiv nicht normal! Wie konnte er gerade jetzt zu solchen Gedanken kommen? Das war nun wirklich unerwartet gekommen. Verzweifelt sah er zu seinem Direktor, der ihn nun ebenfalls besorgt ansah. „Was ist los, Harry?“

„Ich hatte heute ja das erste Mal Nachhilfe bei Severus, wie Sie wissen.“ Dumbledore und Remus nickten.
„Es war anfangs auch ganz in Ordnung. Wie nicht anders erwartet, hatte er vor mich zu testen und mir einen nicht wirklich leichten Trank als Aufgabe gegeben. Und doch lief es erstaunlich gut und wir sind uns auch tatsächlich etwas nähergekommen.“ Beide grinsten ihn keck an und Harry wurde rot. „Nicht so, wie Sie nun denken. Bevor wir uns auch körperlich wirklich näherkommen konnten, ist Severus zurückgewichen und hat mich zur Rede gestellt. Er wollte wissen was los war und zwischen uns geschieht.“
„Erstaunlich.“, unterbrach Remus ihn. „Ich hätte nicht gedacht, dass Severus so schnell über die Phase der Verdrängung kommt. Ich habe ja eher mit noch einigen Wochen gerechnet, ehe er Harry anspricht.“
„Ich bin ebenso erstaunt.“, stimmte Dumbledore nachdenklich zu. „Aber Severus hat uns schon immer überrascht. Vielleicht stimmte deine Vermutung, Remus, und unser guter Severus ist schon weiter, als wir alle erwartet haben. Aber nun erzähl erst einmal weiter, Harry. Ich bezweifle, dass du deswegen hier bist.“

„Stimmt, Professor. Severus hat erstaunlich gefasst reagiert, nachdem ich ihm alles erzählt habe und sich lediglich etwas Zeit erbeten. Aber das ist es wirklich nicht, weswegen ich hier bin. Ich meine, das lief heute Mittag wirklich besser als erwartet. Es geht eher darum, was vorhin passiert ist. Ich habe bereits im Bett gelegen und bin das Gespräch noch einmal durchgegangen. Eigentlich waren es wirklich harmlose Gedanken. Ich bin selbst überrascht, aber ich habe zum Schluss daran gedacht, dass ich alles tun will, damit Severus es nicht bereuen muss, an mich gebunden zu sein.“ Remus und Dumbledore tauschten unbemerkt einen mitleidigen Blick. Sie hatten schon befürchtet, dass Harry sich wegen so etwas sorgen würde. Allerdings schien der Junge diese Sorgen auch gut allein bewältigen zu können. Dennoch würden beide ein Auge auf Harry haben, das war sicher. Denn so wie sie den Jungen kannten, würde dieser sich nachher nur selbst verlieren, indem er mal wieder die Bedürfnisse eines anderen vor die eigenen stellte.

„Es kam eher plötzlich. Auf einmal, wie aus dem Nichts, änderten sich meine Gedankengänge und ich musste an Severus in… nun ja, gewissen Situationen denken.“ Harry senkte den Blick und wurde knallrot.
„Es muss dir nicht unangenehm sein, Harry. Wir wissen, was da bei dir los ist und machen uns nicht lustig über dich. Es ist völlig normal, dass du solchen Gedanken hast.“ Remus versuchte seinen Schützling etwas zu beruhigen. Doch Harry sah ihn nur bockig an. „Wenn ich die Gedanken von mir aus gehabt hätte, wären sie mir auch nicht peinlich.“
„Was genau meinst du, Welpe?“ Der Werwolf war nun doch etwas verwirrt.
„Ich sagte doch, dass ich zwar an Severus gedacht habe, diese Art von Gedanken aber sehr überraschend kamen. Ich hatte nicht einmal in diese Richtung gedacht, als ich auf einmal diese Bilder im Kopf hatte. Und dann sind auf einmal meine Zähne gewachsen. Ich habe direkt versucht meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen. Bisher hat es auch immer geklappt. Doch wie ihr sehr, sind diese beschissenen Zähne noch immer da. Und als ich eben hier ankam und endlich dachte, ich würde mich wieder entspannen und zur Ruhe kommen, da sind auf einmal wieder aus dem Nichts diese Bilder da gewesen.“ Und noch während Harry sprach, kamen sie erneut. Erregt keuchte Harry auf und wand den Blick von Remus ab. Er sah Severus wieder vor sich. Dieses Mal stand der Professor mit dem Rücken zu ihm an einer Wand gelehnt. Er sah über die Schulter zu Harry und erneut war dessen Blick vor Lust verschleiert. Doch etwas war anders. Dieses Mal hatte Severus keine Bisswunde, aus der Blut hervorkam. Dieses Mal lief ihm das Blut direkt über die Lippen und an seinem Kinn hinunter.

Erschrocken schlug Harry die Hände vor dem Gesicht zusammen und versuchte die Bilder aus seinem Kopf zu verbannen. Nicht nur seine Erregung wuchs erneut an, auch der Drang aus dem Büro zu stürmen und zu Severus zu gelangen nahm zu. Es war fast nicht erträglich. Er konnte ein Wimmern nicht mehr unterdrücken.

Eine leichte Berührung an seiner Schulter ließ ihn zusammenzucken. Erschrocken sah er auf zu Remus. „Alles in Ordnung?“ Und das war es. Dank Remus, der ihn gerade aus seinen Tagträumen, oder was auch immer das gerade war, gerissen hatte. Deswegen nickte er erschöpft.
„Wieder diese Bilder, von denen du uns gerade berichtet hast?“, erkundigte sich nun Dumbledore neugierig. Harry nickte. „Sie kommen einfach so. Das ist das erste Mal, dass ich das habe. Und es nervt. Was kann das sein Professor?“
„Harry, ich weiß, dass es dir unangenehm ist. Aber ich würde dich bitten uns zu berichten, was genau du gerade gesehen hast.“ Nur wiederwillig kam Harry dieser Bitte nach. Doch er vertraute den beiden Männern und wusste, dass Dumbledore nicht ohne Grund fragte.
„Es war dunkel. Ich gehe davon aus, dass es Nacht war. Severus und ich waren draußen. Wo genau kann ich nicht sagen. Er stand mit dem Rücken zu mir an einer Wand. Seine Robe war obenrum aufgeknöpft und seine Schultern und sein Hals waren entblößt.“
„Hattest du ihn gebissen?“ Harry sah zu Remus und schüttelte den Kopf. „Dieses Mal nicht. Bei den letzten Bildern, ja. Dieses Mal war sein Hals makellos. Allerdings…“ Harry zögerte, sprach dann aber doch weiter. „Severus hatte sein Gesicht mir zugewandt. Und auch wenn ich ihn nicht gebissen habe, so lief ihm Blut über die Lippen. Es sah eher so aus, als habe er Blut getrunken. Und er wirkte irgendwie zufrieden und erregt.“

Remus und Dumbledore tauschten erneut einen Blick.
„Was genau macht Severus jetzt gerade, Albus?“ Dumbledores Augen funkelten vergnügt auf die Frage. „Ich denke, dass er alleine unten in seinen Räumen ist und wahrscheinlich über die ganzen Informationen nachdenkt, die er heute bekommen hat.“ Er wirkte vergnügt und Harry hätte ihn am liebsten an die nächste Wand geklatscht. Er hasste es, wenn der Direktor augenscheinlich etwas wusste, es aber nicht verriet.
„Professor, bitte! Wenn Sie etwas wissen, dann sagen Sie es mir. Es macht mich wahnsinnig, dass ich gerade nicht weiß was los ist.“
„Du hast Recht, Harry. Du solltest wissen was los ist. Nun, ich denke einfach, dass du die Gefühle von Severus aufnimmst. Ich denke und bin auch recht sicher, dass Severus sich in diesem Moment mit der Situation auseinandersetzt. Und egal, ob er es selbst schon weiß oder auch nicht, innerlich nimmt er das alles bereits an. Deswegen reagierst du auch darauf. Dein innerer Vampir nimmt es wahr, dass sein Partner ihn auch will.“
„Und deswegen habe ich das Bedürfnis ihn sofort zu beißen?“
„Ich bezweifle, dass ihr bereits so weit seid. Aber ich kann mir vorstellen, dass Severus sich auch damit auseinandersetzt und du diese Gedanken vielleicht auffängst. Und auch wenn Severus wohl nicht daran denkt, vor dir an eine Wand gepresst zu werden.“ Er kicherte amüsiert. „So denke ich doch, dass Severus darüber nachdenkt, wie es wäre von dir gebissen zu werden. Der Rest wird dann die Fantasie deines Vampires sein.“

Harry dachte lange über diese Vermutung nach. Es klang definitiv logisch. Und es würde alles erklären. Allerdings…
„Ich wusste gar nicht, dass ich seine Gefühle so stark wahrnehmen kann. Das muss neu sein.“

Nun war es Remus der nachdenklich wirkte. „Es sollte auch eigentlich nicht der Fall sein. Soweit ich weiß, konnten die Ursprungsvampire die Gefühle und nach der Bindung, wenn die Gefühle füreinander stark genug waren, auch die Gedanken des anderen wahrnehmen. Dennoch musste der Vampir auch über eine gewisse Stärke verfügen. Du hingegen bist nicht einmal ein echter Vampir, egal wie weit deine Umwandlung dich auch verändert hat. Es erstaunt mich daher, dass es so ausgeprägt bei dir ist.“ Er sah zu Dumbledore. „Ich würde gerne von Poppy etwas testen lassen. Könnten wir sie zu diesem Gespräch dazu holen?“
„Aber gewiss doch, Remus. Ich werde sie sofort bitten zu kommen.“ Mit diesen Worten stand Dumbledore auf und trat zum Kamin, um die Krankenschwester zu rufen. Remus hingegen wand sich wieder an Harry. „Wir werden ihr nicht erzählen, was du uns gerade im Vertrauen mitgeteilt hast, keine Sorge. Dennoch habe ich eine Vermutung, die ich gerne bestätigt haben möchte.“
„Was für eine Vermutung?“
„Ich glaube, dass das Ursprungsblut die Symbiose vollendet hat.“
„Was genau meinst du, mit vollendet?“
„Ich glaube, dass du durch das Blut nicht nur Teilveränderungen durchgemacht hast. Poppy hat bereits einmal erwähnt, dass dein Körper sich verändert, um sich dem Blut anzupassen. Wenn deine Fähigkeiten nun schon so weit gehen, befürchte ich, dass du vielleicht endgültig zu einem echten Vampir geworden bist.“

Erschrocken riss Harry die Augen auf und sah ungläubig zu dem Werwolf. Das konnte doch nicht sein. Reichte es nicht schon aus, dass er einem Vampir ähnlich geworden war? Nun gut, es war nicht komplett abwegig und wenn Harry ehrlich war, hatte er schon das eine oder andere Mal über diese Möglichkeit nachgedacht. Allerdings hatte er gehofft, dass ihm wenigsten das erspart bleiben würde.

Im Hintergrund rauschte es.
„Ich hoffe du hast einen triftigen Grund, mich um diese Uhrzeit noch hierher zu bestellen.“, meckerte Madame Pomfrey den Direktor direkt an, kaum dass sie die Flammen verlassen hatte. „Meine liebe Poppy. Wann habe ich mal keinen wichtigen Grund gehabt?“
„Letzte Woche, als du jemanden zum Schachspielen brauchtest!“, fauchte sie.
„Aber das war wichtig. Immerhin hatte ich niemanden zum Schachspielen.“ Remus und Harry kicherten beide los. Das war so typisch für ihren Direktor. Sofort wurde die Krankenschwester auf sie aufmerksam.
„Remus! Harry! Wie schön euch zu sehen. Ist alles in Ordnung? Es ist doch nicht wirklich etwas passiert?“, erkundigte sie sich auch direkt und kam zu ihnen herüber. Sofort beschwor Remus einen weiteren Stuhl, damit sie sich setzen konnte.
„Es ist nicht direkt etwas passiert. Allerdings habe ich Albus gebeten dich zu holen, weil ich dich darum bitten wollte Harry erneut zu untersuchen.“ Sie sah nun besorgt zu Harry, der ihr jedoch beruhigend entgegen lächelte.
„Was genau ist denn los?“
„Ich habe die Vermutung, dass Harry immer weiter zum Vampir wird. Wenn er denn nicht schon einer ist. Und ich wollte dich bitten, diese Vermutung zu prüfen.“

Sofort war Poppy auf den Beinen und hatte ihren Zauberstab gezückt. „Das sollte kein Problem sein. Dann wollen wir doch einmal sehen.“ Und ehe Harry es sich versah hatte sie bereits den Zauber gesprochen und er war in gelbes Licht getaucht. Geduldig wartete er ab und beobachtete, wie Dumbledore sich wieder hinter seinen Schreibtisch begab und ihnen allen Tee nachschenkte.

Es dauerte nur wenige Momente bis sich Poppy wieder zurück zog und dankbar den Tee annahm. Dann sah sie abwechselnd zwischen den dreien hin und her und seufzte schließlich.
„Ich befürchte, dass deine Vermutung richtig ist, Remus. Anscheinend ist die Symbiose abgeschlossen. Harry, du bist nun endgültig zu einem Vampir geworden.“ Der Held stöhnte genervt auf. „Ich habe es ebenfalls befürchtet. Bei mir muss ja immer gleich das schlimmste passieren. Aber ich werde doch jetzt nicht doch noch verrückt, wie diese blutrünstigen Vampire, von denen man immer mal wieder liest, oder?“ Alle drei Erwachsenen schüttelten den Kopf.
„Aber nein, Welpe. Durch das Ursprungsblut kannst du gar nicht so werden. Du wurdest eher zu einer neuen Generation der Ursprungsvampire. Es ist also nicht so schlimm wie du befürchtest. Und der Blutdurst wird auch nicht einfach so einsetzen.“
„Aber ich werde nun Blut trinken müssen?“
„Nein, wirst du nicht. Tatsächlich habe ich eben direkt den Test dazu gemacht. So wie es aussieht, ist dein Organismus dazu geeignet sich sowohl von Blut, als auch von normalen Essen zu ernähren. Du kannst es dir praktisch aussuchen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass du zuvor ein Mensch warst. Das Blut hat dich zwar zu einem Vampir werden lassen, aber hat gleichzeitig eine Art Symbiose aus deinen menschlichen und vampirischen Fähigkeiten erschaffen. Es ist wirklich erstaunlich und unglaublich interessant. Und ich würde das gerne weiter untersuchen.“, schaltete sich nun die Krankenschwester ein. Und Harry war wahrlich erleichtert. „Dann ist es ja gut. Ich würde nur ungerne auf meinen Schokopudding zum Nachtisch verzichten wollen.“ Sofort lachten alle auf und die angespannte Stimmung war endlich gebrochen. Alle entspannten sich wieder etwas und Harry konnte feststellen, dass es ihm endlich gelang die Zähne wieder zu verbergen. Anscheinend hatte Severus nun aufgehört an sie und die Verbindung zu denken. Mit einem Blick auf die Uhr, es war mittlerweile nach 12, war Harry auch klar warum: Severus musste eingeschlafen sein.

Auch Remus sah nun auf die Uhr. „Herrje, ist es spät geworden. Harry, du solltest schon lange im Bett liegen!“ Der Held verdrehte nur die Augen. „Als ob ich freiwillig noch mal aufgestanden wäre.“ Dazu wusste der Werwolf nichts zu sagen.
„Remus hat jedoch Recht. Es ist spät geworden und wir sollten langsam alle ins Bett. Ich denke, dass wir Harry morgen noch mal in Ruhe durchchecken können. Zunächst reichen die Informationen erst einmal, um unsere Sorgen zu zerstreuen.“
„Ich werde Harry noch in den Turm begleiten. Wir wollen ja nicht, dass er noch Ärger bekommt.“ Remus zwinkerte Harry frech zu und lachte hinter vorgehaltener Hand. Als ob es ihn kümmern würde.

Und so verabschiedeten sich die vier voneinander. Poppy flohte über den Kamin zurück und Remus brachte Harry wie versprochen noch zu seinem Turm.

„Meinst du, dass du nun in Ruhe schlafen kannst, Harry?“, fragte der Werwolf besorgt, als sie in den Gang zum Gryffindorturm einbogen. „Ich denke schon. Seit vorhin hatte ich keine spontanen Bilder von Severus mehr. Ich glaube, dass er schlafen gegangen ist.“
„Das hört sich doch gut an.“
„Allerdings mache ich mir etwas Sorgen. Was wenn ich solche Bilder am Tage sehe und dann reagiere? Stell dir mal vor, das passiert im Unterricht?“
„Mach dir keine Sorgen. Severus wird nicht während des Unterrichts darüber nachdenken. So wie ich ihn kenne, wird er nicht wollen, dass jemand ihm anmerkt, dass etwas los ist. Also wird er sich das für seine Abende, wenn er allein ist, aufbewahren. Du solltest dir also keine Sorgen machen. Viel mehr solltest du dich freuen.“

Sie waren vor dem Porträt angekommen. „Warum sollte ich mich freuen?“, fragte Harry verdutzt.
„Wenn du solche Gelüste hast, bedeutet es doch, dass er es auch will.“ Und mit diesen Worten zwinkerte Remus ihm noch einmal zu, wünschte eine gute Nacht und ließ einen verdutzten Harry stehen. Schnell fing sich der Held wieder und auf seinem Gesicht breitete sich ein breites Grinsen aus. Das wäre wahrhaftig ein Grund zur Freude. Und mit diesen Gedanken ging auch er endlich zu Bett.