Verschlossene Türen

von JaliceTo
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
Daniel "Danger" Becker OC (Own Character) Zeki Müller
26.12.2018
26.12.2018
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Verschlossene Türen




"Komm schon, mach die verdammte Tür auf!"

Zeki Müller stand vor der Tür seiner Tochter Celine Wilks, es war ein normales Wochenede, er hatte Ruhe vor der 10 B und musste sich nicht mit den kleinen Pennern befassen. Allerdings stellte seine 16 Jährige Tochter ihn gerade heute vor eine innerliche Zerreißprobe. Sie hatte sich nach dem Frühstück in ihr Zimmer zurück gezogen, kein Wort mehr mit ihm gesprochen und machte die Zimmertür nun nicht auf. Zeki hatte kein Lust auf dieses Teenagerdrama, es passte außerdem nicht zu dem ruhigen Mädchen. Seit dem Abschlussball war sie so glücklich gewesen, das hat Lizzy zumindest gesagt, Zeki erinnert sich nur noch düster an diesen Abend. Nachdem er den Jugendlichen Alkohol für die Bowle gekauft hatte, war es eben ein Muss gewesen etwas davon trinken zu müssen. Dabei war es nicht nur bei einem Glas Bowle geblieben, Lizzy hatte ihn irgendwie nach Hause gebracht. Die positive Stimmung seiner Tochter, die er erst vor wenigen Wochen kennen gelernt, aus einem Heim geholt und hier einziehen gelassen hatte, war dem Lehrer dabei entgangen.

"Wenn du Frauenzeugs hast, Lizzy spricht bestimmt gerne mit dir darüber", fügte er noch hinzu, das würde zumindest die negative Stimmung und die verschlossene Zimmertür erklären. Aber Celine antwortete nicht.
"Mach jetzt die Tür auf oder ich muss zu Erziehungsmaßnahmen greifen Celine!", drohte Zeki und er konnte hören, wie der Schlüssel im Schloss herum gedreht wurde, die Türklinke sich aber nicht öffnete. Zeki verdrehte die Augen und wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Natürlich in der Schule war es ´normal´ das er sich mit pubertierenden Kindern auseinander setzten müsste, aber die Beziehung zu seiner 16 Jährigen war neu, er und sie mussten beide irgendein Gleichgewicht finden, warum also war sie so verdammt....kompliziert im Moment? Der ehemalige Kriminelle drückte die Türklinke hinunter.

Lie saß auf der Fensterbank, blickte hinaus und beachtete ihren Dad nicht einmal, als er in ihr Zimmer kam. Sie war dankbar für diese Chance, sie konnte aus dem Heim raus, wo die Mitbewohner sie so sehr geärgert haben. Sie hatte die Chance bekommen, mit ihren 16 Jahren endlich ein neues Leben anfangen zu können - eine Chance auf Glück zu haben. Aber diese Erkenntnis wurde von einem anderen Gedanken, einer schwerwiegenderen Emotion überschattet. Sie hatte keine Lust mit ihrem Dad zu reden, natürlich die Tür hatte sie nur aufgeschlossen weil - er sonst sauer werden würde. Aber Zeki konnte sie nicht zwingen mit ihm ein Gespräch anzufangen.

"Hattest du dich wieder mit Laura gestritten oder Frauenzeugs?!", Zekis Stimme wurde ungeduldig und er verstand das strebsame Mädchen nicht, sie wirkte wie ausgewechselt. Ein einfaches Kopfschütteln war die Antwort der Blondine und sie blickte wie in Trance zurück zum Fenster. Was sollte er nun tun? Er hatte nie die Verantwortung für ein Kind übernehmen müssen. Geschweige denn mehr mit einem Teenager zu tun haben müssen, als in der Schule.
"Ihr Frauen seid viel zu kompliziert", kommentierte Zeki genervt und verließ das Zimmer. Er wollte und konnte sich jetzt nicht mit so einem Drama beschäftigen - er braucht jetzt erst einmal in Bier.


Nachdem die Zimmertür ins Schloss geknallt war, schaute Celine fort von dem Garten, den sie aus ihrem Fenster sehen konnte. Das ihr Vater nun wütend war, natürlich das verstand die Blondine gut. Aber wie sollte sie mit ihm darüber reden können, wenn sie selber nicht den Mut fand? Es hatte weder etwas mit Frauenproblemen zu tun, noch mit Laura. Nein sie hatten sich beide in einem langen Gespräch über die Situation ausgesprochen. Immerhin mussten beide im selben Haus wohnen, miteinander zurecht kommen und gegenseitiger Hass würde nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Laura hatte ihr offenbart, dass sie eifersüchtig auf die Beziehung ist, die Lie mit Danger hat. Und Celine hatte der gleichaltrigen gesagt, dass sie es nicht in Ordnung findet, jedes mal wenn sie in dem gleichen Raum wie Laura ist, einen giftigen Blick und Kommentar zu bekommen. Das Endergebnis war, dass beide viel freundlicher zu der jeweils anderen sind und sich eine Freundschaft entwickelt.
"Aber mit Laura kann ich auch nicht reden....es ist so kompliziert....ich will niemanden verletzten", murmelte die 16 Jährige zu sich selbst, lehnte den Kopf gegen das kühle Fensterglas und schloss ihre grünen Augen.


***


"Keine Ahnung was Sie hat, sie meint nur dass es etwas ist, mit dem sie alleine zurecht kommen muss"
Laura zuckte ratlos mit den Schultern, nachdem Zeki und Lizzy gestern auf sie eingeredet haben, sie sollte mal nachforschen warum Celine sich so seltsam benimmt, hatte Laura ihr Glück versucht und genau diese einfache Information aus dem ruhigen Mädchen herausbekommen können.
"Vielleicht braucht sie einfach nur etwas Abstand von allem", fügte Laura noch hinzu,  bevor sie sich ihren Haustürschlüssel schnappte und einen ratlosen Zeki in der Küche zurück lies. Was weder Zeki noch Elizabeth wissen konnten war, das Laura den Freund von Celine angeschrieben hatte, dass er mal nach ihr sehen sollte. Vielleicht würde Daniel ja mehr Glück haben.
"Bis später", rief Laura noch in den Hausflur, bevor sie das große Einfamilienhaus verließ um sich mit ihren Freunden zu treffen.

"Was willst du hier?! Es fällt unter Belästigung deinen Lehrer am Wochenende zu nerven"
Mit diesen Worten wurde Danger begrüßt, nachdem er die Klingel am Hause Schnabelstedt betätigt hatte. Was hatte Herr Müller mal wieder für eine schlechte Laune, oder hatte er schlechten Sex gehabt und war deshalb so angepisst?
"Was für belästigen ey? Will zu meiner Freundin, Laura meinte sie hätte Probleme oder so", erwiderte Danger mit amüsierten Gesichtsausdruck.
Seufzend trat Zeki von der Tür zurück, um den Jugendlichen herein zu lassen, er würde sich ins Wohnzimmer zurückziehen, während Daniel von selbst den Weg nach oben ins Zimmer seiner Freundin fand.

"Hey Babe"
Danger hatte das Zimmer betreten und sah wie Celine auf ihrem Bett saß, ihn nicht anschaute oder eine andersweitige Reaktion zeigte.
"Laura meinte du hastn Problem?", fügte Danger noch hinzu und setzte sich wie selbstverständlich neben seine Freundin, legte einen Arm um sie und hauchte ihr einen Kuss auf den Mund.
"Fuck bin ich so schlecht?"
Danger schaute die Blondine verwirrt an, als sich nach dem Kuss Tränen in ihren wunderschönen grünen Augen bildeten. War er in den letzten Tagen, wo sie ihn besucht hatte und ihm gesagt hatte, das sie gerne mit ihm zusammen sein will, so scheiße im küssen geworden.
"N...nein....d..dass ist es nicht Danger", schniefte das Mädchen nun und wollte sich weg drehen, aber Daniel nahm schnell ihre Hand, um sie davon fest zu halten.
"Wenn du Stress hast und ich jemanden schlagen soll, musst du es nur sagen", sagte er ernst und auch wenn ihr nicht zum lächeln zu mute war, so tat Celine es für einen kurzen Moment.
"Ich weis, Lehrer labern immer ich hätte keinen Plan von nix, dass ich dumm wäre und so....aber wenn du reden willst Babe, ich werde dir zuhören"

Ihr Herz schmolz dahin bei den Worten und dem liebevollen Ausdruck in Dangers blauen Augen, dass er sie dann auch noch in den Arm nahm, um ihr die Sicherheit zu vermitteln, die sie beim Schulball gespürt hatte lies einen inneren Kampf in Celine entstehen, sie wollte niemanden mit dem Problem das sie hatte belasten, doch auf der anderen Seite war Danger da....er war gekommen nur für sie....das schüchterne Mädchen, der Außenseiterin - seiner Freundin.
"O...okay", hauchte die Blondine und versuchte den Mut zusammen zu nehmen, um ihrem Freund von dem Problem, das sie belastete zu erzählen.

"Ich habe mir am Freitag Abend den Brief von meinen Eltern durchgelesen...."
Celine hielt inne, griff unter ihr Kopfkissen und reichte ihrem Freund Sekunden später den Brief, den sie zum 16 Geburtstag bekommen hatte.




Celine,
Ich weiß nicht wie alt du seien wirst, wenn du diesen Brief liest. Ich habe lange mit mir selber gerungen ihn überhaupt zu schreiben. Es hat mich eine Menge Überwindung gekostet, es zu tun. Du bist nicht das leibliche Kind deines Vaters, nein wir hatten dich aber immer in dem glauben gelassen, zumindest als ich mit dir Schwanger war. Du bist aus einer kurzen Beziehung entstanden die nicht länger als ein paar Wochen gehalten hat. Dein Vater war ein idiotischer, blöder arroganter aber dennoch extrem heißer Kerl gewesen, in den ich mich verliebt hatte. Er heißt Müller mit Nachnamen und er hatte die wundwervollsten braunen Augen der Welt. Du siehst ihm nicht ähnlich aber ich weis das er von dir ist, er ist dein Vater ich wollte das du das weist meine kleine.
In Liebe deine Mutter




"Ich weis, die Art und Weise wie meine Mum sich ausgedrückt hat ist....ungewöhnlich aber sie war jung und hatte Angst, dass ich meinen Vater niemals kennen lernen werde. Es ist ein glücklicher Zufall gewesen, dass ich überhaupt an die GGS gekommen bin....aber desto mehr ich den Brief lese, desto mehr hasse ich meinen eigenen Namen....ich....ich will nicht mehr Celine heißen Danger. Ich verbinde nur eine schlechte Vergangenheit, schlechte Erfahrungen mit diesem Namen, es tut weh wenn man mich so anspricht.....ich will nicht mehr so heißen"

Gegen Ende wurde ihre Stimme immer leise und erneut fanden Tränen den Weg aus ihren Augen, liefen ihre Wangen hinunter. Die Tatsache, dass sie mit ihrem eigenen Namen so viele negative Ereignisse verbindet, davon hatte Danger nicht die leistete Ahnung gehabt. Er wusste nicht was er darauf erwidert sollte, also nahm er sie fest in den Arm und versuchte ihr, so gut es ihm möglich war die Sicherheit zu geben, nach der sie sich so sehr sehnte.

"Bei meiner besten Freundin aus dem Heim, Michelle da war es schwer zu akzeptieren, dass sie fort war, dass sie mit ihrer Familie leben würde, jedes mal wenn sie mich angerufen hat, nannte sie mich bei meinem Spitznamen ´Lie´ und es tut so weh Danger..."
Wie hätte sie mit einem solchen Problem zu ihrem Dad, Elizabeth oder Laura gehen sollen? Sie hatten genug anderes Zeugs um die Ohren, es war im Grunde eine Nebensächlichkeit die nicht einmal erwähnenswert war - dennoch machte es Celine unheimlich traurig und sie wusste nicht, was sie dagegen tun sollte.

"Dann gib dir einen anderen Namen, das geht bestimmt - wenn es dich traurig macht, musst du nicht damit leben", sagte Danger und hauchte ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange.
"Wirklich?"
Konnte man seinen Namen ändern lassen? War das möglich? Und wenn nicht, dann würde Danger sie sicherlich nur aufmuntern wollen - das wusste die 16 Jährige unheimlich zu schätzen.
"Bestimmt - hast du schon ne Idee für einen anderen Namen?"
Das ehrliche funkeln in den Augen, in dessen tiefem Blau die Lehrertochter am liebsten versinken würde, gab ihr den Mut den Namenswunsch, über den sie lange nachgedacht hatte auszusprechen - aber zuerst musste sie noch etwas anderes erledigen.
"Ich muss mich bei meinem Dad entschuldigen, ich habe seit gestern kein Wort mit ihm gewechselt und er wirkte sehr.....wütend, dann möchte ich ihm das erzählen, was ich dir erzählt habe Danger....danke das du ein offenes Ohr für mich hattest", berichtete Celine mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen.
"Immer - du hast mich ja auch besucht, als es mir kacke ging", erwiderte Danger schmunzelnd.

Langsam stand Celine vom Bett auf und hielt ihre Hand nach Danger gestreckt aus.
"Kommst du bitte mit? Ich möchte dich gerne dabei haben....du gibst mir die Stärke, die ich selber nicht aufbringen kann", bat sie ihren Freund und wie von selbstverständlich stand Danger auf, nahm ihre Hand und folgte ihr ins Erdgeschoss. Auf dem Weg dorthin wollte sie ihm allerdings noch den Namen verraten, den sie ganz für sich gewählt hatte, mit dem sie ein neues, besseres Leben anfangen wollte..

"Audrey"

Danger überlegte einen Moment ob er wohl einordnen konnte, was für eine Bedeutung der Name hat, doch ihm wollte beim besten Willen nichts einfallen.
"Egal was der Name für eine Bedeutung hat - ich liebe dich", versprach er und drückte die Hand des Mädchens, als beide die letzte Stufe erreicht hatten und anschließend ins Wohnzimmer gingen, um Zeki diese Neuigkeit zu erzählen, die Blondine war sich nun sicher, egal wie ihr Vater reagieren würde, sie würde es verkraften, denn Danger würde an ihrer Seite sein und ihre Hand halten.



ENDE
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