Maat - Staffel 1

GeschichteAbenteuer / P16
23.12.2018
25.11.2019
18
38990
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Bevor es losgeht, bleibe ich meiner Synchro-Affinität treu und vergebe die Stimmen (soweit ich Ideen dafür habe) - sobald neue Stimmen/Charas dazukommen, schalte ich die Infos vor;-):

Titi - Julia Ziffer (Ihr realer Charakter passt auf Titi wie der A... auf den Eimer.)

Hatschepsu -  Marius Clarén (alias: Papyrus)

Ramses IX. - Wolfgang Ziffer (alias: Merenre: So ungeeignet sein realer Charakter auch ist - stimmlich gesehen gab es nie einen Besseren für den Sohn des Ra, es gibt keinen, und es wird wahrscheinlich auch nie einen Besseren geben )

Hatschepsut - wieder meine Wenigkeit (Wer wissen will, wie sich meine Stimme anhört, kann gerne via PN oder Kommi anfragen:-D)

Hori - Klaus-Peter Grap (alias Dr. Daniel Jackson, Tscha-u: Auch hier passt der reale Chara.)

Nefi - Marie-Luise Schramm (alias: Toph)

Iach-mes: Andreas Hosang

Gott Ra: Raimund Krone (wie in der originalen Trickserie, alias Worf)

Fünf Jahre waren nun seit jenem schicksalhaften Talfest vergangen, nach dem die Nachfolge für  Ramses IX. festgelegt worden war - fünf Jahre, in denen der junge Mann nichts anderes getan hatte, als zu lernen: die Gotteswortschrift zu lesen wie zu schreiben, ihre Kursivform - das Hieratisch - zu beherrschen, die Geschichte der Beiden Länder in allen Einzelheiten und vieles mehr, tatkräftig unterstützt von seiner Gemahlin, der zukünftigen Königin Titi.

Wieder einmal fand das Schöne Fest vom Wüstental statt, und wie in den vergangenen Jahren auch, huldigte Ramses der Herrin des Djeser djeseru, Hatschepsut, in besonders langwieriger Art und Weise in der Hoffnung, von ihr endlich eine Antwort auf die zunehmende Leere in seinem Herzen zu erhalten, die ihm mehr und mehr zu schaffen machte, seitdem der Kronprinz immer besser allein zurechtkam.
"Vater, du machst mir Sorgen - du siehst in letzter Zeit so... bekümmert aus.", sagte Titi, die Geierhaube auf dem Kopf, nach den mehrtägigen Zeremonien zu ihm.
"Das täuscht, mein Liebes - ich bin im Moment eben nur ein bisschen aus dem Gleichgewicht. Das gibt sich, du wirst sehen.", versuchte er sie hinters Licht zu führen.
"Wen willst Du hier eigentlich zum Narren halten? - Das kannst du vielleicht meinem Ehemann erzählen, aber nicht mir.
Was ist also mit dir los?", fragte sie ungeduldig, da sie in Gedanken bereits mit den kommenden Verpflichtungen des späteren Nachmittags beschäftigt war. Ramses spürte das. Daher gab er ein wenig brüsk zurück: "Nichts, was dich betrüben müsste."
Damit machte er auf den Fersen kehrt und ging in seinem gewohnt anmutigen Schritt zu seinen Gemächern, um dort ein wenig Ruhe zu finden in den heißesten Stunden des Tages, doch er wurde wieder einmal enttäuscht, denn von der anderen Seite des Ganges her drangen nur wenig später lautes Gelächter, Musik und Stimmengewirr zu ihm herüber.
'Also halten die Kinder eines ihrer Mittagsgelage mit ihren Freunden ab, anstatt Kräfte für die nachmittäglichen Audienzen zu sammeln.', sagte er sich, begab sich nach draußen in den Garten und spähte nach der großen, wunderschön sandfarbenen Hündin, die ihn schon seit vier  Jahren von Zeit zu Zeit besuchte, und die an den möglichsten und unmöglichsten Orten auftauchte.
Doch heute blieb auch sie unauffindbar.
Also ließ er sich zu seinen Landgütern bringen, die sich ein wenig außerhalb Wasets befanden. Dort widmete er sich einer großen Leidenschaft: der Fürsorge für sein Volk, die er durch die Neuzüchtung von Getreide-, Gemüse- und Obstsorten zum Ausdruck zu bringen gedachte... zumindest auf den Ländereien, die ihm gehörten - Tempelland war und blieb immernoch unantastbar. Leider.
Amenhotep, sein Verwalter und Ratgeber, begrüßte ihn gewohnt ehrerbietig und ruhig.
"Leben, Kraft und Gesundheit, Gebieter. Was führt Euch hierher?"
"Ich möchte sehen, welche Fortschritte unsere Bemühungen hervorbringen."
"EURE Bemühungen, Majestät.
Nun, noch kann man nichts Genaues sagen - wir müssen abwarten, welche Gesundheit, welchen Geschmack, welchen Wert die Götter Euren neuen Pflanzen verliehen haben."
"Gut. Und was machen die Tiere?"
"Die Rinder, die Ihr Euren bereits bestehenden Herden zuführen wolltet, müssen wir leider noch immer getrennt halten - wir können sie nicht zu den anderen auf die Weide lassen, das wäre viel zu gefährlich für alle Beteiligten."
Was er da hörte, machte Ramses ganz gegen seine Natur ernsthaft wütend: "Du hältst sie den ganzen Tag eingesperrt im Stall? Bist du nicht bei Trost?"
Kopfschüttelnd ging er selbst zur Weidefläche hinüber, die sich direkt am Fluss befand, befahl Amenhotep, ein paar Pflöcke einzuschlagen, ging dann zu den großen Stallgebäuden, und zum Entsetzen des Verwalters führte er den Leitstier seiner wilden, fünfköpfigen Herde selbst zum Grasen auf die Wiese, wo er sie an die Pflöcke band.
"Gebieter, wie habt Ihr...?", setzte Amenhotep an, der vor Angst ganz blass geworden war.
"Das sind Wildrinder, die man zu Zeiten meiner Vorfahren noch als Jagdtrophäen abgeschlachtet hat, aber dafür sind sie viel zu schön... und lebend viel nützlicher, wenn man richtig mit ihnen umgeht."
Tatsächlich senkten die Tiere die Köpfe zum Fressen, nachdem sie sich mißtrauisch umgesehen hatten, dass von nirgendwo her Gefahr drohte - sie waren anders als Hausrinder. Liebevoll kraulte Ramses den Stier am Schulterblatt, während er den Verwalter belehrte: "Diese Geschöpfe darf man nicht dauerhaft in einem dunklen Stall einsperren - dafür sind sie nicht geschaffen worden.
Lass sie hier draußen Tag und Nacht. Und lass sie ruhig an unseren Rindern schnuppern. Wenn es soweit ist, werden sie sich schon vermischen und dann kannst du sie gänzlich frei laufen lassen."
"Aber werden sie denn nicht flüchten?"
"Nein, sie bleiben, wenn sie genügend Futter und Wasser vorfinden. Warum sollten sie unnötig Energie verschwenden?
Und nun muss ich zurück nach Waset."
"Ein langes Leben, Majestät!"
Damit machte Amenhotep seinen Fußfall, und der Herr der Beiden Länder kehrte in den Palast zurück.

Hatschepsut, in ihrer Hundegestalt hinter den Stallungen gut verborgen, hatte alles mit angesehen und war fasziniert von dem, was sie da gesehen hatte, konnte sie sich doch den Inhalt des Gesprächs zusammenreimen, das sie nur halb verstand. Sie war überrascht, festzustellen, dass es jemanden gab, der so dachte wie sie, und dennoch ganz anders war - geduldig genug für Pflanzen vor allem. Denn wenn sie etwas nicht besaß, dann war es Geduld.
Schnell folgte sie seinem Streitwagen, jedoch in gebührendem Abstand, damit er sie nicht bemerkte. Sobald sie wieder in seinem Zuhause waren, wollte sie ein bisschen mit ihm spielen, den Kummer wenigstens vorübergehend etwas zurückdrängen, der sich seiner bemächtigte und von dem er keine Ahnung hatte, woher er kam, sie jedoch ganz genau wusste, was es damit auf sich hatte. Wie lange es wohl dauern würde, bis er dahinterkam, was ihm fehlte? - Bei seinem ramessidisch-gelassenen Temperament konnte das leicht eine halbe Ewigkeit dauern.
Doch vielleicht wurde dieser Vorgang durch die sich anbahnenden Ereignisse etwas beschleunigt.
Denn während der Audienzen glänzte weder der junge Prinz, noch seine Gemahlin durch geschickte Wortwahl, Strategie oder gar Willensstärke - wie üblich in dieser Dynastie.
So kam es, dass plötzlich ein Besuch des Paares in Pi-Ramesse von den Vertretern des Amun-Tempels Ipet-sut in Karnak in den Raum gestellt wurde, und das Einzige, was Ramses noch retten konnte, waren ein paar Tage Bedenkzeit, ehe man seine Entscheidung verkündete.
Hatschepsut hörte, versteckt hinter einer der zahlreichen Säulen des Thronsaals, mit wachsender Bestürzung und Aggressivität zu, und als die Sitzung endlich nach Sonnenuntergang endete, folgte sie den Dreien auf die große Säulenterrasse, wo sie sich abermals verbarg, um das Gesprochene mitzubekommen.
"Majestät, ich muss dieser Bitte der Amun-Priester nachkommen, denn sie haben Recht. Wenn ich schon in dieser Dynastie herrschen soll, dann ist es meine Pflicht, mir ihre Hauptstadt anzusehen. Und Titi war noch niemals dort."
"An sich musst du als Pharao eigentlich überhaupt nichts.", wies Ramses den jungen Mann sanft zurecht.
"Glaub mir, ich kenne diese zungenfertigen Heuchler - sie sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, können das jedoch sehr gut verbergen, indem sie alles so hinstellen, als sei das Beste für sie gleichzeitig das Beste für dich und damit das Beste für die Beiden Länder. So allerdings ist es nicht, aber momentan hat es noch keinen Sinn, dir so etwas nahebringen zu wollen, weil du es noch durch Erfahrung lernen musst.
Ich bitte euch trotzdem, nicht nach Pi-Ramesse zu fahren, weil..."
"Ach, Vater...", fiel ihm Titi rasch ins Wort.
"Hatschepsu und ich hatten eigentlich beschlossen, in den nächsten Tagen abzureisen, um keine Zeit zu verlieren - ich möchte die Stadt Ramses' des Großen unbedingt sehen, und außerdem lebt dort doch jede Menge Verwandtschaft von uns, oder?", ereiferte sie sich.
"Ja.", gab der Vater säuerlich zurück.
"Im wahrsten Sinne des Wortes: JEDE Menge."
Er wandte sich abrupt ab:"Tut, was ihr nicht lassen könnt - erwartet aber weder meinen Segen, noch meine Begleitung in dieser Sache."
Damit ging er mit kerzengeradem Rücken in seine Gemächer - die Audienz war beendet.
Der Kronprinz blieb mit seiner jungen Frau allein auf der Terrasse zurück und sagte:"Meinst du nicht, wir sollten diese Entscheidung noch einmal überdenken?"
"Nein. Was auch immer er hat - er kommt schon wieder zur Vernunft.
Ich jedenfalls mache mich jetzt fertig für die Nacht. Kommst du dann nachher zu mir in mein Zimmer?"
Mit einem eindeutigen Blick sah sie ihn an.
Lächelnd antwortete er:"Wenn du es wünschst..."
Dann waren auch sie verschwunden.
Hatschepsut verließ ihren Horchposten hinter der Säule und trottete wie von einem mächtigen Schlag getroffen zu Ramses' Tür, wo sie sich kratzend bemerkbar machte.
Kurz darauf streckte der Bewohner des großzügigen Gemachs den barhäuptigen Kopf heraus, und die Hündin setzte sich brav zu seinen Füßen hin, von wo aus sie ihn aufmerksam anschaute.  
"Was machst du denn jetzt hier?", fragte er verwundert, bückte sich und streichelte das Tier am Kopf, doch Hatschepsut zog ihn ungeduldig an seinem einfachen, weißen Schlafschurz, den er bereits für die Nachtruhe angelegt hatte - sie wollte spielen und sich dabei abreagieren, den Zorn loswerden, der sich ob der Geschehnisse angesammelt hatte.
Doch Ramses schüttelte das Haupt, als sie mit einem großen Ast angelaufen kam, den sie in den Platanen unterhalb der Terrasse fand.
"Tut mir Leid, meine Liebe, aber du findest mich nicht in der Stimmung fürs Stöckchenwerfen vor - ich wäre gerade kein guter Spielgefährte. Wirst dir einen anderen Kameraden suchen müssen."
Er wollte schon wieder durch die Tür treten, als ihn plötzlich laute Geräusche aus Titis Zimmer innehalten ließen - deutlich war ihr Stöhnen, aber auch das ihres Mannes zu hören.
Der Hund knurrte kurz angewidert.
"Das ist fast jeden Abend so - ich kann nur hoffen, dass Titi ihre Akazientriebe regelmäßig einsetzt. Nicht, dass ich nicht gerne Großvater werden würde - dann hätte ich wenigstens wieder eine Aufgabe - aber ein Kind in diese Situation hinein zu gebären, wäre der Gipfel der Verantwortungslosigkeit."
Er schüttelte sich innerlich und die Hündin ließ ihren Ast fallen, zog Ramses wieder am Schurz, aber nicht, weil sie spielen wollte, sondern von hier weg ein wenig spazieren gehen, und Ramses, den momentan nichts hier hielt, beschloss, mit ihr hinunter zum Teich zu wandern.
Dort angekommen, hielt er, wie seine Tochter es zu tun pflegte, Füße und Unterschenkel in das schwach von einer schmalen Mondsichel beleuchtete Wasser, nachdem er sich aufseufzend an den Rand gesetzt hatte, Hatschepsut zu seiner Linken.
Wie üblich, ohne darauf zu achten, dass er gerade mit einem Tier sprach, sagte er zu ihr:"Ich glaube, ich ahne langsam, weshalb ich mich schon einige Zeit so... leer fühle.
Seit Titi mit Hatschepsu ihr eigenes Leben führt und mich nicht mehr braucht, fehlt mir jedweder innerer Antrieb."
Er zog die Beine aus dem kleinen Teich, in dem seinerzeit das kleine Fläschchen lag, dessen Inhalt Baket-Weret, genannt Neferu, dieser unbedarften, zarten und jungen Frau das Leben kostete, die ihm zwei Söhne und eine Tochter geboren und die er so sehr geliebt hatte - bildete er sich jedenfalls ein.
Über seine angewinkelten Knie hinweg blickte er in die dunklen Fluten. Dann legte er die Arme darum, neigte sich nach vorne, vergrub das Gesicht und die Tränen liefen ihm über das Gesicht, obwohl er kein Wort sprach.
Das hatte Hatschepsut noch nie erlebt - nie hatte sie einen ihrer Amtskollegen weinen sehen, nicht einmal ihren Halbbruder Thutmosis, aber dies hier geschah auch nur deshalb, weil er nicht wusste, wer sie war, sonst hätte sein Stolz diese Situation nie zugelassen.
Mitfühlend wandte sie sich ihm zu, legte eine Pfote an seinen Schenkel und leckte seinen linken Unterarm.
"Ach, du...", sagte er kläglich und kraulte sie hinter den Ohren.
"Kannst du mir nicht sagen, warum ich mich in letzter Zeit so einsam fühle, obwohl all dies hier schon so lange her ist? - Nein, natürlich kannst du das nicht."
Durch die Nähe des Hundes etwas getröstet, lächelte er ein wenig und zog sie näher an sich, verbarg das Gesicht in dem warmen Pelz.
Nun traf Hatschepsut ihrerseits eine Entscheidung, nämlich ins kalte Wasser zu springen.
"Vielleicht willst du sie ja wiederhaben.", sagte sie leise an seinem Ohr. Sofort riss er die großen, leicht mandelförmigen Augen auf und rückte von ihr ab.
"Diese Stimme kenne ich doch... HATSCHEPSUT???", fragte er verblüfft.
"Ich sagte doch, dass du meinen Namen anrufen sollst, wenn du mich brauchst. Dies hast du häufig und ausdauernd getan.
Nun... hier bin ich."
"Wie kommst du dazu..."
"... dich in einer solchen Lage aufzusuchen, geschweige denn so zu behandeln?", kam sie ihm zuvor.
"Ich weiß, wie stolz ihr Söhne des Ra seid!"
Sie senkte die Stimme:"Wer könnte es denn besser wissen als ich?
Glaubst du also, ich habe umsonst diese Gestalt angenommen?"
Bevor Ramses jedoch antworten konnte, fügte sie rasch hinzu:"Na ja - es hat schon auch andere Gründe, die ich mir selbst zuzuschreiben habe, momentan jedoch nicht weiter wichtig sind."
Geschmeidig, aber wortlos kam er auf die Füße - ein Zeichen allergrößten Mißfallens - und wollte sich wieder auf den Weg zu seinen Gemächern machen, doch Hatschepsut machte einen letzten Versuch, indem sie sich selbst ein paar Schritte von ihm entfernte und respektvoll niedersetzte, stets darum bemüht, den Blick zu senken.
"Ich kann dir helfen, sie wiederzusehen!", rief sie ihm hinterher.
Er blieb, mit dem Rücken in ihre Richtung, abrupt stehen, ohne sich jedoch umzudrehen.
"Bitte denk wenigstens darüber nach!", bat sie noch, als er schon im Gehen begriffen war.
"Und verzeih mir, Mery.", ergänzte sie leise, aber er hörte es nicht mehr.
Review schreiben