Ewiger Nebel

DrabbleAngst, Familie / P12
Neville Longbottom
22.12.2018
22.12.2018
1
379
5
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
22.12.2018 379
 


Ewiger Nebel


für Amaineko


Als der Hogwarts Express so urplötzlich zu einem Halt kommt, erschrecken sie alle und starren aufgeregt in die Dunkelheit. Mit einem zögerlichen Flackern löschen sich die Lichter. Neville ballt seine Hände zu Fäusten und spürt, wie sich seine Fingernägel in die Handfläche bohren, doch der Schmerz scheint weit entfernt. Und während der Frost die Fensterscheiben hinaufzieht und die neblige Dunkelheit draußen versteckt, wird der Nebel vor den Fenstern durch einen Nebel in seinem Kopf ersetzt. Die Luft, die er atmet, scheint zäher geworden zu sein, in rauchigen Schlieren versucht er, genug Sauerstoff in seine Lungen zu saugen.

Vor Nevilles innerem Auge ziehen die Bilder seiner Eltern auf, wie sie in ihren Krankenhausbetten sitzen, mit leeren Blicken und leerem Lächeln. Er hält ihre Hände und er weiß, dass er ihnen zumindest ein kleines bisschen Trost und Sicherheit spenden kann, auch wenn seine Großmutter schon lange gelernt hat, die verzweifelte Hoffnung in sich unter pragmatischem Zynismus zu begraben. Doch Neville spürt, wie der Druck der Hand seiner Mutter fester wird, wenn er gehen muss, so viel bedeutet ihr seine Anwesenheit. Und ab und an glaubt er, im Gesicht seines Vaters ein aufblitzendes Erkennen wahrzunehmen, wenn er mit ihm spricht.

Dennoch überwältigt ihn die Angst. Die Angst davor, dass der Nebel, der die Wahrnehmung seiner Eltern von der seinigen trennt, sich nie auflösen wird. Er wird nie wirklich zu ihnen durchdringen, sie sind getrennt von ihm durch den absoluten Nebel des Vergessens, und es gibt nichts, was er dagegen tun kann. Eiseskalte Hoffnungslosigkeit hält sein Herz in ihren Klauen.

Langsam wird es wieder wärmer. Der Frost an den Fensterscheiben verschwindet so schnell wie er aufgetaucht ist und der Zug fährt wieder an. Neville versteckt seine Hände, deren Handflächen nun leicht blutige Halbmonde zieren, unter seinem Umhang und schaut nach draußen. Der weiße Nebel wirkt nun wieder harmlos im Vergleich zum erneut warm erleuchteten Abteil, doch Neville weiß, dass es Nebel gibt, der sich nie auflöst, der Erinnerungen und Beziehungen verwischt und entfernt erscheinen lässt, für immer.


--

Hallo Amaineko!

Zunächst mal entschuldige ich mich sehr für die Verspätung!! Dafür habe ich auch dieses besonders, äh, stimmungsaufhellende Drabble geschrieben. :D
Ich wünsche dir möglichst erholsame Feiertage und einen schönen Start in 2019!

Liebe Grüße
Jubilee
Review schreiben