Epiphany - Blut ist dicker als Wasser.

von LoonyLove
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
21.12.2018
11.01.2019
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Dieses Kapitel
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Hallöchen ihr!

Hier das neue Kapitel der Woche :)
Wir hoffen es gefällt euch, wenn ja lasst doch ein Review da! <3
Als kleine Ankündigung: Nächste Woche wird es eine kleine Pause geben, da eine von uns ihre schriftlichen Abschlussprüfungen nächste Woche bewältigen muss und wir nicht zum Schreiben kommen.
Aber übernächste Woche bekommt ihr ein neues frischgebackenes Kapitel :)

Auf ein schönes und erholsames Wochenende :)
In Liebe, eure LoonyLove





Trouvaille
(n.) something lovely discovered by chance.


„Schlagen Sie ihre Bücher auf Seite 423 auf. Sie werden heute den Trank der Lebenden Toten brauen.“ Snape starrte durch den Vorhang seiner schwarzen Haare Fred und George an, die sich gerade einen Wettstreit darin lieferten, Papierkügelchen gegen Adrian Puceys Hinterkopf zu schnippen. „Jeweils werden Sie es zumindest versuchen.“, fügte Snape herablassend hinzu.
Ophelia beugte sich zu ihrer Schultasche, um ihr abgegriffenes Zaubertrankbuch herauszukramen. Neben ihr hob Darlyne einen Mundwinkel und beugte sich verschwörerisch zu ihrer Zwillingsschwester. „Also“, raunte sie leise, „Arwen McKinnon, hm?“
Ruckartig zog Ophelia ihren Kopf wieder hoch und hätte dabei beinahe ihren Kessel umgestoßen. Mit aufeinandergepressten Lippen stoppte sie den schwankenden Kessel neben sich. „Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist.“

„Ach komm schon, O.“ Darlyne warf ihre blonde Haarmähne über die Schulter und sandte dabei eine Duftwolke ihres Parfums in Ophelias Richtung. „Ich weiß ganz genau, was in dich gefahren ist. Du hattest schon immer eine Schwäche für mysteriöse, unnahbare Kerle.“

„Ähm…“ Spontan flackerte das Bild ihres bisher einzigen Exfreundes – Cedric Diggory – durch Ophelias Gedanken. „Wohl eher nicht.“

„Nein, aber du musst zugeben, dass Arwen die Liste deiner Eroberungen um einiges interessanter machen würde.“ Darlyne lachte leise und blickte gerade noch rechtzeitig auf, um Snapes nachtschwarzen Umhang direkt vor sich aufbauschen zu sehen.
„Miss Prescott“, schnarrte Snape mit öliger Stimme. „Da Sie es offensichtlich nicht für nötig halten, meinem Unterricht zu folgen, werde ich es auch nicht für nötig halten, Ihnen die freie Partnerwahl zu überlassen.“ Für einen Augenblick schwieg Snape, dann drehte er sich zu einer Gruppe Slytherins, die Darlyne bereits die ganze Stunde lang geifernd angestarrt hatten. „Sie werden gemeinsam mit Mister Zabini den Trank der Lebenden Toten brauen.“

Ein leises Johlen ging durch die Reihen der Slytherins. Mit einer übertriebenen Dramatik verdrehte Darlyne die Augen in Richtung von Snapes Rücken, bevor sie sich elegant erhob und ihre gekürzte Uniform vor den Blicken der gesamten Klasse glattstrich. „Oh nein“, sagte sie mit gelangweilter Stimme. Ihr Mundwinkel zuckte kaum sichtbar. „Bloß nicht zu den bösen, bösen Slytherins.“
Snape tat so, als hätte er den Kommentar nicht gehört und schritt bereits mit bauschendem Umhang nach vorne zur Tafel, auf der er eine Liste von Zutaten vorbereitet hatte. „Der Rest von Ihnen tut sich in Zweierpärchen zusammen und beginnt damit – “ In diesem Moment unterbrach das laute Knarzen der Kerkertür Snapes gleichgültigen Monolog. Alle Blicke der Klasse richteten sich synchron auf den Neuankömmling.

„Mister McKinnon.“ Professor Snapes Blick triefte geradezu vor Verachtung, während sich sein Umhang wie Fledermausflügel um seinen Körper bauschte. Seine Stimme klang ungerührt, als hätte er dieses Gespräch bereits etliche Male geführt. „Verschonen Sie mich mit Ihren schlechten Ausreden zu Ihrer neuerlichen Verspätung. Zehn Punkte Abzug für Gryffindor. Ich erwarte Sie wie immer um 6 Uhr zum Nachsitzen in meinem Büro.“ Er machte eine kurze Pause und seine Mundwinkel kräuselten sich. „Sie haben die Ehre, meine Zutatensammlung zu entstauben und neu zu beschriften.“
Arwen nickte nur knapp, und der Blick aus seinen sturmgrauen Augen wanderte herausfordernd über die starrende Klasse. Es kam Ophelia beinahe so vor, als verweilte sein Blick einen Wimpernschlag zu lange auf ihr. Dann ertönte erneut Snapes monotone Stimme. „Fangen Sie endlich an.“

Leises Gemurmel und Rascheln brandete durch die Klasse, als alle damit begannen, die nötigen Zutaten aus den Mahagoniregalen zu sammeln. Ophelia spürte Georges stechenden Blick auf sich liegen, während sein Zwillingsbruder leise murmelnd in Richtung der Slytherins starrte. Der leere Platz neben Ophelia, den ihre Schwester Darlyne hinterlassen hatte, brannte sich in Ophelias Gedanken. Als sie neben sich die schweren Schritte Arwen McKinnons hörte, handelte ihr Körper wie von selbst. „Hier ist noch ein Platz frei.“

Arwens Schritte hielten inne, und sie spürte, wie er sie anstarrte, doch Ophelia konnte den Blick nicht von ihrem abgegriffenen Zaubertrankbuch heben. Eine Weile lang herrschte peinliches Schweigen. Schließlich schaffte es Ophelia, den Blick aus Arwens stürmisch grauen Augen zu erwidern. Die kleinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich unwillkürlich auf. Dennoch klang ihre Stimme fest und sicher. „Du kannst dich neben mich setzen, wenn du möchtest.“

Der Schatten eines Lächelns umspielte Arwens Mundwinkel. „Du bist wirklich zu gut zu mir, Prescott.“ Dann ließ er sich auf den Stuhl neben sie fallen, und die Bewegung sandte einen schweren Geruch vermischt mit einer kleinen Staubwolke in Ophelias Richtung. Schnell wandte sie sich ab und las laut die nötigen Zutaten vor.

„Also, wir brauchen Affodillwurzel, Wermut, den Saft einer Schlafbohne und…“ Ophelia hielt mitten im Satz inne und konnte mit einem Mal ihre Neugier nicht mehr im Zaum halten. „Wie oft musstest du schon bei Snape nachsitzen? Es klang so, als wäre das bei euch beiden schon zur Gewohnheit geworden“, platzte sie hervor und starrte Arwen von der Seite her an.

Damit entlockte sie ihm ein leises Lachen. „Snape scheint sich damit abgefunden zu haben. Für ihn bin ich sowas wie ein persönlicher Hauself geworden. Schätze, seine Regale und Kessel waren selten so sauber.“ Bevor Ophelia weiter nachfragen konnte, erhob sich Arwen und nickte in Richtung des Mahagoniregals, um ihr zu signalisieren, dass er die Zutaten holen würde.
Ophelia atmete laut aus und machte sich daran, das Feuer unter ihrem Kessel zu entzünden. Neben ihr hielt George beim Hacken seiner Affodillwurzel inne. „Musste das sein?“, murmelte er ihr leise zu und folgte Arwen mit seinen Augen.  

„Was denn?“, fragte Ophelia ein bisschen zu laut, sodass sich ein paar Gryffindors am Tisch neben ihr zu ihnen umdrehten. „Soll ich den Trank alleine brauen? Ich kann auch nichts dafür, dass Darlyne mal wieder weggesetzt wurde.“, fuhr sie mit gesenkter Stimme fort.

Bei diesen Worten flog Ophelias Blick zu ihrer Zwillingsschwester, die gerade naserümpfend den bläulichen Rauch ihres Gebräus von ihren Haaren wegwedelte. Blaise Zabini lehnte sich zu ihr und flüsterte etwas in Darlynes Richtung, was ihr ein leises Lachen entlockte. Achtlos und von ihrem Gespräch abgelenkt warf sie etwas in den Kessel, dessen Dampf sich augenblicklich zu einem bedrohlichen Schwarz verfärbte. Doch keiner der beiden schien es zu merken oder sich auch nur darum zu kümmern. Stattdessen lehnte sich Blaise mit unleserlicher Miene vor und zupfte ein Stück Baldrianwurzel, das sich in Darlynes Haaren verfangen hatte, aus ihren blonden Locken. Ein Kichern hätte beinahe ihre Lippen verlassen, doch schon im nächsten Moment verblasste es, als Blaise sie sanft mit dem Ellenbogen anstupste und in die Richtung von Professor Snape deutete, der Blaise und ihr einen mahnenden Blick zuwarf.

Fred folgte Ophelias Blick und verdrehte nur gelangweilt seine Augen. „Ich weiß wirklich nicht was Darlyne so großartig an Blaise findet. Er ist ein Slytherin.“
Neben ihm runzelte George die Stirn. „Aber Zabini hat noch nie ein böses Wort uns gegenüber erwähnt. Ich weiß die anderen Slytherins, also zumindest Dracos Gefolgschaft, halten ihn für verrückt mit Darlyne abzuhängen… Wo hatten sie sich nochmal kennengelernt?“

„Oh, das hat sie mir nie so genau erklärt.“ Ophelia zuckte mit ihren Schultern und wandte sich dem Zaubertränkebuch, das vor ihr lag, zu. Natürlich wusste Ophelia an welchem Ort sich kennengelernt hatten. Doch dies war eine andere und sehr lange Geschichte. Und Darlyne hatte ihre Zwillingsschwester darum gebeten es keinem zu erzählen…

Bevor Fred einen weiteren Kommentar dazu abgeben konnte, was er von dieser Freundschaft hielt, kam Arwen mit den Armen voller Zutaten zurück. Ophelia ignorierte das synchrone genervte Schnalzen der Weasley-Zwillinge und machte sich daran, den Wermutsud anzulegen. Unbewusst kaute sie auf ihrer Unterlippe herum und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Dachte an Angelina und wie sie sich zu dieser dämlichen Wette hatte hinreißen lassen. Was sie sich dabei gedacht hatte, konnte sie sich selbst nicht beantworten. Ob George mit seiner Meinung über Arwen wohl Recht hatte?

Nachdenklich beobachtete sie ihn von der Seite. Arwen schien ihren Blick zu spüren, denn er wandte langsam den Kopf und blickte sie mit erhobener Augenbraue und amüsiert zuckendem Mundwinkel an. „Willst du mir was sagen, Prescott?“

Zu ihrem Unmut spürte Ophelia, wie Hitze in ihren Wangen aufstieg. Schnell griff sie nach der Affodillwurzel und machte sich stumm daran, sie auf den Wermutsud zu geben. In diesem Moment ertönte ein Räuspern hinter ihr. „Es ist immer wieder faszinierend“, begann Snape mit seiner schnarrenden Stimme, „wie sehr sich der schlechte Einfluss eines einzelnen auswirken kann.“ Stirnrunzelnd drehte Ophelia sich um und begegnete Snapes eiskalter Miene. „Hat Mister McKinnon Ihre Gedanken so sehr eingenommen, dass Sie verdrängt haben, dass man die Affodillwurzel klein hacken muss, bevor man sie zum Wermutsud gibt, Miss Prescott?“ Er machte eine kleine Pause, und Ophelia konnte hören, wie der Trank hinter ihr bedrohlich zu blubbern begann. Sie schluckte. „Zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor. Ich muss sagen, von Ihnen hätte ich mehr erwartet, Miss Prescott. Ihre Naivität scheint wohl das winzige bisschen Talent, das sie bisher beim Zaubertrankbrauen gezeigt haben, gänzlich zunichte gemacht zu haben.“

Wenn sie bisher nicht rot angelaufen war, dann war Ophelia es jetzt ganz sicher. Mit brennenden Wangen sah sie dabei zu, wie Snape sich höhnisch abwandte und an den nächsten Tisch weiterschritt. Wütend erwiderte Ophelia die starrenden Blicke der anderen Gryffindors. Zwanzig Punkte. So etwas war ihr noch nie passiert.

Neben ihr ertönte ein leises Lachen, und sie konnte sich gerade noch rechtzeitig zurückdrehen, um zu sehen wie Arwen mit einem Grinsen die schwarze, klebrige Masse ihres Zaubertranks mit dem Zauberstab entfernte, um von neuem zu beginnen. „Wirklich witzig“, zischte sie kaum hörbar.

Wenn möglich wurde das Grinsen auf Arwens Gesicht nur noch breiter. „Ich glaube, das tut dir ganz gut, Prescott. Du musst auch mal lernen, wie es ist, Fehler zu machen.“

„Ich mache aus Prinzip keine Fehler“, schnaubte Ophelia mit hoch erhobenem Kopf. Dann schnappte sie sich eine neue Affodillwurzel und begann damit, diese akribisch genau kleinzuhacken. Als sie wieder aufsah, starrte Arwen sie immer noch amüsiert an.

Etwas in Ophelias Innerem begann zu kochen. „Überhaupt, wieso kommst du eigentlich immer zu spät zum Unterricht? Was gibt es so Wichtiges, was dich von deinen Terminen abhält, hm?“

Mit einem Schlag gefror das Lächeln auf Arwens Lippen und wich einer ausdruckslosen Miene. „Das geht dich nichts an.“
Irritiert von dieser abweisenden Antwort schwieg Ophelia einen Augenblick lang. Doch ähnlich wie schon vorhin war ihre Neugier geweckt, und sie vermochte es nicht, die Frage zu unterdrücken. Ihre Stimme klang leiser als noch zuvor, zögernd, und alle Wut darin war verraucht. „War es“, begann Ophelia und beobachtete genau jede von Arwens Bewegungen, „war es derselbe Grund, aus dem du gestern in diesem verlassenen Korridor warst?“

Arwen erstarrte und hielt seinen Blick stur auf das flackernde Feuer unter ihrem Kessel gerichtet. Die Flammen spiegelten sich in seinen sturmgrauen Augen, führten einen wilden Tanz auf. Ophelia presste die Lippen aufeinander. „Es war kein Zufall, dass der Gargoyle dort erschienen ist, oder? Du warst das.“

Dann geschahen mehrere Dinge auf einmal: Die laut aufschlagende Kerkertür signalisierte das Ende der Stunde, und gemeinsam mit einigen Schülern, die es sehr eilig hatten davonzukommen, sprang auch Arwen McKinnon von seinem Stuhl. Die Kälte in seinem Blick sandte leichte Schauer über Ophelias Haut. „Du hältst dich besser aus meinen Angelegenheiten raus, Prescott.“, zischte Arwen eisig.

Bereits im nächsten Wimpernschlag war er in der sich bildenden Schülermenge verschwunden.

Ophelia ignorierte Fred und Georges fragenden Blick auf sich. Stattdessen starrte sie in die flackernden Flammen unter dem Kessel und drehte nachdenklich an dem Ring an ihrem Finger. Als Kind hatte sie Geheimnisse immer geliebt, aber jetzt fragte sie sich, ob jenes, welches sie gerade entdeckt hatte, nicht eine Nummer zu groß für sie wäre.
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