Der Ritt auf dem Pegasus (Stargate Atlantis One-Shots)

von DieLadi
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Carson Beckett Elizabeth Weir John Sheppard Rodney McKay Ronon Dex Teyla Emmagan
14.12.2018
07.09.2019
13
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„Teyla“, sagte Rodney, „Teyla ich brauche Ihren Rat.“

Teyla war erstaunt. Rodney McKay brauchte normalerweise keinen Rat. Er war das klügste Gehirn aus zwei Galaxien, was er auch ständig jedermann wissen ließ, und war normalerweise der Überzeugung, alles zu wissen. Und wenn er eine Sache nicht wusste, dann war sie einfach des Wissens nicht wert.

„Wie kann ich Ihnen helfen Rodney“, sagte sie daher erstaunt.

Rodney seufzte.

„Wissen Sie, auf der Erde feiert man in wenigen Tagen das Weihnachtsfest.“

„Weihnachtsfest?“ Teyla zog die Augenbrauen hoch.
„Davon habe ich noch nie gehört!“

„Nun“, sagte Rodney, „es handelt sich genau genommen um ein religiöses Fest. Man feiert dabei die Ankunft des Erlösers, der angeblich alle Sünden der Menschheit hinweg nimmt. Unsinn, wenn Sie mich fragen, Unsinn wie jede andere Religion auch. Nichts für ungut, Teyla, ich respektiere Sie, und daher respektiere ich auch die Tatsache, dass Ihr Volk eine eigene Religion hat. Wenngleich auch diese natürlich Augenwischerei ist. Es geht dabei ja nur darum, der tumben Masse, die nicht in der Lage ist, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge zu begreifen, die Welt verständlicher zu machen und somit weniger beängstigend.
Jemand wie ich, der natürlich in der Lage ist, etwas weiterzudenken, als das Sonntagskreuzworträtsel in der lokalen Tageszeitung, und der ebenso in der Lage ist, die Welt aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel zu sehen und auch zu begreifen, wird natürlich keiner Religion anhängen. Wie gesagt, nichts für ungut,Teyla.“

„Lassen Sie uns nicht über Religion diskutieren“, sagte Teyla, „ wir werden dort auf keinen gemeinsamen Nenner kommen.“

„Ja, ja“, sagte Rodney, „darum geht es auch nicht. Eigentlich geht es um folgendes. Zu diesem Fest ist es üblich, dass man denjenigen, die man gern hat und die Familie sind, ein Geschenk macht. Den Kindern gegenüber wird dabei vorgegeben, dass diese Geschenke vom sogenannten Weihnachtsmann gebracht werden, was wiederum hanebüchener Humbug ist, da dieser Weihnachtsmann erstens nicht das Geringste mit dem religiösen Hintergrund des Festes zu tun hat und zweitens schlichtweg nicht existiert. Angeblich bringt er die Geschenke mit einem Rentierschlitten. Jeder, der sich halbwegs auskennt mit mathematischen Berechnungen und grundlegender Physik, und wer sollte sich damit besser auskennen als ich, wird Ihnen blitzschnell erklären können, warum es nicht möglich ist, dass der Weihnachtsmann eine solche Geschwindigkeit erreicht, die ihn befähigen würde, Geschenke an alle Kinder auf der ganzen Welt an einem einzigen Abend auszuliefern. Noch dazu da er selber seinen Stützpunkt angeblich am Nordpol hat.“

Teyla lachte.

„Und da behauptet ihr Menschen, unsere athosianischen Bräuche wären eigenartig...!“

„Nun, nun“, sagte Rodney, „das  ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, jahrelang habe ich das Weihnachtsfest für mich allein gefeiert. Ich hatte keine Familie. Nun ja, es gibt da meine Schwester, aber sie und ich, na, ja, Sie verstehen schon...“

Teyla nickte.

„Aber“, sagte Rodney, „das ist jetzt anders. Dieses Weihnachtsfest ist das erste seit langem, wo ich wieder Familie habe.“
Er schaute Teyla in die Augen.
„Dazu zähle ich Sie, Teyla, Ronon und Carson und Elisabeth.“
„Oh“, sagte sie erfreut. Sie war sich nicht bewusst gewesen, dass sie selber und die anderen Rodney so am Herzen lagen. Er war eben sehr eigen mit seiner plauzigen Art, das wusste sie. Doch er hatte ein großes Herz, das er nur einer Menge Stacheln verbarg. Hier nun hatte er es einmal offenbart, und es tat ihr gut. Sie mochte das.

„Nun“, sagte Rodney, „und dann ist da vor allem natürlich John.“

Natürlich. Er und John waren nun seit einigen Monaten ein Paar und insofern war John das, was für Rodney am meisten 'Familie' verkörpern musste.

„Und nun habe ich das Problem“, seufzte Rodney, „dass ich für jeden von Ihnen eine Kleinigkeit habe...“

Teyla machte große Augen,

„...aber nicht für John. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich ihm schenken könnte.“
Seine Augen schauten auf eine bittende Art und Weise zu Teyla, die sie überraschte.

„Und nun möchten Sie, dass ich Ihnen helfe?“

Rodneys Augen ruhten nun beinahe flehend auf ihr.
„Ja, ja, bitte“, sagte er. „Sie sind eine kluge Frau, und Sie stehen John recht nah, und ich habe doch keine Ahnung.. ach.“

„Nun“, sagte Teyla, „das ist nicht einfach. Was schenkt man sich denn im allgemeinen so zu diesem Fest?“

„Tja“, sagte Rodney, „den Kindern schenkt man Spielzeug und Süßigkeiten. Erwachsene unter sich, also Familie oder Freunde, schenken sich nur liebevolle Kleinigkeiten. Aber dem einen geliebten Menschen, also“, sagte Rodney und zuckte mit den Schultern, „nun, so etwas, was man als...“,
er schluckte,
„als Liebespfand bezeichnen könnte.“

„Ich bin mit den irdischen Bräuchen nicht vertraut“, sagte Teyla, „aber es gibt da etwas im athosianischen Volk, was vielleicht für Sie in Frage käme.“

„Ja?“ fragte Rodney begierig.

„Es handelt sich um etwas sehr persönliches“, sagte  Teyla.
„Persönlich ist gut“, bestätigte Rodney.
„Also gut. Es handelt sich um ein Band.“

„Ein Band?“

„Ja“, sagte Teyla. „Man nennt es auch 'Band der Gefährten'. Es besteht im allgemeinen aus weichem, geflochtenem Leder mit einer ledernen Plakette. Diese trägt eine Inschrift. Das ist zumeist der Name des Geliebten, oder vielleicht auch ein Wort oder ein Zeichen, das den anderen repräsentiert.“
„Okay“, fragte Rodney, „ein Halsband oder ein Armband...?“

„Nein“, sagte Teyla und lächelte. „Es wird über dem Oberschenkel getragen.“

„Herrje!“ Rodney riss die Augen auf.

„Ich sagte ja, es ist ein sehr persönliches Geschenk.“

Rodney schwieg einen Augenblick. Dann sagte er:
„Sehr interessant. Und ja, etwas so etwas persönliches wäre in der Tat eine gute Sache.“

„Wissen Sie, Rodney“, sagte Teyla, „ich weiß, dass John sehr in Sie verliebt ist. Inzwischen kenne ich ihn gut genug, um das einschätzen zu können. Ich glaube fest, dass er sich über ein solches Geschenk sehr freuen würde.“

„Und... können Sie mir zeigen, wo ich ein solches Band bekomme?“ fragte Rodney. „Selbstverständlich“, sagte Teyla, „wenn ich das nächste mal zu meinen Leuten auf das Festland fliege, nehme ich Sie gerne mit und stelle sie Hornuk vor. Er ist ein wahrer Lederkünstler.“

„Danke“, sagte Rodney, „danke. Sie sind mir wirklich eine große Hilfe. Gut, ich muss  zurück ins Labor.“
Und er winkte ihr noch einmal zu und verließ ihre Gemächer.

Teyla hing ihren Gedanken nach. Es überraschte sie immer noch, dass Rodney McKay von ihr als 'Familie' dachte. Vielleicht, so dachte sie, würde er sich freuen, von mir ebenfalls ein kleines Geschenk zu bekommen?
Und sie beschloss, ihm ein großes Päckchen von jenem athosianischen Kräutertee zu besorgen, der eine ähnliche Wirkung hatte, wie dieses bittere Gebräu, dass die Menschen offenbar so sehr liebten und Rodney im speziellen, und das sie 'Kaffee' nannten.

Kurz Zeit später klopfte es erneut an die Tür zu ihren Wohnräumen.

„Ja bitte?“, sagte sie.

Die Tür öffnete sich und John trat ein. Oh das war gut.
„John, was halten Sie von der Idee, dass...“, wollte sie ansetzen, doch John fiel ihr ins Wort.

„Teyla“, sagte er und er war scheinbar ein wenig aufgeregt und ratlos. „Ich brauche Ihre Hilfe!“

„Worum geht es?“, fragte sie, und hatte da schon so eine Ahnung.

„Also“, sagte John,  „wissen Sie, auf der Erde, da gibt es dieses Weihnachtsfest...“
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