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Heiligabend - Ein Jahr später

von Isaria
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir OC (Own Character) Spartacus
25.12.2018
25.12.2018
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Ein wenig nachdenklich stand Agron gemeinsam mit Nasir in der Spielwarenabteilung des großen Kaufhauses. Ohne lange zu überlegen griff Nasir im Regal nach der Autorennbahn und suchte auf dem Karton nach dem Preis. Als er endlich fündig wurde, stellte er leise seufzend das Spielzeug wieder an seinen Platz zurück und wandte sich von Agron ab, damit der seine aufsteigenden Tränen nicht bemerkte.

Doch nach einem Jahr ihrer Bekanntschaft und ihrer wachsenden Freundschaft, die sich allmählich in die große Liebe wandelte, kannte Agron den anderen schon unheimlich gut und legte ihm einfach eine Hand auf die Schulter.

„Seit Wochen schwärmt Narid von dieser Rennbahn und hat mich bestimmt tausendmal gefragt ob der Weihnachtsmann ihm auch einen solchen großen Wunsch erfüllen würde. Er wäre ja schließlich das ganze Jahr hindurch folgsam gewesen und hätte auch in der Schule viel gelernt und hätte seiner Mutter auch keinen Kummer gemacht.

Ich habe mit der Antwort ein wenig gezögert, da ich ja weiß, dass du und deine Freunde im letzten Jahr die ganzen Spielsachen gekauft haben. Das habe ich ihm natürlich nicht gesagt aber er hat doch irgendwie gemerkt, dass etwas nicht stimmt.“

Agron nickte und erwiderte lächelnd. „Ich habe die Wunschliste gesehen. Dein Bruder hat sich einen Freund für seinen Teddy Benny gewünscht. Einen weißen glaube ich.“ „Du hast ihm ja deine Sammlung gezeigt und dein weißer Teddy hat ihm am besten gefallen.“

„Das will ich doch schwer hoffen, schließlich ist das ja auch mein Lieblingsteddy mit Namen Betty.“ Nasir riss die Augen auf. „Betty und den Teddy von meinem Bruder hast du Benny getauft. Ist er deshalb so von ihm angetan?“

„Weil wir gerade von der Wunschliste sprechen, kannst du mir vielleicht verraten, warum dein Name auf der Liste fehlt?“ Nasir schluckte und antwortete leise. „Der Weihnachtsmann ist für Kinder da und ich bin jetzt achtzehn und in diesem Land und bei mir zuhause bin ich jetzt kein Kind mehr sondern ein Mann.“

„Aha, und du denkst, dass du deshalb kein Geschenk verdienst oder wie soll ich das verstehen?“ Darauf wusste jener nichts zu sagen und zuckte einfach mit den Schultern. „Für Geschenke vom Weihnachtsmann ist man eigentlich nie zu alt und außerdem wirst du doch wohl deinen Bruder auf die Weihnachtsfeier im Heim begleiten oder etwa nicht?“

„Natürlich werde ich da sein und nach der Feier werden wir dich gerne zu dir nach Hause begleiten. Meine Mutter steht schon seit zwei Tagen in der Küche und kocht und backt.“ Agron nickte und dachte an seine eigene Mutter, die ebenfalls in den letzten zwei Tagen fast immer in der Küche anzutreffen gewesen war.

„Meine Mutter freut sich sehr darüber, dass deine Mutter uns alle für Heiligabend eingeladen hat.“ „Wir freuen uns auch, dass sie mitkommen möchte. Wir haben genug Platz für alle und nach dem Essen findet dann auch noch die Bescherung statt. Und bevor du fragst, ja wir haben auch Naevia, Crixus, Donar, Spartacus und Sura eingeladen. Zum Glück bringt deine Mutter auch was zu essen mit, sonst müssten wir womöglich noch verhungern. Ich kenne doch Crixus und Donar, wenn die erst einmal anfangen zu essen, dann hören die so schnell nicht mehr auf.“

Sie fingen beide an zu lachen und dann gingen sie weiter durch die Spielwarenabteilung um etwas für Narid zu finden, was eher Nasirs Barvermögen hergab. Plötzlich stieß Agron seinen Begleiter sanft in die Seite und zeigte auf ein großes Regal. Über ihm prangte ein großes Plakat mit der Aufschrift „Räumungsverkauf wegen Sortimentsumstellung“. Ganz unten entdeckte Agron einen großen blauen Karton und zog ihn vorsichtig heraus und hielt ihn triumphierend dem anderen hin. „Zwar keine Autorennbahn aber dafür eine kleine Modelleisenbahn mit allem, was ein Jungenherz begehrt. Das hier ist ein Starterset mit einer Lok und zwei Wagen, mit genügend Schienen und ein wenig Zubehör wie Rasen, Gleisschotter, einem Bahnhof, ein paar Tieren und Spielfiguren. Und das alles kostet zusammen, tata, keine fünfundzwanzig Euro. Was meinst du?“

Nasir nickte und griff hastig nach dem großen Karton. „Danke Agron, die gefällt ihm bestimmt.“ „Kein Problem, dafür bin ich doch da um dir zu helfen und dir beratend zur Seite zu stehen.“



Am nächsten Tag zog Narid seinen großen Bruder aufgeregt mit in den großen Raum in dem auch in diesem Jahr die Weihnachtsfeier stattfinden würde. Alles war so, wie er es noch im Gedächtnis hatte und voller Ungeduld saß er schließlich auf seinem Platz und ließ sich von Nasir Stollen, Lebkuchen und Kakao geben.

„Ich habe mir einen weißen Teddy gewünscht und du?“ Nasir schüttelte langsam den Kopf. „Gar nichts, kleiner Bruder.“ „Aber warum denn nicht? Hast du es etwa vergessen weil du so viel lernst, dass du mitten beim Abendessen am Tisch einschläfst?“

„Ich habe für die Aufnahmeprüfung gelernt, dass weißt du doch. Nur wenn ich die bestehe, kann ich im Frühjahr studieren und das Stipendium beantragen, was die Stadt in Aussicht gestellt hat.“ „Bekommst du dann auch den Laptop von der Stadt?“ Nasir gab darauf keine Antwort sondern senkte den Kopf. Narid seufzte und gab seinem Bruder einen Kuss auf die Wange.

Und dann endlich klopfte es laut an der Zimmertür und Naevia bat lächelnd den Weihnachtsmann mitsamt seinen beiden Helfern herein. „Guck Nasir, da ist Agron. Und Donar ist auch da.“ Freudig winkte Narid den Genannten zu und Agron winkte lächelnd zurück.

Irgendwann fiel Narids Name und als Donar den großen weißen Teddy aus dem Jutesack zog, stürzte der Junge nach vorne und schloss den Teddy überglücklich in seine Arme. „Betty!“, rief er strahlend und bedankte sich herzlich beim Weihnachtsmann und nahm dann aus Agrons Händen noch die prall gefüllte Tragetasche entgegen.

Abgelenkt von der Freude seines kleinen Bruders überhörte Nasir seinen eigenen aufgerufenen Namen bis ihm jener in die Seite stieß und nach vorne zeigte. „Nasir Abbas bitte. Für dich habe ich auch ein Geschenk mitgebracht.“

Sichtlich überrascht stand jener auf und ging langsam nach vorne und griff nach seinem Geschenk. Agron gab ihm seine Tragetasche und raunte. „Wie ich schon sagte, für ein Geschenk vom Weihnachtsmann ist man nie zu alt. Gegen halb sechs hole ich dich und deinen Bruder und deine Mutter ab.“ „Danke Agron:“ „Danke nicht mir sondern ihm.“, erwiderte der und wies auf den Mann neben ihm. „Danke Weihnachtsmann.“ „Gern geschehen.“, vernahm Nasir die Stimme von Spartacus.

Neugierig öffnete Nasir sein Päckchen und warf Agron einen dankbaren Blick zu. Das Geschenk entpuppte sich als ein grauer Winterpullover mit roten Karos, dazu in saphirblau eine Wollmütze, Schal und Handschuhe.

Später in ihrem Zimmer holte Nasir den eingewickelten Karton unter seinem Bett hervor. „Narid, ich habe auch ein Geschenk für dich. Ich hoffe, es gefällt dir.“ Hastig setzte der zunächst seinen neuen Teddy neben den anderen auf sein Bett und griff dann nach dem Geschenk und packte es am Tisch aus.

„Ohh, Mama, Mama guck mal. Eine Eisenbahn. Oh, ist die toll. Danke Nasir.“ Er umarmte den vor ihm Stehenden und Nasir wuschelte ihm durchs Haar. „Spielst du morgen mit mir? Bitte Nasir.“ „Ja, aber klar doch. Wir bauen sie zusammen auf und dann spielen wir solange du willst.“ „Versprochen? Du musst morgen nicht lernen sondern spielst mit mir?“ „Versprochen, kleiner Bruder.“

Wie abgemacht stand Agron halb sechs vor dem Flüchtlingsheim und wartete auf seine drei Fahrgäste. Nasir trug den großen Korb, den seine Mutter sorgfältig gepackt hatte und nahm seinen Bruder an die freie Hand und ging nach draußen.

Als der jedoch Agron erblickte, ließ er seinen Bruder los und rannte auf den anderen zu. „Agron, Nasir hat mir eine Eisenbahn geschenkt. Die bauen wir morgen auf und wir werden den ganzen Tag mit ihr spielen.“ Agron lächelte und öffnete Kofferraum und die Seitentüren, damit Nasir den Korb abstellen und sie alle in den Wagen einsteigen konnten.

Mit vielen Umarmungen und lieben Worten wurden sie von Agrons Eltern willkommen geheißen und ins Haus gebeten, wo Nasir den Korb in die Küche trug und dann seiner Mutter half ihn auszupacken. Agrons Mutter trug die mitgebrachten Speisen ins Wohnzimmer und stellte sie mit auf den bereits fertig gedeckten Tisch.

Narid sah mit großen Augen den geschmückten Weihnachtsbaum an bis sich Nasir zu ihm hinüber beugte und ihm einen Kuss auf die Wange gab. „Also wer hat alles Hunger? Alle Mann Hände waschen und sich dann einen freien Stuhl suchen, damit wir endlich essen können, bevor mir alles kalt wird.“, tönte auf einmal Agrons Mutter über allem.

Folgsam gingen alle ins Bad und setzten sich dann anschließend an den großen Tisch. Agron zog Nasir hinter sich her und auf den Stuhl neben sich und gab ihm einen flüchtigen Kuss. „Nach dem Essen ist Bescherung und bis dahin können wir in mein Zimmer gehen, wenn du magst.“

Da auch Naevia Speisen mitgebracht hatte und auch Sura ihrem Beispiel gefolgt war, fanden sich nun auf dem Tisch Gerichte aus vier verschiedenen Kulturen. Agrons Mutter hatte Kartoffelsalat, Nudelsalat, Wiener Würstchen, Frikadellen und Schnitzel gemacht und dazu zwei gemischte Rohkostsalate. Sura hatte eine Linsen-Graupen-Grütze und gefüllte Paprika mit Tomatensauce zubereitet, Naevia einen Auberginen-Nudel-Hackfleisch-Auflauf gemacht und Nasirs Mutter ein zweierlei Fleischcurry, gefüllte Hackfleischbällchen, Coucous und Baklava mitgebracht.

Während sie sich durch die verschiedenen Gerichte probierten, unterhielten sie sich über alle mögliche Themen wie Politik, Kultur, die Arbeit, gemeinsame Freunde und Bekannte und tauschten Erfahrungen in Sachen Erziehung ihrer Kinder und vorhandener Haustiere aus.

Nachdem sich alle satt und zufrieden auf ihren Plätzen zu entspannen schienen, befand Agrons Mutter, dass es an der Zeit wäre, die Bescherung vorzubereiten und ließ den Tisch abräumen, das Geschirr abwaschen und erteilte allen ein Zutrittsverbot ins Wohnzimmer für eine halbe Stunde. Erst auf ein Zeichen von ihr würden sie den Raum wieder betreten dürfen und schon zog Agron Nasir mit sich in sein Zimmer hinauf und machte es sich dort auf dem breiten Bett bequem.

Auf dem Nachttisch lagen Spielkarten und eine Sonderedition von „Monopoly“, um sich die Wartezeit auf angenehme Weise zu vertreiben. Nasir schüttelte zwar ein wenig ungläubig den Kopf, ließ sich aber dann doch zu einem Spiel überreden.

Nicht lange und Nasir hatte sich einen kleinen Vorsprung erspielt und Agron verlor allmählich seine gute Laune und seufzte immer lauter. Nasir hatte Mühe nicht laut zu lachen und legte den Würfel beiseite.

Noch bevor Agron reagieren konnte, hatte sich Nasir auch schon an seinen Hals geklammert und gab ihm einen langen Kuss, so dass jener den Halt verlor und nach hinten der Länge nach aufs Bett fiel und Nasir auf sich herauf zog.

Lachend versuchte der sich aus Agrons Armen zu befreien als von unten Weihnachtsmusik erklang und eine Glocke geläutet wurde.

Schon war Agron aus dem Bett und half dem anderen auf die Füße. In Agrons Augen glitzerte es und er sagte nur ein Wort. „Bescherung.“ Belustigt ließ sich Nasir widerstandslos mitziehen bis sie alle im Halbkreis um den Weihnachtsbaum standen und die Hälse reckten, um die Namensschilder auf den vielen Päckchen besser lesen zu können.

„Zuerst darf Narid zum Baum und sich seine Geschenke suchen, dann Duro, als drittes Nasir, danach Agron und die anderen alle nach ihnen.“, erklärte Agrons Mutter und winkte Narid zu sich, damit er nachsehen konnte.

Dessen Augen leuchteten vor Freude und schon nach wenigen Sekunden hatte er alle drei Päckchen gefunden und schleppte sie zur Seite. Seine Wangen glühten und dann reichte ihm Agrons Mutter auch noch einen großen Fressbeutel. Schon auf den ersten Blick war zu sehen, dass jener die etwas ungesunde Variante war im Gegensatz zu dem, den es bei der Weihnachtsfeier gegeben hatte.

Hier lagen nur ein Apfel, eine Orange und wenige gemischte Nüsse im Beutel aber dafür jede Menge verschiedene Süßigkeiten.

Nach Duro war die Reihe an Nasir, der vier Päckchen mit seinem Namen ausfindig machen konnte und hinterher ebenfalls mit einem großen Fressbeutel bedacht wurde. Nachdem auch Agron seine Päckchen an sich genommen hatte, setzten sich die vier in einen Kreis und packten ihre Geschenke aus.

Narid packte zuerst das größte Päckchen aus und stieß gleich darauf einen Freudenschrei aus. Nasir lächelte und drückte ganz kurz Agrons Hand zum Dank. In Narids Schoß lag die Autorennbahn, die ihm Agrons Eltern auf dessen Rat hin gekauft hatten. Das zweite Päckchen enthielt einen Stofflöwen und einen großen Schokoladenweihnachtsmann. Das Geschenk war von Naevia und Spartacus hatte ihm von Lego einen Baukasten geschenkt, genauer gesagt einen Kran mit richtigem Motor.

Duro und Agron hatten je einen Winterpullover und ansonsten ein paar Bücher und Computerspiele und eine DVD bekommen.

Nasir hatte ebenfalls zuerst sein größtes Geschenk ausgepackt und fand kaum Worte zu beschreiben, was er beim Anblick des Inhaltes fühlte. Seine Hände zitterten als er den Karton öffnete und langsam den Laptop heraus nahm. Seine Augen füllten sich mit Tränen und er wischte sie sich verschämt aus dem Gesicht.

„Wir haben alle zusammengelegt, um ihn dir schenken zu können. Wir haben dir auch ein paar Spiele und Filme und Bücher installiert. Du warst sehr fleißig in den letzten Monaten und hast hart dafür gearbeitet um die Aufnahmeprüfung zu schaffen. Du wirst den PC für dein Studium brauchen.“, erklärte Spartacus.

Das zweite Geschenk war ein Bildband über die Architektur Italiens und das dritte enthielt die Sammelbox aller Harry Potter Filme. Narid bekam große Augen und hielt seinem Bruder sofort seinen Stofflöwen hin.

„Nasir, wollen wir tauschen?“ Alle fingen an zu lachen und Nasir zog den anderen an sich und wuschelte ihm durchs Haar. „Nein, werden wir nicht, aber wir werden uns die Filme zusammen anschauen. Ja, kleiner Bruder?“

Während alle noch ihre Geschenke begutachteten, flüsterte Agron den neben ihm sitzenden Nasir etwas leise ins Ohr. Beide standen langsam auf und Nasir folgte Agron vor die Tür. Dort im Schutz der Dunkelheit umfasste Agron behutsam das Gesicht des anderen und schenkte ihm einen langen Kuss auf dessen sich öffnenden Lippen.

„Ich liebe dich, Nasir Abbas. Du musst darauf jetzt nicht antworten, ich möchte nur, dass du es weißt. Ich werde immer für dich da sein egal was kommt und ich werde für dich und unsere Liebe kämpfen, falls es nötig sein würde.“

In Nasirs Augen funkelte es und dann gab er den Kuss zurück. „Ich liebe dich auch, Agron Ritter.“

Und dann standen sie noch eine Weile Arm in Arm und blickten zu den Sternen hinauf.
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