Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Reihenwechsel

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
22.12.2018
23.02.2021
9
37.714
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.02.2021 5.834
 
Kapitel 9: Gefühlsverwirrungen



Die erste Zeit bei Kai in Wolfsburg war echt noch sehr gewöhnungsbedürftig. Wir wussten beide nicht, wie wir mit dem jeweils anderen umgehen sollten. Ich zog mich die ersten Tage oft ins mir überlassene Schlafzimmer zurück, versuchte etwas zu lesen oder schrieb hin und wieder mit Nadja per WhatsApp. Am ersten Tag nach unserer Ankunft war ich immer wieder versucht, Christoph zu schreiben, doch schaffte es, dem Drang zu widerstehen. Er hatte sich auch nach zwei Tagen weiteren Versuchen nicht mehr gemeldet und umso mehr er mich in Ruhe ließ, umso weniger musste ich tatsächlich an ihn denken. Im Endeffekt war ich froh, dass die Sache schon so früh passiert ist, wo alles noch am Anfang war und noch nicht ganz so viel Gefühl investiert wurde. Ich wusste sowieso nicht, ob ich Christoph das, was da passiert war, jemals wieder verzeihen könnte. Manchmal dachte ich auch an Michi, fragte mich, was er gerade machte, wie es ihm ging und war auch da versucht, ihn anzurufen, aber es würde ohnehin nichts bringen, ich hatte ihn dafür viel zu sehr verletzt und mit seinem letzten Wutausbruch hatte er mich dazu noch verunsichert.

Nach den ersten drei Tagen Rückzug hatte ich genug davon und traute mich ins Wohnzimmer. Kai war anfangs überrascht, doch tat anschließend alles, damit ich mich wieder wohler fühlte.


Nun lebte ich mittlerweile zwei Wochen hier mit Kai zusammen. Die Zeit schien nur so daher zu rasen. Kai und ich verstanden uns nach meinem anfänglichen Rückzug mittlerweile echt gut und es war angenehm mit und bei ihm. Wir verbrachten seine gesamte freie Zeit miteinander, räumten gemeinsam seine Wohnung auf, sahen fern, gingen ein wenig raus, lachten miteinander, gingen gemeinsam ins Fitnessstudio, wo ich anfing, ein wenig was für mich und meine Fitness zu machen und waren auch sonst so oft es ging zusammen. Nachdem er die ersten Nächte im Gästezimmer geschlafen hatte, während ich das Schlafzimmer für mich alleine beanspruchte, schliefen wir seit zwei Tagen - nach einigen Überredungskünsten meinerseits - in einem Bett, doch außer ein wenig harmloses Kuscheln passierte nichts zwischen uns, auch wenn ich die letzten Tage merkte, dass er immer mehr auf Tuchfühlung zu mir ging, ohne mir dabei zu nahe zu kommen. Und umso länger ich mit ihm zusammen war, umso mehr war ich bereit, mich wirklich auf ihn einzulassen. Es war sogar zeitweise schon so weit, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich von ihm geküsst zu werden, aber diesen Wunsch wollte Kai mir (noch) nicht erfüllen. Ganz offenbar wollte er nichts überstürzen.  


Mittlerweile war es Oktober und Kai hatte an diesem Donnerstag wie üblich Training. Sein bester Kumpel Sebastian würde ihn wohl abholen kommen und ich hatte ein paar Stunden die große Wohnung wieder für mich alleine. Zeit, um sich mal wieder bei Andy zu melden, mit dem ich seit meiner Ankunft hier nicht mehr gesprochen hatte, obwohl ich eigentlich vorhatte, mich regelmäßig bei ihm zu melden. Kai war noch im Schlafzimmer am werkeln, als es an der Tür klingelte.

„Ich mache schon auf“, rief ich und ging zur Wohnungstür.

Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis Sebastian vor mir stand.

"Hey, alles okay?", wollte er von mir wissen und sah mich prüfend an.
"Ja, klar. Alles soweit in Ordnung. Komm rein. Kai packt noch seine Sachen." Ich wagte kaum, ihn anzusehen. Seit dem Vorfall vor zwei Wochen hatte ich ihn nicht mehr gesehen, da Kai meistens selbst mit seinem Wagen zum Training oder Spiel gefahren ist.
"Danke. ... Das mit dem Wochenende, dass tut mir leid. Wirklich. Hätte ich gewusst, wie das endete, dann hätte ich diesen dämlichen Vorschlag mit diesem kindischen Spiel nie gemacht. Wirklich."
"Schon okay. Wer konnte sowas auch ahnen? Zum Glück lief zwischen Christoph und mir noch nicht allzu viel. ... Hast du mal wieder was von ihr gehört?", fragte ich vorsichtig nach.
"Ja. Sie versucht dauernd, mich zu kontaktieren. Aber ich lasse sie noch ein wenig schmoren. Wir sind schließlich schon seit ein paar Jahren zusammen und ich war auch nicht immer die Unschuld vom Lande."
"Also wirst du ihr verzeihen?"
"Nur, wenn sie mir schwört, dass das nie wieder passiert. ... Hey. Wir leben seit einigen Jahren zusammen, wir haben eine gemeinsame Tochter. Und es ist nie was passiert. Wenn es bei dem einen Mal bleibt, werden wir das schon packen. Andrea ist normalerweise ganz anders. Wer weiß, was sie noch alles so in sich reingezogen hat, an alkoholischen Getränken. Aber ich bin mir recht sicher, dass wir das packen." Er zwinkerte mir verschwörerisch zu.
"Okay."
"Und du? Wirst du ihm verzeihen?"
"Ich glaube, nein. Wir kannten uns erst eine Woche und da fängt er schon was mit 'ner anderen an. Wenn das schon so früh passiert, dann will ich nicht wissen, was beim nächsten mal passiert. Und das vor meinem bloßen Auge. Die Bilder kriege ich ja kaum aus meinem Kopf."
"Christoph ist eigentlich nicht so."
"Ja, das glaube ich ja. Dennoch werde ich ihm das nicht verzeihen können. Diesen Vertrauensbruch schon am Anfang einer aufkommenden Beziehung kann ich nicht verzeihen."
"Ja, das verstehe ich ja."

Kai betrat in dem Moment den Flur, als Sebastian und ich unsere Unterhaltung beendeten und sah uns nacheinander fragend an. Er hatte eine dünne Jacke über seinem schwarzen T-Shirt angezogen und hielt seine Sporttasche über die Schulter, als würde sie nichts wiegen, dabei sah sie recht schwer aus. Ich blickte mich zu ihm um und sah ihn an. Er erwiderte meinen Blick. Irgendwas war anders, doch ich konnte mir nicht erklären, was es war. Irgendwas fing an, sich zwischen uns zu verändern. Sebastian räusperte sich und gewann so die Aufmerksamkeit von uns.

"Hey, Alter. Alles klar?" Kai schlug mit Sebastian ein.
"Ja, sicher. Biste fertig?"
"Klar. ... Mach's dir hier ein wenig gemütlich und ruhe dich ein wenig aus. Ich bin nach dem Training wieder zurück.  Dauert aber sicher so an die vier Stunden", meinte Kai an mich gewandt, als er direkt vor mir stand.
"Mach dir mal keine Gedanken um mich. Ich komme schon klar hier", erwiderte ich daraufhin.
"Gut. Also, wir sehen uns später.  ... Soll ich auf dem Rückweg noch was mitbringen? Irgendwas zum Essen? Pizza? Was vom Chinesen? Burger?", wollte er wissen.
"Der Kühlschrank ist voll, Kai. Mach dir wegen mir keine Umstände", wehrte ich ihn ab.
"Du machst mir keine Umstände.  ... Na, ich werde schon was finden. ... Also, bis nachher." Er küsste mich nochmal zum Abschied auf die Mundwinkel, bevor er dem wissend grinsenden Sebastian folgte, während ich noch wartete, bis die beiden unten waren, ehe ich die Wohnungstür hinter ihnen schloss.

Und schon hatte ich die große vier Raum Wohnung für mich alleine. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich hier alleine war, dennoch wusste ich nicht, was ich jetzt tun sollte, streifte unsicher durch den Flur, in dem noch zwei Taschen von mir rum lagen. Auch wenn ich das eigentlich nicht wollte, hatte Kai alles, was ich in Stuttgart gepackt hatte, mit hergebracht. Nur die Sachen, die ich noch bei Jennie und Daniel hatte, fehlten. Doch das war sowieso nicht viel. Ich betrat das Schlafzimmer und starrte auf das große Bett, in dem ich die letzten beiden Nächte mit Kai geschlafen hatte, ohne das was zwischen uns passierte. Vor dem mittelgroßen Kleiderschrank standen weitere Taschen von mir. Ich starrte auf die vorderste Tasche und entschloss mich dann doch dazu, wenigstens meine wichtigsten Klamotten in den Kleiderschrank zu packen, schließlich würde ich noch ca. zwei Wochen hier bleiben, bis es für mich wieder losging. Außerdem hätte ich dann wenigstens was zu tun, bevor ich bei meinem Bruder anrufen würde, immerhin hatten wir uns seit meiner Ankunft nicht mehr gesprochen und er machte sich sicher auch seine Gedanken.


Ich war gerade dabei, die ersten Kleidungsstücke in den Schrank zu packen, als es an der Tür klingelte. Irritiert verharrte ich mitten in der Bewegung. Kai hatte nichts davon erwähnt, dass er Besuch erwartete. Im ersten Moment wusste ich nicht, ob ich tatsächlich öffnen sollte, entschied mich aber dann doch dafür, da das Klingeln aufdringlicher wurde. Also ging ich zur Tür und öffnete diese. Als plötzlich Christoph vor mir stand, starrte ich ihn sprachlos an.

"Was suchst du hier?", wollte ich wissen.
"Ich wollte mit dir reden. Bitte. Lass uns das ausdiskutieren. Das tut mir alles so leid."
"Christoph, ich ... ich weiß nicht, ob ich dir das jemals verzeihen kann. Vergessen aber definitiv nie." Ich ließ ihn widerstandslos durch.
"Ich weiß, dass ich absoluten Mist gebaut habe. Das werde ich mir nie verzeihen."

Ich glaubte ihm das ja auch, dennoch wusste ich nicht, ob ich ihm wirklich je wieder eine Chance geben würde. Ich war sowieso schon viel zu durcheinander, weil ich spürte, dass sich zwischen Kai und mir in den letzten zwei Wochen etwas verändert hatte, dass sich zwischen uns was anbahnte, ohne das ich sagen konnte, was es genau war. Christoph jetzt wieder zu sehen, machte die Sache auch nicht gerade einfacher.

"Woher weißt du überhaupt, wo ich mich derzeit aufhalte?", hakte ich nach.
"Von Jennie."
"Oh. Okay. Und du kommst mal eben von Mannheim nach Wolfsburg, nur um mit mir zu reden? Nachdem wir uns schon zwei Wochen nicht mehr gesehen haben? Ganz plötzlich?" Ich hörte selbst, dass meine Stimme vorwurfsvoller klang als eigentlich beabsichtigt.
"Ja. Na ja. Wir spielen am Freitag gegen Hannover. Es ist also kein so großer Umweg gewesen. … Ich hatte gehofft, zwei Wochen Ruhe würden dir genügen, damit du weißt, wie es weiter geht", gab er ehrlich zu.
"Ach? Meinst du? Ich weiß es aber noch immer nicht. ... Möchtest du was trinken?  Der Kaffee ist noch frisch", erkundigte ich mich höflich, versuchte, vom Thema abzulenken.
"Ja. Ein Kaffee wäre nett."
"Okay." Ich verschwand in die große, halboffene Küche, holte eine Tasse aus dem Schrank und schüttete ihm den gewünschten Kaffee ein.
"Danke. ... Du hast schon deine ganzen Sachen hier?" Christoph deutete auf meine ganzen Taschen.
"Ich musste aus meiner Wohnung in Stuttgart raus und habe auf dem Rückweg mit Kai meine wichtigsten Sachen gepackt. Eigentlich wollte ich die Sachen bei meinem Bruder abgeben, doch es ging an diesem Tag sowieso alles schief und weil es ein Leihwagen war, haben wir hier alles abgeladen."
"Du und Kai, ihr versteht euch gut, oder?" Christoph musterte mich mit seinen dunklen Augen.
"Er ist ein ... netter Kerl, ja. Und er lässt mich hier wohnen, bis ich wieder etwas zur Ruhe gekommen bin und weiß, wie es bei mir weiter geht", erwiderte ich zögernd.
„Also kommst du wieder zurück nach Mannheim?“, hakte Christoph nach.
„Muss ich schließlich. Irgendwann sind die Semesterferien auch vorbei. Und jeden Tag von Wolfsburg nach Karlsruhe zu fahren, ist mir auf Dauer einfach zu stressig. Außerdem fängt meine Arbeit dann auch wieder an. Irgendwie muss ich mich schließlich auch finanzieren.“
„Okay. … Ich hoffe, du hasst mich jetzt nicht wegen der Sache von diesem Sonntag.“
„Nein, ich hasse dich nicht und werde dich auch nie hassen. Wirklich nicht. … Aber ich weiß nicht, ob ich dir je wieder soweit verzeihen kann, als dass ich dir wieder eine Chance auf eine Beziehung geben kann. … Vielleicht wird es irgendwann so weit sein, dass wir wieder normal miteinander umgehen können, vielleicht auch mal was miteinander unternehmen können. … Aber das, was an diesem Sonntag passiert ist, hat mein Grundvertrauen zu dir komplett zerstört. Auch wenn ich weiß, dass du eine Menge Alkohol getrunken hast und nicht die alleinige Schuld daran trägst. Aber du kannst nicht besoffen genug gewesen sein, da du noch was hochbekommen hast“, versuchte ich, ihm meinen Standpunkt klar zu machen, gleichzeitig spukte eine innere Stimme herum, die mir leise zuflüsterte, dass ich mich im Grunde gar nicht beschweren durfte, da ich zu der Zeit noch in einer festen Beziehung war, doch ich ignorierte mein aufkommendes schlechtes Gewissen.
„Ja, das verstehe ich ja auch und das werde ich mir auch selbst nie verzeihen.“
„Hey. Mach dir nicht noch mehr Vorwürfe. Das bringt keinem von uns irgendwas. … Aber das, was ich im Moment am meisten brauche, ist Zeit und etwas Abstand. … Das ist alles, was ich dir zurzeit sagen kann.“ Ich stand direkt vor ihm und sah zu ihm hoch.
„Ich gebe dir alles, was du brauchst, solange du mir versprichst, mich nicht für das, was ich getan habe, zu hassen“, erwiderte er.
„Nein, ich werde dich nie hassen, Christoph.“ Ich folgte einem inneren Impuls und umarmte ihn.

Er war erst zögernd, schien überrascht, bis er dann doch seine Arme um mich schlang und meine Umarmung erwiderte. Wir standen ein paar Minuten so da, eng aneinander geschmiegt, bis sein Handy anfing zu klingeln.

„Mist“, fluchte er und fischte es aus seiner Hosentasche.

Ich löste mich von ihm und ging zur hohen Theke, die die Küche vom Wohnzimmer trennte, zurück. Christoph ging ans Telefon und redete kurz mit seinem Gegenpart. So wie es sich anhörte, ging es um seine Arbeit. Hektisch legte er es wieder zurück und ging zu mir.

„Ich muss wieder los. Das war gerade unser Trainer. Wir sehen uns?“ Er sah mich fragend an.
„Ja, auf jeden Fall. … Viel Erfolg beim Spiel. Ich drücke euch fest die Daumen“, wünschte ich ihm noch.
„Danke.“ Er umarmte mich nochmal, bevor er aus der Wohnung verschwand und mich wieder alleine ließ.

Ich setzte mich auf die Couch, zog meine Beine an mich, schlang meine Arme um meine Beine und legte meinen Kopf auf die Knie. So hockte ich eine ganze Weile und hing meinen wirren Gedanken nach. Christoph zu sehen, das hatte meine ganze Gefühlswelt wieder verwirrt und mich durcheinander gebracht. Ich griff nach meinem Handy, das ich morgens auf dem Couchtisch abgelegt hatte und scrollte durch meine WhatsApp Kontaktliste, aktualisierte diese. Ich drückte auf Kais Namen und ging auf sein Profil. Bis mir sein Profilbild auffiel. Bisher hatte er da ein Foto von sich, wie er auf irgendeiner Brücke in Köln stand, drauf, doch er musste sein Foto die letzten Stunden aktualisiert haben. Es war ein Foto von uns, keine Ahnung, wann er das geschossen hatte, oder wer. Es musste an dem Sonntag, der alles veränderte, aufgenommen worden sein. Im Hintergrund erkannte ich Christophs Wohnzimmerschrank. Es war Kais und mein „erster“ Kuss. Bei den Erinnerungen, die dieses Foto an diesen Kuss in mir auslöste, wurde ich nervös und unruhig. Ein Gefühl, dass ich nicht zuordnen konnte, machte sich in mir breit. Ich sah auf seinen Status, in dem er seinen Freunden mitteilte, dass er gerade beim Training war. Das letzte mal online bei WhatsApp war er vor zwei Stunden. Ich starrte noch ein paar Sekunden auf sein Foto, bis ich mein Handy dann doch weglegte und zurück ins Schlafzimmer ging, um die Sachen weiter einzuräumen.


Die erste Tasche war bereits leer und ich schmiss die Tasche unters Bett, wo Kai mir gezeigt hatte, wo ich die Taschen hin packen konnte, als es wieder an der Tür schellte. So langsam ging mir die Schelle echt auf die Nerven. Leider konnte man das Ding nicht abstellen, also musste ich dann doch die Tür öffnen. Es dauerte nicht lange, bis auf einmal eine junge, blonde Frau vor mir stand. Irritiert blickte ich auf sie und wartete, dass sie wieder etwas zu Atem kam.

„Oh. Ist Kai nicht da?“, wollte sie direkt wissen.
„Nein, der ist gerade beim Training. … Dürfte ich vielleicht auch wissen, wer Sie überhaupt sind?“, hakte ich nach.
„Ach ja. Tut mir leid. Ich bin Jessica. Eine alte Freundin von Kai aus Kölner Zeiten. … Ich … ich dachte, … ich … könnte … ihn vielleicht besuchen. … Jetzt bin ich extra von Köln hierher gekommen und … dann ist er nicht da. So … so ein Mist. … Würde es vielleicht was ausmachen, wenn … wenn ich hier auf ihn warten könnte?“, wollte sie wissen und sah mich scheu an.
„Hmm. Das kann aber noch eine Weile dauern“, meinte ich.
„Das macht nichts. Kai hat sicher nichts dagegen. Ich konnte immer bei ihm bleiben, wenn ich mal hier war“, meinte sie.
„Hmm. Na ja, warten kannst du hier, aber weiß nicht, ob du bleiben kannst.“ Ich gab die Tür frei und ließ sie rein.

Sie sah sich neugierig um, als sie eine meiner Taschen entdeckte. Wie selbstverständlich betrat sie das Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch, auf den Platz, wo ich zuvor gesessen hatte. Schnell griff ich nach meinem Handy und legte es auf dem Wohnzimmerschrank ab.

„Willst du was trinken?“, wollte ich wissen.
„Ein Glas Wasser wäre nett“, erwiderte sie.
„Okay, kommt sofort.“

Ich verschwand in die Küche und schüttete ihr ein Glas Wasser ein, welches ich ihr anschließend reichte. Sie bedankte sich höflich bei mir und nippte zögernd an ihrem Glas.


Die nächsten zwei Stunden vergingen zäh wie Kaugummi. Ich wusste nicht, was ich mit ihr reden sollte und ärgerte mich, sie überhaupt rein gelassen zu haben, denn dadurch hatte ich es heute wieder nicht geschafft, bei meinem Bruder anzurufen. Ich saß Jessica gegenüber und beobachtete, wie sie unsicher ihre Hände knetete, während ich betete, dass Kai endlich nach Hause kommen würde. Als dann tatsächlich Schlüsselgeräusche zu hören waren, atmete ich innerlich erleichtert aus und stand auf, um ihm entgegen zu kommen. Er hing die Jacke an die Garderobe, schmiss die Sporttasche lieblos auf den Boden und legte den Schlüssel in die kleine Glasschale auf der Kommode. In der linken Hand hielt er eine Plastiktüte, in der zwei Schalen und eine Flasche Rotwein drin lag.

„Hey“, grüßte er mit sanfter Stimme und ging einen Schritt auf mich zu.
„Hey. Wie war dein Training?“, erkundigte ich mich.
„Ganz okay. Hart wie immer, aber erfolgreich. Morgen darf ich wieder mitspielen. … Und was ist mit dir? Alles okay bei dir?“ Er musterte mich.
„Ja. Ich hab angefangen, die ersten Taschen auszupacken, wenn das okay war.“
„Ja, sicher. … Ich hab uns was zum essen mitgebracht. Ich hoffe, Chinesisch war in Ordnung? … Ich dachte, wir könnten uns vielleicht einen gemütlichen Abend auf der Couch machen, einfach mal nichts tun und den Abend gemeinsam genießen“, schlug Kai vor und strich mir sanft eine Strähne meines Haares aus dem Gesicht.
„Das klingt … gut. ... Und … dein Profilfoto ist echt … nett.“
„Profilfoto?“ Er schien erst verwundert.
„Ja. Bei WhatsApp.“
„Ach so. … Ja, ich hoffe, es war nicht schlimm.“
„Nein, absolut nicht. Ich war nur überrascht. … Und du hast Besuch“, erklärte ich weiter.
"Besuch? Von wem?" Kai wirkte überrascht.

Ich wollte es ihm gerade sagen, als sich Jessica bemerkbar machte. Kai sah sich um, blieb jedoch an Ort und Stelle dicht vor mir stehen. Seine Gesichtszüge verfinsterten sich, als er realisierte, wer zu Besuch war und ich bereute es, sie rein gelassen zu haben. Hoffentlich war er nicht sauer auf mich.

"Kai", erklang Jessicas Stimme.
"Jessica. ... Was suchst du hier?", wollte er wissen, während er einen Arm um meine Hüften schlang, nachdem er sich neben mich gestellt hatte.
"Ich ... wollte dich wieder sehen, mich bei dir entschuldigen", erwiderte sie und starrte auf Kais Hand, die meine Hüfte festhielt.
"Was gibt es da zu entschuldigen? ... Du hast mich damals Ewigkeiten verarscht, dich dann nie wieder gemeldet und auf einmal kreuzt du hier auf und bittest um Vergebung? ... Nein, sowas brauche ich wirklich nicht", fuhr er sie an, dabei drückte er meine Hüfte kräftiger, als er wahrscheinlich wollte.
"Ich weiß, dass ich scheiße gemacht habe, und es tut mir auch wirklich leid."
"Ja, damit kommst du wohl ein wenig zu spät."
"Ich sehe schon. Du hast wohl schon eine neue Freundin. Aber ich wollte mich dennoch bei dir entschuldigen. Habe gehofft, dass du meine Entschuldigung annimmst und wir vielleicht wieder eine Möglichkeit finden, friedlich miteinander umzugehen", meinte sie.
"Ja, ich habe eine neue Freundin, wie du siehst. ... Es ist nett, dass du extra gekommen bist, um dich zu entschuldigen, aber ich frage mich, was du damit bezwecken willst? Du wirst definitiv keine Chance mehr bei mir haben, selbst wenn ich Single wäre." Er drückte mich noch ein Stück enger an sich.

Die Unterhaltung zwischen den beiden war mir mittlerweile schon ein wenig unangenehm. Es war eine Sache zwischen den beiden, nicht zwischen mir und ihnen. Nur zögernd löste ich mich von Kai, der mich verwirrt musterte.

"Ich gehe schon mal in die Küche. Das ist eine Sache zwischen euch", erklärte ich ihm, gab ihm nochmal einen Kuss auf die Mundwinkel, bevor ich mir die Plastiktüte schnappte und in die große Küche verschwand.

Ich war froh, als ich für kurze Zeit alleine war. In der Küche packte ich die beiden Boxen aus und stellte die Flasche Rotwein richtig hin. Ich verzog mich extra auf die Seite, wo ich die beiden nicht sehen konnte, dennoch konnte ich beide laut reden hören. Wieso hatte ich nur die Tür aufgemacht?

"Kann ich dann wenigstens heute Nacht hier bleiben? Mein Zug fährt erst morgen wieder und ich habe sonst niemanden hier", hörte ich Jessica nach einer Weile reden.
"Nein. Such dir irgendein Hotel oder sonst was aus", fuhr Kai ihr dazwischen.
"Ach komm schon. Kai. Ich schwöre dir, ich lasse euch in Ruhe. Ich kann auch auf der Couch pennen, kein Problem."
"Was soll das bringen? Und auf der Couch geht ohnehin schon mal gar nicht."
"Ich lasse euch in Ruhe. Ihr werdet gar nicht mitbekommen, dass ich überhaupt da bin. Bitte, Kai. Danach lasse ich dich auch in Ruhe." Ihre Stimme nahm einen sonderbaren Klang an.
"Wirklich passen tut es mir nicht, außerdem habe ich nicht alleine darüber zu entscheiden."
"Dann frag deine Freundin, ob das in Ordnung wäre. Ich weiß sonst nicht, wo ich hin sollte. Morgen früh bin ich sofort weg, das schwöre ich dir."
"Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee wäre. Aber ich frage trotzdem mal nach." Kais Stimme klang skeptisch.

Ich stellte mich zur Arbeitsfläche hin, die am Fenster war und starrte raus, tat so, als hätte ich das Gespräch nicht mitbekommen, schließlich redeten die beiden laut genug. Kai betrat die Küche, ich konnte ihn durch die Fensterscheibe sehen, da es draußen nicht gerade hell war, spiegelte das Fenster mehr, als es mir lieb war. Er ging zu mir hin, stellte sich dicht hinter mich und schlang seine Arme um mich. Ich ließ ihn gewähren, genoss seine Nähe, auch wenn es immer noch ein merkwürdiges Gefühl war, ihm so nah zu sein. Ich fühlte seinen Mund an meinem Nacken, während ich automatisch meine Hände auf seine leicht behaarten Unterarme legte, wodurch er mich nur noch enger an sich drückte. Ich spürte seine Brust- und Bauchmuskulatur an meinem Rücken.

"Hey. Alles in Ordnung?", erkundigte ich mich.
"Hmm. Jetzt ja", schnurrte er geradezu und ich spürte seinen warmen Atem an meinem Nacken.
"Macht sie Stress?", wollte ich wissen, hielt ihm aber gleichzeitig meinen Hals hin.
"Geht so. ... Sie fragt, ob es in Ordnung wäre, wenn sie diese Nacht hier bleiben würde." Seine Lippen berührten die hintere Seite meines Ohres, was mir eine Gänsehaut bescherte.
"Und was hast du dazu gesagt?"
"Das es mir nicht recht ist, ich allerdings noch mit dir darüber reden wollte."
"Was habe ich dazu zu sagen? Es ist deine Wohnung."
"Im Moment wohnst du genauso wie ich hier, also ist es nicht nur meine Wohnung."
"Und was soll ich dazu sagen? Ich kenne sie schließlich nicht. ... Andererseits ist sie extra wegen dir von Köln nach Wolfsburg gefahren."
"Ja, mag sein. Es hat sie aber auch niemand darum gebeten, her zu kommen. Ich am allerwenigsten. ... Außerdem wollte ich mir heute eigentlich mit dir einen gemütlichen Abend machen, nach ein paar anstrengenden Tagen nochmal etwas entspannen, bevor es morgen wieder richtig losgeht." Dabei fuhr er mir mit leicht geöffneten Lippen immer wieder über den Hals.
"Hmm, das klingt sehr ... verlockend. ... Aber du musst entscheiden, ob sie bleiben soll oder nicht. ... Wenn sie verspricht, dass sie morgen früh wieder geht und uns in Ruhe lässt, stört es mich nicht weiter, dass sie da ist, aber das ist deine Entscheidung", erwiderte ich.
"Du machst es mir auch nicht leichter. Aber na gut, ich rede nochmal mit ihr und werde dann sehen, wie es weiter geht." Er löste sich zögernd von mir, sah mich nochmal an und verschwand.

Ich blieb in der Küche stehen und fragte mich, was das da zwischen uns gerade war. Er war auf einmal so ... anhänglich, so ... sanft. Es war irritierend. Was passierte gerade mit Kai und mir?

"Oh, danke, Kai. Wirklich, du bist der Beste. Ich schwöre dir, ihr merkt mich gar nicht. Und morgen früh bin ich sofort weg." Jessicas Stimme riss mich aus meinen Gedanken und ich verließ meinen Platz und ging zur Theke, wo ich ins Wohnzimmer sah.

Jessica schlang ihre Arme um seinen Hals, drückte sich regelrecht an ihn. Auch wenn ich merkte, dass Kai sich versteifte und ihre Umarmung nicht erwiderte, versetzte es mir einen Stich, die zwei so zu sehen. Was total irrational war.

"Ist gut jetzt. Du lässt uns in Ruhe, sonst bist du schneller wieder raus, als du bis zehn zählen kannst", meinte Kai und löste ihre Arme von seinem Hals.
"Ja, macht euch keine Gedanken. Ich bin so gut wie unsichtbar", versicherte sie.


Jessica verschwand endlich ins Gästezimmer und ließ Kai und mich im Wohnzimmer in Ruhe. Auch wenn sie uns die ganzen letzten zwei Stunden nicht angesprochen hatte, war die Stimmung hier drin mehr als angespannt. Als sie dann endlich gegen 22 Uhr aus dem Wohnzimmer verschwand, sich zuvor noch von uns verabschiedet hatte, atmete Kai erleichtert aus. Leider war dadurch die Stimmung zwischen uns alles andere als entspannt und zu allem Überfluss spürte ich auch langsam Müdigkeit aufkommen.

"Alles okay?", wollte Kai wissen und schlang einen Arm um mich.
"Ja, ich werde nur langsam müde", grummelte ich, während ich mich an seine Schulter kuschelte, den Kopf an seine Halsbeuge schmiegte.
"Ich hätte sie rausschmeißen sollen, mich nicht von ihr einlullen lassen sollen. So viel zum Thema entspannter Abend", grummelte Kai.
"Ach, komm. Sie hat uns doch in Ruhe gelassen. ... Ich hätte sie nicht reinlassen sollen."
"Mach dir keine Gedanken. Woher solltest du wissen, dass es meine Ex-Freundin war? Ich hätte sie sofort rausschmeißen sollen, dann wäre dieser Abend ganz anders verlaufen." Kai küsste meine Haare.
"Na ja, jetzt können wir es sowieso nicht mehr ändern."
"Nein. Aber ich schwöre dir, ich mache das wieder gut. Ehrlich." Seine Lippen strichen über meinen Nacken.
"Brauchst du nicht, Kai. Wirklich nicht."
"Doch", war alles, was er noch sagte.


Wir hatten noch den Film zu Ende gesehen, der gerade lief, und gingen anschließend ins Bett. Ich schmiegte mich an Kai, der einen Arm um mich schlang, während er meinen Nacken küsste. Ich genoss seine zärtlichen Berührungen, kuschelte mich nur noch mehr an ihn, was er mit einem Knurren quittierte. Seine warme Hand wanderte unter mein Nachthemd, das ich mir zuvor angezogen hatte, und fuhr in kreisenden Bewegungen meinen nackten Bauch hoch. Ich bekam unmittelbar eine Gänsehaut und streckte mich immer mehr ihm entgegen. Viel zu lange hatte ich auf solche Berührungen verzichtet, mein Körper gierte geradezu nach ihnen und dem unaufhaltsam erregendem Gefühl, das er in mir auslöste. Sanft drückte er mich auf den Rücken, küsste sich meinen Hals hoch, bis seine Lippen meine berührten, während seine Hand weiter hoch fuhr, bis sie meinen Busen erreichte. Er umkreiste mit einem Finger meine Warzen, knetete und massierte meinen Busen, während seine Zunge meine raubte und er mich mit solcher Leidenschaft küsste, dass mir die Luft beinahe wegblieb. Alleine dieser Kuss schaffte es beinahe, mich zum Orgasmus zu bringen. Ich bog mich ihm immer mehr entgegen, spürte, wie meine Erregung mit jeder seiner Berührungen wuchs. Er zog mir das Hemd aus, wanderte mit seinem Mund meinen Hals runter, über mein Dekolleté und zog dann meine Brustwarze zwischen seine Zähne, saugte daran, bis ich stöhnte und mich kaum zurückhalten konnte. Gleichzeitig spürte ich seine Hand, die sich unter meinen Slip schob und über meine feuchte, heiße Mitte strich, bis er einen Finger in mich schob. Ich bäumte mich immer mehr auf, konnte kaum noch klar denken.

"Du machst mich so wahnsinnig", raunte er mir mit rauer Stimme ins Ohr.
"Oh, Kai", stöhnte ich nur, als er auch noch anfing, mit seinem Daumen über meinen Kitzler zu streichen.

Ich spreizte automatisch meine Beine, hob mein Becken an, um seinen Finger noch tiefer in mir zu spüren, musste mich zurückhalten, um nicht laut aufzuschreien. Kurz vor meinem Höhepunkt löste er sich von mir. Ich wollte gerade nörgeln, als er sich zwischen meine weit gespreizten Beine kniete. Sein Blick war verschleiert, seine Augen dunkel vor Lust. Ich hob meine Hüften noch ein Stück mehr an, kam ihm noch etwas entgegen. Er berührte mit der Spitze seines Schwanzes schon meinen Eingang, als irgendwas im Hintergrund meine Aufmerksamkeit weckte. Ich hatte auf einmal das Gefühl, beobachtet zu werden. Es war ein irritierendes Gefühl, dass ich im ersten Moment ignorieren wollte. Viel zu schön waren die Gefühle, die Kai gerade in mir auslöste, trotzdem konnte ich mich nicht entspannen, als er versuchte, in mich einzudringen.

"Alles in Ordnung?", wollte Kai verwirrt wissen.
"Ich ... ich glaube, da ... ist jemand."

Kai drehte sich mit dem Kopf um und auch ich hob meinen Kopf und starrte auf die geöffnete Tür, in der Jessica stand und uns anstarrte. Also hatte sich mein Gefühl nicht getäuscht. Kai fluchte, bevor er sich aufsetzte, sich von mir löste, nach seiner Unterhose griff und mit kraftvollen Schritten auf Jessica zu ging. Oh je, das würde jetzt noch richtig Ärger geben.

"So, das reicht. Ich habe dir gesagt, du fliegst, wenn du uns störst. Zieh dich an, pack deine Sachen und raus aus meiner Wohnung!" Kais Stimme war aggressiv.
"Kai, das ... das tut mir Leid. Ich ... ich habe die Toilette gesucht", hörte ich Jessicas eingeschüchterte Stimme.
"Du weißt, wo meine Toilette ist. Also, raus jetzt. Zieh dich an und verschwinde aus meiner verfluchten Wohnung und meinem gesamten Leben!"
"Aber ... aber wo soll ich um diese Zeit denn hin?"
"Mir egal. Penn meinetwegen unter einer Brücke. Ist mir doch egal. Ich habe mich lange genug von dir verarschen lassen. Irgendwann ist mal gut."

Ich zog mir das Nachthemd wieder an und ging in den Flur raus, wo Kai sich immer noch mit Jessica stritt. Ich starrte ihm auf seine Rückenansicht, sah seine angespannten Muskeln. Er war verschwitzt und überreizt.

"Kai", rief ich leise seinen Namen.

Er verharrte sofort in der Bewegung und drehte sich zu mir um. Seine Gesichtszüge wurden sofort sanfter, während er mich einmal komplett musterte.

"Ich bin gleich bei dir", erklärte er.

Ich ging auf ihn zu, Schritt für Schritt. Ich kannte ihn zu wenig, um abschätzen zu können, wie er in seiner Stimmung auf mich reagieren würde, außerdem spukten immer noch die Erinnerungen an Michis Ausraster in meinem Kopf herum, was mich vorsichtiger werden ließ, daher berührte ich ihn nur zögernd am Unterarm, den er sofort anspannte. Er wirkte gar nicht so muskulös, wie er sich im Moment anfühlte. Selbst sein Unterarm war in diesem Augenblick hart wie Stahl.

"Es ist okay. Hör auf, um diese Zeit so rumzuschimpfen und komm lieber wieder ins Bett. Lass sie einfach. Morgen früh ist sie weg", redete ich auf ihn ein.
"Sie hat uns den ganzen Abend verdorben. Wie kannst du da so ruhig sein?", wollte er von mir wissen.
"Es gibt noch eine Menge anderer Abende, Kai. Komm wieder runter. Du hast morgen ein wichtiges Spiel, du musst ausgeruht sein dafür."
"Morgen früh, sobald du wach bist, bist du verschwunden, oder ich schmeiße dich eigenhändig aus der Wohnung", drohte Kai Jessica noch, bevor er mir zurück ins Schlafzimmer folgte.

Auch wenn wir uns wieder ins Bett gelegt hatten und aneinander gekuschelt unter einer Decke lagen, kam die Stimmung von vorhin nicht wieder auf, stattdessen machte sich Müdigkeit in uns breit und ich schmiegte mich an seine nackte, leicht behaarte Brust, während er einen Arm um meine Hüften schlang.

"Tut mir Leid. Ich wusste von Anfang an, dass es ein Fehler war, sie hier zu lassen. Ich Dummkopf falle noch auf diese blöde Kuh rein", murrte er.
"Kai, ist gut. Beruhige dich wieder. Es ist auch meine Schuld, schließlich habe ich sie heute Mittag rein gelassen. ... Jetzt versuch einfach, dich etwas zu entspannen und versuch, etwas zu schlafen. Du hast immerhin morgen ein Spiel."
"Ja, ich weiß. Trotzdem bin ich verärgert. Sie hat uns nicht nur den Abend, sondern auch die Nacht zerstört."
"Es gibt noch ein paar andere Abende. ... Ich habe noch zwei Wochen Urlaub, dann muss ich erst wieder zurück nach ... Mannheim", flüsterte ich zögernd.
"Wirst du nach Mannheim ziehen?", wollte Kai wissen.
"Ich fühle mich wohl in Mannheim und von Karlsruhe ist es auch nicht ganz soweit entfernt. Mich zieht nur nichts mehr nach Stuttgart, auch wenn der größte Teil meiner Freunde und Familie dort wohnt. ... Aber schon alleine, weil Mannheim nicht ganz so weit von meinem Studienort entfernt ist, werde ich mir wohl eine Wohnung dort suchen."
"Und ... was ist mit ... Christoph?", hakte er nach.

Christoph war definitiv ein wunder Punkt von mir, denn auch wenn ich mich bei Kai wohl und geborgen fühlte und ich immer deutlicher merkte, dass ich immer mehr Gefühle für ihn entwickelte, so blieb immer noch ein schaler Beigeschmack übrig, wenn ich an Christoph dachte und wenn ich an heute Mittag zurückdenke, wo wir uns für kurze Zeit doch wieder in den Armen lagen.

"Ich glaube nicht, dass ich Christoph noch groß eine Chance geben werde. Selbst wenn das mit uns nicht wäre. Er ... hat mich einfach viel zu sehr verletzt", gestand ich.
"Und was ist, wenn du es dir anders überlegst? Wenn ihr euch in Mannheim seht und doch feststellt, dass ihr was füreinander fühlt und du ihm doch eine Chance geben wirst?"
"Nein, das kann ich mir kaum vorstellen. Da brauchst du dir echt keine Gedanken zu machen." Ich schmiegte mich in Kais Halsbeuge und schlang einen Arm um seinen muskulösen Bauch.
"Okay." Er blieb weiter ruhig, strich mir über den Arm und legte die Decke über uns.

So lagen wir einige Zeit stillschweigend da, jeder hing seinen Gedanken nach, während ich spürte, wie Kai ruhig mit meinen Haaren herumspielte, bis wir irgendwann doch unserer Müdigkeit erlagen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast