I'm Not Okay!

KurzgeschichteDrama / P12
20.12.2018
11.01.2019
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Ich lag in meinem Bett, hatte die Augen geschlossen, doch an Schlaf war nicht zu denken.
Immer wieder sah ich sein Gesicht vor meinem geistigen Auge, das mich an lächelte, mich aufmunternd ansah oder wie er einfach nur liebevoll schaute, so wie vor einer Woche noch, als alles scheinbar noch in Ordnung war.
Doch meine wunderbaren Erinnerungen verschwommen mit unheimlichen Phantasien, die mehr als unwahr und gruselig waren. Ich träumte oft davon, wie er mich schlug, obwohl er nie zuvor die Hand vor mir erhoben hatte. Vielleicht waren es auch nur Ängste oder Befürchtungen, aber ich hatte panische Angst vor diesem bösen Traum-Neji und blieb nächtelang wach, nur um meinen Träumen auszuweichen. Meistens schlief ich dann aus Erschöpfung und Müdigkeit ein, doch dann wurden die Phantasien schlimmer und realer. Ich wusste bald nicht mehr, ob Neji nun in Echt so war oder bloß in meinen Träumen. Vielleicht wollte ich auch nur nicht die Wahrheit sehen und stellte mir deshalb vor, dass alles Böse nur ein Traum war.
Aber nein, wenn ich wirklich so denken würde, würde ich auch denken das unsere Trennung nur ein gemeiner Traum war und das wir morgen ein Date haben würden. Aber die Trennung war real und die Monster in meinen Träumen nur Phantasie. Meistens merke ich erst dass ich geschlafen hab, wenn ich panisch und voller Angstschweiß aufwache. Doch keine Nacht blieb ich vor diesen Albträumen geschützt. Es half nichts dagegen. Ich konnte die Welt mir so schön reden wie ich nur wollte, aber die bösen Träume wiederholten sich jede Nacht und verschlimmerten sich sogar.

Plötzlich sah er mich mit bösem Blick an und versuchte mich zu würge. Ich hörte ein gemeines Lachen aus seinem Mund, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er drückte mich so feste, dass ich Angst hatte zu ersticken. Ich schrie, doch ich konnte keinen Ton aus meinem Mund hören, nur sein krankes, unheimliches Lachen...

Erschrocken riss ich die Augen weit auf und bemerkte, dass ich mich selbst gewürgt hatte. Ich löste den Griff schnell und hatte Angst, dass ich mal selbst mein eigene Mörder sein würde. Welch schreckliche Vorstellung.

In meinem Zimmer war es stockdunkel. Die Sonne schien gerade noch und ich musste wohl eingeschlafen sein, ohne es zu merken. Mein Atem ging schneller und ich hatte Schweißperlen auf der Stirn.
„Nur ein Albtraum“, murmelte ich vor mich hin und knipste das Licht meiner Nachttischlampe ein. Das helle Licht durchflutete den Raum und ich kniff etwas schmerzend meine Augen zusammen. Nervös rieb ich mir meinen schmerzenden Hals und meine Augen gewöhnten sich allmählich an das Licht.
Ich spürte wie ausgetrocknet meine Kehle war und stand träge auf um etwas zu trinken. Langsam tappte ich in die Küche. Die Fliesen unter meinen nackten Füßen waren kalt und ich bekam eine Gänsehaut.

So lief es Nacht für Nacht ab. Nach diesen Albträumen fällt es mir schwer wieder einzuschlafen.
Ich seufzte, setzte mich an den Esstisch und schaute auf die Uhr an der Wand. Es war erst neun Uhr abends.
Ich hatte mein Zeitgefühl komplett verloren und die Tage verschwammen immer mehr miteinander. Kaum zu glauben, dass schon eine Woche nach unserer Trennung vergangen war. Mir kam es vor wie gestern.

Der Winter war in diesem Jahr sehr früh hereingebrochen und die Tage verkürzten sich immer mehr. Ich glaube, ich hätte es nicht ausgehalten wenn ich diesen Herzschmerz im Sommer gehabt hätte. Ich liebe den Sommer. Die fröhlichen Farben, den Sonnenschein bis zum Abend, die wunderbare Hintergrundgeräusche von zwitschernden Vögeln und die warmen Temperaturen. Doch zu dieser Jahreszeit war es genau umgekehrt. Die grauen Farben, die frühe Nacht, die trostlose Stille und diese Eiseskälte. Diese triste Jahreszeit war quasi perfekt zum deprimiert sein.
Doch war ich wirklich bloß etwas deprimiert oder war es eine zu stärkeres Gefühl? War das schon eine richtige schwere und krankhafte Depression? Ich wusste es nicht. Ich wollte es aber auch nicht wissen.

Das Telefonklingeln riss mich aus meinen Gedanken. Ich stand lustlos auf und schlurfte zum Beistelltisch. Bestimmt war es eh nur meine Mutter, die sich mal wieder sorgte.
„Hallo?“
„Tenten? Hier ist Maito Gai.“
Gai-sensei? Wieso ruft mich mein Lehrer an? Was wollte er? Hatte Neji etwas über mein Befinden gesagt und sollte jetzt sich mein Sensei nun um meine Probleme kümmern? Ich wollte das nicht. Ich hatte keine Lust mit ihm zu reden und war weiß Gott nicht in der Laune zum tratschen.
„Hallo Gai-sensei“, sagte ich ohne große Begeisterung.
„Was ist los?“
„Nichts. Ich bin nur grade erst aufgestanden.“
„Oh, hab ich dich geweckt?“, fragte er schuldbewusst.
„Nein, nein. Schon okay.“
„Ich wollte eigentlich auch nur wissen, was mit dir und Neji los ist. Warum kommt ihr beide nicht mehr zum Training?“
Mich traf es wie ein Schlag in den Magen.
„Neji war nicht beim Training?“
„Ja, schon seit einer Woche nicht mehr. Lee und ich machen uns Sorgen. Wenn ihr Streit oder Kummer habt, könnt ihr mir das sagen.“
„Nein, nein“, sagte ich schnell. „Ich bin nur etwas krank. Magen-Darm-Grippe, glaube ich.“
Langsam fing ich an, mir selbst diese Geschichte abzukaufen.
„Ach ja? Dasselbe hat Neji auch gesagt.“
„Dann wird es wohl so sein. Wir haben wohl was falsches gegessen“, sagte ich gespielt locker.
„Tenten?“, fragte Gai-sensei unsicher. „Alles in Ordnung?“
„Ja. Ich bin in Ordnung“, log ich zum wiederholten Male.
„Wirklich?“
Ich ballte meine Hand zur Faust. Meine Fingernägel borte sich leicht in meine Handfläche. Wieso fragt mich überhaupt jeder, wenn sie mir eh nicht glauben?
„Ja, alles in Ordnung.“, antworte ich künstlich fröhlich und schüttelte meine Hand aus. „Ich kurier mich noch etwas aus und komm dann in alter Frische wieder zum Training.“
„Ja, okay.“
Er war anscheinend immer noch nicht ganz überzeugt.
„Aber denk daran, Tenten, sei morgen stärker als heute.“
Ich nickte nur, auch wenn er es nicht sehen konnte, aber er schien zu verstehen.
„Gute Besserung“, sagte er mitfühlend und legte auf.

Morgen stärker zu sein als heute dürfte nicht allzu schwierig sein. Ich fühlte mich an meinen Tiefpunkt. Körperlich und Seelisch.
Doch wunderte es mich, dass Neji nicht beim Training war. Ihm ging es heute Nachmittag doch scheinbar gut und er fehlte noch nie beim Training.
Doch dann wurde mir plötzlich klar, dass ich ihn kaum kannte und nicht wusste was in ihm vorging.
Hatte ich ihn heute überhaupt richtig an gesehen oder war ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt?
Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie er heute nachmittag aussah, hatte er Augenringe gehabt oder ein falsches Lächeln aufgesetzt? Ich konnte mich nicht erinnern.

Ich verstand Neji ohnehin nicht. Für mich war er wie ein Buch, das ins Wasser gefallen war und die Nässe die Tinte verwischt hatte. Die Seiten waren alle zerrissen und ausgefranst. Er war mir einfach ein Rätsel.
Und plötzlich wurde mir schlagartig etwas bewusst und ich fühlte mich, als würde diese Erkenntnis mich beinahe ohnmächtig werden lassen: Ich war der wahre Grund warum wir uns trennen…
 
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