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Anemoia

von Wheezy
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Lavender Brown Pansy Parkinson
13.12.2018
19.12.2019
9
13.570
4
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.12.2018 1.522
 
A/N: Vielen Dank an Anne-Rose für das erste Review^-^
Frohe Weihnachten & einen guten Rutsch,
bis dahin viel Spaß beim Lesen :D








Sirius weiß von Anfang an, dass Lily Evans eine furchtbare Idee ist. James hat schon viele furchtbare Ideen gehabt (angefangen bei dem Vorschlag im zweiten Schuljahr, dass sie die Quatschmacher oder Prankster statt Rumtreiber heißen sollten), aber Lily Evans ist mit Abstand seine furchtbarste. Sirius weiß das, sobald James im fünften Schuljahr plötzlich anfängt, von roten Haaren und grünen Augen zu schwärmen.

„Lass es“, rät Sirius ihm, bevor James Lily auch nur einmal angesprochen hat. Aber James ist nun mal James – er fragt sie mit einem Grinsen und kassiert einen Korb.

„Das“, sagt Sirius und meint damit James' komplett ausgearbeiteten, frischen Plan zur Eroberung von Lily Evans' Herz, „ist eine bescheuerte Idee.“ Aber James ist nun mal James – er tut Sirius' Einwurf mit einem Grinsen ab und rennt mit offenen Augen in sein Verderben.

Sirius kann kaum mitansehen, wie James‘ Schultern mit jeder Abfuhr, jedem gemeinen Wort und jedem kalten Blick von Lily weiter nach unten sinken. Aber er gibt nicht auf, das muss Sirius ihm lassen.

„Lily ist keine gute Idee“, sagt Sirius im sechsten Schuljahr zu Remus, weil er hofft, Rückendeckung zu bekommen.

Remus aber sieht kaum von seiner Hausaufgabe auf. „Lily ist ein tolles Mädchen“, meint er und setzt einen Punkt hinter seinen Satz.

Sirius seufzt mitleiderregend und reckt den Hals, um einen Blick auf Lilys Feuerhaare zu erhaschen. Sie steht hinter dem Bücherregal und sucht fieberhaft nach einem Buch.

Remus packt ihn am Arm, als Sirius sich kurzerhand erhebt. „Lass es“, sagt er. Dieses Mal schenkt er Sirius seine volle Aufmerksamkeit in Form eines warnenden Blicks.

„Ich mach doch gar nichts.“ Ob Remus seine Gedanken lesen kann? Er verzieht keine Miene, als Sirius fest an seine Cousine in knapper Bekleidung denkt.

„Aber du hast was vor. Lass Lily und James doch einfach Lily und James bleiben, Sirius“, sagt Remus und lässt ihn los. Sirius' Mundwinkel zucken nach unten, aber er setzt sich wieder hin und lehnt sich in seinem Stuhl zurück, um Lily besser im Auge zu behalten. Es gibt kein Lily und James. Es gibt Lily und es gibt James und Sirius will verflucht sein, wenn er diesen Zustand nicht beibehalten kann.



Weil Sirius Sirius ist, nimmt er trotz Remus' Warnung die Zügel selbst in die Hand und fängt Lily nach Arithmanthik auf dem Flur ab.

„James hat das nicht verdient“, sagt Sirius gerade heraus, als sie alleine im Korridor vor dem Arithmanthik-Klassenzimmer stehen.

Lily, noch in ihrer Rolle der Vertrauensschülerin und der Lily, die jeder kennt – nett, zuvorkommend, sterbenslangweilig – umklammert das Buch in ihren Armen und hebt die Augenbrauen. „Was meinst du?“

„Dass du ihn ständig verletzt“, entgegnet Sirius und setzt seinen finsteren Black-Blick auf, der noch jeden verjagt hat. „Hör auf damit. Er ist mein bester Freund.“

Da schimmert zum ersten Mal die andere Lily durch. Es ist dieses Blitzen in den grünen Augen, das kaum wahrnehmbare Zucken ihrer Mundwinkel. „Also soll ich – was? Mit ihm auf ein Date gehen und ihm dann das Herz brechen, weil ich kein Interesse hab?“

Eigentor. Sirius runzelt die Stirn. Lilys Mund verzieht sich zu einem rosafarbenen Spott, dann rauscht sie an ihm vorbei.



Sirius kann es nicht mehr hören, wie James von Lily schwärmt. Ihre Flammenhaare, ihre lieblichen roten Lippen, ihre süßen Sommersprossen und überhaupt – Lily Evans ist perfekt in jeder Hinsicht.

„Sie raucht“, sagt Sirius, dessen Beine in der Luft hängen. Seine Haare hängen auf dem Boden und er sieht James auf dem Kopf stehen. Beziehungsweise liegen.

James brummt nur.

„Ich hab sie letztens gesehen, hinter den Gewächshäusern“, spricht Sirius weiter und beobachtet scharf jede Reaktion seines besten Freundes, weil er weiß, dass James rauchen verabscheut. James schielt unter seiner Brille zu Sirius und hebt die Schultern.

„Dann küsse ich sie halt nicht, nachdem sie geraucht hat“, meint James und wirft den Tennisball hoch, den er aus Peters Koffer geliehen hat. Sirius' Augen folgen der Bewegung. Ihm wird bewusst, dass es schwieriger wird als gedacht, James von der Lily-Idee abzubringen, als gedacht. Er muss tiefer in die schmutzige-Wahrheiten-Kiste greifen als gedacht.

„Weißt du“, sinniert Sirius gespielt nachdenklich und ohne wirklichen Kontext, „Lily wäre sicher die Art Kerl, der andere in den Arsch fickt und dann nicht einmal den Anstand hat, denen auch einen runterzuholen.“

James lässt den Tennisball fallen, der mehrmals dumpf auf dem Boden aufschlägt und in Sirius' Haare rollt.



Sirius ist zufrieden, als James Ende des sechsten Schuljahres keine Anstalten mehr macht, Lily auf ein Date einzuladen.

Sirius ist sehr zufrieden, als er Lilys irritierte Blicke bemerkt, wenn James einfach an ihr vorbeigeht und statt einer Date-Anfrage nur einen bedauernden Blick im Gepäck hat.

„Was hast du gemacht?“, faucht Lily ihn an. Mit ihrem schmalen Körper drängt sie ihn in der kleinen Zugtoilette gegen die Wand. Sirius ist im ersten Moment zu überrascht, dass Lily sich in die Jungstoilette traut und dann auch noch so kurz nach ihm – er kann die Gerüchteküche förmlich brodeln hören.

Lilys Augen sprühen Funken und Sirius nimmt die Hände von der Hose, die er gerade öffnen wollte. „Ich hab ihm die Wahrheit gesagt“, antwortet Sirius schlicht. Lilys Mandel-Vanille-Duft steigt ihm in die Nase, lenkt ihn kurzzeitig von ihren jadegrünen Augen ab.

Aber Lily verliert nicht gerne die Aufmerksamkeit. „Warum bevormundest du James?“ Ihre Stimme ist rasiermesserscharf und Sirius muss unwillkürlich grinsen. Lily, auch wenn sie es nicht gezeigt hat, hat James' Aufmerksamkeit genossen.

„Du denkst auch, die Welt dreht sich um dich“, sagt er und bringt sie damit zumindest für einen Augenblick aus der Fassung – er merkt instinktiv, dass Lily das noch niemand so direkt gesagt hat. Dass sie egoistisch ist. Denn sie mag es, das umgarnte Mädchen zu sein. Das Mädchen, dem das Herz von James Potter gehört. Denn daran bestand das letzte dreiviertel Jahr kein Zweifel. James schreit seine Gefühle gerne lautstark in die Welt.

Lily nicht.

„Du hast kein Recht, dich da einzumischen“, knurrt Lily. Sirius spürt ihre Brüste, die hauchzart seinen Brustkorb berühren –

James würde ihn für seine abwegigen Gedanken lebendig häuten.

„Man kann sich nicht in etwas einmischen, das nicht existiert“, stellt Sirius klar.

„Du erstickst es ja auch im Keim.“ Ein klarer Vorwurf. Lily muss ein wenig zu ihm hochsehen, aber es gefällt ihr sichtlich, ihn zwischen Wand und sich selbst gefangen zu halten. Ihre roten – lieblichen – Lippen sind zu einem ungemütlichen Strich verzogen. „Ich will James.“

Sie betont jedes einzelne Wort und drängt sich dabei noch enger an Sirius, als wolle sie ihren Willen mit Gewalt durchsetzen. Sirius würde es nicht einmal wundern, würde sie hinter ihrem Rücken ein Messer hervor holen und ihm die Kehle durchschneiden, nur damit er nicht dazwischenfunken kann.

(Und damit kennt er Lilys ungestümes Wesen fast besser als James.)



„Du solltest ihr noch eine Chance geben“, sagt Sirius in den Sommerferien vor ihrem siebten Schuljahr.

„Was … woher kommt dieser Umschwung?“ James ist irritiert, aber klug genug, den Köder nicht sofort zu schlucken. Seine braunen Augen fixieren Sirius, der neben ihm auf der Picknickdecke in der Sonne liegt.

„Sagen wir so“, meint Sirius unbestimmt, weil er James bestimmt nicht in sein Bild der Sirius-meuchelnden Lily einweihen will, „sie hat ziemlich explizit ihr Interesse an dir bekundet.“

Sirius beobachtet genau, wie James Lippen sich ganz langsam zu einem aufgeregten Lächeln verziehen und in seine Augen dieser Glanz tritt, den er sonst nur hatte, wenn er in der dritten Klasse über die zwei Jahre ältere Dorcas Meadowes geschwärmt hat. Und da weiß Sirius, das es vielleicht doch richtig ist, James seine Idee von Lily zu lassen, weil es James glücklich macht. Und Sirius ist glücklich, wenn James glücklich ist.

(Selbst wenn Lily so selbstsüchtig wäre, nur nach ihrer eigenen Befriedigung zu dürsten.)



Die ersten Monate des letzten Schuljahres sind eine Fortsetzung der alten Soap – James bittet Lily um ein Date, Lily lässt ihn abblitzen (immerhin sind ihre Worte weniger harsch und ihre Blicke weniger kalt), James kehrt mit neuer Methode zurück.

Sirius ist schon gewillt, sich Lily erneut vorzuknöpfen, als sie plötzlich Ja sagt zu James, der mitten im Gemeinschaftsraum ein Ständchen gesungen hat – Lily wirft Sirius einen spöttischen Blick zu, als wüsste sie genau, dass sein Geduldsfaden sich dem Ende genähert hat und Sirius ist lässt sich fast dazu hinreißen, ihr die Zunge raus zu strecken.

Von da an heißt es nicht mehr feuriges Temperament, Jadeaugen und Flammenhaar, sondern Lily sagt dies, Lily findet das, LilyLilyLily.

Es ist fast schlimmer als vorher.

„Ich gönne dir dein Glück, Krone, wirklich“, brummt ein äußerst müder Remus nach einem wirklich anstrengenden Vollmond und setzt dabei seinen besten Ich bring euch alle um-Blick auf, „aber noch ein Wort über Lily und ich muss dich bedauerlicherweise dazu nötigen, nackt im Schnee zu schlafen.“

Sirius bricht in schallendes Gelächter aus. Ja, doch, es ist schlimmer geworden. Aber wenn eine nette, zuvorkommende, sterbenslangweilige Lily Evans mit dem selbstsüchtigen, Sirius-meuchelnden, spöttischen Kern das ist, was James will, dann soll er verflucht sein, wenn er daran etwas ändert.
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