Venom: Oh du schöne Weihnachtszeit

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12
Venom / Eddie Brock
24.12.2018
24.12.2018
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Das Wichtigste vorweg:
Venom gehört nicht mir!
Alle Rechte gehen an MARVEL und die Produzenten des Filmes!!!

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Und da bin ich auch schon wieder. Wie versprochen pünktlich zu Heiligabend hier die Venom Geschichte, die ich für das diesjährige Weihnachtsfest geschrieben habe. Es hat mir sehr, sehr viel Spaß bereitet an dieser Geschichte zu arbeiten und ich hoffe sie wird euch gefallen und euch ein Lächeln auf die Lippen zaubern und euch so richtig in Weihnachtsstimmung bringen.

Ihr solltet diese beiden Geschichten kennen, bevor ihr diese Kurzgeschichte hier lest:
Etwas Seltsames: https://www.fanfiktion.de/s/5bf297e1000231ece6ff38a/1/Venom-Etwas-Seltsames
Im Winterwunderland: https://www.fanfiktion.de/s/5c0901cd000231ec34da29f0/1/Venom-Im-Winterwunderland

Ich kann empfehlen beim Lesen das hier zu hören: https://www.youtube.com/watch?v=DBEqC4TNzBc&t=319s

Vor allem der Part, der ab 5:50 startet war sehr inspirierend :).

Und vergesst bitte nicht das zweite Kapitel auch noch zu lesen, da dies ein kleiner Bonus ist ;).

Und nun wünsche ich euch allen ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Wie immer würde ich mich sehr über Feedback in Form eines Kommentares oder einer Review von euch freuen, denn ich würde gerne wissen wie ihr die Geschichten findet, die ich so schreibe. Vielen Dank.
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Oh du schöne Weihnachtszeit


Weihnachten war schon immer eine magische Zeit.

Selbst für jemanden wie Eddie Brock.

Doch sein Leben hatte sich in den letzten Monaten grundlegen verändert und nicht gerade sehr zum Positiven. Er hatte seinen Job verloren, hatte seine Verlobte verloren, da er sie hintergangen hatte und er wäre beinahe gestorben, als er sich mit Carlton Drake angelegt hatte. Inmitten seiner Labore war er dazu noch mit einem außerirdischen Parasiten infiziert worden, der ihm das Leben anfangs ganz schön schwer gemacht hatte. Doch nach und nach war ihm dieser Parasit ans Herz gewachsen. Sie waren so etwas wie beste Freunde geworden, hatten Seite an Seite gegen Drake und Riot gekämpft und die Welt gerettet.

Und dennoch…

Eddie merkte, wie ihm nach all diesen Ereignissen etwas fehlte.

Anne fehlte ihm und oft erwischte er sich dabei, wie er in Gedanken in vergangenen Zeiten schwelgte und sich wünschte, er könne die Zeit zurückdrehen.

Die Weihnachtszeit machte es nicht besser für ihn, sondern das komplette Gegenteil war der Fall, denn er fühlte sich so einsam wie nie zuvor und daher hatte er auch sofort den Job angenommen, der ihn nach New York führte. Vor einigen Tagen hatte er das Interview beendet und sein Auftraggeber war auch äußerst zufrieden gewesen, als er ihm den Artikel schon in derselben Nacht hatte zukommen lassen. Die restliche Zeit verbrachte Eddie damit Venom ein wenig mehr über die Menschheit und das Leben auf der Erde näher zu bringen, denn der Symbiont wollte ja unbedingt hier bleiben. Doch das hieß auch, dass er sich dem Leben auf der Erde anpassen musste, was soweit ganz gut funktionierte. Eddie hatte einige Grundregeln aufgestellt, an die sich Venom auch hielt. Doch trotz allem hatte der Reporter hier und dort das Gefühl, auf ein kleines Kind aufpassen zu müssen, denn Venom hatte viele Fragen und manche davon waren so lächerlich, dass Eddie sich des Öfteren dabei erwischte, wie er sich auf die Lippen beißen musste, um nicht laut loszulachen, was ihm vor allem in der Öffentlichkeit den ein oder anderen skeptischen Blick bescherte.

Doch insgeheim genoss er diese Zeit, vor allem, da Venom es immer wieder schaffte ihn von seinem Kummer abzulenken. Erst vor zwei Tagen hatte er dem neugierigen Außerirdischen erklären müssen was Schnee war und wozu er diente und es hatte lange gedauert, bis Venom verstand, dass Schnee kein gefräßiges Monster war, was den gesamten Planeten zerstören wollte, sondern etwas war, womit man sogar Spaß haben konnte. Als er an Letzteres dachte, knirschte Eddie mit den Zähnen, denn selbstverständlich musste der Symbiont dieses neue Wissen auch sofort an ihm ausprobieren. Viel zu oft schon war er das Versuchskaninchen für gewisse Dinge gewesen, doch auch dort gab es Grenzen, die Venom nicht überschritt. So waren zum Beispiel einige Körperstellen tabu für ihn, was der Symbiont auch respektierte, aber das hielt ihn nicht davon ab, andere Dinge auszuprobieren. Es schauderte Eddie immer noch, wenn er nur daran zurückdachte, als Venom herausfand was kitzelig sein bedeutete...

Der Journalist schüttelte den Kopf, versuchte diese Gedanken zu verdrängen und sich stattdessen auf die Zeitung in seinen Händen zu konzentrieren. Er hatte sich vor einer halben Stunde an den kleinen Schreibtisch gesetzt, den das Hotelzimmer hergab und hatte angefangen in der Lokalzeitung zu blättern. Sein Symbiont hatte sich irgendwann manifestiert und starrte seitdem gebannt aus dem Fenster und Eddie war der Meinung seine Aufregung spüren zu können, was ihn verwirrt eine Augenbraue anheben ließ und er drehte seinen Kopf zu Venom.

„Was gibt es dann da so Interessantes zu sehen?“

„So viele Lichter…“

Erst jetzt bemerkte Eddie, dass es draußen bereits stockdunkel war.

Hatte er wirklich so lange hier gesessen und Zeitung gelesen?

Es musste so sein, denn als er sich zu strecken begann, merkte er erst die Schmerzen in seinem Rücken, hörte das Knacken seiner Knochen und er spürte, wie seine Augenlider schwer geworden waren. Sachte rieb er sich über das Gesicht, versuchte seine Lebensgeister wieder zu wecken, ehe er aufstand und ebenfalls einen Blick aus dem Fenster riskierte.

Zugegeben, er mochte die Höhe immer noch nicht und anscheinend schien sein Symbiont gerade in seinen Gedanken zu lesen, denn er drehte ihm das Gesicht zu und schenkte ihm ein breites Grinsen, welches Eddie nur mit einem Augenrollen kommentierte und er entschied sich dazu ihn einfach zu ignorieren und stattdessen aus dem Fenster zu starren. Zum Glück war es bereits dunkel und so war die Höhe einigermaßen aushaltbar. Und erst jetzt bemerkte er all die schönen Lichter, die von den ganzen Weihnachtsdekorationen ausgingen, die überall in der Stadt aufgestellt oder aufgehängt worden waren und die Stadt in ein Lichtermeer tauchten. Der Schnee, der die Stadt noch immer bedeckte machte das Bild perfekt.

Wie lange war es wohl her, dass er so eine wunderschöne Weihnachtslandschaft hatte sehen dürfen?

Weihnachten war wahrlich die schönste Zeit des Jahres…

„Was ist Weihnachten?“

Erschrocken zuckte er zusammen, als Venom’s dunkle Stimme so plötzlich durch seine Gedanken schnitt. Als er sich die Frage noch einmal durch den Kopf gehen ließ, hätte er beinahe gelacht, doch er hielt sich selbst davon ab. Venom konnte ja schlecht wissen, was Weihnachten war, da er nie davon gehört hatte und auch sonst mit menschlichen Feiertagen nicht viel am Hut hatte. Aber wie sollte er ihm so etwas wie Weihnachten verständlich erklären?

„Kannst du nicht einfach in meinen Gedanken lesen?“

„Das habe ich schon…und es macht nicht viel Sinn.“

Natürlich…es hätte ja auch so einfach sein können…

Eddie setzte sich auf die kleine Fensterbank und fuhr sich mit den Händen durch das Gesicht.

„Oh man, wie soll ich dir das nur erklären? Weihnachten bedeutet für jeden Menschen etwas anderes, weißt du? Es gibt die, die an Gott glauben und es zu seinen Ehren feiern und dann gibt es Menschen, die es aus anderen Gründen feiern.“

„Und weshalb feierst du es?“

„Ich? Nun, ich würde nicht sagen dass ich es dieses Jahr feiere. Ich hab ja eh niemanden mit dem ich es verbringen könnte, mit Ausnahme von dir. Ich habe meine Weihnachtsfeste vorher immer mit Anne verbracht, weißt du? Und davor war ich bei meinen Eltern, aber das ist alles Vergangenheit.“

Die beiden schwiegen für eine Weile und jeder schien in seinen eigenen Gedanken zu sein. Venom nahm sich die Freiheit heraus in Eddie’s Gedanken zu lesen und was er dort zu sehen bekam, gefiel ihm überhaupt nicht, denn er konnte eine große Traurigkeit in ihm spüren, als er sich an die Letzen Weihnachtsfeste zurückerinnerte, die er mit Anne verbracht hatte. Er vermisste sie und wünschte sich insgeheim diese Zeiten wieder zurück.

„Können wir nicht rausgehen und uns die Lichter ansehen?“ schnitt Venom’s dunkle Stimme erneut durch seine Gedanken und Eddie hob den Kopf und sah dem Symbionten ins Gesicht, der seinen Blick erwiderte und ihn flehend ansah und das allein hob seine Stimmung gleich wieder ein bisschen an. Und da war noch etwas anderes in seinem Blick, was er nicht so ganz zu deuten vermochte. Fast so, als wolle Venom ihn von seinen traurigen Gedanken ablenken. Und Eddie wusste diese Geste sehr zu schätzen und so überlegte er nicht lange und erhob sich von seinem Sitzplatz.

„Wenn du das willst. Ich bin eh mit meiner Arbeit fertig und ich habe auch keine Lust den ganzen Abend hier rumzusitzen. Immerhin ist das unser letzter Abend in New York. Ich ziehe mir nur etwas Wärmeres an. Dann können wir gehen.“

Und aus den Augenwinkeln heraus konnte er sehen, wie Venom’s Grinsen breiter wurde und beinahe meinte er so etwas wie Vorfreude spüren zu können. Vorfreude, die nicht von ihm kam, sondern von seinem Symbionten. Aber das konnte auch nur Einbildung sein…


Die beißende Kälte begrüßte ihn beinahe wie ein Hammerschlag, als er aus der Hotellobby trat und sofort zog er seinen Schal enger um seinen Hals und zog sich die Kapuze seiner Jacke noch etwas tiefer ins Gesicht. Zum einen, um sich warm zu halten und zum anderen, um sicher zu gehen, dass niemand Venom sehen würde, denn der Symbiont hatte sich in seiner Kapuze versteckt um alles gut sehen zu können. Es war doch immer wieder erstaunlich zu sehen, wie klein Venom sich machen konnte, wenn er es wollte…

Eddie bestellte sich ein Taxi, welches ihn in die Innenstadt fahren würde, denn er hatte Venom erzählt, dass dort der größte Teil der Lichter zu finden sein würde und dort sollte auch ein riesiger Weihnachtsmarkt stattfinden und was gab es schöneres, als wie an einem verschneiten Abend in der Weihnachtszeit über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern?

Das Taxi brauchte auch nicht sehr lange, bis sie ihr Ziel erreichten. Es waren gerade mal fünfzehn Minuten und glücklicherweise waren die Straßen nicht so voll. Eddie bezahlte den Taxifahrer, gab ihm ein großzügiges Trinkgeld und dann machte er sich auf den Weg.

Um ihn herum erstrahlte jeder Baum in goldenem Licht, da überall Lichterketten angebracht worden waren. Selbst die Häuser um sie herum erstrahlten in den schönsten Lichtern. Weihnachtsmänner, Rentiere und herrliche Engel, die mit ihren Posaunen die Weihnachtszeit begrüßten schmückten ihre Wege. Venom wagte sich soweit aus der Kapuze heraus, dass er noch immer unsichtbar vor den Augen der anderen Menschen war, die ihnen entgegen kamen, aber dennoch weit genug um sich die Lichter und die Dekorationen ansehen zu können. Der schiere Anblick schien ihm die Sprache zu verschlagen, denn Eddie hörte nicht ein Wort von ihm. Er konnte nur wieder diese seltsame Freude spüren, die ganz klar von dem Kluntar ausging und ein kleines Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Gefällt dir, was du siehst?“

Er sprach zu ihm in Gedanken, da er nicht riskieren wollte von einem der vorbeigehenden Menschen dabei erwischt zu werden, wie er Selbstgespräche führte und es klappte auch ganz gut, denn Venom antwortete ihm nur wenig später mit einem simplen „Ja.“.

„Wenn das alles zu viel für dich wird, dann sag mir Bescheid und wir gehen wieder zurück, okay?“

„Nein Eddie. Es ist nicht zu viel. Es ist…so schön…“

Da war kein Hohn oder Spott in seiner Stimme. Nur Ehrlichkeit.

Venom meinte diese Worte ehrlich und Eddie war froh darüber. Schon damals, kurz nach ihrem ersten Zusammentreffen, als sie oben auf dem höchsten Punkt seines alten Arbeitsplatzes gestanden hatten, hatte er schon mal so etwas angedeutet. Venom mochte diesen Planeten und das hatte er Eddie, wenn nicht sogar der gesamten Menschheit bewiesen, nachdem er sich Riot so mutig entgegengestellt und für diesen Planeten gekämpft hatte.

„Denk nicht mehr an Riot. Er ist tot.“

„Manche Dinge kann man nur schwer vergessen, weißt du?“

„Dann versuch wenigstens heute nicht daran zu denken. Also. Was macht ihr Menschen an diesem seltsamen Ort?“

„Seltsam? Ein Weihnachtsmarkt ist doch nicht seltsam.“

„Für uns schon. Was ist das für ein komischer Typ dort hinten? So einen haben wir noch nie gesehen.“

Eddies Blick ging in die Richtung, in der der kleine Tentakel zeigte, der sich still und heimlich aus seiner Schulter heraus manifestiert hatte und nun auf einen dickbäuchigen Mann mit einem langen weißen Bart und roten Klamotten deutete.

„Das ist der Weihnachtsmann, du Dussel,“ sprach Eddie die Worte dieses Mal laut aus und dabei grinste er amüsiert.

„Kann man den essen?“

„Denk nicht mal dran, V!“

Dunkles Lachen füllte seinen Kopf und ließ ihn schaudern.

„War nur ein Scherz.“

Grummelnd ging Eddie weiter seines Weges.

Um ihn herum befanden sich verschiedene kleine Buden. Einige boten köstlich duftendes Essen an und er rollte mit den Augen, als sich der Kopf seines Symbionten wieder ein Stück weit nach vorne schob und er schon auf seine Schulter sabberte.

„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass man nicht auf andere Leute sabbert? Im Ernst, V. Hör auf damit. Das ist ekelhaft!“

„Wir können nichts dafür. Wir sind hungrig.“

„Schon wieder? Willst du mich verarschen?“

„Eddie~.“

„Nein. Wir haben gerad erst angefangen.“

„Eddiiiiiiiiieeeeeeee~.“

„Oh man…“

Bevor Venom noch irgendjemandem den Kopf abbiss, entschied Eddie sich dazu irgendwo etwas Essbares zu besorgen. Die Auswahl war riesig und als auch er die leckeren Düfte roch, da lief selbst ihm das Wasser im Mund zusammen, was sein außerirdischer Kumpel gleich für den nächsten Spott ausnutzte und ihm einen Spruch reindrückte.

„Ja, ja, du mich auch, V,“ murrte der Journalist, als er vor einer Bude stand die Steaks anbot und auf seine Bestellung wartete. Und dabei versuchte er das dunkle Lachen, was erneut in seinem Kopf ertönte, zu ignorieren…

Nachdem die beiden gegessen hatten, gingen sie weiter und Eddie versuchte seinem Freund alles so verständlich wie möglich zu erklären und Venom schien immer mehr Gefallen an den Gebräuchen der Menschen zu finden, auch, wenn er sie nur schwer verstehen konnte. Dieses Weihnachten fing er an dabei am meisten zu mögen. All diese Lichter sahen toll aus, es gab leckeres Essen, Menschen in komischen Klamotten (wie der Weihnachtsmann) und, das Beste: Es gab viele Süßigkeiten und natürlich bettelte er so lange, bis Eddie ihm ein paar davon kaufte.

„Wir wollen Anne auch etwas schenken, wenn wir wieder zu Hause sind.“

Das…kam überraschend und Eddie hielt kurz inne. Hatte er sich da verhört oder meinte Venom das ernst?

„Wir meinen das ernst.“

„Raus. Aus. Meinem. Kopf!“

Der Symbiont grinste nur, als er sich ein wenig aus der Kapuze wagte, denn er und Eddie standen etwas abseits des Weihnachtsmarktes hinter einer der Buden, wo sie von niemandem gesehen werden konnten.

„Wir mögen Anne und du hast uns vorhin gesagt, dass wir jemandem etwas schenken sollen, wenn wir ihn mögen. Außerdem wissen wir, dass es Anne gefallen würde.“

„Ach ja, Sherlock? Und woher willst du das wissen?“

Das Sherlock ignorierte er einfach mal und grinste noch breiter.

„Wir haben es in ihren Gedanken gelesen, als wir eins mit Anne waren.“

Stimmt ja, da war ja noch etwas gewesen. Damals, in diesem Waldstück. Kurz bevor Venom, oder Anne oder wer auch immer ihm da diesen merkwürdigen Kuss auf die Lippen gedrückt hatte. Das war mit Abstand der merkwürdigste Kuss seines Lebens gewesen und am liebsten würde er ihn vergessen…

„Warum will Eddie ihn vergessen?“

„Raus aus meinem Kopf, man!“

Sein Gesicht sah mittlerweile aus wie eine überreife Tomate und bevor Venom sich noch mehr über ihn lustig machen konnte, beschloss er einfach die nächst beste Bude anzusteuern und etwas für Anne zu kaufen, damit sein Begleiter endlich den Mund hielt. Was der natürlich nicht tat, denn er stichelte weiter, zog ihn auch weiterhin mit dem merkwürdigen Kuss auf.

„Anne sagte mir, dass dieser komische Kuss deine Idee war.“

„Es war nicht meine Idee…naja, vielleicht ein bisschen. Ich habe es in ihren Gedanken gelesen und ich wollte ihr nur helfen.“

„Warte mal, wie jetzt? Es ging von ihr aus und nicht von dir?“

„Mehr oder weniger, ja.“

„Wow…“

Anscheinend war da doch mehr als Anne es sich eingestehen wollte. Vor allem wenn sie nach all der Zeit immer noch solche Gedanken hatte…

„Das ist…gut zu wissen…“ murmelte er und er beschloss nicht weiter darüber zu reden, sondern schnell das Thema auf etwas anderes zu lenken und zum Glück fand er auch in dem Moment eine kleine Bude, wo viele kleine Dekorationsstücke, die perfekt in die Weihnachtszeit passten, verkauft wurden. Die Verkäuferin grüßte in herzlichst und Eddie versicherte ihr, dass er erst einmal alleine schauen wollte.

„Such du etwas aus.“

Auch Venom ließ seinen Blick über all die kleinen Figuren wandern und als er etwas Passendes gefunden hatte, deutete er mit einem kleinen, kaum erkennbaren Tentakel darauf. Es waren zwei Porzellanfiguren, ein Mann und eine Frau, die sich unter einem kleinen Mistelzweig küssten. Eddie drehte seinen Kopf soweit, dass er Venom aus dem Augenwinkel heraus sehen konnte und schenkte ihm einen Blick, dunkler als die finsterste Nacht.

„Nein!“

„Warum nicht?“

„Noch eindeutiger geht es ja wohl nicht, oder? Such was anderes aus…“

„Aber Eddie…“

„Nein, V. Was anderes.“

Ein Grummeln war zu hören, gefolgt von einem gemurmelten „Na schön,“ und Venom ließ seinen Blick erneut über die Auswahl an Figuren wandern.

Letzten Endes entschied er sich dann doch für einen Weihnachtsschlitten, der mit vielen Geschenken gefüllt war und von einem prächtigen und reich verzierten Weihnachtshirsch gezogen wurde.

Nachdem Eddie bezahlt hatte, stand er nur wenig später an einem kleinen Holztisch. In der Hand hielt er eine Tasse mit heißem Kakao und schweigsam und mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen lauschte er der Musik, die nicht weit von ihm gespielt wurde. Als die Sänger dann noch “Stille Nacht“ anstimmten, schlossen sich seine Augen fast wie von selbst und er ließ sich komplett in der Musik fallen. Alles, was ihm in den letzten Monaten wiederfahren war, war vergessen. Es gab keinen Streit mit Anne mehr, kein Arschloch von einem Boss, der ihn gefeuert hatte, keinen Carlton Drake und keinen Riot mehr. Es gab nur noch das Hier und Jetzt…

„Was machst du da?“ hörte er Venom nach einigen Augenblicken fragen, in denen er angefangen hatte das Lied mit zu summen.

„Mir gefällt die Musik. Und wenn einem Menschen die Musik gefällt, summt oder singt er mit.“

„Ihr Menschen seid komisch.“

„Sagte der Außerirdische der aussieht wie Flubber, wenn er keinen Wirt hat…“

Wieder war ein Knurren zu hören und Eddie grinste, hielt aber seine Augen geschlossen.

Seine Ruhe währte für volle drei Sekunden, eher er zusammenzuckte und beinahe seinen Kakao auf den Boden schüttete, als Venom ihm nicht gerade sehr sanft in sein Ohr biss.

„Was zum Teufel…?! Venom! Was soll der Scheiß?! Nicht beißen, man!“

„Das hast du davon, wenn du so gemein zu uns bist.“

„Ich und gemein? Wenn hier einer gemein ist dann wohl du, oder wer zieht mich schon den ganzen Abend lang auf?“

„Das ist doch nur Spaß.“

„Aber nicht für mich!“

„Ist Eddie jetzt sauer auf uns?“

Er konnte ehrliche Sorge in Venom’s Stimme hören und fast tat es ihm leid, dass er ihn gerade, wenn auch nur in Gedanken, so angefahren hatte. Ein Seufzen schlich sich aus seiner Kehle.

„Nein, bin ich nicht. Tut mir Leid, V.“

„Uns tut es auch leid. Wir wollten Eddie nicht wehtun.“

Der Journalist grummelte nur und nahm einen Schluck aus seiner Tasse.

„Wir würden Eddie niemals wehtun, denn wir lieben Eddie.“

Der junge Mann verschluckte sich beinahe an seinem Kakao, wofür er auch gleich einige merkwürdige Blicke von einigen Passanten bekam, die an ihm vorbeigingen und denen er versicherte, dass alles in Ordnung sei und nur der Kakao zu heiß war. Als er sich sicher war, das keine neugierigen Blicke mehr auf ihn gerichtet waren, drehte er seinen Kopf soweit auf die Seite, dass er Venom ansehen konnte, der ihn schon wieder breit angrinste.

„Was zum Teufel ist heute nur los mit dir? Du liebst mich? Ernsthaft? Was kommt als nächstes? Willst du mich heiraten, oder was?“ knurrte er leise, darauf bedacht das ihn ja niemand hörte.

Venom auf der anderen Seite legte den Kopf leicht schief und sah ihn konfus an.

„Eddie scheint uns falsch verstanden zu haben.“

„Oh nein, Kumpel, ich glaube Eddie hat dich schon richtig verstanden.“

„Ihr Menschen benutzt doch dieses Wort, wenn ihr jemanden mögt, oder nicht? Haben wir etwas Falsches gesagt?“

Ohhh, daher wehte also der Wind. Oh man, er sollte Venom wirklich mal beibringen wie er jemanden sagte, dass er ihn mochte ohne dass derjenige es noch in den falschen Hals bekam. So wie er gerade…

Eigentlich wollte er ihm gerade erklären, dass Liebe nicht ganz so das richtige Wort war, jedoch hielt er inne, als er selber darüber nachdachte. Im Prinzip war Liebe nicht das falsche Wort. Es kam nur auf die Situation und die Bedeutung an. Man konnte seinen besten Freund lieben, seine Geschwister, seine Eltern und dann gab es da noch romantische Liebe…das, was er damals mit Anne gehabt hatte…Verdammt! Jetzt dachte er schon wieder an sie!

„Jetzt haben wir Eddie traurig gemacht,“ hörte er den Symbionten leise sagen und aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie Venom seinen Kopf hängen ließ.

„Nein, nein. Das hast du nicht. Es ist alles in Ordnung und hey, wenn du willst, dann benutz halt dieses Wort, wenn du es magst.“

„Wirklich?“

„Ja, ist schon in Ordnung, V. Du konntest es ja nicht besser wissen.“

Fast sofort hellte sich die Miene des Symbionten wieder auf und er leckte Eddie über die Wange, was diesen beinahe aus seiner Haut fahren ließ, bei dieser rauen Zunge. Er wollte ihm schon den nächsten Spruch reindrücken, doch er entschied sich dagegen, als Venom sich in seinen Schal kuschelte und die Sänger beobachtete, die währenddessen ein anderes Weihnachtslied angestimmt hatten und nun „Hark! The herold angels sing“ sangen. Und auch er selber konzentrierte sich wieder voll und ganz auf die Musik und hing wenig später erneut seinen Gedanken nach.

Morgen würde er zurück nach San Franzisco fliegen und insgeheim freute er sich auch schon darauf Anne wieder zuzusehen, denn sie hatte ihn für das nächste Wochenende zum Essen eingeladen.  

Und nächstes Wochenende war Weihnachten…

Es würde wahrscheinlich nie wieder so sein wie früher, doch wenn er Venom’s Worten trauen konnte, dann waren da immer noch Gefühle für ihn. Und vielleicht, nur vielleicht, schaffte Eddie es ja diese Gefühle irgendwann aus ihr herauszukitzeln.

So oder so hatte sie ihn nie wirklich verlassen, denn sie waren immer noch Freude und selbst Eddie konnte sehen, dass da noch mehr war, als nur Freundschaft. Wann immer sie ihn ansah, konnte er es in ihren Augen sehen und der Anblick gefiel ihm. Vielleicht würde es nicht in diesem Jahr oder im nächsten Jahr passieren, vielleicht musste er auch in halbes Leben warten, doch er war sich sicher, dass sie eines Tages den ersten Schritt auf ihn zu machen würde.

Und Eddie würde auf sie warten und die Tür zu seinem Herzen immer für sie aufhalten…
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