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An Era Awakens - Effie & Haymitch

von Skyllen
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Effie Trinket Haymitch Abernathy OC (Own Character)
22.12.2018
17.10.2021
23
78.602
11
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29.05.2019 2.723
 
Reaping

Die restliche Zeit bis zur Ernte verbrachte Haymitch auf dem Sofa. Er versuchte die vielen Stimmen um ihn herum, so gut es ging zu ignorieren. Genauso wie er sie zu ignorieren versuchten, während er langsam in einen schlaf ähnlichen Zustand abdriftete.

Erst Petunias schrille Stimme ließ ihn auffahren. „Haymitch! Wirst du wohl endlich aufstehen? Du bist nicht zu deinem Vergnügen hier!“

Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich und er richtete sich auf, um den ganzen Raum besser im Blick haben zu können. Ein weiterer Grund, weshalb er den Tag der Ernte hasste. Er erinnerte ihn immer ein wenig, an seine eigene Ernte. Natürlich war er nicht zu seinem eigenem Vergnügen hier. Was dachte sich diese Frau eigentlich?

Der Raum hatte sich geleert, einzig Effie Trinket stand noch im Türrahmen, und schaute etwas verunsichert zu ihm herüber. Mit zwei großen Schritten stand er neben ihr und beäugte sie skeptisch, ohne Petunia auch nur eines Blickes zu würdigen.

„Am besten, du stellst dich gleich einfach zu mir, während Petunia mit ihrer Abschiedsrede beginn“, flüsterte sie ihm ins Ohr, als Petunia mit erhobenem Kopf an ihnen vorbeizog. Sie folgten ihr schweigend, doch Haymitch konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Er nickte Effie zu, die ihn erwartungsvoll anschaute, denn ihm fiel auch nichts besseres ein. Anwesenheit war Pflichtprogramm, sodass er sowieso nicht um die Ernte herumkommen würde.

Sie folgten Petunia durch die langen Flure und kamen schon bald am Haupteingang an. Die großen maroden Türen waren bereits geöffnet und Petunia winkte Effie zu sich, die schnell und mit kleinen federnden Schritten auf sie zu trippelte, denn sie war bisher an Haymitchs Seite gegangen.

„Du setzt dich dort hin“, wies Petunia sie an und deutete auf die zwei Stühle, die rechts vom Mikrofon standen. Hinter der Kugel für die Jungen. Hinter seine Kugel. Aus den Augenwinkeln warf sie ihm einen schelmischen Blick zu.

Für einen Augenblick packte ihn blinde Wut und er wusste nicht einmal warum. Sie musste Effie gehört haben. Ohne die beiden eines weiteren Blickes zu würdigen, schritt er an ihnen vorbei nach draußen und wollte sich schon auf die linke Seite setzten, als Effie ihn am Arm packte.

„Bitte tu nur heute einmal, was sie sagt“, murmelte sie und der Blick in ihren Augen war beinahe flehend. Sie biss sich auf die Lippe.

Haymitch hob eine Augenbraue, doch als sie ihre Hand nicht von seinem Arm löste, seufzte er. Stumm folgte er ihr zu den Stühlen, die Petunia ihnen zugewiesen hatte und fragte sich, wieso er nachgegeben hatte. Schließlich konnte ihm doch egal sein, wie Effie Trinket heute ankommen würde. Sie war nur ein weiteres arrogantes Weib, das hier ihre Karriere auf Vordermann bringen wollte.

Effie sah erleichtert aus, und dennoch wich der nervöse Ausdruck nicht aus ihren Augen. Sie setzte sich links von ihm auf den Stuhl, um in wenigen Augenblicken ohne große Mühe ans Mikrofon treten zu können.

Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen und atmete tief ein, um all die Gedanken abzuschütteln, die ihr durch den Kopf spukten. Die Unwissenheit, was ihre Arbeitgeber von ihr halten würden. Die Angst, dass sie in den Augen ihrer Eltern nicht gut genug sein würde. Die Furcht, dass sie nicht besser sein würde als Gwyneth. Effie hatte gerade noch Zeit, sich das letzte Mal das Kleid in die richtige Position zu zupfen, als einer der Kameraleute ihnen das Zeichen gab.

Haymitch bemerkte die Anspannung, die plötzlich von Effie auszugehen schien. Er neigte leicht den Kopf in ihre Richtung und sah, dass sie ihre Augen geschlossen hatte. Ihre rechte Hand war zu einer verkrampften Faust verschlossen und ihre Lippen zusammengepresst. Der letzte Enthusiasmus schien verflogen. Dann flatterten ihre Lider auf und fingen seinen Blick auf.

Irgendetwas in seinem Körper zuckte vor ihrem Anblick zurück. Er sah die Furcht in ihren Augen und plötzlich konnte er nicht mehr glauben, dass diese Angst alleine von der bevorstehenden Ernte kam. So eine große Sache war sie ja wohl auch nicht, oder? Im Kapitol gab es eine Reihe von überaus wichtigen Events. Haymitch wusste nicht, wann er das letzte Mal diesen Ausdruck gesehen hatte, doch er kam ihm bekannt vor. Und Dinge die ihm bekannt vorkamen, konnten nur schlecht sein. Mit einer grimmigen Miene wandte er den Kopf ab.

Erst jetzt fielen die vielen Kinder in sein Blickfeld. Sie standen eingepfercht in den vorgegebenen Bereichen und starrten auf das Szenario auf der Bühne. In diesen Minuten war ihnen jede Ablenkung recht. Da würde sogar eine neue Betreuerin interessant sein.

Die Kinder waren nach Altersgruppen geordnet. Die Jüngsten standen ganz vorne, die Zwölfjährigen, und ganz hinten standen die Achtzehnjährigen. Die Kleinsten in die erste Reihe zu stellen war unheimlich unglücklich. Sie waren immer die dürrsten, ausgehungertsten und blassesten all der Kinder und Jugendlichen. Haymitch konnte ihren Anblick nicht ertragen, während Effie mit etwas Neugierde durch die Reihen schaute.

In diesem Augenblick schritt Petunia zum Mikrofon und lächelte breit in die Runde, als würde es heute etwas umsonst geben. Ihre Lippen schienen zu breit für ihr Gesicht. Zu künstlich.

Petunia betrachtete sich einen Moment auf der Leinwand, bevor sie ihren Mund öffnete, als würde sie die Jugendlichen auf die Folter spannen wollen. Haymitch schnaubte, etwas zu laut und Effies Augen bohrten sich in seine. Und zum ersten Mal sah er etwas wie Wut in ihrem Blick. Seiner Meinung nach eine willkommene Abwechslung. Er hatte keine Lust mehr, auf die ewig gute Miene zum bösen Spiel.

„Willkommen, willkommen zu den Vierundsechzigsten alljährlichen Hungerspielen! Nun, wie jedes Jahr ist nun wieder die Zeit gekommen, zwei Tribute auszuwählen, die die Ehre haben werden, Distrikt Zwölf in diesem wundervollen Spektakel zu vertreten!“, rief Petunia mit ihrer herrischen Stimme und wollte wohl fröhlich klingen, doch für Haymitch klang sie einfach nur abartig. Genauso wie ihre Worte.

Die Menge reagierte nicht. So wie jedes Jahr. Sie starrten sie einfach nur an, als wäre sie das schwarze Schaf in einer Herde voller weißen. Um ihre Aufregung noch zu verdeutlichen, hob sie beide Hände und klatschte zweimal, doch die Menge blieb weiter still und man konnte Petunia ansehen, dass sie Mühe hatte, sich zu beherrschen. Ihr linkes Auge zuckte, doch Haymitch war überhaupt nicht nach Grinsen zu Mute. Sein Kopf sehnte sich nach einem Drink, um diese Ernte wieder so schnell wie möglich zu vergessen. Bis zum Zug. Nur bis zum Zug.

„Die Spiele schreiten voran und damit auch die Jahre. Und langsam wird es Zeit, unserer neuen Generation Platz zu machen. Ich freue mich deshalb besonders sehr, euch allen heute nun meine Nachfolgerin vorstellen zu dürfen.“ Petunia geriet wieder ins Reden und Haymitch nutze den Moment, um sich zu Effie rüber zu beugen.

Er wusste nicht wirklich, wieso er es tat, als er ihr ins Ohr flüsterte: „Sei nicht überrascht, Süße, wenn dein Auftritt gleich nicht so sein wird, wie du es dir all die Jahre erträumt hast. Einfach Lächeln und so tun, als wäre alles so, wie du es dir vorgestellt hast, okay?“

Überrascht drehte sich Effie zu ihm und fand sein Gesicht wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Er sah gut aus, musste sie feststellen. Sein Sieg war zwar vierzehn Jahre her, aber er war nicht älter als 30. Doch sie hatte viele Geschichten über ihn gehört. Widerwärtige Geschichten. Für einen Augenblick schien alles vergessen. Verwirrt erwiderte sie seinen Blick, nickte dann aber.

„Bitte begrüßt ganz herzlich mit mir eure neue Betreuerin, Effie Trinket!“ Das war Effies Zeichen. Mit einem riesigen Lächeln auf den Lippen, schwang sie sich vom Stuhl und trippelte zum Mikrofon, das Petunia ihr nun völlig überlassen hatte.

Petunia war die Einzige, die klatschte. Die Jugendlichen starrten Effie an, als wäre sie gerade vom Mond gefallen. Die Jüngeren neugierig, die Älteren abwertend und die Erwachsenen vorwurfsvoll. Haymitch klatschte nicht. Er beobachtete sie einfach nur, als sie sich den Kindern zuwandte und für einen Augenblick sprachlos blieb. Doch ihr Lächeln schwand keine Sekunde.

Dann begann sie zu sprechen. „Hallo, Mädchen und Jungen aus Distrikt Zwölf. Mein Name ist Effie Trinket und ich werde euch ab diesem Jahr auf dem Weg der Hungerspiele begleiten. Wie auch in den Dreiundsechzig Jahren vor euch, müsst auch ihr euch wieder dem Ritual der Ernte stellen.“ Sie beteuerte, wie sehr sie sich auf ihre zukünftige Zusammenarbeit freute, als hätte der ganze Distrikt etwas damit zu tun.

Haymitch seufzte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Nun ist der Augenblick gekommen, an dem eine mutige junge Frau und ein mutiger junger Mann ausgewählt werden, um in Ehre ihren Distrikt bei den diesjährigen Hungerspielen zu vertreten. Ladies first!“ Effie Trinkets breites Lächeln war nicht halb so schlimm, wie das von Petunia, musste Haymitch feststellen.

Trotzdem wurde ihm schlecht, als sie mit trippelnden Schritten auf die Loskugel der Mädchen zuging. Dann tauchte sie ihre Hand in die Kugel und für einen Moment schien es totenstill. Haymitch konnte die stummen Gebete beinahe hören. Jeder wünschte sich, dass die Neue vielleicht doch Glück bringen würde. Doch in seinen Augen gab es so etwas wie Glück nicht. Nicht mehr...

Er hasste die Ernte. Er hasste es, dabei zuschauen zu müssen, wie das Leben zweier Kindern aus ihren Fugen gerissen wurde. Er hasste das Gefühl in seinem Magen, als müsste er sich gleich übergeben. Ohne den Alkohol in seinem Blut fühlte es sich an, als wäre er in der Zeit zurückgereist. Vor ihm stand nicht mehr die junge Effie, sondern sein Mädchen. Ihr vor Angst verzerrtes Gesicht, als er auf die Bühne gerufen wurde. Ihr Versuch, zu ihm zu gelangen. Er konnte ihren Geruch riechen, ihre Haare in seinem Nacken und ihre zarte Hand in seiner spüren. Die großen Augen seines kleinen Bruders, den er über alles in der Welt hatte beschützen wollen.

Effie ließ sich Zeit, wollte wohl etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich richten, bevor sie endlich einen Zettel aus der Kugel fischte und mit erhobenen Hand geradewegs auf das Mikro zulief. Sie sah aus wie eine Puppe. Eine Puppe geschickt vom Kapitol, um den Tod zu bringen.

Die Stille hielt an. Haymitch hasste das Gefühl. Es war, als würde für einen Augenblick die Zeit stehen blieben. Als würde irgendeine übermenschliche Erscheinung darüber entscheiden, ob sie eingreifen, oder lieber weiter schweigen sollte. Plötzlich bekam er keine Luft mehr. Das Gefühl der Einsamkeit drückte ihn herunter, wie lange nicht mehr. Er war allein. Sie sind alle tot.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, faltete Effie Trinket den Zettel auseinander und las ohne zu zögern. Ihre Stimme hallte klar und deutlich über den Platz. Zu sanft. Zu weich. Zu lieblich. Ein wahrer Todesengel. „Eustace Burrow.“

Doch Haymitch kannte die Wahrheit. Die Wahrheit war, dass es immer jemanden treffen würde. Es war unvermeidlich.

Seitdem er aus der Arena zurückgekehrt war, mied er jeden Kontakt mit den Bewohnern von Distrikt 12. So gut, wie es ihm eben gelingen konnte. Und doch konnte er nicht anders, als wütend den Blick abzuwenden, als er das junge Mädchen sah, jenes wie verdattert aus der Kindermenge trat. Das Schicksal meint es nicht gut mit uns.

Das Mädchen kam aus der Reihe der Dreizehnjährigen. Es hatte langes, leicht gekräuseltes hellbraunes Haar und war definitiv eine der kleineren Dreizehnjährigen.

Haymitch seufzte. Sein Blick wurde härter, als er beobachtete, wie sie sich zurückhaltend und mit gesenkte Kopf einen Weg durch die Menge nach vorne bahnte und leicht schwankend die Stufen zum Podium hinaufstieg. Es schien, als hoffte sie, gleich aus einem schrecklichen Albtraum zu erwachen. Doch das hier war schlimmer als jeder Albtraum. Das hier waren die Hungerspiele.

Effie begrüßte das Mädchen leise und mit großem Lächeln, aber Haymitch konnte die Überraschung in ihrem Blick sehen. Was hatte sie denn gedacht? Gutaussehende und wohl ernährte Kinder, die sich als geheime Killermaschinen entpuppen würden? Da war sie in Zwölf definitiv am falschen Ort.

Effie führte das Mädchen zum Mikrofon und wandte sich ihr zu. „Nun, Eustace, wie alt bist du?“, fragte Effie sie in einem ruhigen Tonfall, wahrscheinlich um ihr klarzumachen, dass es nichts gäbe, worüber man sich Sorgen machen müsste. Erzeugen Sie die Illusion von Sicherheit, so kooperieren die Kinder schneller und es ist für jeden einfacher. Haymitch konnte Snow beinahe reden hören.

Eustace beachtete Effie keine Sekunde. Ihr Blick fuhr über die Menge und blieb an einer Frau hängen, die mit Tränen in den Augen zurück starrte. Ihre Mutter. Wie viel Mühe hatte es sie gekostet, ihre einzige Tochter zu ernähren, nur um sie nun an die Spiele zu verlieren? Eustace wollte wütend sein, doch das einzige was sie spürte war Erleichterung. Nun würde sie niemandem mehr eine Bürde sein.

Mühevoll wandte sie den Blick ab. „Dreizehn“, sagte sie. Das Zittern in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Sie ballte ihre Hände zu kleinen Fäusten, um die Kontrolle über ihren Körper zu behalten.

Effie war enttäuscht. Sie hatte gehofft, jemanden zu ziehen, mit dem sie sich im Kapitol hätte sehen lassen können. Jemand, der Siegespotenzial hatte. Doch die Chancen dieses kleinen Mädchens gingen gegen null. Sie war zu klein, zu sanft und zu unerfahren. Aber Effie war niemand, die sofort alle Hoffnungen aufgab. Sie war jemand, die sich darum bemühte, das Beste auszuschöpfen. Eustace war zwar kein Model, aber mit ihrer natürlichen Ausstrahlung könnte sich sicher etwas machen lassen. Zumindest hoffte sie das.

„Wundervoll! Einen Applaus für unser diesjähriges weibliches Tribut von Distrikt Zwölf!“ Effies hohe Stimme schallte über den gesamten Platz. Mit jedem Wort, mit jeder Bewegung, wuchs ihr Selbstbewusstsein. Es war kein großer Unterschied zu den Veranstaltungen im Kapitol und Effie war geübt darin, auf der Bühne zu stehen.

Effie und Petunia waren die Einzigen die klatschten. Petunia war vertraut damit, doch Effie wunderte sich darüber, wieso die Bewohner von Distrikt 12 so abweisend waren. Schließlich ging es hier um ihr eigenes Kind. Um ein Mitglied ihrer Gemeinschaft. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass nicht einmal Haymitch klatschte und nahm sich vor, ihn später darauf anzusprechen.

Während sie Eustace die Schulter tätschelte, musterte sie das Mädchen genauer. Es hatte ein liebliches Gesicht. Viele Sommersprossen, die einen hübschen Kontrast zum hellen Teint bildeten. Doch für Effie waren die intensiven grünen Augen das Highlight. Der erste Blick sagte bereits sehr viel für die Sponsoren aus, doch würden sie die ersten Nahaufnahmen sehen, würde keiner mehr Eustace' Schönheit leugnen können.

„Kommen wir nun zu den Jungen“, sagte Effie und lenkte das Geschehen wieder auf sich. Sie ließ ihre Hand wieder etwas wandern, bevor sie einen Zettel zog. „Ramon Caravan.“

Für einen Moment herrschte wieder Stille. Sogar die Vögel waren verstummt. Diesmal dauerte es länger, bis sich der Junge aus der Menge löste. Er kam aus der Riege der Siebzehnjährigen. Groß, breit gebaut und mit zerzausten dunkelbraunen Haaren.

Effie strahlte und machte sich schnell daran, den jungen Mann auf die Bühne zu holen. Sein Blick war grimmig und es schien so, als verweigere er es schlicht und einfach, sie anzuschauen. Stattdessen suchte auch er die Menge wahrscheinlich nach seiner Familie ab.

„Und wie alt bist du?“, fragte Effie ein weiteres Mal, doch es war nicht zu übersehen, dass sie diesmal sichtlich zufrieden war. Ramon war ein perfekter Kandidat. Er war mehr als einen Kopf größer als sie, stark und ziemlich gutaussehend. Olivfarbene Haut, dunkle Augen, darauf würden sich die Sponsoren stürzen, wie wilde Tiere auf Fleisch.

Ramon antwortete ohne zu zögern. Seine dunklen Augen bohrten sich feixend in Effies. „Siebzehn.“ Seine Stimme war kalt und berechnend und ließ sie erschaudern. Effie hob leicht ihre Augenbraue, sodass es für die Kameras unbemerkt blieb und Ramon grinste arrogant in die Runde.

Nun schien alles schneller vorüber zu gehen. Effie wandte sich noch mit ein paar Worten an die Bewohner von Distrikt 12, wünschte allen fröhliche Hungerspiele und winkte Haymitch dann zu sich, als die beiden Tribute im Justizgebäude verschwanden. Sie hatten genau eine Stunde, um sich von ihren Familien zu verabschieden.

„Was hältst du von ihnen?“, fragte Effie und ließ sich zu Haymitch zurückfallen, der etwas abgeschieden vom Rest der Gruppe ging. Ihre blauen Augen waren groß und er konnte die Aufregung sehen. Schließlich war es ihr erstes Jahr und ihre Hoffnungen und Ansprüche waren hochgeschraubt.

Haymitch zuckte mit den Achseln und zwang seinen Blick weiter auf den Flur. „Keine Ahnung, besorg mir einen Drink und ich verrat's dir, Süße.“ Alles in ihm, jede einzelne Zelle dürstete nach einem Drink.

Effie lachte. Es klang wie ein heller Glockenschlag. „Tut mir leid, ich wüsste nicht, wo man hier so etwas besorgen könnte“, erwiderte sie und strich sich ihr Kleid zurecht.

Doch Haymitch war nicht nach Lachen zu Mute.
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