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Played or Get Played (Übersetzung)

OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Hayama Kotarō
14.12.2018
14.12.2018
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Wegen ihrer peinlichen Niederlage gegen Jabberwork im Fernsehen, entschied Kasamatsu, dass die Mitglieder von Team STRKY mehr und konzentrierter trainieren sollten. Dazu gehört auch, dass sie die Stundenanzahl, die sie zum Verfeinern ihres Zusammenspiels zusammen verbrachten, erhöhten. Keiner hat etwas dagegen – naja, Imayoshi hatte schon so ausgesehen, als ob, aber er behielt seine Gedanken erst einmal für sich – und der einzige Grund, weshalb sie mehr trainieren, ist, dass sie das Basketballspielen zu sehr lieben, als dass sie es halbherzig aufgeben würden, auch wenn sie im Moment nicht die Zeit haben, um für ihre jeweilige Schulmannschaft zu spielen. Waren sie doch zu sehr damit beschäftigt, den Schulstoff und die Arbeit unter einen Hut zu bringen, abgesehen von dem Stress des Alleinwohnens. Vor allem Higuchi arbeitet immer lange, um sich sein wirklich schönes Apartment leisten zu können – allerdings war es so, dass, je mehr er arbeitet, desto weniger Zeit muss er tatsächlich dort verbringen und Miyajis Meinung nach war er aus der kritischen Phase raus (allerdings weiß Miyaji genug über sich selbst, um zu wissen, dass seine Prioritäten woanders lagen, als die anderer Leute, auch was den Lebensstandard betrifft – es ist ihm egal, ob er auf einer Matratze auf dem Boden liegt, solange er die Möglichkeit hat, zu leben, Geld zu verdienen und Basketball zu spielen – und Higuchi unterscheidet sich einfach in vielen Hinsichten von ihm).

Higuchi versucht derzeit einen anderen Teilzeitjob als Kellner in einem eleganten Restaurant mit einem besseren Gehalt zu bekommen (und nach dem, was Miyaji mitbekommen hatte, als er an seinem momentanen Arbeitsplatz vorbeischaute, ist Higuchi sicherlich höflich und professionell genug, um ihn zu bekommen, und die Kunden lieben ihn – Miyaji selbst würde niemals genug Geduld für diese Art von Job haben, aber das ist nur ein weiterer Unterschied zwischen ihnen beiden), weshalb Higuchis Handy während des gesamten Trainings angeschaltet war. Das Problem ist, dass es immer wieder klingelt und es nie das Restaurant ist – Kasamatsu ist wütend darüber, dass ihre Übungen unterbrochen werden und Higuchi ist wütend darüber, dass es nicht das Restaurant ist und Miyaji ist wütend darüber, dass die beiden wütend sind und aus den gleichen verdammten Gründen wie sie. Das Handy klingelt wieder; Higuchi trottet hinüber und lässt es verstummen.

„Verdammt, block doch einfach die Nummer“, sagt Miyaji. „Wir haben dafür keine Zeit.“

„Er wird einfach eine andere Nummer benutzen“, meint Higuchi. „Es ist nur ein bisschen Nerverei – obwohl es sowieso deine Schuld ist.“

Für ein paar Sekunden ist alles, was in der Luft liegt, das Geräusch ihres Atems - sie begehen gefühlte Selbstmorde, um ihre Kraft und Ausdauer aufzubauen; sie sind alle besser geworden, aber sie sind noch nicht an dem Punkt, an dem es wirklich hart wird.

„Inwiefern ist das meine Schuld?“, fragt Miyaji.

„Es ist Hayama“, sagt Higuchi. „Er ruft die ganze Zeit wegen dir an. Er will, dass ich euch beiden ein Date organisiere.“

„Du erzählst ihm, dass eher die Hölle zufrieren würde, als dass das jemals geschehen wird, oder?“

Higuchi zuckt mit den Achseln. „Ziemlich oft. Er ruft trotzdem immer wieder an. Ich habe seine Nummer blockiert, aber er leiht sich einfach Mibuchis Handy, oder das von jemand anderem. Ich ignoriere ihn einfach oder weise ihn zurecht und hoffe, dass er aufgibt und etwas Besseres findet, mit dem er sich die Zeit vertreiben kann.“

„Entschuldige“, sagt Miyaji, sein Atem geht ein wenig schwerer. „Es gibt nichts Besseres als seine Zeit mit mir zu verbringen. Nicht, dass ich seine Aufmerksamkeit wollte, aber du weißt, was ich meine.“

Higuchis Handy klingelt erneut und er geht wieder zu seiner Tasche – aber dieses Mal nimmt er ab. Miyaji beobachtet ihn nicht weiter, stattdessen widmet er sich wieder den selbstmörderischen Übungen, den Bewegungen seiner Knie und Beine, die sich schnell in Pudding verwandeln und unter ihm zu zittern beginnen. Er sagt sich, dass er damit umgehen kann, dass er schon Schlimmeres durchgemacht hat (auch wenn er da, zugegeben, in besserer Verfassung war) und dass er sich einfach nur von einem Spielfeldende zum anderen schleppen muss. Auch kann er fühlen, wie jemand anderes ihn beobachtet, aber er versucht sich auf die Übung zu konzentrieren, trotz dem Reizen in seinem Hals, als würden eine Million kleine Zahnstocher ihn stechen und die Innenseite seines Halses malträtieren und anschließend austrocknen. Es ist nicht Higuchi, der ihn beobachtet; Miyaji kann ihn immer noch aus den Augenwinkeln sehen, er sieht aufgeregt aus während er mit der mutmaßlichen Person des Restaurantmanagements spricht. Dieser glückliche Bastard kann diese Übung überspringen – dafür baut er keine Kraft auf und diese Übung ist zwar kurzfristig undankbar, aber auf lange Sicht von unschätzbarem Wert. Basketball ist ein Spiel der körperlichen und geistigen Stärke und dieses Rennen wird ihn sicher nicht verzweifeln lassen. Hat es nie und wird es auch nie. Miyaji versucht das Gefühl, beobachtet zu werden, auszublenden (weil es sowieso total dämlich ist, immerhin sind die anderen auch alle auf das Rennen konzentriert) aber als er sich umdreht, um sich die Haare aus dem Gesicht zu wischen und fällt sein Blick auf Imayoshi – und Imayoshi macht keinen Hehl aus der Art, auf die er Miyaji ansieht.

Miyaji spürt, wie er rot wird, obwohl es wahrscheinlich keinen verdammten Unterschied zu seinem sonstigen Aussehen macht, aber trotzdem. Es fühlt sich an, als würde er verlieren. Und warum zum Teufel schaut Imayoshi überhaupt zu ihm rüber? Was will er? Hat Miyaji etwas im Gesicht? Auf seinem Shirt? Sowas sollte eigentlich keine verdammte Rolle spielen.

Kasamatsu ruft sie gerade in dem Moment zusammen. Miyaji lehnt sich gegen die Mauer, um zu Atem zu kommen und weil seine Beine immer noch ein wenig zittrig sind. Imayoshi grinst ihn an. Miyaji blickt finster zurück. Scheiß drauf – nur weil er nicht so muskulös aussieht, heißt das nicht, dass er komplett aus der Übung und nicht bereit für ihr nächstes Spiel ist.
Higuchi klingt, als wolle er das Telefonat beenden, aber er sieht glücklich aus. Immerhin Jemandes Tag läuft gut. Er legt schließlich auf, wirft sein Handy in die Tasche und grinst.

„Ich hab den Job!“

„Glückwunsch, Mann“, sagt Okamura. „Das sind tolle Neuigkeiten.“

Imayoshi gibt ihm die Daumen nach oben und Kasamatsu schlägt ihm auf die Schulter, bevor er sich räuspert.

„So. Ich habe auch eine Ankündigung. Wir spielen in ungefähr einem Monat gegen ein Streetball-Team aus Kyoto. Ich kläre mit ihnen noch die Details, aber es sieht so aus, als würde es was werden. Also lasst uns hart dafür arbeiten, ja? "

„Kyoto? Welches Team? “, fragt Higuchi.

„Sie heißen die Rock Lobsters. Ich glaube, sie haben in letzter Zeit ein paar Turniere gewonnen.“

Higuchi zuckt mit den Achseln. "Nie von ihnen gehört."

„Wie auch immer“, sagt Kasamatsu. „Ich denke, wir machen jetzt einfach noch ein paar Korbwürfe oder noch ein paar andere Übungen und gehen dann früher, um über das Spiel nachzudenken. Imayoshi wird uns ein paar Informationen über sie beschaffen. Hoffentlich kommt er zu ihren Spielen nicht auch immer zu spät, wie zum Training.“

„Ich bin verletzt, dass du das sagst, Kasamatsu. Wirklich total verletzt“, klagt Imayoshi.

Kasamatsu schubst ihn, aber er ist nicht wirklich wütend – er hätte sie wahrscheinlich noch mehr von diesen Horrorübungen machen lassen, wenn er mitgemacht hätte.
Er passt den Basketball in seinen Händen zu Higuchi und sie verteilen sich über das Feld.

Alles läuft gut: Miyaji schleppt seinen müden Hintern durch den Rest des Trainings, aber als es vorbei ist und sie zu den Duschen gehen, freut er sich definitiv schon auf seinen erholsamen Schlaf, den er bekommen wird, sobald sein Kopf sein Kissen berührt.

„Party bei mir am Wochenende?“, fragt Higuchi. „Um den Job zu feiern und um uns für das Spiel anzustacheln?“

„Samstag?“, fragt Okamura nach.

„Yeah“, meint Higuchi.

„Ich arbeite den ganzen Tag, also weiß ich es noch nicht genau. Aber ich würde gerne kommen.“

„Das ist geht klar“, sagt Higuchi. „Du kannst ja einfach für ein paar Minuten vorbeischauen, wenn du willst.

Okamura grunzt. Alle Teamkameraden Miyajis stellen sich unter die Dusche, aber Miyaji ist immer noch dabei, sein Shirt auszuziehen – er fühlt die Auswirkungen des Trainings auf die schlimmste Art und Weise.

„Bist du okay?“, fragt Higuchi.

„Mir geht’s gut. Nehm mir einfach Zeit“, sagt Miyaji. „Warte nicht auf mich.“

Higuchi nickt (wahrscheinlich immer noch über die Party und sein Apartment nachdenkend). Miyaji zieht sich fertig aus. Während er zum Handtuch greift sind einige der anderen schon fertig mit duschen. Normalerweise hasst Miyaji es, sich zu lange Zeit zu lassen, aber heute ist es anders. Er lässt das Shampoo länger in den Haaren und schäumt es ein, seift seinen ganzen Körper ein, bevor er sich unter den Wasserstrahl stellt und dort auch noch einige kostbare Sekunden mehr stehen bleibt, ehe er den Hahn zudreht und wieder nach dem Handtuch greift. Als er in den Hauptbereich betritt, ist er definitiv der Letzte im Raum. Aber es macht ihm nichts aus alleine zum Bahnhof zu laufen und dort zu warten (und wenn er die Zeit richtig abschätzt, wird der Zug nur wenige Minuten nach ihm ankommen).

Er macht das Licht aus und schließt die Eingangstür hinter sich ab, als er fertig ist. Beinahe übersieht er Imayoshi als er rausgeht.

„Hast du was vergessen?“

Imayoshi zuckt mit seinen schmalen Schultern. „Ich warte nur auf dich.“

„Du hast doch gehört, dass ich Higuchi gesagt habe, dass er nicht auf mich warten muss. Das gilt auch für dich.“

„Aber ich dachte, du könntest auf dem Weg zum Bahnhof einsam werden.“

„Nah. Es ist in Ordnung für mich, wenn du vorausgehen willst.“

„Aber ich bin ja schon hier. Es sei denn, du willst nicht mit mir zusammenlaufen?“

Miyaji will wirklich nicht, aber Imayoshi ist ein Teamkamerad und es ist sowieso schon ein bisschen komisch zwischen ihnen beiden (hauptsächlich von Miyaji ausgehend, der absolut nicht weiß, wie er mit dem anderen umgehen sollte, selbst nachdem sie schon beinahe ein Jahr gemeinsam spielen). Und sie können immer gemeinsam über Videospielstrategien sprechen. Auch wenn sie sich nicht immer einig sind, ist es ein ziemlich chilliges Thema, wenn sie sich damit beschäftigen und tatsächlich sind sie schon fast auf halbem Weg zum Bahnhof, bevor Miyaji es überhaupt bemerkt. Aber selbst dieses Gespräch verfällt irgendwann in eine Pause und dann geht es in eine seltsame Richtung.

„Also, Miyaji.“

„Also, Imayoshi.“

„Du fragst dich wahrscheinlich, warum ich auf dich gewartet habe, hmm?“

Miyaji zuckt mit den Achseln. „Nicht wirklich.“

„Naja, die Sache ist, Miyaji, ich finde dich süß.“

Miyaji blinzelt. Was zur Hölle? Süß? Er hat vielleicht ein Babygesicht, aber er ist verdammt nochmal größer und stärker als Imayoshi, und er ist sicherlich nicht süß. Und, warte, bedeutet das, dass Imayoshi denkt, dass er attraktiv ist? (Natürlich möchte Miyaji denken, dass er attraktiv ist, aber der Gedanke, dass Imayoshi ihn so findet, ist mehr als ein wenig beunruhigend.)

„Willst du irgendwann mal mit mir ausgehen?“

„Du meinst, wie“, fragt Miyaji, „Auf ein Date?“

Imayoshi nickt.  „Genau. Ich bin froh, dass du es verstanden hast.“

Miyaji hebt eine Hand – nicht wirklich die beste Geste in dieser Situation, besonders wenn man bedenkt, wie peinlich das sein könnte. Scheiße. „Äh.“

Imayoshi neigt den Kopf. „Was war das?“

„Es tut mir leid", sagt Miyaji. „Du bist ein guter Teamkollege und äh, ein cooler Kerl und so weiter, aber… ich bin schon mit jemand anderem zusammen. Also kann ich wirklich nicht. "

Imayoshi runzelt die Stirn. „Ist das so?"

„Ja", sagt Miyaji. „Sorry."

"Ist es jemand, den ich kenne?"

Scheiße. Er kann nicht glauben, sich auf diesen Bullshit eingelassen zu haben. Aber sie kommen auf an der Treppe zum höher gelegenen Gleis an und zum Glück hat das Schicksal ihm die perfekte Fluchtmöglichkeit gegeben: Er kann den Zug kommen hören, genauso wie Imayoshi.

„Schau, ich muss diesen Zug wirklich erwischen“, sagt Miyaji. „Wir sehen uns beim nächsten Training!“

Er fliegt praktisch die Treppe hoch und schaut sich fünfmal um, sobald er in den Waggon steigt, um sicherzustellen, dass Imayoshi ihm nicht folgt, bevor er leicht ausatmet. Das nächste Training wird die Hölle sein, wenn er Imayoshi aus dem Weg gehen und sicherstellen muss, dass er gewisse Lügen nicht herausfindet, aber Miyaji ist zu müde, um überhaupt zu versuchen, weiter darüber nachzudenken.
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Am nächsten Tag ist Miyaji immer noch ein wenig geschockt. Es fällt ihm schwer, seine Aufmerksamkeit auf den Unterricht zu lenken (obwohl sie ausnahmsweise mal nicht wirklich etwas Wichtiges gelernt haben, keinen neuen Stoff) und glücklicherweise ist es auf der Arbeit eher ruhig – die Sache beginnt erst Sinn zu machen, als er am Nachmittag mit Kimura im Lebensmittelladen darüber redet. Auch hier geht es ruhig zu, sie haben eine Menge Großaufträge reinbekommen und Kimuras Vater kümmert sich darum. Sein Bruder ist immer noch beim Basketball-Training (Miyaji würde gerne sagen, es gehört zu den unschuldigeren Zeiten seines Lebens, wenn er daran denkt, aber Kimura erinnert ihn jedes Mal daran, dass es für sie wirklich erst ein knappes Jahr her ist) und so sind sie nur zu zweit und laufen durch die Gänge mit den aufgestapelten Produkten und sortieren das faule Obst und Gemüse raus.

„Ich meine, er will mit mir ausgehen. Imayoshi will mit mir ausgehen.“

„Soll ich jetzt von deiner Fähigkeit, das zu erkennen, beeindruckt sein, oder so etwas?“, fragt Kimura.
Miyaji gräbt sich weiter durch die Ingwerwurzeln bis er eine faule findet und sie auf Kimura wirft. Natürlich fängt Kimura sie und schmeißt sie in den Müllsack.

„Er wäre auf jeden Fall ein ziemlicher Fang. Hast du nicht gesagt, dass ihr jetzt besser miteinander auskommt? Mag er nicht diese Puzzle-Videospiele?“

Miyaji rollt mit den Augen. „Nun, ja, aber es ist wie… es ist. Nur weil ich es in Ordnung finde, mit ihm zu reden, heißt das doch nicht, dass ich ihn als festen Freund haben will.“

„Nun, warum nicht? Bist nicht du derjenige, der immer bei mir rumjammert, dass er kein Date finden würde?“

„Das ist was anderes. Er ist gruselig. Außerdem brauche ich jetzt sowieso ein Date.“

„Warum? Wenn du so dringend eins benötigst, würde er es tun. Du kannst ihn danach immer noch ganz leicht verlassen.“

„Nein, Dummkopf. Ich habe ihm erzählt, dass ich schon mit jemanden zusammen bin.“

„Ich bin der Dummkopf?“

Miyaji wirft ein weiteres faules Stück Ingwer auf Kimura. Kimura fängt es diesmal mit dem Müllsack.

„Ich meine“, spricht Kimura weiter, „Du könntest ihm einfach das erzählen, was du mir gerade erzählt hast. Das ist in Ordnung, er wird es wahrscheinlich verstehen können.“

„Aber er würde mich einfach fragen, warum ich denke, dass er sich nicht als mein fester Freund eignet. Ich meine, er hat mich ja auch gefragt, warum ich nein sage. Ich kann meinem Teamkameraden ja nicht einfach sagen, dass er gruselig sei.“

„Midorima und Takao hast du immer ganz genau das gesagt, was du letztes Jahr über sie gedacht hast und hattest damit überhaupt kein Problem.“

„Sie waren nur Kinder! Das ist was anderes.“

„Yeah, okay“, gibt Kimura bei.

Miyaji starrt den Spargel, der sogar in dem dämmrigen Licht vom Fenster grün scheint, vor sich finster an. Das ist nicht fair; Kimura soll sein Freund sein und er soll ihm helfen – okay, vielleicht ist Miyaji auch selbst schuld daran, aber er würde Kimura gerne sehen, wie er unter diesem Druck etwas besser hinbekommen hätte. Er würde sogar wetten, dass Kimura mit der Sache mit Imayoshi nicht so gut klargekommen wäre, wie Miyaji (was nicht unbedingt gut war, aber trotzdem).

Er hört die Türglocke leise läuten und müde, wie Miyaji nun mal ist, zwängt er sich durch die Mülleimer durch (aber er wird den Gang trotzdem noch fertig machen, weil er kein Schlappschwanz ist und er es Kimura außerdem versprochen hat – er ist offensichtlich aus der Form, wenn er hiervon müde wird, ob es jetzt Basketball oder kein Basketball ist).

„Shinsuke-nii!“

Es ist also kein Kunde. Miyaji taucht zwischen den Mülleimern auf und guckt am Ende des Ganges vorbei, um Kimuras Bruder zu winken.

„Wie war das Training? Macht Yuuya irgendwelchen Ärger? Denn wenn es so sein sollte, werde ich ihn für dich überfahren.“

„Oh! Kiyoshi-san. Nein, der Kapitän ist wirklich anspruchsvoll, aber sehr gerecht.“

„Gut“, sagt Miyaji und wendet sich wieder den Chilischoten in seinen Händen zu. „Ich bin sicher, dass er viel von dir erwartet, aber das ist bestimmt nicht ungerechtfertigt.“

„Ja!“

Was ein süßes Kind – wenn Miyajis eigener Bruder doch auch nur so süß sein könnte.

„Wie geht es dir, Kiyoshi-san?“

„Gut“, meint Miyaji.

„Du solltest ihm gratulieren“, sagt Kimura. „Zu seinem neuen gefakten Freund und so.“

Diesmal wirft Miyaji Kimura eine frische Chili an den Kopf – die Chili bleibt ganz als sie auf den Boden fällt, aber Kimura starrt ihn an.

„Die bezahlst du. Wirf nicht die Guten.“

„Setz sie auf meine Rechnung“, sagt Miyaji. „Aber ja, ich wurde von einem Bekannten um ein Date gebeten und dann hat er mich gefragt, warum ich nein sage also habe ich gesagt, dass ich schon mit jemandem zusammen wäre. Das war’s. Das ist die ganze Geschichte.“

Kimuras Bruder zuckt mit den Achseln. Miyaji vermutet, dass er in seinem Alter vielleicht nur an Basketball denkt – aber dann wirft er seine Tasche hinter die Theke und deutet auf Miyaji.

„Hast du eine gute Hintergrundstory? Für den Fall, dass der Kerl Näheres wissen will.“

„Hilf ihm nicht noch“, meint Kimura.

„Denkst du, es wäre lustig, wenn ich auffliege?“

„Du würdest es verdienen.“

Er wird Kimura verdammt nochmal überfahren.

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Dank seines Teilzeitjobs und einem dämlichen Schulgruppenprojekt (welches endlich fertig ist), verpasste Miyaji die letzten zwei Mittwoche die abendlichen Treffen mit seinem Team, was ihn ziemlich aufregt, weil er sich darauf eigentlich immer am meisten in der Woche freut. Es gibt nichts Besseres als sich an der Bar zurückzulehnen und sich solange volllaufen zu lassen, bis er zu müde ist, um sich über all das ausgegebene Geld aufzuregen – und außerdem teilen sie sich die Häppchen und die Flasche Sake (oder auch zwei oder drei), von daher ist es normalerweise sowieso keine große Summe. Sie bringen immer irgendwelche ihrer Freunde mit, wenn diese gerade Zeit haben. Meistens sind es Leute vom Basketball (Miyaji hat öfters Kimura mitgenommen), Freunde aus der Schule oder Kollegen von der Arbeit, aber es ist immer ruhig genug, dass es für jeden angenehm ist.

Außer in dieser Woche, als Imayoshi neben Miyaji sitzt – auf seiner anderen Seite sitzt Okamura, der in ein Gespräch mit Kasamatsus Arbeitskollegen vertieft ist; sie unterhalten sich über irgendeine Abenteuerbuch-Reihe, die Okamura mag,  was aber verdammt langweilig klingt. Fuck, er ist verloren – Imayoshi weiß wahrscheinlich schon, dass er sich die ganze Dating-Sache nur ausgedacht hat, oder vermutet es zumindest, und plant bestimmt, Miyaji den ganzen Abend zu quälen.
Und das, nachdem Miyaji es die ganze Woche geschafft hat, einer Einzelbegegnung mit ihm aus dem Weg zu gehen: er war immer als Erstes umgezogen und kam immer später zum Training als er es sich selbst oder anderen normalerweise durchgehen lassen würde (aber die Umstände waren einfach zu speziell, und zwar auf die schlimmste verdammte Art und Weise). Also ja, es ist schon ziemlich unangenehm und Miyaji hat das Gefühl, dass es immer schlimmer wird. Es ist, als würde man in der Sauna sitzen und immer durstiger und durstiger werden, aber man möchte länger als die anderen drinbleiben, selbst wenn einem die Haaren im Gesicht kleben und einem schwindelig wird. Dieses kranke Gefühl steigt in ihm auf.

Das Problem mit Imayoshi ist, dass Miyaji ihn nicht einfach bedrohen oder gar mit einem Auto oder so überfahren kann. Er ist hinterlistig und abstoßend auf eine Weise, die Miyaji nicht sauer, aber argwöhnisch und verwirrt werden lässt. Dieses Gefühl macht ihn wütend, zeigt das aber niemals gegenüber Imayoshi (der eigentlichen verdammten Quelle dieses Gefühls) und auch wenn Miyaji versucht nicht so zu fühlen, will er diesem Typen eigentlich nicht begegnen. Das verdammte Vierauge kann Gedanken lesen – also nicht wirklich, aber es scheint so aus als ob und Miyaji hat nicht vor, es auszuprobieren. Auch wenn er Takao bei ihrem letzten Spiel eine Kopfnuss gegeben hat, weil dieser behauptete, dass Imayoshi sie mit einem geheimnisvollen Voodoo-Zauber verfluchen würde.
Er antwortete, dass die einzige Person, die das versuchen würde, ihr eigenes Vierauge wäre und dass Takao ältere Schüler respektieren sollte. In Wahrheit wollte er auch überhaupt nicht über diesen Mist nachdenken (auch wenn er nicht an diese Art von Magie glaubt und auch wenn es überhaupt nicht Imayoshis Stil ist, ist die Vorstellung, dass Imayoshi Nadeln in Puppen steckt, die wie seine Gegner aussehen, mehr als gruselig – nicht, dass Miyaji sich das wirklich vorstellen würde).

Es ist nicht so, dass er ihn hassen würde oder gar Angst vor Imayoshi hätte. Trotz seinem Wesen kommt er normalerweise ziemlich gut mit ihm aus und er ist ein verdammt guter Basketballspieler. Und mit ihm über Sport oder Videospiele zu reden ist definitiv nicht langweilig. Miyaji würde nicht sagen, dass sie gute Freunde wären – es ist eher so, dass es ihm immer schwerer fällt, sich vorzustellen, dass Imayoshi mit Nadeln Puppen, die sein Gesicht oder die seiner Freunde haben, erstechen würde (naja, manchmal hat da Miyaji trotzdem seine Zweifel) und es fällt ihm auch leichter mit ihm über alltägliche Dinge zu reden. Zumindest ging es in diese Richtung bis Imayoshi seine Gefühle in dieses Durcheinander gebracht und die Dinge tausend Mal komischer als sowieso schon gemacht hat.

Imayoshi zieht seinen Stuhl etwas vor und setzt sich wieder mit einem fröhlichen Winken zu Miyaji. „Keiner dabei heute? Wie schade.“

„Er, äh, hat es nicht geschafft“, sagt Miyaji mit einem Achselzucken. „Was ist mit dir? Hast du niemanden mitgenommen?“

Imayoshi lacht. „Es ist lustig, dass du fragst. Ich habe meinem besten Freund gesagt, dass er kommen soll und wir uns dann treffen, aber wer weiß, ob er wirklich auftaucht? Er ist ziemlich unzuverlässig, weißt du.“

Miyaji weiß nicht, wer dieser beste Freund ist, aber in Anbetracht dessen, wie beliebig Imayoshi beim Training auftaucht und wieder verschwindet (wahrscheinlich, um Kasamatsu zu ärgern, der kein Problem damit, wütend auf ihn zu werden und ihn vor jedem anderen niederzumachen und auch ihm auch nie seine Ausreden abkauft) ist Imayoshis Beschreibung seiner Zuverlässigkeit entweder sehr suspekt oder sehr, sehr schwerwiegend.

„Imayoshi?“

Miyaji dreht sich um – in der Restauranttür steht ein sehr wütend aussehender Mann, den Miyaji als einen von Touous Forwards erkennt. Er musste in ihrem Jahr gewesen sein, aber Miyaji kann sich an nichts genaues über ihn erinnern.

„Susa, du bist spät dran. Du hast mich hier in einer Gesellschaft alleingelassen, mit der ich nicht umgehen konnte.“

Susa rollt mit den Augen und schnappt sich den Platz auf Imayoshis anderer Seite. „Genau. Als ob du nicht in Wirklichkeit mit den anderen geredet hast. Wenn nicht, bist du unhöflich, weil du es verschmäht hast – und ich habe dir gesagt, dass ich möglicherweise erst später von der Arbeit komme.“

Miyaji unterdrückt einen ungläubigen Laut. Imayoshi jammert ihn voll, wie ein verwöhntes Balg seine Mutter und Susa weist ihn zurecht, wie ein genervter Elternteil. Unbeeindruckt hebt Imayoshi sein Kinn und dreht sich zurück zu Miyaji.

„Entschuldige die schlechten Manieren meines Freundes.“

Miyaji muss schnauben.

„Entschuldige, dass mein Freund ein Arschloch ist“, murmelt Susa leise.

„So unzuverlässig Susa auch ist, er ist immer noch gut genug erzogen, um heute zu kommen“, sagt Imayoshi. „Aber es ist wirklich schade, dass dein Freund es nicht geschafft hat.“

„Er ist noch nicht da", berichtigt Miyaji ihn mit leicht gereiztem Unterton.
Er fühlt sich leicht zurückgedrängt angesichts der Tatsache, was sein erfundener Freund für ihn bedeutet— also was wäre, wenn er es heute nicht schaffen würde? (Auch, wenn das so ist, weil er nicht existiert, naja – als würde ihn das interessieren. Miyaji würde mit niemandem ausgehen, der diesen Scheiß halbherzig machen würde, vielen Dank auch. Seinen Stolz hat er schon noch.) Susa nickt Miyaji zu und wendet sich dann Imayoshi zu, versuchend streng auszusehen.

„Hör auf, so eine Scheiße von dir zu geben.“

„Aw, Susa. Du musstest dich also nicht selbst zwingen, herzukommen?“

Susa rollt mit den Augen und entschuldigt sich bei Miyaji. Miyaji zuckt nur mit den Achseln – es scheint so als würde Susa eine lange und sinnlose Streiterei mit Imayoshi anfangen wollen (so eine, wie man sie bei Imayoshi und Kasamatsu jedes Training zu sehen und hören bekommt. Die Streitereien beginnen mit einer Auseinandersetzung, wie die Spiele abzulaufen haben und enden in dummen Geschwätz und bissigen Kommentaren), was bedeutet, dass Miyaji keine Fragen von Imayoshi beantworten muss, auf die er noch keine Antworten hat, wenn man bedenkt, dass er sich kaum eine Geschichte ausgedacht hatte, die seinen angeblichen Freund glaubhaft erscheinen lassen würde (okay, vielleicht hätte er in dem Punkt doch auf Kimura hören sollen).

Und als Higuchi, wahrscheinlich das erste Mal zu spät, seit Miyaji ihn kennt (was zugegebenermaßen noch nicht so lange ist, aber er sieht Higuchi als seinen Verbündeten, in Sachen Pünktlichkeit), an der gegenüberliegenden Seite des Tisches Platz nimmt, versinkt Miyaji in Gedanken in seiner Geschichte von wirklich beschissenem Verkehr und jeder, zur genau falschen Zeit rot werdenden, Ampel.
Und es ist nicht so, dass er sich bemüht, per se nicht mit Imayoshi zu reden, aber naja. Es ist kein Zufall, dass die einzigen Worte, die sie für den Rest der Nacht wechseln Teil eines größeren Gesprächs sind oder die Frage, ob man das Salz weiterreichen könne.
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„Imayoshi will wissen, ob dein Liebhaber auch zu der Party kommt.“

Miyaji blinzelt. „Mein was?“

„Liebhaber. Seine Ausdrucksweise, nicht meine. Ich wusste gar nicht, dass du regelmäßig mit jemandem schläfst“, sagt Higuchi und grinst ihn über die Sofalehne an.

Miyaji schlägt ihm mit der Kunstseite der Zeitung auf den Kopf und erwägt zu drohen, das heutige Sudoku rauszureißen, bevor Higuchi es ausfüllen kann – aber das könnte zu viel des Guten sein. „Tu ich nicht, aber ich habe Imayoshi erzählt, dass ich einen Freund habe.“

„Also ist das ein Ja, dass er kommt?“ Higuchis Daumen schweben über dem Display seines Handys.

„Nein! Er existiert verdammt nochmal gar nicht!“

„Warum erzählst du Imayoshi dann von ihm?“

„Weil er mich angegraben hat“, sagt Miyaji. „Ich wollte nicht, dass sich das unangenehm auf das Team auswirkt, aber ich will wirklich nicht mit ihm ausgehen also habe ich ihm erzählt, dass ich schon mit jemand anderem zusammen bin.“

„Imayoshi ist cool“, meint Higuchi. „Ich glaube nicht, dass er ein großes Thema daraus macht.“

„Aber es wäre peinlich für mich“, sagt Miyaji.

„Und ihn wegen einem ausgedachten Freund sitzen zu lassen ist überhaupt nicht peinlich“, meint Higuchi. „Genau.“

Miyaji versucht ihn ein weiteres Mal mit der Zeitung zu schlagen, aber dieses Mal weicht Higuchi aus.

„Ich sag ihm, dass dein Freund kommt“, sagt Higuchi mit einem verdammten Grinsen.

Miyaji langt nach ihm über die Couch, aber Higuchi steht auf und flitzt auf die andere Seite des Couchtisches, das Handy in der Hand. Miyaji steht ebenfalls auf, umfasst mit einer Hand Higuchis Handgelenk und versucht mit der anderen an seine Hand zu kommen. Higuchi dreht sich weg, macht fast einen Judo-Wurf mit Miyaji (Gottverdammt, wenigstens ist es im Basketball ein Vorteil für sie) und biegt Miyajis Finger in dem Moment weg, in dem sie sich leicht lockern. Miyaji greift nach der Rückseite von Higuchis Hemd, aber es ist zu spät; Higuchi hält das Handy hoch.

„Abgeschickt.“

Miyaji versucht noch einmal ihn niederzuringen; wenn er schon am Arsch ist, soll Higuchi wenigstens dafür bezahlen. Higuchi kann trotzdem wieder ausweichen und Miyaji fällt auf den Boden. Er kann Higuchi während des Lachens nach Luft schnappen hören und wünscht sich, das er nah genug an ihm wäre, um ihm die Knöchel unter ihm wegzuziehen.

„Dann solltest du mir besser einen Freund besorgen“, meint Miyaji.

„Was, in zwei Tagen? Such dir selbst einen. Es ist sowieso deine Schuld; du hättest ihm die Wahrheit sagen sollen.“

Miyaji zieht sich in eine sitzende Position und stöhnt. Es gibt keinen Ausweg – Kimura wird ihn nicht da raushauen, sein Bruder sicherlich auch nicht und Higuchi weigert sich offensichtlich ihm zu helfen, obwohl es seine (okay, zum größten Teil) verdammte Schuld ist. Aber es gibt keine Möglichkeit jemanden nach einem Date zu fragen, aber so zu tun, als würden sie schon länger miteinander ausgehen oder einfach nur so zu tun, als ob sie ein Date am Wochenende hätten. Und Imayoshi wird wahrscheinlich darum bitten, diesen Kerl wiederzusehen und wenn Miyaji vorspielt, ihn verlassen zu haben, ist er wieder auf Platz Eins ohne eine Ausrede zu haben, wenn Imayoshi das nächste Mal versucht, Miyaji dazu zu bringen, mit ihm auszugehen (und Miyaji kann die Zeit mit dem imaginären Schmerz über die angebliche Trennung nur so lang wie möglich ausdehnen).

Higuchis Handy vibriert. Miyaji seufzt; wahrscheinlich ist es Imayoshi. (Er sollte Higuchi besser nicht nach Miyajis maßgeblichen anderen Hälfte fragen. Das würde dem Ganzen echt die beschissene Krone aufsetzen.)

„Hayama? Wie geht’s?“

Miyaji atmet erleichtert aus. Hayama ist ein nerviger kleiner Bastard, aber er hat nichts mit Imayoshi zu tun, außerdem wohnt er in Kyoto, also (vermutlich) weit genug weg, um Miyaji nicht schaden zu können.

„Oh, yeah. Tatsächlich ist Miyaji gerade hier.“

Nun, scheiße; er hat sich zu früh gefreut. Miyaji schüttelt heftig den Kopf in Higuchis Richtung. Das sollte er besser verdammt nochmal nicht tun.

„Er hat sich da etwas gefragt, aber er ist zu schüchtern, um es selbst zu sagen. Weißt du, er braucht ein Date für diese Party in ein paar Tagen… “

Miyajis Augen weiten sich. Nein. Fuck. Nein. Er steht auf.

“Yeah, mhm. Ich bezahle deine Zugfahrt. Und du musst den Leuten vorspielen, dass ihr zwei schon eine Weile zusammen seid, okay? Spitze. Prima.“

Miyaji schlägt nach ihm als er auflegt.

„Ich dachte, du willst ein Date?“, meint Higuchi. „Ich habe dir erzählt, dass er mich seit diesem dummen Spiel im Fernsehen damit bedrängt, euch zwei zusammen zu bringen, seit er rausgefunden hat, dass wir in einem Team spielen. Also dachte ich, so schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Wenn du jemand anderen findest, kannst du ihn immer noch anrufen und ihm das sagen.“

Miyaji lässt sich nach hinten auf die Couch fallen. Er sollte wahrscheinlich nicht darüber nachdenken, dass es noch schlimmer kommen könnte, weil wenn er das tut, könnte Higuchi Hayama in Miyajis Haus unterbringen oder sie am nächsten Tag mit Imayoshi im Schlepptau oder etwas noch Schlimmeren auf einen Ausflug mitschleifen.

„Du bist ein Arschloch, Higuchi. Ich hoffe, du weißt das“, brummt Miyaji in die Kissen.
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Die zwei Tage vergehen als würde Miyaji sie verschlafen; sie sind viel zu schnell vorbei und es macht ihn fertig, dass er so tun muss, als wären er und Hayama ein Paar. Der Bengel ist immer noch in der verdammten Oberschule; es gibt keine Möglichkeit, dass sie das schaffen – es gibt keine Möglichkeit, dass er so tun kann, als würde er Hayama tatsächlich mögen (oder wenigstens tolerieren); es gibt keine Möglichkeit, dass Hayama die Situation nicht ausnutzt, sich an ihn klammert und ihn mit diesen dämlichen Augen ansieht. Es wird eine verdammte Katastrophe sein. Trotzdem ist es nicht so, dass er etwas Besseres gefunden hätte – sicherlich hat er nicht alles gegeben, weder, um Hayama dazu zu bringen zu Hause zu bleiben, noch, um einen passenden Ersatz zu finden. Und die Party würde nicht allzu lange sein und möglicherweise ist es gut, dass Hayama in Kyoto lebt – zumindest macht diese Tatsache glaubhaft, warum Miyaji ihn Imayoshi nicht schon früher vorgestellt hat.

Allerdings ist es immer noch Hayama. Miyaji würde sich nicht allzu viel Hoffnung machen können.

Higuchi ruft ihn eine Stunde vor der Party an; er fühlt so etwas wie eine nervöse Vorfreude in seinem Bauch und das klingt zwar wie eine klischeehafte Liebesgeschichte, aber das ist es nicht. Es ist mehr wie die Vorfreuden vor ihrem Spiel gegen Rakuzan – vielleicht ein passender Vergleich, wenn man bedenkt, mit wem er sich trifft. Aber er hat keine Angst, er ist einfach nicht besonders glücklich. Vielleicht können sie es einfach vorspielen und er kommt betrunken genug durch die ganze Sache, ohne von Hayama belästigt zu werden (obwohl er Higuchi kennt, dieser wird Miyaji nicht zu viel erlauben).

Er klingelt an Higuchis Haustür und konzentriert sich darauf, nicht mit dem Fuß zu klopfen. So nervös ist er nicht, die Sache wird schon nicht so schlimm werden.

Die Tür geht auf und da steht Hayama. Miyaji ist kurz davor, zurück zu zucken, aber anstatt ihn stürmisch zu umarmen, reicht Hayama ihm die Hand und lächelt ihn an.

„Miyaji-san! Es ist schön dich zu sehen!“

Miyaji blinzelt. „Äh. Es ist, eh, auch schön dich zu sehen.“

Hayama grinst und zuckt, als ob er sich selbst davon abhalten müsste, Miyaji um den Hals zu fallen, was er auch nicht tat, stattdessen greift er nach Miyajis Arm und zieht ihn in die Wohnung.

„Komm schon. Higu-san ignoriert mich und macht sein Sudoku. Er ist manchmal so langweilig.“

„Oi, pass auf was du sagst“, sagt Miyaji. „Er ist derjenige, bei dem du heute Nacht schlafen wirst.“

„Seltsamerweise stimme ich dir zu. Aber wir sind auch hier, Kotarou, und wir sind nicht langweilig.“

Miyaji dreht seinen Kopf der Stimme zu; sie klingt seltsam vertraut, aber es ist sicher nicht Higuchis. Und er macht beinahe einen Schritt zurück, als er diesen ungekrönten schönen Jungen von Rakuzan sieht, Mibuchi – der sich in die Arme von niemand anderem als diesem Gorilla-Typen Nebuya schmiegt. Reisen diese Kids in Rudeln oder was? Miyaji erwartet halb schon diesen schrecklichen Akashi-Jungen oder den Kerl mit dem grauen Haar (oder noch schlimmer, beide) aus der Küche, dem Badezimmer oder dem Schlafzimmer oder etwas Anderem treten zu sehen, aber nach ein paar Sekunden, als Higuchi und diese drei die einzigen außer ihm hier zu sein scheinen, atmet er erleichtert auf.

„Warum seid ihr hier?“

„Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, meint Mibuchi und schnippt einen scheinbares Staubkorn von seinen Nägeln, bevor er Miyaji direkt in die Augen schaut. „Was denkst du, was du mit Kotarou machst?“

„Warte“, wirft Miyaji ein. „Er hat zugestimmt, hier mitzumachen und ich habe dich was gefragt – es sei denn, ich soll davon ausgehen, dass ihr mich bedrohen werdet für, in Anführungszeichen, Sachen, die ich mit Hayama gemacht habe, aber egal, was er sagen mag, wie haben nicht--“

„Oh, ich weiß, dass da nichts gemacht hast“, sagt Mibuchi, „Wir sind nur hier, um sicherzustellen, dass Hayama nichts passiert.“

Miyaji stöhnt. „Ich weiß, dass es Fake ist. Ihr wisst, dass es Fake ist – das tust du, oder?“, fragt er, sich zu Hayama drehend.

„Du meinst, wir machen in Wahrheit gar keine Pärchendinge?“, fragt Hayama mit diesem blöden vorstehenden Eckzahn, der durch das Grinsen sichtbar wurde. „Nur ein Scherz.“

Miyaji ist bereit zu wetten, dass er es nicht ist - aber dann wird Hayama wieder etwas weniger übereifrig (nicht, dass das schwer wäre) und ein bisschen niedlicher. Naja, fuck; auch das war nicht schwer. Aber wie er hüpft und sich immer wieder auf den Fußballen abrollt und an Miyajis Arm zieht, ist nicht so irritierend wie früher. Es ist nicht so, dass er unglaublich attraktiv ist oder so etwas — nein, überhaupt nicht, entscheidet Miyaji und fährt sich mit einer Hand durch sein Haar. Higuchi wirft ihm einen amüsierten Blick von der Couch aus zu und Miyaji zeigt ihm den Mittelfinger.
„Kotarou, er ist wirklich vulgär. Ich denke nicht, dass du so tun solltest, als—“

„Er hat dem verdammt nochmal zugestimmt. Er kam den ganzen Weg aus Kyoto, um das zu machen. Was ich wirklich zu schätzen weiß. Aber noch mehr würde ich es zu schätzen wissen, wenn du dich da raushältst, Kid. Das ist seine Entscheidung.“

„Ich bin nur—“

„Reo“, sagt Nebuya, der sich endlich auch äußert. „Beruhig dich. Sie sind beide einverstanden mit dem Plan, sie sind auf derselben Seite. Das ist nur für ein paar Stunden und wir sind gekommen, um Spaß zu haben.“

„Du vielleicht“, grummelt Mibuchi, aber danach hält er wundersamer Weise den Mund.

Hayama zieht immer noch an seinem Arm und versucht, sich an ihn zu kuscheln, und Miyaji hat das Gefühl, dass er bereits jetzt ein Bier braucht (oder zwei oder fünf), denn egal, wie viel er darüber nachgedacht hat, es gibt keine Möglichkeit, mit einem einzigen von diesen Kids fertig zu werden, geschweige denn mit drei mit wenig bis keiner Hilfe von Higuchi.

„Hast du etwas zu trinken?"

„Nicht bis zur Party“, meint Higuchi. „Solltet ihr zwei nicht üben, euch total verliebt oder so zu verhalten? Habt ihr euch schon die Geschichte ausgedacht, wie ihr zusammengekommen seid?“

Miyaji flucht leise; Midorima muss den Fluch des Oha-Asa (nicht, dass Miyaji an diesen Scheiß glauben würde) für etwas, was sein Bruder getan hat, auf seine ganze Familie gelegt haben. Das ist die einzige Erklärung für diesen ganzen Scheiß, den Higuchi von sich gibt (er macht sich eine innere Notiz, Yuuya beim nächsten Abendessen anzuschnauzen, für was auch immer er getan hat). Nicht, dass es schlecht wäre, ihre Geschichte ein und auswendig zu können, aber üben? Er ist sich ziemlich sicher, dass schon Hayamas übliche Zuneigung ihnen helfen konnte, sein Ziel zu erreichen (und Miyaji erinnert sich deutlich daran, dass Takao einmal bemerkte, dass Miyajis Widerstand gegen Hayamas Zuneigung ihn ein bisschen wie einen verlegenen Freund aussehen lässt, woraufhin Kimura und Ootsubo Miyaji dazu zwingen mussten, sich zu beruhigen, damit er ihren Point Guard nicht verletzte und wäre Takao nicht so wichtig für das Team gewesen, wäre Miyaji noch einen Schritt weitergegangen und hätte sich in einen Lastwagen gesetzt und versucht, ihn zu überfahren).

„Ohh, Miyaji-san, können wir?“

Hayama schaut auf, die ohnehin schon großen Augen aufgerissen und gottverdammt, Miyaji fühlt sich fast ein wenig unbehaglich. Es ist nicht so, weil dieses Gesicht aus diesem Blickwinkel bezaubernd aussieht; es ist einfach so, dass er nicht will. Er seufzt – sie müssen es trotzdem tun und auch wenn er sich die ganze Zeit beschweren wird, wird er es verdammt nochmal tun. Im Hintergrund hustet Mibuchi auf eine Art und Weise, die vermutlich missbilligend sein sollte - aber für den Moment ignoriert Miyaji ihn einfach. Wenn er keine Aufmerksamkeit bekommt, wird er vielleicht aufhören, es zu versuchen.

„Sicher. Wie haben wir uns getroffen?“

„Bei dem Spiel“, zwitschert Hayama und drückt seinen Arm. „Aber dann warst du so fasziniert von diesem heißen, unglaublichen Forward—“

„Lass dich nicht zu sehr mitreißen“, grummelt Miyaji.

„Was? Ich habe das Match gewonnen“, sagt Hayama grinsend.

Kleiner Scheißer. „Yeah und dann habt ihr gegen Seirin verloren. Gegen die wir Gleichstand hatten, wenn du dich erinnerst.“

Hayama verdreht die Augen. „Was auch immer. Wir sind auf einen Typen gestoßen, der eine besondere Fähigkeit besaß, um Reo-nee zu schlagen. Sonst hätten wir gewonnen. “

„Seht sie euch an, wie ein altes Ehepaar“, sagt Higuchi.

„Geh zurück zu deinem beschissenen Sudoku“, gibt Miyaji zurück.

Die klingelt an der Haustür.

„Okay, die Party ist hier“, sagt Miyaji. „Kann ich jetzt mein Bier haben?“

„Mach zuerst die Tür auf.“

Hayama hat entschieden, dass er nicht loslässt, und Miyaji zieht ihn halb zur Tür.

„Miyaji-san, wir haben nicht geübt“, jammert Hayama.

„Yeah, naja, wir können vor Imayoshi üben“, sagt Miyaji und öffnet die Tür.

Wie ist das Sprichwort, wenn man vom Teufel spricht? Naja, was soll‘s? Er ist hier.

„Was ist mit mir?“, fragt Imayoshi.

„Nichts. Wir haben nur überlegt, wer wohl kommt und du bist der Einzige, von dem ich wusste, dass er kommt.“

„Ist das so?“, fragt Imayoshi und seine Augen flackern zu Hayama. „Na, na, ein Oberschüler? Ich schätze, das ist der Grund, weshalb du mir nicht sagen wolltest, wer es ist, hmm?“

„Wir haben uns getroffen, als wir beide noch auf der Oberschule waren“, sagt Hayama mit einem Grinsen.

„Yeah, yeah“, meint Miyaji und lehnt sich unbeholfen vor, um Hayama auf die Stirn zu küssen. „Würdest du mir ein Bier holen… Baby?“

Er selbst schreckt leicht zurück als er das sagt, aber Hayama leuchtet auf. „Na sicher!“

Imayoshi und Miyaji schauen zu, wie er in die Küche geht - Miyaji starrt seinen Hintern nicht an; er versucht nur, es so aussehen zu lassen (und er muss überzeugend sein, weil Imayoshi mit geschlossenen Augen viel mehr bemerkt, als er sollte).

"Na, na", sagt Imayoshi. "Da ist jemand begeistert."

Miyaji kratzt sich am Kopf und zuckt mit den Achseln.

„Ihr zwei seid ein sehr süßes Paar. Ich hoffe, du glaubst nicht, dass ich versucht habe, mich zwischen euch zu drängen. "

„Nah, Butter bei die Fisch und alles“, meint Miyaji und winkt ab.

Wo zur Hölle ist Higuchi? Miyaji schaut zur Couch, aber er ist nicht da und Mibuchi und Nebuya auch nicht – sie müssen in der Küche sein. Arschlöcher, allesamt. Und dann kommt Hayama zurück, zwei Flaschen in der Hand. Er gibt Miyaji eine und hebt die andere an seine Lippen.

„Trink das nicht, du bist noch minderjährig“, sagt Miyaji.

Hayama blinzelt ihn an. „Aber wir tun doch ganz andere Sachen, obwohl ich noch minderjährig bin, wie—“

„Halt den Mund und trink das verdammte Bier“, unterbricht Miyaji ihn laut.

Er spürt, wie er rot wird. Imayoshi grinst (lacht fast, verdammt, als wolle er in ihr Sexualleben einsteigen - was nicht existiert, aber Miyaji legt trotzdem einen Arm um Hayama. Selbst er verdient diese gruselige Anspielung nicht; Miyaji kann nur hoffen, dass Imayoshi nicht genau genug auf sie achtet, um den Schwindel zu bemerken). Und wo zum Teufel ist Higuchi? Wo ist Mibuchi? Er könnte sich um Hayama und sein verdammtes Bier kümmern - aber andererseits könnte er den Fokus zu weit ablenken oder beschließen, zu offenbaren, dass zwischen Hayama und Miyaji nichts läuft (und Miyaji weiß nicht genug über ihn, um sicher sagen zu können, dass er es nicht tun würde), oder es wird ihnen nicht genug Zeit geben, um Imayoshi davon zu überzeugen, dass sie wirklich, wirklich ein Paar sind.

Es klingelt wieder und Miyaji öffnet die Tür. Er hätte sich nicht unbedingt Okamura als seinen Erlöser ausgesucht, aber er wird es fürs Erste tun.

Okamura starrt Hayama an, dann schwenkt sein Blick zurück zu Miyaji und bleibt an Hayamas Arm hängen, der sich um Miyajis gewickelt hat. Und okay, Miyaji bemerkt, dass sie wohl ein ziemlich seltsames Pärchen abgeben.

„Lange nicht gesehen“, sagt Hayama. „Wusstest du, dass Miyaji-san und ich zusammen sind?“

Miyaji versucht Hayama diskret anzustoßen; er legt viel zu dick auf. Vielleicht sollten sie sich von der Tür entfernen; vielleicht sollten sie Imayoshi darauf antworten lassen (oder Higuchi, wenn der nicht beschlossen hat, an seiner eigenen gottverdammten Partei abwesend zu sein).

„Ich, äh, sehe es“, antwortet Okamura.

Hayama drückt Miyajis Arm und grinst ihn an. „Ich komme nicht allzu oft aus Kyoto hierher, weißt du. Und ich habe Reo-nee und Ei-chan mitgebracht.“

„Da bin ich mir sicher“, sagt Okamura.

Miyaji tätschelt Hayamas Schulter. „Nun, wir, äh, haben die ganze Nacht für uns.“

„Dann lass uns ganz viele ungezogene Dinge machen“, sagt Hayama in einer Singsang-Stimme. „Also zuerst…“

Okamuras Gesichtszüge gefrieren und Miyaji stößt Hayama mit dem Knie gegen in den Oberschenkel.

„Versuch nicht, mich hier auszuziehen, du verdammtes Gör.“

Fast hätte Miyajis sein Gesicht zu einer Grimasse verzogen; ihr Vorspiel ist nicht wirklich überzeugend, auch wenn Hayama so an seinem Arm hängt. Miyaji zieht ihn mit in Richtung Küche; es ist Zeit für den nächsten Drink – für sie beide. Vielleicht beruhigt sich Hayama dann verdammt nochmal oder schläft ein oder so etwas.



Miyaji hatte Kimura zu der Party eingeladen, aber das war, bevor der ganze Scheiß mit Higuchi und Hayama passiert ist und Kimura weiß noch nichts davon. Und er ist sich immer noch nicht sicher, ob Kimura noch kommt oder nicht – der Lebensmittelladen macht heute vielleicht früher zu, aber Kimura konnte es verständlicherweise noch nicht sicher sagen.
Arbeit ist Arbeit und muss gemacht werden und Partys sind sowieso nicht der beste Platz, um sich zu entspannen, besonders, wenn einer der Gäste einen kleinen tollwütigen Parasiten am Arm hängen hat, der im Grunde nur die ganze Zeit versucht, ihn aus der Fassung zu bringen.

Aber er taucht doch noch auf, kurz nachdem Miyaji aufgegeben hat, daran zu glauben, dass er es schaffen würde, und wirft einen Blick auf Hayama, der sich an Miyajis Arm schmiegt. Er hebt eine Hand.

„Will ich es wissen?“

„Hol Kimura einen Drink“, sagt Miyaji und schiebt Hayama in Richtung Küche. „Jemand dort wird wissen, was er mag.“

Hayama küsst Miyaji auf die Wange und wenn er sich nicht unsicher wäre, ob Imayoshi das nicht auf irgendeinem verdammten Weg spitzkriegen würde, würde er die Stelle abwischen, die immer noch ekelhaft feucht ist (und er muss sich immer noch um diesen verdammten Kimura kümmern, der ihn angrinst).

„Das ist… Was ist das?“, fragt Kimura.

Miyaji schaut sich um; Imayoshi sitzt auf der anderen Seite des Raumes mit dem Rücken zu ihnen. Trotzdem, lieber nichts riskieren, was er später bereuen könnte.

„Es ist Fake“, zischt er leise. „Higuchi hat Imayoshi erzählt, mein Freund würde zur Party kommen, also musste ich jemanden finden.“

„Und du hast ihn ausgesucht.“

„Higuchi hat das gemacht. Es ist alles seine verdammte Schuld; ich werde ihn überfahren.“

„Du sahst aus, als würdest du die Aufmerksamkeit genießen“, meint Kimura. „Und ich finde es irgendwie süß, auch wenn du es nicht verdient hast.“

„Ich habe es total verdient“, sagt Miyaji. „Wer würde nicht mit mir zusammen sein wollen?“

„Naja, Imayoshi jedenfalls nicht.“

Miyaji versucht ihn zu schlagen, aber Kimura weicht nach hinten aus und trifft dabei beinahe Nebuyas Rücken – er steht hinter ihnen, presst Mibuchi gegen die Wand und macht wild mit ihm rum. Und sie waren diejenigen, die von Zurückhaltung und Verhütung gesprochen haben. Verdammt typisch, sie kamen wahrscheinlich nur hierher, weil sie sich irgendwo anders als in ihrem Schulwohnheim die Zungen in den Rachen stecken konnten, und nicht etwa aus Solidarität zu Hayama oder zu seinem Schutz oder dergleichen.

„Warte“, sagt Kimura. „Sind das nicht—”

„Ja“, antwortet Miyaji. „Ja, das sind sie. Ich weiß verdammt nochmal auch nicht mehr, okay? Das tue ich wirklich verdammt nochmal nicht. Ich kann diese verdammten Kids echt nicht mehr ab.“

„Warum sind sie hier?“

„Keine Ahnung… um rumzumachen und angeblich, um Hayama zu schützen – wo ist er? Hat er deinen Drink?“

„Mich interessiert der Drink nicht“, meint Kimura. „Aber du scheinst ziemlich an ihm zu hängen.“

„Fick dich“, erwidert Miyaji.

Und dann taucht Hayama beinahe aus dem Nirgendwo auf; Miyaji springt so hoch, dass er fast mit dem Kopf an die verdammte Decke knallt.

„Wo zum Teufel kommst du denn her?“

„Aus der Küche“, antwortet Hayama, reicht Kimura sein Getränk und kehrt wieder an Miyajis Seite zurück.

Miyaji legt fast reflexartig seinen Arm um Hayamas Taille und Kimura kann für sein Grinsen, das er ihnen zuwirft, einfach zur Hölle fahren. Sie müssen sich hier nun mal wie ein Pärchen verhalten, insbesondere vor Nebuya und Mibuchi (falls sie jemals mit dem gegenseitigen Mandelabschlecken fertig werden)

„Oh, Miyaji, hey, Amüsierst du dich?“

und vor allem vor Imayoshi – und vor Leuten, die sich anschleichen, ohne dass man sie bemerkt. Miyaji läuft zur Mitte des Raumes, raus aus dem Flur und weg von den Fenstern und näher an die Tür. Imayoshi folgt ihm, Kimura nicht. Auf der einen Seite kann Miyaji ihm da keinen Vorwurf machen, auf der anderen Seite ist er gerade ein lausiger Freund. Wenigstens hat er (mal zu etwas nütze) Hayama noch immer wie einen Blutegel an seinem Arm hängen.

„Yeah. Es ist zwar ein bisschen zu hektisch für meinen Geschmack, aber das passt schon. Das ist mehr Hayamas Tempo als meins.“


Hayama wird munter wie ein Hund, als er seinen Namen hört und nickt zustimmend. „Es ist super nett von Miyaji-san, mich einzuladen."

„Yeah“, meint Imayoshi. „Ich schätze, er verändert sich für dich ein wenig.“

Oh scheiße. Das Gespräch geht in eine Richtung, die Miyaji überhaupt nicht mag, aber es ist wie bei einem entgleiten Zug, der einfach alles auf dem Weg niederwalzt bis sich ihm etwas in den Weg stellt. Und dann klingelt es an der Haustür. Hoffentlich stürzt der Zug ab während Miyaji praktisch durch den Raum rennt, um die Tür zu öffnen.

Dieses Mal ist ein anderer Gast sein Retter – Kasamatsu. Er ist spät wie Sau, aber wenn man bedenkt, dass er Moriyama mitgeschleift hat, macht das durchaus Sinn – Kasamatsu sagt, er ist ein Vorbild an Zuverlässigkeit (was er wirklich ist), aber die Leute, mit denen er abhängt, sind alle mehr als unzuverlässig, Moriyama miteingeschlossen. Es ist ja nicht so, dass Moriyama so ein Typ Mensch ist, er ist einfach nur leicht abzulenken und geht sein ganz eigenes Tempo (langsamer als Kasamatsu es will oder Miyaji in der Lage wäre zu akzeptieren). Miyaji kennt ihn allerdings nicht sehr gut, also sollte er sich vielleicht mit seinem Urteil zurückhalten, besonders weil sie genau in dem Moment aufgetaucht sind, in dem Imayoshi Miyaji und Hayama wieder in die Enge getrieben hat.

„Yo“, sagt Miyaji. „Hab mich schon gefragt, wann du kommst.“

Kasamatsu zuckt mit den Achseln. „Es ist die Schuld von dem hier. Wo ist Higuchi?“

„Angeblich ist er hier irgendwo“, meint Miyaji und wedelt vage mit der Hand. „Wahrscheinlich in der Küche.“

„Ich habe ihn mit Reo-nee in der hinteren Ecke gesehen“, sagt Hayama, Miyajis Arm drückend.

Sowohl Kasamatsu als auch Moriyama starren Hayama an, wie einen dieser Sessel, in dem der Bösewicht aus einem Over the Top Action-Streifen sitzt und der Held geradewegs in sein Versteck läuft, allerdings sollte es keine allzu große Überraschung sein – oder sollte es? Hayama war die ganze verdammte Zeit hier, auf seinen Fußballen rumhüpfend und an Miyajis Arm ziehend. Wie Okamura und Kimura schauen sie von Hayama zu Miyaji hin und her und das wird langsam wirklich nervig.

„Warte eine Sekunde“, sagt Moriyama. „Ich wusste gar nicht, dass du auf Jungs stehst, Miyaji.“

„Nicht auf andere Jungs“, wirft Hayama ein. „Nur auf mich. Nicht wahr, Miyaji-san?“

Er legt wirklich viel zu dick auf, verdammt, dicker als die Glasur auf einer teuren, klebrigen Hochzeitstorte. Miyaji will gerade einfach nur den Kopf in die Hände legen, aber das ist keine Option, vor allem mit einem, wie ein verdammter Fuchs, grinsenden Imayoshi, der nur ein paar Meter entfernt steht.

„Ehrlichgesagt“, sagt Imayoshi, „habe ich mich darüber gewundert.“

„Was?“, fragt Miyaji. „Dachtest du, ich würde auf jemand anderen ein Auge geworfen haben?“

Kasamatsu schaut vorsichtig von Miyaji zu Imayoshi – Miyaji vermutet, dass er wirklich überhaupt keine Ahnung hat, was zwischen ihnen beiden vorging, was auf der einen Seite gut war (weil Kasamatsu für Veränderungen in der Dynamik wirklich empfindlich war, im Gegensatz zum Rest des Teams) und auf der anderen Seite schlecht, weil Miyaji wirklich Hilfe gebrauchen könnte, allerdings würde Kasamatsu es selbst dann wahrscheinlich ablehnen, zu helfen.

„Hat er nicht“, bemerkt Hayama.

Miyaji wirft einen besorgten Blick nach unten und lässt seine Hand in Hayamas gleiten und drückt zu – es gibt nichts, was er groß dazu sagen kann (und er will Hayama wirklich sagen, dass er keine Panik bekommen soll und dass er wirklich drauf und dran ist, Imayoshi mit einem Lastwagen zu überfahren. Dann wäre das Problem gelöst) und fuck. Imayoshi hat ihren Scheiß wahrscheinlich schon längst durchschaut und er wusste, er hätte sich jemand anderen aussuchen sollen und dass das hier besser nicht in einer Katastrophe enden sollte.

„Oh, das habe ich nicht gesagt“, meint Imayoshi. „Aber es scheint nicht, als würde er dir so viel Aufmerksamkeit schenken, wie du ihm.“

Das ist nicht fair- zur Hölle, selbst wenn sie miteinander ausgehen würden, wäre es nicht normal, so verdammt fokussiert zu sein, wie Hayama es die ganze Zeit auf Miyaji ist, selbst wenn seine Aufmerksamkeit (wie so oft) auf etwas anderem liegt, zieht er immer noch an Miyaji Arm oder hat einen Arm um Miyajis Taille geschlungen oder eine Hand in Miyajis Gesäßtasche. Er schaut zurück zu Hayama, der aufgehört hat rumzuhüpfen; stattdessen kaut er auf seiner Lippe rum und sieht so aus, als wäre er wirklich kurz vorm verzweifeln. Und, okay, wenn er das mal ernsthaft betrachtet (und er ist derjenige, der verdammt noch mal gesagt hat, dass er das nicht tun würde), ist dies vielleicht nicht die beste Idee, aber er weiß keinen anderen Ausweg. Er streckt seine Hand nach Hayamas Kinn aus und hebt seinen Kopf – er kann spüren, wie Hayamas Atem in dem Moment stockt, in dem sich seine Augen weiten und, dass das diesmal gar nicht gruselig oder komisch aussieht.

„Schau mal, Kid“, sagt Miyaji. „Es tut mir leid. Ich, ähm.“

Imayoshi sieht ausgesprochen zufrieden aus, wie ein Jäger, der eine komplizierte Falle aufgestellt hat und das Tier, das ihm den letzten Monat über immer wieder entwischt ist, ist nun endlich hineingetreten.

„Ich bin manchmal nicht wirklich in der Lage dazu, meine Gefühle auszudrücken, aber, äh.“

Bevor er das jetzt noch mehr in die Länge zieht (und nein, er verliert nicht die Nerven) schließt Miyaji seine Augen und beugt sich vor, seine Lippen auf Hayamas drückend. Er hat kaum Zeit sich an das Gefühl zu gewöhnen, als Hayama auch schon mit seiner Zunge in Miyajis Mundhöhle vordringt und fuck, das ist viel zu früh. Miyaji würde Hayama am liebsten durch den Raum schleudern, wäre Imayoshi verdammt nochmal nicht da und so konnte er nichts tun, außer Hayama machen zu lassen, was er will. Er lässt Hayama ihn mit seiner Zunge seine Zähne entlangfahren und ihre Zähne aneinanderstoßen (Hayama kommt ihm viel zu nahe und in ungewöhnlichen Winkeln entgegen; hat er jemals zuvor jemanden so geküsst? Zugegeben, Miyaji ist nicht besonders erfahren, aber trotzdem) und schmeckt das Bier und etwas Saures, ananasartiges auf Hayamas Zunge und Lippen. Und okay, vielleicht er unbeholfen und etwas zu enthusiastisch und mit Hayama, aber es war dennoch nicht der schlimmste Kuss, den Miyaji jemals hatte.

Schließlich müssen sie den Kuss unterbrechen, um Luft zu holen; Miyaji atmet schwer und als er die anderen ansieht, sehen die – ungläubig könnte das falsche Wort sein, aber es kommt dem doch sehr nah. Moriyamas Mund ist so weit offen, dass sein Unterkiefer gut auf Kniehöhe ist; Kasamatsus Gesicht ist rot wie ein Radieschen. Imayoshis Augen sind offen und Miyaji widersteht dem Drang zu grinsen und ballt seine Hand zur Faust. Der Kuss war es wert - und es sieht so aus, als hätten sie Imayoshi tatsächlich fürs Erste hinhalten können. Hayama schmiegt sich an Miyajis Brust und drückt Miyajis Taille etwas zu fest, sodass ihm die Luft, nach der er gerade geschnappt hat, wieder entflieht.

„Ich werde nie wieder an dir zweifeln, Miyaji-san.“

„Das will ich dir auch geraten haben“, keucht Miyaji, nicht in der Lage, mehr zu sagen.

„What the fuck“, meint Kasamatsu. „Was zum Teufel was das? Sucht euch ein Zimmer. Nur—”

Miyaji nickt. Wenn sie eine Ausrede haben, für ein paar Minuten wegzukommen und eine (wörtliche) Verschnaufpause einzulegen, war das für sie nicht gerade von Nachteil. Hayama lässt sich bereitwillig durch den Flur in Richtung Badezimmer ziehen. Es ist kein wirklich sicheres Versteck, aber es ist dunkel und es ist besser als nichts (oder eine der anderen Alternativen).
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Der Rest des Abends verläuft relativ ruhig (unter anderem wegen dem Alkohol, allerdings auch nicht zu viel); Miyaji gewöhnt sich and den Geschmack von Hayamas, nach Bier schmeckenden Lippen, das Gefühl des Drucks auf seinen Lippen von unten – und sie küssen sich ein wenig öfter als es unbedingt notwendig wäre (vor allem die Art, wie sich ihre Küsse entwickeln überschreitet die Erwartungen der anderen), aber hey. Hayama scheint Spaß an dieser halbkontrollierten Art und Weise zu haben, Imayoshi wirkt zufrieden (obwohl er mehr ums sie beide herumschleicht, als er verdammt nochmal sollte), und Higuchi startet auch keine bescheuerten Aktionen mehr (Okamura, wie auch immer das passieren konnte, endet trauernd darüber, dass keiner mit ihm ausgehen will, während die anderen Gäste ihr Bestes geben, um ihn zu ignorieren). Miyaji fängt fast (aber nicht ganz, okay?) an, die Form von Hayamas schlanken Schultern unter seinem Arm zu genießen, und als die anderen Gäste sich langsam einer nach dem anderen verabschieden, merkt er, dass er es gar nicht so schlecht fände, wenn die Party noch ein wenig länger dauern würde und sie noch ein wenig mehr Zeit hätten, ihre Farce aufrecht zu erhalten (um dem Leuten im Gedächtnis zu bleiben und um ihnen einzuhämmern, dass sie wirklich zusammen sind – natürlich nicht wegen etwas anderem).

Bald sind Higuchi, Mibuchi, Nebuya, Hayama und Miyaji die einzigen, die noch da sind; Miyajis Arm liegt noch immer um Hayama und Hayama kuschelt sich näher an ihn. Miyaji versucht ihn wegzustoßen, aber alle wissen, wie halbherzig dieser Versuch ist. Higuchi zieht beide Augenbrauen nach oben.

„Ihr könnt jetzt aufhören, wisst ihr?“

Hayama gähnt und lehnt seinen Kopf an Miyajis Schulter.

„Yeah. Naja“, sagt Miyaji. „Kid, willst du mit zu mir nach Hause kommen? Higuchis Wohnung ist mit ihm selbst und den anderen beiden bereits überfüllt.“

Hayamas Kopf schießt in die Höhe wie ein gesprengter Gullideckel und seine Augen sind so weit aufgerissen, als hätte er die Müdigkeit die ganze Zeit nur vorgetäuscht. „Wirklich, Miyaji-san?“

„Yeah, yeah“, meint Miyaji.

„Ich wette, wir können viel interessantere Dinge machen, als Sudoku“, sagt Hayama.

Miyaji kneift ihn in die Seite. Higuchi erstarrt. Verdammte Stichelei.

„Weißt du, ich glaube wirklich nicht, dass wir ihm vertrauen—“, beginnt Mibuchi.

Miyaji starrt ihn an. Er mag Vieles sein, aber unzuverlässig ist er nicht. Mibuchis Stimme sinkt.

„Lass ihn einfach gehen“, meint Nebuya. „Es wird ihm schon nichts passieren.“

„Ich habe Miyaji-san, der mich beschützt“, sagt Hayama schläfrig und fuck, Miyajis Wangen flammen gerade nicht auf, wie verschissene Bremslichter oder etwas in die Richtung.

Fuck, er will wirklich jemanden überfahren, aber vielleicht ist es diesmal nicht Hayama. Trotzdem muss er irgendwie darauf reagieren, also klopft er Hayama auf die Schulter.

„Vergiss das nicht.“

„Heißt das, dass wir jetzt wirklich zusammen sind? Also so richtig?“, fragt Hayama, die Augen wieder weit aufgerissen.

„Übertreibs nicht, Kid.“


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Vielen Dank nochmal an den Autor stephanericher für die Erlaubnis, diesen One-Shot (Original) übersetzen zu dürfen. Der OS ist wirklich toll!

Ich hoffe, dass er auch euch gefallen hat und dass ihr euch nicht an meinen Übersetzungskünsten stören musstet. Wenn doch, bin ich für Kritik natürlich immer offen. Lest gerne noch das Original, es lohnt sich ;-)

GLG eure Shira-chan
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