Epiphany - Blut ist dicker als Wasser.

von LoonyLove
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Blaise Zabini Cedric Diggory Fred & George Weasley OC (Own Character)
21.12.2018
10.03.2019
11
27839
4
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16 Reviews
Dieses Kapitel
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Hallöchen zusammen!;)

Wir sind zurück mit einem neuen Kapitel :)
Ein Tag zu spät wie an unserem eigentlich festgelegten Upload-Datum, aber wir sind da mit einem frischgebackenen Kapitel. Wir geben uns größte Mühe inmitten unserer Klausurenphase noch zu unserem liebsten Hobby zu kommen und bitten daher um Entschuldigung, wenn es mal nicht so klappen sollte wie es sollte.
Aber wir geben diese FF niemals auf!!!
Wir hoffen ihr genießt das heutige Kapitel :)
Und wenn ihr danach noch einmal Lust habt in Kindheitserinnerungen zu schwelgen, dann helft unserer Freundin kopfueber bei ihrer Zusammenstellung von den besten Kindheitsserien :) Hier der Link:  https://www.fanfiktion.de/s/5c2cab6b0009fe6e2cf92e09/1/filmfetzen-Kritiken-und-mehr

Nun wünschen wir euch ein schönes Wochenende und hoffen das Kapitel gefällt euch!
Lasst uns doch ein Review da wie ihr es fandet :)

Eure LoonyLove <3




Drapetomania
(n.)an overwhelming urge to run away.



Sanft ließ Ophelia das honigblonde Haar ihrer Schwester durch ihre Finger gleiten, während sie ihr Haar in mehrere Strähnen unterteilte, um sie in eine hübsche Flechtfrisur zu verwandeln. Mit einem Schnauben versuchte Ophelia den Kampf des Windes zu überstehen, der die Mähne ihrer Schwester zu einem wilden Tanz aufzufordern schien. Beiläufig ließ Ophelia ihren Blick über das Quidditchfeld gleiten, auf dem sich einzelne Übungspuppen platziert hatten, nachdem Oliver Wood sie mit einem ehrgeizigen Funkeln in seinen Augen, zum Schweben gebracht hatte.

Es war ein übliches Szenario. Darlyne ließ ein Seufzen von sich hören, während sie ihre Unterarmschoner in einer fließenden Bewegung schnürte. „Wood wird sich vor Ehrgeiz noch in einen tollwütigen Köter verwandeln, ohne von solch einem gebissen zu werden.“ Darlyne zog eine angewiderte Schnute, während sich ein leises Lächeln auf den Lippen ihrer Schwester ausbreitete. „Urgh. Stell dir nur mal Wood in Form eines Straßenköters vor, der an der Leine von Madame Hooch eine hübsche Pudeldame mit Quidditchtaktiken zu beeindrucken versucht.“

Ophelia konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und stieß ihrer Schwester sanft einen Ellenbogen in den Rücken. „Darlyne! Wie kommst du nur auf solch einen Schwachsinn!“ Diese zuckte nur mit den Schultern und betrachtete die vollendete Flechtfrisur ihrer Schwester in einem schwebenden Spiegel, den sie mit einem zufriedenen Blick in ihre Tasche verbannte. In einer schwungvollen Bewegung hatte Darlyne ein Bein über das andere geschwungen und sich Ophelia zugewandt. „Genug von Wood und stinkenden Kötern. Reden wir lieber über Arwen McKinnon.“

Ophelia ließ ein Seufzen von sich hören und starrte ihrer Schwester aus unlesbaren grasgrünen Augen entgegen. „Er hat etwas mit neulich Abend zu tun. Ich weiß er verbirgt etwas.“ Darlyne nickte langsam, während sich die Ereignisse des Abends, an dem sie dem Gargoyle begegnet sind, in ihrem Kopf überschlugen. „Und das lässt dich jetzt nicht los, hm?“ In den Augen der Blondinen spielte sich ein Feuerwerk von bunten Farben ab, als ihr wohl eine Lösung für das Problem in den Sinn kam. Darlyne schnalzte mit ihrer Zunge und verschränkte mit einem durchtriebenen Lächeln ihre von Quidditchschonern umhüllten Arme. „Es gibt nur eine Möglichkeit.“ Ophelia starrte in die Augen von Darlyne, als sie verstand was ihre Schwester meinte. Mit einem Seufzen warf Ophelia ihren Kopf in den Nacken. „Nein, Darlyne. Kommt nicht in Frage!“

„Warum nicht? Immerhin würde dir ein Date mit der anderen Seite nicht schaden.“ Ophelia starrte ihrer Schwester unbeeindruckt entgegen. „Mit der anderen Seite? Wirklich?“ Darlyne zuckte nur mit ihren Schultern und kramte nach ihrem roten Lipgloss, der natürlich zu ihrer Quidditchuniform abgestimmt war. „Stell dir nur mal vor. Der arme Arwen McKinnon, einsam und verlassen, missverstanden wird plötzlich von keiner anderen als der unverkennbaren Ophelia Prescott erkannt und wahrgenommen. Das ist doch dein Beuteschema, nicht wahr?“ Darlyne trug sich mühelos und ohne einen Spiegel ihren Lipgloss auf ihren vollen Lippen auf und starrte unbeirrt in die Richtung von Ophelia. Diese schüttelte ungläubig ihren Kopf. „Ich schätze dann bist du wohl als meine Zwillingsschwester falsch über mein Beuteschema informiert.“

Die Blondine lächelte ihrer Schwester sanft entgegen. „Ich bin nicht bescheuert, O. Auch wenn das viele meinen. Aber ich habe euch heute beobachtet. Er mag dich. Und du magst ihn.“ Sie ließ in ihrer üblichen Leichtigkeit ihren Lipgloss in ihrer Tasche verschwinden und legte ihre Hand auf dem Knie ihrer Schwester ab und tätschelte dieses. „Überleg es dir. Ich schätze eine verbotene Romanze wird dir wohl nicht schaden. Und außerdem… willst du es wohl doch Angelina beweisen, oder?“ Mit einem seufzenden Nicken deutete sie hinter Ophelia, in deren Richtung sich keine andere als Angelina Johnson in voller Quidditchmontur bewegte.

Ophelia konnte sich nicht einmal so schnell umdrehen, als Darlyne bereits ein zuckersüßes Lächeln aufgesetzte hatte und Angelina fordernd entgegenblickte. „Angelina! Was für eine erneute Intrige treibt dich zu uns?“ Auf Angelinas Lippen breitete sich ein ebenfalls breites zuckersüßes Lächeln auf, als sie sich zu den zwei Schwester dazugesellte und angriffslustig ihre Arme verschränkte. „In Wirklichkeit will ich dir nur helfen,Darlyne.“ Ihren Namen ließ Angelina so über ihre Lippen gleiten, als würde sie einen Kaugummi, der seinen Geschmack verloren hatte, voller Abscheu ausspucken. Darlyne zog ihre Brauen in die Höhe und wechselte einen gespielt gespannten Blick mit Ophelia. „Und wie?“

„Indem ich dir die Wahrheit sage, Darlyne. Ich habe viel zu lange geschwiegen.“ Ophelia konnte die innere Unruhe ihrer Schwester spüren und wie sie sich auf selbst übertrug. Doch Darlyne überspielte das unangenehme Gefühl, das sich in ihrem Inneren wie frischklebender Teer ausbreitete, mit einem Lachen. „Du machst mich ja schon richtig gespannt, Johnson.“ Angelina schlug ein Bein über das andere und inspizierte ihre lackierten Fingernägel. „Ich weiß ihr wolltet es geheim halten, aber ich weiß das du und Fred letztes Jahr für eine Weile zusammen wart. Was auch immer ihn dazu geritten hat.“ Sie fuhr sich durch ihre offenen tiefschwarzen Haare und blickte Darlyne mit einem gewinnenden Funkeln entgegen. „Ich dachte es interessiert dich vielleicht, dass der Grund warum er sich all die Ferien nicht gemeldet hat in Wirklichkeit der war, dass er all die Wochen mit mir zusammen verbracht hat, obwohl er noch mit dir zusammen war.“

Darlyne versuchte den Stich in ihrem Herzen zu ignorieren, immerhin wusste sie das es Schwachsinn war, was Angelina von sich gab. Sie hatte schon so viele Versuche gegen sie unternommen. So viele Versuche, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es konnte nicht stimmen. Immerhin-

„Und damit kommst du mir nach über einem Jahr? Wirklich? Du musst dir schon etwas besseres ausdenken, um zu verhindern, dass ich meine Freundschaft mit Fred aufgebe.“ Angelina lächelte unbeirrt und griff bestimmt in ihre Tasche hinein und reichte Darlyne die geöffneten und nie beantworteten Briefe, die mit dem Duft von Darlynes Parfüm besprüht waren. Wie in Trance nahm Darlyne den Stapel Briefe entgegen, ignorierte den zufriedenen Blick von Angelina auf sich und rümpfte nur ihre Nase.

Angelina lächelte stumm. „Habe ich es doch gewusst. Du hast noch Gefühle für ihn. Nur lass mir dir eins sagen, Darlyne. Du kannst noch lange mit unserem Goldjungen Niven McLaggen zusammen sein, aber eins wirst du nie haben. Und das ist Fred.“ Mit diesen Worten erhob sich Angelina und blickte auf Darlyne herab. „Du arme. Immer tust du so als würde dir alles gehören, dabei hast du nichts. Du bist nichts als eine verbitterte Schlange, die alles und jeden für ihre Zwecke zu manipulieren versucht. Trägst dein süßliches kleines Lächeln zur Schau, wenn jeder nach deiner Pfeife tanzt. Dabei bist du verdammt nochmal kalt wie Eis. Ein Wunder, dass deine Freunde das nach all den Jahren noch nicht bemerkt haben.“ Mit diesen Worten und einem Lächeln in Ophelias Richtung, schwang sich Angelina auf ihren Besen und flog zu Wood hinunter. Ließ Darlyne zurück, die immer noch fassungslos auf die Briefe in ihrer Hand starrte.

Ophelia konnte spüren wie sich Darlynes schnellschlagendes und schmerzendes Herz sich auf das ihres übertrug. Sie seufzte und legte zögernd ihre Hand sanft auf die Schulter ihrer Zwillingsschwester. „Darlyne… Du kennst Angelina. Sie lügt, um dich zu ärgern.“ Doch Darlyne erwiderte nichts, stattdessen fuhr sie gedankenverloren über den Ring aus Blauquarz, den sie und ihre Zwillingsschwester trugen. Der Wind um sie herum wurde erbarmungsloser und die Wolken über ihnen färbten sich langsam dunkelgrau. Darlyne ließ ein leises Seufzen von sich hören und strich sich eine gelöste Strähne ihres Zopfes aus dem Gesicht.

Ihre Mimik war unleserlich und der Sturm, der aufzog, schien sich in ihren Augen widerzuspiegeln. Ophelia konnte spüren wie sich in Darlyne unendliche Gedanken überschlugen, doch sie selbst konnte keinen erfassen, so wie sie es sonst eigentlich konnte. Stattdessen sah sie nur dabei zu wie Darlyne ihren Blick in die Ferne wandern ließ und zwei Jungs mit feuerroten Haaren erblickte, die gerade ihre Besen bestiegen und auf dem Weg zu ihnen auf die Tribüne waren. Mit einem erneuten Rümpfen ihrer Nase stopfte Darlyne die Briefe in einer groben Geste in ihre Tasche hinein und drückte sie Ophelia in die Hand.

„Ich werde nach dem Training noch zu Niven gehen, also warte nicht auf mich, ja?“

Mit diesen Worten erhob sie sich, genau in dem Moment, als die Zwillinge landeten und sich lachend darüber ausließen, wie ihr Freund Lee heute Morgen einen verzweifelten Flirtversucht gestartet hatte, der schief gegangen war. „Was zieht ihr denn für finstere Mienen? Haben wir was verpasst?“, fragte Fred belustigt, während er sich mit seinem Bruder auf Ophelia und Darlyne zubewegte. Darlyne hingegen stolzierte nur mit hocherhobenem Kopf an den Zwillingen vorbei, während sie versehentlich Fred rammte und sich nur wenige Sekunden selbst, wie Angelina vor einigen Minuten, auf den Besen schwang und in den grauen Himmel davonbrauste. Ophelia sah dabei zu wie die Zwillinge ihr für einen Moment mit gerunzelter Stirn hinterherblickten. Mit einem kaum hörbaren Schnauben drückte Ophelia die mit Drachenschuppen besetzte Tasche ihrer Schwester näher an sich heran und starrte ihr gedankenverloren hinterher. Angelina, dieses Miststück.

Ophelia wusste wie sehr das Darlyne aufwühlen musste. Immerhin hatte sie sich nächtelang gefragt, warum Fred ihr nicht antwortete und als Ophelia George immer und immer wieder geschrieben hatte, was mit Fred los sei, war er ihr immer nur ausgewichen. Und nun hielt ihr Angelina all die Briefe unter die Nase, die Darlynes verzweifelten Versuche widerspiegelten Fred zu kontaktieren. Aber wieso gerade jetzt? In Gedanken verloren, sah Ophelia dabei zu wie Fred fragend seine Stirn runzelte. „Was ist mir ihr los? Ist etwas passiert?“ Ophelia hörte die unterschwellige Besorgnis in seiner Stimme, immerhin wusste man, sobald Darlyne in Stille verfiel, das etwas ganz und gar nicht mit ihr stimmte.

Ophelia kratze sich nachdenklich an ihrer Schläfe und gab nur ein Seufzen von sich. „Es ist nichts.“ Fred ließ ein seufzendes Lachen von sich zu hören. „Und immer, wenn Frauen genau das sagen, stimmt etwas ganz und gar nicht. Also was ist es? Hat es etwas mit Niven zu tun? Bestimmt hat es etwas mit McLaggen zu tun, das hat es schließlich doch immer.“ Ophelia fuhr sich nachdenklich über den Ring an ihrer Hand und dachte über irgendetwas nach, das die Lage entschärfen wurde. „Das Training beginnt gleich. Ihr solltet euch lieber darauf konzentrieren.“

Nur wenige Sekunden nach diesen Worten ließ Oliver Wood seine schrille Pfeife ertönen und winkte die Zwillinge mit harschen Bewegungen zu sich. George und Ophelia tauschten einen kurzen Blick miteinander und ihm schien klar zu werden, das etwas vorgefallen war. Eine Lawine musste losgelöst worden sein. Eine Lawine, die ihre Freundschaft überrennen würde. Erbarmungslos. Ophelias stürmisch funkelnden Augen zeigten ihm das. Sowie das ungute Gefühl, das sich in ihm ausbreitete, als Ophelia unbeirrt seinen Blick erwiderte. Das war schließlich auch der Moment, in dem sich der erste Regentropfen aus der Wolkenfront löste und jeden der Freunde sanft erfasste.

Fred drehte sich mit einem seufzenden „Wie auch immer“ um und bewegte sich mit George, der sich wie in Zeitlupe dem besorgten Blick von Ophelia widmete, auf ihre Besen zu, die sie letztendlich bestiegen und Richtung Trainingsfeld rauschten. George drehte sich noch einmal zu Ophelia um, die ihm nur sanft entgegenlächelte. Er sollte sich keine Sorgen machen. Nicht jetzt vor dem Training. Immerhin wusste sie wie sehr gefährlich es sein könnte, bei einem stürmischen Training in ebenso stürmischen Gedanken gefangen zu sein.



Der Nieselregen fiel immer unbarmherziger auf ihre Gesichter, als die Gryffindor-Mannschaft der euphorischen Rede ihres Trainers lauschte. Nachdenklich betrachtete George die untergehende Sonne, die man nur schwer unter den immer schneller aufziehenden sturmgrauen Wolken entdecken konnte. Ohne Olivers siegessicherer neue Methode ein Gehör zu schenken wanderte seinen Blick weiter zu seinem Bruder, der ungeduldig der Rede von Oliver lauschte und immer wieder ein genervtes Seufzen von sich hören ließ.

Seine Arme waren krampfhaft verschränkt und wie es schien ignorierte er Angelina, die versuchte seinen Blick auffangen zu können um ihm ihr schönstes Lächeln zu schenken. Stattdessen richtete er seinen Blick immer wieder mit angespannter Kiefer in Richtung Darlyne, die gedankenverloren Woods taktischer Rede Gehör schenkte. Nachdem sie gelandet waren hatte sich Fred augenblicklich auf Darlyne zubewegt und Sie in einer ungeduldigen Art und Weise danach gefragt was McLaggen wieder einmal falsch gemacht haben könnte. Darlyne hatte ihm daraufhin nur schnaubend geantwortet, dass er nicht all ihre schlechten Launen auf Niven schieben sollte und sie beiden doch endlich mal in Ruhe lassen sollte. Mit diesen Worten war sie davongelaufen und hatte sich neben Harry niedergelassen, der das Szenario scheinbar mit leichter Überforderung beobachtet zu haben schien.

George wusste genau wie sehr es Fred hasste Dinge vorgehalten zu bekommen und erst recht in einer vorwurfsvollen Art und Weise. Und dann noch von Darlyne. Er war so seltsam angespannt, doch sobald sich ihre Blicke trafen bemühte er sich immer wieder um ein Grinsen. Doch es gab nur wenige die verstanden wann ihn wirklich etwas Beschäftigte und wann nicht. Und George schien auch den Grund zu kennen.

Ohne sein Zutun flog sein Blick blinzelnd zu Ophelia, die sich beiläufig mit Ron und Hermine unterhielt, während sie immer wieder ihre Blicke über ihre Mannschaft schweifen ließ. Sie wusste was in Darlyne vorging. So wie er immer wusste was in Fred vorging. Ein Seufzen verließ seine Lippen, die der Wind jedoch umhüllte und somit lautlos wirken ließ. Es schien immer, als würden Ophelia und er sich ständig um all die Probleme und Gefühle ihrer Zwillingsgeschwister kümmern, ohne dabei einmal mehr oder weniger auf sich selbst zu achten. Besonders Ophelia schien darin mittlerweile ihre Lebensaufgabe gefunden zu haben. Auch wenn sie ihm gegenüber immer wieder betonte, das Darlyne nun eben einmal so war und trotzdem der beste Mensch war, den sie kannte und liebte.

„…und deswegen ist es so überaus wichtig, dass ihr nach einem Triple-O-Manöver auch immer hinter euch schaut, kapiert?“ George richtete seinen Blick gerade noch rechtzeitig zurück auf das Feld um zu sehen, wie jeder abwesend mit dem Kopf nickte. Oliver Wood trug wie immer, wenn es um Quidditch ging, seinen zufrieden-konzentrierten Gesichtsausdruck zur Schau, auch wenn mehr als klar war, dass keines der Mannschaftsmitglieder ihm zugehört hatte, geschweige denn wusste, was ein Triple-O-Manöver war.

„Dann los, fangen wir mit einem kleinen Übungsspiel an.“ Mit ernster Miene hob Oliver seinen Zauberstab und murmelte ein paar Worte, woraufhin die Übungsstrohpuppen, die er mitgebracht hatte, sich in einer bestimmten Konstellation in die Lüfte erhoben.

Dann machte er sich auf den Weg zur Kiste mit den Bällen, während sich der Rest des Teams auf die Besen begab. George rutschte beinahe auf dem matschigen Feld aus, als er sich vom Boden abstieß. Jeder flog ein paar schnelle Runden durch das Quidditchstadion, um sich an die Wetterverhältnisse zu gewöhnen. Je schneller man flog, desto mehr schienen sich die Regentropfen wie kleine Dolche in die Haut jedes einzelnen zu bohren, doch daran waren sie gewöhnt. Schließlich setzte Oliver mit Vorliebe Trainings bei schlechtem Wetter an. Wenn man das Spiel unter den schwierigsten Bedingungen beherrschte, so behauptete Oliver immer, dann wäre es bei Sonnenschein ein Klacks. Dass diese Einstellung nicht gerade zur Motivation seiner Mannschaft beitrug, schien ihn kaum zu interessieren.

Erneut schnellte Georges Blick ungewollt zur Tribüne, wo Ophelia, Hermine und Ron mittlerweile ihr Gespräch beendet hatten. Zaghaft hob Ophelia ihre Hand, um George zuzuwinken. Lächelnd erwiderte er die Geste und spürte, wie ihm trotz der beißenden Kälte unwillkürlich wärmer wurde. Erst Olivers schriller Pfiff brachte George dazu, sich wieder dem Spielfeld zuzuwenden.
Mittlerweile hatten sich alle auf ihren Positionen eingefunden, und Oliver schwebte mit dem Quaffel unterm Arm zu den drei Jägerinnen. „Alicia, du übernimmst heute die Spitze. Nichts für ungut, Darlyne, aber ich habe gemerkt wie abwesend du heute bist, also ist es wohl besser, wenn du es heute langsamer angehen lässt.“

Ein Lächeln voller Genugtuung huschte über Angelinas Gesicht, als sie ihren gewohnten Platz auf dem linken Flügel einnahm. Irritiert fing Alicia den Quaffel auf und flog an die Spitzenposition, die eigentlich bisher immer Darlyne innegehabt hatte. Von dort aus warf sie einen fragenden Blick in Richtung Darlyne. Darlyne hingegen presste nur die Lippen zusammen und strich sich mit erhobenem Haupt eine nasse Haarsträhne aus den Augen. Im dunklen Licht des Unwetters über ihnen war ihr Gesichtsausdruck kaum zu erkennen, doch George konnte sich denken, was in ihr Vorgehen musste. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihm breit, und er warf einen besorgten Seitenblick zu Fred. Seine Fingerknöchel leuchteten bereits weiß hervor, so fest hatte er seinen Schläger umgriffen.

In der Ferne ertönte ein Donnern, weswegen Oliver ihnen befahl, schnell mit dem Spiel zu beginnen, bevor sie wegen des Gewitters das Training beenden mussten. Ein paar Spielzüge lang ging alles gut, auch wenn kaum ein Manöver erfolgreich war, weil meistens einer der Pässe zwischen Angelina und Darlyne danebenging oder der Quaffel schlicht und einfach vom Wind gegen eine der Übungspuppen geweht wurde. Harry schwebte mittlerweile beinahe in den tiefschwarzen Gewitterwolken, in dem verzweifelten Versuch, in der grauschwarzen, regnerischen Finsternis den Schnatz zu identifizieren. Jedes Mal, wenn George einen der Klatscher von den Jägerinnen fernhielt, rutschte ihm beinahe der nasse Schläger aus den Fingern. Seinem Bruder schien es kaum besser zu gehen. Und dann geschah es.

Einer der Pässe musste wohl schiefgegangen sein, denn George sah nur noch, wie Darlyne unvermittelt abtauchte und im Sturzflug versuchte, den Quaffel wieder aufzufangen. In demselben Moment traf Fred einen der Klatscher unsauber und verlor dabei beinahe seinen Schläger. Wie in Zeitlupe hob Darlyne den Kopf, und in ihren perlgrauen Augen spielte sich etwas ab, was George noch nie an ihr gesehen hatte. Ein unausgesprochenes Gefühl blitzte für den Bruchteil einer Sekunde auf ihrem Gesicht auf. Dann verhärtete sich ihr Gesicht und sie riss ihren Besen im letzten Moment herum, sodass sie unsanft auf dem Boden landete, den Quaffel zu ihren Füßen, den Klatscher um eine Haaresbreite neben ihr aufschlagend.

Es dauerte kaum zwei Sekunden, schon war der Rest der Mannschaft neben ihr auf dem matschigen Boden gelandet. Keinen Augenblick später hallte auch schon Darlynes wütende Stimme über das Feld. „Was sollte das, Fred?“
„Ist dir was passiert, Darlyne?“, fragte Oliver mit einem Gesichtsausdruck, als würde er sich bereits ausmalen, wo er einen geeigneten Ersatz für den Fall finden sollte, dass Darlyne ausfiel.

„Offensichtlich nicht, sie findet ja schon die Kraft wieder grundlos auf Fred loszugehen.“ Mit in die Hüfte gestemmten Händen stapfte Angelina wie eine Furie auf Darlyne zu. „Hättest du meinen Pass einfach ein bisschen geschickter angenommen, dann wäre es überhaupt gar nicht so weit gekommen. Fred trägt keine Schuld an deiner Unfähigkeit.“
Mit bitter gekräuselten Lippen wandte Darlyne sich an Fred. „Ist ja süß, wie du deine kleine Freundin vorschickst.“ Mit gereizter Miene warf Fred seinen Besen zu Boden und schob Angelina unsanft zur Seite. „Was bei Merlins Bart ist los mit dir, Darlyne? Erst ignorierst du mich, dann nörgelst du an mir herum, und – “

Darlyne ließ nur ein Fauchen von sich hören und bückte sich beiläufig nach ihrem Besen, um ihn nach Beschädigungen zu begutachten. „Es ist nichts los mit mir. Ich frage mich gerade nur warum du mir nicht einfach diesen Klatscher vom Leib halten konntest.“ Nachdem sie sich aufgerichtet hatte fasste sie sich mit schwindelerregenden schwarzen Punkten, die vor ihrem inneren Auge tanzten an den Kopf und sah benommen dabei zu wie Fred näher auf sie zukam. Je näher er ihr kam umso mehr klärte sich ihr Blick. Seine schokoladenfarbenen Augen funkelten ungeduldig, als er Darlyne mit einem Seufzen entgegenblickte. „Hast du dir weh getan?“

Darlyne starrte ihm nur stumm entgegen und schluckte schwer. Ob sie sich weh getan hatte? Ja. Aber nicht einmal ein Klatscher, oder der Aufprall hätte sie so schwer treffen können, als der Stapel Briefe, die ihr Angelina in die Hand gedrückt hatte. Doch Darlyne würde Angelina den Erfolg nicht gönnen. Nicht hier und nicht jetzt. Stattdessen räusperte sie sich kaum hörbar und drehte ihren Kopf in die Richtung von Wood, der mit besorgtem Blick auf sie zu gestiefelt kam. „Trainiert ohne mich weiter. Du hast mich heute sowieso schon ersetzt, Oliver.“

Ihren letzten Satz richtete sie jedoch nicht an Wood, sondern starrte fest in die schokoladenfarbenen Augen von keinem anderen als Fred Weasley. Mit diesen Worten hatte sie sich bereits schon umgedreht und war drauf und dran das Quidditchfeld hinter sich zu lassen. Wäre da nicht Angelina Johnsons murmelnde Stimme gewesen, die ihrer Freundin Alicia „leise“ etwas zuflüstern wollte.
„Kein Wunder das sie ihre Nerven verliert. Jetzt wo ihr Dad so im Fadenkreuz des Tagespropheten steht.“ Ihre Worte ließen Darlyne innehalten. Fred und George hatten beinahe im gleichen Takt ihre Augen verdreht und sich Angelina vorwurfsvoll entgegengewandt. Mittlerweile waren auch Ophelia, Hermine und Ron von der Tribüne auf das Spielfeld geeilt, um zu sehen, was los war. Besorgt kam Ophelia neben ihrer Zwillingsschwester zum Stehen und flüsterte ihr mit gerunzelten Augenbrauen etwas zu, worauf Darlyne aber nicht antwortete. Sie hatte sich bereits umgedreht und sich einige bedrohliche Schritte auf Angelina zubewegt. „Was hast du gerade gesagt?“ Darlynes Stimme war gefährlich leise.

Eine warnende Gänsehaut breitete sich auf Georges Armen aus und er ging ein paar Schritte auf die Streitenden zu. Tauschte einen kurzen Blick mit Ophelia, die ihrer Schwester hinterhereilte. „Na ja, es ist doch offensichtlich, oder? Jeder denkt es, aber keiner traut sich, es auszusprechen.“ Der Regen prasselte mittlerweile unbarmherzig auf sie herab, in der Ferne zuckte ein Blitz über den Himmel und tauchte für einen kurzen Moment die Szene in ein unheimliches Licht. Darlynes Gesicht blieb ausdruckslos, auch wenn man den Kampf in ihren perlgrauen Augen beobachten konnte. Angelina hob mit einem Ruck ihr Kinn. „Deine Familie versucht alles um ihren nun dahingleitenden Ruf aufrecht zu erhalten. Es war nur eine Frage der Zeit bis dein Dad sich mit seiner Aufgabe als Zaubereiminister überschätzt. Schließlich weiß jeder, dass dein Dad nach dem Tod eurer Mum nicht mehr ganz er selbst ist. Kein Wunder das dich das so mitnimmt, Darlyne. Immerhin ist es tragisch seine Mum zu verlieren, hm? Vorallem dann, wenn es eine ungeklärte Todesursache war. Oder ist das nur ein weiteres Geheimnis eurer Familie?“

Einige Sekunden lang herrschte Schweigen, niemand regte sich, während der Regen immer heftiger wurde. Angelina zuckte nur mit ihren Schultern, als sie die fassungslosen Blicke der Mannschaft erntete. „Was denn? Stand doch sogar heute Morgen im Tagespropheten.“ Wie in Zeitlupe klappte Ophelias Mund auf, und in ihren Augen tobte ein Tsunami an Gefühlen. Sie spürte wie das unheilvolle Gefühl, das in ihrem Körper zu brodeln begann, sich inmitten ihres Ringes lokalisierte, während ihr die nächsten Worte ohne jegliche Kontrolle über ihre Lippen glitten. „Wie kannst du es wagen meine Familie da mit reinzuziehen, du falsches Stück?“ Der Schmerz in Ophelias Stimme raubte George fast den Atem. Er tat in demselben Augenblick einen zögernden Schritt auf sie zu, in dem sie sich mit wütend verzogenen Lippen auf Angelina stürzte und ihr mitten ins Gesicht schlug.

„Genug jetzt!“, donnerte Olivers Stimme kräftig über das Spielfeld und ließ alle erneut innehalten. „Das Training ist für heute beendet. Klärt das gefälligst unter euch, oder ich schmeiße euch alle aus der Mannschaft.“ Mit diesen Worten schwenkte er seinen Zauberstab ruckartig, sodass die Übungspuppen und Bälle zurück an ihren Platz schnellten. Dann bedachte er jeden von ihnen mit einem letzten, wütenden Blick, bevor er mit langen Schritten davonstiefelte.

Der erste, der sich wieder von der Stelle rührte, war George, der vorsichtig eine Hand auf Ophelias Schulter legte, diese schüttelte diese jedoch gleich von sich. Stattdessen stand Ophelia reglos da, während ihr Körper in der regnerischen Kälte gefährlich bebte. Sie drehte sich nach wenigen Sekunden stumm zu Darlyne um und blickte in ihre ebenso leerwirkenden Augen. Angelina hatte Recht. Ihr Dad hatte vielleicht wirklich die Kontrolle verloren. Doch er tat sein Bestes. Und das indem er vor der ganzen Zaubererwelt das große Familiengeheimnis ihrer Familie bewahrte.

Darlyne starrte Angelina voller Hass entgegen. Dann warf sie einen letzten Blick auf Fred, der wie erstarrt neben den beiden stand, die Fäuste fest geballt, die Kiefer mit einer unglaublichen Kraft aufeinander gepresst. Seine Augen schienen die ihren für einen Augenblick lang beinahe zu spiegeln.

Darlyne beobachtete stumm wie sich Ophelia sich mit schnellen Schritten auf sie zubewegte und als sie neben ihr ankam, folgte sie ihr ebenso, ohne der Mannschaft auch nur einen Blick zu schenken. Geschweige denn Fred und George. Der Ring an ihren Händen, das Erbstück ihrer Mutter, brannte schmerzhaft an ihren Fingern. Erinnerte sie an das, was ihre Familie so zerbrechlich machte. Und Angelina hatte sie ein weiteres Mal an den Verlust erinnert, den sie durchgemacht hatten. Und es immer noch taten. Jeden Tag.

Schließlich war der vertuschte Selbstmord ihrer Mum ein täglicher Begleiter, ein tiefschwarzer Schatten, der sie tagtäglich zu überkommen schien, vorallem dann, wenn die Erinnerungen an ihre Mutter Althea Prescott Überhand übernahmen. Und so verließen die beiden Zwillingsschwestern stumm und mit schnellen Schritten das Quidditchfeld, bis der dichte Regen sie vollständig verschlungen hatte.
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