Nakoa Monderwählte

von DDDracooo
GeschichteDrama, Romanze / P16
Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
15.12.2018
29.07.2019
13
20484
18
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 1

Die Geisterlichter tanzten auf der Wasseroberfläche.
Auch wenn mir schon so oft erzählt wurde, wie wunderschön dieser Abend werden würde, so schön hatte ich es mir nicht vorgestellt. Es übertraf einfach alles, was ich bisher gesehen hatte.
Mit offenem Mund schaute ich zu den Geistern, die wir heute feiern würde. Die Geister, die alle 18 Jahre auf die Erde traten, um mit den Lebenden zu feiern. Und um die Mondgöttin zu begleiten.
Das Fest des Mondes hatte mich schon immer fasziniert und doch verzog sich mein Mund missmutig, als ich daran dachte, was die Göttin machen würde.
Obwohl das eigentlich Schlimme war, nicht die Tat der Göttin, sondern die der Monarchen.
Seufzend wandte ich mich von dem Fluss ab, der so viele wunderbar schimmernde Reflexionen der Geister wiedergab.
Heute würde die Göttin einem Mädchen eine Gabe geben.
Und dieses Mädchen würde mitgenommen werden. Nicht von der Göttin, sondern von den arroganten Herrschern, die die Macht dieser Gabe begehrten.
So war es immer und so würde es immer sein.
Viele Familien warteten sehnsüchtig auf das Fest des Mondes. Denn ein Mädchen würde in den niedrigen Adel einheiraten und ihrer Familie so Geld einbringen. Das war auch der Grund, warum die Mädchen in meinem Alter, einschließlich mir, noch nicht verheiratet waren.
In diesem Fischerdorf, welches meine Heimat ist, gab es viele arme Familien, die darauf hofften, dass ihre Tochter auserwählt werden würde. Und ich wusste, wenn das Fest des Mondes vorbei war und eines dieser Mädchen auserwählt wurde, dann würde sehr viele andere Mädchen im heiratsfähigen Alter verlobt werden. Zu dem besten Preis, den das Familienoberhaupt erzielen konnte.
Zischend atmete ich aus und betrachtete die vielen gleichaltrigen, die sich für das Fest ihr bestes Kleid angezogen hatten. Auch meine Mutter hatte mir heute ein Kleid von ihr geliehen. Es war wirklich hübsch und betonte meine blauen Augen aber ich hasste es.
Ich wollte nicht hier sein.
Viele dieser Mädchen wollten auserwählt werden, doch ich nicht.
Ich wollte auch nicht an den Meistbietenden verheiratete werden. Deswegen lag in diesem Moment ein kleiner Rucksack, gepackt mit meinen wenigen Habseligkeiten, unter meinem Bett und wartete nur darauf, dass ich vom Fest zurückkehren würde.
Auch wenn ich meine Eltern liebte und ich ihr einziges Kind und somit ihre einzige Möglichkeit war, eine Altersvorsorge zu verdienen, so wollte ich mich nicht fügen.
Wenn dann wollte ich aus Liebe heiraten, was wahrlich nur sehr selten in diesem Königreich passierte.
Die Trommeln erklangen in einem rhythmischen Ton und mein Herzschlag verschnellerte sich. Mein Blick glitt über die vielen Mädchen, die so gespannt warteten. Welche von ihnen wohl ausgewählt werden würden?
Ich schluckte, wollte den Gedanken verdrängen, dass es theoretisch auch mich treffen könnte.
Ein Blick auf die Menge, die vor der Bühne stand, verriet mir, dass es nicht mehr lange bis zur Ankunft der Göttin dauern würde.
Es waren so viele unbekannte Gesichter und es war mir unmöglich, meine Eltern auszumachen. Das Fest des Mondes hatte sehr viele Familien in das Dorf gelockt, in der Hoffnung, dass eine ihrer Töchter ausgewählt werden würde.
Das Trommeln verschnellerte sich und die Geisterwesen, die gestaltlos über den Marktplatz flogen, leuchteten heller.
Ich ließ meinen Blick in den Himmel gleiten. Dank den Geistern war es trotz so später Stunde hell erleuchtet, doch ich konnte sehen, dass der Mond verschwand. Sie ist gleich hier. Luna, die Mondgöttin.
Die Trommeln verstummten.
Die Geisterwesen erstarrten in ihren Bewegungen.
Und die schönste Frau, die ich jemals gesehen hatte, kam aus dem Fluss. Die Mädchen neben mir japsten nach Luft, als sie sahen, wie die Göttin über das Wasser zu uns schritt.
Ihre langen weißen Haare umtanzten ihren Körper, der in einem umwerfenden weißen Kleid gehüllt war. Ihre Augen waren so groß und voller Liebe, dass es mir den Atem raubte. Sie schimmerte wie die Geisterwesen und auch wieder nicht. Sie leuchtete am hellsten, wie der Mond.
Sie ist der Mond.
Ein Raunen ging durch die Zuschauer, die nicht von ihr erwählt werden konnte und aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie sich alle vor ihr verbeugten.
Man hatte mir nicht gesagt, ob ich mich verbeugen sollte. Selbst wenn ich es hätte tun sollen, ich konnte einfach keinen Muskel bewegen.
Die Göttin bewegte sich immer weiter auf uns zu. Als sie nicht mehr den Fluss berührte schwebte sie und schließlich stoppte sie auf der Bühne.
Die Mädchen um mich herum starrten sie genauso überwältigt an wie ich.
Die Göttin sagte nichts, sondern schaute nur mit einem leichten Lächeln über die Kandidatinnen.
Und dann blieb ihr Blick an mir hängen. Meine Augen weiteten sich überrascht und ich beeilte mich, den Blick zu senken.
Nein, bitte nicht.
Ein Raunen ging durch die Menge.
Ich konnte ihr Leuchten direkt vor mir sehen und war gezwungen, zu ihr aufzuschauen.
»Mein Kind«, sagte sie in einer Tonlage, die ich noch nie vernommen hatte.
Sie streckte mir eine Hand hin und ich griff danach. Etwas anderes konnte ich gar nicht tun. Es war meine Bestimmung, das spürte ich. Das Leuchten der Göttin nahm mich so ein, dass ich mich nicht daran erinnern konnte, dass ich das hier eigentlich gar nicht wollte.
Als meine Hand ihre Haut berührte, war es zu spät.
Zischend holte ich Luft und atmete gepresst aus. Ihre Haut war eiskalt und von meinen Fingern, die sie berührten, breitete sich die Kälte in meinem gesamten Körper aus.
Dann wurde mir heiß, als ich anfing zu leuchten. Die Geisterwesen verschwammen.
»Du bist etwas Besonderes. Erfülle deine Mission«, sagte die Göttin und verschwand.
Verschwand und ließ mich mit erhobener, leuchtender Hand auf der Bühne stehen.

Es dauerte eine Stunde, bis das Leuchten verschwand. Eine Stunde, in der mir gestattet wurde, meine Sachen zu packen und mich von meinen Eltern zu verabschieden.
Kaum war die Göttin verschwunden, waren Abgesandte des Königs auf der Bühne erschienen und hatten mich flankiert. Mich gefragt, wo ich wohnte.
Ihre listigen Augen verfolgten jede meiner Bewegungen und mir wurde schnell klar, dass ich ihnen nicht entkommen würde. Es war zu spät, ich hätte vor dem Fest fliehen sollen.
Meine Augen brannten, doch ich zwang mich, nicht zu weinen. Nicht jetzt, wo mich so viele anstarrten.
Meine Eltern warteten schon in unserer Hütte auf mich und meine neuen Anhängsel. Meine Mutter platze regelrecht vor Stolz und mein Vater sah sehr zufrieden aus. Zufrieden, weil er seine Tochter zum besten Preis überhaupt verkauft hatte. Als Vater einer Erwählten würde er von nun an einige Privilegien genießen.
Ich ließ mich von Mutter umarmen und ertrug kurz die stolze Hand meines Vaters auf meiner Schulter, während ich in mein kleines Zimmer ging.
Zitternd setzte ich mich auf mein Bett und starrte auf meine leuchtenden Hände.
Warum zum Teufel hatte sie mich auserwählt? Ausgerechnet mich.
Ich schluckte, um nicht zu schluchzen und fischte meine bereits gepackte Tasche unter dem Bett hervor.
So war das doch alles gar nicht geplant.
Es klopfte an meiner Tür und ich wusste, dass meine Zeit allein abgelaufen war.
Immer noch zitterte ich, als ich mich erhob und mit der Tasche über meiner Schulter mein Zimmer verließ. Einmal noch gestattete ich mir, über die spärliche Einrichtung zu schauen, dann drehte ich mich um.
Dieses Zimmer würde ich nie wiedersehen. Meine Eltern würde ich nie wiedersehen.
Meine kurze Hoffnung, dass ich das alles vielleicht nur geträumt hatte, verpuffte, als ich die Diener des Königs sah, die allesamt in meine Richtung starrten. Dann wandten sich alle, bis auf einer ab und gingen nach draußen, um vor der Tür unserer Hütte auf mich zu warten.
»Mutter, Vater bitte ... bitte lasst mich nicht von ihnen mitnehmen«, flehte ich mit einer schrecklich dünnen Stimme. Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Züge meiner Mutter.
»Schatz, du wirst ein besseres Leben führen, als all deine Vorfahren. Du machst uns Stolz« Sie drückte mir einen Kuss auf die Stirn und ich sah, wie einige Tränen ihre Wangen hinunterliefen. Verzweifelt warf ich meinem Vater einen Blick zu, der mich mit einem grimmigen Ausdruck anschaute, ehe er nickte. Er nickte, damit mich der Diener mitnahm.
Ich ballte meine Hand zur Faust und biss mir auf meine Unterlippe. Meine Augen brannten, aber ich wollte nicht weinen.
Verdammt! Ich hätte schon vor diesem verdammten Fest fliehen sollen!
Mit einem letzten Blick zu meiner Familie wandte ich mich zu dem Diener. Ich konnte immer noch fliehen. Wenn sie merkten, dass ich mit ihnen kommen würde, würden sie vielleicht nicht mehr ganz so aufmerksam jeden meiner Schritte beobachten. Dann könnte ich fliehen.
Immerhin übergab der Bote meinem Vater einen kleinen Sack, der gefüllt sein musste mit Goldstücken. Viel mehr als er je mit dem Fischen verdient hätte.
Ich schluckte einen gewaltigen Kloß hinunter und verließ unsere Hütte. Mein Zuhause, was ich nie wiedersehen würde.
Denn noch nie wurde einer der Auserwählten wiedergesehen.
Review schreiben