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Time waits for no one

von Anastra
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hitomi Kanzaki Merle OC (Own Character) Van Fanel
20.12.2018
09.02.2019
3
7.372
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22.12.2018 2.217
 
2. Kapitel – Trugbild der Vergangenheit

„Und was, wenn deine Mutter es sich einfach nur selbst besorgt hat? Es muss ja nicht zwangsweise jemand im Zimmer gewesen sein.“ meinte Chouko und aß ihren Apfel. Kazumi verzog das Gesicht.
Sie verbrachten ihre Mittagspause auf dem Dach der Schule, damit Kazumi ihr in aller Ruhe, die Ereignisse der letzten Nacht erzählen konnte.
„Vielleicht, aber es ist doch sehr merkwürdig. Sie sollte so etwas nicht tun, wenn Papa doch zuhause ist. Ich würde es verstehen, wenn er gerade auf einer langen Geschäftsreise wäre.“
„Vielleicht hat sie sich daran gewöhnt. Es heißt, dass manche Frauen nur zum Orgasmus kommen, wenn sie es selbst machen.“
Kazumi sah ihre Freundin zweifelnd an. „Dein Ernst? Ich glaube nicht, dass das bei meiner Mutter der Fall ist.“
Chouko zuckte mit den Schultern und machte eine ausfallende Geste. „Keine Ahnung.“
„Wie auch immer, ich habe ein schlechtes Gefühl, was das angeht.“
„Mich hätte es auch verstört, wenn ich meine Mutter beim Masturbieren erwischt hätte.“
„Das ist es nicht…ok, vielleicht doch. Nein, aber auch was anderes.“
Chouko lachte. „Kann dir doch egal sein. In einem Jahr bist du eh aus dem Haus. Dann kannst du schlimmsten Falls mich beim Masturbieren stören.“
„Als wenn ich mit dir in eine WG ziehen würde!“
„Was? Nicht? Da gehen wir schon zur gleichen Uni, und jetzt willst du nicht mit mir auf ein Zimmer?“
Kazumi schmunzelte sie an. „Und was ist mit Taiki-kun? Wo soll er denn schlafen.“
„Lass meinen Freund aus dem Spiel. Er bekommt schon genug Zuwendung. Keine Sorge.“
„Du kannst ja mit ihm zusammenziehen und ich angele mir schnell noch jemanden bevor die Schule zuende ist…oder einen älteren Studenten? Die sind doch auch heiß.“
Die Schulklingel läutete und die beiden Mädchen seufzten.
Während sie aufstanden und ihre Sachen einsammelten, wechselte Kazumi das Thema. „Ich werde heute das Lauftraining schwänzen und stattdessen zum Kung-Fu gehen. Wenn jemand fragt, dann arbeiten wir beide ein Projekt für die Klausurwoche aus. Alles klar?“
Chouko machte beinahe ein begeistertes Gesicht. „Verstanden. Das machst du richtig. Dein Gejammer war ja nicht mehr zu ertragen.“
Kazumi grinste. „Ja, ich weiß.“


Es lief größtenteils alles nach Plan. Amano-sensei nahm die Ausrede mit dem Projekt ziemlich gut auf. Dann „ging es ihr mal nicht gut“, dann ging sie mal wieder zum Training, dann kam wieder etwas „Wichtiges dazwischen“. So verging ein guter Monat, ohne dass irgendjemand mitbekam, dass sie Kung-Fu machte.
Es machte ihr so ungeheuerlich Spaß, dass sie sich fragte, wie sie jemals so viel Zeit mit Sprinten vergeuden konnte.
Sie lernte schnell, aber die anderen waren alle weiter und so war es ihr Ziel alles nachzuholen, um besser in die Gruppe zu passen.
Zuhause versuchte sie ihre Familie zu bearbeiten, damit sie aus Leichtathletik aussteigen konnte.
Ihre Mutter machte dann immer so ein verletztes Gesicht. Es war zum Verfluchen. Warum konnte sie sich nicht zusammenreißen und einfach sagen: „Ja, klar, Kazumi. Mach was du willst. Schließlich bist du schon 18.“
Sie war volljährig und würde für sich selbst entscheiden, aber ihre Eltern behandelten sie noch so als sei sie 16.
Dazu kam noch, dass seit sie ihre Mutter nachts gehört hatte…zweifelte sie am Frieden in der Familie.
Sie beäugte ihre Eltern mehr als je zuvor und suchte nach Hinweisen auf Betrug.
Schließlich kam der Tag den sie befürchtete hatte.
Ihr Vater musste wieder auf Geschäftsreise.
„Es ist nur für eine Woche. Ich werde bald wieder zurück sein, meine Liebe.“ sagte Katsuro, als Hina ihn nicht mehr loslassen wollte.
Er gab Kazumi und Hina einen Kuss auf die Stirn. Ihre Mutter wirkte von allen am traurigsten. Ihre Augen waren matt und müde, als sie ihren Mann ansah.
„Ich werde auf dich warten. Bitte ruf an.“
Katsuro lächelte sie aufmunternd an und gab ihr einen langen Kuss auf den Mund. „Natürlich. Mach dir keine Sorgen.“
Kazumi sah nur Liebe zwischen ihren Eltern, aber trotzdem war da etwas…sie wusste nur nicht was.
Die Tage verliefen wie sonst und wie gewohnt erzählte ihre Mutter der kleinen Hina jeden Abend einen kleinen Teil der Geschichte von Prinzessin Suzu, bevor alle zu Bett gingen.
Kazumi konnte nicht widerstehen und schlich sich des Nachts an die Tür zum Schlafzimmer.
Meistens hörte sie nichts…doch manchmal…drang leises Stöhnen durch die Tür.
Kazumi war sich inzwischen sicher, dass kein anderer Mann im Schlafzimmer war…aber dafür begann sie an der geistigen Gesundheit ihrer Mutter zu zweifeln…denn ab und an konnte sie einen Namen hören. Verbunden mit liebevollen Worten, dann wieder mit der Bitte aufzuhören…doch immer wieder hieß es: Van, Van…Van!

„Meine Mutter ist verrückt! Absolut verrückt! Sie treibt es in Gedanken mit einer Märchenfigur, die sie sich ausgedacht hat, damit Hina und ich gut einschlafen!“ brabbelte Kazumi in ihr Handy. Es war mitten in der Nacht, aber sie hatte es nicht mehr ausgehalten. Chouko wurde wach geklingelt und musste da jetzt durch.
„Was bitte?“ kam es verschlafen von der anderen Leitung. „Deine Mutter treibt es mit wem?“
„Sie stöhnt den Namen einer Märchenfigur.“
„Welcher? Prinz Erik aus „Ariel, die Meerjungfrau“? Den würde ich wohl auch noch…“
„Nein, Chouko, hör mir zu. Sie hat mir als Kind doch immer Geschichten vom Planeten Gaia erzählt. Von Prinzessin Suzu, die den Ritter Allen liebt und dann aber doch diesen König Van. Die in die Zukunft sehen kann, Tarotkarten legt und das Pendel der Verdammnis oder was auch immer hat, womit sie irgendwie alle Wünsche wahr werden lassen kann.“
„Schöne Geschichte, ich schlafe auch gleich ein.“
„Fact ist: Sie stöhnt in der Nacht ständig: „Oh Van, Oh Van. Nein, das geht nicht. Nein, hör nicht auf. Oh Van.“ Was sagst du dazu? Sie ist völlig verrückt geworden.“
Chouko am anderen Ende seufzte tief. „Also ganz offensichtlich bevorzugt deine Mutter diesen Märchen-Van. Na und?“
„Das ist doch pervers!“
„Hm…“
„Ich kenne all ihre Geschichten von Prinzessin Suzu, aber jetzt denke ich sie identifiziert sich ein wenig zu sehr mit diesem Charakter. Sie IST diese kleine nervige Prinzessin. Sie verarbeitet mit diesen Märchen irgendeine kranke Schei** die sie in ihrer Jugend erlebt hat. Chouko, ich denke langsam, dass dieses Märchen für sie wahr ist!“
„Ok…und was willst du tun?“
„Ich kann nicht zulassen, dass sie ihre perversen Phantasien meiner kleinen Schwester als Gute-Nacht-Geschichte auftischt. Und ich muss irgendwie mit Papa reden.“
„Du willst deinem Vater davon erzählen?“
„Natürlich! Sobald er zurück ist.“
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Vielleicht übertreibst du ein wenig…?“
„Chouko! Mit meiner Mutter stimmt etwas nicht. Das ist eindeutig. Ich habe früher schon Parallelen zwischen ihr und Prinzessin Suzu gefunden, aber jetzt ist es eindeutig. Sie lebt in einer Traumwelt. Jemand muss ihr helfen.“
„Hm.“

Als Katsuro zurück kam, war Hitomi überglücklich und nahm ihn in die Arme. Kazumi war noch in der Schule und auch Hina war noch im Kindergarten, als sie ihren Mann vom Flughafen abholte.
„Wie war deine Reise?“ fragte sie und strich ihr langes Haar aus dem Gesicht.
„Das übliche. Es ging um den Auftrag für ein neues Handybetriebssystem, dass bald auf den Markt kommen soll. Die Europäer sind immer sehr höflich und geschäftsorientiert. Ihr Englisch ist ausgezeichnet, das macht das Übersetzen für mich wirklich einfach.“ Er zog seinen Mantel an und nahm seinen Koffer. „Und bei dir, Hitomi? Bei den Kindern alles in Ordnung?“
„Nichts Ungewöhnliches. Und mir geht es auch gut.“
„Ja? Schön.“ Sie liefen zusammen über den hektischen Flughafen auf den Ausgang zu.
„Seit ich Hina die Geschichten erzähle, ist es wieder häufiger geworden. Vielleicht sollte ich Kazumi bitten, ihr stattdessen ein Buch vorzulesen.“
Katsuro legte ihr seinen freien Arm um die Hüfte, während sie langsam weitergingen.
„Hina liebt diese Geschichten.“
„Ja, aber… ich ertrage es nicht…wenn nur die Träume nicht wären.“
„Ich bin ja wieder zuhause.“
Hitomi lächelte. „Danke Katsuro. Ich liebe dich.“
Er gab ihr einen Kuss aufs Haar. „Ich liebe dich auch.“


-----.:*-die Nacht zuvor-*:.----


Hitomi stand auf einer weiten grünen Wiese. Der Wind wehte ihr durch die kurzen braunen Haare und über das faltenlose Gesicht, zog an ihrem Rock und ihrer Schuluniform.
In ihrem Traum war sie wieder das fünfzehnjährige Mädchen vom Mond der Illusionen. Die weite Landschaft und der Geruch von Sonne und Gras beruhigte sie. Trotzdem schlug ihr Herz sehr schnell, denn sie wusste wohin dieser Traum führen würde.
Als sie sich umdrehte, stand dort genau wie jedes Mal, wenn sie diesen Traum hatte, Van Fanel und lächelte sie liebevoll an.
Und sie konnte nicht anders als ebenfalls voller Liebe zurückzulächeln.
„Van.“ sagte sie leise und er kam näher und nahm ihre Hand.
Sie spürte das Leder seiner Handschuhe, wie damals als sie zusammen waren. Auch er war noch sechszehn, trug dieses lockere rote Shirt und diese helle Hose. Sogar sein Schwert hing an seinem dicken Ledergürtel.
Hitomi wurde traurig.
„Du hast dich überhaupt nicht verändert.“ sagte sie leise und Van nickte.
„Du auch nicht.“
Er senkte den Kopf zu ihr herunter und seine rotbraunen Augen blickten bis in ihre Seele hindurch. „Auf jeden Fall nicht hier.“
Hitomi hatte diesen Traum schon so oft geträumt. Es war wie ein Video, das man liebt und zu oft gesehen hatte. Man wünscht sich eine Fortsetzung die es nicht gibt.
Sie waren in der Zeit eingefroren. Es gab keine Zukunft.
Van küsste sie zärtlich und wie jedes Mal wusste Hitomi nicht was sie tun sollte.
Das hier war nicht Van. Es war eine Erinnerung an ihn.
Sie dachte an Katsuro. Versuchte sich zu überzeugen, dass sie eine 47 Jahre alte Mutter von 2 Kindern war und nicht mehr 15.
Doch der Kuss war zu süß, zu zärtlich, zu voller unerfüllter Wünsche, dass Hitomi auch dieses Mal wieder nachgab.
Sie erwiderte Vans Kuss, wie eine Ertrinkende.
Dies war ihre Erinnerung an Van, die ihr niemand mehr nehmen konnte und sie würde damit tun was sie wollte.
Sie umarmten sich und ließen sich ins Gras sinken. Hitomi zog an seinem Shirt und schließlich warf er es von sich, nur um dann an ihrer Schleife rum zu werkeln.
Zwischen all den Küssen und Berührungen zog sich Hitomi aus und genoss Vans Wärme über ihr, der sie tiefer ins weiche Gras drückte.
Sie wühlte in seinem Haar, strich über seine Brust…runter zu seinem Hosenbund. Van stöhnte und Hitomi öffnete wie selbstverständlich seine Hose. Es war schon so viele Jahre her, dass sie jungfräulich schüchtern bei so etwas einen roten Kopf bekommen hatte. Jetzt umarmte sie das bekannte Gefühl der Lust und schob seine Hose über seinen Hintern.
„H…Hitomi.“
Sie sah ihm in die Augen. Ihnen beiden war heiß und sie schwitzten, doch Vans Gesicht war gerötet und in seinem Gesicht stand Unsicherheit und Scham.
Er wies sie nicht ab, aber es ging ihm zu schnell. Sie war zu geradeaus, zu zielorientiert. Sie wusste was sie wollte, und für ihn war alles neu.
Hitomi fand seine Schüchternheit so niedlich, aber gleichzeitig, erinnerte es sie wieder daran, dass sie in Wahrheit nicht mehr fünfzehn war.
„Alles ok.“ flüsterte sie und küsste ihn erneut. Fuhr mit ihren Fingerspitzen langsam seinen Rücken herunter, bis sie wieder bei seiner Hose war. „Alles ok. Mach dir keine Gedanken.“
Sie zog ihm die Hose gänzlich aus, während Van ihre Brüste massierte.
„Denk nicht nach und mach was du willst. Das mache ich auch.“
Ihre Berührungen wurden fester, ihre Küsse intensiver, wilder. Erst traute sich Van nur sie mit den Fingern zu berühren, doch schließlich drang er in sie ein und von da an, war es nur noch Lust, die sie beide dirigierte.
Vans Rufe und sein heißer Atem ließ Hitomi alle Welten und Zeiten vergessen. Sie brüllte ihre Lust heraus, rief seinen Namen, als wäre es der Schlüssel zur Erlösung.
Als die Wogen ihres Orgasmus nachließen, war Van noch immer über ihr und legte seine Stirn an ihre. Ihr Pendel hing an seinem Hals und streifte sanft ihr Kinn.
Van atmete stockend, doch sie merkte, dass er etwas sagen wollte. „H…Hitomi.“ Er lächelte. „Ich werde…dich auch…niemals vergessen.“

Hitomi schreckte auf, krallte sich an ihre Bettdecke. Ihre Augen weit aufgerissen, war sie zuerst nicht in der Lage zu erkennen, dass sie sich in ihrem Schlafzimmer befand. Doch dann sackten die Erinnerungen zu ihr durch und beluden sie mit einer Last, die sie nicht tragen konnte.
Sie hatte schon wieder diesen Traum von Van gehabt. Sie war ihm erneut verfallen. Selbst nach so vielen Jahren, war sie nicht in der Lage Van von sich zu weisen. Sie hütete die Erinnerung an ihn, wie einen Schatz.
Und wieder brachen die Gewissensbisse über sie hinein. Sie drückte sich die Bettdecke an die Brust und warf sich auf Katsuros Bettseite und atmete seinen Geruch tief ein.
Wieso war er jetzt nicht hier?
Wenn er bei ihr schlief, hatte sie diese Träume viel seltener. Sie betrog ihn. Das war ihr bewusst, aber das hatte sie Katsuro schon gestanden, als sie sich kennengelernt hatten. Er hielt trotzdem zu ihr und das war das einzige, dass ihr in solchen Momenten noch Kraft gab.
Wenn sie doch nur die Möglichkeit hätte, ein einziges letztes Mal Verbindung zu Van aufzunehmen, um ihren Frieden mit ihm zu finden.
Denn ihre Beziehung war in der Zeit eingefroren, obwohl sie beide erwachsen waren und das Versprechen ihn niemals zu vergessen, wurde zum Fluch.


//wird fortgesetzt…

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Vielen Dank fürs Lesen ;)
Liebe Grüße
Anastra
:)
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