Victoria - Wiedergeburt eines Imperiums

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
15.12.2018
27.04.2019
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“Denkt einmal darüber nach. Was kann es Ruhmreicheres geben, als in diesen Tagen größter Not für den Kaiser und seine Bürger hier in Himmelsrand zu kämpfen?”
  -General Tullius

Einsamkeit, Himmelsrand, 4. Sonnenhöhe (Juli) des Jahres 202 der Vierten Ära

General Tullius und Legat Barenziah stiegen die Treppen zum Gefängnis von Schloss Elend hinab. Ihnen voran ging der Kerkermeister, Ahtar, ein großer, muskulöser Rothwardone. Seine für sein Volk typische dunkelbraune Haut und die riesige Henkersaxt, die er stets auf seinem Rücken trug, verliehen ihn ein furchteinflößendes Aussehen. Er führte die beiden Offiziere zu der Folterkammer, in der der Anführer des Sturmmantelkommandos seit seiner Gefangennahme verhört wurde. An den nackten Steinwänden des nur von ein paar Kerzen erhellten Raums standen allerlei Foltergerätschaften. Der Gefangene, bis auf die Unterhose entkleidet, war auf eine Streckbank gebunden. Snar, der Folterknecht, hatte sich schon mit ihm befasst. Zusätzlich zu den Prellungen und Schnitten, die wohl vom vorherigen Kampf herrührten, wies die Haut des Nord frische Brandwunden auf, die ihm offensichtlich durch ein glühendes Eisen zugefügt worden waren.
  Aus einem benachbarten Raum kam ein lauter, peinerfüllter Schrei. Auf Barenziahs fragenden Blick hin zuckte Ahtar mit den mächtigen Schultern. “Irgendein Saboteuer, der vorgestern das Lagerhaus der Ost-Kaiserlichen Handelsgesellschaft anzünden wollte.”
  “Nun?”, fragte Tullius den buckligen Folterer, der eine blutbefleckte kaiserliche Lederrüstung und eine schwarze Kapuze trug. “Hat der Gefangene etwas preisgegeben?”
  “Noch nicht, General.” Der Folterknecht lächelte bösartig hinter seiner Kapuze, die die Brandnarben, die sein Gesicht verunstalteten, nicht ganz verbergen konnte. Soweit Barenziah wusste, war Snar von Geburt an deformiert und als Junge ständig Schikanen und Demütigungen durch die anderen Kinder ausgesetzt gewesen. Eines Tages war eine Jugendbande über ihn hergefallen, hatte ihn verprügelt und sein Gesicht in ein Schmiedefeuer gedrückt. Wenn die Stadtwache nicht rechtzeitig eingegriffen hätte, wäre Snar wohl gestorben. Wahrscheinlich ging der Sadismus des Folterknechts darauf zurück. Im Kerker von Einsamkeit hatte er nun die Gelegenheit, seinen Hass auf die Welt an den Gefangenen auszulassen. Der Mann tat Barenziah leid.
  “Ich habe ihn ein wenig bearbeitet.” Snar wies auf einen Tisch, auf dem ein blutbeflecktes Skalpell und ein paar andere unfreundlich aussehende Werkzeuge lagen. “Der Kerl ist zäh, das muss ich ihm lassen. Früher oder später wird er schon reden, aber ich kann nicht sagen, wann das sein wird.”
  Ein weiter Schrei kam vom Nebenraum.
  “Ich möchte möglichst bald Ergebnisse haben”, sagte Tullius mit unzufriedener Miene. “Wo dieser Sturmmantel herkommt, gibt es gewiss noch mehr.” Er trat an den Gefangenen heran. “Wie lautet Euer Name, Rebell?”
  Der Sturmmantel sah den kaiserlichen General verächtlich an und fletschten die Zähne. Einer fehlte. “Jorunn Leckt-mich-am-Arsch”, presste er hervor.
  Grinsend griff Snar nach der Kurbel an der Streckbank, doch Barenziah schüttelte den Kopf. “Das dauert zu lange. Ich mache das auf meine Weise.” Die Dunmer wandte sich dem Sturmmantel zu.
  “GOL HAH DOV!!!”
  Wie Donner hallte der Schrei in der Kammer wieder. Er entfaltete sofort die gewünschte Wirkung. Der Blick des Rebellen war immer noch feindselig, doch für eine Weile war sein Wille dem von Barenziah unterworfen.
  “Was wollt Ihr, Dovahkiin?”, fragte er in einem widerstrebenden Tonfall. Einem Tonfall, der sich deutlich von dem tranceartigen Zustand der Leute unterschied, die Miraak auf der Insel Solstheim mithilfe des selben Drachenschreis versklavt hatte.
  Miraak, ein größenwahnsinniger, abtrünnig gewordener Drachenpriester, der ebenfalls ein Drachenblut gewesen war, war eine der größten Bedrohungen, denen Barenziah je gegenübergestanden hatte. Am Ende war ein Pakt mit dem daedrischen Fürsten Hermaeus Mora nötig gewesen, um ihn zu bezwingen.
  “Nennt Euren Namen“, verlangte Barenziah. “Und dann beantwortet alle Fragen von General Tullius.”
  “Olaf von Shors Stein”, knurrte der Mann.
  “Also gut, Olaf von Shors Stein”, meinte Tullius. “Ihr habt den Angriff auf die Krönungsfeier angeführt, richtig?”
  “Ja”, brummte der Nord.
  Noch ein Schrei hallte durch den Kerker, diesmal länger und lauter als die bisherigen.
  Tullius wirbelte zu Ahtar herum. “Würdet Ihr bitte  nach drüben gehen und denen sagen, dass sie später weitermachen sollen?”, knurrte er. “Ich würde dieses Verhör gerne ungestört fortführen.”
  “Sofort, General.” Der Rothwardone eilte hinaus.
  “Nur der Form halber”, wandte sich Tullius wieder an Olaf. “Was war der Zweck dieses Angriffs? War Euch nicht klar, dass Ihr, selbst wenn Ihr Erfolg hättet, niemals entkommen wärt?”
  “Ja, wir waren bereit zu sterben”, bestätigte Olaf stolz. “Unser Ziel war es, Euch, Eure Marionette Elisif, die dem Kaiserreich hörigen Jarl, diese Hexenelfe Elenwen und, wenn möglich, das Drachenblut zu töten. Und Vittoria Vici.”
  Tullius runzelte die Stirn. “Die Cousine des Kaisers? Wenn dieser Thalmor-Soldat nicht gewesen wäre, hättet Ihr in dieser Hinsicht Erfolg gehabt. Aber Euch ist doch bewusst, dass der Tod eines Mitglieds der Kaiserfamilie nur zu einer noch erbarmungsloseren Verfolgung der verbliebenen Rebellen geführt hätte?”
  “Ulfric ist tot, wir hatten nichts mehr zu verlieren”, sagte Olaf. “Wir wollten nicht einfach nur zusehen, wie die Zackenkrone auf das Haupt einer Unwürdigen gesetzt wird. Was Vici angeht, so war sie uns eigentlich egal, doch wir haben eine Vereinbarung mit jemandem getroffen.”
  “Jemand hat Euch beauftragt, Vici zu töten?” Der General schnaubte abfällig. “Seid Ihr schon so tief gesunken, dass Ihr als gedungene Mörder agiert? Wer ist der Auftraggeber?”
  “Ein paar Wochen nach dem Fall von Windhelm suchte ein Kaiserlicher namens Rexus Kontakt zu uns. Wir waren drauf und dran, ihn an Ort und Stelle niederzustrecken, denn er trug eine Lederrüstung der Legion. Doch unsere Anführerin, Reja Sturm-Klinge, hielt uns zurück und ließ den Mann sprechen. Er gab sich als Diener eines einflussreichen Mannes aus Cyrodiil aus und bot uns Geld, Waffen und Ausrüstung an, wenn wir im Gegenzug Vittoria Vici bei Elisifs Krönung töten.”
  Tullius fluchte leise. “Nun, ich hatte mich schon gefragt, woher Ihr diese Rüstungen hattet. Hat dieser Rexus gesagt, wieso sein Herr Vicis Tod wünscht? Und was ist mit dieser Reja Sturm-Klinge? Ich dachte, Ihr seid der Anführer?”
  “Ich habe nur den Angriff auf die Krönung geführt” sagte der Sturmmantel. “Reja selbst ist zurückgeblieben, von ihr habe ich meine Befehle. Was Rexus und seinen unbekannten Herrn betrifft, so geht es ihnen eigentlich gar nicht um Vici. Das wahre Ziel ist der Kaiser.”
  Tullius fluchte erneut und benutzte Worte, die Barenziah noch nie zuvor von ihm gehört hatte. Der General war sonst meist ein kalter Fisch, er musste wirklich beunruhigt sein. Kein Wunder, erst der Angriff auf die Krönungszeremonie und nun auch noch das.
  “Der Kaiser?! Ihr hattet es auf den Kaiser abgesehen? Aber der ist doch in Cyro… Ah, natürlich. Vicis Ermordung sollte ihn herlocken.”
  Olaf nickte. “Ja. Rexus sagte, dass ursprünglich die Dunkle Bruderschaft für diese Aufgabe vorgesehen war. Vittoria Vici sollte bereits bei ihrer Hochzeit mit Asgeir Schnee-Schuh ermordet werden. Die daraus folgende Aufregung sollte den Kaiser zu einer Reise nach Himmelsrand zwingen, um die Wogen zu glätten. Dann hätte die Bruderschaft zugeschlagen. Doch das Drachenblut hat sie ausgelöscht, noch bevor Rexus’ Herr Kontakt aufnehmen konnte.”
  “Also wandte er sich an Euch”, ließ Barenziah vernehmen. “Die Idee, bei Elisifs Krönung zuzuschlagen, kam wohl auch von ihm?”
  “Ja, auch wenn wir schon vorher über einen Angriff in Einsamkeit nachgedacht hatten. Durch Rexus’ Vorschlag sah Reja unsere Chance gekommen. Schnell wurde sie mit ihm handelseinig.”
  “Aber schon Wochen vor der Krönung haben die Wachen an den Stadttoren alle Neuankömmlinge kontrolliert”, sagte Tullius. “Wie seid Ihr so schwer bewaffnet unerkannt hineingekommen?”
  “Rexus hat die Ausrüstung schon im Vorfeld in ein leerstehendes Haus innerhalb der Mauern schaffen lassen”, entgegnete der Sturmmantel. “Wir sind nur leicht bewaffnet und in kleine Gruppen aufgeteilt in die Stadt gekommen.” Er brauchte nicht hinzufügen, dass sie, wenn sie völlig unbewaffnet nach Einsamkeit gekommen wären, sich ebenso verdächtig gemacht hätten, als wären sie in voller Kriegsmontur angereist. Jeder  in Himmelsrand war bewaffnet.
  “Allerdings habt Ihr Eure Chance vergeben”, stellte Barenziah fest. “Bei aller gebührenden Bescheidenheit, aber Euch muss doch klar gewesen sein, wozu ich fähig bin. Wenn Ihr zugeschlagen hättet, als sich die Parade gerade von Schloss Elend aus in Bewegung setzte, wäre es Euch möglicherweise gelungen, die meisten Zielpersonen beim Blauen Palast zu töten, bevor ich hätte eingreifen können.”
  “So war es eigentlich auch vorgesehen”, sagte Olaf und neuer Hass leuchtete in seinen Augen auf. “Aber ich wolle Euch unbedingt erwischen, Dovahkiin.”
  Barenziah schnaubte. “Weil ich Ulfric getötet habe? Es war ein fairer Kampf - soweit man das angesichts meiner Macht sagen kann. Fairer als Ulfrics Duell mit Torygg.”
  Torygg, der alte Großkönig von Himmelsrand - der nicht wirklich alt gewesen war - war von Ulfric Sturmmantel, dem Jarl von Windhelm, zu einem Duell herausgefordert worden. Einem Duell, das nach den Gesetzen des Kaiserreiches zwar verboten, dennoch ohne Ehrverlust nicht abgelehnt werden konnte. Im Gegensatz zu Ulfric und Barenziah hatte Torygg nicht über Thu’um verfügt, die Macht der Stimme, die es erlaubte, Drachenschreie anzuwenden. Er hatte bis zu diesem Tage auch noch nie um sein Leben kämpfen müssen.
  Unter diesen Umständen war es kein Kampf gewesen, sondern eine Hinrichtung. Ein Fanal, das Ulfrics Rebellion gegen das Kaiserreich einläutete. Eine Rebellion, die ohne eine gewisse Barenziah von Dhalmora vielleicht erfolgreich gewesen wäre. Die Tatsache, dass Ulfric schließlich selbst im Duell gegen eine klar überlegene Barenziah sein Ende fand, barg eine geradezu poetische Gerechtigkeit.
  “Es ging mir nicht nur um Rache für Ulfric”, knurrte Olaf. “In der Schlacht von Weißlauf fiel meine Verlobte. Sie starb durch Eure Hand. Ich habe hilflos zusehen müssen, wie Ihr sie niedergemacht habt. Deshalb habe ich mit dem Angriffsbefehl gewartet, bis Ihr den Blauen Palast erreicht habt.”
  Ungebeten kam in Barenziah die Erinnerung an die Tode derer auf, die sie geliebt hatte. Ihre Familie in Bal Foyen, Gerhard, Geel-Lah, ihr Geliebter Cyrus, der an Barenziahs Stelle einem von Duren Dres gesandten Auftragsmörder zum Opfer gefallen war … und dann war da noch Kodlak.
  Die Dunmer verstand sehr gut, wie schrecklich der Verlust seiner Geliebten für Olaf sein musste. Und dennoch…
  “Wie kommt es, dass Ihr das Schlachtfeld lebend verlassen habt?”, wollte sie wissen. “So aussichtslos es auch wäre, man könnte doch meinen, Ihr hättet Euch im Berserkerrausch auf mich stürzen sollen, nachdem ich Eure Verlobte erschlagen hatte.”
  “Ich bin kurz zuvor verwundet worden”, sagte Olaf. “Zwei meiner Kameraden brachten mich in Sicherheit, während meine Liebste weiterkämpfte. Als ich sah, wie sie fiel, musste man mich trotz meiner Verletzung gewaltsam zurückhalten.”
  “Es tut mir wirklich leid für Euch”, sagte Barenziah aufrichtig. “Aber Ihr beide, Ihr und Eure Verlobte, wusstet, worauf Ihr Euch eingelassen habt, als Ihr der Rebellion gegen den Kaiser beigetreten seid.”
  “Ja, das wussten wir sehr wohl”, meinte Olaf bitter. “Aber nachdem sowohl sie als auch ich Familienmitglieder an die Thalmor verloren hatten, war uns klar, dass wir für unsere Freiheit kämpfen mussten.”
  Barenziah unterdrückte einen Seufzer. Sie teilte die meisten Ansichten der Sturmmäntel nicht, doch die brutale Unterdrückung der Talos-Verehrung durch die Thalmor lehnte sie persönlich entschieden ab. Die Hochelfen des Aldmeri-Bundes mochten ihre Gründe haben, die Vergöttlichung des Talos, auch bekannt als Tiber Septim, des ersten Kaisers von ganz Tamriel, abzulehnen. Nichts gab ihnen jedoch das Recht, anderen Völkern vorzuschreiben, welche Götter sie anbeten durften und welche nicht.
  Leider war der Krieg zwischen dem Aldmeri-Bund und dem Kaiserreich vor dreißig Jahren schlecht ausgegangen. Der Untergang des Imperiums war nur knapp abgewendet worden und bei den Friedenverhandlungen waren die Thalmor in der stärkeren Position gewesen. In dem als “Weißgold- Konkordat” bezeichneten Friedensvertrag war das Verbot der Talos-Verehrung im Kaiserreich festgeschrieben worden. Die Thalmor hatten das Recht erhalten, im gesamten Reichsgebiet eigenständig auf die Jagd nach “Ketzern” zu gehen.
  In Himmelsrand war Talos besonders beliebt, da die Nord ihn als einen Sohn ihres Volkes ansahen. Und in Himmelsrand gingen die Schergen des Aldmeri-Bundes am rücksichtslosesten gegen Talos-Anbeter vor. Und so erwiesen sich die Thalmor als die besten Anwerber der Sturmmäntel.
  “Wie wäre es weitergegangen, wenn Vici getötet worden wäre?”, setzte Tullius die Befragung ungerührt fort. “Reja Sturm-Klinge muss eine weitere Gruppe für die Fortsetzung des Plans bereithalten.”
  “Richtig”, bestätigte Olaf. “Den Angriff auf den Kaiser wollte Reja persönlich anführen.”
  “Wie viele Kämpfer hat Reja noch?”
  “Siebenundvierzig, sie selbst mit eingerechnet.”
  Tullius machte eine wegwerfende Geste “Nur siebenundvierzig? Gegen ein Ziel, das noch strenger bewacht sein würde als die Gäste der Krönungsfeier?”
  “Ich weiß nicht, wie Reja gegen den Kaiser vorgegangen wäre.”
  Tullius atmete tief durch. “Also gut. Wo sind diese siebenundvierzig Rebellen? Wisst Ihr noch von weiteren Überbleibseln der Sturmmäntel?”
  “Nach dem Fall von Windhelm hat das Drachenblut die meisten unserer versteckten Lager aufgespürt und vernichtet. Egal welche Vorsichtsmaßnahmen wir trafen, Barenziah fand unsere Leute und tötete sie. Deshalb wagt es Reja seit geraumer Zeit nicht mehr, Kontakt zu anderen Gruppen der Sturmmäntel aufzunehmen. Vermutlich harren einige unserer Brüder und Schwestern noch irgendwo in den Bergen aus. Aus dem gleichen Grund weiß ich nicht, wo Reja und ihre Leute jetzt sind.”
  “Wo war Euer letztes Lager?”, verlangte Tullius zu wissen.
  “Am Fuße des Halses der Welt, in der Nähe der Valtheimer Türme. Aber jetzt ist dort niemand mehr.”
  “Und in dem Fall, dass doch einer von Euch entkommen wäre, hätte es für ihn wirklich keine Möglichkeit gegeben, zu Reja zurückzukehren?”
  Ein widerwilliger Ausdruck trat auf das Gesicht des Rebellen. Er versuchte gegen Barenziahs Bann anzukämpfen.
  “Denkt nicht mal dran, Euch selbst die Zunge abzubeißen”, ermahnte ihn die Dunmer. “Jetzt sagt uns, wie man Reja finden kann.”
  “Es gibt einen Kontaktmann in Flusswald”, knirschte der Nord.
  “Und wer ist dieser Kontaktmann?”, fragte Tullius ungeduldig.
  “Der Barde in der Taverne Zum Schlafenden Riesen”, gab Olaf preis. “Er heißt Sven.”
  “Den kenne ich”, sagte Barenziah erstaunt. “Aber dass er zu den Sturmmänteln hält, ahnte ich nicht.”
  “Könnt Ihr uns sonst noch etwas sagen, was uns Hinweise zur Ergreifung weiterer Sturmmäntel oder der Hintermänner der Verschwörung gegen den Kaiser geben könnte, Rebell?”, fragte der General.
  “Nein.” Olaf klang fast erleichtert.
  “Gut.” Tullius wandte sich an den Folterknecht. “Wir sind hier fertig. Bringt den Rebellen in seine Zelle. Er wird morgen bei Sonnenaufgang hingerichtet. Sorgt mir dafür, dass sich ein Heiler vorher um seine Wunden kümmert. Er soll nicht allzu mitleiderregend aussehen.”
  Während zwei Wachen Olaf von der Streckbank losbanden, murrte Snar: “Das mag eine effektive Befragungsmethode gewesen sein, aber wo bleibt da die Freude an der Arbeit?”

Tullius und Barenziah verließen den Kerker und begaben sich zum Hauptsaal von Schloss Elend. Die dunklen Steinwände waren mit kaiserlichen Bannern behangen, in der Mitte stand der große Kartentisch, an dem der General seinen Feldzug gegen die Sturmmäntel geplant hatte. Direkt darüber sorgte ein Oberlicht tagsüber für Helligkeit. Nun jedoch war es draußen schon dunkel, so dass der Raum von Kerzen beleuchtet wurde.
  “Ich habe Einsamkeit abriegeln lassen“, sagte Tullius, “aber die Nachricht über die heutigen Vorkommnisse wird sich trotzdem verbreiten. Schafft Ihr es bis Flusswald, bevor man dort davon erfährt, Legat?”
  “Ja, General”, sagte die Dunmer. “Lasst mich aber wenigstens ein paar Stunden schlafen, bevor ich aufbreche. Ich werde es dennoch rechtzeitig schaffen.”
  “In Ordnung. Dann knöpft Euch diesen Sven mal vor. Und versucht, Reja Sturm-Klinge lebend gefangen zu nehmen. Ich glaube zwar nicht, dass sie uns mehr über die Mordpläne gegen den Kaiser sagen kann, aber wir dürfen diese Möglichkeit nicht ignorieren.”
  “Was ist mit den übrigen Sturmmänteln?”, fragte Barenziah, obwohl sie die Antwort bereits kannte.
  “Ich lege keinen Wert darauf, dass Ihr weitere Gefangene macht”, sagte Tullius kühl.
  “Was glaubt Ihr, General, wenn wir von den Rebellen nichts weiter erfahren, könnte man dann diesen Rexus trotzdem ausfindig machen?”, wollte die Dunkelelfe wissen.
  Tullius schüttelte den Kopf. “Reja wird uns zumindest beschreiben können, wie er aussieht, aber das wird trotzdem eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Rexus ist in Cyrodiil ein Allerweltsname. Wir können nicht einmal sicher sein, ob er nicht einen Decknamen benutzt hat. Und weil der Mann die Rüstung eines Legionärs trägt, heißt das noch lange nicht, dass er einer ist. Er könnte auch ein Söldner oder, am wahrscheinlichsten, ein Leibwächter sein. Aber das ist nicht unser Problem, Legat. Darum kümmert sich der Penitus Oculatus.”
  “Ich verstehe.“ Barenziah hatte mit dem Geheimdienst des Kaiserreiches bereits zu tun gehabt, als sie die Zuflucht der Dunklen Bruderschaft in Falkenring gesäubert hatte.
  “Viel Glück und passt auf Euch auf”, sagte Tullius. “Wegtreten.”
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