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Neuanfang

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Dr. Verena Auerbach Emilie Hofer Katharina Strasser Michael Dörfler Tobias Herbrechter
28.12.2018
13.01.2021
9
21.654
3
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4 Reviews
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13.01.2021 3.329
 
Autor: Wandering ButterflyRating: P12Kategorie: Familie, FreundschaftAnmerkungen: In den nächsten Kapiteln geht es um Katharinas Leben in München und wie sie ihr Studium meistert, aber auch dort läuft nicht alles glatt. Inhalt: Katharinas Mutter ist gestorben, davor hat sie ihr noch eine Nachricht mit auf den Weg gegeben. Sie soll ihren Vater kennenlernen. Mit ihm präsentiert sich ihr ein neues Leben fernab vom hektischen München. Disclaimer: Diese Geschichte schreibe ich nur zu meinem und eurem Vergnügen. Die Charaktere sind alle frei erfunden und wurden von mir konzipiert. Außerdem verdiene ich durch die Veröffentlichung kein Geld.

A/N: Vielen Dank für die zahlreichen Favorisierungen zum letzten Kapitel. Die Geschichte bewegt sich langsam dem Ende zu. Die Handlung dieses letzten Kapitels wird sich im Groben an der Episode 6x02 „Verschollen“ orientieren. Allerdings gibt es ein paar Änderungen, der künstlerischen Freiheit wegen *wink wink*



Neuanfang


Familienfrieden

Nachdem Tobias mit Katharina, seine bis dato unbekannte Halbschwester, fluchtartig das Hotelgelände verlassen hatte, machte er noch einen kurzen Stopp am Gerätehaus der hiesigen freiwilligen Feuerwehr. Er brauchte noch Schilder und Aufsteller für die Zufahrts-und Wanderwege im eigentlich gesperrten Gebiet.
Auch dort machte der Hotelerbe seinem Ärger Luft in dem er alle Gerätschaften mit Schwung und zu viel Kraft auf die metallene Ladefläche des Pickups donnerte. Zum einen, damit er seine ganze Wut nicht an Katharina ausließ, denn die traf wahrlich die geringste Schuld, das sagte ihm sein Verstand und zum anderen brauchte er einen klaren Kopf für Kommendes, beruflich wie privat. Aber jetzt musste er erst einmal Luft ablassen und die ganze Situation mit sich alleine ausmachen.
Katharina hingegen stellte weitere Annäherungs- und Erklärungsversuche mangels Erfolges ein und schaute mit hochgezogenen Schultern fassungslos hinterher, als ihr Bruder einstieg und die Tür zuknallte. Schon jetzt war ihr bewusst woher die Dickköpfigkeit kam, welche sie selber manchmal absolut unleidlich machte.

Mit eisernem Schweigen fuhr Tobias vom Gerätehaus hoch in die Berge zu den ersten Absperrungen die es zu überprüfen galt. Katharina überlegte unterdessen wie sie dem stoischen und zu Recht verletzten Bergretter ihre Sicht der Dinge darlegen konnte.
Langsam der Verzweiflung nahe, faste sich die junge Frau ein Herz und begann mit einer Erklärung. Vielleicht brachte es nichts, aber immerhin musste sie es versuchen.
„Man, ich kann echt nichts dafür, dass deine Mutter euch verlassen hat. Für mich war das auch scheiße ohne Vater, ja? Er hat uns quasi auch verlassen“, warb Katharina um Verständnis. Von Tobias kam keine direkte Reaktion. Ruhig fuhr er den Wagen vor die Schranke und stieg aus, erst da ließ er sich zu einer Bemerkung verleiten. „Ja…ja gut, jetzt hast ja einen. Und…wie lange seid ihr schon in Kontakt?“, fragte er doch recht interessiert während er einen Aufsteller und ein Schild von hinten holte und diesen gut sichtbar vor der Schranke positionierte, „Hättest dich mal bei mir melden können, wenn du schon so lange von mir weißt“, stellte er trocken fest. Genau, eigentlich hätte sie das tun können. Allerdings war erst ihre Mutter und später Peter dagegen gewesen. Ein wenig verärgert, aber zu stolz um ihm das ins Gesicht zu sagen entgegnete sie, dass das doch überhaupt nicht wichtig sei. Dabei stand sie mit den Händen in den Hosentaschen neben dem Auto und schaute ihm bei seiner Arbeit zu. Da er keine Antwort bekommen würde, begutachtete er zum Schluss die Kette an der Schranke und stieg wieder ins Auto.

Kurz, nach erneuter schweigsamer Anfahrt, sprudelte es nun aus Katharina heraus. Einfach raus damit war nun ihr Motto. Offensichtlich konnte er sie ohnehin nicht ab und da brauchte sie auch keine Skrupel mehr haben ihm von Tatsachen zu erzählen, die sein Vater zu erwähnen vergessen hatte. Sie begann einen halbseitigen Monolog über den Zeitpunkt in ihrer Jugend als ihre Mutter sich tatsächlich zu ihr setzte und von der Existenz eines Halbbruders mit dem Namen Tobias erzählte und wie überfordert sie mit dieser Information damals war.
„Und was soll ich mit dir anfangen?“, entgegnete Tobias sehr aufgebracht auf Katharinas eigene Überforderung. Er schaute sie dabei kurz an und dann wieder auf die Straße. Das Gelände war abschüssig und er war ziemlich schnell unterwegs. Diese ganze Situation wirkte sich stark auf sein Gemüt aus. Sich zu kontrollieren fiel ihm unter diesen Umständen schwer.
Katharina zuckte nur verblüfft mit den Schultern. Bei all dem Stress in München hatte sie sich gar keine Gedanken darüber gemacht. Wie ging das eigentlich, Bruder und Schwester? Freunde von ihr mit Geschwistern erzählten oft von Streitigkeiten und wie Nerv tötend Geschwistern doch sein könnten. Sie hingegen stellte es sich fast schon harmonisch vor mit einem großen Bruder, der ihr die Welt erklärte. Jäh riss Tobias sie aus ihren Gedanken.
„Du ich reiß‘ mir jetzt seit fünfzehn Jahren für das Hotel den Arsch auf, ertrag irgendwie unseren Vater und jetzt meinst du, du kommst hierhin und kannst dich ins gemachte Nest setzen oder was?“ polterte Tobias los und schaute Katharina mit ernstem Gesicht an.
Entsetzt schaute sie ihren Bruder an. Dachte er wirklich, dass sie nur die Kohle abgreifen wollte. Das war also seine hauptsächliche Angst. Ihr Vater und sie sind die Sache völlig falsch angegangen. Beide hätten von Anfang an ehrlich und zeitnaher auf Tobias zugehen müssen, dann wäre die Situation nicht so eskaliert. Verständnisvoll und ein bisschen verletzt beruhigte sie ihren Bruder und versicherte ihm mehrmals, dass dies überhaupt nicht ihre Absicht sei.
„Ich möchte einfach nur eine Chance auf Familie und das ich einen Platz bei euch finde“, betonte Katharina ergriffen. Das musste Tobias erst einmal sacken lassen. Innerlich ärgerte er sich, dass er sie aufgrund von falschen Vermutungen so hart angegangen hatte.

Tobias war in Gedanken versunken, als er aus dem Augenwinkel ihm zwei bekannte Personen wahrnahm. Er erkannte die zwei Bergsteiger vom Einsatz heute morgen und konnte sich über deren dreiste Art Absperrungen zu umgehen nur aufregen. Aber nicht mit Tobias Herbrechter.
„Die haben einen Vollhammer. Aber jetzt reicht‘s“, sagte er zu Katharina und setzte den Pickup zurück um die Kurve besser nehmen zu können.
Katharina ahnte von alle dem nichts und fand sich plötzlich in einer wilden Verfolgungsjagd wieder. Verbissen erhöhte der Bergretter die Geschwindigkeit und preschte schneller als erlaubt und gar möglich über den engen nur geschotterten Forstweg mit zahlreichen engen Kurven. Katharinas laute Ermahnungen kamen bei ihm gar nicht an. Diesen Unbelehrbaren gehörten die Leviten gelesen. Schließlich war das Gebiet nicht umsonst für Bergsteiger und Wanderer gesperrt. Immer schneller raste der Mini den Weg entlang, was Tobias nur noch mehr anstachelte. Dann, an einer engen Kurve mit einem riesen Findling an der Innenseite der Fahrbahn geschah das unvermeidbare. Der Mini driftete mit Ach und Krach vorbei, doch dem Pickup brach das Heck aus und beim Versuch gegenzulenken schlitterte der Wagen geradewegs auf den Abgrund zu. Das Auto polterte und überschlug sich auf dem Weg hinab mehrfach ehe es mit dem Dach nach unten in einem kleinen Bachlauf zum liegen kam. Die beiden Insassen hangen kopfüber in ihren Gurten und regten sich nicht.



Nach einer halben Ewigkeit begann Katharina sich zu bewegen. Ihr Kopf hämmerte höllisch und sie bekam kaum Luft. Vorsichtig schaute sie sich um und versuchte dann sich aus dem Gurt zu befreien. Mit einem plumps landete sie auf dem Rücken als der Gurt nachgab und ihr Kopf landete erneut auf dem Deckel vom Handschuhfach. Langsam und mit Bedacht befreite sie ihr ebenfalls schmerzendes Bein und tastete zögerlich ihren Kopf ab ehe sie zu der Stelle kam, die am meisten wehtat. Schon jetzt begann sie zu zittern und schneller zu atmen. Der Schock setzte ein, doch sie musste sich nach dem Fahrer erkundigen. Tobias hatte sich immer noch nicht bewegt.
Behutsam fasste sie an seinen Hals um nach dem Puls zu fühlen. Wie sollte sie ihn da rausbekommen. Langsam ließ sie sich wieder zurückfallen und versuchte sich zu beruhigen, damit sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Ihr Handy, hoffentlich war es noch ganz. Sie kramte es aus der Jeansjacke und entsperrte es. „Scheiße“, sagte sie zu dem fehlenden Netz hier unten in der Senke.
Da war doch ein Funkgerät im Wagen, direkt auf dem Armaturenbrett. Mit neuer Hoffnung suchte sie jetzt agiler nach dem Gerät und fand es schließlich. Es funktionierte noch und zeigte sogar eine Frequenz an, doch das Rauschen nach dem Drücken und Sprechen erstickte ihre Zuversicht. Sie war sich nicht einmal sicher ob drei die richtige Frequenz der Bergretter war. Hätte sie während der Fahrt doch mal hingeschaut, schalt sie sich innerlich und ließ die Sprechmuscheln sinken.
Von Katharina natürlich unbemerkt rauschte es tatsächlich unten in der Bergretterstation, doch Toni konnte nichts damit anfangen. Auch auf seine Funksprüche antwortete niemand, nur das Rauschen der Leitung.
Langsam verzweifelt über die anscheinend aussichtslose Situation rappelte sie sich auf und stützte sich an der Unterseite des Wagens ab. Ungläubig starrte sie in die dichte Vegetation die sie umgab und stieß einen markerschütternden Schrei aus. Innerlich fasste sie ihre Situation zusammen: Sie war verletzt, mit ihrem bewusstlosen Bruder irgendwo in den Bergen und ohne Möglichkeiten der Kontaktaufnahme um Hilfe zu organisieren.

Als Katharina es unter großem Kraftaufwand geschafft hatte Tobias aus dem Wagen zu ziehen und ihn notdürftig zu verarzten, setzte bereits die Dämmerung ein und als Tobias endlich wieder zu sich kam war es schon dunkel. Neben der Platzwunde am Kopf hatte Tobias auch eine klaffende Wunde unterhalb des Knies, allerdings konnte sie ohne ausreichend Licht nicht viel erkennen.
Entgegen ihren Befürchtungen konnte sich der Verletzte sogar an die Zeit vor dem Unfall erinnern. „Du bist echt ein miserabler Autofahrer“, scherzte Katharina. Da Tobias sich in der Gegend auskannte, konnte er ungefähr sagen wo sie sich befanden doch ohne eine Möglichkeit jemandem das mitzuteilen brachte ihnen diese Erkenntnis nicht viel. Sie mussten darauf hoffen, dass ihr Vater und Tobias‘ Freunde beide langsam vermissten.
„Wahrscheinlich sitzt Peter jetzt an der Bar und ist enttäuscht darüber, dass wir nicht zum Essen gekommen sind. Noch wird er nicht daran denken, dass uns etwas passiert sein könnte. Schließlich sind wir erwachsen und nach der Nummer am Mittag wird er meinen, dass wir aus Protest nicht kommen“, sagte Tobias realistisch und schaute hinauf in den Himmel, nachdem er Katharina angeschaut hatte. So langsam wurden die beiden warm miteinander, nicht nur weil sie hier zusammen gefangen waren. Sie hatten schließlich nichts anderes zu tun als zu warten das Hilfe kam.
„Es tut mir wirklich leid, wie das heute Mittag gelaufen ist. Du hast Recht, wir hätten dich nicht so vor vollendete Tatsachen stellen dürfen“, entschuldigte sich Katharina und stocherte in der Glut herum. Mit viel Geschick hatte sie es sogar vollbracht mit Tonis schlechten Streichhölzern ein Feuer in Gang zu bringen. Das entlockte Tobias ein ‚nicht schlecht, Schwester‘. Das Gefühl, was sich bei diesen Worten in ihr ausbreitete konnte sie nicht beschreiben. Gedankenverloren starrte die junge Frau in die düstere Weite.
„Ich habe Peter immer gesagt, dass er es dir sagen muss, bevor ich komme!“, das bevor betonte sie besonders.
„Entschuldigung angenommen. Es tut mir ebenfalls leid. Ich habe dir unrecht getan zu vermuten, dass du nur wegen des Geldes hier bist. Eigentlich bin ich nicht so“, erklärte Tobias reumütig. Katharina lächelte ihn mit ihrem herzlichsten Lächeln an, soweit das möglich war mit einem pochenden Kopf.

Nach einer kurzen Zeit in der jeder seinen Gedanken nachhing, begann Tobias Fragen zu stellen. „Sag mir unbekannte Schwester,“ er zwinkerte gespielt mit dem Auge, „wo kommst du her, nach einer Österreicherin klingst du nicht und wie kommt es, dass du unsere neue Physiotherapeutin wirst?“. Wow, ziemlich direkte Fragen. Katharina musste erst einmal nachdenken, aber schließlich besann sie sich auf ihr Motto zurück. Innerlich spürte sie, dass sie ihm alles erzählen konnte und vor allen Dingen konnte sie ihm vertrauen. Das fühlte sie einfach.
„Uhm..ja…ich bin in München geboren und aufgewachsen. Zusammen mit meiner Mutter und meinem Ziehvater“, über ihre geliebte Mutter zu sprechen schmerzte sie immer noch sehr, „nach dem Abitur habe ich begonnen Medizin zu studieren, auch in München. Da habe ich meinen Freund kennengelernt, Thomas, er ist schon Oberarzt an der Uniklinik. Jetzt guck nicht so, ich weiß was du denkst, aber es lief echt gut“, verteidigte sie ihre vergangene Beziehung.
„Naja, dann hat er mich vor den Augen der Klinikmitarbeiter betrogen ohne dass ich irgendwas mitbekam. Das war für mich das Aus und ich konnte nicht mehr so weitermachen. Jeden Tag diese mitleidvollen Blicke oder das Getuschel. Anscheinend hat unser Vater einen siebten Sinn für so etwas. Als ich mit ihm telefonierte, merkte er, dass etwas nicht in Ordnung war und ich erzählte ihm alles. So kam er zu dem Angebot ich könnte hier anfangen und tja…jetzt bin ich hier mit dir in diesem Tal“, resümierte sie ihre Erzählung.
„Denkst du, dass uns deine Freunde hier finden?“, fragte Katharina und versuchte nicht allzu hoffnungslos zu klingen.
„Der Andreas könnte auch misstrauisch werden, schließlich dauert es nicht so lange Absperrungen abzufahren und zu erneuern“, mutmaßte Tobias. Er war sich ganz sicher, dass die Bergrettung und auch Emilie nach ihm suchten. Leider war es schwierig ohne einen Anhaltspunkt. Schließlich hätte er überall anfangen können mit der Kontrolle und er hatte dem Andreas nichts genaues gesagt.
Inzwischen war es stockfinster und das Feuer reichte nicht aus um viel Wärme an die Umgebung abzugeben. Auch im Sommer konnte es weit oben in den Senken kühl in den Nächten werden und dann lagen sie auch noch in der Nähe eines Baches. Katharina begann langsam zu zittern. Sie war schon immer die erste gewesen die fror, konnte sie doch nichts dagegen machen mit ihrer zierlichen Figur.
„Du frierst“, stellte Tobias fest, „komm her. Wir können uns zusammen warmhalten. Es gibt auch nur die einzige Rettungsdecke.“ Katharina wollte schon ablehnen, aber es war schon echt ungemütlich und mit der Rettungsdecke hatte er Recht. Zaghaft nickte sie und legte sich dann neben Tobias mit ihrem Kopf auf seinem gesunden Arm. Zärtlich legte er ihr die Hälfte der lebensrettenden Folie auf den Körper.

Tobias behielt Recht mit seiner Vermutung, dass schon alle nach ihnen suchen würden. Unten im Tal waren Toni und Andreas bereits Stunden in der Zentrale und versuchten den Suchradius einzugrenzen. Bis jetzt suchten sie nur nach Tobias, von Katharina wusste niemand etwas.
Da die Handyortung nichts ergab, versuchten sie es immer wieder mit dem Funkgerät.
„Tobias für Zentrale, bitte kommen“, sprach Toni wiederholt in die Funke. Wie schon zuvor erhielt er keine Antwort, nur Rauschen.
„Was ist das für ein Geräusch?“, fragte Andreas, Leiter der Bergrettung Ramsau. Er war sich nicht sicher, aber vielleicht wollte ihnen jemand etwas mitteilen. Allerdings beharrte Toni auf einer Störung des Geräts. Immer wieder rauschte es dreimal kurz und dreimal lang.
„Das ist ein SOS. Ich funke sofort zurück“, sagte Toni aufgeregt und kramte nach dem Morsealphabet in der Schublade. Andreas fuhr unterdessen vor zum Heliport und wartete dort auf den Anruf von Toni mit näheren Informationen. Sie wollten keine Zeit verlieren und den Heli schon einmal starten.


„Tobias hörst du das? Ich glaube deine Kollegen haben mein SOS verstanden“, sagte Katharina aufgeregt und fragte nach, ob auch im Wagen so ein Buch mit dem Morsealphabet lag.
Das war ihre Chance hier lebend rauszukommen. So schnell sie mit ihrem lädierten Fuß konnte humpelte sie um das Auto um die verstreuten Sachen aus dem Wagen nach dem Buch zu durchsuchen.
„Katharina, du musst ihnen sagen wo wir genau sind. Mit dem Heli finden sie uns unter den dichten Bäumen nicht“, klärte Tobias sie auf und versuchte ruhig zu bleiben. Ersten konnte er sich nicht gut bewegen wegen der Wunde am Bein und zweitens mussten sie sachlich bleiben. Auch wenn das Team die Region eingrenzen kann, ist es immer noch keine Garantie, dass sie schnell gefunden werden.
Unzählige Male funkten Katharina und Toni hin und her. Das Gebiet um das Waseljoch war immer noch ziemlich groß und dicht bewaldet. Zu Fuß bräuchten die Bergretter Stunden auch mit mehreren Einsatzkräften. Toni brauchte detailliertere Angaben um den Heli besser einweisen zu können.

Da kam es passend, dass Andreas, Michi und die als Suchunterstützung hinzugekommene Emilie zwischenzeitlich die abenteuerlustigen Bergsteiger vom Vortag ausfindig machen konnten. Der junge Mann erzählte von der Verfolgung und wo sie den Pickup das letzte Mal gesehen haben.


„Euer Toni sagt, dass Hilfe auf dem Weg zu uns ist“, rief Katharina nachdem sie die letzten Funkzeichen übersetzt hatte. Sie konnte es nicht fassen. Beinahe hätte sie Hoffnung aufgegeben. Mit einem breiten Strahlen im Gesicht und Tränen vor Erleichterung auf den Wangen kroch sie hinüber zu Tobias. Er war ebenfalls erleichtert und musste ein paar Tränen verdrücken.
„Du hast es geschafft. Ohne dich würden wir hier nicht rauskommen“, bedankte sich Tobias. Jetzt würde alles gut werden und er war sich sicher, dass sie sich als Familie zusammenraufen würden.
„Hallo ist da jemand“, schallte eine Stimme aus dem nichts. Irritiert schauten sich die Geschwister an und begriffen, dass die Rettung endlich da war.
Gemeinsam riefen sie aus voller Kehle zurück und schon flog ihnen ein langes Seil entgegen.
Kurze Zeit später sah Katharina einen Mann in gelber Jacke mühelos den steilen Abhang hinunter schwingen. Unten angekommen klinkte sich der Mann aus und drehte sich zu den beiden um. „Bergrettung Ramsau, es wird alles gut“, sagte Andreas mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen, das Katharina sofort in ihren Bann zog.
„Mensch, ihr hätte ruhig früher kommen können“, beschwerte sich Tobias gespielt. Schon öfter hatte er Differenzen mit Andreas gehabt, aber sie konnten sich immer aufeinander verlassen. Dies war wieder einer der Momente, in dem er es schätzte mit Andreas befreundet zu sein. Inzwischen war mehr medizinisches Material nach unten gebracht worden und der Bergesack lag auch schon bereit. Katharina versorgte diesmal professioneller die Wunde von Tobias und sah zu, dass Tobias abtransportiert werden konnte.

Die Rettung von Katharina und Tobias verlief im Anschluss ohne Probleme und alle waren wieder froh, dass beide munter und halbwegs gesund ins Tal zurückkamen.
Schon stunden später konnte Tobias aus dem Krankenhaus entlassen werden und man traf sich natürlich vor der Zentrale. Das musste gefeiert werden.
Sogar Peter Herbrechter ließ es sich nicht nehmen und fuhr mit seiner Tochter und seinem Sohn in die Station. Dort warteten bereits Toni, Andreas und Emilie.
„Sag mir nicht, dass du ne extra Woche Urlaub brauchst wegen dem kleinen Unfall“, neckte Andreas Tobias als er ihm aus dem Wagen half, „Komm her, du hast 20 Minuten Zeit bis zum nächsten Einsatz.“ Tobias stöhnte etwas wegen den Schmerzen, als er sich in den Rollstuhl setzte. Natürlich wäre er bereit, aber nur mit seinem neuen Schutzengel, erklärte der verhinderte Bergretter stolz.
„Schutzengel, he?“, fragte Andreas und sah Katharina direkt in die Augen. Sie war ebenfalls verarztet worden, es sah aber nicht mehr so schlimm aus. Verlegen schaute sie ihn an, strahlte aber über beide Ohren. Sie wusste gar nicht was jetzt kam. Natürlich hatte sich schon herumgesprochen, dass sie für längere Zeit in der Ramsau bleiben würde und das Team der Bergrettung hatte schon die perfekte Idee für die fast fertig studierte Ärztin.
„Und mit dem Hubschrauber fliegen ging gut?“, fragte Toni ohne seine Absichten zu verraten.
In der Tat hatte Katharina keine Probleme mit dem Fliegen und der Höhe, so wie es bei Verena der Fall war. Fragend schaute Katharina in die Runde, als sich alle verschwörerisch zunickten.
„Ja dann würde ich sagen, wenn ich bitten darf“, begann Toni und zog seine Jacke aus um sie Katharina zu geben. Perplex zog sie die Jacke über. So machte man das hier wohl. Stolz, aber auch ein bisschen unsicher in der großen Jacke stand sie nur vor dem Team der Bergrettung, als Andreas sie als neues Teammitglied vorstellte und beglückwünschte.
Auch die anderen wirkten begeistert und begannen zu klatschen. Innerlich was sich
Katharina zu hundert Prozent sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Von nun an konnte sie München, Thomas und ihr altes Leben hinter sich lassen und mit neuer Zuversicht in die Zukunft blicken. Hier in der Ramsau. Hier im Kreis ihrer Familie.



Ende





So, das abschließende Kapitel ist noch einmal richtig lang geworden. Ich hoffe euch hat diese AU gefallen (lasst es mich wissen) und ihr konntet mitfiebern.
Eure Wandering Butterfly ;)
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