Tonband

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
23.12.2018
23.12.2018
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Zuerst war es Pepper gewesen, mit der er hatte unbedingt reden wollen. Er hatte ihr einfach sagen wollen, nein, sagen müssen, was sie ihm bedeutete. Er hatte es ihr nie oft genug gesagt, als er sie noch in den Armen halten konnte, er würde sich nicht gegen die Ironie des Schicksals wehren und es ihr jetzt, wo der Sauerstoff knapp wurde und das Essen schon lange nicht mehr reichte, verschweigen.

Diese Frau hatte sein Herz in den Händen gehalten, sein kleines, verkrüppeltes Herz, und hatte es geliebt. Trotz all seiner Fehler, und Tony hatte zahlreiche, und all seinen sehr obskuren Ticks. Sie hatte zu ihm gehalten und wenn sie sich auch manchmal gestritten hatten („Ich kann das nicht Tony“, wisperte sie, so wunderschön obwohl sie gerade weinte und Tony das Herz brach, sie sah so wunderschön aus das es schmerzte), am Ende hatte er es fast geschafft. Er hatte es fast geschafft jemanden glücklich zu machen, nur einmal in seinem Leben hatte er sich fast dazu überreden können, an ein Happy End zu glauben.

„Nur mal so nebenbei, orientierungslos durchs Weltall treiben ohne jede Chance auf Rettung ist lustiger als es klingt.“, erzählte er ihr also, in der Hoffnung, dass irgendjemand, irgendwann diesen Haufen Schrott finden würde. Einst war die Rüstung sein ganzer Stolz gewesen, das, was ihn aus Afghanistan gebracht hatte, was ihn fast zu einem Helden gemacht hatte. Am Ende war es alles egal gewesen, am Ende war sie trotzdem nicht stark genug gewesen um Thanos aufzuhalten.

Ein lächerlicher Tropfen Blut hatte der selbsterklärte Auserwählte des Schicksals bezahlen müssen. Ein Tropfen gegen Milliarden von Lebewesen. Es war eine unfaire Gewichtung, egal wie man es drehte.

Es war wirklich nicht schlimm ohne jegliche Hoffnung im Weltall umherzutreiben, seine Reisebegleitung war ein blauer Cyborge und morgen würde ihm der Sauerstoff ausgehen. Aber es war nicht ganz so schlimm wie es sich vielleicht anhören mochte, nicht so schlimm wie seine Mutter auf dem Video zu sehen, nicht so schlimm wie als Rhodney vom Himmel viel, nicht so schlimm wie Sibirien, nicht so schlimm wie der Moment, als von Peter Parker nur noch Staub übrig gewesen war.

Müsste er ein Ranking aufstellen, dass langsame Ersticken in einer Büchse aus Blech irgendwo zwischen den Sternen lag irgendwo im hinteren Mittelfeld.

Es würde sogar wahrscheinlich fast angenehm werden. Nicht so, wie als ein Schrapnell sein Herz fast geteilt hatte, es würde wie einschlafen sein. Ein Schlaf, ohne Traum, ohne Kluften im Himmel und eisige Kälte in den Fingern.

„Essen und Wasser sind vor vier Tagen ausgegangen, Sauerstoff wird morgen früh verbraucht sein. Doch ich werde, wenn ich langsam einschlafe, von dir träumen.“, erklärte er ihr, Pepper und vielleicht auch Nebula, die wie eine eingesperrte Raubkatze durch das Schiff tigerte.

Er würde Pepper ein letztes Mal sehen, vielleicht sogar so, wie es fast hätte sein können. Sie, wunderschön und lächelnd und mit einem weißen Kleid. Sie hatte sich noch nicht entschieden, ob sie einen Schleier haben wollte, aber Tony hatte ihn sehr schön an ihr gefunden. Und es war sein Sterbensfantasie, also würde Pepper wahrscheinlich einen Schleier tragen und sie würde lächeln, lächeln als wäre Extremist nie geschehen, als wäre er ein guter Mensch, jemand der sie verdiente.

Und dann würde er sterben. Damit konnte er sich abfinden.

Er würde sein Testament in einem zerbeulten Helm hinterlassen, ein gefallener Held mit zerschlagener Rüstung, der seiner Liebsten ein letztes Lebenszeichen zukommen lassen wollte.

„Es gab immer nur dich.“

Das Problem war, dass er nicht so schnell sterben würde. Das Problem war, dass seine Technologie eben gut war, auch wenn nicht gut genug um die Welt zu retten.

Nachdem er also seinem Fixstern im Universum alles erzählt hatte, nachdem er einige Minuten seinem eigenen Atem gelauscht hatte und dem rhytmischen klack klack von metallenen Füßen auf metallenen Boden, da hatte sein unfassbar nichtsnutziger Kopf schon ausgerechnet, wie viel Speicherplatz noch vorhanden war.

Also sprach er mit Rhodney. Er erzählte ihm von den Blaupausen, erklärte ihm so gründlich wie er es in seinem Zustand hinbekam, wie er Friday wieder online bringen konnte, wo die Sicherheitskopien waren und dass es Tony leid tat, dass er es wie immer vermasselt hatte. Wie damals, als er gesagt hatte, er würde nichts auf der Party trinken und am Ende sich auf dem schäbigen Teppich von Rhodneys Mitbewohner übergeben hatte.

Er hatte es vermasselt und sein Freund hatte für Tonys Sünden gebüßt, hatte seine Beine verloren. Und war trotzdem Tony nie von der Seite gewichen.

„Womit habe ich dich nur verdient?“ fragte er seinen besten Freund über eine Entfernung von mehreren Lichtjahren während er in die blau erleuchtenden, wenn auch ständig flackernden, Augen seiner Rüstung sah.

Und dann sprach er mit Bruce, denn Bruce wusste am besten, was man mit all dem Kaudawelsch anfangen konnte, den Tony der Welt hinterlassen würde. Außerdem musste Tony ihm noch sagen, dass seine Sachen noch im Tower waren, dass seine Lieblingsteemischung immer noch im Regal stand und dass Tony sich noch einmal das Konzept für, für was noch einmal angeschaut hatte?

Er hatte es vergessen, sein Gehirn fing jetzt schon an, ihm Streiche zu spielen, immer wieder auszufallen und dabei hatte er noch Zeit! Er brauchte noch Zeit, er hatte 24 Stunden ausgerechnet und 24 Stunden würden es sein.

Er blinzelte, als Nebula ihn schüttelte.

„Ach Bruce“, murmelte er verklärt und versuchte sich krampfhaft daran zu erinnern, ob er alles gesagt hatte, ob er seinem Freund Sorgen bereiten würde, ob er irgendetwas vergessen hatte. „Ach Bruce, Cyborgs hätten wir zusammen bauen sollen, die sind viel besser als Ultron.“ Nebula betrachtete ihn ausdruckslos und ging wieder, um ihre Runden zu drehen.

Vision.

Sam.

Er sagte Natascha, dass sie seine russischen Filme haben konnte.

Er sagte Harley, dass er gut auf Dummy aufpassen sollte.

Er sagte Peter, dass es ihm leid tat.

Er sagte Barnes, dass er ihm verzieh, dass es nicht seine Schuld gewesen war, dass Hydra in der Hölle schmoren werde und dass jetzt doch auch bestimmt sehr viele Leute von denen tot waren und es dann vielleicht doch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit gab.

Er sagte Wanda, dass sie seinen Segen hatte, und dann verlor er für ein paar Minuten das Bewusstsein, denn seine Stunden schrumpften so unaufhörlich, wie seine Stimme. Aber er hatte so viel Platz in seinem Helm. Also machte er weiter.

Er hinterließ sogar Strange eine Nachricht, obwohl er sich nicht ganz sicher war, ob er nicht ein wenig zu viel geflucht hatte, den Zauberer nicht ein wenig zu sämtliche Leiden der Welt an den Hals gewünscht hatte. „Du verdammter Idiot“, hustete Tony irgendwann, nachdem seine Wut verraucht, und nichts als Leere übrig war. „Du hast dein Leben gegen meins eingetauscht und jetzt sterbe ich auf einem Raumschiff. Ich bin mir nicht sicher, was du in deinem Trip gesehen hast, aber irgendwie hast du dich verrechnet.“ Und dann entschuldigte er sich, weil er bei ihrer ersten Begegnung diese blöde, heilige Vase angefasst hatte.

Er erzählte Quill von Sibirien, erklärte dass er es verstand, dass er die Wut gefühlt hatte, aber dass es nun mal alles ruiniert hatte.

Er hatte einen Timer eingerichtet, sah also seine Lebenszeit im wahrsten Sinne des Wortes ablaufen, sah zu wie die Sekunden dahintickten, wie seine Lungen krampften und seine Sicht verschwomm.

Er würde sterben. Und dabei an Pepper denken.

Er drückte ein letztes Mal auf den Aufnahmeknopf, schloss die Augen und hörte Nebula zu, wie sie ihre Pfade weiter austrat. Er dachte an Pepper und daran, dass sie eine ganze Welt verdient hatte. War sie stolz auf ihn?

„Hallo Cap“, sagte er nach zwei tiefen Atemzügen. „Hier ist Iron Man.“

Er hoffte auf ein gutes Ende, denn mit Peppers Gesicht vor Augen und zu wenig Sauerstoff im Gehirn konnte man nicht anders als zu hoffen. Vielleicht ohne ihn, aber er würde es versuchen, würde dafür kämpfen und wenn es nur seine Stimme auf Band war.

„Um es kurz zu fassen, laut einem Magier stehen unsere Chancen so eine Milliarden zu eins. Und hier ist was ich darüber weiß: …“
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