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Ashiya geht einkaufen und die legendäre Heldin macht ihren Job (schon wieder)

OneshotHumor / P6
Shiro Ashiya
17.12.2018
17.12.2018
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Etwas genervt kämpfte sich Ashiya durch die Menschen, die auf der Straße unterwegs waren wie Wassertropfen in einem Fluss. Es störte ihn ein bisschen, aber er war es gewohnt; Menschen gab es hier einfach viel zu viele. Sich mit seinem Schicksal abfindend lief er weiter durch die Stadt.

In seinem Inneren bereute Ashiya es, seinem Fürst die Entscheidung, diesen Brauch aufzunehmen, nicht ausgeredet zu haben. Emilia und Chiho hatten ihn erst auf diesen Gedanken gebracht, und Sadao war hellauf begeistert gewesen. Ashiya war sich sicher, dass er seinen Mitbewohner mit genug Willenskraft hätte umstimmen können, aber in einem irrationalen Anflug von Zuversicht hatte er eingewilligt.

Jetzt, wo ihm langsam bewusst wurde, wie viel Arbeit dieser Brauch für einen Haushälter wie ihn bedeutete, bereute er es mehr und mehr. Suzono hatte sich bereit erklärt, sich um das Essen zu kümmern, und Ashiya, der zu diesem Zeitpunkt längst begriffen hatte, worauf er sich da eingelassen hatte, hatte ihr mit Freuden diese Aufgabe überlassen. Tatsächlich eine Entlastung war das allerdings nur in geringen Mengen. Und überhaupt, was das wieder kostete! Emilia und Chiho hatten bereits einen Baum angeschleppt, für den sie Unsummen bezahlt hatten. Einen verdammten Baum! Wer gab Geld aus, um sich einen Baum in die Wohnung zu stellen? Bäume gab es im Wald, kostenlos, und da sollten sie auch bleiben.

Ein anderer Punkt, der Ashiya von Anfang an Sorgen bereitet hatte, war der Brauch der Menschen, sich an diesem besonderen Tag zu beschenken. Woher sollten sie das Geld für so etwas nehmen? Er selbst hatte keine Zeit zum Arbeiten und das Einkommen seines Fürstes reichte unmöglich aus, um so viele unvorhergesehene Kosten zu decken.

Doch in diesem einen Punkt hatte es Ashiyas Leben wirklich geschafft, ihn positiv zu überraschen. Für Sadao hatte er auf einem Flohmarkt, den er beim Einkaufen zufällig entdeckt hatte, für einige hundert Yen einen neuen Dullahan gefunden, nachdem sein alter vor wenigen Tagen geklaut worden war. Es war ein passendes Geschenk, fand Ashiya, immerhin beschwerte sich Sadao jeden Tag aufs Neue, dass er jetzt zu Fuß gehen musste.

Suzono hatte es ihm leicht gemacht, ein Geschenk für sie zu suchen, denn sie hatte sich beim Einkaufen in eine andere Menschensache verliebt, deren Konzept Ashiya auch nach langem Überlegen nicht verstand. Aber es war billig gewesen und die Auftragskillerin hatte bei dem Anblick Gefühle gezeigt, von denen Ashiya überrascht gewesen war, dass Suzono so etwas überhaupt ausdrücken konnte, und so wartete ein weißer Stoffhase in einem Karton- in einer Einzimmerwohnung gab es nicht viel Stauraum für Geschenke- darauf, in einigen Tagen seinen Besitzer zu wechseln.

Ashiya hatte sehr lange überlegt, ob er Emilia etwas schenken sollte. Ein Dämonengeneral, der für die legendäre Heldin Geld ausgab, das wäre ja noch schöner! Zuerst hatte er sich geweigert, irgendetwas für sie auszusuchen. Dann hatte er kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr eine Eidechse oder Schlange zu schenken, oder irgendetwas anderes, das sie nicht mochte, aber aus Mitleid zu den Reptilien (das Leben bei der legendären Heldin konnte er diesen unschuldigen Tieren doch nicht antun) hatte er diese Idee bald wieder verworfen. Schließlich hatte er sich einfach einmal umgesehen, was von diesem Menschenzeug Emilia gefallen könnte, und war schließlich mit Tonnen an bunten Steinen, die auf Schnüren aufgefädelt waren, und verschiedenen Tuben und Dosen nach hause gegangen. (Ashiya selbst hatte keine Ahnung, welchen Zweck diese Dinge erfüllen sollten, aber der Verkäufer hatte gemeint, eine Frau würde sich darüber freuen.)

Und so lagen alle Geschenke sicher in einem Karton in seiner Ecke der Wohnung. Alle- bis auf eines.
Eigentlich hatte Ashiya gedacht, ein Geschenk für jemanden zu finden, der sich so gut- viel, viel zu gut- in die Menschenwelt einbrachte und sich sowieso, seinen Bestellungen nach zu urteilen, über jeden Schrott freute, wäre ziemlich einfach. Zumal Urushihara sogar eine Liste von Spielen erstellt hatte, die er haben wollte. Nicht, dass er das konkret für dieses seltsame Fest getan hatte (scheinbar ebenfalls ein Brauch der Menschen zu dieser Zeit); vermutlich existierte dieser Wunschzettel schon seit kurz nach seiner Ankunft auf der Erde. Schließlich waren auch schon fast alle Spiele durchgestrichen worden, entweder hatte Urushihara scheinbar das Interesse daran verloren oder er hatte es geschafft, sie sich irgendwie durch dieses Online-Shopping zu bestellen. Auf besagter Liste stand jedenfalls noch ein Punkt offen, und dieser Punkt war der Grund, warum Ashiya diese Liste geklaut ausgeliehen hatte. Er würde Urushihara dieses Spiel kaufen, und dann hätte er immerhin ein Problem weniger.

Eigentlich hatte Ashiya erwartet, dass das eine schnelle Sache werden würde (das einzige, das bisher bei dem Geschenke kaufen länger gedauert hatte, war die halbe Stunde gewesen, in der er mit dem Verkäufer über den Preis des Dullahans verhandelt hatte), aber der Laden, in dem er gedacht hatte, das Spiel zu finden, hatte ihn weggeschickt. Es würde schon lange nicht mehr produziert werden, allerdings hatte er Glück, es fand gerade heute eine Convention statt, auf der er dieses Spiel vielleicht finden könnte.

Kaum, dass er das große, graue Gebäude betreten hatte, in das der Verkäufer in dem Laden ihn gelotst hatte, entstand der Verdacht in seinem Kopf, dass das hier bei weitem aufwendiger werden würde als alle bisherigen Geschenke es zusammen gewesen waren.

Wenn die Straße ein Fluss gewesen war, war diese Halle ein Meer. Im ersten Moment blieb Ashiya geschockt stehen. Dass es überhaupt möglich war, so viele Menschen an einem Ort zu versammeln! Und was für Menschen. Mindestens die Hälfte von ihnen waren verkleidet, einige dieser Kostüme erkannte er bereits- wofür er sich selbst ein bisschen verachtete- als Charaktere aus diesen Spielen wieder, die er schon von Urushihara gesehen hatte. Einer von denen hatte sich sogar als Lucifer selbst verkleidet, er stand an einem Stand mit Comics und las sich gerade die Rückseite von einem davon durch. Ashiya wandte den Blick wieder ab, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne, als die Information sein Gehirn erreichte. Bevor er sich noch einmal umdrehen konnte, um sich zu vergewissern, hörte er eine vertraute Stimme, die seinen Verdacht bestätigte. „Hey, Ashiya! Was machst du denn hier?“

Die Fähigkeit, in schwierigen Situationen schnell zu handeln, die er sich zwangsläufig als Dämonengeneral angeeignet hatte, ließ Ashiya hinterhältig im Stich. Er blieb wie ein vom Blitz getroffenes Eichhörnchen am seinem Fleck stehen, war sich immer noch nicht ganz sicher, ob er sich umdrehen sollte.

„Ich wusste gar nicht, dass du dich für diese Dinge hier interessierst.“ Urushihara ging in einer gebeugten Haltung um ihn herum, die Hände in den Hosentaschen. „Was’n mit dir los?“

„Was- was ist mit DIR los?!“ Ashiya hatte sich wieder gefangen, jedenfalls so weit, dass er sich bewegen und sprechen konnte. „Was machst du hier? Stehst du nicht eigentlich unter Quarantäne?“

Urushihara wirkte gänzlich unbeeindruckt. „Alter, schrei nicht so“, murmelte er. „Auf so etwas kann ich doch nie wieder gehen. Und ich dachte, dass sich mittlerweile sowieso niemand mehr dafür interessiert.“

„Hat Sadao dir das erlaubt?“ Ashiya war immer noch wütend, was allerdings hauptsächlich an seiner schwachen Improvisationsgabe lag. Hatte er die etwa mit seinem Dämonenkörper und seiner Magie auch verloren? Er musste sich schleunigst eine Ausrede überlegen, warum er hier war; eine plötzlich entdeckte Liebe zu Videospielen und Comics würde Urushihara vermutlich durchschauen. Also blieb ihm fürs erste nichts anderes übrig, als seinen Mitbewohner als Täter darzustellen und sich in der Zwischenzeit krampfhaft zu überlegen, was er auf dieser Convention zu suchen hatte.

Urushihara zuckte mit dem Schultern. „Keine Ahnung, hab nicht gefragt. Er ist auf der Arbeit, also bin ich einfach gegangen. Hab überlegt, ob ich noch bei ihm vorbeischauen soll, aber es ist nicht auf dem Weg gelegen und die unnötige Mühe wollte ich mir nicht machen.“

Ashiya starrte sein Gegenüber fassungslos an. So ergab die ganze Sache sogar einigermaßen Sinn, sein Fürst wäre bestimmt nicht so unvernünftig gewesen, Urushihara einfach nach draußen zu lassen- eben jener dafür umso mehr. „Du- du gehst sofort wieder zurück nach hause!“

„Stell dich nicht so an, jetzt bin ich doch schon hier.“ Urushihara legte den Kopf schief und blinzelte. „Und keiner hat bisher die Polizei gerufen oder versucht, mich umzubringen oder so. Also kann ich genauso gut hier bleiben.“ Er wandte sich ab.

Ashiyas Gedanken rasten. Solange Urushihara hier war, konnte er dieses Spiel nicht kaufen; auch, wenn hier viele Menschen waren, die Halle an sich war nicht wirklich groß und die Wahrscheinlichkeit, dass Urushihara ihn dabei erwischen würde, war zu hoch, um das Risiko einzugehen. Warten, bis der junge Dämonengeneral von allein ging, konnte er auch nicht, denn so, wie er seinen Mitbewohner kannte, würden ihn nur die Sicherheitskräfte nach Ende der Convention aus dieser Halle bekommen können. Was blieb ihm also anderes übrig, als seinen ursprünglichen Plan zu verwerfen?

Die Liste zerknitterte in Ashiyas Hand, als er diese zu einer Faust ballte. Aber was sollte er dann tun? Er hatte bei bestem Willen keine Ahnung, was er Urushihara sonst schenken sollte. Ein anderes Spiel? Lucifer hatte sich vielleicht schnell in dieser Welt eingefunden und die fragwürdigen „Vorzüge“ dieser Dinge rasch begriffen, aber Ashiya, Dämonengeneral Alciel, verstand den Großteil davon immer noch nicht ganz. Er konnte unmöglich auf eigene Faust losziehen und nach einem Videospiel suchen; es war äußerst unwahrscheinlich, dass Urushihara sich tatsächlich über das Ergebnis, das diese Vorgehensweise vermutlich hervorbringen würde, freuen würde. Eine andere Konsole vielleicht? Hierbei hatte Ashiya das gleiche Problem, und außerdem war das viel zu teuer. Eine Matratze oder etwas anderes zum Schlafen? Hierbei mangelte es ihnen in der ohnehin schon überfüllten Einzimmerwohnung an Platz, und außerdem schien es Urushihara in seiner Schachtel ganz gut zu gefallen.

So sehr Ashiya auch überlegte, ihm wollte einfach nichts einfallen, was er seinem Mitbewohner sonst schenken könnte! Er musste dieses Spiel bekommen, egal wie!

Eine Idee schoss durch den Kopf des Dämonengenerals, eine so absurde und lächerliche Idee, dass er sie sofort wieder verwarf. Doch der Gedanke war hartnäckiger als erwartet, er kam immer wieder zurück und füllte sein gesamtes Denken, so sehr Ashiya auch versuchte, sich dagegen zu wehren. So tief war er noch nicht gesunken! Eine solche Demütigung würde er sich nicht antun, nie in seinem Leben!

***


Es kostete Ashiya eine Stunde, hundert Yen und das letzte Stück Würde, das er noch irgendwo in sich gehabt hatte, bis er endlich wieder in dieser Halle stand. Dieser Tag würde ihn mit Sicherheit bis an sein Lebensende verfolgen…! Warum machte er sich überhaupt so viel Mühe, ein Geschenk für Urushihara zu bekommen? Schließlich hatte er bei ihrer Reunion versucht, sie alle umzubringen, und seitdem warf er ihr Geld zum Fenster heraus. Aber es war Ashiyas Pflichtgefühl, das ihn ermahnte, diese Sache durchzuziehen, koste es, was wolle.

Wie viel es tatsächlich kostete, wurde dem Dämonengeneral erst fünfzehn Minuten später bewusst, als sich zwei ihm bekannte Personen aus der Menge lösten: Zum einen Urushihara, der leise jammernd und protestierend von der zweiten Person am Ohr mitgeschleift wurde; der Person, die Ashiya als letztes in diesem Leben je um Hilfe hätte bitten wollen, und gleichzeitig der einzigen Person, von der er sich vorstellen hätte können, dass sie mit einem sturen Dämonen zurechtkam.

Emilia blieb einige Schritte vor ihm stehen und sah ihn an. Ashiya wusste nicht, ob sie Dank erwartete, aber wenn dem so war, dann konnte sie lange warten. Schlimm genug, dass er sie um Hilfe hatte bitten müssen (und dabei möglicherweise ein öffentliches Telefon zerstört hatte), aber bedanken würde er sich niemals bei ihr. Emilia schien sich dessen bewusst zu sein. „Du bist mir nichts schuldig.“ Ihre Augen blitzten auf, bevor sie sich wieder in Bewegung setzte, Urushihara immer noch hinter sich her ziehend. „Das ist schließlich der Job der legendären Heldin.“

Ashiya sagte nichts darauf, sah Emilia auch nicht nach. Er wollte diesen Tag einfach nur noch hinter sich bringen, dieses verdammte Spiel kaufen und dann nach hause, mittlerweile war es sowieso langsam Zeit, das Essen vorzubereiten. Er hatte Suzono gesagt, dass er in einer Stunde wieder da wäre. Wie leichtgläubig das doch gewesen war!

So ging Ashiya einfach von Stand zu Stand und hielt jedem Verkäufer den Zettel unter die Nase (um Urushiharas Schrift entziffern zu können, hätte er selbst wohl Magie gebraucht), bis er nach weiteren 30 Minuten endlich das in den Händen hielt, was er gesucht hatte. Erleichtert verließ er die Halle und machte sich auf dem Heimweg. Als er in die Straße einbog, in der sich ihre Festung, wie Sadao das Apartment manchmal immer noch nannte, schwor sich Ashiya, dass er im nächsten Jahr, wenn Emilia, Sadao oder irgendjemand anderer das Wort „Weihnachten“ in den Mund nahm, er alles daran setzen würde, um diese Idee aus ihren Köpfen zu vertreiben. Er hatte diese Erfahrung einmal gemacht, und einmal war mehr als genug.



******
Hallo? Ist jemand da? Wirklich?
Diese Kategorie scheint ja ziemlich ausgestorben zu sein. Aber es ist Weihnachten und ich dachte, das ist eine ganz nette Idee, also vielleicht gibt es jemanden, der wirklich noch hier vorbeischaut und das vielleicht liest. ^^
LG, Silver~
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