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Blind Date

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12
Betty Boop
24.12.2018
24.12.2018
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Blind Date

Ein fröhliches Lied auf den Lippen machte Betty gerade den Hausputz, feudelte den Staub von der Tischuhr, die daraufhin niesen mußte und verschämt rasch ihre Zeiger wieder einsammelte, wischte den Staub von dem Landschaftsgemälde, so daß man die Pferde auf der Weide wieder herumspringen sehen und freudig wiehern hören konnte und feuchtete das Wischtuch in dem Gemälde mit dem alten Segelschiff auf hoher See an.
      Über das Treppengeländer rutschte sie in das Erdgeschoß. Kurz vor dem Ende sah sich der breite Handlauf zu ihr um und neigte sich ein wenig nach oben, um ihr Schwung zu verleihen. Jauchzend flog sie durch die Eingangshalle, und die Vorhänge vor den gegenüberliegenden Fenstern fingen sie auf, bevor sie zu Boden stürzte, und ließen sie sachte herab. „Oh, vielen Dank!“ Sie winkte den Vorhängen zu, und diese winkten zurück.
      Fröhlich wirbelte sie durch die große Halle auf die Treppe zu. Dort angekommen setzte sie ihre Arbeit gut gelaunt fort und putzte alles, vom Treppengeländer über die kleine Statue auf dem Sockel, die geniert kicherte, bis hin zu der großen Standuhr, die jede ihrer Bewegung mit den Augen und dem Pendel verfolgte – bis sie vor dem Kamin stolperte. Verdutzt stand sie auf und sah nach, was sie zu Fall gebracht hatte.
      Sie hob einen der schmalen schwarzen Ringe auf, die zu ihren Füßen lagen. „Jetzt hat der Tiger seine Streifen hiergelassen! Was kann das nur zu bedeuten haben?“ Sie hob kurz die Schultern. „Vielleicht erzählt er es mir, wenn er wieder zurück ist.“ Sie sah sich nach ihrem Staubwedel um, der nun allein schon einmal den Kaminsims vom Staub befreit hatte, holte ihn rasch ein und machte bei den Vasen weiter.

In der Zwischenzeit war der Tiger - sie mußte gestehen, sie war eine Tigerin - auf dem Weg zu ihrem Date. Als Treffpunkt war eines der angesagtesten Lokale der Stadt ausgemacht worden, und sie war schon sehr aufgeregt.
      In dem Lokal wartete bereits ein stattlicher Löwe auf sie. In der Löwe-sucht-Löwe-Anzeige hatte er sie sofort angesprochen. Das war auch der Grund, warum sie heute auf die Streifen verzichtete, denn er durfte ja nicht wissen, daß sie gar keine Löwin war!
      Der Blickkontakt war schnell hergestellt, und das Löwenherz ebenso schnell entflammt. Große, sanfte Tatzen führten sie zu einem Platz zu zweit, ganz in der Nähe der Bühne, wo sie dem Orchester lauschen konnten und ganz ungestört waren.
      Auf der Bühne spielte das Entenorchester – die Enten wurden dabei von den Affen wie Trompeten gespielt. Ihre Schnäbel formten sich zu langen Schalltrichtern, und je nachdem, wo die Affen sie drückten, variierten sie die Tonhöhen zu einem wahrhaft stimmungsvollen musikalischen Spiel.
      Am Löwentisch spitzte sich die Sache langsam zu. Der Löwe hatte Gefallen an seiner unerkannten Pseudolöwin gefunden, und es gab kaum noch ein Stück unbestreiftes Tigerfell, das nicht mit seinen Küssen versehen war. Kokett ringelte sie ihren Schwanz um seinen Nacken, was ihn ein verträumtes Brummen vernehmen ließ.
      Als ihre Schwanzspitze seine Nase kitzelte, mußte er niesen und kicherte kurz darauf verliebt. Da bemerkte er plötzlich einen kleinen schwarzen Ring am Schwanzende, den sie übersehen hatte. Seine Miene wechselte von überrascht zu ärgerlich. Ihre von erschrocken zu verlegen.

Betty klopfte gerade den Teppich aus, der unwillig unter ihren Schlägen schrie und ein paar Mal erfolglos versuchte, ihr zu entkommen, als plötzlich die Haustür aufflog, und ein panischer Tiger nur ein paar Meter weiter in seine Streifen sprang und sich hinter dem Kamin versteckte.
      Der Löwe setzte der Tigerin nach und registrierte in seinem Ärger nicht, daß Betty zwischen die beiden trat. Noch völlig in Gedanken nahm die junge Frau den Löwen und feudelte mit seiner Mähne Lampen und Schränke ab. Nach zwei gescheiterten Fluchtversuchen ergriff der Löwe seine Chance, als Betty ihn endlich beiseite legte und das Wischzeug nahm. Noch schneller, als er in das Haus hineingekommen war, türmte er wieder aus Bettys Reichweite nach draußen.
      Die Tigerin machte es sich indes erleichtert wieder auf ihrem Platz vor dem Kamin bequem, und beschloß, sich von nun an nicht mehr für andere zu verbiegen, sondern ganz sie selbst, und sich und ihren Streifen treu zu bleiben…

THE END
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