Feuer gegen Eis

von Mary02
GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki OC (Own Character) Thor
17.12.2018
13.03.2019
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„Es geht einfach nicht!“
Damit verließ er hastig das Bett und stolperte in Richtung seiner Klamotten, die auf dem Boden lagen. Er schnappte sie sich und hielt sich die Stoffe vor sein bestes Stück, während er sich rückwärts von ihr entfernte.
Lenore erhob sich ebenfalls, kleine Ascheflocken stoben auf, sie knöpfte sich ihre Bluse wieder zu, ohne dabei hinzusehen.
„Aber das war doch nur ein kleiner Ausrutscher!“, versuchte sie die Tatsachen abzumildern.
„Nein!“, rief Brian hysterisch und bewegte sich zur Tür. „Es geht nicht. Du bist einfach zu heiß! Es tut weh, verdammt!“
Zuerst verspürte Lenore so etwas wie Scham, dann Enttäuschung und schließlich Wut. „Dir ist gar nichts passiert, komm wir versuchen es ...“
„Oh nein!“, unterbrach Brian sie. Mit aufgerissenen Augen tastete er nach der Türklinke, offenbar wollte er sich nicht einmal die Zeit nehmen, sich richtig anzuziehen, denn das einzige, was seine Blöße verdeckte, waren die Kleidungsstücke, welche er in seiner Hand hielt und an sich presste.
Wie konnte man so übertreiben?
„Wir passen einfach nicht zusammen!“
Leonore schnaubte. „Man muss halt Kompromisse eingehen“, widersprach sie. „Du bist auch nicht gerade mein Traumtyp!“
Empört starrte er sie an, sein Gesicht wurde puterrot. Brian mochte aussehen wie ein Footballstar aus der Highschool, mit blonden Haaren und Muskeln, aber Lenore stand mehr auf dunkelhaarige Typen, deren Haut etwas heller war.
„Ich will endlich Sex haben“, schmollte Lenore.
Brian packte die Türklinke und riss sie auf. „Dann such dir doch Frosti, den Schneemann!“ Damit stürmte er hinaus und wäre dabei fast gegen eine Person gekracht, die direkt vor der Tür stand. Er schenkte ihr kaum einen Blick und stampfte halbnackt den Gang entlang.

*

Irritiert sah Loki dem jungen Mann nach, welcher nackt über den Gang flüchtete, bevor er sich wieder dem eigentlichen Sinn und Zweck seines Hierseins zuwandte. Und der stand vor ihm. Die Hotelzimmertür war offen, eine wütende junge Frau rief dem Mann hinterher: „Dann verschwinde, du Memme!“
Unbeeindruckt hob Loki eine Augenbraue. Aus dem Zimmer kam ein Geruch nach verbranntem Stoff.
Die Frau, die viel jünger aussah als sie laut ihrer Akte war, fuhr sich mit einer fahrigen Geste durch die langen Haare, welche die Farbe von Feuer besaßen und seufzte laut. Erst danach schien sie Lokis Anwesenheit wirklich zur Kenntnis zu nehmen. Sie musterte ihn kurz von oben bis unten. Er tat es ihr gleich. Nette Figur, nicht zu viel, nicht zu wenig, registrierte Loki und diese intensiven Augen mit denen sie ihn nun ansah.
„Wer bist du?“
Loki öffnete den Mund und senkte seine Hand, welche er vorhin erhoben hatte, um anzuklopfen, was sich erübrigt hatte.
„S.H.I.E.L.D hat mich gebeten herzukommen“, begann er.
Ein Mundwinkel hob sich. Was für ein hübscher Mund! Und so volle, rosige Lippen. Moment! Was dachte er da eigentlich?
„Du siehst gar nicht aus, wie einer der für die arbeitet“, bemerkte sie und trat einen Schritt zurück, offensichtlich ein Zeichen dafür, dass er eintreten konnte.
Er schloss die Tür hinter sich. Der Geruch war hier noch stärker, sein Blick glitt durch das Hotelzimmer und er entdeckte eine leicht verbrannte Decke auf dem Bett.
„Ich arbeite für niemanden“, korrigierte Loki. „Sagen wir, wenn ich Lust dazu verspüre, helfe ich ihnen.“
Die Wahrheit war, nachdem sie mit Lokis Hilfe gegen Thanos gesiegt hatten, hatte Thor vorgeschlagen, er solle den Avangers beitreten. Nicht alle Mitglieder waren davon begeistert gewesen, aber da Loki eine so große Unterstützung im Kampf gewesen war, hatten sie keine andere Wahl gehabt. Ihn einzusperren wäre nicht fair gewesen, nach alldem, ihn zu verbannen genauso wenig. Vor allem, da Loki auf mehreren Planeten, seiner Vergangenheit wegen, gesucht wurde. Thor hatte sich dafür eingesetzt, dass er auf der Erde bleiben durfte. Damit sie ihn im Auge behalten konnten, hatte er den Avangers beitreten dürfen.
Diesen Auftrag hatte er nur angenommen, weil er amüsant und einfach geklungen hatte.
„Lenore muss endlich zu uns kommen“, hatte Fury gemeint. „Mit ihren Fähigkeiten ist sie ein nicht einzuschätzenden Risiko. Vor allem, wenn sie nicht anständig ausgebildet wird!“
„Wieso fährst du nicht selbst hin?“, hatte Loki gefragt.
Daraufhin hatte Fury seinen Mund unglücklich verzogen, sodass sein dunkles Gesicht noch düsterer gewirkt hatte. „Ich war schon bei ihr. Zweimal. Und jedes Mal hat es in einer Katastrophe geendet. Beim ersten Mal hat sie mich beschumpfen.“
„Was hat sie gesagt?“
„Sie hat gefragt, ob ich einen Piraten darstellen soll oder dazu da bin, die Behindertenqoute in unserer Firma zu erfüllen.“
Loki hatte daraufhin lauthals gelacht.
„Beim zweiten und letzten Mal, als ich es versucht habe“, hatte Fury weiter erzählt, „Hat sie das verdammte ganze Haus abgefackelt!“
Bei der Erinnerung musste Loki grinsen. Für eine Unruhestifterin sah Leonore ziemlich harmlos aus.
„Also weißt du wer ich bin? Was ich bin?“, fragte sie.  
„Du bist eine Hexe“, sagte Loki frei heraus.
„Uh, gleich so charmant und das beim ersten Date“, erwiderte Lenore und stemmte eine Hand in die Hüfte. „Hast du keine Angst vor mir?“
Loki schenkte ihr ein spöttisches Grinsen. „Vor einer zweitklassigen Midgard-Hexe? Nein, ich bin feuerfest, Darling.“
Lenores klappte die Kinnlade herunter, angesichts dieser maßlosen Unverschämtheit, was Loki weiter erheiterte. Sie sah süß aus, wenn sie wütend war.
„Tja, ich gehe davon aus, dass du weißt, weshalb ich hier bin“, sagte er und fing an, durch den Raum zu wandern. „Wieso triffst du dich mit irgendwelchen Kerlen in einem Hotelzimmer?“
„Du bist hier, um mich zu rekrutieren“, antwortete Lenore und folgte jeder seiner Bewegungen mit einem giftigen Blick. „Und das andere geht dich nichts an.“
Sie runzelte die Stirn. „Irgendwie kommst du mir bekannt vor.“ Sie legte ihre rechte Hand ans Kinn.
Oh-oh.
„Wir kennen uns nicht“, stellte Loki klar.
Lenore schnippte mit den Fingern. „Vor über sieben Jahren in New York. Es war überall in den Nachrichten. Du warst auch in Deutschland. Der Kniet-nieder-vor-mir-Typ!“ Sie verstellte dazu ihre Stimme.
Er verdrehte die Augen und unterdrückte ein Seufzen. Wie lange würde ihm das noch vorgehalten werden? Er hatte unter einen Bann gestanden! Einen verdammten Bann! So war seine schlechteste Seite zum Vorschein gekommen.
Ruckartig wandte er sich ihr zu und fixierte sie. „Dann weißt du es ja.“
„Was?“
„Dass du Angst haben solltest.“
Mit großen grünen Augen sah sie zu ihm auf, Loki konnte ihren Herzschlag unter der Porzellanhaut an der Kuhle zwischen ihren Schlüsselbeinen erkennen. Dann veränderte sich ihre Miene.
„Ich schlottere vor Furcht“, spottete sie.
Perplex blinzelte Loki. Diese kleine Sterbliche wagte es...? Er spürte wie sein Kiefer sich verhärtete.
Du kannst nichts tun, mahnte ihn eine Stimme in seinem Kopf. Wenn du ihr ein Haar krümmst, hast du die Avangers am Hals.
Innerlich fluchte er, dann schluckte er seinen angeknacksten Stolz hinunter und sagte kalt: „Wie erwartet, möchtest du den Avangers nicht beitreten, was bedeutet, solltest du wieder Ärger machen, habe ich offiziell die Erlaubnis, gegen dich zu kämpfen. Ich freue mich schon darauf.“
Er lächelte möglichst grausam, dann ging er ohne ein weiteres Wort. Selbst als er einige Straßen weiter weg war, war die Anspannung nicht aus seinen Muskeln gewichen. Seit wann regte er sich überhaupt so auf? Vor allem einer so mickrigen Person wegen?
Du fandest sie hübsch, war da erneut diese lästige Stimme und sie hatte recht.
Erst als er wieder im StarkTower ankam, hatte er sich beruhigt. Der Fahrstuhl trug ihn nach oben, in der Küche füllte er sich ein Glas Wasser ein.
Anthony saß auf der Couch und arbeite an einem seiner Projekten. Der Ironman war ganz in Ordnung, Loki und er waren fast so etwas wie Freunde geworden in den wenigen Wochen, in denen Loki nun schon hier war.
„Wie ist es gelaufen?“
„Nettes Mädchen“, sagte Loki und hoffte, der Sarkasmus war deutlich genug.
„Sir. Loki.“
Es war diese Computerstimme. Jarvis.
„Was ist?“, fragte Loki.
„Direktor Fury möchte mit ihnen sprechen.“
Loki schnaubte. Sicher wollte er sich über seinen Misserfolg beschweren, die Kleine in die Truppe zu holen. Er bereitete sich innerlich auf eine Diskussion vor. „Dann verbinde mich.“
Ein großer Bildschirm erschien wie aus dem Nichts und zeigte Fury.
„Hallo Loki“, grüßte er. „Ich muss sagen, ich bin beeindruckt.“
Was?!
„Wie bitte?“ Hatte er sich verhört?
„Lenore hat sich bereit erklärt, es zu versuchen“, fuhr er fort. „Sie wird morgen herkommen und einen Monat bleiben. Stark, bitte machen Sie ein Zimmer für sie frei.“

*