The Path We Chose [MMFF] (Anmeldung geschlossen)

MitmachgeschichteAllgemein / P16
14.12.2018
21.02.2019
13
73102
10
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77 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
The Path We Chose [MMFF]



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Welcome back, ihr Leseratten.

Gleich zu Beginn ein warnendes Wort: Wer ein Problem mit Lime hat, sollte dieses Kapitel auslassen. Ist übrigens auch das erste Mal, das ich eine solche Szene geschrieben habe~ danke an Minty für's Ergänzen <3
Lemon wird nicht vorkommen, dafür eignet sich Fairy Tail überhaupt nicht - zumindest Mintys und meiner Meinung nach.
Wir haben uns für ein Pair entschieden, das wir eigentlich nicht verpairen wollten - aber durch eine Szene zuvor hatte es sich angeboten und mittlerweile ist es eines unserer Favoriten. Zudem: Ein kleiner Einblick in das Zusammenleben innerhalb Lumina Souls.

Danach kommen zwei weitere Kapitel über unsere Protagonisten (Mira x Largo) sowie (Valeria x Kazuki).
Alle, die noch einen Steckbrief einschicken wollen, sollten das in nächster Zeit in Angriff nehmen, denn nach den Prota-Kaps geht's mit dem Inquisitions-Arc los~

Die Website kriegt einen neuen Aufbau und Vale's Artwork ist überarbeitet.

Viel Spaß wünschen wir euch <3

Link zur Artwork-Seite: Klick :)

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Menschlichkeit


In den späten Abendstunden vermischte sich der Klang einer Gitarre allmälich mit einem sanften Summen zu einer Melodie, die durch das spärlich eingerichtete, jedoch sterile und ordentliche Zimmer drang. Es war Marejada, die nachdenklich auf ihrem Ecksofa lag und halbherzig die Saiten des Instrumentes zupfte.
Natürlich war sie nicht so begnadet wie Enno, dessen Leben sich einzig um die Musik zu drehen schien, aber trotzdem konnte man ihr ein gewisses musikalisches Talent zusprechen.
Sie spielte oft auf der Gitarre, wenn sie ihre Gedanken in eine andere Richtung lenken wollte - meist versank sie dann im Anschluss in ferne Erinnerungen, die sie seit jeher stets für sich behalten hatte.

Ständig schwirrten ihre Gedanken um das grausame Feuer, für das sie und ihre einstigen Freunde verantwortlich gewesen waren. Ein Feuer, das ihre gesamte Zukunft in Brand gesteckt und ihre eignene Mutter Nora das Leben gekostet hatte.
Nach ihrem Tod hatte es nicht lange gedauert, bis ihr Vater Mike in seiner Verzweiflung zum Alkohol gegriffen hatte und sie jeden Tag auf's Neue daran erinnerte, dass Marejada die Verantwortung dafür zu tragen hatte - Prügel und Hass standen an der Tagesordnung des jungen Mädchens.
Sie war nur ein naives und sorgloses Kind, und trotzdem hatte sie durch diesen kurzen Moment der Unachtsamkeit ihr gesamtes Leben und das ihres Vaters zerstört. Es war nur ein kleiner Funke, der letztendlich ihre gesamte Zukunft lenkte. Die unbändige Wut, die ihr Vater stets an Mar ausgelassen hatte, hatte sie schließlich in die Flucht getrieben, woraufhin sie sich letzten Endes in einem Heim wieder fand - jedenfalls sollte diese Einrichtung wie Eines wirken. In Wirklichkeit wurden an diesem Ort jedoch Elitekämpfer für das Königreich Gerania ausgebildet. Ein Ort der Korruption und der Machtgier - zu spät kam die Einsicht, das sie lediglich als Werkzeug zum Töten benutzt wurde und keinerlei Stellenwert an diesem Ort hatte.

Verrat und Verzweiflung zogen sich durch ihre Vergangenheit, wie eine tödliche Krankheit, die schließlich ihr Herz vergiftet hatte und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben gnadenlos im Keim erstickte.
Verstoßen und misshandelt von ihrem eigenen Vater, verraten von ihrem geliebten Lehrmeister und ihren Freunden, geflüchtet aus ihrer einstigen Heimat, wenn sie sie denn im Nachhinein so nennen konnte - Marejada's Einsamkeit hatte mit jedem Tag, der seit dieser Reihe von Ereignissen verstrichen war, unbekannte Ausmaße angenommen. Ihre eigene Ignoranz war stets hilfreich dabei, diese Wahrheit zu verleugnen - zumindest bis jetzt.

Ihr unsäglicher Schmerz und ihre Isolation waren das Einzige, das sie seit seit jeher begleitet hatte - doch gelegentlich wirkten eben diese Emotionen wie ein unbändiges Meer, in dem sie immer mehr zu ertrinken drohte.
Doch mit der Zeit kristallisierte sich eine weitere Option für sie heraus, um dieser emotionalen Hölle entkommen zu können.
Noch immer wehrte sie sich gegen den Gedanken, der mit den Jahren in ihrem Geiste Form angenommen hatte.
Ihre Seele, ihr Herz und auch ihr Körper sehnten sich nach etwas Bestimmten, das ihr nur ein einziger Mensch geben konnte.

"Mein Handeln zeugt nicht von Schwäche, sondern von Weitsicht", hallte seine Stimme in ihrem Kopf wieder, als sie an diesen prägenden Moment zurückdachte und ließ ihr Herz augenblicklich schneller schlagen.
Niemals hatte sie jemanden von diesem beschämenden Geschehnis erzählt, nicht ein einziges Wort hatte sie darüber verloren. Stattdessen hatte sie es einfach totgeschwiegen - so, wie Mar es immer tat. Noch nie wurde sie so gedemütigt. Noch nie wurden ihr ihre Grenzen so genau aufgezeigt und noch nie kam ihr jemand so nahe, wie er es getan hatte. Noch nie... hatte sie eine solche Sehnsucht nach einer anderen Person gespürt, wie für ihn.
Ihre Versuche, diese schleichenden Gefühle innerlich zu töten, machten sie mit der Zeit jedoch so stark, dass sie ihnen kaum mehr Herr werden konnte.

Es war keine Liebe, die sie für ihn empfand, sondern eher eine verdrehte Version davon - offenbar hat sie mit der Zeit gefallen an dem Gedanken gefunden, ihm unterlegen zu sein, von ihm kontrolliert zu werden und die Führung abzugeben. Sein vereinnahmendes Wesen, diese Gefahr, die er ausstrahlte und seine immense Stärke hatten sie völlig in seinen Bann gezogen. Die Gefühle, die sich in ihr breit machten, waren ein Gemisch aus Ehrfurcht, aber auch Wut.
Die Art, wie er sie ansah, seine Stimme, sein Körper, sein Duft - Marejada dachte für ihre Verhältnisse viel zu oft an diese Dinge, was die junge Frau innerlich nur noch rasender machte.
Sie schüttelte verzweifelt den Kopf und warf ihre Gitarre letztlich neben sich.
Du hast keine Macht über mich..., befahl sie sich gedanklich, doch die Übermacht ihrer Sehnsucht nach ihm und diese schmerzende Leidenschaft, die jedes Mal in ihr hochkochte, wenn sie an ihn dachte, zerriss sie innerlich und sie wusste, dass sie sich die ganze Zeit nur selbst belogen hatte.
Dieser Moment, in dem seine Augen ihr alles über sein Innerstes offenbarten... Es war furchteinflößend und gleichzeitig doch so wunderschön und tiefgründig, fast greifbar und obwohl dieses Ereignis bereits so lange her war, so verfolgte er sie sogar manchmal bis in ihre Träume.
Die junge Frau verdeckte ihre Augen mit ihrem Unterarm und seufzte.
Warum kann ich an nichts anderes mehr denken...?, dachte sie sich und schluckte nervös. Vielleicht lag es daran, dass sie in der entführten Fairy Tail Magierin eine Konkurrenz sah. So viel hatte er auf sich genommen, um sie in seine Gewalt zu bringen und hatte sogar vor, das Mädchen für ihre Sache zu gewinnen - hatte der Mann mit den kalten Augen vielleicht doch ein gewisses Interesse an ihr? Oder lag es vielleicht an Marejada selbst, und daran, dass ihre eigenen Gefühle für ihn mit der Zeit immer stärker geworden waren? So oder so, sie konnte einfach nicht mehr zulassen, dass er ihr Denken und Handeln beherrschte - dieser quälende und abnorme Zustand, dieser innere Konflikt, machte sie wahnsinnig und musste endlich ein Ende finden.
Sie setzte sich schließlich auf dem Sofa auf und ließ ihren leeren Blick durch den Raum schweifen. Ihre Gedanken kreisten nur noch um ihn und seine Anziehungskraft, die schon immer auf sie gewirkt hatte. Sie erkannte, dass sie nicht mehr in der Lage war, klar zu denken - stattdessen entschied ihr Herz für sie und Marejada machte sich schließlich auf den Weg zu seinen Räumlichkeiten.

Nervös starrte sie in den dunklen Gang vor sich, der stets alles zu verschlucken drohte. Zögerlich tat sie einen Schritt nach dem Anderen und jeder Einzelne erinnerte sie unweigerlich an verschiedene Momente mit ihm, die sie wie ein geheimer Schatz in sich begraben hatte.
Sie dachte daran, wie sie zum ersten Mal seine Hand ergriffen hatte und Lumina Soul beigetreten war, als sie keine Perspektive hatte.
Daran, wie sie ständig über ihre unterschiedlichen Vorgehensweisen stritten und wie gegensätzlich ihre Ansichten doch waren.
Daran, wie sie es gewagt hatte, sich ihm zu widersetzten.
Und daran, wie er ihr auf grausame und gleichzeitig ehrfurchtgebietende Art ihre Grenzen aufwies.
Ihr Herz schnürte sich zusammen und setzte regelrecht aus, als der scheinbar endlose Weg zu ihm sie schließlich vor seine Tür führte. Es fühlte sich an, als würde ihr Körper in lodernden Flammen stehen und Adrenalin schoss durch ihre kalten Adern.
Als ihre Finger das kalte Metall der Tür berührten, erinnerte sich Marejada an diesen seltenen Blick in seinen Augen, der sich nur dann zeigte, wenn er glaubte, allein zu sein. Ein einziges Mal hatte sie ihn sehen können - eine Spur der zehrenden Verzweiflung in seinen kühlen Augen.
Sie Beide waren sich in vielerlei Hinsicht so ähnlich und doch waren sie so verschieden.
So viele verschiedene Gefühle vermischten sich in ihrem Körper und standen in so vielen Gegensätzen zueinander, doch allem voran war da diese nagende Angst in ihr: die Angst vor seiner Zurückweisung.
Wie gelähmt versank sie vor der stählernen Tür in ihrem eigenen Zögern. Es waren nur einige Meter, die sie voneinander trennten und es kam ihr so vor, als würde sie zu einer gefährlichen Reise aufbrechen, dessen Ende sie nicht abschätzen konnte.

~*~


Geduldig durchsuchte Vale sein geordnetes Bücherregal, das eine komplette Wand vereinnahmte, nach einem Roman, den er noch nicht gelesen hatte. Allerdings gestaltete sich sein Vorhaben als überaus schwierig. Auch Marejada's und Yin's Bücher, die er vor einiger Zeit von ihnen ausgeliehen hatte, hatte er bereits beendet, aber hin und wieder schien das Glück ihm hold zu sein und er fand ein Werk in den Unmengen seiner Lektüre, das ihm noch gänzlich unbekannt war. Ihm blieb ohnehin nichts Anderes übrig, um der Langeweile zu entfliehen, also investierte er seine freie Zeit in die Erweiterung seines Horizontes. Er rückte sich seine dunkelrote Lesebrille zurecht und studierte Aufmerksam den Einband.
Das zaghafte Klopfen an seiner Tür hielt ihn jedoch vom Lesen ab und lenkte seine Aufmerksamkeit auf den späten Besuch.
"Bitte", ließ er kühl verlauten und sein Blick schweifte schließlich zu der jungen Frau, die auf seine Erlaubnis hin zögernd eintrat.
"Marejada?", fragte er ein wenig überrascht und legte das Buch mitsamt seiner Brille in das dunkelbraune Regal zurück "Was ist los?". Skeptisch verschränkte Vale die Arme vor der Brust und ließ die Frau mit den petrolblauen Haaren nicht aus den Augen.
Etwas stimmte mit ihr nicht - schließlich war es eine Seltenheit, das Marejada ihn aufsuchte. Meist nur dann, wenn sie ihm ihre Meinung geigte, was er ihrer Ansicht nach falsch gemacht hatte. Auch heute noch hatten die Beiden diverse Meinungsverschiedenheiten, die ständig zu Diskussionen führten. Umso überraschter war er von ihrem Verhalten, als sie ungewohnt stumm und kleinlaut die Tür hinter sich schloss.
"Ich...", begann sie zögernd, wandte ihren Blick jedoch beschämt von ihm ab und fixierte stattdessen den dunkelroten Teppichboden unter ihren Füßen. Sie schluckte nervös und versuchte, sich innerlich zumindest etwas zu beruhigen.
Langsam und unsicher schritt sie auf ihn zu. Für sie war es wie ein stummer Countdown und sie fragte sich immer wieder, was zur Hölle sie hier eigentlich zu suchen hatte. Immer mehr wurde sie von dem unangenehmen Gefühl ergriffen, gerade bereitwillig die Höhle des Löwen betreten zu haben.
Geduldig verharrten seine roten Augen auf der ungewöhnlich verunsicherten Frau vor ihm und er erwartete ihre Antwort mit einer gewissen Spannung. Er drängte sie nicht, jedoch fühlte Marejada durch seinen scharfen Blick einen enormen Druck auf sich lasten, der ihr regelrecht die Kehle zuschnürte.
Sie kam vor ihm zum Stehen und sah zögerlich zu ihm hoch. "...ich...", begann sie erneut, wandte jedoch wiederholt ihren Blick von ihm ab. Ihre Augen hatten Vale in diesen wenigen Sekunden des Blickkontaktes jedoch alles verraten, was sich in ihrem Kopf abspielte. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte - sie hatte in diesem kurzen Moment ihre kalte Fassade fallen lassen und dies Allein genügte ihm letztlich, um sie zu lesen, wie ein offenes Buch. Vale hatte schon immer ein Gespür für das wahre Wesen der Menschen, so wusste er auch von Anfang an, dass sie mit ihrer distanzierten und kalten Art nur den letzten Rest ihrer Menschlichkeit zu schützen versuchte. In Anbetracht ihres aktuellen Verhaltens schlich sich eine kurzlebige Sanftmut in seine Augen und er blickte zu der schlanken Frau hinunter, die gerade innerlich zu zerbrechen drohte.
Mar biss sich auf die Unterlippe und ihre Hände bildeten schließlich Fäuste. "...vergiss es", gab sie aufgebracht wieder, ohne ihn anzusehen und wandte sich launisch von ihm ab, um schnellstens ihr Heil in der Flucht zu suchen. Wie konnte sie sich ausgerechnet vor Vale so schwach zeigen? Ein verschlagenes Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, während er augenblicklich nach ihrer Hand griff und sie mit einem Ruck in seine Arme zog. Überrascht und gleichzeitig von seiner Präsenz überwältigt starrte ihn die God Slayerin an, unfähig, auch nur einen Muskel zu bewegen.

Wie damals auch hob er ihr Kinn zwischen seinem Daumen und Zeigefinger nach oben, sodass sich ihre Blicke trafen und sie seinen Augen nicht mehr entfliehen konnte - selbst, wenn sie das gewollt hätte. Seine linke Hand stützte ihren Rücken und verringerte immer mehr den Abstand zwischen ihnen. Marejada's Hände ruhten auf seinem muskulösen Oberkörper und sie fühlte in diesem Moment, dass sie endlich das gefunden hatte, das ihr totes Herz wieder zum Leben erweckte.
"Hab keine Angst", flüsterte er ihr sanft zu, während er mit seiner Hand zärtlich über ihre Wange strich und seine Lippen schließlich auf Ihre trafen.
Ihre türkisen Augen weiteten sich in dem Moment und ihre schmalen Finger bohrten sich regelrecht in sein Oberteil. Trotzdem konnte sie sich nicht aus ihrer Starre befreien - sie hielt aus Gewohnheit verzweifelt an dem letzten Rest ihrer Fassade fest, die ihre starke Sehnsucht nach ihm und seinem Körper in Zaum hielt.
Sie sehnte sich danach, das dieser letzte Rest endlich wegbrechen würde, hatte aber auch Angst davor, was dann passieren würde. Es war so, als wäre Vale kurz davor, ein Monster zu entfesseln, dass sich ohnehin unaufhörlich zu befreien versuchte. Gleichzeitig würde sie ihm damit aber auch ihre Verletzbarkeit offenbaren, die sie stets vor Anderen versteckte.
Er war sich über ihren inneren Zwist durchaus bewusst - seine Augen bohrten sich tief in die Ihren und er traf schließlich eine Entscheidung für sie, zu der sie nicht fähig gewesen war.
"Lass dich einfach fallen...", flüsterte er ihr in's Ohr und zog sie noch näher an sich heran, "...und ich werde dich auffangen."
Seine Worte klangen so aufrichtig und ehrlich, dass Marejada nicht mehr anders konnte, als den Widerstand gegen sein vereinnahmendes Wesen schließlich aufzugeben.
Als hätte er einen Schalter umgelegt, drückte Marejada ihn ohne Mühe mit einer Hand gegen das Regal hinter ihm, krallte sich ekstatisch in seinen Nacken und küsste ihn. All die Leidenschaft und Lust, die sie die ganze Zeit in ihrem Inneren stumm ertragen hatte, brach aus ihrem Herzen wie ein reißender Wasserfall, der alles auf seinem Weg fortspülte.
Er presste ihren schlanken Körper an Seinen und konnte sich ein triumphierendes Grinsen nicht verkneifen. Obwohl er nichts sagte, sprach dieses Grinsen bände - 'Es war mir von Anfang an klar gewesen' wäre wohl die Übersetzung gewesen, was Marejada nur noch energischer machte. Sie befreite ihn schließlich von seinem Oberteil, welches sie in die Ecke warf und sie mit ihren Fingern über seine definierten Brustmuskeln strich. Es befreite sie, endlich das spüren zu können, was sie sich schon so oft heimlich ausgemalt hatte. Etwas, das sie immer wieder in ihrem Kopf durchspielte.
Er öffnete nach und nach die Knöpfe ihrer Bluse und es schien ihm zu gefallen, was sich darunter verbarg - die Lust in seinen Augen war nicht zu übersehen. Zum Vorschein kam ein dunkelblauer Spitzen-BH, den er jedoch noch nicht öffnen wollte. Er hob sie hoch, küsste sie leidenschaftlich und trug sie schließlich zu seinem Bett. Er befreite sie von ihren Ballerinas und letztlich von ihrer Hose, doch die junge Frau ließ sich natürlich nicht so einfach von ihm befehligen. Sie riss ihn mit enormer Kraft auf das Bett und setzte sich auf seinen Oberkörper, während sich ihre Knie unsanft in seine Oberarme bohrten.
Es war nichts anderes als der Versuch, die völlige Kontrolle über ihn zu erlangen, indem sie ihn bewegungsunfähig machte. Eine schmerzhafte Taktik, doch es störte Vale in keinster Weise - gerade mit Schmerz kannte er sich nur zu gut aus. Er schenkte ihr einen überheblichen Blick und befreite sich unter beißenden Qualen aus seiner Situation. Problemlos zeigte er ihr auf, das sie sich Machtkämpfe mit ihm hätte sparen können, so drehte er ihre Arme auf ihren Rücken und fesselte sie einfach mit seiner dunklen Fluchkraft. Unsanft riss er sie an ihrem blauen Haar zu sich - er saß hinter ihr und folgte mit seinen Fingern ihrer Wirbelsäule bishin zum Steiß.
"Marejada", begann er drohend und überdehnte ihren Hals, indem er sie erneut an ihrem Haar ein wenig zu sich zog, "Bist du dir sicher, das du das willst?"
Er strich mit seinen Fingern ihren Hals entlang und flüsterte ihr zu. "Ich werde dir die Kontrolle entreißen."
Selten war sie sich in ihrem Leben so sicher, wie in diesem Moment - Sie war mächtig, sie war stark und keiner konnte ihr bisher die Stirn bieten - bis auf Vale, was in ihr völlig ungeahnte Gefühle und Wünsche ausgelöst hatte. Der Gedanke, ihm die Macht über ihren Körper zu geben, war aufregend und beängstigend zugleich.
Schwer atmete sie unter dem Gewicht ihrer eigenen Erwartungen, die Vale mit purer Absicht noch nicht erfüllen wollte. Offensichtlich hatte er Gefallen daran gefunden, die unnahbare und kalte Marejada zu quälen und ihr zu zeigen, das sie nicht so stark war, wie sie immer zu sein glaubte.
Er küsste sanft ihren Hals und es wirkte, als würde sich dieser Moment ewig hinziehen. "Willst du das wirklich?", fragte er sie süffisant grinsend und versicherte sich ein letztes Mal. In ihrer Erregung hatte ihre Stimme versagt, was ihn dazu veranlasste, erneut ruckartig an ihrem Haar zu ziehen. "Antworte mir.", befahl er belustigt und schenkte ihr einen erwartungsvollen Seitenblick. "...Ja...", keuchte sie lediglich und er biss ihr etwas fester in ihr Ohr. "Ich hoffe, dir ist klar, das ich dir wehtun werde...".

Gerade in dem Moment größtmöglicher Ekstase zwischen Marejada und Vale öffnete sich unverhofft seine Zimmertür. "Hey, Vale! Es gibt...", stoppte Yin, die irgendwie nicht glauben konnte, was sie dort sah, "...wichtige Neuigkeiten..."
Vale schenkte ihr lediglich ein amüsiertes Grinsen, was Yin sofort aus ihrer Schockstarre löste und sie dazu veranlasste, das Zimmer wortlos zu verlassen und leise die Tür hinter sich zu schließen.
"Das wird ihr nicht gefallen...", merkte Marejada angestrengt an. "Ich habe meine Prioritäten", gab er unbeeindruckt von sich und wandte sich wieder seiner aktuellen Beschäftigung zu. "Und Yin gehört gerade nicht dazu."

~*~


Fassungslos schlug Yin die dunkelgraue Kühlschranktür in der Bordküche zu, nachdem ihr Griff zuvor die Weißweinflasche erwischt hatte, die sie dort schon seit Längerem gelagerte.
Wenn nicht jetzt der Moment war, zum Alkohol zu greifen, wann dann?
Ohne große Umschweife entfernte sie den Korken mit einem Korkenzieher und setzte sofort die Flasche an, während sie an der Theke lehnte. Sie nahm einen großzügigen Schluck, um ihren Schock fortzuspülen und endlich wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.
"Marejada..." zischte sie boshaft "Ich werde dich abstechen!". Kaum hatte sie diese Drohung ausgesprochen, warf sie bereits einen ihrer Dolche, die sie stets an einem Lederband an ihrem Oberschenkel befestigt hatte, gegen die Wand neben der Tür und erntete daraufhin einen skeptischen Blick von Enno, der ebenfalls die Räumlichkeiten aufzusuchen schien. Er sah durch den Türrahmen und Yin ermahnte ihn wütend "Verschwinde.".
Der Musiker ließ sich von ihrer Drohung jedoch nicht beeindrucken. Das seine Kameradin aus der Flasche trank war für ihn schon arlamierend genug - so etwas hatte sie bisher noch nie getan. Mal abgesehen davon, das er sie selten so aufgebracht sah - meistens hatte es dann etwas mit Marejada zu tun.
"Was hat sie diesmal getan?" hakte er nach und ein zweiter Dolch flog knapp an seinem Gesicht vorbei. Er seufzte genervt und setzte sich daraufhin einfach an den großen Metalltisch, während er ihre aufbrausende Art auszusitzen versuchte - sie würde sich gleich beruhigen und schon noch mit der Sprache rausrücken, so, wie sie es immer tat.
Er bedeutete ihr mit einem fordernden Blick auf dem Stuhl ihm gegenüber, sich zu setzen und faltete die Hände vor seinem Gesicht.
Eigentlich sollte es Enno völlig egal sein, was vor sich ging - aber es war nunmal ein Fakt, das diese fünf so unterschiedlichen Persönlichkeiten nun schon einige Jahre zusammenlebten und sich im Laufe der Zeit bestimmte Beziehungen zwischen ihnen ergeben hatten. Und genau deswegen begab es sich, das Enno für Einige unter ihnen zum Ansprechpartner wurde, wenn sie etwas belastete. Trotzdem hatte er noch immer den zerbrechlichen Frieden innerhalb der Gruppe im Blick - denn alleine konnten sie ihre Ziele wohl nicht erreichen.
Genervt schnalzte Yin mit der Zunge, ehe sie seiner stummen Bitte nachkam. Wenn sie sich aufregte musste sie sich Luft machen - sonst würde sie wohl in ihrer eigenen Wut ersticken. Sie kannte es garnicht anders.

Yin trank erneut aus der Weinflasche und stellte diese lautstark auf dem Tisch ab. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und motzte "Was soll schon sein? Marejada begnügt sich gerade mit Vale.".
"Oh?" merkte Enno wenig überrascht an "Das war zu erwarten." - "Huh?" zog sie provokant die Augenbraue hoch und bedeutete Enno damit, seine Aussage besser noch einmal zu überdenken.
"Es tut mir Leid für dich." erklärte er sich kühl - er wusste von Yin's Gefühlen für Vale und konnte durchaus nachvollziehen, warum sie so aufgebracht war. Er verschränkte die Arme auf dem Tisch "Aber zwischen ihnen gab es schon immer eine starke Spannung. Allerdings hat das weniger mit Liebe zu tun, sondern viel mehr mit körperlicher Nähe.".
Yin schwieg eisern und leerte die Flasche Weißwein Schluck für Schluck, während sie ihm widerwillig zuhörte und versuchte, dieses für sie unangenehme und schmerzliche Bild aus ihren Gedanken zu vertreiben.
"Wir sind nur Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Ich meine... sieh dich doch nur mal um." ließ er seinen Blick durch das Schiff schweifen und zuckte mit den Schultern "Wir leben in einem Luftschiff mit allen Annehmlichkeiten. Als wäre es das Normalste auf der Welt.".
Er seufzte und beobachtete, wie seine Gesprächspartnerin den Wein entgültig leerte "Wir sind vielleicht eine dunkle Gilde, aber noch immer Menschen mit Bedürfnissen.".
Die lilahaarige Yin stieß sich mit dem Fuß vom Tisch ab und schaukelte auf den hinteren Beinen des Stuhls, während ihr Blick auf die Decke über ihr fiel "Schon klar, aber warum muss es ausgerechnet Marejada sein?". Enno grinste und schloss die Augen "Sie wirkt unnahbar, das zieht Männer an. Vor allem die Selbstbewussten, die sich gerne an Herausforderungen versuchen.".
Sie stoppte abrupt mit ihrem Wippen und schenkte ihm einen drohenden Blick in Begleitung eines verschlagenen Grinsens "Ach, und ich wäre somit wohl Keine?".

"Hört, hört." tönte es von der Stahltreppe herunter, die von einem anderen Schiffsbereich zur Küche führte. Das letzte Mitglied von Lumina Soul fand sich somit in besagtem Raum wieder. Kali zeigte beiläufig mit dem Finger auf ihn, würdigte ihn jedoch keines Blickes "Enno scheint darin viel Erfahrung zu haben.".
Sie lief schnurstracks an ihm vorbei und steuerte den Kühlschrank an, den sie daraufhin öffnete. Sie trug stets einen kleinen Beutel mit sich, den sie gerade mit Chillischoten füllte. Sie liebte scharfes Essen und kaute auf einer der Schoten rum, als wäre es lediglich Kaugummi, während ihr Blick auf Yin fiel, die offensichtlich schon einen gewissen Alkoholpegel erreicht hatte.
Sie schloss den Kühlschrank daraufhin wieder, nahm provokant auf dem Tisch direkt neben Yin platz und beugte sich ein wenig zu ihr hinunter "Hey, Schnapsdrossel. Wie willst du besoffen das Schiff steuern?".
"Tch." rümpfte Yin die Nase und schenkte Kali einen rechthaberischen Blick "Mit den richtigen Koordinaten steuert es sich selbst. Aber das ist trotzdem immernoch besser, als es dir zu überlassen. Du würdest es nur zu Schrott fliegen.".
"Auch wieder wahr." kicherte Kali belustigt und sprang mit einem Satz vom Tisch "Du stinkst übrigens nach Alkohol. Echt eklig.".
"Pure Chillischoten zu fressen ist mit ziemlicher Sicherheit noch ekliger!" gab Yin genervt wieder, was Kali allerdings wenig störte.
Diese machte sich nämlich wieder auf den Weg zu ihrem Zimmer, doch Enno hielt sie einen Moment lang von ihrem Weg ab "Hey, Kali, bist du etwa immernoch sauer auf mich?".
Gespielt desinteressiert wandte sie sich zu ihm um und zuckte mit den Schultern "Dafür müsstest du mir etwas bedeuten. Dein Schwellenenwerk ist recht gering." - "Stellenwert." korrigierte er sie zufrieden. Ihre Antwort hatte seine Frage nicht offen gelassen - mittlerweile war er in der Lage gewesen, ihr Verhalten und Denken abschätzen zu können und wusste genau, das sie ihn anlog.
"Leck mich." drehte sie ihm den Rücken zu und verabschiedete sich mit erhobenen Mittelfinger. Sie verschwand daraufhin - zumindest dachten das Enno und Yin. Kali lehnte heimlich an der Wand des Ganges und belauschte ihre Kameraden weiterhin.
Dem Musiker entwich ein wohlwissendes Seufzen und Yin blickte ihn etwas verwirrt an "Ihre Manieren sind wie immer bestens. Aber... hab ich was verpasst?". Enno wank ab und legte einen ernsteren Gesichtsausdruck an den Tag. Schnell wechselte er das Thema, beugte sich ein wenig vor und fixierte die Lilahaarige. "Was Vale angeht..." stoppte er und erhaschte so erneut Yin's Aufmerksamkeit "...du solltest dich nicht auf ihn einlassen. Er ist gefährlich und manipulativ.".
"Oh?" merkte sie interessiert an "Wie kommst du zu dieser Erkenntnis?". Enno schluckte und fuhr fort "Versteh mich nicht falsch, Yin. Er ist der Master dieser Gilde und ich respektiere ihn und seine Entscheidungen. Ohne ihn wäre ich vermutlich schon längst Geschichte.".
Er stoppte kurz und schenkte ihr einen betroffenen Blick "Aber sich auf ihn einzulassen, ist, wie mit dem Feuer zu spielen. Er ist das Chaos und sein Hass wird dich verschlingen, wenn du nicht aufpasst.".
Sie schwieg und überlegte kurz, ehe sie zu ihrem Grinsen zurückfand. Prompt stand sie auf und begab sich selbstsicher zu Enno.
"Und was ist mit dir?" grinste sie ihn provokant an und gab ihm zu verstehen, das sie seine Warnungen ohnehin in den Wind geschlagen hatte. Sie nahm einfach auf seinem Schoß platz und strich mit ihren Fingern über seine Wange. "Wie du schon sagtest..." stoppte sie und legte ihre Arme um seinen Hals "Wir sind nur Menschen mit Bedürfnissen.".
"Du bist betrunken." merkte er unbeeindruckt an und schloss die Augen, während sie seinem Gesicht gefährlich nahe kam. Er stoppte sie, indem er ihre Schultern ergriff. "Nicht." beendete er ihr Vorhaben harsch und lächelte sie sanft an "Mein Herz gehört einer Anderen.".
Sie lachte verständnislos auf und schüttelte mit dem Kopf "Es ist doch nur Sex.".
Er verneinte ihre Aussage und schob Yin schließlich von sich runter "Für dich vielleicht, aber nicht für mich.".
Die junge Frau biss die Zähne zusammen und Wut über seine Ablehnung stieg in ihr auf. Enno erhob sich von seinem Sitzplatz und bezog Stellung vor ihr. Natürlich bemerkte er ihre aufkochende Rage und konnte es auch nachvollziehen. Er entschied sich dazu, sie zu beruhigen.
"So meinte ich das nicht." erklärte er sich, und strich durch ihr lilafarbenes Haar "Du bist wunderschön und ich fühle mich geehrt, aber ich kann nicht. Das wäre nicht richtig.".
Genervt schlug sie seine Hand weg und schenkte ihm noch einen missbilligenden Blick, ehe sie sich schweigend auf den Weg zurück zur Flugschiffbrücke machte.
Enno blickte ihr noch hinterher - irgendwo verspürte er schon Mitleid für Yin's Situation aber was konnte er schon ausrichten? Er hatte genug mit sich selbst zu kämpfen und mehr als zuhören und objektiv zu beurteilen konnte er ohnehin nicht tun. Mit diesen Gedanken verließ auch er die Küche wieder.

Kali hingegen lehnte noch immer an der Wand und kam nicht drum herum, eine gewisse Eifersucht zu bemerken, die sich in ihr breit gemacht hatte.
Warum...? fragte sie sich innerlich und rümpfte genervt die Nase. Sie konnte nicht verstehen, warum sie die Szene, die sie gerade heimlich mitverfolgt hatte, innerlich so aufwühlte, und warum sie plötzlich so wütend auf Yin und Enno war.
Ein bittersüßer Schmerz erfüllte ihr Herz, doch sie unterband dieses Gefühl schnellstmöglich wieder. Kali schüttelte den Kopf und entschied sich schließlich dazu, eines ihrer vielen täglichen Bäder einzulassen, die sie brauchte, um sich rundum wohlzufühlen. Sie musste wieder einen klaren Gedanken fassen und somit machte sie sich ohne Umschweife auf den Weg zurück.
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