Die verflixte Spieldose

OneshotFamilie, Sci-Fi / P12
24.12.2018
24.12.2018
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Dies ist mein Beitrag zum Galaktischen Weihnachtswichteln und nach den Vorgaben von Windmalerin geschrieben. Ich wünsche ihr und allen Lesern viel Spaß und fröhliche Weihnachten.




Die verflixte Spieldose

Leia verabscheute die Sitzungen des imperialen Senats. Nicht nur, dass diese im Grunde sinnlos waren, da der Senat zumindest inoffiziell keinerlei Mitspracherecht besaß, sie waren überdies sterbenslangweilig. Dennoch wusste Leia, dass es wichtig war, daran teilzunehmen. Sie musste erfahren, was in der Galaxis, im Imperium vor sich ging. Für die Rebellion waren diese Informationen wichtig, doch war Leia aller Vernunft zum Trotz eben doch ein Mädchen von gerade neunzehn Jahren und hatte gelegentlich Schwierigkeiten dabei, all den ermüdend langen Reden der zahllosen Senatoren zuzuhören.

Heute allerdings fiel das Zuhören noch schwerer, denn es gelang ihr nicht, den Blick von der düsteren Gestalt Darth Vaders abzuwenden. Zwar war sie an den Diener des Imperators gewöhnt, dennoch störte sie augenblicklich etwas an ihm, das über seine allgemeine Existenz noch hinausging. Zuerst hatte sie diesen Umstand nicht recht benennen können, inzwischen hatte sie den zusätzlichen Störfaktor aber identifiziert. Es war ein kleiner Gegenstand, den Vader regelrecht behutsam in seinen behandschuhten, mächtigen Händen hielt. Leia kam dieser Gegenstand nur allzu vertraut vor und das wollte ihr nicht recht behagen.

Es war eine Spieldose, ein musizierendes Spielzeug, das man Kindern auf Alderaan schenkte. Sie selbst besaß ein reichlich verziertes Exemplar, das diesem in Vaders Händen verdächtig ähnelte und das sie schon seit einer Weile nicht mehr gesehen hatte. Fieberhaft überlegte sie, wo sie ihre eigene Spieldose gelassen hatte, doch kam sie nicht darauf. Es war ewig her, dass sie sich die kleine Melodie angehört und die Dose in ihrer Schatulle aufbewahrt hatte, gemeinsam mit ihren größten Schätzen. Sicher war sie irgendwo eingelagert, sagte sie sich. Das konnte bloß ein ganz seltsamer Zufall sein.

Leia wandte verkrampft den Blick von Vader ab und konzentrierte sich auf den Senator von Corellia, der gerade über imperiale Abgaben und Steuerkonflikte jammerte, die irgendetwas mit den in die Jahre gekommenen Kampfschiffwerften zu tun hatten. Sie hörte ihm nur halbherzig zu, da er diese Problematik in jeder Sitzung zur Sprache brachte.

Die Spieldose in Vaders Hand bannte ihre Aufmerksamkeit erneut, als der Senator damit begann, die Zahlen aufzusagen, die er sich zu seinem Zweck gemerkt hatte. Es bestand kein Zweifel daran, dass diese ihrer eigenen täuschend ähnlich sah. Nein, das stimmte nicht. Sie sah ihr nicht nur ähnlich, sie glich ihr bis ins letzte Detail, was höchst sonderbar war, denn Leias Spieldose war ein Einzelstück, eigens für sie angefertigt. Konnte das möglich sein? Leia verwarf diesen Gedanken. Wie hätte Darth Vader in den Besitz ihrer Spieldose gelangen sollen? Warum hätte er das überhaupt versuchen sollen? Der Gedanke war lächerlich, dennoch regten sich Zweifel. Wenn dies nun doch ihre Spieldose war…

Leia schüttelte den Kopf. Selbst wenn es ihre war, war es bedeutungslos. Sie war ein bloßes Spielzeug, mehr nicht, und außerdem hatte sie es seit Jahren nicht beachtet. Dennoch störte der Gedanke, dass Vader ihre Spieldose haben könnte, sie über Gebühr.

Den Rest der Senatssitzung konnte sie kaum auf ihrem Platz bleiben. Ihre Anspannung intensivierte sich mit jeder Minute und die Tatsache, dass Vader einfach still dastand und die Dose hielt, brachte sie allmählich aus der Fassung.

Als die Sitzung beendet wurde, sprang sie so schnell sie nur konnte von ihrem Platz auf und machte sich auf den Weg, das Gebäude zu verlassen. Sie warf noch einen schnellen Blick zu Vader, doch der war verschwunden. Leia zuckte irritiert mit den Schultern und ging weiter, doch bevor sie auch bloß den großen Korridor verlassen konnte, stieß sie mit dem dunklen Lord zusammen und ihr Herz verpasste einen Schlag. Wie hatte sie ihn bloß übersehen oder gar überhören können?

„Ich habe mit Euch zu sprechen, Euer Hoheit“, schnarrte Vader mit seiner vom Schnaufen seines Respirators erfüllten Stimme. In der Hand hielt er noch immer die Spieldose und plötzlich hatte Leia nicht mehr den geringsten Zweifel daran, dass es ihre war.

Ihr Herz schlug schneller und sie suchte fieberhaft nach einem Weg, dieser Situation zu entkommen. „Ihr ehrt mich, Lord Vader“, heuchelte sie, „aber ich habe wichtige Termine-…“

„Ich werde nicht viel von Eurer Zeit beanspruchen, Prinzessin“, unterbrach er sie und machte zackig kehrt.

Mehr Worte waren nicht nötig und Leia wusste, dass sie ihre Chance vertan hatte. Also unterdrückte sie ein Seufzen und folgte der finsteren Gestalt in die entgegengesetzte Richtung von der, in die sie gewollt hatte, fort vom Ausgang und tiefer in das Senatsgebäude hinein.

Darth Vader sprach kein weiteres Wort und wies sie schnaufend an, in einen Raum am Ende des Gangs zu treten. Widerstrebend gehorchte sie, Vader folgte ihr und schloss die Tür. Mit rauschendem Umhang schritt er an ihr vorbei, stellte die Spieldose auf einem Tisch ab und hatte seine Stimme wohl noch nicht wiedergefunden. Leia wusste nicht, woher der Eindruck kam, denn Vader ließ sich wie gewohnt keine Veränderung anmerken, doch er wirkte nervös. Das behagte ihr ganz und gar nicht, also beschloss sie, selbst etwas gegen das schwere Schweigen zu unternehmen und dieser Situation vielleicht doch noch zu entgehen.

„Lord Vader, ich bitte um Verzeihung, aber ich habe wirklich-…“

„Habt Ihr Geschwister, Prinzessin?“, fragte er plötzlich.

Sie verstummte, wich zurück und sank irritiert auf einen der Stühle, die an dem prunkvollen Tisch dieses Raums standen. Was sollte diese Frage? Einige weitere Augenblicke schwieg sie, doch ein unbestimmtes Gefühl verriet ihr, dass sie antworten musste. Sie holte vorsichtig Luft, bevor sie dies tat.

„Lord Vader, wie Euch bekannt ist, bin ich eine Kriegswaise und wurde gegen Ende der Klonkriege adoptiert. Mit Gewissheit kann ich das also nicht beantworten.“

Vader antwortete nicht und schritt weiterhin unruhig im Raum umher. Leia verabscheute es, diesem Schoßhund des Imperators so nah sein zu müssen. Zwar war sie in gewisser Weise an ihn gewöhnt, dennoch behagte ihr dieser seltsame Mann – sofern er wirklich ein Mann war – schlicht und ergreifend nicht.

„Was wisst Ihr über Eure Eltern, Prinzessin?“, wollte er dann wissen.

Leia musste ein Stöhnen unterdrücken und zwang sich zu einer halbwegs höflichen Antwort. „Wie ich gerade bereits erwähnt habe, bin ich als Kriegswaise adoptiert worden. Deshalb kann ich auch über meine leiblichen Eltern keine Auskunft geben.“ ‚Auch das ist Euch bekannt‘, fügte sie gedanklich hinzu.

Wieder herrschte einen Augenblick Schweigen. Dann meldete sich Vader erneut zu Wort.

„Ist Euch die Herkunft Eures Namens bekannt?“

Leia schüttelte den Kopf. Vader wurde ihr allmählich unheimlich – noch unheimlicher als sonst.

„Nun, er ist nabooianisch“, erklärte Vader. „Ist Euch dieser Planet bekannt?“

Nun musste sie ein weiteres Stöhnen unterdrücken. „Selbstverständlich, Lord Vader, ich habe ein gewisses Maß an Bildung genossen.“

Vader lief weiterhin im Raum auf und ab und brachte Leia damit langsam aber sicher um den Verstand. Was wollte er bloß von ihr? Bevor sie sich dazu durchringen konnte, ihn danach zu fragen, zog er ein unscheinbares Päckchen aus seinem Umhang hervor, legte es auf den Tisch und steckte die Spieldose ein. Offensichtlich hatte er nicht die Absicht, ihr diese auszuhändigen. Nach einigen weiteren Augenblicken deutete er auf das Päckchen und sagte wie beiläufig: „Das wollte ich Euch geben.“

Mit großer Mühe verhinderte Leia, dass ihre Gesichtszüge entgleisten. Was sollte das? Zaghaft, den Blick ausschließlich auf Vader gerichtet, griff sie nach dem Päckchen und zog es langsam zu sich heran. Vorsichtig, regelrecht misstrauisch befreite sie es von dem alt aussehenden Stoff, in den der Inhalt gewickelt war, und brachte ein kunstvoll gefertigtes Stirnband zum Vorschein. Zahlreiche weiße Edelsteine zierten ein feines Metallgeflecht, das auf jeder Seite von drei zierlichen Silberbändern gehalten wurde. Eine feine, metallische Kordel diente als Verschluss.

Verwirrt fuhr Leia mit dem Finger über das zweifellos wunderschöne Schmuckstück und blickte Vader irritiert an. Sie begriff diese Geste nicht. Ihr war bekannt, dass sie seit langem auf der imperialen Liste der Verdächtigen stand – zu recht – und sie nur deshalb noch nicht zur Rechenschaft gezogen worden war, weil man ihr nichts beweisen konnte. War dies ein Bestechungsversuch?

„Ich… verstehe nicht?“, stammelte sie und bemühte sich, wie das Mädchen zu klingen, das sie äußerlich darstellte.

„Es gehört Euch“, stellte Vader klar, als sei es völlig selbstverständlich, dass er, der düstere Handlanger des Imperators, ihr kostbare Geschenke machte.

„Aber warum?“, platze es aus ihr hervor und sie biss sich auf die Unterlippe. Erschrocken blickte sie zu Boden.

„Es hat keinen besonderen Grund“, antwortete Vader und ein unbestimmtes Gefühl verriet ihr, dass er log. „Das wäre dann alles. Ihr dürft gehen, Euer Hoheit.“ Er trat zur Tür, öffnete sie und wies galant in den Korridor hinaus.

„Ich… äh… vielen Dank, Lord Vader“, stotterte sie, nahm das Diadem und das Stück Stoff an sich und stolperte ungeschickt aus dem Raum. Ohne sich umzublicken eilte sie davon und nahm sich vor, schnellstmöglich in ihr Appartement zurückzukehren.



Am frühen Abend ließ sich vor ihrer Spiegelkommode nieder. Ihr Vater, Senator Organa, war erst vor wenigen Stunden von Alderaan zurückgekehrt und hatte sofort über etwaige Neuerungen informiert werden wollen. Leia hatte ihm die belanglose Sitzung kurz zusammengefasst, Vaders Verhalten allerdings mit keiner Silbe erwähnt. Warum sie beschlossen hatte, über den dunklen Lord zu schweigen, wusste sie selbst nicht.

Jetzt betrachtete sie das Stirnband erneut. Es war zierlich und unleugbar wunderschön. Leia legte das Schmuckstück auf die Kommode, löste ihr Haar aus den fest gebundenen Knoten und kämmte es sorgfältig. Einen Teil davon band sie anschließend zu einem Pferdeschwanz zusammen, bevor sie das Stirnband nahm und es behutsam um ihren Kopf band.

Als sie sich nun sah, musste sie lächeln. Das Stirnband umschmeichelte ihre Stirn, als sei es einzig für sie gefertigt. Ihre Miene verdüsterte sich. Warum hatte Vader ihr dieses Schmuckstück geschenkt?

„Leia?“

Sie erschrak und wirbelte herum, als sie ihren Vater hörte. Wann hatte er ihr Zimmer betreten?

Bail Organas Gesichtszüge entgleisten, als er das Stirnband betrachtete. „Woher hast du das?“, brachte er misstrauisch hervor.

Leia versteifte sich und fühlte sich plötzlich unverzeihlich dumm. Wie hatte sie das Geschenk von Lord Vader bloß annehmen können? „Es… ich habe es geschenkt bekommen“, stammelte sie und beschloss plötzlich, dass sie ihrem Vater nicht erzählen würde, dass niemand anders als Darth Vader ihr dieses Geschenk gemacht hatte. Welchem undefinierbaren Impuls sie dabei folgte, konnte sie selbst nicht sagen.

„Das… wer hat es dir geschenkt?“, hakte ihr Vater nach.

„Es lag in ein Tuch geschlagen auf dem Tisch und man sagte mir, es sei für mich“, antwortete sie ungerührt und verschwieg dabei die Wahrheit. Sie blickte ihren Vater an, der aussah, als hätte er einen Geist gesehen. „Kennst du es, Vater? Wem gehört es?“

„Das… ich kann es nicht mit Sicherheit sagen…“ Er schüttelte den Kopf, bevor er weitersprach. „Vergiss es, es kam mir bloß bekannt vor. Eine frühere Bekannte von mir hatte ein ähnliches Stück.“

„Wer?“, wollte Leia wissen.

Es war kaum wahrnehmbar, doch ihr Vater wich zurück. „Die Senatorin von Naboo“, antwortete er dann mit fester Stimme. Beiläufig fügte er hinzu: „Es steht dir.“ Dann verließ er den Raum, wobei er sich etwas zu schnell bewegte.

Leia betrachtete das Stirnband noch einmal, bevor sie es mit geschickten Fingern löste. Naboo… schon Lord Vader hatte diesen Planeten erwähnt, hatte ihr erzählt, dass ihr Name von dort stammte. Warum hatte er ihr ein Schmuckstück geschenkt, das ihren Vater an eines erinnerte, das einst die Senatorin getragen hatte? „Nein“, wisperte Leia. „Es hat ihr gehört.“ Woher sie dies wusste, konnte sie nicht sagen, doch sie war sich ganz sicher, dass sie es wusste. Ebenso wusste sie, wer diese Senatorin gewesen war, ihr Name war nicht selten in ihren Geschichtsstunden vorgekommen. Padmé Amidala.



Auch in der nächsten Senatssitzung musste Leia ihren Vater vertreten, da dieser bereits wieder abgereist war. Sie war sich nicht sicher, ob sie unverzeihlich dumm war, doch trug sie das Stirnband, das Vader ihr geschenkt hatte. Ihr langes Haar fiel ihr offen über den Rücken. Sie hielt nach dem dunklen Lord Ausschau und entdeckte ihn beinahe sofort. Vader stand an seinem angestammten Platz und wirkte stoisch und düster wie eh und je. Leia kamen allmählich Zweifel. Maß sie diesem Verhalten vielleicht zu große Bedeutung bei? Vermutlich hatte Vader in der Tat bloß versucht, sie zu bestechen, und nun trug sie das Geschenk obendrein. ‚Was bin ich für eine Närrin‘, schalt sie sich und richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Senator von Pantora.

Nach der Sitzung wollte sie umgehend in ihr Appartement zurückkehren und diese ganze Angelegenheit vergessen, doch Vader passte sie zuvor ab. Leia war nicht wirklich überrascht darüber, weshalb sie ruhig blieb, als der dunkle Lord ihr unvermittelt den Weg versperrte.

„Ich sehe, mein Geschenk gefällt Euch, Prinzessin“, sagte er und deutete auf das Stirnband. „Begleitet mich bitte.“ Mit diesen Worten machte er kehrt.

Leia zögerte einen Augenblick, bevor sie ihm folgte. Wieder führte er sie in den kleinen Raum.

„Lord Vader“, begann sie zaghaft. „Ich verstehe nicht ganz, was-…“

Bevor sie ihren Satz beenden konnte, legte er ein weiteres Päckchen auf den Tisch und trat einige Schritte zurück. Wortlos deutete er auf das Bündel und es war unmissverständlich, dass auch dieses für sie bestimmt war.

Diesmal nahm sie das Päckchen nicht an sich, sondern blickte zu Vader auf. „Ich verstehe das nicht“, sagte sie. „Was bezweckt Ihr damit, Lord Vader?“ Sie erschrak über ihren harschen Tonfall, doch nun konnte sie das Gesagte nicht mehr zurücknehmen. Erwartungsvoll hielt sie den Blick auf Vader gerichtet.

„Ich verfolge damit keinerlei politische Absichten, Prinzessin“, stellte Darth Vader klar und tief in ihrem Inneren wusste Leia, dass er die Wahrheit sprach. „Das da ist für Euch“, betonte er und zeigte abermals auf das Geschenk.

Nun nahm Leia das Bündel an sich und entfernte vorsichtig das Tuch. Wieder barg es ein kostbares Schmuckstück, einen silbernen Haarreif, dessen einzelne Segmente mit hellblauen Edelsteinen verziert waren. „Gehörte das auch ihr?“, hauchte Leia mehr zu sich selbst, doch Vader musste sie gehört haben, denn er antwortete: „Ja.“

Seine Stimme klang wie immer, doch Leia meinte, eine wehmütige Nuance darin zu vernehmen, als hätte auch er mehr mit sich selbst gesprochen und keine laute Antwort beabsichtigt. Erst jetzt bemerkte sie, was Vader eben ausgesprochen hatte. Er verfolgte keine politischen Absichten, in dieser Hinsicht glaubte sie ihm, doch hatte er nicht bestritten, dass sich Absichten hinter seinem Verhalten verbargen. Zudem fiel ihr plötzlich auf, wie absurd und bedrohlich diese Situation eigentlich war. Zum zweiten Mal nun schon war sie allein mit Darth Vader, dem Diener des Imperators, und zum wiederholten Male machte dieser ihr ein eigenartiges, wertvolles Geschenk. Hier stimmte etwas nicht, das stand fest, und sie sollte besser schnell herausfinden, was es damit auf sich hatte.

„Das ist wunderschön“, brachte sie ehrfürchtig hervor und wog den Haarreif vorsichtig in den Händen. „Aber ich kann das nicht annehmen, fürchte ich.“

„Das könnt Ihr“, bekräftigte Vader. Sein Tonfall klang sonderbar sanft, dennoch ließ er keinen Widerspruch zu.

„Aber warum?“, beharrte sie.

Vader wandte ihr seinen verhüllten Blick zu und kurz glaubte sie, er würde sein eigenartiges Verhalten nun aufklären. Dann aber sagte er schlicht: „Es ist noch nicht an der Zeit. Das wäre dann alles, Prinzessin.“ Wieder ließ er sie alleine zurück.



Die Tage bis zur nächsten Senatssitzung waren auf eine seltsam langsame Art und Weise vergangen. Bail Organa war noch nicht zurück, also hatte Leia einen Bericht verfasst, in dem sie Vader mit keiner Silbe erwähnt hatte. Ihre freie Zeit hatte sie dazu verwendet, Nachforschungen über Padmé Amidala anzustellen, doch auch die hatten ihr keinen Aufschluss über Vaders Verhalten gewährt. Genaugenommen hatte sie nichts in Erfahrung bringen können, was sie nicht schon gewusst hatte. Sie war eine Fürsprecherin des Friedens gewesen und hatte lange Zeit eng mit Kanzler Palpatine zusammengearbeitet, bevor dieser sich quasi über Nacht selbst zum Imperator ernannt und die Galaxis unterworfen hatte.

Um sich während dieser Sitzung sinnvoll zu beschäftigen, schrieb sie auf ihrem Datenpad direkt alle wichtigen Punkte mit, um diese später ihrem Vater vorlegen zu können. Fieberhaft überlegte sie außerdem, wie sie Lord Vader nach der Sitzung aus dem Weg gehen sollte.

Sinnlose Überlegungen, wie sich herausstellte, denn dieses Mal hatte Vader beschlossen, sie gleich an ihrem Platz abzuholen. Wissend, dass eine Weigerung sinnlos wäre, folgte sie ihm also zum dritten Mal in den inzwischen wohlbekannten Raum.

„Lord Vader, das wird allmählich-…“

Sie verstummte, als er erstaunlich sacht ihre Hand umfasste – eine Geste, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ – und behutsam etwas hineinlegte, noch bevor sie protestieren konnte. Dann trat er zurück und wartete. Leia blickte ein wenig unwillig auf ihre Hand hinab und war nicht überrascht, als sie ein weiteres in ein altes Tuch gewickeltes Päckchen darin vorfand. Vorsichtig öffnete sie es und diesmal war es ein reichlich mit Perlen geschmücktes Haarband aus einem unglaublich glänzenden, blauen Stoff.

Eine Weile bewunderte sie das dritte Geschenk, doch als sie erkannte, dass Vader sich zum Gehen umdrehte, überkam sie ein unwiderstehlicher Impuls und bevor sie wusste, was sie tat, schnellte ihre Hand vor und umfasste Vaders Unterarm. Ihr Herz verpasste einen Schlag, als sie plötzlich begriff, wen sie gerade festhielt, und schnell ließ sie ihn wieder los, doch Vaders Hand schloss sich um ihre Finger und sie musste einen Schrei unterdrücken. Die Berührung war nicht schmerzhaft, doch spürte sie, dass unter diesem Handschuh keine menschliche Hand verborgen war.

„Was hat das zu bedeuten, Lord Vader?“, wagte sie zu fragen. „Ich weiß, wem diese Dinge gehört haben“, fuhr sie vorsichtig fort. „Aber warum-…“

„Weil sie für Euch sind“, unterbrach er sie und wieder war da dieses nicht greifbare Gefühl, das sie beschlich und ihr einflüsterte, dass Schmerz in seinen Worten mitschwang.

„Warum?“, hakte sie nach und beschloss, beharrlich zu bleiben.

Vader verharrte einige Momente lang schweigend, dann legte er eine Hand auf ihren Oberarm und Leia war verwirrt, als sie nicht unmittelbar zurückwich. Diese Berührung sollte sie verängstigen, doch das tat sie nicht. Stattdessen fühlte sie sich seltsam vertraut an, hatte beinahe etwas Väterliches an sich. Diese Empfindung irritierte sie bloß noch mehr und bevor sie ein zweites Mal nachdenken konnte, platze aus ihr hervor: „Was habe ich mit Padmé Amidala zu tun?!“

Vader machte ein seltsames Geräusch und plötzlich wurde ihr bewusst, dass er geseufzt hatte. Leia war sich nicht sicher, ob sie den dunklen Lord am Kragen packen oder schleunigst das Weite suchen sollte, also blieb sie schlicht reglos stehen und wartete auf Vaders Reaktion. Definitiv war er ihr eine Erklärung schuldig, doch befürchtete sie, dass er daran zeitnah nichts zu ändern gedachte.

„Ihr werdet es verstehen, wenn es so weit ist“, gab er von sich, machte dann abrupt kehrt und ließ sie zurück.

„Was soll das bedeuten?!“, rief sie in den nunmehr leeren Raum und ließ sich schwer auf einen der Stühle fallen. Vaders sonderbares Betragen hatte an dem Tag begonnen, an dem er mit der Spieldose aufgetaucht war, also musste dieses Objekt einen Zusammenhang dazu aufweisen.



Drei Tage später kam ihr Vater zurück nach Coruscant. Leia lag auf ihrem Bett, als er das Appartement betrat, und beinahe sofort entlud sich die Anspannung, die sie seit ihrem letzten Treffen mit Vader mit sich herumtrug. „Was habe ich mit Padmé Amidala zu tun, Vater?“

Perplex starrte Bail Organa sie an. „Ich freue mich auch, dich zu sehen, Leia“, ließ er anstelle einer Antwort verlauten.

Leia blieb hart. „Was habe ich mit Padmé Amidala zu tun, Vater?“, wiederholte sie eisern.

Bail seufzte hörbar und ließ sich in seinem Sessel nieder. „Wie kommst du jetzt schon wieder auf Padmé?“, fragte er und Leia entging nicht, dass er bloß ihren Vornamen genutzt hatte. Er gab ihr keine Gelegenheit für eine Erwiderung. „Es hat etwas mit diesem Geschenk zu tun, nicht wahr?“

„Spielt das eine Rolle?“, schoss sie zurück. „Was habe ich mit ihr zu tun? Antworte mir endlich!“ Erschrocken über ihren Tonfall schlug sie die Hand vor den Mund. „Bitte entschuldige.“

„Es ist schon gut“, seufzte ihr Vater. „Setz dich, dann werde ich es dir erklären.“

Leia gehorchte und blickte ihren Vater erwartungsvoll an.

Dieser zögerte noch einige Herzschläge lang, bevor er endlich seine Stimme wiederfand. „Wie du ja weißt, war Padmé Amidala die Senatorin von Naboo, während die Klonkriege die Galaxis erschütterten. Sie war eine unglaublich starke Frau, die all ihre Energie dazu eingesetzt hat, um sich dem Frieden zu verpflichten.“

„Das weiß ich alles“, unterbrach sie ihn. „Ich habe Bildung genossen, schon vergessen? Was hat sie mit mir zu tun? Sie starb vor meiner Geburt.“

„Und eben das stimmt nicht“, sprach ihr Vater aus und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, glitzerten Tränen darin. „Ich weiß nicht, wer dich auf diese Spur gebracht hat, doch musst du wissen, dass diese Angelegenheit nicht ungefährlich ist.“

„Jetzt sag es endlich“, flehte sie.

„Sie ist deine Mutter.“

Leia verstummte schlagartig und begriff die ausgesprochenen Worte nicht recht. ‚Sie ist deine Mutter. Sie. Ist. Deine. Mutter.‘ Auch in ihren Gedanken ergaben die Worte erst allmählich Sinn, doch dieser warf eine weitere Frage auf. „Wer ist mein Vater?“

Bail Organa wurde bleich und etwas in Leia sagte ihr, dass er ihr diese Antwort nicht geben würde.

„Das hat sie nie gesagt. Und für dich war es besser, nicht zu wissen, dass sie deine Mutter ist.“

Das ergab keinen Sinn. „Warum?“

„Weil es Gerüchte gegeben hat“, antwortete Bail. „Es gab Gerüchte darüber, dass sich Padmé mit einem Jedi eingelassen hatte, und nachdem die Jedi vernichtet worden waren, blieb das ein gefährliches Gerücht. Die Jedi galten als Verräter an der Republik.“

Leia schwieg. Sie wusste, dass er ihr das vielleicht relevanteste Detail verschwieg, doch hatte es wohl keinen Sinn, ihn jetzt danach zu fragen. Doch wen sollte sie fragen?

„Leia?“

Die Stimme ihres Vaters riss sie aus ihren Gedanken. „Ja?“

„Geht es dir gut? Ich hoffe, dass du weißt, dass wir dich nie als etwas anderes als unsere Tochter betrachtet haben, Breha und ich.“ Sacht legte er ihr eine Hand auf den Oberarm, ebenso wie Vader drei Tage zuvor.

„Das weiß ich“, antwortete sie.

„Und du weißt wirklich nicht, wer dir dieses Geschenk gemacht hat?“

Leia schwieg. Ihr Vater wusste bloß von einem der drei Geschenke, die sie von Vader erhalten hatte, und ein unbestimmbares Gefühl verhinderte, dass sie ihm davon erzählte. Sie musste diesem Gespräch entfliehen. „Ich möchte schlafen“, sagte sie leise.

„Leia, du weißt, dass du jederzeit mit mir sprechen kannst, nicht wahr?“

Sie nickte geistesabwesend, während sie sich zurückzog. Vader musste ebenfalls wissen, wer ihre Mutter war, zumindest musste er es vermuten. Doch warum war ihm das wichtig? Selbst, wenn ihr Vater ein Jedi gewesen sein sollte, so war sie selbst keiner. Warum spielte das noch immer eine Rolle? Nein, das ergab keinen Sinn. Die Antwort verbarg sich vor ihr und sie vermutete, dass nur eine Person sie offenbaren konnte: Darth Vader.



Bevor es zu einer nächsten Sitzung im imperialen Senat kam, gab es einen regelrechten Aufschrei innerhalb der Rebellion, weshalb ihr Vater, mit dem sie kaum ein Wort gesprochen hatte, abermals aufbrechen musste, diesmal nach Yavin IV. An der Sitzung musste sie also erneut allein teilnehmen, doch sie hörte den wirtschaftlichen Beschwerden nicht zu. Ihre Aufmerksamkeit galt allein Vader, dessen Blick sie schwer auf sich spürte. Was wusste er wirklich?

Wie erwartet passte er sie im Gang ab und führte sie in den wohlbekannten Raum.

„Was habt Ihr mit Padmé Amidala zu tun?“, fragte sie ihn sogleich, nachdem er die Tür geschlossen hatte. „Wie kommt Ihr an ihren Schmuck?“ Sie wollte nicht sofort anbringen, dass ihr Vater ihr offenbart hatte, dass Amidala ihre Mutter war.

„Langsam, Prinzessin“, ermahnte Vader und deutete höflich auf den Stuhl. „Vielleicht setzt Ihr Euch lieber?“

Während sie gehorchte, suchte sie ihre Gedanken nach den schlimmsten möglichen Szenarien durch und obwohl ihr einiges einfiel, war sie sich sicher, dass das, was auch immer Vader im Sinn haben mochte, diese noch übertreffen würde. Plötzlich wurde eine andere Stimme in ihr laut. Warum bloß hatte sie über Vader geschwiegen und ihren Vater nicht ins Vertrauen gezogen? Der dunkle Lord hatte sicherlich nichts Gutes im Sinn, denn wann hatte er das schon?

„Ihr fragt, was ich mit Padmé Amidala zu tun habe, Prinzessin?“, begann Vader und ging langsam durch den Raum.

Stumm schalt sich Leia für ihre Dummheit, als Vader fortfuhr.

„Das bedeutet, dass Euch bezüglich Eurer eigenen Verbindung zu ihr etwas offenbart wurde?“

Leia schwieg und mahlte mit den Zähnen. Ihr Vater hatte sie besser darin unterwiesen, auf ihre Formulierungen zu achten, und nun, ausgerechnet vor Vader, vergaß sie all diese Lektionen.

„Ihr solltet besser auf Eure Gefühle achten, Prinzessin“, meinte Vader kryptisch. „Sie verraten Euch. Nun, es wird Euch also nicht überraschen, wenn ich Euch nun sage, dass Padmé Amidala Eure Mutter ist.“

Leia seufzte. „Woher wisst Ihr das?“ Sofort biss sie sich auf die Zunge. Die bessere Frage wäre gewesen, warum ihn das kümmerte, doch nun war es zu spät. Die Worte waren ausgesprochen und konnten nicht zurückgenommen werden.

Wortlos zog er die Spieldose aus dem Umhang und stellte sie auf den Tisch, sorgfältig darauf achtend, dass sie sich außerhalb ihrer Reichweite befand.

„Woher habt Ihr die, Lord Vader?“

„Das spielt keine Rolle, Prinzessin.“ Er wandte ihr den Rücken zu, machte ein sonderbares Geräusch und drehte sich wieder zu ihr um. „Und das ist auch nicht die Frage, die Ihr mir stellen wollt, nicht wahr?“

Leia schwieg und fühlte sich plötzlich ertappt. Das hier war blanker Wahnsinn, doch nun hatte sie die Chance, Vader die Frage zu stellen, deren Antwort sie wirklich wollte. Während Vader die Spieldose wieder an sich nahm, fasste sie sich ein Herz und suchte nach den benötigten Worten.

„Wisst… wisst Ihr es? Wisst Ihr, wer…“ Sie brach ab und schüttelte den Kopf. Was tat sie hier? Sie hatte wundervolle Eltern, die begehrte Information war vollkommen bedeutungslos. Warum wollte sie ausgerechnet Vader danach fragen? Sie war schon im Begriff, aufzustehen und zu gehen, als ihre Stimme schneller war: „Wisst Ihr, wer mein Vater ist?“

Plötzlich schien es im Raum kälter zu werden. „Ich besitze diese Information“, bestätigte Vader. „Doch müsst Ihr wissen, dass diese, wenn sie einmal ausgesprochen ist, nicht wieder verschwiegen werden kann.“

„Sagt es mir!“ Ihr Ausruf lag irgendwo zwischen einem verzweifelten Flehen und einem Befehl.

Vader trat ein Stück naher an sie heran und sie war sich sicher, dass er bedauerte, was er nun tun würde. Dennoch war sie nicht beunruhigt. Woher kamen bloß diese sonderbaren Eingebungen?

„Prinzessin“, begann Vader, brach jedoch ab und fing erneut an: „Leia, ich bin dein Vater.“

Leia verpasste einen Atemzug, ihre Augen weiteten sich und sie starrte Vader bloß an. Sie wollte ihn anschreien, ihm entgegenbrüllen, dass er log, dass das unmöglich sei, doch sie tat nichts von alledem. Stattdessen schwieg sie und wusste, dass er die Wahrheit sprach. Ihre Gedanken rasten, doch sie blieb seltsam ruhig, was sie nicht verstand. Hätte sie nicht aufgebracht sein sollen?

„Wie…“, stammelte sie, als sie die Sprache wiederfand. „Wie ist das möglich?“

„Alles zu seiner Zeit“, wiegelte Vader ab.

Sie konnte nicht fassen, dass er schon wieder auswich. „Warum habt Ihr mir das nicht gleich zu Anfang erzählt?“, fuhr sie ihn an. „Warum dieser Unsinn mit den Geschenken? Warum habt Ihr nicht einfach Klartext gesprochen?“

„Hättest du mir denn geglaubt?“, hielt Vader ruhig dagegen.

Er hatte recht, wie Leia eingestehen musste, und genau dieser Umstand machte sie erst richtig wütend. „Warum erzählt Ihr mir das jetzt?“, wollte sie wissen und wunderte sich über ihre ruhige, feste Stimme.

„Ich wusste es nicht“, stellte Vader klar. „Aber die Macht steht über dem Zufall. Dass ich jetzt davon erfahren habe, hat seinen Sinn.“ Er hielt einen Moment inne, als müsse er durchatmen. „Deine Verbindung zur Rebellion ist ein offenes Geheimnis“, brachte er dann hervor.

„Ich weiß nicht, wovon Ihr da sprecht“, log sie gekonnt und wusste sofort, dass Vader ihr kein Wort glaubte.

„Ich kann dafür sorgen, dass der Imperator dir Straffreiheit gewährt, wenn du bloß vernünftig wirst“, versprach er. „Die Rebellion wird fallen. Komm mit mir und lass diesen Krieg hinter dir.“

Leia platze beinahe vor Zorn und musste alle Beherrschung aufbringen, um schlicht zu antworten: „Wie ich schon sagte, weiß ich nicht, wovon Ihr sprecht. Diese… Verwandtschaft ändert zudem nichts an unserem Verhältnis, Lord Vader. Mein Vater ist Bail Organa. Wäre das dann alles?“ Sie hoffte, dass ihre Worte ihn getroffen hatten.

Sie erhob sich und war schon auf dem Weg zur Tür, als Vader antwortete: „Nein, das wäre es bedauerlicherweise nicht.“ Er öffnete die Tür und gab den Blick auf zwei Sturmtruppler frei, die davor warteten. „Ich tue das zu deinem eigenen Wohl“, ließ Vader verlauten. „Prinzessin Leia Organa, hiermit verhafte ich Euch im Namen des Imperiums. Die Begründung ist der dringende Verdacht, dass Ihr mit der Rebellenallianz kollaboriert. Festnehmen und auf meinen Sternenzerstörer bringen!“

Perplex betrachtete Leia die beiden in weiße Rüstungen gehüllten Soldaten, die kurzerhand ihre Arme packten und festhielten, als hinge ihr Leben davon ab. Eine Flucht wäre aussichtslos, daher leistete sie keinen Widerstand, starrte bloß Vader, ihren Vater, mit schockiert geweiteten Augen an. Was passierte hier bloß? Leia schloss die Augen, während die Sturmtruppler sie abführten, und fragte sich, ob sie vielleicht träumte. Zumindest könnte dieser Umstand erklären, warum sie die Wahrheit, die Vader ihr offenbart hatte, hinnahm, ohne einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Ebenso hätte sie eine Erklärung für die eigenartigen Eingebungen und dafür, dass sie wusste, dass Vader sie nicht belogen hatte. Eine weitaus natürlichere Reaktion wäre es doch gewesen, diese Enthüllung anzuzweifeln, zu glauben, dass der gesichtslose Lord sie zu verunsichern versuchte, indem er sie über ihre Herkunft verwirrte. Stattdessen hatte sich Leia bereits mit diesem Gedanken abgefunden.

Sie öffnete die Augen und hoffte verzweifelt, ihre Zimmerdecke vor sich zu sehen, obwohl sie wusste, dass es nicht so sein würde. Die Sturmtruppler nahmen von ihrem Verhalten keine Notiz, sondern führten sie zügig durch das Gebäude. Leia war nicht überrascht, dass niemand ihren Weg kreuzte. Es war offensichtlich, dass Darth Vader diese Festnahme sorgfältig geplant hatte.

„Diese Festnahme ist nicht rechtmäßig“, brachte sie hervor, als ihr endlich wieder einfiel, dass ihre aktuelle Lage mehr als prekär war.

Wie zu erwarten war, gingen die Soldaten nicht auf ihre Worte ein. Leia wollte sich jedoch noch nicht zu kooperativ zeigen. „Sie bringen mich also auf die Devastator?“, fragte sie mit scharfem Tonfall. „Hoffentlich sich die Verhörräume gut belüftet.“

„Wir bringen Sie nicht in einen Verhörraum“, teilte einer der Sturmtruppler mit.

Leia stutzte und wusste nicht, ob dies eine gute oder schlechte Nachricht war. Kurz spielte sie mit dem Gedanken, echten Widerstand zu leisten, verwarf ihn jedoch ebenso schnell wieder. Sturmtruppler verstanden in der Regel wenig Spaß, hatten praktisch keine Geduld und agierten stets mit vollem Einsatz. Da ihr die Aussicht auf eine ausgekugelte Schulter wenig reizvoll erschien, entschied sie, sich folgsam zu zeigen.

Die Soldaten brachten sie an Bord eines Shuttles. Als dieses abhob, blieb einer der Sturmtruppler bei ihr sitzen, während der andere wieder von Bord ging. Er hielt sie nach wie vor am Arm fest, in einem unnachgiebigen, allerdings nicht groben Griff. Ob Vader die Soldaten angewiesen hatte, sie nicht zu verletzen? Bei allem, was sich in der letzten Stunde abgespielt hatte, wäre sie kaum überrascht.



Als der Sternenzerstörer in Sichtweite kam, schloss sie abermals die Augen und versuchte, die Welt um sich herum für eine Weile zu vergessen. Eine Stimme in ihrem Inneren warf ihr vor, an alledem selbst schuld zu sein, schließlich hatte niemand sie gezwungen, sich auf Darth Vader einzulassen. Wie hatte sie bloß derart dumm sein können?

„Hören Sie nicht?“

Die Stimme des Sturmtrupplers – einer Frau – riss sie aus ihren Gedanken und verwirrt hob sie den Blick zu dem weißen Helm.

„Sie sollen aufstehen und folgen“, kommandierte die Soldatin.

Langsam erhob sie sich auf zittrige Beine und befürchtete schon, zu fallen. Ob der Sturmtruppler dies bemerkt hatte, wusste sie nicht, doch griff die Soldatin unter ihre Schulter und schob sie erstaunlich sacht vorwärts.

Als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie einen Sternenzerstörer betreten hatte, beschleunigte sich ihr Herzschlag. Nicht wenige Rebellen hatten diese mobilen Festungen nie wieder verlassen. Bei diesem Gedanken wurde ihr das Herz schwer und ein intensives Zittern ging durch ihren Körper. Das Imperium und insbesondere Darth Vader zögerten nicht lange, wenn es darum ging, ein Leben zu beenden. Sie fröstelte und verfluchte abermals ihren Leichtsinn. Niemals hätte sie sich auf den dunklen Lord einlassen dürfen. Sie hatte das gewusst und es dennoch getan, einem unbestimmten Impuls folgend, der sie regelrecht eingelullt hatte.

Ihre Beine wollten nachgeben und ihr war, als bräche die eben enthüllte Wahrheit erst jetzt in ihrer Ganzheit über sie herein. Ihre Augen begannen zu brennen und sie bemerke, dass sie zu weinen angefangen hatte. Wenige Herzschläge später flossen die Tränen frei über ihre Wangen und ihr Atem wurde zunehmend unruhiger, bis sie schließlich heftig schluchzte.

„Beruhigen Sie sich“, ordnete der Sturmtruppler an, doch Leia konnte ihre Ratlosigkeit deutlich in ihren Worten hören. Eilig schob die Soldatin sie vorwärts und als sie endlich stehen blieb, benötigte Leia einige Augenblicke, um zu verstehen, dass sie einen Turbolift betreten hatte.

„Es wurde keine Folter für Sie angeordnet“, sagte die Soldatin und Leia begriff, dass dies ein hilfloser Versuch war, sie zu trösten.

Der Erfolg blieb aus und während Leia weiterhin weinte, spürte sie zusätzlich die Anspannung der gepanzerten Frau und verstand nicht, wie das möglich war.

„Es wurde auch kein Verhör terminiert“, versuchte sie es erneut. „Sie werden auf Ihr Quartier beschränkt, aber das ist auch schon alles.“

Leia hätte verächtlich geschnaubt, wenn sie es gekonnt hätte, doch ihre Tränen erstickten jedes Wort und jedwede andere Lautäußerung. Sie bezweifelte stark, dass die Soldatin ihren eigenen Worten Glauben schenkte. Das Verhör einer Verdächtigen musste ebenso wenig terminlich vorgemerkt werden wie deren Folter. Ein Wort, geäußert von einer passenden Person, genügte völlig. Gewiss wusste der Sturmtruppler das selbst, schließlich wurden die Soldaten auf absoluten Gehorsam trainiert, regelrecht abgerichtet.



Den Rest des Weges hatte die Soldatin geschwiegen, während Leia es endlich fertiggebracht hatte, sich ein wenig zu beruhigen. Schließlich hatte der Sturmtruppler sie in einem Quartier eingesperrt, das unerwartet komfortabel war, beengt zwar, aber nicht ungemütlich.

Sofort erschloss Leia, dass dies keine Zelle war, was natürlich nichts an ihrem Status als Vaders Gefangene änderte. Ein eiskalter Schauder lief über ihren Rücken, als sie begriff, dass sie ihm vollends ausgeliefert war. Erschöpft ließ sie sich auf das schlichte Bett fallen und ein kurzes Keuchen entfloh ihr, als sie spürte, wie hart es war.

„Verwöhntes Prinzeschen“, nuschelte sie durch zusammengepresste Lippen und ärgerte sich über sich selbst. Ein hartes Bett zählte wohl zu den geringsten ihrer Probleme. Ihr Training und ihre Erziehung trieben sie dazu, das Quartier genau zu studieren und nach strategisch geeigneten Orten zu suchen, die sie bei einer möglichen Flucht würde nutzen können, obwohl ihr sehr bewusst war, dass sie etwaige Pläne schon vor deren Entstehen begraben konnte. Darth Vader entkam man nicht, jeder Rebell wusste das.

Leia vergrub das Gesicht in den Händen und seufzte. Auf einem Sternenzerstörer gefangen zu sein hatte nicht zu ihren Plänen gehört. Von hier aus konnte sie der Rebellion nicht helfen, sie konnte gar nichts tun. Von einer plötzlichen Welle der Müdigkeit überwältigt, schloss sie die Augen. Sie war ihre Optionen durchgegangen und hatte festgestellt, dass ihr die Hände gebunden waren, also sprach nichts dagegen, ein wenig Schlaf zu bekommen. Zumindest wäre sie wach und konzentrationsfähig, wenn Vader wieder zu ihr käme, denn daran, dass er kommen wurde, bestand nicht der geringste Zweifel.



Innerhalb der nächsten drei Tage bekam sie nichts von Vader zu sehen oder zu hören. Man brachte ihr regelmäßig Mahlzeiten, die weit weniger grauenhaft schmeckten, als sie erwartet hatte, und ihr standen Datenpads mit verschiedener Lektüre und ein Holo-Projektor zur Unterhaltung zur Verfügung. Es wäre nicht schwierig, zu vergessen, wo genau sie sich befand. Allerdings war die Tür zu ihrem Quartier stets verriegelt und der Droide, der ihr das Essen brachte, wurde jedes Mal von drei Sturmtrupplern begleitet.

Leia seufzte und zupfte an dem schwarzen Overall, den sie inzwischen trug. In der in ihr Quartier integrierten Sanitäreinrichtung lagen mehrere davon für die bereit und sie hatte sich mangels Alternative damit abgefunden. Ihr war durchaus bekannt, dass es sich bei dieser Kleidung um jene Art Overall handelte, die die Sturmtruppen unter ihren Rüstungen trugen.

Den ersten Tag hatte sie damit verbracht, über eine Flucht nachzusinnen, doch inzwischen war ihr gewahr geworden, dass dies keine Aussicht auf Erfolg hatte. Sich mit den Sturmtrupplern anzulegen wäre gewiss eine überaus schlechte Idee.

Am zweiten Tag hatte die Langeweile sie irgendwann dazu getrieben, sich mit den Datenpads zu beschäftigen. Diese enthielten ausschließlich literarische Werke, wie Leia schnell feststellte. Um sich die Zeit zu vertrieben, waren sie gut geeignet.



Erst am fünften Tag ihres unfreiwilligen Aufenthalts auf der Devastator ließ sich deren Besitzer bei ihr blicken. Kurze Zeit nach ihrem Frühstück betrat Darth Vader ihr Quartier. Leia blieb patzig auf dem Bett sitzen.

„Ihr hattet kein Recht, mich gefangen zu nehmen, Lord Vader“, teilte sie ihm verärgert mit, glaubte aber nicht, dass sie irgendeinen Erfolg würde erzielen können.

„Das hatte ich durchaus“, hielt er dagegen. „Aber das spielt auch keine Rolle. Ich habe sehr gute Gründe dafür, dich hier unterzubringen. Du wurdest doch nicht schlecht behandelt?“

Leia widerstand mühsam der Versuchung, die Zähne zu fletschen. „Komfortabel für eine Zelle“, entgegnete sie und bemühte sich um einen ruhigen Tonfall. „Aber es ist und bleibt eine Zelle, nicht wahr?“

„Das kann ich nicht bestätigen.“ Vader trat einige Schritte näher an sie heran. „Es ist eine sichere Unterbringung, nicht mehr und nicht weniger.“

„Ach, dann kann ich doch sicher gehen“, zischte Leia und gab ihre Kontrolle auf.

„Das kann ich nicht erlauben“, verneinte Vader entschieden. „Aus Sicherheitsgründen.“

„Rührend, wie besorgt Ihr um meine Sicherheit seid, Lord Vader“, schnappte Leia.

Er überging ihre schnippische Antwort und sagte stattdessen: „Du wirst mir noch dankbar sein, glaub mir.“ Er wandte ihr den Rücken zu, wobei sich sein Umhang bauschte. „Die Rebellion wird fallen, das ist bloß noch eine Frage der Zeit. Sei froh, wenn du nicht mit ihnen untergehst.“

Leia biss sich auf die Zunge, bevor sie entgegnete: „Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht.“ Sie stöhnte hörbar und blickte demonstrativ in die entgegengesetzte Richtung. „Was wollt Ihr nun hier? Immerhin bin ich schon mehr als vier Tage hier.“

„Dafür muss ich mich entschuldigen. Verursacht durch die Unruhen, die diese Rebellion mit sich bringt, war ich bislang unabkömmlich.“ Er verharrte einige Augenblicke in Stille, bevor er die Stimme abermals erhob. „Reden wir nicht drum herum, Leia. Es wird demnächst eine Menge passieren und wenn du nicht vernünftig wirst, wird das dich ebenso wie die anderen Mitglieder dieser Rebellion betreffen. Wenn du aber diesen Krieg hinter dir lässt, kann ich dich beschützen.“

„Beschützen“, spuckte Leia und sprang auf die Beine. „Und woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel? Glaubt Ihr etwa, dass ich Euren Worten Glauben schenke, bloß, weil eine alte Spieldose Euch erzählt hat, wir seien verwandt?“ Sie atmete tief und verkrampft durch. „Ich wiederhole: Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht.“

Als Vader keine Reaktion zeigte, spürte sie Wut in sich aufsteigen. „Und ich verstehe nicht, was Padmé Amidala veranlasst haben könnte, sich mit Euch einzulassen“, fügte sie bissig hinzu.

Im Raum schien es plötzlich deutlich kälter zu werden und eine seltsame Spannung erfüllte die Luft. Leia verstand dieses Gefühl nicht, doch plötzlich bedauerte sie, diesen letzten Satz ausgesprochen zu haben. Vader sprach kein Wort und stand so still, als sei er erstarrt, während die eisige Kälte den Raum immer mehr vereinnahmte. Für einen Herzschlag glaubte Leia, die eigentümliche Aura, die den dunklen Lord umgab, sehen zu können, und eine jähe Erkenntnis brach über sie herein.

„Ihr habt sie geliebt“, hauchte sie kaum hörbar.

Wortlos verließ Darth Vader das Quartier und Leia konnte deutlich hören, dass die Tür abermals verriegelt wurde, doch das war ihr augenblicklich egal. Der Gedanke, dass Vader die Senatorin geliebt hatte, irritierte sie. Niemals hätte sie sich vorstellen können, dass eine Kreatur wie er überhaupt zur Liebe fähig war. Ungläubig starrte sie die Tür an, durch die er das Quartier verlassen hatte, und schämte sich plötzlich. Leia konnte es kaum glauben, doch sie verspürte Scham und Schuld darüber, ihn, Darth Vader, verletzt zu haben.

Sie ließ sich auf den Rücken fallen, legte die Hände auf ihr Gesicht und fragte sich, ob sie vielleicht krank wurde. Woher kamen bloß diese seltsamen Eindrücke? Zwar war es schon vorgekommen, dass sie sich recht schnell in andere und deren Gefühlslage hineinversetzen konnte, doch war dies nie über eine natürliche Empathie hinausgegangen. Diese neuen Eindrücke, die sie in Vaders Gegenwart verspürte, waren anders, intensiver und eindringlicher. Sie vermittelten ihr Klarheiten, die sie eigentlich nicht haben dürfte, und fühlten sich dennoch nicht unnatürlich an. Sie wusste, spürte, dass diese nicht von Vader kamen. Diese Eingebungen waren ihre, daran bestand kein Zweifel.

„Was passiert nur mit mir?“, murmelte sie gegen ihre Hände.

Mit einem Schwung drehte sich Leia auf den Bauch und stütze ihre Stirn mit den Unterarmen ab. Fieberhaft versuchte sie, jede Information, die ihr gerade dienlich sein könnte, gedanklich abzurufen. Dann fielen ihr die Gerüchte wieder ein, die es über die Senatorin gegeben hatte, die, die ihr Vater erwähnt hatte, als er ihr offenbart hatte, dass Amidala ihre Mutter war. Angeblich hatte sie sich mit einem Jedi eingelassen. Leia wusste nicht übermäßig viel über die Jedi, doch allgemein bekannt war, dass diese mit der Macht vertraut waren, eine Tatsache, die zweifellos auch auf Vader zutraf. Konnte Vader dieser Jedi gewesen sein? Leia nahm sich vor, ihn danach zu fragen, wenn er das nächste Mal zu ihr käme – falls er noch einmal zu ihr käme.



Tatsächlich ließ der dunkle Lord sie einen ganzen weiteren Tag warten, bevor er sich wieder die Ehre gab. Offensichtlich hatte sie ihn in der Tat beleidigt. Als er jetzt in ihr Quartier trat, atmete sie tief durch und nahm sich vor, sich diesmal besser zu beherrschen. „Ich möchte Euch eine Frage stellen“, begann sie höflich.

Er antwortete nicht mit Worten, sondern deutete mit einer Hand und signalisiere ihr, ihre Frage zu stellen.

Leia nahm einen weiteren tiefen Atemzug. „Wart Ihr ein…“ Sie brach ab und fürchtete plötzlich, dass diese Frage unangebracht sein könnte, schob diesen Gedanken aber schnell von sich und setzte von neuem an: „Wart Ihr ein Jedi?“

„Warum interessiert dich das?“, gab Vader zurück.

„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Ihr damals schon so wart wie jetzt“, antwortete sie wahrheitsgemäß. Sie zögerte einen Moment und zwirbelte eine Haarsträhne um ihren Finger. „Wenn es stimmt und Ihr mein Vater seid, dann seid Ihr ein Mensch, aber… ich habe Euch noch nie ohne…“ Sie suchte nach den passenden Worten.

„Du hast mich noch nie ohne meinen Anzug gesehen“, vervollständigte Vader den Satz für sie. „Wolltest du das sagen?“

Zaghaft nickte sie und senkte den Blick.

„Ich bin ein Mensch, das ist wahr, und damals habe ich das hier…“ Er deutete auf seine äußere Erscheinung. „…noch nicht getragen, auch das ist wahr. Mehr musst du nicht wissen.“

Leia ballte die Hände zu Fäusten. „Was bedeutet das alles?“, brachte sie schließlich hervor. „Warum tut Ihr das?“

„Warum tue ich was?“

„Das hier!“ Sie breitete die Arme aus und deutete auf das gesamte Quartier. „Mich hier festhalten… oder unterbringen, wie Ihr es nennt. Warum habt Ihr mir gesagt, dass Ihr mein Vater seid? Warum ist das überhaupt wichtig? Warum kümmert es Euch?“

„Das sind eine Menge Fragen“, bemerkte Vader. „Die erste habe ich dir schon beantwortet, ich habe dich hier untergebracht, um deine Sicherheit zu gewährleisten, an der mir gelegen ist, weil du meine Tochter bist. Deshalb habe ich dir das auch gesagt. Es ist wichtig, weil es keine Zufälle gibt, und warum sollte es mir gleich sein, dass du meine Tochter bist?“

„Verzeiht mir, Lord Vader, aber bei Euren Praktiken kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Ihr plötzlich väterliche Gefühle hegt.“

„Mir ist nicht daran gelegen, dass du das Schicksal der anderen Rebellen teilst. Diese Rebellion wird in Kürze beendet sein und Großmoff Tarkin ist nicht für seine Milde bekannt, nicht wahr?“

„Ich bin keine Rebellin“, log Leia und mahlte mit den Zähnen.

Vader schwieg und Leia erkannte, dass ihre bisherige Strategie sie hier nicht weiterbringen würde. Der dunkle Lord hatte keinen Zweifel daran, dass sie eine Verbündete der Rebellion war, und höchstwahrscheinlich würde es ihr nicht gelingen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

„Gut, ich werde anders fragen“, begann sie diplomatisch. „Angenommen ich wäre eine Rebellin, warum sollte Euch dann daran gelegen sein, mich vor den Konsequenzen zu schützen?“

Darth Vader hüllte sich weiterhin in Schweigen und Leia fühlte plötzlich Trauer, Scham, Schuld und tiefen, unermesslichen Schmerz.

„Warum passiert das?“, klagte sie und fasste sich an den Kopf.

Vader trat dichter an sie heran. „Wovon sprichst du?“, fragte er und klang besorgt.

Es widerstrebte ihr, ausgerechnet Vader in dieser Angelegenheit zu vertrauen, doch augenblicklich hatte sie keine Wahl. Sie wusste, wenn sie es nicht endlich aussprach, würde es sie langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben. „Ich fühle Dinge“, versuchte sie zu erklären. „Ich weiß Dinge, die ich nicht wissen kann. Als Ihr mir gesagt habt, Ihr wärt mein Vater, wusste ich, dass es die Wahrheit ist. Und ich fühle Trauer und Schmerz… Emotionen, die nicht mir gehören.“

Vader legte seine Hand auf ihre Schulter und Leia wunderte sich sehr darüber, dass sie nicht zurückwich. „Das ist nichts, wovor du Angst haben musst“, sprach er langsam aus. „Die Macht ist stark in dir.“

Jetzt wich sie zurück. Auch das noch. Fieberhaft versuchte Leia, sich an die letzten Tage zu erinnern, in denen ihr ganzen Leben völlig aus den Fugen geraten war. Sie, Leia Organa, die Kriegswaise, war plötzlich Padmé Amidalas und Darth Vaders Tochter und zu alledem auch noch machtsensitiv. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Doch was ihr Verstand leugnen wollte, bestätigte eine weitere Eingebung.

„Ich ging bisher immer davon aus, dass Padmé vor der Geburt gestorben ist“, sagte Vader. „Jetzt habe ich erfahren, dass du lebst und sogar in meiner Nähe bist. Wie könnte mich das kalt lassen?“

„Wie?“, platze es aus ihr hervor. „Ihr seid Darth Vader! Ihr seid der Vollstrecker des Imperators! Ihr dient einem Regime, das die Freiheit mit Füßen tritt, das Sklaverei gutheißt, das Gefangene deportiert und auf Kessel bis zum Tod schuften lässt.“

„Gesprochen wie eine wahre Rebellin“, meinte Vader trocken.

Leia ohrfeigte sich innerlich. Sie sollte sich besser beherrschen können, das wusste sie. Andererseits hatte sie inzwischen erkannt, dass sie Vader nicht davon würde überzeugen können, dass sie keine Rebellin war, daher war dieser Kommentar nicht von Belang, nicht wirklich.

„Glaubst du etwa, dass es mich kalt gelassen hat, all die Jahre zu glauben, du seist tot?“, fragte er plötzlich und brachte sie aus dem Konzept.

Diese Frage nun ausgesprochen zu hören irritierte Leia, denn diese Annahme klang, das musste sie eingestehen, absurd. Sie rief sich stumm zur Ordnung. Vor ihr stand niemand Geringerer als Darth Vader. ‚Dein Vater‘, sagte eine Stimme in ihrem Innern zu ihr und ließ sie erzittern. Ihr Leben lang war sie eine Waise gewesen, die von freundlichen Menschen aufgenommen worden war. Jetzt hatte sie plötzlich einen Vater.

„Ihr habt sie wirklich geliebt, nicht wahr?“, wagte sie leise auszusprechen.

Darth Vader antwortete nicht, doch sie wusste, dass sie den Sachverhalt korrekt erfasst hatte. Noch immer überstieg dieser Umstand jedoch ihr Vorstellungsvermögen.

„Ihr seid mir ein paar Erklärungen schuldig“, fuhr sie ihn an. „Ihr könnt mir nicht einfach enthüllen, dass Ihr mein Vater seid, und Euch dann in Schweigen hüllen!“ Sie holte zittrig Luft. „Wer seid Ihr damals gewesen?“

„Du hast es selbst gesagt“, erwiderte Vader. „Ich bin ein Jedi gewesen, das ist wahr.“

Einen Herzschlag zuvor war Leia noch der Überzeugung gewesen, sich mit Vader anlegen zu wollen, doch nun fehlten ihr die Worte.

„Du solltest über mein Angebot nachdenken“, unterbrach Vader ihren Gedankengang. „Es ist deine einzige Chance, Leia.“ Mit diesen Worten ließ er sie erneut allein.



Zwei weitere Tage ließ sich Vader nicht sehen und Leia war sich sicher, bald den Verstand zu verlieren. Zwar fehlte es ihr im Grunde an nichts – von ihrer Freiheit einmal abgesehen – doch wurde sie bald wahnsinnig beim Gedanken daran, nicht zu wissen, was in der Galaxis vor sich ging. Ihr Vater, Bail Organa, musste inzwischen krank vor Sorge sein. Sicherlich war ihre Verhaftung bereits im Rebellenrat besprochen worden, doch was würde nun passieren? Sie war auf Vaders Sternenzerstörer sicher verwahrt und gewiss wäre niemand töricht genug, einen Angriff auf das Schlachtschiff zu versuchen.

Die meiste Zeit verbrachte Leia nun damit, sich zu überlegen, wie sie Vader dazu bringen könnte, sie gehen zu lassen, ohne auf sein Angebot eingehen zu müssen. Das Problem war gewiss, dass Vader wusste, dass sie eine Rebellin war. Er konnte es nicht beweisen, doch sie wusste, dass er es wusste. Vermutlich hatte die Macht es ihm verraten. Leia schnaubte. Mit einer solch verräterischen Macht wollte sie nichts zu tun haben.

Als plötzlich ganze Schiff erbebte, schreckte sie aus ihren fernen Gedanken auf. Turbolaserfeuer, die Devastator befand sich in einer Schlacht! Leia wurde übel, als sie sich vorstellte, wie ihre Freunde im Lasergewitter des Sternenzerstörers zerfetzt wurden. Wie im Wahn sprang sie auf die Beine, eilte zur Quartiertür und versuchte verzweifelt, sie zu öffnen. Ihre Mühe war vergeblich, dennoch versuchte sie es weiter, sie konnte nicht anders. Irgendetwas musste sie tun.

Die Erschütterungen nahmen kein Ende und Leias Angst wuchs beständig weiter an. Wie viele ihrer Freunde mochten in der Zwischenzeit in Explosionen vergangen sein? Tränen traten in ihre Augen und dann sackte Leia auf dem Quartierboden in sich zusammen und weinte wie ein kleines Mädchen.

Wie viel Zeit vergangen war, als die Tür zu ihrem Quartier geöffnet wurde und Vaders finstere Gestalt eintrat, wusste sie nicht. Sie schenkte dem dunklen Lord keine Beachtung und bemühte sich auch nicht darum, ihre Tränen zu verbergen. Ihr Weinen war zu einem Wimmern verebbt und es war ihr egal, dass Vader ihre Schwäche sah.

Einige Augenblicke verharrte Vader schweigend im Raum, bevor er mit schweren Schritten auf Leia zukam, sie in seine Arme hob und zum Bett trug. Leia wehrte sich nicht und erstaunlich vorsichtig legte er sie auf die Matratze.

„Du solltest wissen, dass Großmoff Tarkin deine Auslieferung verlangt“, teilte er mit.

Das genügte, um Leia aufblicken zu lassen. Mit aller Selbstbeherrschung, die sie aufbringen konnte, blinzelte sie ihre Tränen fort und fragte: „Weshalb?“ Schwerfällig richtete sie sich auf. „Was ist passiert?“

Vader hielt eine Weile inne, bevor er eine Antwort gab. „Deine Rebellenfreunde haben eine imperiale Anlage auf Scarif angegriffen und Pläne für eine Raumstation gestohlen“, erklärte er schließlich. „Die Kämpfe haben zahllose Opfer gefordert. Der Großmoff verlangt nun, dass du verhört wirst. Es wird Zeit, Leia.“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause. „Das ist deine letzte Chance. Ich kann dich beschützen, aber nur, wenn du vernünftig wirst.“

„Wenn ich mich unterwerfe, meint Ihr!“, fuhr sie ihn an und gab das Unterfangen auf, ihn davon überzeugen zu wollen, keine Rebellin zu sein. „Was schert es Euch, verhört mich doch gleich selbst!“ Sie holte zitternd Luft. „Wäre es das, was Padmé sich gewünscht hätte?“

Vader schien plötzlich zu erstarren und Leia befürchtete schon, jetzt zu weit gegangen zu sein. Der dunkle Lord ballte die Hände zu Fäusten, sodass das Synth-Leder knarzte. Kein Wort drang durch seine Maske.

Leia beschloss, dass ihre Lage nun nicht mehr schlimmer werden konnte. „Sie hat immer für die Freiheit gekämpft“, sprach sie aus. „Padmé Amidala hätte den Praktiken des Imperiums niemals zugestimmt.“

„Sei still“, befahl Vader. „Du hast sie nicht gekannt.“

„Stimmt, das habe ich nicht“, fuhr Leia fort. „Aber Ihr. Ihr solltet das wissen.“ Plötzlich kam ihr ein Gedanke. „Wieso habt Ihr eigentlich nie versucht, etwas über den Verbleib Eurer-… über meinen Verbleib in Erfahrung zu bringen?“

„Ich sagte dir schon, dass ich dich für tot hielt. Man sagte mir, ich-…“ Er brach ab und wirkte plötzlich so perplex, als hätte sie ihm eine Ohrfeige verpasst. „Er sagte mir, ich hätte-…“, brachte er hervor und redete offensichtlich mit sich selbst.

Leia wusste nicht recht, was sie von diesem Verhalten halten sollte. Es war, als habe Vader plötzlich etwas verstanden, etwas begriffen, dessen Verständnis sich ihm lange entzogen hatte. Die Luft um ihn herum vibrierte regelrecht und war kaum noch zu atmen. Angst umschloss Leia, doch kein Impuls riet ihr, zurückzuweichen. Tief in ihrem Innern wusste sie, dass das, was Vader gerade umtrieb, nicht zu ihrem Schaden sein würde.

Ohne eine Vorwarnung ging der dunkle Lord in die Knie und presste beide Hände gegen seinen Helm. Seine Qual war mehr als deutlich zu erkennen, doch Leia wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Darth Vader kauerte wie ein Häuflein Elend vor ihr, derselbe bedrohliche Mann, der eben noch verkündet hatte, dass die sofortige Unterwerfung ihre letzte Chance war.

„Er hat mir gesagt, ich hätte sie getötet“, sagte Vader und trotz der unverfälschten Deutlichkeit seiner Stimme war es offensichtlich, dass diese Worte gehaucht und kaum für fremde Ohren bestimmt waren. „Ich habe nie nach dem Kind gefragt, sie war doch… sie war doch tot…“ Plötzlich schlug er mit aller Gewalt seine Faust auf den Boden. „Er hat mich belogen!“

„Wer?“, wagte Leia zu fragen.

„Mein Meister“, platze es aus ihm hervor, bevor er abrupt verstummte, als hätte er etwas zutiefst Verbotenes ausgesprochen.

Leia entschied, ihrem Gefühl zu vertrauen. Sie verstand nichts von der Macht, von der Vader gesprochen hatte, kannte nicht mehr als die Geschichten, die ihr Vater, die Bail Organa ihr erzählt hatte, doch bisher hatten ihre Eingebungen sie nicht getäuscht.

Vorsichtig setzte sie ihre Füße auf den Boden und erhob sich vom Bett. „Euer Meister?“, fragte sie nach. „Meint Ihr den Imperator?“

Sie glaubte, Vader zusammenzucken zu sehen, bekam aber keine Antwort. Ihr wurde bewusst, dass sie noch einen Schritt weiter würde gehen müssen.

„Hat der Imperator Euch gesagt, dass Ihr sie getötet habt?“ Sie trat ein wenig näher an den zusammengekauerten Vader heran. „Wie konnte er Euch sowas einreden?“

„Nein“, donnerte Vader und erhob sich auf die Beine, mit einem Mal aus seiner Starre erwacht. „Wie entscheidest du dich?“, verlangte er zu wissen, als sei nichts gewesen.

Leia schüttelte den Kopf und blickte ihn mit harten Augen an. Etwas hatte sich verändert, das spürte sie deutlich, und es wäre töricht, diese Gelegenheit nicht zu nutzen. „Du wirst mich nicht an Tarkin ausliefern“, stellte sie fest. Lebhaft konnte sie sich den verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht unter der Maske vorstellen. „Du bist doch überhaupt erst zu mir gekommen“, fuhr sie fort. „Du sagtest, das alles habe keine politischen Beweggründe und ich weiß, dass das wahr ist. Du hast gesagt, es sei dir nicht gleich, dass ich deine Tochter bin, und auch das war nicht gelogen. Ich weiß das.“

Stocksteif und stumm stand Vader vor ihr, sein maskierter Blick haftete auf ihr, doch kein Wort passierte seinen Vocoder. Sofort wusste Leia, dass sie ihn erfolgreich entwaffnet hatte. Jetzt galt es, seine Verteidigung zu durchdringen.

„Du hattest einen Grund, zu mir zu kommen und mich hierherzubringen“, führte sie aus. „Du willst mich beschützen, sagtest du. Das kannst du. Aber du bist es, der vernünftig werden muss, nicht ich.“

„Vernünftig?“, stammelte er und war eindeutig mehr als verwirrt. Wieder schloss er die Hände zu Fäusten, öffnete sie und schien dann zu sich zu kommen. „Verstehst du überhaupt, was hier gerade geschieht, Leia?“

„Du hast etwas von Plänen gesagt“, erinnerte sie ihn und zuckte betont gleichmütig mit den Schultern.

„Die Rebellen haben die Pläne für den-…“ Er brach ab. „Für die Raumstation gestohlen, ja. Tarkin ist darüber sehr ungehalten und verlangt, dass ich dich herausgebe, damit du verhört werden kannst. Mir sind die Hände gebunden, ich werde das tun müssen.“

„Weil der Imperator das von dir verlangt?“, erwiderte Leia spitz. „Der Mann, der dich belogen hat?“ Sie bemerkte, dass ihre Stimme ein wenig zitterte und ein ungebetener Gedanke schoss ihr in aller Schärfe durch den Sinn. Was tat sie hier? Es war Darth Vader, zu dem sie gerade frech war. Entschieden schob sie den Gedanken von sich. Es gab kein Zurück, sondern nur den Weg voran, der sich ihr nun präsentierte. „Wirst du mich ihm also ausliefern?“

Vader wich nicht zurück, dennoch schien er sich von ihr zu entfernen. „Ich bin ein Mann des Imperiums“, verkündete er.

„Ein Diener“, präzisierte Leia mit wohlmodulierter Stimme. „Der persönliche Diener des Imperators Palpatine.“

Noch einige Augenblicke verharrte er schweigend vor ihr, dann jedoch machte er abrupt kehrt und verließ das Quartier fluchtartig. Dabei vergaß er allerdings nicht, die Tür zu verriegeln. Leia blickte ihm nach. Dass sie etwas erreicht hatte, fühlte sie, doch was genau war es, das sie erreicht hatte?



Schon am nächsten Morgen zerbrach ihre Hoffnung, als zwei gepanzerte Sturmtruppler in ihr Quartier stürmten, ihr befahlen, sich anzuziehen und sie dann abführten. Vader war nirgendwo zu sehen, als die beiden Soldaten sie zu einem schlichten Shuttle brachten, und Leia schalt sich selbst dafür, ausgerechnet auf ihn zu hoffen. Jetzt verfluchte sie ihre eigene Dummheit. Was hatte sie bloß erwartet? Wie hatte sie wirklich annehmen können, zu Vader durchzudringen? Es war ein gefährliches Spiel, auf das sie sich eingelassen hatte, und nun hatte sie es verloren. Es war ihre eigene Schuld. Sie hätte sich ihrem echten Vater anvertrauen sollen, als noch die Gelegenheit dazu bestanden hatte. Jetzt war es zu spät.



Leia hatte kein Wort gesprochen und sich den Anweisungen der Sturmtruppler widerstandslos gefügt. Als jetzt das Shuttle den Hyperraum verließ, stockte ihr der Atem. Vor sich sah sie eine riesenhafte Raumstation, groß und kugelrund wie ein kleiner Mond.

„Was ist das?“, brachte sie endlich hervor.

„Sie sind nicht autorisiert“, ließ einer der Sturmtruppler sie wissen.

Leia schwieg und dachte nach. Das war zweifellos die fragliche Raumstation, deren Pläne erbeutet worden waren, und nun, da sie diese Monstrosität mit eigenen Augen sah, wusste sie mit Gewissheit, dass sie eine erhebliche Bedrohung darstellte.

Das Shuttle drang ins Innere dieser mächtigen Station vor und Leia schluckte, als sie die zahllosen Soldaten sah, die im Hangar ihre Stellung hielten. Sie leistete keinen Widerstand, als die Sturmtruppler sie auf die Beine zerrten und durch den Hangar führten. Vader hatte sie an Tarkin ausgeliefert, wie hatte sie bloß jemals auf ihn und seine Vertrauenswürdigkeit hoffen können?

Folgsam ging sie mit den Soldaten zu den Turbolifts und ließ sich in den Zellentrakt bringen. Man sperrte sie ein und ließ sie zurück. Leia betrachtete die kalten, grauen Wände ihres Gefängnisses, zitterte und begann nun, leise zu weinen.



In der kleinen, dunklen Zelle verlor sie jedes Zeitgefühl. Die Schreie, die durch die Gänge hallten, gingen ihr durch Mark und Bein, und jedes Mal, wenn sie die klickenden Schritte der Sturmtruppen hörte, fürchtete sie, dass nun sie an der Reihe war, verhört zu werden. Sie würde ihnen nichts verraten, ganz gleich was sie ihr antun würden.

Als sich die Tür zu ihrer neuen Unterkunft dann tatsächlich öffnete, wich sie auf ihrer harten Pritsche zurück. Sofort dröhnte das rhythmische Keuchen des dunklen Lords in ihren Ohren, als er in die Zelle trat und das wenige Licht abschirmte, das von Korridor ins Innere drang. Mit einer schnellen Handbewegung verschloss er die Tür wieder und deaktivierte die Kameras.

„Wir haben nicht viel Zeit“, verkündete er.

„Ich weiß nicht, was du dir hiervon erhoffst“, gab sie patzig zurück und hoffte, das Zittern in ihrer Stimme überspielen zu können.

„Großmoff Tarkin hat dein Todesurteil unterzeichnet, Leia.“

Sie schluckte und musste sich zwingen, ruhig weiter zu atmen. Das war es also, sie hatte ihr Leben verwirkt. Trotzdem würde sie in ihre Ideale in den letzten Stunden nicht verraten, sich der verzweifelten Hoffnung hingebend, ein wenig länger zu leben. Angst erfüllte sie, doch sie musste stark bleiben, für die Rebellion, für die Hoffnung.

„Es ist jetzt sehr wichtig, dass du mir genau zuhörst“, fuhr Vader fort und durchbrach ihren panischen Gedankengang. „Ich werde dich zu den Rettungskapseln bringen und in den Raum hinausschicken. Alle Systeme der Kapsel werden deaktiviert sein, es wird kalt, dunkel und stickig werden, doch du darfst die Systeme unter keinen Umständen hochfahren, nicht, bis ich dir ein Zeichen zukommen lasse, verstanden?“

Verwirrt starrte Leia ihn an und war sich sicher, dass sie träumen musste. Bot Vader ihr gerade die Flucht an? Das ergab doch überhaupt keinen Sinn, nachdem er sie erst hierhin ausgeliefert hatte. „Was soll das alles?“, zwang sie erstickt hervor.

„Wir haben keine Zeit“, betonte Vader. „Du bist hier an Bord des Todessterns und Tarkin wird nicht zögern, ihn einzusetzen, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. Du hast keine andere Wahl, als mir zu vertrauen. Also?“

Leias Herz schlug so laut, dass sie sich sicher war, dass auch Vader es hörte. Sie begriff nicht, was sich gerade abspielte, doch dieses unbestimmte Gefühl, das sie schon oft in Vaders Gegenwart beschlichen hatte, sagte ihr, dass sie auf ihn hören sollte. Doch hatte nicht erst dieses Gefühl sie in diese ganze Bredouille verwickelt? Sie verwarf den Gedanken und schüttelte den Kopf. Sie war zum Tode verurteilt, was hatte sie da noch zu verlieren?

„Gut“, hauchte sie und unterdrückte einen Schrei, als Vader ihr Handgelenk umfasste.

Die Tür glitt vor ihm auf und wortlos führte er eine Hand vor den Helmen der Sturmtruppler vor der Zelle vorbei. Die beiden Männer versteiften sich und schienen sie nicht zu bemerken. „Ich habe es verstanden“, sagte Vader zu ihr und zog sie mit sich. „Er hat es gewusst, er hat sich nicht geirrt. Er hat mich belogen.“

Leia war sich nicht sicher, ob sie verstand. Sie hatte Schwierigkeiten, mit Vader Schritt zu halten. Immer wieder wies er wie beiläufig mit der Hand in einen Gang oder auf eine Tür. Was er da tat, begriff sie nicht, doch sonderbarerweise hielt niemand ihn auf, während er sie, die Gefangene des Großmoffs, aus dem Zellentrakt zerrte.

Hastig schob er sie in einen Turbolift, stieg selbst ein und hackte schnell einige Zahlen in das Panel, woraufhin sich der Lift in Bewegung setzte. Leia suchte nach passenden Worten, einer sinnvollen Frage, die ihr helfen würde, ihre Verwirrtheit zu besiegen, doch sie konnte kaum klar denken.

„Ich weiß jetzt, dass mein Meister mich bewusst angelogen hat“, erklärte Vader und wieder spürte Leia diese tiefe Traurigkeit in seinen Worten. „Die Macht hat mir Klarheit gewährt und ich weiß jetzt, was ich tun muss.“

„Ich… was…“ Sie holte tief Luft und begann erneut: „Was für ein Zeichen wird das sein, das du mir geben willst?“

„Du wirst es wissen“, war alles, was er als Antwort formulierte, bevor er sich wieder in Schweigen hüllte.

Leia fühlte den Kampf, der sich seinem Inneren abspielte, und konnte nicht verhindern, dass ihr das Herz schwer wurde. Darth Vader war nicht weniger verwirrt als sie selbst. All die Dinge, die die vergangenen Tage ans Licht gebracht hatten, hafteten nicht nur in ihrem Verstand, sondern beschäftigten auch den dunklen Lord.

Als der Lift zum Stillstand kam, zögerte Vader keinen Augenblick, schob sie hinaus auf den Korridor, packte ihr Handgelenk und zog sie abermals mit sich. Noch immer war sich Leia nicht vollkommen sicher, ob sie wirklich wach war. Dies alles war so absurd, so unglaublich. Eigentlich konnte das doch nur ein Traum sein, ein völlig verrückter und gleichsam düsterer Traum. Doch wann hatte der Traum begonnen? Was war wirklich geschehen? Leia schüttelte erneut den Kopf und ging weiter. Was auch immer als nächstes passieren würde, entzog sich ihrer Kontrolle, zumindest diese Tatsache war vollkommen gewiss und unumstößlich.

„Hiernach wird es kein Zurück mehr geben“, verkündete Vader, als er sie in eine Rettungskapsel schob. „Ich werde den Start der Kapsel tarnen und den Schrott zugleich abwerfen. Vergiss nicht: Aktiviere kein System.“

„Ich werde auf das Zeichen warten“, versprach Leia mit schwacher Stimme.

Wortlos legte Vader ihr ein Elektrofernglas in die Hände und versiegelte dann die Kapsel. Leia konnte sehen, dass er sich entfernte. Ihre Vernunft trieb ihr die Frage in den Kopf, ob dies alles eine Falle sein konnte, doch sofort verneinte sie diese. Welche Art Falle sollte das schon sein? Was könnte sich Vader von dieser Aktion erhoffen? Das ergab keinen Sinn.

Als die Kapsel abgeschossen wurde, schnappte sie nach Luft. Um sie herum war alles dunkel, schemenhaft erkannte sie den Schrott, den Vader von der Station hatte abwerfen lassen, um ihre tote Rettungskapsel zu tarnen. Der Schwerkraft entglitten trieb Leia im Inneren der winzigen Kapsel herum und fragte sich, was Vader beschlossen hatte, tun zu müssen. Der dunkle Lord hatte mehr als fahrig gewirkt, durcheinander und aufgebracht, dennoch zutiefst entschlossen. Leia hielt inne und wunderte sich über die Gewissheit, die sie über Vaders Gefühlsleben besaß. Die Macht, hatte er behauptet, war stark in ihr.

Die Kapsel drehte sich und vergeblich suchte Leia nach einem festen Punkt, an dem sie sich orientieren konnte, um die aufwallende Übelkeit zu vertreiben. Ihr Blick blieb auf der Station, dem Todesstern haften, der in einiger Entfernung still im Raum trieb, wie ein kleiner Mond. Leia wusste nicht, was es mit dieser riesigen Station auf sich hatte, doch bezweifelte sie, dass sie es herausfinden wollte. Ihr Herz verpasste einen Schlag, als sie den Planeten sah, in dessen Umlaufbahn sich der Todesstern aufhielt. Sofort erkannte sie ihre Heimat, Alderaan. Warum hielt sich diese Raumstation hier auf, was plante Großmoff Tarkin? Leia hob das Elektrofernglas vor ihre Augen und betrachtete den Todesstern genauer. Auf einer Seite gab es eine tiefe Einbuchtung, wie eine Schale. Diese Schale war direkt auf Alderaan gerichtet und plötzlich wurde Leia schlecht, als sie plötzlich verstand. Todesstern, dieser Name war gewiss kein purer Zufall. Doch warum Alderaan? Es bestand keine Veranlassung dazu, Alderaan etwas anzutun, einem vollkommen friedlichen Planeten. Es gab keine stichhaltigen Beweise für Alderaans Beteiligung an der Rebellion. Ihr war bekannt, dass das Imperium seine Vermutungen hatte, doch Beweise gab es nicht.

Ein zersplitterter TIE-Flügel trieb an ihrer Kapsel vorbei und blockierte ihre Sicht. Leia fröstelte. Vader hatte sie davor gewarnt, dass es kalt sein würde, doch hatte sie nicht damit gerechnet, so rasch auszukühlen. Plötzlich ergriff sie die Angst. Wie lange würde sie der Kälte des Alls widerstehen können? Wie lange würde die Luft in der Kapsel reichen und wie lange würde es dauern, bis die Enge und die Dunkelheit sie in den Wahnsinn treiben würden?

Leia schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, ruhig zu atmen. Sie musste auf Vaders Zeichen warten, durfte sich nicht verraten, sonst wäre sie verloren. Sie wollte weinen, als ihr schlagartig gewahr wurde, dass sie sich Darth Vader nun vollends ausgeliefert hatte. Hatte das alles wirklich mit einem simplen Schmuckstück begonnen? „Nein“, sagte Leia zu sich selbst, „mit einer… mit meiner Spieldose.“

Die Luft wurde schnell stickiger, die Temperatur fiel immer weiter ab. Klaustrophobie war nie ein Problem für sie gewesen, doch nun wuchs das Unbehagen in ihr stetig weiter an. Ihre Atemzüge wurden kürzer und flacher, ihr gesamter Körper zitterte. Sie sehnte sich nach frischer Luft und Wärme und hob das Elektrofernglas erneut, hoffend, etwas zu sehen, doch nichts regte sich um den Todesstern. Der Raum war still und finster, Alderaan schien zu glühen und war in diesem kalten Augenblick Leias einziger Hoffnungsschimmer. Würde sie ihre Heimat jemals wiedersehen? Ihre Panik intensivierte sich, als sie sich vorstellte, hier in dieser engen Kapsel festzusitzen, bis sie irgendwann zwangsläufig ersticken würde. Ängstlich kauerte sie sich zusammen und versuchte, die wenige Körperwärme, die ihr geblieben war, in dem Sturmtruppenoverall zu halten, den sie trug. Sie würde durchhalten müssen, sie durfte nicht aufgeben. Entschieden hielt sie sich an einer Querstrebe der Rettungskapsel fest und hielt das langsame Trudeln ihres Körpers in der Schwerelosigkeit auf. Sie würde nicht aufgeben, niemals.

Die Luft im Shuttle wurde feucht und schwer und immer kälter. Das Atmen wurde allmählich unangenehm und mühsam. Leia spürte, dass sie müde wurde, doch noch immer hielt sie sich mit aller Kraft fest, um nicht ziellos umher zu schweben. Sie musste warten, auf Vaders Zeichen warten. Wieder fragte sie sich, wie dieses wohl aussehen würde. Vader hatte versprochen, dass sie es erkennen würde. Doch was bedeutete das? Leia hatte nicht einmal eine ungefähre Idee von dem, was sie erwarten sollte.

Um sich abzulenken, ließ Leia ihre Gedanken schweifen. Sie erinnerte sich an das Lied, das ihre Spieldose gespielt hatte, ‚Spiegelhell scheint der Mond‘. Es war ein alderaanisches Lied, doch Alderaan hatte keinen Mond. Sie blickte erneut in die Schwärze des Alls hinaus und sah, dass sie sich irrte. In diesem Augenblick hatte Alderaan einen Mond, doch gewiss keinen, der dazu geeignet war, in Kinderliedern besungen zu werden. Dieser Mond kündete von Unheil und Leid.

„Vader“, flüsterte Leia schwach, die Stimme so leise, dass sie sie selbst kaum hören konnte, „bitte enttäusche mein Vertrauen nicht.“



Ein greller Lichtblitz erregte ihre Aufmerksamkeit und erweckte sie aus ihrer Lethargie. Geistesgegenwärtig hob sie das Elektrofernglas vor ihre Augen und suchte nach dem Ursprung des Lichtes. Erneut zuckte ein Blitz durch die Schwärze und es bestand kein Zweifel daran, dass dies Turbolaserfeuer war. Fieberhaft zoomte sie das Geschehen näher heran und wusste nicht recht, was sie davon halten sollte, was sich da abspielte. Ein sonderbar aussehender TIE-Jäger raste durch die Leere des Alls, verfolgt von einigen Abfangjägern. Leia stutze und sah genauer hin. Der TIE wurde eindeutig verfolgt, doch was sollte das? Warum jagte das Imperium seine eigenen Jäger?

Leia vertrieb diese Überlegung und schaute weiter zu. Der seltsame TIE-Jäger vollführte unglaubliche Manöver und entging sowohl dem Turbolaserfeuer der Station als auch dem Beschuss der Abfangjäger. Er raste hinab in den Graben, der sich um die Station zog. Was dann geschah, konnte Leia nicht recht glauben. Zahllose Shuttles und Rettungskapseln lösten sich aus der Station und verteilten sich im Raum. Noch immer verfolgten die Abfangjäger den seltsamen TIE, doch war es deutlich, dass sie keine Chance hatten, ihn zu treffen. Dann wurde ihr klar, wer diesen Jäger steuerte, Darth Vader. Die Abfangjäger verfolgten Darth Vader. Darth Vader hatte dem Imperium einen Grund gegeben, gegen ihn vorzugehen.

Fasziniert sah Leia zu und kämpfte darum, das Unglaubliche zu glauben. Darth Vader war zum Rebellen geworden.

War dies das versprochene Zeichen?

„Noch nicht…“

Leia war sich nicht sicher, woher dieser Gedanke gekommen war, doch wusste sie, dass sie auf ihn hören musste. Was sie sah, war vollkommen unfassbar, doch es geschah wirklich.

Die Shuttles und Rettungskapseln brachten schnell Distanz zwischen sich und die Station, inzwischen flohen auch größere Transportschiffe aus den Eingeweiden des Todessterns, steuerten sie Kapseln an und sprangen dann in den Hyperraum. Vaders TIE-Jäger konnte sie nicht mehr sehen, doch war ihr plötzlich völlig klar, was gleich geschehen würde, was ihr Zeichen sein würde.

Plötzlich raste der ungewöhnliche TIE-Jäger vom Todesstern fort und Leia starrte gebannt auf den künstlichen Mond Alderaans. Dann ging alles schrecklich schnell. Feuer schlugen an zahlreichen Stellen aus dem Todesstern und während Leia noch versuchte, diese Eindrücke zu verstehen, explodierte der gesamte Todesstern mit einer mächtigen Druckwelle. Ein glühender Ring ging vom Zentrum der Station aus und verging dann. Trümmer erfüllten den Raum um Alderaan und endlich begriff Leia, dass sie ihr Zeichen bekommen hatte. Eilig fuhr sie die Lebenserhaltungssysteme der Rettungskapsel hoch und atmete wieder frische Luft ein. Ihr Verstand verarbeitete das aktuelle Geschehen bloß langsam. Darth Vader hatte soeben den Todesstern zerstört.

Unsicher blickte Leia durch das Elektrofernglas und suchte nach dem speziellen TIE-Jäger, konnte ihn jedoch nicht entdecken. Vader war nirgendwo zu sehen. Leia rief sich stumm zur Ruhe. Sie hatte ihr Vertrauen nicht der falschen Person geschenkt, das wusste sie jetzt mit Gewissheit. Darth Vader hatte der Rebellion soeben einen großen Dienst erwiesen, gewiss würde er sie jetzt nicht im Stich lassen.



Leia unterdrückte einen Schrei, als ein altertümlicher Frachter sich ihrer Kapsel näherte und andockte. Hatte Vader dieses Schiff geschickt? Sie atmete tief durch und zwang sich, ruhig zu bleiben. Jemand klopfte gegen die Schleuse ihrer Kapsel.

„Wenn da ein Sturmtruppler drin ist, empfehle ich dem, seinen Blaster wegzulegen, sonst wird’s ungemütlich“, verkündete eine männliche Stimme mit deutlich amüsiertem Unterton.

„Ich habe keinen Blaster“, sagte Leia wahrheitsgemäß. „Und ein Sturmtruppler bin ich auch nicht.“

„Kein Sturmtruppler, das hört sich doch gut an. Dann öffne ich jetzt diese Schleuse und ich will dir raten, keinen Blödsinn zu machen.“ Mit diesen Worten machte er sich offensichtlich an der Verriegelung zu schaffen, die sich kurz darauf mit einem giftigen Zischen öffnete. Als sie zur Seite schwang, blickte Leia unversehens in die Mündung einer altertümlichen Blasterpistole.

„Reizend“, gab sie von sich und blickte den Besitzer der Waffe verärgert an. Dieser war ein Mann mit struppigem, braunem Haar und einem schelmischen Grinsen. Über einem fleckigen Hemd trug er eine abgewetzte Weste und einen Sturmtruppengürtel um die Hüften. „Und Sie sind?“

„Hey, ich stelle die Fragen, verstanden?“ Er ließ die Waffe ein wenig sinken, legte sie jedoch nicht aus der Hand. „Also, Schätzchen, welchen Rang haben wir denn inne? Lieutenant?“

Verständnislos schüttelte Leia den Kopf. „Ich gehöre nicht zum Imperium“, ließ sie den Mann wissen. „Ich lebe auf Alderaan.“

Der Mann schnaubte und grinste dann wieder. „Dann erklär mir mal, wie du es von Alderaan aus in eine Rettungskapsel geschafft hast, die um dieses eben explodierte Ungeheuer kreist.“

„Lange Geschichte. Aber vielleicht verraten Sie mir erst einmal, wer Sie sind?“

„Fein, seltsamer kann das ja nicht mehr werden“, stöhnte der Mann affektiert. „Da bin ich eben noch auf Tatooine und werde von so ‘nem alten Kerl und seinem… ah, so ‘nem Milchbubi von Feuchtfarmersohn belabert, ich soll sie nach Alderaan fliegen, um irgendwelche Pläne zu Bail Organa zu bringen – wohl Pläne für das Teil da – und dann kommt man kaum an und das Teil fliegt in die Luft!“ Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare du steckte den Blaster ins Halfter. „Wie auch immer, ich bin Captain Solo. Han.“

„Leia Organa“, stellte sie sich mit einem zuckersüßen Lächeln vor und genoss die entgleisenden Gesichtszüge.

„Vergiss es, dann wird es eben noch seltsamer, auch egal. Also schön, ich bringe dich – äh… Euch nach Alderaan und zieh‘ dann meiner Wege.“ Er drehte sich um und rang die Hände. „Chewie!“, rief er in Richtung Cockpit. „Kehrt Marsch, wir fliegen noch mal Alderaan!“ Ein fragendes Brummen kam aus dem Cockpit. „Ach, was weiß ich, wie’s aussieht, haben wir die entführte Prinzessin gefunden.“ Er drehte sich noch einmal zu ihr um. „Dann willkommen an Bord des Millennium Falken, Durchlauchtigste. Wenn Ihr wohl so gut wärt, die Kapsel zu verlassen? Ich würde sie gerne abwerfen.“

Leia griff sich das Elektrofernglas und trat an Bord des Millennium Falken. „Bitte nennen Sie mich nicht so“, beschwerte sie sich. Wo mochte Vader sein? Plötzlich befürchtete sie, er könnte in der mächtigen Explosion umgekommen sein, und ihr wurde mehr als deutlich bewusst, dass dieser Gedanke sie berührte.

„Geht es Euch gut, Durchlauchtigste?“, fragte Solo sie plötzlich. „Ihr wirkt ein wenig… verwirrt.“

„Nennen Sie mich nicht so“, wiederholte sie, direkter diesmal. „Ja, ich bin in Ordnung. Bringen Sie mich bitte einfach nach Alderaan.“



Mit einer starken Erschütterung setzte der Millennium Falke vor dem alderaanischen Königspalast auf. Regelrecht trunken vor Verwirrung stolperte Leia die Rampe hinab und sah ihren Vater, Bail Organa, erst auf den zweiten Blick.

„Leia?“, stammelte er überwältigt und ging einige Schritte auf sie zu, bevor er ausrief: „Leia!“ Sofort begann er zu rennen und schloss seine Tochter in die Arme, als er sie erreichte. „Leia, wie ist das nur möglich? Wie konntest du entkommen? Weißt du, was eben passiert ist?“

Leia – vollkommen überfordert – brachte ein ersticktes Schluchzen hervor und begann dann hemmungslos zu weinen.

Bail Organa rieb behutsam ihren Rücken und streichelte ihr Haar. „Ist schon gut“, tröstete er. „Das hat Zeit, beruhige dich erst einmal.“

Bevor sie noch ein Wort hervorbringen konnte, zerriss ein lautes Fauchen und Heulen die Luft. Leia löste sich von Bail und blickte zum Himmel. Ein erstauntes Keuchen entkam ihr, als sie Vaders TIE-Jäger erkannte.

„Was zum-…“, keuchte Bail Organa, während der TIE präzise neben dem Millennium Falken aufsetzte. „Ich rufe sofort die-…“

„Warte!“, stieß Leia aus und trat einen Schritt auf den TIE zu. „Er hat den Todesstern zerstört.“

Bevor jemand reagieren konnte, öffnete sich das Gehäuse des TIE-Jägers und niemand Geringeres als Darth Vader stieg aus seinem Inneren.

„Ich glaube, Ihr bringt da was durcheinander“, brachte Han Solo alarmiert hervor. „Der kommt wohl eher, um uns zu zerstören.“

Mit ausladenden Schritten näherte sich der dunkle Lord dem völlig perplexen Bail Organa und ließ sich vor dem Vizekönig von Alderaan respektvoll auf ein Knie sinken.

„Wa-was hat das… zu bedeuten?“, konnte Bail nur stammeln.

„Er hat den Todesstern zerstört“, wiederholte Leia. „Es stimmt, ich habe es gesehen. Er hat mich befreit und in der Rettungskapsel versteckt.“

„Ich habe wohl einiges zu erklären“, sagte Vader langsam. „Und das werde ich auch tun.“

„Ihr werdet kooperieren?“, fragte Bail Organa heiser. „Auch dann, wenn ich Euch abführen lasse?“

„Das werde ich.“

Mit bleichem Gesicht winkte er seine Wachen heran und forderte sie auf, seinen Gast in ein gesichertes Quartier zu bringen. Sofort erhob sich Vader auf die Beine und richtete sich zu seiner vollen Größe auf, bevor die beiden Männer zaghaft seine Oberarme umfassen, um ihn wegzubringen. Jeder der Anwesenden wusste, dass es pure Höflichkeit seitens Vader war, mit den beiden Männern mitzugehen, was die ganze Situation nur noch surrealer machte.

Han Solo starrte der Szenerie mit offenem Mund nach. „Was-… erklärt mir das bitte mal jemand?“

„Captain Solo“, sprach Bail ihn jetzt an, „bitte bleiben Sie doch noch. Ich hatte noch gar keine Gelegenheit, mich bei Ihnen für die Rettung meiner Tochter zu bedanken.“

Geistesabwesend nickte Han Solo und begleitete Bail und Leia ins Innere des Königspalastes. Leia strich mit einer Hand an der steinernen Wand entlang, als ihre Gedanken sich endlich wieder klärten. Sie konnte nicht erlauben, dass ihr Vater Vader einsperrte.

Vader hat mich gerettet“, stellte sie klar. „Und er hat den Todesstern zerstört.“

„Ruhig, Kind“, bat Bail, „wir werden das alles klären.“ Er atmete tief durch und sah aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen. „Aber alles der Reihe nach. Hat nicht Darth Vader dich zuerst einmal entführt?“

„Ja, stimmt schon, aber-…“

„Kann das nicht alles eine Falle sein?“

„Was?“, Leia ungläubig aus. „Er hat den Todesstern zerstört! Welche Art Falle soll das denn sein?“

Bail schwieg, stattdessen meldete sich Solo zu Wort: „Das wäre schon eine reichlich teure Falle.“

„Vor allem, wenn man bedenkt, dass er mich schon gefangen genommen hatte“, fügte Leia hinzu. Noch immer wollte die Tatsache, dass Vader ihr Vater war, nicht über ihre Lippen und sie schalt sich selbst für ihre Feigheit. Vader hatte ihr Vertrauen nicht enttäuscht und nun ließ sie zu, dass Bail Organa ihn einsperrte.

Schweigend ließ sie sich in den Salon führen, in dem sie sich plötzlich erschöpft und müde auf einen der weichen Sessel sinken ließ. Bail Organa entschuldigte sich mit einer Begründung, die Leia nicht recht aufnahm, und verließ den Raum. Han Solo fiel ungelenk auf einen anderen Sessel.

„Kann nicht behaupten, schon seltsamere Tage gehabt zu haben“, schnaubte er.

Leia antwortete nicht und legte sich eine Erklärung zurecht, die sie Bail Organa präsentieren wollte. Es war ihre Pflicht, diesen ganzen Sachverhalt aufzuklären, das schuldete sie Vader, ihrem Vater und nicht zuletzt auch sich selbst.

„Hab‘ ich das eben geträumt?“, fuhr er fort. „Oder war das wirklich Darth Vader?“

„Sie haben das nicht geträumt“, antwortete Leia tonlos, während sie noch immer nach adäquaten Worten suchte. Wie sollte sie die Ereignisse der letzten Tage bloß angemessen formulieren und ihre Überzeugungen verdeutlichen?

„Fühlt Ihr Euch nicht wohl, Durchlauchtigste?“, fragte Han und störte ihren Gedankengang.

„Sie sollen mich nicht so nennen!“, fuhr Leia ihn an. „Sie sind unmöglich! Sehen Sie nicht, dass ich nachdenken muss? Lassen Sie mich endlich in Ruhe, Sie ungehobelter Nerf-Hirte!“

Sein Gesicht nahm einen verdutzen Zug an, dann begann er schallend zu lachen. „Was für ein Temperament“, kommentierte er amüsiert. „Sehr gut, Prinzessin.“

Leia würdigte ihn keines weiteren Blickes. Sie würde ihrem Vater alles erklären müssen, doch wo sollte sie bloß anfangen? Im Augenblick war sie sich nicht einmal ganz sicher, ob sie selbst dies alles begriff. Konnte sie da von ihrem Vater verlangen, dass er Verständnis haben würde? „Wie soll ich das bloß alles erklären?“, sagte sie kaum hörbar zu sich selbst. „Das ist alles so kompliziert…“

„Darf man fragen, Teuerste?“, meldete sich Solo erneut zu Wort.

„Sie würden es nicht verstehen“, seufzte Leia resigniert und hüllte sich in Schweigen.

Ob der unhöfliche Han Solo plötzlich Einfühlungsvermögen entwickelt, oder schlicht das Interesse verloren hatte, konnte Leia nicht feststellen. Für seine neu entstandene Zurückhaltung war sie jedoch dankbar.



Als die Tür geöffnet wurde, blickte Leia auf. Ihr Vater trat in den Salon, begleitet wurde er von einem alten Mann in Jedi-Robe und einem jungen Mann mit zerzaustem blondem Haar, schmutziger Kleidung und einem deutlich verwirrten Gesichtsausdruck.

„Leia“, ergriff Bail das Wort, „es gibt da ein paar Dinge, die ich dir erklären-…“

„Darth Vader ist mein Vater!“, platze es aus Leia hervor, bevor sie es verhindern konnte. Erschrocken schlug sie ihre Hand vor den Mund.

Hinter ihr verschluckte sich Han Solo an den Worten, die er wohl zu äußern geplant hatte, und verfiel in einen heftigen Hustenanfall.

„Dann“, stammelte Bail, „weiß du es also schon…“

„Du wusstest das?!“, stieß Leia hervor.

„Ich… ich glaube, ich gehe jetzt besser…“, brachte Solo irritiert hervor, erhob sich auf die Beine und plante offenkundig, den Raum fluchtartig zu verlassen.

Was sie dazu veranlasste, wusste Leia selbst nicht, aber beherzt packte sie ihn am Kragen und hinderte ihn daran. Ein unbestimmtes Gefühl – vermutlich die Macht – sagte ihr, dass die anderen Anwesenden bereits bestens informiert waren und all ihre mühsam zurechtgelegten Erklärungen nicht brauchen würden, und mit einem Mal war die Gewissheit, einen Unwissenden an ihrer Seite zu haben, mehr als beruhigend. Nach alledem, was sie durchgemacht hatte, erschien es ungerecht, dass dieser alte Mann und dessen junger Begleiter den gesamten Sachverhalt bereits kannten.

„Sie hatten doch eben noch ein so großes Mundwerk?“, knurrte sie an Han gewandt. „Jetzt beweisen Sie mal, dass auch was dahinter ist, Nerf-Hirte.“

Er öffnete den Mund zur einer Erwiderung, hielt dann jedoch inne, als der Blick seiner Augen ihre traf. „Also gut“, gab er sich dann mit einem verschmitzten Lächeln geschlagen. „Wie hab mir das bloß wieder eingebrockt“, fügte er kaum hörbar hinzu.

„Du willst also wirklich, dass Captain Solo bleibt?“, fragte ihr Vater nach. „Eigentlich hatte ich vor, ihn zu belohnen und dann zu verabschieden.“

Han zuckte mit den Schultern. „Offensichtlich haben sich meine Pläne kurzfristig geändert.“

Bail Organa seufzte und gebot dann allen mit einer Handbewegung, sich zu setzen. „Ich habe dir bereits von meinem alten Freund erzählt“, begann er und deutete auf den alten Mann. „Das ist Obi-Wan Kenobi. Und das…“ Er deutete auf den jungen Mann. „…ist Luke Skywalker.“ Bail seufzte schwer. „Dein Bruder.“

Leia starrte ihn ungläubig an. Offensichtlich waren ihr Vater und die beiden Neuankömmlinge nicht nur bestens über die Punkte informiert, von denen sie wusste, sondern wussten noch mehr.

„Das ist sicherlich alles ein wenig viel auf einmal“, meinte Kenobi dann. „Aber ich will dir gerne alles erklären. Ihr beide, Luke und Leia, hättet nicht so früh die Wahrheit über eure Herkunft erfahren sollen, doch so, wie die Dinge nun liegen-…“

„Früh?“, fuhr Leia dazwischen. „Wie bitte, früh?! Mein Leben lang dachte ich, ich sei eine namenlose Kriegswaise und dann erfahre ich plötzlich, dass Padmé Amidala meine Mutter und Darth Vader mein Vater ist und dann kreuzt hier auch noch ein Bruder auf? Ich bin kein Kind mehr und dann heißt es, es sei noch zu früh?“ Sie atmete tief durch und versuchte, ihre Fassung zurückzugewinnen. „Ich glaube, Vader war ehrlicher zu mir… er hat der Galaxis außerdem einen großen Dienst erwiesen, als er den Todesstern zerstört hat.“

„Das war in der Tat unerwartet“, gestand Kenobi ein. „Eigentlich sind Luke und ich hierhergekommen, um die Pläne zu Bail zu bringen, aber das hat sich ja nun erledigt.“

„Ja“, stimmte Leia mit harter Stimme zu. „Und nachdem er das getan hat, wurde er hier eingesperrt. Das ist nicht richtig.“

„Das gilt es zu prüfen“, führte Kenobi aus. „In früheren Zeiten war er mein Schüler und ich würde es begrüßen, mich mit ihm zu unterhalten. Dann werden wir sehen, was als nächstes passiert.“

„So?“, erwiderte Leia patzig. „Und ich soll so lange ruhig hier warten, ja?“

„Schon mal YT geflogen?“, fragte Han Solo sie plötzlich.



Erst zwei Tage später erhielt sie die Gelegenheit, selbst noch einmal mit Vader zu sprechen, als ihr Vater sie endlich in sein gesichertes Quartier ließ. Leia war davon überzeugt, dass Vader aus reiner Höflichkeit blieb, wo Bail ihn haben wollte.

Als sie den Raum betrat, saß Vader mit überkreuzten Beinen in einer Ecke und regte sich nicht. Erst, als sie die Tür hinter sich schloss, sprach er sie an.

„Ich freue mich, dich zu sehen, Leia. Hattest du inzwischen ein wenig Zeit, um alles zu verstehen?“

Sie seufzte. Bail hatte ihr inzwischen erzählt, dass er in der Spieldose, derer Vader habhaft geworden war, eine Nachricht für sie hinterlegt hatte, für den Fall, dass er selbst nicht mehr die Gelegenheit bekäme, ihr alles zu erklären, doch alleine das Wissen um die Tatsache, dass ihr Vater die ganze Zeit über die ganze Wahrheit gekannt hatte, behagte ihr noch immer nicht. „Nicht richtig. Aber eine Sache stört mich ganz besonders. Warum haben Obi-Wan und mein-… und Bail Organa all die Jahre verheimlich, dass wir… wer wir sind?“

„Ist das nicht offensichtlich?“, gab Vader zurück. „Um euch zu beschützen.“ Mit einer Hand wies er auf ein großes Kissen, das in einiger Distanz vor ihm lag, und Leia ließ sich darauf nieder. „Das waren damals sehr schwierige Zeiten, das musst du verstehen. Ich war meinem Meister völlig ergeben und wäre – selbst wenn es nicht so gewesen wäre – gar nicht in der Lage gewesen, meinem Meister irgendetwas entgegenzusetzen, wenn er sich eurer bemächtigt hätte. Mein alter Meister hatte recht, euch vor mir und meinem neuen Meister zu verbergen. Das verstehe ich inzwischen. Ich habe nicht glauben wollen, dass mein Meister mich getäuscht hat, selbst jetzt nicht.“ Er schwieg einen Moment, bevor er fortfuhr. „Mein Meister hat mich all die Jahre glauben lassen, ich selbst hätte Padmé getötet. Ich habe nicht glauben wollen, dass er mich bewusst belogen hat, doch als ich mit dir gesprochen habe, hat die Macht mir endlich Klarheit gewährt. Ich war blind, Leia.“

Er streckte eine Hand von sich und aus einer anderen Ecke des Raumes schwebte ein kleiner, roter Kristall hinein.

„Ich kann nie wieder gutmachen, was ich getan habe, aber ich will mein Bestes versuchen.“ Er hielt ihr den Kristall auf seiner Handfläche hin.

Leia zögerte, als sie ihre Hand danach ausstreckte. Eine seltsame Melodie ging von dem Kristall aus, schwermütig und traurig. Sie war sich sicher, sich diesen Gesang einzubilden.

„Ich wusste es“, verkündete Vader. „Du hörst sein Lied, nicht wahr?“

„Was ist das?“, wollte Leia unsicher wissen.

„Das ist der Kristall aus meinem Lichtschwert. Bail Organa hat selbstverständlich nicht erlaubt, dass ich es hier im Palast behalte, also habe ich den Kristall entfernt. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn brauchen würde. Bitte, nimm ihn.“

Unsicher nahm Leia den roten Kristall von Vaders Hand und zuckte zusammen. Es ergab keinen Sinn, doch hatte sie plötzlich den Eindruck, als litte der seltsame Edelstein Schmerzen. In ihrem Innern hallte ein klagendes Lied wider und sie begann zu zittern.

„Es tut mir leid, ich habe ihn schlecht behandelt“, gestand Vader. „Ich habe ihn mir Untertan gemacht, ihn bluten lassen. Hör zu, du weißt, was du tun musst.“

Leia schloss die Augen und lauschte dem seltsamen Lied. Eine eigenartige Wärme ging von dem Kristall aus, der plötzlich vibrierte und pulsierte wie ein kleines Herz. Leia legte beide Hände darum und zog den Stein an ihre Brust. Eine ihr unbekannte Energie strömte durch sie hindurch, sie öffnete ihre Augen und sah den Kristall leuchten. Überwältigt nahm sie eine Hand darüber weg und betrachtete, wie der Stein seine Farbe von Rot zu Weiß wandelte. Das Lied veränderte sich, wurde leicht und klingend, der Schmerz schwand und endlich verstand sie.

„Er gehört mir“, hauchte sie.

„Ja“, bestätigte Vader. „Ich kann die verlorene Zeit nicht zurückbringen, aber ich kann dich mit der Macht vertraut machen.“

Leia erschrak. Sie wollte zu einer Erwiderung ansetzen, doch Vader kam ihr zuvor: „Aber vorher gibt es noch etwas, das ich tun muss, etwas, das nur ich tun kann.“ Mit diesen Worten erhob er sich abrupt und Leia tat es ihm nach. „Sorg dafür, dass die Rebellion erfährt, dass ich ihnen nichts Böses will, und sag Bail Organa, dass es mir leidtut, so überstürzt aufzubrechen.“ Er hielt einen Moment inne. „Und sag Obi-Wan, dass er mir nicht folgen soll.“ Dann, ohne ihr eine Gelegenheit zum Reagieren zu geben, öffnete er das Fenster und sprang aus dem siebten Stock, in dem sie sich befanden.

Erschrocken starrte Leia ihm hinterher und stellte verblüfft fest, dass er voller Anmut langsam gen Boden schwebte und dann mit erstaunlicher Geschwindigkeit über den Platz rannte.

Kurze Zeit später erhob sich der einzigartige TIE-Jäger in den Himmel und verschwand. Kaum eine Minute darauf stürzte Bail Organa in den Raum.

„Wie ist er entkommen?“, keuchte er aufgebracht.

„Er ist aus dem Fenster gesprungen“, antwortete Leia ruhig. „Er sagte, es gäbe noch etwas, das er tun muss und das nur er tun kann. Wir sollten ihm vertrauen.“



Eine Woche später gab es nur eine einzige Nachricht, die die Bürger des Imperiums interessierte: Imperator Palpatine war tot. So unmittelbar nach der Zerstörung der Kampfstation das Oberhaupt zu verlieren, versetzte dem Imperium einen schweren Schlag und mit der Hilfe einiger aufrichtiger Senatoren gelang es den Rebellen wenig später, die Republik wieder aufleben zu lassen, mit Bail Organa und Mon Mothma an der Spitze. Niemand wusste, was mit Vader, dem Vollstrecker des Imperators, geschehen war, doch Leia hielt ihr Vertrauen aufrecht.

Als er nach einem halben Jahr nach Alderaan zurückkehrte, erwartete sie ihn bereits. Han Solo – auch er schien sich auf Alderaan neuerdings heimisch zu fühlen – hatte ihr von einem sonderbaren TIE erzählt, der in einem benachbarten System gesehen worden war und ihr Gefühl hatte sofort bestätigt, dass es Vader war.

Diesmal wurde er nicht abgeführt, sondern wie ein Ehrengast begrüßt. Vader jedoch schien überhaupt kein Interesse an der Aufwartung zu haben, die man ihm angedeihen ließ. Ohne große Worte zog er sich in ebenjenes Quartier zurück, aus dem er sechs Monate zuvor verschwunden war. Er fragte nach Obi-Wan und Luke, doch beide hatten Alderaan bereits fünf Monate zuvor verlassen. Kenobi hatte auch Leia angeboten, ihr die Wege der Jedi näherzubringen, doch sie hatte abgelehnt. Es hatte noch etwas gegeben, das sie tun musste.

„Wo bist du gewesen?“, fragte sie ihn, als sie sein Quartier betrat.

„Es gab noch Dinge, die ich erledigen musste“, erklärte er. „Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat.“

Leia trat an ihn heran, umfasste eine seiner Hände und sah seine dunkle Maske mit festem Blick an. „Ich konnte mich noch gar nicht bedanken“, sagte sie.

„Das musst du auch nicht“, lehnte er ab und legte seine freie Hand über ihre.

„Doch“, beharrte Leia, „das muss ich.“ Sie atmete tief durch und wählte die Worte, die sie schon vor Monaten hätte aussprechen wollen: „Vielen Dank dafür, dass du die Galaxis gerettet hast… Vater.“





Mehr als zehn Jahre waren seit diesem Tag vergangen. Leia saß am Fenster und sah dem Schneetreiben draußen zu, während Han mit ihrem gemeinsamen Sohn Ben mit kleinen Modellraumschiffen spielte. Der Junge war gerade fünf Jahre alt und besaß mehr Energie, als Leia einem Kind je zugetraut hätte.

„Bald kann ich auch richtig fliegen“, verkündete Ben gerade fröhlich, als er sich die Miniatur einer corellianischen Korvette schnappte und sie über Hans Kopf hinwegführte.

„Da bin ich mir sicher“, stimmte Vader zu, der sich von dem niedrigen Hocker erhob, auf dem er bis gerade meditiert hatte. Sein blauer Umhang rauschte, als er sich auf die Beine erhob. „Aber vorher musst du noch ein wenig wachsen.“

Leia lächelte. Vader, tatsächlich Anakin Skywalker, hatte seinen Titel als Sith-Lord vor Jahren abgelegt, sich aber dennoch geweigert, seinen alten Namen wieder anzunehmen. Er hatte darauf bestanden, dass dieser Name ein Teil der Vergangenheit sei, ein Zeugnis dessen, was er verloren hatte. Ganz verstanden hatte Leia diese Entscheidung damals nicht, jetzt tat sie es. Damals hatte Vader auch seine Maske hellgrau lackieren lassen und den schwarzen Umhang abgelegt.

„Das geht ganz schnell“, rief Ben und brachte sie in die Gegenwart zurück.

Han wurde auf seine Ehefrau aufmerksam und zeigte sein charakteristisches Grinsen, als er ihren Gesichtsausdruck sah. „Hätte wohl niemand gedacht, dass der Krieg gegen das Imperium so endet, oder?“

„Wie denn?“, fragte Ben nach und ließ sich vor Leia auf den Boden plumpsen.

Leia lächelte und hob ihren Sohn auf ihren Schoß, bevor sie ihm die Geschichte erzählte:

„Alles begann mit einer kleinen Spieldose…“




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Die Spieldose stammt aus dem Buch "Blutlinie" und ist somit sogar kanonisch.
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