Das Weihnachtsgeschenk

von Chumino
KurzgeschichteDrama, Romanze / P6
Lapis Lazuli Peridot
26.12.2018
26.12.2018
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Frustriert sah Peridot aus dem Fenster und drückte ihre Nase gegen die kühle Scheibe. Noch leuchteten die reich geschmückten Häuser der Nachbarschaft nicht, genauso wenig wie ihr eigenes. Aber das war nicht der eigentliche Grund warum sie böse durch die beschlagen Scheibe nach draußen sah. Es war der Schnee. Er lag bereits gut einen Meter hoch und es sah nicht so aus als würde es weniger werden, türmten sich die dicken weißen Schneeflocken doch immer weiter aufeinander auf. Das Problem daran war, dass heute der letzte Tag war an dem die Geschäfte offen hatten und sie noch immer kein passendes Geschenk für Lapis gefunden hatte. Es war einfach nichts gut genug.
Ein lautes Rumpeln gefolgt von einem Scheppern riss Peri aus ihrer Misere von Gedanken. Sie drehte sich um und beäugt skeptisch den umgefallen Weihnachtsbaum und ihren darunter vergrabenen Bruder. "Oh.. Tut mir leid. Ist alles in Ordnung?" Lapis versuchte den Baum etwas anzuheben, damit Dot hervorkrabbeln konnte. Dieser klopfte sich einen Großteil der Tannennadeln ab und seufzte schließlich. "Also das ganze nochmal von vorne..." Peridot räusperte sich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Wie lange wollt ihr noch eure Zeit damit verschwenden dieses Geäst mit Kitsch zu behängen? Ich habe noch etwas von außerordentlicher Priorität zu erledigen!"
"Wenn du helfen würdest ginge das viel schneller. Aber so wie es aussieht werden wir heute nicht mehr in die Stadt kommen. Die Wege sind alle zugeschneit. Es wäre ein Wunder, wenn der Wagen überhaupt anspringen würde..." Empört zog Peridot die Luft ein. "Ich verstehe nicht wieso man einen Baum in sein Haus holt um ihn dann zu schmücken. Das haben wir die Letzten Jahre auch nicht gemacht." Sie sah kurz zu einem Fenster und begab sich dann zur Haustür. "Ich bin nur ganz kurz weg! Macht ihr weiter... Was auch immer das werden soll.“
Sie zog sich ihre Jacke an mit Schal, Mütze und Handschuhen und stapfte hinaus. Da es vor ihrer Eingangstür noch Treppen gab und ein kleines Dach war es nicht schwer hinaus zu kommen, aber als sie den ersten Schritt hinaus ging fiel ihr auf das der weitere Weg beschwerlich werden könnte, denn die Treppen waren bereits unter dem Schnee verschwunden. Zögerlich trat sie auf die Schneedecke. Sie schien recht fest zu sein. Erleichtert tat sie den nächsten Schritt und versank plötzlich bis zum Hals. "Uah!", hörte man noch. Sich durch den Schnee zu kämpfen, während man bis zum Kinn drin steckte war keine sehr effiziente Methode, wie Peridot bemerkte. Als sie es schließlich schaffte sich bis zur Garage vor zu kämpfen kramte sie 2 alte Tennisschläger hervor, die sie sich unter die Füße Band. Damit fiel es ihr nun leichter auf dem Schnee zu laufen, auch wenn sie noch immer sehr vorsichtig sein musste wo sie hintrat.
Lapis holte gerade eine Leiter für Dot, damit er den Stern oben an der Tanne anbringen konnte. "Ist mit Peridot alles in Ordnung?" Ein besorgter Ausdruck lag in ihrem Gesicht, welchen Dot nur zu gut verstand. Er lächelte sie freundlich an und nahm seinen Schokoladenlolli aus dem Mund bevor er sprach. "Mach dir nicht so viele Sorgen. Sie hat sich nur wieder irgendwas in den Kopf gesetzt, dass unbedingt heute noch erledigt werden muss." Lapis legte nachdenklich einen Finger ans Kinn. "Hm, mir hat sie nichts erzählt. Aber immer, wenn ich von heute Abend gesprochen habe wurde sie plötzlich ganz nervös." Dot lachte. Er kannte seine Schwester und sie war eine schlechte Geheimniskrämerin. Er nahm die Leiter und rückte sie an den Baum. Als er den Stern oben angebracht hatte und hinab sah erschrak er und die Leiter fing an stark zu kippen." P-PEARL? "
Sie stapfte gut eine Stunde durch den Schnee bis sie endlich an dem Laden ihrer Wahl ankam. Völlig außer Atem drückte sie die Tür auf und stolperte hinein. Sie stützte sich an einer Wand ab und atmete erstmal tief durch. Unterwegs hatte es stärker angefangen zu schneien und obwohl sie nicht mehr eingesunken war, war ihr Kopf trotzdem voller Schnee.
Der Laden war ziemlich leer und außer ihr gab es nur einen weiteren Kunden der gedankenverloren in eines der Regale starrte. Der Kassierer begrüßte sie herzlich blätterte dann allerdings in seinem Magazin weiter. Die Regale waren voll mit Krimskrams von allem Möglichen. Spieluhren, Kuscheltiere, Technik, Ersatzteile etc. Peridot wusste ungefähr was sie basteln wollte, weswegen sie sehr gezielt die Gegenstände ab suchte. Sie hatte vor eine Blume aus Techniküberresten zu machen und die einzelnen Metallblättchen mit bunten Steinen zu versehen. Diese sollten von Minileuchten so angestrahlt werden, dass sie wie ein kleiner Regenbogen leuchtet. Glücklicherweise wurde Peri schnell fündig.  Viele Leute schienen ihre alten kaputten Sachen hier abzugeben. Sie fand sogar einen Beutel Steine, den auf dem Tresen der Kasse auskippte und anfing erstmal die Steine zu sortieren. Der Kassierer sah sie skeptisch an und hob eine Braue. "Was Solln das werden junge Frau?"
"Ich wähle mir meine Waren aus. Sieht man das nicht?" Noch bevor er wieder was sagen konnte hielt Peridot ihm einen blauen, tränenförmigen Stein entgegen. "Der ist gesplittert. Haben sie den nochmal ohne Beschädigungen?" Der Mann sah vom Stein zu ihr. "Hier ist nur das was du siehst kleine." Peridot legte die Stirn in Falten und kramte weiter durch die Steine. Aber es gab keinen der genauso schön war wie dieser. Aber wie könnte sie für ihr Geschenk einen defekten Stein benutzen? "Und Sie sind sich wirklich ganz sicher?"  Peridot sah ihn eindringlich an. Er sah eindringlich zurück und nickte schließlich ernst. "Ganz sicher."  Der Kassierer setzte sich aufrecht hin und legte sein Magazin ab. "Wenn du die Straße weiter runter gehst findest du einen Laden der sich bastelkram spezialisiert hat. Da findest du bestimmt auch solche Kunststeine." Peridot überlegte kurz. Das wäre eine Möglichkeit. "Das klingt in der Tat nach einer guten Option. Wie lange bräuchte ich etwa bis dahin?"
"Wenn du zu Fuß da bist zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde. Wenn du dich beeilst schaffst du es noch bevor er zu macht." Peridots Gesicht würde bleich. Bevor er zu macht? War es bereits so spät? " Sie sah zur tickenden Uhr an der Wand. Tatsächlich. Sie hatte also keine Zeit mehr um noch einen Laden auf zu suchen. "... Ich würde die gerne mitnehmen." Sagte sie schließlich und schob ein paar ausgewählte Steine zu ihm rüber. "Und das hier." Der Mann sah fragend auf den Schrott und die Steine, schüttelte dann aber leicht den Kopf. Wer so einen Laden wie er betrieb hatte irgendwann aufgehört Fragen zu stellen. "Also auch den kaputten Stein?" Peridot nickte und kramte ihr Geld raus.
Seine Mundwinkel zuckten unweigerlich immer wieder nach oben, seit dem Pearl in der Küche verschwunden war und der Geruch des Weihnachtsessens und heißer Schokolade in seine Nase stiegen. „Du scheinst dich ja sehr zu freuen, dass Pearl uns besucht.“, witzelte Lapis und nippte an der großen warmen Tasse. „Was? Ich? Ach, nicht doch.“ Dot tat es ihr gleich und starrte schließlich auf den schiefen Tannenbaum. Als Pearl ankam ist er vor Schreck von der Leiter gefallen und hat den Baum ein weiteres Mal runtergerissen. Dabei ist ein Teil vom Fuß kaputt gegangen, in dem der Baum stand, weswegen sie improvisieren mussten. Jetzt lehnt der Baum gegen die Wand neben dem Kamin, wurde aber dennoch wieder liebevoll geschmückt. Die Scherben der runtergefallenen Kugeln und den Dreck der Nadeln hatte Pearl bereits bereinigt. Wieder zuckten Dots Mundwinkel als Pearls liebliches Summen aus der Küche hallte. „Sie ist schon ziemlich spät.“, bemerkte Lapis schließlich und sah auf eine Uhr. „Und draußen wird es immer ungemütlicher.“ Dot’s Lächeln verschwand und er blickte aus dem Fenster. Dann nickte er nur stumm. „Wenn sie in einer halben Stunde noch nicht da ist werde ich sie suchen gehen.“
Peridot hatte die Kapuze ihrer Jacke über ihre Mütze gezogen und watete mit langsamen Schritten durch den Schnee nachhause. Ihre behandschuhten Hände waren tief in ihren Jackentaschen vergraben und gebeugt kämpfte sie gegen den harschen Wind und den Schnee, der ihr das Sichtfeld zu rauben versuchte, an. Es war schon schwer genug mit den Tennisschlägern an den Füßen zu laufen, aber das war immer noch besser als unterirdisch im Schnee einen Weg zu suchen. Sie blickte auf um sich zu orientieren, doch es war bereits zu dunkel und zwischen ihrem Hus und diesem Laden war eine lange Landstraße, die nicht beleuchtet wurde. Innerlich fluchend kämpfte sie sich weiter voran, in der Hoffnung die richtige Richtung ausgewählt zu haben. Beim nächsten Schritt verlor sie das Gleichgewicht. Der Boden war plötzlich nicht mehr so schneegepuffert wie der Rest und sie verlor den Halt. Die Stelle auf die sie traf war vereist und sie rutschte eine lange Strecke bergab. Der Versuch sich mit den Händen irgendwo abzufangen oder zu verlangsamen endete darin, dass sie sich im Sitzen drehte und nun vollends die Orientierung verlor. Als sie sich ausgedreht hatte und aufstehen wollte fand sie keinen Halt und landete ein weiteres Mal auf ihrem Hintern. Der ganze Boden bestand aus rutschigem Eis. Mit ein wenig Mühe drehte sie sich und kniete nun. Knack. Peridot schluckte. Das war doch nicht etwa das wonach es sich anhörte? Wieder rutschte sie auf der Eisfläche etwas voran. Knack. Vorsichtig griff sie in ihre Tasche und holte ihr Telefon heraus. Sie hatte zwar bei dem Wetter keinen Empfang, aber als Taschenlampe würde es seinen Zweck tun. Sie biss in einen Finger ihrer Handschuhe und zog ihn aus um das kleine Gerät bedienen zu können. Der Lichtkegel der die Dunkelheit nun etwas erleuchtete zeigte eine weite weiße Fläche. Schnell zog sie ihren Handschuh wieder an. Sie leuchtete direkt vor sich und merkte, dass eine lose Decke aus dicken Schneeflocken die Eisfläche verdeckte. Und diese Schneedecke schien kein Ende zu nehmen. Langsam machte sich Panik in Peridot breit.  „O-okay Peridot.“ Begann sie sich langsam selbst zuzureden. „Bleib ganz ruhig! Irgendwo muss es doch einen Orientierungspunkt geben.“ Die eigentlich so bekannte Gegend wirkte plötzlich als könnte sie nicht fremder sein. Sie legte sich auf den Bauch und robbte vorsichtig zu einem größeren Schneehaufen. Da ihr Ohr jetzt so nah an der Oberfläche war hörte sie das leise Knacken noch viel deutlicher. Sie robbte weiter und als der Schneehügel endlich in greifbare Nähe kam, wehte plötzlich ein harscher Wind, welcher den Hügel hinfort wehte. Knack. Zweifelnd sah Peridot auf das Eis unter ihr. Wieder sah sie sich um, leuchtete vor und um sich und robbte schließlich in eine andere Richtung. Die Abstände des knackenden Eises wurden kürzer. Sie hatte das Gefühl auf der Stelle zu bleiben und robbte immer schneller. Knack. Knack. Gerade als sie nur noch eine Armlänge vom vermeintlichen Festland entfernt war gab das Eis unter ihr nach.

Ungeduldig tippte Dot mit dem Fuß auf den Boden, während seine Hände die schon längst geleerte Tasse umklammerte. Es war bereits spät. Viel zu spät für seine Schwester da draußen noch rum zu laufen. Es könnte ihr alles passiert sein. Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht sie alleine bei dem Wetter gehen zu lassen? Niemand sollte bei diesem Wetter hinausgehen! Entschlossen stand er auf und reichte Pearl seine Tasse. „Pearl, ich-„ Das Zuschlagen der Haustür unterbrach ihn und für einen Moment erhoffte er sich Peridot rein kommen zu sehen. Doch da war nichts. Ein schwaches Leuchten von Draußen lenkte seine Aufmerksamkeit zum Fenster und er konnte Lapis erkennen, wie sie gerade durch den Schnee watete. Ohne weitere Worte eilte er zu seinen Sachen, schmiss sie sich über und eilte hinaus um das Mädchen einzuholen. „Lapis!“, rief er, doch der laute Wind, der von drinnen gar nicht so stark geschient hatte, lies seine Stimme untergehen. Mit großen Schritten holte er sie nur langsam ein und hielt sie dann an der Schulter zurück. „Lapis!“, rief er erneut und sie sah ihn nur stur an. „Ich gehe Peri suchen! Ich habe ein ungutes Gefühl!“, schrie Lapis dem Wind entgegen. Dot schüttelte den Kopf. „Lass mich das machen! Du gehst mir auch noch verloren!“ Lapis Stirn legte sich in Falten, was man nur schwer unter der Bommelmütze sehen konnte. „Nein! Ich gehe mit!“ Der Blick in ihren Augen verriet Dot, dass sie keinerlei Diskussion zulassen würde. Noch bevor er überhaupt noch was sagen konnte ging Lais bereits weiter und war schon bald im Schneegestöber verschwunden. Fluchend hastete er hinterher, bis er sie wiederfand und achtete auch für den Rest des Weges, dass er sie nicht aus den Augen verlor. Er konnte sich in etwa denken, wo sie hinwollte. Es gab da diesen kleinen Ramschladen, etwa 2 Kilometer von ihrem Haus. Peri liebte es dort nach Ersatzteilen zu suchen und irgendwelche seltsamen Sachen daraus zu basteln. „Lapis!“ Nach wiederholtem rufen drehte sich Lapis um. Dot reichte ihr seine Hand. Die Wahrscheinlichkeit sich bald aus den Augen zu verlieren stieg immer weiter an. Er würde lieber die ganze Zeit Händchen halten als seiner Schwester später erklären zu müssen wo ihre Freundin hin ist. Lapis ergriff sie. Gemeinsam kämpften sie sich weiter vor, dabei achtete Dot stark darauf zu achten wo sie waren um nicht selber noch verloren zu gehen. Es war bei weitem kein Leichtes die nähere Umgebung zu erkennen, doch etwas stach plötzlich aus dem Gesamtbild des ewigen Schnees heraus. Eine lange Linie über dem zugeschneiten See. Als wäre jemand auf die Idee gekommen dort einmal lang zu rutschen. Skeptisch sah er dorthin. Könnte es sein…nein. Wieso sollte Peri sich aufs Eis wagen? Dafür war sie nicht der Typ. Doch wenn es eine Chance gab, dass sie dort war… Noch bevor er sich in diese Richtung bewegte hatte sich Lapis bereits von seiner Hand gerissen und war voran gelaufen. Überrascht über diese plötzliche Reaktion lief er ihr hinterher. Kurz verlor er sie wieder und stolperte fast im Schnee, schaffte es aber schließlich sich soweit voran zu kämpfen, dass er die bunte Kleidung von Lapis wiederfand. Sie kniete im Schnee und starrte auf ein paar zerbrochene Eisschollen. „Meinst du das Peri hier war?“ Lapis Stimme war leise, aber Dot konnte in etwa verstehen was sie fragte. Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen als er die Stelle sah und legte Lapis eine Hand auf die Schultern. Sie merkte das er etwas zitterte, sagte aber nichts. Es ging ihr nicht besser. „Das können wir nicht mit Sicherheit sagen. Lass uns…einfach weitersuchen.“ Obwohl er sich strikt weigerte an etwas schlimmes zu glauben leuchtete er mit einer Taschenlampe die Eisfläche ab und schob so gut es ging den Pulverschnee weg. Doch es war nichts zu sehen außer Finsternis unter der gefrorenen Decke. Lapis presste die Lippen zusammen. Was war, wenn sie unter dieser Eisdecke feststeckte? Wenn sie nicht mehr rauskommt? Wie lange würde sie da wohl schon sein? Wäre es bereits zu spät? Sie wollte darüber nicht nachdenken, aber ihr Kopf spielte ihr die wildesten Fantasien zu. Instinktiv sprang sie auf und leuchtete sich den Weg auf die Eisfläche. Sie musste sicher gehen! Und wenn sie dabei den ganzen See absuchen musste! Schon beim ersten Schritt auf das Eis spürte sie, wie das Eis langsam nachgab. Aber wenn sie nur schnell genug weiterlaufen würde, würde sie bestimmt eine Stelle finden, die stabiler war. „Lapis!“, hörte sie Dot noch rufen als sie den nächsten Schritt wagte und ihr plötzlich ein eisiger Schauer über den Körper lief. Mit einem mal war sie hellwach und das Adrenalin stieg in ihren Kopf. Im ersten Moment sah sie noch wie der eine Teil ihres Schals in Zeitlupe an ihrem Gesicht vorbeiflog, bis sie blinzelte und bemerkte das er nicht flog, sondern trieb. Und es war kalt. Und dunkel. Selbst den Schal sah sie nur durch das Licht der Taschenlampe das von oben auf sie hinab schien. Erst dann wurde ihr klar, dass sie nach oben schwimmen sollte. Schnell, bevor ihr die Luft ausging. Mit großen Armbewegungen drückte sie sich nach oben und versuchte dabei nicht unter das Eis zu rutschen. Eine Hand suchte von oben hektisch nach ihr und als sie endlich etwas zu fassen bekam zog er sie in einem Ruck an die Oberfläche, um sie dann an Land zu ziehen. „Bist du völlig verrückt geworden!?“ Dot griff sich in die Haare und sah auf die liegende Lapis hinab. Diese war noch immer überfordert damit was gerade geschehen war und setzte sich dann schlagartig auf. „Wir müssen Peridot finden!“, kam es nur von ihr. Dot atmete tief durch. Lapis hatte im Affekt gehandelt. Wenn sie sich für sie selbst bei diesem Wetter aufs Eis wagte, dann wusste Peri nicht wieviel Glück sie hatte. Lapis Haare tropften, genauso wie ihre Sachen. So konnten sie nicht weitersuchen, sie würde sich noch den Tod holen. Innerlich fluchend half er ihr hoch. Er würde am liebsten weitersuchen, aber dabei konnte er nicht alles andere außeracht lassen. Er konnte nicht mehr machen als für seine Schwester in Gedanken zu beten. Etwas, dass er vorher nie tat. Schweren Herzens schleppte er sich mit der fröstelnden Lapis zurück, welche sich zunächst auch gewehrt hatte, aber schließlich zugeben musste, dass ihre Aktion ihnen beide viel Zeit kostete. Zeit, die sie hätten aufbringen können um weiter nach Peridot zu suchen.
„Pearl! Wir brauchen Decken! Und setz bitte Tee auf!“ Dot klang hektisch, denn das war er auch. Als Pearl um die Ecke sah erblickte sie die völlig zugefrorene Lapis. Ihre Lippen waren bereits ganz blau geworden und ihr Zittern wollte einfach nicht aufhören. „Ach du meine Güte, was ist denn passiert?“ Schnell lief sie wieder ins Wohnzimmer und holte eine dicke Decke. Sie half Dot dabei Lapis von ihren nassen schweren Sachen zu befreien. Sie hüllte sie in die Decke und begleitete sie ins Badezimmer. „Du solltest dich erstmal richtig trocken machen. Danach trinkst du einen Tee und dann nimmst du ein warmes Bad.“ Die Badezimmertür Schloss sich nach einem langsamen Nicken von Lapis und Pearl ging wieder zurück zum Eingangsbereich. „Was ist passiert?“ Dot hing gerade seine Jacke hin und konnte ihr nicht in die Augen schauen. „Lapis ist bei der Suche auf dem Eis eingebrochen, deshalb mussten wir die Suche nach Pe-„ Plötzlich rumpelte es laut und Peridot schlitterte vom Wohnzimmer in den Flur. „Was soll das heißen Lazuli ist eingebrochen?!“ Dot starrte sie ungläubig an und lies vor Überraschung den Schal fallen, den er gerade noch in der Hand gehalten hatte. „Peri?“ Peridot stampfte auf ihren Bruder zu, griff an seinen Hemdkragen und zog ihn auf ihre Augenhöhe. „Weißt du eigentlich was für sorgen ich mir um euch gemacht habe?!“
„Was?“ Verdutzt starrte er sie nur an und sie lies ihn los um abzuwinken. „Da kommt man nach einem harten Tag endlich nachhause und muss hören, dass ihr auf die glorreiche Idee gekommen seid raus zu gehen um nach mir zu suchen. Natürlich würde da eure Suche erfolglos enden.“ Dot blinzelte und runzelte dann die Stirn. „Was hast du eigentlich für nerven mir hier was vorzuwerfen? Du bist doch die, die ewig nicht nachhause kam! Hast du eigentlich eine Ahnung wieviel Angst ich um dich hatte?!“ Dot schrie fast und Peridot zuckte zusammen. Dann sah sie weg. „Ihr hättet nur noch etwas warten müssen…“ Dot zog scharf die Luft ein, doch bevor er seine nächste unüberlegte Aktion starten konnte kam ihm Pearl dazwischen. „Na na ihr beiden. Heute wird nicht gestritten! Seid lieber froh das jetzt alle wieder zusammengefunden haben und setzt euch vor den Kamin. Ich habe noch heiße Schokolade!“ Mit diesen Worten schien der Streit zwischen ihnen plötzlich in Luft aufgelöst. Pearl ging bereits voran und die beiden Geschwister starrten sich noch eine kleine Weile schuldbewusst an. „Entschuldige… ich hätte dir mehr vertrauen sollen…“ Dot strich seine Haare nach hinten und ging an ihr vorbei. „Es… tut mir auch leid. Ich wollte dir nicht solche Sorgen bereiten.“ Dot blieb stehen, drehte sich aber nicht um. Er rümpfte die Nase und die Erleichterung, Perdiot wieder wohlbehalten zuhause zu haben, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Bevor er sie vollends übermannte ging er weiter. „Entschuldige dich lieber bei Lapis. Die Arme denkt wahrscheinlich immer noch du seist irgendwo unterm Eis.“ Peridot schmollte kurz, als er für sie keinerlei Reaktion auf ihre Entschuldigung zeigte. „Wo ist sie?“ Peri lief ihm hinterher und Pearl stellte gerade den Kakao auf den Tisch. „Ich habe sie ins Bad geschickt um sich ab zu trocknen. Warte am besten bis sie wieder raus kommt.“ Peri nickte zögerlich. Sie setzte sich neben Dot und starrte auf den Kakao. Es war still. Alle schwiegen. Irgendwann fing Pearl ein Gespräch an auf das Dot dankend einging, aber Peri lauschte angestrengt den Geräuschen aus dem Badezimmer. Es dauerte zwar nicht lange bis die Tür wieder aufging, aber es kam ihr wie eine kleine Ewigkeit vor. Leichte Schritte tapsten den Flur entlang bis Lapis schließlich in frischen Sachen und der Decke um sich gewickelt ins Zimmer kam. Sie sah betrübt auf den Boden. So traurig hatte Peri sie noch nie gesehen. Langsam sah sie auf und in dem Moment als sie Peridot dort sitzen sah wich der Traurigkeit blanker Überraschung. „Peridot?“, fragte sie vorsichtig und leise nach. „Ja?“ Lapis Decke fiel zu Boden und ihre Hände eilten zu ihrem Mund. Tränen rannen ihre Wangen hinab. Erschrocken stand Peridot auf. „L-lazuli? Ist…alles in Ordnung?“ Lapis nickte und fiel ihr plözlich um den Hals. Sie hatte dabei so viel Schwung das Peridot rückwärts auf den Schoß ihres Bruders stolperte und Lapis schließlich mit sich zog. Noch ehe sie oder irgendjemand anderes in diesem Raum reagieren konnte küsste Lapis Peridot. Wieder war es still. Wieder schwiegen alle und Pearl sah verdutzt auf das sich küssende Paar auf Dots Schoß, welcher sich nach hinten in die Lehne drückte und gar nicht so recht wusste wie ihm geschah. Peridot war ebenso überfordert und lief rot an. Dieser seltsame Moment fühlte sich für alle wie eine Ewigkeit an. Als Lapis den Kuss schließlich löste lächelte sie sie an. „Ich bin so froh das es dir gut geht!“ Sie setzte sich auf, so dass Dot nur noch ein Gewicht auf seinen Beinen hatte. Peridot sah sich zunächst mit den Augen um. Das war zu viel für sie. Wieso musste das ausgerechnet auf dem Schoß ihres Bruders passieren? Immer noch stand das Blut in ihrem Kopf und sie setzte sich langsam auf. „Äh…ja. Ich bin auch früh das es dir gut geht.“
„Ich hab dir zwar damals die Couch angeboten, aber haltet euch bitte zurück bis wir nicht mehr im Raum sind, alles klar?“ Dot sagte es zwar nicht allzu laut, aber trotzdem laut genug das es jeder hören konnte, was das Blut in Peris Kopf nur zum Brodeln brachte. Die Situation war ihr schon peinlich genug und nun wurde ihr vor Scham schon beinahe schwindelig. Pearl räusperte sich. „Ich denke es wird Zeit für die Geschenke… meint ihr nicht?“ Es war offensichtlich, dass sie in ihrer Art einfach versuchte Peridot zu helfen aus dieser Situation zu kommen. Als sie daraufhin alle erwartungsvoll ansahen blickte sie zu Peridot hinüber. „Hast du nicht etwas extra noch für Lapis geholt?“ Überrascht sah Lapis Peri an. „Heißt das du bist extra für mich da draußen gewesen?“ Peri sah peinlich berührt zur Seite, stand wortlos auf und holte eine kleine schwarze Schatulle. Dot hob fragend eine Braue und sah dann zu Pearl während er auf seinen Finger deutete und lautlos das Wort „Ring?“ bildete. Pearl kicherte nur hinter vorgehaltener Hand, schüttelte aber den Kopf. „Eigentlich wollte ich dir etwas Besseres schenken als das, aber auf dem Weg zurück sind ein paar Sachen abhanden gekommen…“ Lapis nahm die Schatulle entgegen und öffnete sie gespannt. Zum Vorschein kam ein recht großer tränen förmiger blauer Stein, der in der Mitte etwas gesplittert war. Lapis Augen funkelten. „Er ist perfekt.“
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