Feuer gegen Eis

von Mary02
GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki OC (Own Character) Thor
17.12.2018
13.03.2019
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„Ich will mehr schmutzige Details“, forderte Michelle.
Lenore trank ihren Cappuccino aus und sah sie mit zusammengekniffenen Augen an. „Die hab ich dir schon gegeben.“
„Ja und die waren verdammt gut“, gab Michelle aufgeregt zu. „Jetzt will ich mehr. Du nicht?“ Sie zwinkerte. „Wann vernascht du deinen Gott denn endlich komplett?“
Das brachte Lenore zum Lachen. Die Treffen mit Michelle waren schon immer unterhaltsam gewesen. Ihre Freundin war unglaublich glücklich darüber gewesen, ihr Handy wieder zu bekommen. Sie hatte es sogar geküsst, immerhin waren lebenswichtige Daten darauf gespeichert, hatte sie gemeint. Die Nachricht, welche Scarface geschrieben hatte, hatte Lenore selbstverständlich gelöscht. Jetzt saßen sie in einem kleinem Café mitten im Kaufhaus und tauschten aus, was in den letzten Tagen so passiert war.
Lenore zappelte unruhig auf ihren Stuhl herum. „Naja, ich will schon. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, möchte ich ihm am liebsten die Kleider vom Leib reisen und...“
„Ja?! Weiter...!“ Michelles Augen wurden groß. „Versprich mir, dass du mir jedes Detail seines göttlichen Körpers beschreibst, nachdem ihr...“
Lenore kicherte amüsiert. „Michelle!“, tadelte sie. „Aber natürlich mach ich das. Schließlich muss ich damit angeben, den großen Trickster persönlich in meine Bett gelockt zu haben.“
„Darauf sollten wir anstoßen, aber mein Kaffee ist leer. Gehen wir einkaufen? Sexy Dessous?“, sagte Michelle. Sie rief eine Kellnerin, um zu zahlen.
Lenores Gedanken schweiften kurz ab. Ja, sie konnte es tatsächlich kaum erwarten, mit Loki den finalen Schritt zu tun. Allerdings war das nicht so einfach, wenn man das Gebäude mit sechs anderen Avengers teilte. Ständig war jemand da und ... naja... sie hatte das Gefühl, Loki war etwas schüchterner diesbezüglich als Thor. Zusammen in einem Zimmer zu verschwinden, wo jeder wusste, dass sie gleich Sex haben würden, war irgendwie ein bisschen... keine Ahnung. Störend. So hätte sogar Lenore das Gefühl, alle wären dabei, während sie es taten.
Die Kellnerin verschwand wieder und Lenore blinzelte. „Hast du schon gezahlt?“
„Jyp“, machte Michelle. „Hab dich eingeladen, weil du mir mein Handy heil zurückgebracht hast.“
„Das wäre nicht nötig gewesen“, wehrte Lenore ab. „Jetzt, da ich, dank der Avengers, ein Gehalt habe,  wollte ich dich einladen.“
„Nächstes Mal. Oh...!“ Michelle sah an Lenroe vorbei und winkte jemanden. Lenore blickte sich über die Schulter. Es kann eine junge Frau auf sie zu, ihre Haare waren kinnlang und platinblond.
„Hey, wie geht’s dir?“, grüßte sie.
Michelle stand auf und gab ihr ein Küsschen links und rechts auf die Wangen. „Gut! Und dir? Was machst du hier? Shopping?“
Die Frau deutete auf ihre Einkaufstasche. „Erwischt!“
„Lenore! Das ist Viviene“, stellte Michelle ihre Bekanntschaft vor.
Lenore stand ebenfalls auf und schüttelte Viviene die Hand. Sie fühlte sich kühl an.
„Du kannst mich gerne Vi nenne, das machen alle“, sagte sie, wobei ihre Augen leuchteten, eine Mischung aus braun und blau. Sie lächelte, es erreichte ihre Augen nicht.
„Alles klar“, erwiderte Lenore, weil sie nicht unhöflich sein wollte. „Und du kannst Len zu mir sagen. Woher kennt ihr euch?“ Die Frage war an Michelle gerichtet.
„Ach, das war ganz zufällig“, sagte ihre Freundin. „Sie war ein Engel. Nach meinem Kurs ist mein Auto nicht angesprungen und weit und breit war kein hilfsbereiter Mensch zu finden. Bis Vi aufgetaucht ist und mir Starthilfe gegeben hat. Wir haben uns etwas unterhalten und fanden einander ganz nett, da haben wir Nummern ausgetauscht.“
Langsam nickte Lenore. „Interessante Geschichte. Von der du mir bis eben nichts erzählt hast.“
Michelle zog eine schuldbewusste Grimasse. „Ja, stimmt. Ich dachte, wir machen mal was zusammen und ich stell sie dir persönlich vor. Und nun ist sie hier und das hat sich erledigt.“
Vi hob entschuldigend eine Hand. „Ich wollte aber nicht stören...“
Leonore winkte ab, was sollte sie anderes tun. „Schon gut.“
„Len und ich wollten ebenfalls gerade eine Runde shoppen gehen“, erklärte Michelle.
„Ich wünsch euch viel Spaß, im Tally Weijl gibt’s Prozente“, sagte Vi.
„Cool“, erwiderte Lenore.
„Von mir aus kannst du mitkommen“, meinte Michelle. „Stört es dich, Len?“
Ja! „Nein, überhaupt nicht.“
Sie nahm ihre Sachen vom Stuhl und ging mit den beiden durch das Einkaufszentrum. Vi schien sehr bemüht, höflich und nicht aufdringlich zu sein. Beim Kleider anprobieren und auswählen war sie sehr freundlich und aufmerksam, was Lenore misstrauisch machte.
Ach, was! Du siehst schon überall Gangster, beruhigte sie sich selbst. Vielleicht ist sie ja nett? Gib ihr eine Chance!
Gerade, als sie einen Laden verließen, wurden sie heftig angerempelt. Ein Mann stürmte an ihnen vorbei.
„Hey, meine Tasche!“, rief Vi.
Lenore zögerte bloß einen Augenblick, dann setzten sich ihre Beine in Bewegung und sie sprintete los, dem Dieb hinterher. Immer wieder musste sie den Leuten ausweichen. Der Mann stieß bei seiner Flucht sogar jemanden zu Boden und eilte nach Draußen. Lenore holte auf, frische Luft fuhr über ihre Wangen. Als sie nah genug war, sprang sie auf ihn und riss ihn mit sich. Er keuchte schmerzerfüllt auf, als er auf dem Asphalt landete und sie auf ihm.
„Lass los, du ...“, fluchte er.
Lenore rappelte sich auf und entwand ihm dabei die Tasche. Gebückt kam er ebenfalls auf die Beine und zückte tatsächlich ein kleines Taschenmesser.
„Okay, ich wollte nett sein, ...“, warnte Lenore.
„Warte, du Schlampe!“, spuckte er ihr entgegen.
Lenore formte ihren Mund zu einem O und blies heiße Luft heraus. Sehr heiße Luft. Wie bei einem kleinem Drachen spie sie Feuer, das seine Hand erreichte. Das Metall seiner Waffe erhitzte sich wohl, er ließ es mit einem Aufschrei fallen. Mit großen Augen sah er sie an, als wäre sie der Leibhaftige persönlich. Er stieß unverständliche Worte aus, bevor er sich rückwärts entfernte, beinah stolperte und wegrannte.
Schade, sie hatte ihm eigentlich noch ihren neuen Kampfmove zeigen wollen. Was soll´s. Sie drehte sich um und sah, Michelle und Vi auf sie zulaufen. Letzterer reichte sie die Tasche. „Hier, bitte!“
„Wow!“, hauchte Vi. „Das war unglaublich!“
„Du hast es gesehen?“
Vi nickte. „Michelle hat zwar angedeutet, du wärst was ganz Besonderes, aber das...Wie machst du das? Konntest du das schon immer?...Oh, ich wollte nicht zu neugierig sein, tut mir leid, ... ich hab sowas noch nie gesehen...!“
Lenore lächelte knapp. „Kein Problem. Deine Reaktion ist verständlich. Und gut. Viele haben Angst vor mir, sobald sie es erfahren oder sie beleidigen mich.“
Vi runzelte die Stirn. „Ich finde es toll.“
„Ich kann sogar meinen ganzen Körper in Brand stecken“, prahlte Lenore. Sie konnte es eben nicht lassen, wenn mal jemand begeistert war. Bisher war Michelle, die einzige mit einer solchen Reaktion gewesen.
„Kann ich es sehen?“
„Eh... nein, meine Kleidung ist nicht Feuerfest“, sagte Lenore bedauernd. „Die Avengers arbeiten daran.“
„Die Avengers?! Die echten, aus den Nachrichten?“
Lenore nickte. Hatte sie zu viel verraten? Andererseits, arbeitete sie gerade offiziell für sie, also warum sollte sie das verheimlichen müssen?
„Bist du auch ein Avenger?“, bohrte Vi weiter begeistert nach.
„Seit kurzem, ich dachte, ich versuchte es mal“, gestand sie ehrlich.
„Sie ist mit Loki liiert“, plapperte Michelle und grinste.
Vi öffnete den Mund weit und atmete ein. „Echt?“
„Ja, er ist mein Freund“, sagte Lenore, nicht ohne Stolz. Mein! Gleich darauf bremste sie sich ein wenig. Sie würde sich nicht ausquetschen lassen. Sonst würde Loki möglicherweise sauer werden. Obwohl durchaus alle erfahren sollten, wie toll er ist.
„Also, wenn ich ehrlich sein darf...“, sagte Vi und strich sich nervös eine Haarsträhne hinters Ohr. „Loki finde ich interessant, aber die Avengers Initiative...“
„Ja?“, fragte Lenore gespannt. „Du kannst deine Meinung ruhig sagen.“
„Ich trau denen nicht ganz.“
Was?! „Warum?“
„Sie zerstören mit ihren Kämpfen vielen Häuser und Städte.“
„Sie versuchen zu helfen, irgendwer muss gegen die Bösen kämpfen.“
„Schon, aber wieso sind die Bösen hier?“, meinte Vi. „Sicher haben sie ein paar von ihnen erst hergebracht. Und Stark zum Beispiel, war Waffenhändler. Und seine Roboter sind ausgeflippt. Die lupenreinen Helden kauf ich ihnen nicht ab. Ganz zu schweigen von der Regierung, für die sie arbeiten. Die haben sicher viel Dreck am Stecken.“ Sie hielt kurz inne. „Entschuldige! Ich wollte auf keinen Fall beleidigend rüberkommen. Ich bin lediglich ein skeptischer Mensch und ... nicht alles ist auf den ersten Blick so wie es scheint. Wer sagt denn, dass alle Organisationen, gegen welche die Avengers kämpfen, wirklich schlecht sind? Nur weil sie etwas tun, was S.H..I.E.L.D. nicht passt? Loki wurde damals als Feind erklärt und jetzt, wo er nützlich ist... naja. Ich steigere mich etwas hinein.“
Nachdenklich blinzelte Lenore. „Ist okay. Ich bin nicht sauer.“
Vi lächelte leicht. „Das freut mich. Ich würde dich gerne wieder treffen. Wir könnten ins Kino gehen! Oder so.“
„Gerne“, meinte Lenore, ein wenig abwesend.
Vi warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Ich muss leider los. Es hat mich sehr gefreut und ich hoffe, du meldest dich bald. Michelle hat meine Nummer!“
Sie verabschiedeten sich.
„Wie findest du sie?“, fragte Michelle.
Lenore zuckte die Schulter. „Weiß ich noch nicht. Du kennst mich, ich ziehe keine voreiligen Schlüsse bei neuen Bekanntschaften.“
Eine Frage schoss ihr allerdings durch den Kopf: Woher kannte Vi S.H.I.E.L.D.?


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