Nachsaison mit (Herz-) Dame

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
27.12.2018
12.01.2019
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Die Halle sah von außen nicht sehr spektakulär aus. Eine große Fabrikhalle eben. Das Innenleben erstaunte Elise jedoch so sehr, dass sie mit offenem Mund am Eingang stand und sich ehrfürchtig umschaute. Vor ihr standen die A- und B-Bühnen der Band samt Instrumenten und Beleuchtung, alles gerade im Aufbau begriffen. Überall wuselten dunkel gekleidete Männer herum, die Instrumente, Kabel oder anderes Zeug durch die Gegend trugen.
„Ah, Lise! Gut, dass du da bist. Die Mädels vom Kostüm haben schon Bedarf angemeldet, weil sie bei uns mal wieder Maß nehmen müssen. Vorher brauchen wir dich aber für eine Bestandsaufnahme. Hier ist eine Liste mit unserem gesamten Kram. Frag' ruhig unsere Techs, die gehen das alles mit dir durch. Die wissen, dass sie dir bei dieser Gelegenheit auch gleich das Wichtigste erklären sollen." Paul nahm sie kurz in den Arm und drückte ihr ein Klemmbrett in die Hand. „Willkommen zurück in der Familie", schob er mit einem verschmitzten Augenzwinkern nach.
„Oh-kay ..." Wenn Elise etwas hasste, dann das Gefühl der Ahnungslosigkeit, das sich gerade in ihr ausbreitete. Sie überflog die Listen, die fein säuberlich für jedes der sechs Bandmitglieder alle Teile des Equipments aufführten. Obenauf lag die Aufstellung von Schneiders Drumsets. Sie straffte die Schultern und machte sich auf den Weg zu dem Mann, den sie für seinen Drumtech hielt.
„Guten Morgen, sind Sie für Schneiders Arbeitsgeräte verantwortlich?", fragte sie höflich.
„Ja, bin ich. Tom ist mein Name. Sie müssen Elise sein." Er musterte seine neue Kollegin aufmerksam. „Können wir 'du' sagen? Is' einfacher."
„Sicher. Womit habe ich es denn hier zu tun? Die Drumsets kenne ich im Prinzip vom Sehen her schon aus Frankreich, aber welches Teil welches ist und ob die Anzahl stimmt - keinen Schimmer." Elise hob hilflos die Arme und schaute sich die Trommeln und Becken aus gebührender Entfernung an.
„Okay", meinte Tom grinsend, „dann bekomme ich auch mal die Chance mich wichtig zu machen." Er zog einen Drumstick aus seiner Gesäßtasche, den er als Zeigestock benutzte, und ging Stück für Stück alle Einzelheiten mit ihr durch.
„Stimmt alles. Ha, das ist doch mal ein guter Anfang", freute Elise sich. Sie hatte durch den kleinen Crashkurs viel gelernt und war sich sicher, dass sie nicht zu lange brauchen würde, bis sie alle Bestandteile der Drumsets verinnerlicht hatte.
„Na, du fleißiges Bienchen. Hat Tom dir alles brav erklärt?"
Der Drumtech beobachtete aufmerksam, wie Schneider die Neue an sich drückte und ihr fragend ins Gesicht schaute. „Aber klar doch. Sie lernt schnell. War mir eine Freude, mal den Oberlehrer raushängen zu lassen." Er drehte den Drumstick zwischen seinen Fingern und strahlte von einem Ohr zum anderen.
„Hey, du bunte Lady mit Klemmbrett! Kommst du dann noch bei uns vorbei? Wir wollen auch mal vor jemandem auftrumpfen, der noch nicht alles weiß", riefen Richards und Pauls Techs Elise zu.
„Die 'Hey' heißt Elise", stellte Christoph sofort klar. „Lise, wenn ihr ganz lieb zu ihr seid."
„Na dann eben Elise. Komm' rüber, wir zeigen dir unsere Schmuckstücke."
„Bin sofort bei euch!", rief Elise zurück. An Schneider gewandt, sagte sie: „Dieses Monstrum sieht gleichzeitig furchteinflößend und wunderschön aus. Ich bin immer noch mächtig beeindruckt."
„Groß, größer, Rammstein", gab der Drummer mit einem Grinsen und einem Schulterzucken zurück. „Halt' die Ohren steif und lass' dir nicht auf der Nase herumtanzen."
„Sicher nicht. Bis später, ihr zwei."
Die beiden Männer schauten der davonschlendernden Elise nach.
„Du bist ja dicke mit der Kleinen. Umarmung und so. Hattet ihr was miteinander?"
Schneider schaute seinen Tech mitleidig an. „Nicht eine Sekunde lang. Spar' dir die dummen Gedanken, auf die du gerade gekommen bist."
Elise bekam von der Unterhaltung nichts mehr mit, denn sie war inzwischen bei den beiden Männern, die sich ihr als Lutz und Ralf vorgestellt hatten, angekommen. Sie blätterte die Seiten auf ihrem Klemmbrett um und ließ sich die verschiedenen Gitarren und alles, was dazugehörte, zeigen und vorführen. Darauf wurden Paul und Richard aufmerksam, denn sie hörten sofort, wenn irgendwer an ihren Instrumenten herumspielte.
„Is' wat verstimmt? Ick dachte, dit passt allet noch."
„Nee, alles gut. Ich hab' der Lady nur mal gezeigt, wie eine Les Paul sich anhört, wenn sie jemand bedient, der richtig spielen kann."
„Obacht, Lutz, Obacht!" Paul musste trotzdem lachen. „Waren die beeden nett zu dir, Täubchen?"
„Perfekte Gentlemen", bestätigte Elise nickend.
„Das will ich hoffen", schaltete sich Richard ein. „Wir haben alle darauf hingewiesen, dass du nicht aus der Musikbranche kommst und in Frankreich die Instrumente für dich Sperrzone waren. Jetzt reißen sie sich darum, das für uns auszubügeln." Er strich mit dem Zeigefinger über den Stoff ihres Shirts. Die Geste fühlte sich intimer an als geplant, aber Till war nicht in der Nähe, um ihm den Kopf abzureißen. „Find' ich gut, dass du hier nicht in schwarz aufgekreuzt bist. So sieht man dich wenigstens auf Anhieb."
Elise lächelte ihn nonchalant an. „Schwarz wirst du an mir nicht zu sehen kriegen. Mir war einfach nach ein bisschen Farbe."
„Ein bisschen Farbe? Gibt's überhaupt eine Farbe, die da nicht vorhanden ist?", fragte Ralf lachend. „Das sieht ziemlich cool aus inmitten der ganzen dunklen Shirts." Er betrachtete das kunterbunte Ringelshirt und konnte sich, wie die meisten anderen Männer auch, nicht unterstehen, dabei einen Moment länger auf ihren Busen zu schauen.
„Fein, dann wäre das ja geklärt." Sie breitete ihre Arme samt Klemmbrett aus und zitierte lachend und ganz und gar nicht ernst gemeint: „Sie ist der hellste Stern von allen." Nach einem Blick auf ihre Listen schaute sie sich ratlos um. „Ich muss noch zu den Herren, die den Aufbau hier übernehmen. Es scheint, als müssten alle Teile durchgezählt und abgehakt werden. Gute Güte! Das müssen Millionen sein!"
„Ick bring' dir hin, Kleene. Dit wird schon. Janz so viele Teile sind's dann ooch wieder nich'", beschwichtigte Paul Elise und brachte sie zu den Kollegen, die für den Bühnenaufbau verantwortlich waren.
Mit dieser Truppe verbrachte Elise den Großteil des Tages, denn es gab sehr viele Teile, die da aufgelistet waren und durchgezählt werden mussten. Bis auf einen Mann waren alle sehr hilfsbereit und kannten keine Berührungsängste. Der eine hatte es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, gegen 'die Neue' zu hetzen und sich bei seinen Arbeitskollegen über Elise lustig zu machen. Er hatte etwas an ihrer Fragerei auszusetzen, fand sie zu pingelig und lachte über ihre angebliche Langsamkeit. Am meisten hängte er sich jedoch an Elises buntem und für seine Begriffe völlig unpassenden Shirt auf. Sie ließ die Sticheleien gewohnt gleichmütig über sich ergehen, verbrachte sogar ihre verspätete Teepause draußen im Freien mit den Männern und hoffte, es würde dem Quertreiber irgendwann zu fade werden. Als er gegen Ende der Pause aber immer noch nicht aufhörte, seine platten Witze zu reißen, platzte Elise der Kragen. Sie baute sich vor dem Typen auf und legte los.
„Wie war noch gleich Ihr Name?", fragte sie kalt.
„Äh ... Thorsten", erwiderte der Angesprochene verdattert.
„Thorsten. In Ordnung. Sagen Sie, wie alt sind Sie, Thorsten?"
Vor Überraschung fiel ihm nicht ein, die Antwort zu verweigern. „Achtundvierzig."
„Aha, doch schon so alt. Und immer noch so leicht zu erheitern." Elise verzog spöttisch den Mund.
Till und Richard, die sich auch gerade einen Kaffee holen wollten, wurden sofort auf die Szene aufmerksam. Wenn Elise sich so vor jemandem hinstellte und man ihr die Verachtung deutlich ansehen konnte, gab es Ärger. Richtigen Ärger. Till war schon auf dem Sprung, hatte einen halben Schritt nach vorn gemacht, da hielt Richard ihn zurück, indem er ihm die flache Hand auf den Bauch legte.
„Lass' mal. Bleib' schön da. Lise regelt das auch ohne dich. Wenn das Zusammenfalten bei dir funktioniert, wirkt es erst recht bei dem da. Halt einfach mal die Klappe und staune, wie Lise den Kerl zurechtstutzt."
Der Sänger gehorchte ausnahmsweise und beobachtete gespannt, was sich da abspielte.
„Herr Thorsten, ist Ihnen aufgefallen, dass Ihre Kollegen den ganzen Tag über hackeln wie die Blöden, während Sie hier tachinieren und alle mit Ihren dummen Sprüchen nerven?"
„Arbeiten und faulenzen", übersetzte Till leise für Richard. Er hatte in den vergangenen Wochen damit leben müssen, dass sein Putzteufel immer wieder ins Österreichische verfiel, wenn sie Gefühle zeigte. Langsam zeitigte das Vokabeltraining Erfolg.
„Alle hier sind sehr konzentriert bei der Arbeit, während Sie nichts Besseres zu tun haben, als sich an meiner Kleidung hochzuziehen! Wissen Sie eigentlich, wie erbärmlich das ist? Glauben Sie denn, dass Sie damit auch nur ansatzweise lustig sind? Haben Sie einen Ihrer Kollegen lachen gehört? Habe ich gelacht?"
Elise war dabei immer lauter geworden, bis sie ihr Gegenüber richtiggehend angebrüllt hatte. Dabei war das passiert, was immer eintrat, wenn sie wütend war - ihre Stimme war tiefer und tiefer gerutscht und hatte einen schneidend kalten Tonfall angenommen, anstatt sich hysterisch zu überschlagen.
„Wow, ich liebe diese Auftritte!", raunte Richard beeindruckt. „Jeder Satz ein gezielter Peitschenhieb. Gib's zu, es hat dich damals angemacht, als sie dich so zur Schnecke gemacht hat!"
Till schaute auf seine Schuhspitzen, grinste in sich hinein und nickte leicht.
Weder die beiden Männer noch Elise selbst hatten bemerkt, dass sich mittlerweile fast die gesamte Crew, angelockt durch das Geschrei, vor der Halle versammelt hatte und das Schauspiel betrachtete.
„Ich geben Ihnen einen Rat, Herr Thorsten: Werden Sie erwachsen. Ihre albernen Sprüche können Sie sich sowieso aufzeichnen." Sie legte den Kopf schief. „Sind wir uns dann einig, dass wir beide unsere Arbeit ohne weitere Kindereien erledigen?"
Thorsten nickte ihr stumm zu, immer noch zu perplex, die kleine Frau ein weiteres Mal anzugehen.
Erst das Johlen und Klatschen ließ Elise herumfahren und erschrecken. Sie hatte sich so in ihre Wut hineingesteigert, dass sie alles um sich herum ausgeblendet hatte.
„Gut so! Das war schon lange mal fällig", freuten sich Bettina und Sophie von der Kostümabteilung. „Uns hat er auch dauernd so angemacht." Sie winkten Elise zu sich. „Setz' dich zu uns und iss' was. Hast du dir nach der Predigt redlich verdient."
Elise, die immer noch daran arbeitete, wieder Herrin der Lage zu werden, folgte der freundlichen Aufforderung und registrierte gerade noch, dass jemand eine Suppenschale vor ihr hinstellte. „Danke. Das war ein übler Auftritt, oder?" Sie schaute sich vorsichtig an der langen Bierbank um. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich inzwischen sehr vernehmlich.
„Nö, ich sag's ja - es war mal nötig. Wir arbeiten hier alle gut zusammen, da passt es nicht, wenn irgendwer querschießt."
Auch Schneiders Drumtech Tom grinste Elise schief an. „Wir sind hier zwar größtenteils ein Männerverein, aber wir halten alle nichts davon, Frauen schlecht zu behandeln. Du arbeitest gut, und die geile Klamotte da bringt dich doch recht gut zur Geltung. Du musst dir hier also von niemandem dumme Sprüche gefallen lassen."
Das beruhigte Elise ein wenig. Sie merkte, dass sie durch das Adrenalin, die Anspannung und die herbstliche Luft zitterte. Ihr erster Arbeitstag und gleich ein Riesendrama. So hatte sie sich das nicht vorgestellt.
Auch Till hatte bemerkt, dass Elise so sehr schlotterte, dass sie beinahe mit den Zähnen klapperte. Er zog sich seine Sweatjacke aus und legte sie ihr beiläufig über die Schultern, ging aber wortlos weiter, um an einer anderen Bank neben Richard Platz zu nehmen und seinen Kaffee zu trinken.
Elise schob ihre Arme in die Jackenärmel und zog das Kleidungsstück fest um ihren Körper. Der Geruch - sein Geruch - beruhigte sie augenblicklich. Dass die anderen ihr und einander irritierte Blicke zuwarfen, blieb ihr nicht verborgen. Aber egal. Alle wussten, dass sie den ganzen Sommer mit der Band in Frankreich verbracht hatte. Da freundete man sich problemlos so weit an, dass man schon mal seine wärmende Jacke verlieh. Oder etwa nicht? Eher nicht. Oder zumindest Till nicht, wie die nächste Frage zeigte.
„Wie hast du's denn geschafft, Tills Beschützerinstinkt zu wecken?"
Das würde Elise garantiert nicht verraten. „Das Geplärre muss sein Mitleid erregt haben."
„Dann wirst du uns nachher beim Vermessen Gesellschaft leisten", bestimmten die Kostümbildnerinnen gemeinschaftlich. „Wenn er dann immer noch solches Mitleid mit dir hat, lässt er die Prozedur vielleicht mal ohne Nörgelei über sich ergehen."
Tatsächlich saß Elise kurz darauf auf einem Stuhl in einer abgetrennten Ecke der Halle bei Bettina und Sophie. Gemeinsam warteten sie, dass einer nach dem anderen antrabte, um sich vermessen zu lassen.
„Nicht, dass Elise hier rot anläuft, weil sie Teile von euch sieht, die sie nicht sehen wollte", kicherte Sophie, als Richard fast nackt vor ihr stand.
Den Einwand ließ der Gitarrist nicht gelten. „Kann nicht sein. Lise war skinny-dipping mit uns und hat sich nicht ein einziges Mal beschwert." Er zwinkerte Elise verschwörerisch zu. „Dabei war die Nacht hell erleuchtet. Stimmt's, Lise?"
Dass er für ihr Nacktbaden den englischen Ausdruck verwendete, änderte nichts an der dezenten Indiskretion. Elise grinste ihn trotzdem fröhlich an. „Stimmt exakt, Herr Kruspe." Ihre gemeinsame Zeit in Frankreich hatte sie so eng miteinander verbunden, dass ihr egal war, wie andere Leute auf ihre Insiderwitze reagierten. „Wäre mir nie in den Sinn gekommen, mich zu beschweren, weil ich genau weiß, dass du das nicht verkraftet hättest", meinte sie augenzwinkernd.
„Ah, die tiefgreifende Kenntnis der männlichen Psyche", gab Richard theatralisch zurück. „Ich bewundere dein Feingefühl, liebe Lise."
„Das beruht auf Gegenseitigkeit."
Nach Richards Auftritt durften sich die Kostümdamen anhören, wie Flake und Elise ausloteten, wann sie wieder Zeit für eine gemeinsame Wanderung hatten. Zu Sophies und Bettinas Überraschung hatte jeder der Männer etwas mehr oder weniger Intimes mit ihrer Zuschauerin zu besprechen, während sie ihnen mit ihren Maßbändern zuleibe rückten. Jeder außer Till. Der zeigte sich einfach nur erstaunlich fürsorglich.
„Wie lief der Tag bis jetzt - von Thorsten mal abgesehen?"
„Sehr gut. Kein Grund zur Klage. Und bei dir?"
„Alles gut, aber ich hatte nicht die Gelegenheit, irgendjemanden so schön zusammenzustauchen."
„Du hast heimlich trainiert", unterbrach Bettina das Geplänkel.
„Eher unheimlich", witzelte Elise. „Wird er trotzdem noch in seine Pelle passen?"
„Wird schon."
Till achtete nicht weiter darauf. Er wollte seinen Putzteufel für sich, obwohl die Situation denkbar ungünstig war. Versuchen musste er es trotzdem.
„Sag' mal, Elise, welches nette Jäckchen hast du denn da an?"
Sie stand auf und breitete ihre Arme aus. „Eine Leihgabe. Passt aber perfekt. Magst du mal fühlen?" Selbstverständlich war die Jacke so groß, dass sie ihr fast in den Kniekehlen hing und die Ärmel viel zu lang waren.
„Bevor ich mich schlagen lasse."
Elise ging die zwei Schritte, die sie voneinander trennten, auf Till zu und umarmte ihn. Um ein Haar hätte sie ihm einen Kuss auf die nackte Haut gedrückt, konnte sich aber gerade noch beherrschen.
„Das scheuert. Weißt du, oder?"
„Grässlich", gab Elise zurück. „Und jetzt verpiss' dich, sonst denken die Mädels noch schlecht von uns", schickte sie streng hinterher.
Er ließ sie los, schaute seine Kolleginnen an und fragte sachlich: „Sind wir hier fertig?"
Bestätigendes Nicken.
„Dann bis später."
„Boah, solche Vertraulichkeiten ergeben sich, wenn man für die Kerle ein paar Wochen lang den Kochlöffel schwingt?", fragte Bettina ungläubig.
Elise zuckte unschuldig mit den Schultern. „Wieso nicht? Die Herren sind allesamt sehr umgänglich. Man darf nicht vergessen, dass wir da auf begrenztem Raum sehr viel Zeit miteinander verbracht haben. Keine Ahnung, ob der Vergleich passt, aber auf Tour muss es wohl ähnlich sein."
„Mit dem Unterschied, dass Till uns noch nie seine Jacke geliehen hat. Und du warst echt mit Flake wandern?"
„Ja, warum nicht? Mit Till auch. Einkaufen mussten sie auch mit mir. Das fanden sie aber weniger lustig", berichtete Elise freimütig. Sie hielt es für besser, diese harmlosen Kleinigkeiten nicht unter Verschluss zu halten. Wenn sich diese Geschichten herumsprachen, schaute sie vielleicht bald niemand mehr so seltsam an, sobald es zwischen ihr und einem Bandmitglied zu Vertraulichkeiten kam.
„Ja, aber ...", setzte Sophie an, „Die sind doch alle ziemlich unterschiedlich und nicht immer leicht im Umgang. Zum Beispiel Till, wenn er schlechte Laune hat - grauenhaft. Das hast du wochenlang ertragen?"
„Ich kann mich gut wehren", gab Elise schlicht zurück.
„Haben wir gemerkt."
Damit ließen es die Kostümbildnerinnen glücklicherweise bewenden. Elise hatte schon befürchtet, dass sie weitere Fragen zu ihrer Beziehung zu den Musikern stellen würden. Besonders Fragen zu Till und dessen Freundlichkeit ihr gegenüber wollte sie ausweichen.