Break me down ...

von Kosakoni
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Echizen Ryoma Fuji Syusuke
24.12.2018
24.12.2018
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Anmerkung:
Ohne viele Worte: Ich wünsche euch frohe Weihnachten. <3

Viel Vergnügen - Auf Kommentare würde ich mich wie immer freuen. :)
eure Kosa

~*~

Während Fuji-senpai mit Tachibana-san sprechen wollte, der nach dem Spiel mit Rikkaidais Kirihara im Krankenhaus landete, zog es Ryoma aufs Dach. Nicht alleine, weil er Krankenhäuser einfach hasste, sondern auch, weil er von dort einen Blick haben konnte, welcher ihm sonst immer nur verborgen war. Aber auf den Dächern über der Stadt, sah alles so anders aus. Und ihre Probleme schienen plötzlich sehr trivial.

„Wunderschön nicht wahr?“, wisperte eine warme Stimme. Ryoma blickte überrascht zur Seite, wo er einen Jungen erblickte, welcher auf einem kleinen Vorsprung saß. Eine helle Jacke lag über breiten Schultern, so, als wäre ihm kalt, jedoch nicht genug, um diese richtig anzuziehen. Er hatte dunkle, kinnlange Haare, welche im Nacken jedoch kürzer waren und eine sehr helle Haut. Von der filigranen und hübschen Erscheinung, musste Ryoma unweigerlich an ihren Tensai denken. „Hm.“ Er gab schließlich nur einen kurzen Laut zur Bestätigung von sich, bevor er sich wieder zu der Stadt drehte und über die vielen, bunten Lichter schaute.

„Spielst du Tennis?“, fragte ihn der Junge, mit seiner zarten, sehr warmen und freundlichen Stimme, woraufhin er sich erneut umdrehte, um diesen kurz zu mustern. Er konnte in der Dunkelheit hier oben nicht ausmachen, was für eine Augenfarbe sie hatten, aber irgendwie schienen sie warm … und traurig. Vielleicht verleitete ihn auch genau das dazu, sich diesem zu nähern und dann, nachdem er an dem Vorsprung stehen blieb, antwortete. „Ja.“

Ein leises Lachen entfloh dem Fremden, was jedoch nicht spöttisch oder humorvoll klang. Sondern freudevoll. „Du bist nicht sehr kommunikativ. Das erinnert mich … an einen Freund.“

Ryoma runzelte leicht irritiert die Stirn. Wenn dem Jungen doch aufgefallen war, dass er nicht sehr kommunikativ war, wieso sprach er dann noch mit ihm? Als ihm jedoch bewusst wurde, warum er selbst hier oben war … und im Gegensatz zu dem Jungen hier nicht so aussah, als würde er in ein Bett gehören …

Er musste etwas schlucken. Schließlich war er kein Arschloch, nur weil er nicht viel reden wollte. „Ist dein Freund hier im Krankenhaus?“, fragte er somit zögernd, woraufhin der Junge ihn sofort anblickte und sanft lächelte. „Nein. Er trainiert unser Team. … Er ist ziemlich hartnäckig darin, weißt du. Und daher war er schon ziemlich lange nicht mehr hier. Aber … ich kann ihm nicht böse sein, er tut es schließlich nur für mich.“

Automatisch musste er nicken. Diese Hartnäckigkeit kannte er. Schließlich taten sie nichts anderes für Tezuka, welcher in Deutschland ebenfalls alles gab, um wieder spielen zu können. Sein Blick fiel, während er nickte, auf die Füße des Jungen, die in ziemlich guten Adidas-Schuhen steckten und dann fiel ihm auf, was der Junge überhaupt trug, wodurch ihm eine feine Gänsehaut über die Arme glitt. „Wirst du wieder gesund?“

Der Blick des Anderen fixierte einen undefinierten Punkt in der Weite, während sich ein gezwungenes Lächeln auf das hübsche Gesicht legte und Ryoma schluckte. „Ich weiß es nicht ...“, sagte dieser schließlich ehrlich und zum ersten Mal wünschte er sich sozial kompetenter zu sein. Doch so blieb er neben dem fremden Jungen einfach nur stehen und ließ den Blick in der Dunkelheit schweifen. Über tausend Lichter und wahrscheinlich unzähligen Problemen, die die Menschen da unten hatten. Aber dieses mal musste er nicht einmal hinabsehen, um zu wissen dass seine eigenen Probleme trivial waren. Er blickte stattdessen in dunkle, hoffnungsvolle Augen und tief in sich drinnen, hoffte er mit ihm.

~*~

Wenn Fuji später auf dem Nachhauseweg auffiel, dass Ryoma noch ruhiger war, als es für ihn normal war, sagte er nichts dazu. Allerdings schien der Tensai ebenfalls ruhiger als sonst. Für gewöhnlich störte Ryoma das nicht. Besonders weil seine Senpais ziemlich durchgeknallt waren und Fuji die Liste mit Abstand anführte. Doch irgendwas an seinem Ausdruck besorgte ihn. „Wird Tachibana-san wieder spielen können?“, fragte er somit, als sie gerade die Straße zu seinem Zuhause einbogen. Er dennoch aufmerksam den Blick auf dem Gesicht seines Senpais hielt, dessen Ausdruck fast schon eingefroren wirkte. Und durch und durch falsch, so, wie er lächelte …
Daraufhin wurde Ryomas Schritt ein wenig langsamer.

„Sollten die Prellungen gut abschwellen, … vielleicht in ein paar Monaten wieder.“ In Fujis Stimme, die für gewöhnlich seidiger, wärmer und unbeschwert klang, schwang etwas Dunkles mit, das Ryoma sagte, dass ihm der Tensai etwas versuchte zu verschweigen. Er wusste auch, dass dieser es nur tat, um auf ihn aufzupassen. Das war schließlich seine Aufgabe als Ryomas Senpai. Egal ob nun auf dem Court oder außerhalb davon. Aber irgendwie … „Was hat Fuji-senpai vor?“ Damit blieb er drei Häuser von seinem entfernt stehen, woraufhin sich der Ältere zu ihm drehte und ihn dann mit einem breiten Lächeln fast schon beeindruckt ansah. „Saa … ich vergesse immer wieder wie aufmerksam du bist, Echizen-kun.“

Lange Finger zupften neckisch an dem Schirm seiner Kappe, bevor sich der Tensai wieder umdrehte und weiterging. Ryoma jedoch runzelte nur besorgt die Stirn und blickte seinem älteren Senpai nach, welcher vor Ryomas Haus schließlich stehen blieb – ihn geduldig von dort wieder ansah. Und ihm wurde bewusst, dass Fuji nicht geantwortet hatte.

Und gerade das machte ihm Sorgen.

~*~

„Wie heißt du eigentlich?“ Die Frage war angebracht nachdem Ryoma den Jungen – dessen Haare er am Tag, als dunkles Taubenblau ausmachte und die Augen eine Mischung aus Violett und Indigoblau einnahmen – schließlich ein drittes Mal auf dem Dach traf, nachdem er Fuji bei einem weiteren Besuch Tachibana-sans begleitete. Jedoch auch nur, weil Fuji fragte und ihm anschließend Gratis-Essen versprochen hat.

Der Blauhaarige sah ihn schließlich lange an, eh er zart lächelte und den Blick etwas senkte. „Du kannst mich Seiichi nennen.“ Die Antwort ließ Ryoma leicht blinzeln. Es war nicht gewöhnlich fremde Personen bei ihrem Vornamen zu nennen – aus japanischer Sichtweise heraus – erst recht nicht, wenn diese Personen älter waren und der Junge – Seiichi, sah ein, vielleicht sogar zwei Jahre älter aus, als Fuji. Auf der anderen Seite jedoch, glaubte Ryoma, dass es sowieso keinen Unterschied machen würde, weil es unwahrscheinlich war, dass sie einander wiedersehen würden.

„Hm.“, nickend setzte er sich also neben diesen auf den Vorsprung, welcher einen halben Meter über der Dachkante und somit dem Abgrund entfernt war. Seine Tennistasche lag daneben auf sicheren Grund, während seine Füße näher dem Abgrund waren, als vielleicht je zuvor. „Und du?“, fragte ihn Seiichi sanft, woraufhin er aufblickte. Sein Nachname lag ihm auf der Zunge, den er dann aus Höflichkeit jedoch hinab schluckte. „Ryoma.“ Sofort lächelte der Ältere erfreut und wiederholte seinen Namen sehr leise und so zärtlich, dass es ihm fast die Kehle verschloss.

„Na dann … erzähl mir, Ryoma, was hat dich zu Tennis geführt?“

Die Frage alleine war eigentlich so dieser typische Gesprächsbeginn, den man mit jedem unweigerlich führen musste. Jedem der schrecklich intime Details über meinen ersten Schläger bekam ich weil … und zu Tennis führte mich ein schlimmer Verlust hören wollte. Einfach, weil selbst Ryoma keinen leidenschaftlich guten Spieler kannte, der keine Geschichte darüber erzählen konnte. Und bisweilen war er dieser einen Frage immer geschickt ausgewichen. Hier jedoch … so direkt am Abgrund, schien es ihm lächerlich einfach. Und das nicht zuletzt, weil ihn violette Augen so ansahen, als würde die Geschichte wirklich etwas bedeuten, sollte Ryoma sie Seiichi erzählen. Und somit ließ er es zu, sich an den signifikanten Grund zu erinnern, warum er Krankenhäuser verachtete und es auf diesen sterilen Hallen nicht aushielt … „Ich hatte einen großen Bruder ...“

~*~

Er hatte es weder geplant, noch war es ihm auch nur eine Sekunde in den Sinn gekommen, dass sich aus diesen zufälligen Treffen auf dem Krankenhausdach, doch tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft entwickeln könnte. Und doch, binnen nur zehn Tagen in denen Ryoma den Jungen täglich sah, fühlte er, wie sich von Begegnung zu Begegnung, Gespräch zu Gespräch, eine immer tiefere Verbindung zu diesem entwickelte. So sehr, dass er am elften Tag schlaflos in seinem Bett lag und sich ernsthaft fragte, wie so eine gute Person wie Seiichi, an einer so furchtbaren Krankheit leiden konnte.

Es machte ihn nicht nur böse auf die Welt, sondern auch frustriert.

Schließlich war in vier Tagen das Nationale Endspiel, wo sie gegen Rikkaidai antreten würden. Und da sie noch heute Nachmittag zu einem privaten Erholungsort anreisen würden, um vor dem Spiel eine stressfreie Ablenkung zu haben, wollte sich Ryoma somit anstandshalber von Seiichi verabschieden. Daher begleitete er Fuji-senpai auch an diesem Tag wieder ins Krankenhaus, nur um, als er auf dem Dach keinen Seiichi vorfand, sich unweigerlich zu sorgen ...

„Ich will doch nur seine Zimmernummer wissen!“, murmelte Ryoma genervt, während die Frau an der Auskunft ihn nur emotionslos musterte. „Es tut mir leid, Süßer, aber ich darf keine Informationen an Außenstehende rausgeben.“

„Saa, wen suchst du denn, Echizen-kun?“ Fujis Stimme klang heute weniger angespannt, als nach seinem gestrigen Besuch bei dem Buchou Fudomines, was Ryoma zwar hoffen ließ, dass dieser wieder gesund wurde. Dennoch war es schwer so zu empfinden, wenn es jemanden, den er tatsächlich mochte, ganz und gar nicht gut zu gehen schien. Schließlich war Seiichi bisher immer um diese Zeit auf dem Dach gewesen … „Einen … Bekannten.“, erwiderte er somit zögernd, woraufhin sich die azurblauen Augen langsam öffneten und Ryoma sich seine Kappe wünschte, um sie sich ins Gesicht zu ziehen und somit weniger lesbar für den Tensai zu sein.

Doch dieser machte nur einen leisen Laut, bevor er sich zu der Frau hinter dem Tresen drehte und diese dann mit einem schrecklich mitfühlenden Blick ansah. „Wissen Sie, mein Freund hier kennt den Jungen schon seit Jahren und würde sich nur gerne von ihm verabschieden, bevor er … nun … stirbt.“

Ryoma riss die Augen auf und starrte Fuji-senpai fassungslos an. Die Frau sah von diesem, zu ihm und hob die Augenbraue. „Er sieht aber nicht krank aus.“

„Er ist auch so stark und voller Hoffnung, doch die Ärzte … sie sagen, es könnte jeden Moment soweit sein. Sie würden es doch niemanden verwehren, sich von seiner einzig wahren Liebe verabschieden zu können. Für immer ...“ Fuji hob eine Hand über seine Augen und Ryoma spürte wie seine Augenbraue zuckte. Als dann die Schultern seines Senpais zusätzlich mit einem Mal begannen zu beben, brach der Rückhalt der Frau und sie schniefte mitfühlend. „Aber … aber natürlich nicht. Ich wusste ja nicht, oh Gott … du Ärmster. Ihr habt euch bestimmt bei der Therapie kennengelernt. Was für eine Schande. Hier. Seine Zimmernummer im vierten Stock. Es tut mir … es tut mir so leid!“, hastig steckte sie ihm einen Zettel zu, bevor sie von ihrem Stuhl aufsprang und weinend in einen Raum rannte, der hinter der Auskunft lag. Ungläubig starrte er auf den abgerissenen Zettel, eh er zu Fuji aufblickte, der im selben Moment die Hand absenkte und kicherte. Ungläubig schüttelte Ryoma den Kopf. „Hat's Spaß gemacht?“, fragte er den Sadisten ungläubig, welcher jedoch nur amüsiert lächelte.

„Saa … großen.“ Ryoma rollte auf diese Antwort hin mit den Augen und zusammen gingen sie zum Fahrstuhl, um in den vierten Stock zu fahren. Er vermied es dabei Fuji zu rügen, weil dieser nicht nur eine Schwester zum Weinen gebracht hat, sondern auch behauptete, Ryoma wäre todkrank und wollte sich von … er konnte es nicht einmal denken, so abwegig war das.

Nachdem der Fahrstuhl sich schließlich öffnete, stiegen sie aus und Ryoma blickte kurz nach Links, um zu sehen welche Nummern dort angebracht waren, begab sich aber automatisch nach rechts als diese abfallend Richtung Hundert waren und nicht aufsteigend. Sie suchten schließlich Zimmer 129. „Ich wusste nicht, dass du einen Freund hier im Krankenhaus liegen hast.“, begann Fuji sanft, was Ryoma jedoch bestimmt nur irritieren sollte. Wie alles, was aus Fujis Mund kam …

„Bekannter.“, korrigierte er den Älteren daraufhin, der dafür jedoch nur ein leichtes Lächeln übrig hatte und Ryoma fast schnaubte, währen in dem Moment nicht gerade zwei, ihnen bekannte Personen aus einem Krankenzimmer herausgetreten.

„Rikkaidais Sanada und Kirihara, welch ein Zufall ...“, schnurrte Fuji kühl, was Ryoma fast schaudern ließ. Die stumme Frage, was zur Hölle sie hier wollten, blieb ungesagt, schwebte jedoch deutlich in der Luft, woraufhin der Kleinere der beiden einen Schritt auf sie zu machte – Kirihara, dachte Ryoma und verengte leicht die Augen. „Wir besuchen unseren Buchou!“, fauchte der schwarzhaarige Lockenkopf energisch, als in dem Moment eine, ihm zu bekannte Person aus dem gleichen Zimmer trat und Ryoma entgeistert blinzelte. „Buchou? Seiichi …“ – „Ryoma!“ – „Saa ...“

Ryoma blickte unverständlich nach oben in tiefe, violette Augen, die einen entschuldigenden, wenn nicht sogar reuevollen Blick in sich trugen. Er wurde sich jedoch nach einigen Sekunden darüber bewusst, dass er praktisch dem Feind gegenüberstand. Denn Rikkaidai war nicht einfach nur eine starke Tennismannschaft. Sie spielten brutal und das nicht nur unnötig, sondern auch derartig, dass es schon mehreren, sehr jungen und überaus begabten Spielern die Zukunft versaut hatte, weil sie aufgrund von den erlittenen Verletzungen oder Traumata nicht mehr spielen konnten. Umso weniger konnte er fassen, dass diese Person, die er als so nett und sanftmütig kennengelernt hatte, … dass das die gleiche Person sein sollte, die ein solches Verhalten auf dem Court duldete.
Es praktisch sogar forderte.

„Ryoma, es - ...“ Ryoma erkannte den Versuch von Seiichi, ihn zu berühren, weshalb er automatisch einen Schritt zurück ging und stattdessen den Blick auf Sanada richtete, von dem Ryoma wusste, dass er gegen diesen spielen würde. Er wusste es schon seit dem Abend, an dem Fuji seiner Frage ausgewichen war. Und hatte die Bestätigung nur vor wenigen Sekunden erhalten, nachdem dieser Kirihara mit einem Blick ansah, den er bisher nur einmal gesehen hatte. Und zwar, als dieser den Manager und Freund von Yuuta regelrecht fertiggemacht hat. „Mach dich darauf gefasst zu verlieren.“

„Denkst du?“, fragte Sanada emotionslos, als er beinahe in einer bedrohlich wirkenden Art an ihn herantrat und Ryoma seine Augen mehr verengte, eh er an diesem vorbei sah, zu Seiichi, der ihn sehr traurig musterte. „Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“

„Wenn du dir so sicher bist, warum spielen wir nicht sofort?“, überrascht durch diese Herausforderung öffnete Ryoma den Mund, als Fuji zwischen sie trat und dabei sanft Ryomas Handgelenk umfasste. Wobei er sich für einen Moment nicht sicher war, ob er Ryoma zurückhalten wollte oder vielleicht sich selbst … „Du kannst deine Einschüchterungsversuche in vier Tagen beweisen, Sanada.“

„Fuji-kun hat Recht, Genichirou. Es ist ehrenwerter sie während des Turniers zu besiegen und nicht außerhalb davon.“
„Als wenn du wüsstest, was ehrenwert bedeutet.“, fauchte Ryoma verletzt, woraufhin Sanada die rechte Hand hob, in einer eindeutigen und unmissverständlichen Handlungsweise, die Ryoma automatisch zusammenzucken ließ und Fuji ihn sofort beschützend hinter sich zog. Doch packte Seiichi fast im selben Moment, wie Fuji ihn beschützte, Sanadas Handgelenk und blickte den Dunkelhaarigen warnend an. „Beherrsche dich!“

Sein Herz raste und es war praktisch unmöglich für Fuji, seinen heftigen Puls unter den langen Fingern nicht zu spüren. Und obwohl Ryoma es sich nicht ansehen ließ, empfand er tief in sich tatsächlich, zum ersten Mal gegenüber einem Gegner, so etwas wie … Furcht. Denn in diesem Augenblick, in dem sich Sanada von Seiichi löste und Ryoma ins Visier nahm, … wurde ihm bewusst, sich vielleicht einen Schritt zu weit nach vorne gewagt zu haben. „Du hast recht. Es wird das letzte Spiel sein, das du jemals spielen wirst. Echizen Ryoma.“

~*~

„Saa … bist du okay?“

Ryoma blinzelte leicht und blickte von den vorbeiziehenden Bäumen neben der Straße, auf zu Fuji welcher sich an den Rückenlehnen der Bussitze festhielt, um durch die schnelle Fahrt nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ryoma hatte sich so weit wie möglich von Momo und Kaidoh gesetzt, um seine Ruhe zu haben. Die beiden schienen durch diese Erholungsfahrt vor dem großen Spiel besonders aufgekratzt zu sein und es zog an seinen sowieso schon gespannten Nerven …

„Sicher.“, erwiderte er somit auf die Frage nach seinem Befinden und sah dann wieder aus dem Busfenster. Okay, war gar nichts, dachte er rückblickend. Wie konnte er nur so blind gewesen sein? Er öffnete sich doch sonst auch nie so schnell einer fremden Person. Wusste er doch, wie unberechenbar und heuchlerisch die Menschen in Wirklichkeit waren.

Beiläufig bemerkte er, wie sich Fuji ohne zu fragen neben ihn setzte und spürte gleichzeitig dessen intensiven Blick auf sich, was ihn dazu brachte den Kopf erneut zu drehen und in überraschend klare sowie ernste, azurblaue Augen zu sehen. Sie in einem Spiel zu sehen, war aufregend, weil er dann ernst genommen wurde. Doch außerhalb der Courts, wusste Ryoma nicht mit dieser Ernsthaftigkeit des Tensais umzugehen …

„Von allen Personen die du im Krankenhaus hättest treffen können, triffst du auf den bislang besten jüngsten Tennisspieler, den unser Land aktuell hat.“ Er runzelte etwas die Stirn. „Worauf willst du hinaus, Fuji-senpai?“, fragte er leicht genervt. Er besaß heute nicht die Nerven für Fujis Spielchen. „Ich wollte nur sagen, dass es mich tatsächlich nicht überrascht. Du besitzt diese einzigartige Anziehungskraft, die es unmöglich macht ...“
Fuji stoppte plötzlich, wobei dessen Ausdruck an Ryoma vorbeiging. Besonders, als sich ein seichtes Lächeln auf das hübsche Gesicht legte, was ihn irritierte. „Die was unmöglich macht, Fuji-senpai?“

Azurblau traf auf seine goldgrünen Augen, bevor Fuji langsam blinkte und er Ryoma sanft das Knie tätschelte. „Saa, nichts … du scheinst nur eine intensive Anziehungskraft gegenüber schwierigen Gegnern auszustrahlen.“ Damit wandte sich Fuji von ihm ab, blieb jedoch neben ihm sitzen. Dennoch hatte Ryoma das Gefühl, dass gerade irgendwas komplett an ihm vorbeiging, das ziemlich offensichtlich war. Er wusste nur nicht was.

~*~

Als sie am Abend endlich an ihrem Ziel ankamen, wollte Ryoma nur noch eines. Schlafen. Und genau das stellte sich als wahre Herausforderung heraus, nachdem Momo mit Kaidoh eine Kissenschlacht begann, in die Eiji natürlich prompt einstieg und Ryoma einen Fuß in die Seite bekam. Schnaubend erhob er sich von seinem Schlafplatz, um irgendwo hin zu gehen – selbst der Wald wäre ihm lieber, als noch weiter hier zu bleiben. Als er jedoch sah, dass niemand neben Fuji lag, blieb er stehen und fuhr sich müde über die Augen. „Kann ich hier schlafen? Da drüben ist es so laut.“, murmelte er. Fuji, welcher auf dem Bauch lag und ein Magazin las, sah ihn sanft lächelnd an und nickte sofort. „Natürlich. Leg dich ruhig hin.“

Wenige Minuten später lag er auf seiner Seite, mit dem Rücken zu den Verrückten, die immer noch Kissen nacheinander warfen und sich wie im Kindergarten verhielten, als sein Handy unter seinem Kopfkissen vibrierte. Müde blinzelte er und zog es hervor, nur um leicht böse auf das Display zu sehen. „Saa … schlechte Nachrichten?“, fragte Fuji ohne von dem Artikel aufzusehen, den dieser las. Ryoma schnaubte jedoch nur leise und schob dann das Handy wieder unter sein Kissen, ohne der Nachricht weitere Beachtung zu schenken. Doch nachdem es weitere vier Male vibrierte, legte er es neben den Futon und rollte sich wütend auf den Rücken, davon weg. „Das klingt ziemlich wichtig.“

„Ist es nicht!“, versicherte er seinem neugierigen Senpai, als er ein leises Geräusch hörte und ruckartig den Kopf zu diesem drehte, der – „Was denkst du, was du tust, Fuji-senpai?“ – ungefragt sein Handy genommen hatte und nun die Nachrichten las. Eine nach der Anderen. Sofort griff Ryoma nach seinem Handy, das Fuji jedoch lächelnd aus seiner Reichweite hielt. Aber Ryoma war sauer und genervt, doch gleichzeitig auch furchtbar müde, weshalb er sich ein wenig mit seiner Koordination verzettelte und er, beim Versuch sich sein Handy zurückzuerobern, über den Futon stolperte und auf Fuji fiel. „Saa …“, kicherte dieser vergnügt in sein Ohr.
Ryoma duckte beinahe verlegen seinen Kopf, nur um sich daran zu erinnern, dass er sein Gesicht dann aber auch in Fujis Halsbeuge vergraben würde und er sich somit schnaubend, mit brennenden Wangen auf seine Knie zurücksetzte und seinen Senpai von dessen Schoß aus wütend anblickte.

Azurblaue Augen musterten ihn zutiefst amüsiert. Und dennoch lag erneut etwas in ihnen, das Ryoma nicht greifen konnte. Aber bevor er fragen konnte, änderte sich der Ausdruck in ihnen und der Tensai gab ihm sein Handy zurück. „Yukimuras Entschuldigungen lesen sich sehr aufrichtig, Echizen-kun.“ Er konnte darüber hinwegsehen, dass der Ältere ihn ärgern wollte. Ebenso über dessen Eingriff in seine Privatsphäre. Doch nicht über seine unterschwelligen Worte. Weshalb er sich schnaubend von Fujis Becken erhob und sich zurück in seinen Futon legte. Dieses Mal mit dem Rücken zu dem Tensai. Ihm deutlich zeigte, was er von seiner Anspielung hielt.

Kurz darauf hörte er wieder das stetige Blättern von dünnen Magazinseiten, was ihn die Augen schließen ließ. „Von allen Gegnern, bis zu deren Geschichten, habe ich viel über ihn gehört. Doch niemals, dass er sich für etwas entschuldigt. Und ebenso wenig für jemand einsteht, der nicht zu seinem Team gehört. … Ich glaube, Rikkaidais Buchou mag dich sehr, Echizen-kun.“

Es zu wissen, war schon schwer genug. Es zu hören, ließ ihm die Kehle zuschnüren und sein Herz zusammenziehen, weil … weil er den Buchou ebenfalls in wenigen Tagen, sehr gern gewonnen hatte. Und das passierte nur äußerst selten. Dennoch … „Pech für ihn, dass ich Unehrlichkeit verachte.“

Damit war für ihn das Thema durch. Auch, wenn es ihn innerlich schmerzte. Denn es war das erste Mal gewesen, dass er einer Person begegnet war, die das gleiche Brennen von Leidenschaft in den Augen zeigte, welches er tief in sich spürte, wenn er über Tennis sprach.

~*~

Es tut mir leid.

Bitte verzeih meine Unehrlichkeit.

Ich hätte dir sagen sollen, wer ich bin ...

Es war schön sich einmal mit einer Person zu unterhalten, die sich von mir nicht eingeschüchtert fühlte.

Ryoma?

Kannst du mir bitte verzeihen?

Ich vermisse unsere Gespräche, Ryoma.

Ich vermisse dich, mein Freund.

Ich wünsche dir mit meiner vollsten Aufrichtigkeit, viel Glück!

Bitte pass' auf dich auf.

Ich bin froh, dich kennengelernt zu haben.

Leb' wohl, Ryoma.

Es waren nun nur noch wenige Stunden bis zum ersten Spiel gegen Rikkaidai und Ryoma war soeben aufgestanden, als er sein Handy auflud, welches im Erholungsort den Geist aufgegeben hatte, nachdem Seiichi eine Nachrichtenbox regelrecht mit Entschuldigungen überforderte.

Umso verwirrter war er nun besonders über die letzten Nachrichten. Denn je öfter er sie las, desto endgültiger fühlten sie sich an. Sie klangen wie ein letzter Abschied, wodurch sich eine kalte Gänsehaut über seine Arme zog und er ohne nachzudenken sein Handy aufklappte und dann die Nummer zurückrief, anstatt den Nachrichten zu antworten. Doch je länger das Freizeichen ertönte, desto unruhiger fühlte er sich. Schließlich meldete sich die Mailbox, woraufhin er sein Handy zuklappte und vom Bett aufsprang. Achtlos zog er sich irgendein T-Shirt über den Kopf, sowie Shorts über die Beine, eh er sich seine Tennistasche schnappte und die Treppe hinunterstürzte. Zuletzt in seine Turnschuhe schlüpfte und dann aus dem Haus rannte.

Ryoma hatte nie eine direkte Antwort von Seiichi bekommen, wie es um dessen Gesundheit stand. Alles was er wusste war, dass dieser seit Monaten in Behandlung war und ebenso lange kein Tennis mehr spielte. Solche Nachrichten also nun zu lesen … das wollte er nicht!

Das hatte er schon einmal vor zehn Jahren durchmachen müssen …
Ein weiteres Mal ertrug er nicht!

~*~

Völlig außer Atem kam er im Krankenhaus an, wo er die Treppen nach oben rannte, weil dieser beschissene Fahrstuhl eindeutig zu lange brauchte, sodass er für einen Moment, nachdem er im vierten Stock zum Stehen kam, glaubte umzukippen.

So schnell war er noch nie gerannt. Schließlich trieb er sich dazu an, zu dem Krankenzimmer zu laufen, dessen Nummer er sogar noch im Kopf hatte, doch als er dort ankam, war das Zimmer leer und Ryoma spürte nur beiläufig, wie er sich in den Türrahmen krallte. Nein. Bitte nicht noch mal, dachte er fassungslos.

„Ryoma?“ Erschrocken fuhr er zu der Stimme herum.

Einige Meter von ihm entfernt, lag Seiichi auf einem Behandlungsbett, nahe des Fahrstuhls. Er trug keinen Pyjama, sondern Etwas, das wie ein Kittel aussah und eine Infusion steckte in der linken Armbeuge, weshalb er sogleich zu ihm trat. „Sag du wirst wieder gesund.“, forderte er den Blauhaarigen auf, als sein Blick unweigerlich begann zu verschwimmen sobald er in die tiefen, violetten Augen blickte, die so schrecklich ängstlich zurückschauten.

„Ich kann dich nicht erneut anlügen.“, hauchte dieser und Ryoma spürte etwas Feuchtes über seine Wange laufen. Dabei legten sich lange, kühle Finger um seine und drückten diese schwach, wenn auch sanft. „Ich wünschte wirklich, wir hätten einmal zusammen auf dem Court gestanden.“

Ryoma schluckte und wusste nicht, was er sagen sollte, als zwei Ärzte herantraten und irgendwas davon redeten, dass sie jetzt los mussten. Aber er war noch nicht bereit dafür, darum drückte er die langen Finger und blickte dem Älteren eindringlich in die Augen. „Versprich mir, dass du kämpfst. Dass wir in zwei Jahren einander gegenüberstehen!“

„Ryoma ...“, wisperte Seiichi gebrochen, doch er schüttelte nur den Kopf. „Versprich es!“

„Spiel für mich, Ryoma.“ Damit wurde Seiichi an ihm vorbei geschoben, während lange Finger aus seiner Hand hinaus glitten – ihn haltlos auf dem Flur zurückließen. Momente später legten sich warme, lange Arme um ihn und Ryoma fragte sich warum Fuji eigentlich immer wusste, wann er für ihn da sein musste, wenn er es selbst nicht einmal wusste, bevor er sich dann aber in den langen Armen drehte und sich Halt suchend in das Trikot krallte.

Er wollte nicht, dass Seiichi starb und schon gar nicht alleine.

~*~

Ryoma hatte das Gefühl eines Déjà-vu, als er seinen Blick auf die vorbeirauschende Landschaft fixierte, die der Bus passierte. Ebenso wie vor vier Tagen saß Fuji neben ihm. Doch dieses mal würden sie nicht die Stadt hinter sich lassen, um sich mental auf das Spiel vorzubereiten. Dieses Mal fuhren sie direkt dorthin, um es zu gewinnen und das für die Personen, die sie ihre Freunde nannten.

„Ich hab nicht wegen meinem Vater mit Tennis angefangen, sondern wegen meinem älteren Bruder.“, gestand er leise, nachdem er sich darüber bewusst war, wie besorgt ihn sein Senpai seit dem Krankenhaus immer wieder anblickte. Was er auch verstehen konnte, denn … Ryoma weinte nicht. Und wenn überhaupt, dann gewiss nicht auf den Fluren eines Krankenhauses – nie mehr, hatte er sich damals geschworen.

„Das tut mir so leid.“, hauchte Fuji leise neben ihm, welcher gar nicht mehr hören musste. Schließlich war er ein Tensai und konnte somit Eins und Eins ohne Schwierigkeiten zusammenzählen. Einen Augenblick später, spürte Ryoma eine warme Hand auf seiner, die ihn daran erinnerte, wie diese sich auf seinem Rücken und in seinem Haar angefühlt hatte, während dieser ihn auf dem Flur umarmte. Und, dass er in den letzten Jahren, in denen Ryoma eine immer höhere Mauer um sich errichtete, vergessen hatte, wie gut es sich anfühlen konnte, jemanden neben sich zu haben, der einen hielt. Somit lehnte er sich ein wenig mehr gegen Fuji, während sein Blick weiterhin aus dem Fenster gerichtet war. Sich jedoch darüber bewusst, dass er seinem Senpai damit einen Einblick über die Mauern gewährte, den er nicht wieder rückgängig machen konnte. Der vielleicht alles zwischen ihnen ändern würde.

~*~

Angestrengt ballten sich seine Hände zu Fäusten, während er dem Geschehen auf dem Spielfeld folgte. Ryoma hatte Fuji schon in verschiedensten Spielen gesehen. Doch noch nie so unglaublich furios und wütend. Es erinnerte ihn daran, für wen sein Senpai da draußen spielte. Denn auch wenn er dort stand, stellvertretend für ihr Team, so kämpfte er auch für Tachibana-san, welcher, sollte er das Glück haben – und Ryoma hoffte es, in ein paar Monaten wieder spielen konnte. Andernfalls jedoch, könnte er nie wieder so Tennis spielen, wie zuvor. Als somit ein fünfter Ball, Fujis Knie traf, ertrug er es nicht mehr und stand auf. Über den Spielfeldrand blickte er eiskalt zu Sanada, welcher seinen Blick erwiderte und sich dann ebenfalls erhob.

„Echizen?“, fragte ihn seine Trainerin warnend, aber Ryoma ignorierte sie, als er seinen Schläger umfasste und sich dann abwandte. Er musste sich das Spiel nicht ansehen, um zu wissen, dass Fuji-senpai, Kirihara niedermachen würde. Und ebenso wenig musste er beobachten, wie dieser sich selbst benutzte, um dem Jungen eine Lektion zu erteilen. Stattdessen folgte er seinem baldigen Gegner, auf einen verlassenen Court, um sich aufzuwärmen und diesem zu zeigen, ihn nicht zu unterschätzen.

~*~

„4 – 1 für Sanada Genichirou. Seitenwechsel!“

Ryoma trat ohne sich darüber wirklich bewusst zu sein, zu der Bank auf der seine Trainerin saß und ihn deutlich besorgt musterte. Seine Augen brannten vor Anstrengung und Erschöpfung. Er wusste zwar von Inuis Statistiken, was für einen schnellen Schlag der Fukubuchou Rikkaidais drauf hatte, doch sich diesem praktisch ausgesetzt zu sehen – ironischerweise gar nicht – war irgendwo in seinem Tennis liebenden Inneren faszinierend, wie auch immens frustrierend. Er blickte schließlich auf seinen Schläger, nur um zu blinzeln, weil es ihm inzwischen auch schwerfiel, seinen Blick zu fokussieren. „Ryoma?“, fragte seine Trainerin besorgt, während sie ihm seine Trinkflasche hinhielt, die er fast verfehlte zu greifen. Anschließend jedoch schüttelte er nur den Kopf. Gab ihr nach dem Trinken die Flasche zurück, eh er auf die andere Seite ging. Sein Blick klärte sich langsam wieder, als er den Schwarzhaarigen eindringlich musterte, welcher ihn kühl ansah. „Sagtest du nicht, ich würde verlieren?“

Er fing mühelos den Tennisball blind in der Luft, den er vom Balljungen zugeworfen bekam und in dem Moment wusste Ryoma, wie er Sanada schlagen konnte. Denn eben weil er dessen Ball nicht sehen konnte, musste er es auch nicht.

Er hatte schließlich Tennis im Blut. Von seinem Vater, welcher Weltmeister hätte werden können, wäre Ryoga nicht an Leukämie erkrankt und hätte dessen überraschend schneller Tod, Ryoma nicht haltlos sowie alleine zurückgelassen. Weil er außer Ryoga nichts hatte …

Darum brachte ihm sein Baka von Vater Tennis bei. Weil Ryoga es geliebt hatte und Ryoma wollte für ihn spielen. Völlig ignorant der Tatsache gegenüber, dass Ryoma damals im Vergleich zu Ryoga fürchterlich spielte. Weil er zu klein war und die Schläger zu groß. Aber er war stur und hartnäckig ... und begann es zu leben, je besser er wurde.

„Willst du nicht lieber würdevoll aufgeben?“, bot ihm der Schwarzhaarige an, während Ryoma den Ball nach einer halben Minute immer noch auf dem Court auf und ab federn ließ.

Er spielte seit zehn Jahren. Seit er fünf Jahre alt war. Er kannte einen Court besser, als die Rückseite seiner eigenen Hände. Wusste wie weit er von einer Seite, zur nächsten laufen musste. Wie stark er schlagen musste, um seinen Gegner von einer Ecke in die nächste zu drängen.

Dafür musste er nichts sehen.
Es lag ihm im Blut.
Es war sein Leben, weil er es für Ryoga weiterlebte.

Und ironischerweise tatsächlich auch für jeden einzelnen aus seinem Team, die er, obwohl sie fürchterlich nervig und verrückt waren, seine Familie geworden waren. Allerdings auch für die eine Person, welche ihren eigenen Kampf gerade austrug. Nicht auf einem Tennisplatz. Aber im einem OP und im Gegensatz zu seinem Bruder eine, wenn auch furchtbar geringe Chance besaß.

Somit war es ihm egal, was für Gründe Sanada hatte, zu gewinnen. Denn für Ryoma ging es nicht um einen Sieg. Es ging ihm alleine darum, alles zu geben. Für seine Familie.
Was es ihm einfacher machte, seinen Puls hinabzufahren und die Augen zu schließen, als er den Ball in die Luft warf und dann blind aufschlug.

~*~

„4 – 4, Seitenwechsel.“

Hätte ihm jemand gesagt, dass er drei Stunden brauchen würde, um drei lächerliche Punkte aufzuholen, hätte er die Person für verrückt erklärt. Doch genauso war es. Und je länger Ryoma auf dem Platz stand, desto mehr bekam er das Gefühl, dass ihn Sanada brechen wollte. Egal wie stark er schlug, Sanada konterte. Ebenso wie schnell oder unberechenbar es für ihn schien, der Ältere war schon da.

Nachdem er etwas getrunken hatte, stand Ryoma schließlich wieder auf, nur um von seiner Trainerin am Arm zurückgehalten zu werden. „Du solltest dir eine kurze Auszeit geben, Ryoma.“, sagte sie eindringlich, wie auch besorgt. Doch blickte er im selben Moment zu seinem Team und dann überraschend zu Tachibana-san, welcher dahinter auf der Tribüne mit seiner eigenen Mannschaft saß. Er dachte an Seiichi und fragte sich, ob dieser sich je eine Auszeit gegeben hatte und wusste, auch ohne eine Antwort zu bekommen, wie diese lauten würde. Weshalb er nur stur an seiner Kappe zog und dann zurück auf den Court trat, den Sanada ebenfalls in dem Moment betrat.

Ihre Blicke trafen sich im selben Augenblick, wie sie einander gegenüber stehen blieben und Ryoma wusste es plötzlich.

Er wusste, dass er von Sanada gebrochen werden würde. Es vielleicht sogar wollte ...
Doch nur, um an sein Äußerstes zu kommen. Weil er genau das brauchte, um diesen am Ende zu besiegen. So war er schon immer gewesen. Ryoma brauchte den Abgrund, um diesen zu überwinden.

„Lass es uns beenden.“, sagte er somit entschieden und wechselte dann seinen Schläger in die linke Hand, woraufhin Sanada blinzelte und Ryoma zum ersten Mal das Gefühl hatte, den Älteren zu überraschen. Er hatte gedacht es wäre Stärke und Schnelligkeit, mit der er Sanada besiegen könnte …

Das Gegenteil war der Fall, dachte Ryoma als er den kühlen Blick seines Gegners erwiderte und herausfordernd nickte.

~*~

Sein Spiel mit der linken Hand war weniger kraftvoll, als wenn er mit Rechts schlug. Doch genau das war es, womit Sanada nicht gerechnet hatte. Damit, dass Ryoma sich nicht mehr auf diesen Kampf einlassen würde. Genau aus dem Grund spielte er nicht mehr mit Rechts, weil er mit der linken Hand counterte. Schließlich waren es dutzende Spiele, in denen sein Senpai einen Counter nach dem Nächsten zückte, den Ryoma brechen sollte. Aber je öfter er sie brach, desto mehr verstand er sie. Verstand die Art, wie Fuji-senpai spielte. Und zwar nutzte dieser geschickt die Kraft seines Gegners, um den Ball zu kontrollieren und das eben ohne selbst viel Kraft aufbringen zu müssen.

Genau aus dem Grund musste er gleichzeitig schneller laufen und flinker zurückschlagen, als er es vielleicht jemals musste. Es ließ seine Lungen brennen und die Muskeln in seinen Unterschenkeln vor Überanstrengung ziehen. Doch war es das wert, wenn er einen Ball von Sanada mit der linken Rückhand zurückschlug, sowie einen weiteren, einen Nächsten und Nächsten und dann den Letzten, wobei er bei diesem spürte, wie dieser so stark war, dass er deutlich den Schmerz in seiner Sehnenscheide spürte, woraufhin er sich instinktiv umwandte und den Schläger mit der rechten Hand packte und den Ball dann so hart er es konnte, zurückschlug. Atemlos beobachtete, wie der Ball durch die Luft flog, eh dieser exakt auf der Linie hinter Sanada aufkam und er auf die Knie sank. Er nur beiläufig mitbekam, was der Schiedsrichter sagte, weil ihn ein seichtes Schwindelgefühl durch den Schmerz sowie der Erschöpfung begannen einzunehmen. Aber wenn er sein Team sah … wusste er, dass es das wert war.

„7 – 5 Echizen Ryoma gewinnt.“

~*~

„Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich es nur mit selbstzerstörerischen Idioten zu tun habe.“, meckerte ihre Training streng, nachdem der Arzt gegangen war.

Entgegen ihres Sieges feierte sein Team nicht wie gewohnt bei Kawamura-sans Sushi-Restaurant, sondern saß im Warteraum des Krankenhauses, während man Ryomas linken Arm untersuchte sowie Fujis rechtes Knie. Er selbst wies zu seinem Glück nur eine überdehnte Strecksehne in seinem Unterarm auf und keinen Riss, so wie es sich insgeheim zu Beginn für ihn angefühlt hatte. Allerdings spielte Ryoma das Ganze auch relativ hinab, alleine weil er Schmerzen auf dem Court kannte. Und diesbezüglich eine hohe Schmerzgrenze besaß.

„Zumindest haben wir gewonnen.“, warf er somit kleinlaut von der Liege aus in den Raum hinein, woraufhin ihre Trainerin genervt schnaubte und einen letzten entsprechenden Blick auf Fuji warf, eh sie aus dem Raum stürmte. Dieser saß währenddessen neben ihm. Aber anders als Ryoma, der einen Verband um seinen Unterarm gewickelt hatte, trug der Tensai einen um sein Knie, worauf zusätzlich ein Kühlbeutel lag.

„Saa … ich hab noch nie so ein beeindruckendes Spiel gesehen.“, sagte Fuji neben ihm sanft, was Ryoma leicht den Kopf ducken ließ, weil er rot wurde. Das Lob, vielleicht besonders weil es von dem Tensai kam, ließ sein Innerstes warm werden und kribbeln. „Fuji-senpai hat aber auch nicht schlecht gespielt.“

„Du hast das Finale verpasst.“ Überrascht, dass es Fuji aufgefallen war, hob Ryoma den Kopf und begegnete tiefem Azurblau. „Rikkaidais Kirihara mag stark gewesen sein, aber nicht genug, als dass es mir entgehen könnte, die Aufmerksamkeit meines wichtigsten Fans zu verlieren.“

Entgeistert blinzelte Ryoma. „Ich bin nicht dein Fan, Fuji-senpai. Noch musste ich zuschauen, um zu wissen, dass du gewinnst.“, murmelte er verlegen und wandte den Kopf dann ab, was Fuji leise schmunzeln ließ. „Saa … du hast Hakugei eingesetzt und zwar exakt so, wie ich es tue. Vielleicht sogar besser … Woraus ich schließen kann, dass du mich offensichtlich gut beobachtet hast.“ Ja, gut genug, um zu wissen, wie weh es Fuji getan hatte, auf dem Spielfeld durchzuhalten. So sehr, dass es Ryoma nicht mehr aushalten konnte, zuzusehen. Weil er es nicht ertrug, azurblaue Augen schmerzerfüllt zu sehen … „Was auch immer.“, erwiderte er somit gespielt belanglos, während er in die andere Richtung des Raumes blickte.

„Du faszinierst mich, Ryoma.“, hauchte Fuji neben ihm so plötzlich und überraschend ernsthaft, dass es ihn dazu brachte, den Tensai aus weiten Augen anzusehen. Azurblaue Augen blickten jedoch nur unbeirrt und zärtlich zurück, während warme Fingerspitzen sich auf seine Wange legten. „Jedes Mal, wenn ich glaube, jemand bringt dich an deine Grenzen, schaffst du es dich darüber hinaus zu bewegen. Das ist sehr inspirierend.“

„Inspirierend wofür?“, fragte Ryoma leise, als sich Fuji lächelnd zu ihm lehnte und er kurz darauf warme, weiche Lippen auf den eigenen spürte. Er hatte irgendwie mit allem gerechnet, doch nicht damit, dass ihn sein Senpai küssen würde, weshalb sich für einen Bruchteil der Sekunde, seine Augen weiteten, bevor sich ein merkwürdig fremdes, doch merkwürdig wundervolles Flattern in ihm ausbreitete, das ihn dazu brachte, die Augen zu schließen und sich hauchzart gegen die zärtliche Berührung zu lehnen. Dabei fand seine rechte Hand den Weg in Fujis Nacken. Denn auch wenn er eigentlich gar keine Ahnung hatte, was er eigentlich machte, so fühlte es sich auf fremde Weise irgendwie richtig an. Dann aber löste sich Fuji und lehnte seine Stirn sachte gegen seine. „Saa … sich mehr zu öffnen.“, erwiderte Fuji schließlich auf seine Frage, die Ryoma allerdings beinahe aufgrund dieses unvergesslichen Überfalls wieder vergessen hatte.

„Befürchtet Senpai nicht, ich könnte mich wehren?“, fragte er mit einem leichten Grinsen, während warme Fingerspitzen von seiner Wange hinabfuhren, über seinen Hals. Ihm einen Schauer über den Körper jagten, wie es zuvor noch niemand außerhalb eines Courts geschafft hatte. Doch Fuji lächelte nur unbeirrt über seine Frage und blickte ihm dann wieder tief in die Augen. „Saa … ich denke, wenn du es wirklich nicht wolltest, dann würdest du.“

Womit der Tensai nicht unrecht hatte, schließlich lag Ryomas Schläger nur wenige Zentimeter weiter weg auf der Liege. Und er war sehr wohl selbstbewusst genug, alles zu unterbinden, das gegen seinen Willen passierte. Schließlich entschied Ryoma, dass er vielleicht auch nur mehr Erfahrung brauchte, um zu wissen, was er wirklich wollte, weshalb er den Tensai an dessen Nacken wieder zu sich zog und ihn dann intensiver als zuvor küsste. Er dabei geflissentlich ignorierte, wie selbstgefällig der Tensai in den Kuss grinste und irrwitzige Finger sich unter sein Trikot schoben. Allerdings nicht ignorierte, wie unglaublich gut es sich anfühlte, sie auf seiner bloßen Haut zu spüren und nicht nur über Stoff.

~*~

Nachdem sie schließlich ein wenig später den Behandlungsraum verließen und ihre Bekleidung ein kleines bisschen zerstörter als zuvor wirkte, ebenso wie ihre Haare, dann schien es entweder niemandem aufzufallen oder ihr Team wollte sie einfach nur nicht in Verlegenheit bringen. Obwohl der rötliche Fleck auf Ryomas Nacken Bände sprach.

„Ne Ochibi, alles okay?“, fragte ihn Eiji sanft, woraufhin er nickte, doch ging seine Erwiderung verloren, als er auf der andere Seite des Warteraumes das Team Rikkaidais sitzen sah, welches schrecklich niedergeschlagen wirkte und ihm gleichzeitig aber auch auffiel, dass eine Person fehlte. Und er überraschender Weise genau wusste, wo diese sich befand …

Somit warf er Fuji einem Blick zu, wodurch sich azurblaue Augen öffneten. Der Tensai ihn jedoch sehr sanft wie verständlich ansah und Ryoma sich herumdrehte und Momos Frage, wo er denn hinwollte, ignorierte.

~*~

Das Erste das ihm auffiel, als Ryoma das Dach betrat, war die sternenklare Nacht. Das Zweite war die Person, die nahe des Abgrundes saß, dort, wo auch er schon mit Seiichi oft gesessen und geredet hat. Einen Moment lang musterte er den Fukubuchou, bevor er die Tür losließ und sich kurz darauf neben diesen setzte. Schweigend blickte er in die Tiefe.

Kurz darauf spürte er den Blick des Älteren auf sich liegen, was ihn den Kopf heben und in – so schien es in der Dunkelheit zumindest – schwarze Augen blicken ließ, welche komplementär zu denen schimmerten, wie noch zuvor auf dem Court. Nämlich nicht kämpferisch oder bereit alles zu tun. Sondern schrecklich traurig und verzweifelt. Er kannte diesen Ausdruck von seinem Vater damals, während es Ryoga immer schlechter ging. Und irgendwie glaubte Ryoma, habe auch er ausgesehen ...

Es brach in ihm innerlich alte Wunden auf, die er glaubte nicht mehr zu besitzen. Weshalb er glauben konnte, dass Sanada und er viel mehr teilten, als eine unglaubliche Kampfeslust auf dem Spielfeld. Tatsächlich konnte er sich sogar vorstellen, dass der Ältere gar nicht so schrecklich war, wenn man ihn nur besser kannte. Doch war dies eine Erfahrung, die Ryoma eventuell irgendwann bereit sein würde zu machen, sollte das Team Rikkaidais gewillt sein, anzuerkennen, dass es besser war ehrenhaft zu verlieren, als schändlich zu gewinnen.

Aber hier auf dem Dach – jetzt und hier – war er gewillt ihren Konkurrenzkampf außen vorzulassen. Denn wie er es schon immer fand, so schien alles sehr viel nichtiger und trivialer, wenn man sich das große Ganze ansah. Das sich vor einem erstreckte, wenn man nur mit genug Abstand dazu stand, um es zu betrachten.

Somit saßen sie so lange schweigend auf dem Dach – nebeneinander – dass Ryoma irgendwann glaubte das Zeitgefühl zu verlieren. Und als er am Wenigsten damit rechnete, öffnete sich plötzlich die Tür zum Dach und eine sehr warme Stimme sagte das, was Ryoma erleichtert die Augen schließen ließ. „Yukimura-kun liegt im Aufwachraum. Ich dachte, das würdest du gerne wissen, Sanada.“

Während dieser eilig neben ihm aufstand und Fuji ein fast unhörbares Arigato entgegenwarf, blieb Ryoma sitzen. Er war so damit beschäftigt, die überwältigten Gedanken in seinem Kopf zurückzudrängen, dass er gar nicht mitbekam, wie sich der Tensai neben ihn setzte. Erst als er eine warme Hand auf seiner eigenen spürte, hob er den Kopf und öffnete seine brennenden Augen. Fuji sah ihn ganz offen an, wobei der Tensai mit dem Rücken zum Abgrund saß, anders als Ryoma, welcher das nie konnte. Er saß immer direkt über diesen, sich darüber bewusst, was ihn erwarten würde. Doch nie mit dem Rücken dazu. Weil er das Ungewisse nicht ertrug.

„Yukimura ist scheinbar genauso kämpferisch wie du.“, hauchte Fuji zärtlich, als dessen Fingerspitzen sich auf seine kühle Wange legten und Ryoma sich automatisch an die warme Handfläche lehnte. Und während er die Augen schloss, lehnte sich Fujis Stirn sachte gegen seine und warme Finger strichen die Feuchtigkeit von seinen Wangen, welche diese brennen ließ. Es ließ ihn bewusst werden, wie sehr er gehofft hatte, obwohl er dies doch nie mehr tun wollte. Nicht nach Ryoga … und vielleicht … hatte das Ganze ihn ja doch mehr mit dem Rücken zum Abgrund getrieben, als er es glauben wollte.

„Freust du dich schon?“ Die warme Stimme an seiner Wange, ließ ihn leicht verwirrt blinzeln, eh er in azurblaue Augen sah. „Hm?“

„Dein Spiel mit ihm in zwei Jahren. Freust du dich?“ Ryoma blinzelte einmal, bevor er lächelnd den Blick senkte. Freuen? Nein … er freute sich nicht. „Ich kann's kaum erwarten.“, erwiderte er schließlich und legte den Kopf dann auf Fujis Schulter. Und dieses Mal erlaubte er es sich nicht gen den Abgrund zu blicken. Er hatte schließlich Fuji bei sich, der ihn hielt.

~*~ Bonus ~*~

Eigentlich war es nicht in Tezukas Absicht gewesen, Echizen gegen den Buchou Rikkaidais antreten zu lassen. Nicht, weil die beiden eine Freundschaft hegten, die ihre beiden Teams – welche unterschiedlicher nicht hätten sein können – auf verrückte Weise einander näher brachte. Ebenso wenig, weil er glaubte, der Jüngere wäre nicht stark genug. Das Gegenteil war der Fall. Er hatte es vor zwei Jahren im Fernsehen gesehen – das Spiel gegen Sanada und war nicht nur davon gefesselt, er war stolz auf Echizen.

Nein, sein Grund lag darin, dass er sich nicht sicher war, ob Echizen das Spiel ebenso ernst nehmen würde, wie Tezuka es an seiner Stelle getan hätte.

Doch als er sah, wie die beiden sich auf dem Spielfeld entgegen traten und einander in die Augen sahen, … wurde ihm bewusst, dass er sich geirrt und am Ende doch die korrekte Entscheidung getroffen hatte. Nur Stunden später, wusste er zudem, dass nicht einmal er besser hätte spielen können, als Echizen, Yukimura – welcher als bisher einzig ungeschlagener Tennisspieler unter siebzehn Jahren in Japan galt – mit 6 – 4 besiegte. Und entgegen der Unsicherheit, wie die beiden danach zueinander stehen würden, umarmte Yukimura Echizen mitten auf dem Court, über dem Netz das sie trennte und ließ in Tezuka eine neue Hoffnung aufkommen.

Vielleicht … waren sie doch nicht so unterschiedlich.
Und Echizen bereit, seine Stelle als Buchou zu übernehmen. Denn er konnte sich niemand besseres für diese Position vorstellen, dachte Tezuka mit einem stolzen Ausdruck in den Augen.

~*~ Fin ~*~

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