Der Ritt auf dem Pegasus (Stargate Atlantis One-Shots)

von DieLadi
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Carson Beckett Elizabeth Weir John Sheppard Rodney McKay Ronon Dex Teyla Emmagan
14.12.2018
21.06.2019
10
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Liebe Ladinellos und Ladinchen,

man möge mich bitte nicht auf die Nachprüfbarkeit der in diesem One-Shot aufgestellten Quasi- Wissenschaftlichen Thesen festnageln.

Herzlichen Dank

Eure Ladi


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Zu fünft saßen sie um den kleinen Tisch in dem Steakhaus.
Es war der Vorabend der Abreise ins Ungewisse. Morgen würden Rodney und John aufbrechen. Und sie hatten sich mit ihren engsten Freunden getroffen, um den Abschied zu begehen.


„Nicht Ihr Ernst“, sagte John Sheppard und nahm einen großen Zug aus dem Soda-Glas, das vor ihm auf dem Tisch stand.

„Doch doch“, sagte Sam Carter und grinste.

„Das ist doch aber sehr unwahrscheinlich,“ sagte John.

„Nun, das würde ich so nicht sagen“, sagte Rodney. „Es gibt da Wahrscheinlichkeiten...“, und er zuckte mit den Schultern.
„Interessant“, sagte Jack O'Neill und schaute hinüber zu Daniel Jackson, der an seiner Seite saß. „Was sagt denn mein eigener verrückter Wissenschaftler dazu?“

„Hey“, schimpfte Daniel, doch dann wandte sich sein Blick zu Rodney. „McKay hat recht.“


„Aha?“ fragte nun John und sah den neben ihm sitzenden Mann skeptisch an.

„Ja, ja“, sagte Rodney. „Es ist doch so. Wenn man daher geht und alle Vernunft außen vor lässt und beginnt, solche Dinge wie Anthropologie, Anthrophysiologie, Biologie und ähnliches tatsächlich als Wissenschaften zu bezeichnen...“

„Na,na!“, sagte Daniel und schaute gespielt empört zu ihm hinüber.

„Ja, schon gut“, sagte Rodney, „aber sind wir doch mal ehrlich, was könnte sich mit der Präzision und Ästhetik von Mathematik, Physik, Astrophysik und ähnlichem messen?“

„Nichtsdestotrotz sind es Wissenschaften“, sagte Daniel und klopfte mit den Fingern auf die Tischplatte.

„Nichts für ungut“, schnaufte Rodney. „Also schön, sagen wir, es sind Wissenschaften. Jetzt nehmen wir diese Wissenschaften und schauen uns an, welche Art von Beweisen sie so liefern.
Nun ist es so, dass diese Wissenschaften nachgewiesen haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten natürlich, dass, wenn wir jemals in fernen Galaxien auf intelligentes Leben stoßen werden, dieses dem unsrigen gar nicht unähnlich sein kann.“

„Also keine grün schillernden Kristallwesen oder sechzehnarmige schleimige Oktopusse?“ fragte John.
Rodney seufzte.
„Auch wenn ihnen das gefallen würde, Captain Kirk, leider nicht. Nun, vielleicht stoßen wir auf solche, das mag durchaus sein, aber nicht, wenn wir nach intelligentem Leben Ausschau halten. Das wird in seiner Form ähnlich wie wir Menschen daher kommen. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Gesetze der grundlegenden Physik überall in unserem Universum gelten.
Und diese sind nun einmal grundlegend, sei es auf zellulärer Ebene; sei es auf nucleochemischer Ebene, seien es gefäßphysikalische Aspekte et cetera, et cetera.

Und da dies so ist, werden für die Entstehung von höher entwickeltem Leben nur eine gewisse Bandbreite an Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Und das schließt eben Mollusken oder Kristalle, die denken können, aus.“

„Aha“, sagte John Sheppard.

„Nun“, sagte O'Neill, „bei uns bisherigen Reisen zu anderen Planeten hat sich das durchaus bestätigt.“

„Also doch – echte Wissenschaft“, sagte Daniel.

„Ja, ja“. sagte Rodney, „ich sage ja schon gar nichts mehr dagegen. Wir haben nun also  das höher entwickelte Lebewesen, das aufgrund biologisch physikalisch chemischer Gegebenheiten in unserem Universum ähnlich sein wird wie die Wesen auf unserem Planeten, jedenfalls von der Grundstruktur her. Kommen wir nun zu dem Schritt wo es um die Entwicklung von Intelligenz geht. Dazu notwendig ist, dass die Gliedmaßen eines Wesens, die zwangsläufig vorhanden sein müssen bei höheren entwickelten Lebewesen, sich in Fortbewegungsgliedmaßen, also unsere Beine und Füße, sowie manipulative Gliedmaßen also unsere Arme und Hände aufteilen. Sinnvoller Weise, und die Natur ist nichts anderes als effektiv, handelt es sich dann dabei jeweils um ein Paar, also um zwei Stück. Denn sie hätten zwar bei dreien einen sicheren Stand, würden aber Schnelligkeit und Gewandtheit einbüßen. Nur eines wiedrum wäre in jeder Hinsicht indiskutabel... nun ja.“

„Du meinst also“, sagte John, „sie werden wie wir zwei Hände und zwei Füße haben.“
„Ja“, sagte Rodney, „auf jeden Fall. Wie gesagt, wenn wir die zugrunde gelegten Wissenschaften als solche ernst nehmen.“
„Ähäm!“, räusperte sich Daniel.

„Hey“, sagte Jack, Hör auf, meinen kleinen Wissenschaftler zu ärgern!“
Rodney grinste. „Sorry, Colonel!“

„Gut. Wenden wir uns nun also den Fortbewegungsgliedmaßen der hypothetischen höher entwickelten intelligenten Wesen auf einem angenommenen fernen Planeten zu. Um sich effektiv fortzubewegen, und wie gesagt, Effektivität - das hatten wir ja gerade;  braucht dieses Wesen also zwei Gliedmaßen, die in der Lage sind, Schnelligkeit und Standfestigkeit zu gewährleisten. Dazu braucht es neben der entsprechenden Lauf- und Sprungmuskulatur, wie immer die im Einzelfall aussehen mag, flexibel mit dem entsprechenden - nennen wir es Bein -  verbundene Lauf und Standflächen. Sie müssten mit Hilfe eines Gelenks verbunden sein, das in der Lage ist, Bewegung zu gewährleisten, schnelle Bewegung, Abfederung und damit eben Standhaftigkeit.“

„Das heißt also“, sagte O'Neill, „du beweist uns hier gerade, dass ihre Füße genauso aussehen werden wie unsere?“
„Im Prinzip schon“, sagte Rodney. „Vielleicht haben sie ein Exoskelett; möglicherweise arbeiten sie verstärkt mit Sehnen, den unseren nicht vergleichbar, und das knöcherne wird vernachlässigt, wenngleich das unwahrscheinlich ist; aber im Großen und Ganzen werden ihre Füße aussehen wie unsere. Flexibel am entsprechenden Bein befestigt, trotzdem fest verbunden, und darüber hinaus ist es ebenso wahrscheinlich, dass sie eine gewisse Anzahl von weiteren Abspreizungen haben werden, ähnlich unserer Zehen, um eben auch wiederum Bewegung und Standfestigkeit zu unterstützen.“

„Holy crap“, stöhnte John, „reichlich kompliziert, und das ganze nur wegen...“
Und er warf Sam Carter einen amüsierten Blick zu.
„Und, Daniel? Wie siehst du das? Hat Rodney recht?“, fragte Jack.
„Natürlich. Und wer bin  ich schon, dass ich es wagen würde, einem Doktor McKay zu widersprechen?“


„Genau“, sagte Rodney und schaute würdevoll drein, denn er hatte den Sarkasmus in diesem Satz mal wieder nicht mitbekommen.

„Gut. Soweit sind also. Ich denke, es haben jetzt alle eine Vorstellung, wie intelligentes Leben auf anderen Planeten daherkommen wird,  welcher Form es sich bedienen wird. Gehen wir also den nächsten Schritt.“

Carter konnte ich nur noch kichern.

„Diese Gliedmaßen“, fuhr Rodney fort, „und ich nenne sie jetzt der Einfachheit halber einfach Füße, um das Gespräch für die Allgemeinheit etwas verständlicher zu gestalten; also. Gesetzt den Fall, sie würden eine Art Schuhe tragen, eine Form von Umhüllung, um ihre Füße zu schützen, und das ist sehr wahrscheinlich nach wissenschaftlichen Gegebenheiten, denn diese Füße sind für sie maßgeblich für das Überleben, egal ob Sie sich nun, was wiederum deutlich wahrscheinlicher ist, aus Gejagten - oder eben doch aus Jägern entwickeln.“

„Warum eher aus Gejagten?“ fragte John, dem die Vorstellung offenbar überhaupt nicht gefiel.
„Wir wissen ja“, sagte Rodney, „dass die Natur sich dann weiterentwickelt, wenn ein Druck von außen besteht. Sofern also alles prima ist, genug Futter da ist, genug Sexualpartner und somit die Reproduktion gewährleistet ist, keine Jäger, die die Population bedrohen et cetera wird keine Weiterentwicklung stattfinden. Ist es aber für ein Lebewesen notwendig sich beispielsweise gegenüber Fressfeinden zu behaupten, dann werden sie Entwicklungsschritte machen. Und Jäger haben es einfacher. Natürlich sind auch sie gefährdet, wenn die Population ihrer nahrungsgebenden Wesen zu gering ist oder es schwieriger wird diese zu erjagen. Das ist dann der Druck, der auf ihnen liegt und sie passen sich an. Doch für Gejagte ist das ganze noch komplizierter, und sie gehen daher oftmals noch ungewöhnlichere Wege, um dem gejagt werden zu entgehen und hier liegt eben das größte Potenzial zur Entwicklung von Intelligenz. Daher werden sich ähnlich wie hier bei uns vermutlich auch in der Pegasus Galaxie diejenigen, die intelligent werden, aus den Gejagten entwickeln.
Nun auch immer, sie müssen ihre Gehwerkzeuge schützen, und das tun sie, indem sie sie umhüllen. Und vom einfachen umhüllen durch irgendwelche Fellfetzen bis zur Entwicklung von tatsächlichem Schuhwerk, wie verschieden von unserem es auch sein mag, ist nur noch ein kleiner Schritt.
Schuhwerk wiederum kann sich nach rein wissenschaftlichen Gegebenheiten auch nicht so sehr von dem unseren unterscheiden, zumindest nicht in seiner Grundstruktur. Es wird nach unten zum Erdboden hin eine stärkere schützende Schicht haben, sprich Sohle, und oben herum eine schützende und doch flexible Schicht, sprich Oberleder.
Und der Drang, Dinge, die im Alltag benötigt werden, zu verzieren und zu schmücken, ist auch wiederum ein Zeichen der Entwicklung von Intelligenz. Wie schmückt man nun einen Schuh? Ja, Muster; das Aufnähen von Gesteinsbrocken, Federn - keine Ahnung, was immer die Natur auf den entsprechenden Planeten bietet oder eben jene Wesen mit ihren manipulativen Greifwerkzeugen herzustellen vermögen. Welche Möglichkeiten aber des Schmuckes bietet der nach unten schützende Sohlenteil? Tadaaaa!“, sagte Rodney und schaute nun triumphierend zu Sam.

Carter konnte nicht anders, als in einen Lachkrampf auszubrechen. Und sie sich ein wenig wieder erholt hatte, sagte sie:
„Sie haben mir soeben wirklich und wahrhaftig wissenschaftlich nachgewiesen, dass es in der Pegasus Galaxie so etwas ähnliches wie Manolo Blahniks geben müsste.“

Während O'Neill amüsiert schnaubte, Daniel dagegen heftig nickte und John grinsend den Kopf schüttelte, sagte Rodney: „Selbstverständlich, Carter, und genau deswegen werde ich Ihnen, sollten wir tatsächlich irgendwann die Möglichkeit haben aus der Pegasusgalaxie heimzukehren, Schuhe mit möglichst hohem Absatz von dort Mitbringen. Sozusagen das Manolo- Pendant auf Pegasusianisch.“

„Unfassbar“, sagte O'Neill. „Nur Sam Carter bringt es fertig, von Rodney High Heels als Mitbringsel aus einer anderen Galaxie zu erbitten, und nur Rodney bringt es fertig, ihr zu beweisen, dass das sogar machbar ist.“

Sie lächelten und schwiegen. Dann sagte Carter leise:
„Wenn... wenn sie nur wiederkommen...“
Und natürlich. Selbst Rodney hatte verstanden, dass dieser seltsame Wunsch von Carter nur ein spaßhafter Weg von ihr war, auszudrücken, wie sehr sie hoffte, dass alles gut gehen würde und sie Sheppard und McKay irgendwann wiedersehen würden...
Dieser ganze wissenschaftliche Sermon war  sein Weg gewesen, mit der Angst und dem Abschied umzugehen.
Und auch das wussten die anderen, und alle wussten das gegenseitig zu schätzen.

* * *

Am nächsten Tag brachen John und Rodney auf, während die anderen drei zurückblieben.

Die Pegasusgalaxie erwies sich als wunderschön, doch auch als sehr gefährlich.
Viele von Rodneys Thesen wurden bestätigt und nur wenig musste er korrigieren.

Und als er eines Tages, gefangen in einem Wraith-Schiff, verängstigt, zerschlagen und und fast ohne Hoffnung, vor eine Wraith-Königin gebracht wurde, die einen beeindruckenden Auftritt hinlegte: Hohe Gestalt, langes, glänzendes Haar, lange, fließende Gewänder und – ha!- Schuhe mit hohen Absätzen, da musste er trotz der Gefahr und im Angesicht der Tatsache, dass er diese Angelegenheit wohl nicht überleben würde, an Carter denken.
Und ein klein wenig schmunzeln.
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