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Neuanfang

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Dr. Verena Auerbach Emilie Hofer Katharina Strasser Michael Dörfler Tobias Herbrechter
28.12.2018
13.01.2021
9
21.654
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
06.01.2021 1.984
 
Autor: Wandering ButterflyRating: P12Kategorie: Familie, FreundschaftAnmerkungen: In den nächsten Kapiteln geht es um Katharinas Leben in München und wie sie ihr Studium meistert, aber auch dort läuft nicht alles glatt. Inhalt: Katharinas Mutter ist gestorben, davor hat sie ihr noch eine Nachricht mit auf den Weg gegeben. Sie soll ihren Vater kennenlernen. Mit ihm präsentiert sich ihr ein neues Leben fernab vom hektischen München. Disclaimer: Diese Geschichte schreibe ich nur zu meinem und eurem Vergnügen. Die Charaktere sind alle frei erfunden und wurden von mir konzipiert. Außerdem verdiene ich durch die Veröffentlichung kein Geld.

A/N: Vielen Dank für die zahlreichen Favorisierungen zum letzten Kapitel. Die Geschichte bewegt sich langsam dem Ende zu. Die Handlung dieses Kapitels wird sich im Groben an der Episode 6x02 „Verschollen“ orientieren. Allerdings gibt es ein paar Änderungen, der künstlerischen Freiheit wegen *wink wink*



Neuanfang



Konfrontation

„In 500 Metern rechts abbiegen. Das Ziel befindet sich auf der rechten Seite“, tönte die Stimme des Navigationsgeräts durch das Auto. Bald war Katharina an ihrem Ziel, dem vier Sterne Hotel Herbrechter, das Hotel ihres Vaters. Die doch kurze Fahrt verlief ohne Probleme oder größere Verzögerungen.
Je näher die Ankunft kam, desto mehr Gedanken machte sich die junge Frau über die Richtigkeit dieser doch so lebensverändernden Entscheidung. In München war sie wer, dort hatte sie eine Aufgabe und Menschen die ihr nahestanden. Hier in der Ramsau kannte Katharina nur ihren Vater. Selbst ihren Bruder Tobias hatte sie noch nie gesehen und wenn sie nach Erzählungen ihres Vaters ging, wollte dieser sie auch nicht kennenlernen.  Das war noch so eine Baustelle, die ihr Bauchschmerzen bereitete. Wie sollte sie ihren Bruder von sich überzeugen, wenn dieser sie von grundheraus ablehnte.
„Sie haben ihr Ziel erreicht. Es befindet sich auf der rechten Seite“, beendete das Navi die Routenführung. Ehrfürchtig schaute Katharina über das Lenkrad durch die Frontscheibe. Vor ihr türmte sich wahrhaftig ein Palast in weiß auf. Der ganze Bau schrie förmlich nach Luxus und erst jetzt begriff Katharina wie wohlhabend ihr Vater in Wirklichkeit war.
Erst das Klopfen an ihrem Fenster riss die junge Frau aus ihrem Staunen. Ein älterer Herr in grüner Uniform grinste sie von draußen freundlich an.
„Herzlich Willkommen im Hotel Herbrechter. Darf ich ihren Wagen wegfahren“, fragte der Mann und hielt seine Hand hin, damit sie ihm den Schlüssel übergab. Etwas überrumpelt reichte sie ihm den Schlüssel und erkundigte sich nach dem Hotelbesitzer.
„Der Herr Herbrechter ist wahrscheinlich in seinem Büro. Am besten fragen sie an der Rezeption nach. Dort ist man Ihnen gerne behilflich“, antwortete der Mann und stieg in den blauen Volvo.
Allein vor dem Eingang schaute Katharina Mut suchend nach oben. „Na dann mal los, du schaffst das schon“, sagte sie flüsternd zu sich.


Peter Herbrechter saß versunken über seinen Büchern als es an der Tür klopfte. Seine Sekretärin Frau Bernauer kündigte seinen lang ersehnten Besuch an. Erfreut sprang der Senior auf und ging mit offenen Armen auf seine Tochter zu.
„Katharina, welch eine Freude. Schön, dass du da bist.“ Vater und Tochter umarmten sich lang und innig. Peter erkundigte sich nach der Anfahrt und wie es Katharina ging. Offensichtlich freute er sich sehr, dass seine Tochter endlich in die Ramsau kam.
„Soll ich dich ein wenig herumführen? Damit du deinen neuen Arbeitsplatz kennenlernst.“ Schlug Peter vor und stand schon auf. Zögerlich stand Katharina ebenfalls auf, eigentlich wollte sie lieber gleich die Gelegenheit beim Schopf packen und das Unausweichliche angehen. „Ist denn der Tobias nicht hier. Ich würde diese Situation gern hinter mich bringen“, erklärte sie fast schon ängstlich. Um ihre Beklommenheit noch zu unterstreichen schaute sie betrübt und drehte ihre Füße auf dem Teppich hin und her.
Auch der sonst so resolute und starke Peter Herbrechter schaute seine Tochter unsicher an. Versuchte aber zu überspielen, dass er bis heute immer noch nicht mit seinem Sohn gesprochen hatte und Tobias auch gar nichts von der Ankunft seiner Schwester wusste.
„Uhm…ja der ist noch auf einem Einsatz. Es könnte noch Stunden dauern bis der wieder hier eintrifft.“ Mit einem aufmunternden Lächeln zeigte der Hotelier auf die Tür und geleitete Katharina aus seinem Büro. Sie beschloss ihre Gedanken fürs Erste beiseite zu legen und folgte ihrem Vater durch das Hotel.
„Einsatz…was denn für einen Einsatz. Ich dachte der Tobias arbeitet hier im Hotel?“ Verwundert schaute sie den Senior an. Peter erklärte ihr, dass der Tobias Bergretter bei der Bergrettung Ramsau sei und schon am frühen Morgen zu eben diesem Einsatz gerufen wurde.
Beeindruckt zog Katharina die Augenbrauen hoch und verlangte, dass Peter ihr mehr von ihm erzählte. Vielleicht half ihr dieses Wissen bei dem Kennenlernen.



In den folgenden zwei Stunden führte der stolze Hotelier seine Tochter über einen Großteil der weitläufigen Anlage. Für Details reichte die Zeit dann doch nicht, aber er hoffte Katharina überzeugt zu haben. Es machte ihn sehr glücklich, dass von nun an seine beiden Kinder mit an seinem Lebenswerk arbeiteten und wenn er Katharina helfen konnte war das für ihn eine Win-Win-Situation. Nur die Sache mit Tobias bereitete ihm doch mehr Kopfzerbrechen als er zugeben würde. Jetzt saßen sie im Restaurant bei einer Tasse Kaffee und warteten auf den Junior.

Angespannt schaute er öfter auf den Eingang des Restaurants und fuhr jedes Mal innerlich hoch, wenn er seinen Sohn im Gang wähnte. Als er das nächste Mal hochschaute stand tatsächlich sein Sohn im Eingang. Mit einer fahrigen Handbewegung lud er ihn zu sich ein und stand auf. Dabei warf er Katharina ein beruhigendes Lächeln zu. Sie hingegen ahnte noch nicht was gleich passieren würde.
„Tobias, schön dass du es einrichten konntest. Ich möchte dir jemanden vorstellen“, begann er und deutete seinem Sohn sich auf den Stuhl neben der unbekannten blonden zu setzen.
Leicht genervt von der Anspielung auf seine Verspätung und dem unnötigen Rettungseinsatz der zwei leichtsinnigen und dreisten Kletterer, streckte er die Hand aus und machte trotzdem gute Miene. Das war auch nicht schwierig, denn die junge Frau strahlte ihn aus ihren rehbraunen Augen förmlich an. Ein bisschen merkwürdig war das schon, aber er dachte sich nichts weiter.
„Tobias“, begann sein Vater. Irgendwie verhielt sich auch sein Vater merkwürdig. Es schien als würde ihm der Hintern ordentlich auf Grundeis gehen. „darf ich dir unsere neue Physiotherapeutin Katharina Strasser vorstellen.“ Jetzt war es raus und Tobias glaubte nicht richtig zu hören. Augenblicklich versteinerte sich sein vorher freundliches Gesicht und auch seine angebotene Hand ließ er fallen wie eine heiße Kartoffel. Peter sah seine Fälle dahinschwinden und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.
Auch Katharina brauchte ein paar Augenblicke um sich von dieser plötzlichen Gefühlsänderung ihres Bruders zu erholen. Sie fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen und hinterfragte erneute die Richtigkeit ihrer Entscheidung in die Ramsau zu ziehen.

Mit gekräuselten Lippen schaute er durch den Raum. Er hatte Mühe sich zusammenzureißen vor den anderen Gästen. Der sonst so ruhige und gelassene Bergretter beugte sich leicht vor und legte seinen Zeigefinger auf die, mit weißem Leinen gedeckte, Tischplatte: “Das ist jetzt nicht dein Ernst. Setzt mir einfach meine völlig unbekannte Halbschwester vor die Nase. Du weißt, sie ist der Grund warum meine Mutter uns verlassen hat“, zischte Tobias durch zusammengebissene Zähne. Katharina bewegte perplex die Lippen, aber kein Gedanke wollte sich in Worte fassen lassen. Erst jetzt dämmerte ihr, dass ihr Vater nicht mit Tobias gesprochen hat. Mit vor Zorn funkelnden Augen drehte sie sich zu ihrem Vater um. Dass Tobias‘ Worte sie hart trafen, ließ sie in dem Augenblick nicht zu.
„J…Jetzt hör doch auf! Katharina kann doch da nichts dafür“, verteidigte Peter seine Tochter nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte. Inzwischen saß Tobias seinem Vater gegenüber. „Nein, natürlich nicht, aber du! Feigling!“ Sagte er und schaute ihn verachtend an.
Augenblicklich sprang er auf und knallte die Serviette mit Wucht auf den Tisch und donnerte: „Du hast nie ein Wort gesagt. Und jetzt…jetzt sitzt sie auf einmal hier und wird unsere Physiotherapeutin. Joa, das habt’s ihr euch ja super ausgedacht.“ Aufgebracht drehte Tobias sich von dem Tisch weg. Er konnte es einfach nicht glauben. Ja, er wusste schon sein halbes Leben von seiner Halbschwester und einen Großteil davon hatte er sie einfach gehasst. Weil sie, zwar unbewusst, seine heile Familie zerstört hatte. Seine Mutter stand ihm immer am nächsten und die Trennung konnte er nur schwer verkraften. Sein Vater war dem jungen Tobias damals keine große Hilfe gewesen.
Mit Tränen in den Augen und zittriger Stimme versuchte sie zu vermitteln. Schon fast flehend redete sie auf Tobias ein. Mit diesem Chaos hatte sie bei weitem nicht gerechnet. Auf gar keinen Fall wollte sie die Beziehung zwischen Vater und Sohn zerstören und noch weniger wollte sie alte Wunden aufreißen.
„Oh fast ein halbes Jahr, dann hast du mir einiges voraus. Ich habe von dieser ganzen Sache hier nie etwas erfahren“, sagte Tobias direkt zu Katharina, nachdem sie erzählte, dass der persönliche Kontakt erst seit kurzer Zeit bestand.
„Katharina hat Recht. Jetzt beruhige dich“, versuchte Peter seinen Sohn zu beruhigen und deutete auf den Stuhl, „Komm, dann können wir über alles in aller Ruhe reden.“ Sofort schoss Tobias wieder hoch. Er konnte es nicht fassen. Dann hat diese Katharina den Vater schon ganz für sich eingenommen, wenn er sie schon verteidigt. Diese ganze Situation konnte Tobias sich nicht mehr geben. Ohnehin musste er noch den Auftrag von Andreas erledigen. Ein paar Deppen haben die Absperrungen der Forstwege beiseitegeschoben und er sollte alle Wege abfahren und wieder aufstellen. Eigentlich hatte er keine Lust darauf, aber es erschien ihm erträglicher stundenlang die Wege abzufahren und damit ganz weit weg von all diesem hier zu sein. Es war wie ein Alptraum.

Um seinen Vater zu verhöhnen verabschiedete sich Tobias in vollendeter Form und drückte seinem „Papi“ noch einen dicken Schmatzer auf die Wange.
Peter Herbrechter konnte nur noch den Kopf über die aus dem Ruder gelaufene Situation schütteln und verfluchte die Starrköpfigkeit der Familie Herbrechter. Wie er dieses Chaos bereinigen sollte, das wusste auch er auch nicht. Zum Schluss gab ihm auch noch seine Tochter den Rest. Innerlich völlig außer sich schaute Katharina ihren Vater nur enttäuscht an und schüttelte genervt den Kopf, ehe sie aufstand ihre Jacke von der Lehne riss und ebenfalls das Restaurant verließ.
Sie musste unbedingt mit ihrem Bruder Tobias reden und versuchen die Situation zu erklären. So schnell gab sie nicht auf, dafür war ihr die Familie zu wichtig.


Zum Glück fand sie Tobias auf dem Parkplatz vor dem Hotel. Dieser wollte gerade davonbrausen, doch Katharina stellte sich dem Pick-up mutig in den Weg.
„Können wir vielleicht kurz mal vernünftig miteinander reden!“ Blaffte sie ihn an und zog die Schultern hoch.
„Wie stellst du dir das denn vor? Du kommst hierher und alles ist gut oder was?“ Ratlos schaute er seine Halbschwester an. Er hatte jetzt einfach keinen Kopf für ein Gespräch.
Energisch schüttelte ebendiese mit dem Kopf und zog ihre Jeansjacke über. Sie würde hier nicht weggehen, ehe sie nicht miteinander geredet hatten.
„Ne das tue ich nicht, aber irgendwie müssen wir ja miteinander klarkommen, oder?“ Herausfordern sah sie ihn an, doch Tobias lehnte ab. Das wollte Katharina nicht gelten lassen. Vielleicht hatte sie nur diese eine Chance ihn zu überzeugen und die musste die selbstbewusste junge Frau nutzen. Kurzerhand ging sie um die Front des Wagens und griff blitzschnell nach dem Griff als Tobias die Gelegenheit nutzen wollte und anfuhr. Mit Leichtigkeit sprang sie auf den Beifahrersitz und schnallte sich an.
„Na los, ich dachte du hast zu tun?“ Fragte sie und schaute ihn provozierend an. Innerlich zollte ihr Tobias schon Tribut. So viel Hartnäckigkeit hatte er schon lange nicht mehr erlebt.
„Von mir aus“, sagte Tobias resignierend. So schnell würde er sie wohl nicht mehr loswerden. Er legte den ersten Gang ein und fuhr mit durchdrehenden Reifen vom Gelände.



Ich hoffe es hat euch gefallen. Das Schreiben dieses Kapitels hat mir besonders viel Spaß gemacht. Katharina ist einfach einer meiner Lieblingschraktere bei den Bergrettern.
Einen schönen Abend ihr Lieben.
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