Tales of Prisoners - Eine Weihnachtsgeschichte

von SeiSarash
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P12
24.12.2018
24.12.2018
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Es ist der 24. Dezember in einem kleinen Dorf in Amerika. Alle freuen sich auf das Weihnachtsfest und haben hübsch dekoriert. Ein jeder ist fröhlich, bis auf einer: Evil Hades. Er hasst Weihnachten wie die Pest. Viel zu fröhlich und viel zu bunt. Und das schlimmste: man verdient kein Geld. Denn das ist alles was ihn interessiert. Besonders sein einziger Angestellter bekommt seine miese Laune des öfteren zu spüren. Abraham ist eigentlich sehr freundlich und verkneift sich jeglichen schlechten Kommentar über seinen Boss. Selbst wenn dieser nicht anwesend ist. Er ist eben dankbar für alles was er bekommt, egal wie klein es auch ist. Nun, am Heiligabend sitzen die beiden noch immer im Büro, das nur von ein paar Kerzen warm gehalten wird. Abraham hält seine Hände kurz in die Nähe von einer, um seine bereits vor Kälte schmerzenden Finger zu wärmen. Doch es bringt nicht viel. So reibt er sich seine Hände, während sein Blick aus dem Fenster fällt. Davor spielen ein paar Jungen im Schnee. Sie bewerfen sich mit Schneebällen und sind glücklich. Einer der Jungen schaut schließlich zur Tür des Büros und geht darauf zu. Kurz liest er das Schuld, um dann zum Fenster zu laufen und in das Zimmer zu sehen.

Abraham sitzt bereits wieder an seiner Arbeit und summt ein fröhliches Liedchen. Doch seinen Boss scheint das beim Geld zählen zu stören. Aus einer kleinen Nische in der hintersten Ecke des Zimmers, schimpft seine Stimme zu seinem Angestellten.
„Abraham!“
Natürlich weiß er sofort, dass sein leises Summen Evil Hades aufgeregt hat und entschuldigt sich sofort, um sogleich schweigend weiter zu arbeiten.

Der Junge, der gerade noch durch das Fenster gesehen hat, läuft nun zurück zur Tür und sieht durch das Schlüsselloch hindurch. Dabei stößt er versehentlich dagegen. Die Tür knarrt unheimlich laut. Kurz hält der Junge inne und schaut erneut durch das Schlüsselloch. Plötzlich gibt die Tür nach und der Junge fällt fast ins Haus. Evil Hades steht nun vor ihm und schaut verächtlich zu ihm hinunter.
„Verschwinde, du Nichtsnutz!“
Der junge Mann kommt nicht einmal dazu etwas zu sagen, da holt Hades aus und bewirft ihn mit einer Hand voll Kohlen. Erschrocken ergreift der Junge die Flucht. Dennoch ist Evil Hades nicht zufrieden und brüllt erneut seinen Angestellten an.
„Abraham! Holen Sie sofort die Kohlen zurück!“
Der arme Angestellte macht, was sein Boss will, ohne Widerworte.

Gerade öffnete Abraham die Tür, um die Kohlen wieder einzusammeln, da kommt ihm ein stattlicher Mann entgegen und lächelt ihn freundlich an. Sheamus ist der Neffe des griesgrämigen Evil Hades. Und im Gegensatz zu dem alten Geizkragen, feiert er das Weihnachtsfest sehr gerne.
„Fröhliche Weihnachten, Onkel Hades.“
Hades schaut nur kurz von seinem Geld auf und gibt dann genau das von sich, wofür er im ganzen Dorf bekannt ist.
„Humbug!“
Mit einem breiten Grinsen tritt Sheamus zu seinem Onkel.
„Weihnachten ist Humbug? Das kann nicht dein Ernst sein.“
Doch natürlich zeigt sich der alte Hades so stur wie immer.
„Und ob! Welches Recht hast du, fröhlich zu sein? So bettelarm wie du bist!“
Der Neffe überhörte diese Beleidigung. Und will von seinem Onkel gleich auch eine Erklärung.
„Und welches Recht hast du, so griesgrämig zu sein? So reich, wie du ist!“
„Ich bin reich, weil ich erkannt habe, dass Weihnachten ein Fest für Narren ist, die zwar ein Jahr älter, aber keinen Pfennig reicher geworden sind!“
Evil Hades schiebt die gezählten Münzen in eine kleine Truhe und legt noch ein Bündel Geldscheine obendrauf. Dann verstaut er alles sicher in einem riesigen Safe. Währenddessen schimpft er weiter.
„Und wenn es nach mir ging, würde jeder Dummkopf, der herum läuft und fröhliche Weihnachten ruft, ausgestopft wie ein Truthahn. Und mit einem Spieß im Herzen begraben werden!“
Ein wenig ist Sheamus diese miese Laune leid und er seufzt.
„Onkel.“
Hades bleibt stur.
„Neffe! Du feierst Weihnachten auf deine Weise und ich auf meine!“
Der Jüngere schaut zu seinem Onkel, der sich zurück auf seinen Stuhl setzt.
„Feiern? Aber du feierst doch gar nicht.“
Evil Hades wendet sich zu seinem Besuch und erklärt ihm, wie er feiert.
„Ich bin zu beschäftigt. Ich kann keine Zeit mit diesem Blödsinn verschwenden, Neffe.“
„Verschwenden? Für mich war Weihnachten immer die schönste Zeit des Jahres. Auch wenn man den heiligen Ursprung beiseite lässt, ist Weihnachten immer noch ein wundervolles, freudiges Fest. Zu keiner anderen Zeit im Jahr, öffnen die Menschen ihre Herzen und behandeln Fremde wie Freunde. Und darum, Onkel, auch wenn es mich bisher noch nie reicher gemacht hat, sage ich: Gott segne Weihnachten.“
Evil Hades springt wütend auf und donnert seine Fäuste auf den Tisch.
„Humbug!“
Sheamus startet einen weiteren Versuch, seinen Onkel ein wenig fröhlich zu stimmen.
„Schenk uns doch ein Lächeln, Onkel. Morgen ist Weihnachten.“
Der Geizhals ist dieses Gespräch nun doch leid und will es so schnell wie möglich beenden.
„Auf Wiedersehen.“
Sein Neffe beugt sich zu ihm rüber.
„Meine Frau und ich laden dich zum Essen ein.“
„Auf Wiedersehen.“
Sheamus seufzt kurz und geht langsam zur Tür.
„Na gut. Wie du willst. Aber ich lasse mir die Weihnachtsstimmung nicht verderben. Also fröhliche Weihnachten!“
Hades knirscht mit den Zähnen, als sein Neffe sich ausgerechnet mit diesen Worten verabschiedet.

Zwei Männer betreten das Haus, als Sheamus schon weg ist. Einer von ihnen eilt sofort zu dem alten Geizhals hinüber.
„Evil Hades und Tobias. Mit wem habe ich denn die Ehre? Mit Evil Hades oder Tobias?“
Hades zeigt sich wie immer ungeduldig.
„Tobias ist tot. Er starb auf den Tag genau vor sieben Jahren.“
Er zeigt den Herren ein finster dreinblickendes Bild seines verstorbenen Partners. Da kommt auch schon Abraham mit den eingesammelten Kohlen zurück. Und wieder hat sein Boss etwas zu meckern.
„Das sind nur fünf Brocken. Wo ist der Sechste?“
Der Angestellte zuckt kurz zusammen.
„Verzeihen Sie, aber ich habe nur die gefunden.“
Evil Hades schnaubt verächtlich und schickt seinen Angestellten zurück an seine Arbeit. Die beiden Männer sind etwas irritiert, wollen aber mit ihrem Vorhaben fortfahren.
„Nun, wie Sie sicher wissen, haben die Armen es gerade zu dieser Zeit besonders schwer und brauchen unsere Hilfe. Welche Summe wollen Sie ihnen spenden?“
Der Alte starrt die beiden wutentbrannt an und stampft mit dem Fuß auf.
„Nichts! Ich werfe mein Geld nicht irgendwelchen Leuten in den Rachen. Ich tue meinen Teil für die Gesellschaft. Schließlich zahle ich meine Steuern. Davon werden Gefängnisse und Arbeitshäuser finanziert. Sollen diese armen Schlucker doch dort hingehen!“
Die beiden Männer sind nun geschockt über diese Reaktion. Einer von ihnen versucht noch mal Hades die Lage dieser Menschen klar zu machen.
„Viele würden lieber sterben.“
Auch das scheint dem verbitterten Mann recht zu sein.
„Dann sollen sie das gefälligst auch. Dann verringert sich wenigstens die Überbevölkerung. Und jetzt verschwinden Sie!“
Die beiden Männer wollen noch etwas sagen, als der Alte einen Schürhaken ergreift und sie aus dem Haus jagt.
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